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Nr. 116 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)

2O./2(.Mai 1959

Aus Der ÖtaDt Gießen.

Oie Mutter.

Und ihr Leben ist immer ein ewiges Gehen und Kommen,

Oder ein Heben und Tragen, Bereiten und (m.l Schaffen für andre.

Wohl ihr, wenn sie daran sich gewöhnt, daß v kein Weg ihr zu sauer

Wird, und die Stunden der Nacht ihr sind wie . die Stunden des Tages.

Daß ihr niemals die Arbeit zu klein und die Nadel zu fein dünkt,

Daß sie sich ganz vergißt und leben mag nur in andern!

Denn als Mutter, fürwahr, bedarf sie der Tugenden alle.

Wenn der Säugling die Krankende weckt und Nahrung begehret

Don der Schwachen, und so zu Schmerzen Sorgen sich hänfen.

Zwanzig Männer verbunden ertrügen nicht diese Beschwerde.

Und sie sollen es nicht; doch sollen sie dankbar es einsehn."

Kaum ein anderer unserer großen Dichter hat so oft und dankbvr Wesen und Tun der Mütter ge­priesen wie Goethe, der in diesen schönen Versen in .^Hermann und Dorothea" das beschwerliche All­tagsschicksal der Mutter zeichnet, mit seinem unab­lässigenBereiten und Schaffen für andre". Oft ist es ja so, daß der Mutter, die mit einer großen Kin­derschar gesegnet ist, der Bäuerin auf dem Lande, der Frau des Werktätigen in der Stadt, nicht eine Minute des Tages selber zur Rast und Besinnung gehört, ja sogar der Sonntag, an dem die Familie ihre Nahrung begehrt wie alle Tage, kaum Ent­spannung bringt, Klaglos tragen die Mütter diese nie abreißende Kette von Lasten, manche werden vielleicht karg und hart unter der ständigen Ueber- bürdung oder gelegentlich auch einmal bitter, be­sonders wenn dasdankbare Einsehn" der Männer ausbleibt.

Wie die Mutter diesen Alltag gestaltet, ob sie ver­drossen und müde ihre Pflicht tut oder ob sie alles mit einer inneren Freudigkeit durchleuchtet, das be­deutet für das Kind Schicksal, und vielleicht gibt es im späteren Leben nichts mehr, was so entscheidend am Wesen des Menschen formt, wie diese ersten Eindrücke, die die Mutter vermittelt. Im allgemei­nen ist zum Glück die Mutterliebe von so elemen­tarer Kraft, daß sie auch das Schwere leicht macht und daß die Mutter mit jeder Handreichung und mit jedem einfachen Dienst ihrem Kinde viel mehr schenkt als die tägliche Nahrung und Notdurft: einen Strom von Liebe und Zärtlichkeit der gewis­sermaßen die seelische Nahrung des Kindes bedeutet. Von Anfang an besteht ein liebendes Einverständ­nis zwischen Mutter und Kind. Das Kind fühlt sich Lei der Mutter, und nur bei ihr, ganz verstanden und darum zutiefst geborgen. So erzählt Hans Thoma in seinem schönen ErinnerungsbuchDom Herbst des Lebens", wie seine Mutter, die schlichte Schwarzwaldbäuerin, die er so ergreifend gemalt hat, in seinen ersten unbeholfenen Zeichnungen die Gegenstände erkennt und erklärt, die er hat dar­stellen wollen, während der Nachbar ihn einfach auslacht. Und er fügt den Satz hinzu:Es ist ein weiter Weg vom liebend erkennenden Mutterauge bis zum kritisch prüfenden Nachbarsauge."

Je älter das Kind wird, um so mehr tritt das einfache Dienen und Sorgen der Mutter zurück, um so stärker aber wird von ihr das verständnisvolle Eingehen auf die Seele des Kindes ^erlangt, das heißt, um so mehr wird sie Führerin, Beraterin, - vielleicht endlich auch teilnehmende Freundin ihres Kindes. Nicht allen Müttern ist gegeben, hier das gleiche zu leisten. Mit der wachsenden seelischen Reife des Kindes vollzieht sich. unvermeidlich auch eine gewisse Loslösung von der Mutter. Für viele ist das der krittsche Punkt. Diele können den Schritt nicht tun, den die Mutter vor dem Kinde zurück-

Llrlauber-Reisen der Gießener meist nach dem Süden und an die See.

Ein Besuch im Gießener Reisebüro.

Die, Zeit der Urlaubsreisen ist wieder gekommen. Pläne sind von den meisten Urlaubern schon seit Wochen geschmiedet und festgelegt. Mancher hat sich- wohl auch schon das Reisegeld und noch etwas dar­über zusammengespart. Andere stecken kurzerhand das Monatsgehalt oder den Wochenlohn in die Tasche und gondeln mit dem, was nach der Be­streitung der dringenden Ausgaben übrigbleibt, mehr oder minder weit hinaus in die schöne deutsche Landschaft, vielleicht sogar ins Ausland.

In diesen Tagen vor der Hauptreisezeit ist es interessant, einmal zu hören, wohin die meisten Ur­lauber aus Gießen zu reisen pflegen. Das Reise­büro am Selterstor, das, als Beratungs- und als Fahrkartenverkaufsstelle alljährlich von rund 35 000 Personen in Anspruch genommen wird, hat uns auf unsere Anfrage nach diesen Urlauber-Reisezielen Auskunft gegeben.

Alle Urlauber, aber auch die sonstigen Ver- gnügungs- oder Kurreisenden machen zunächst im Reisebüro von dem reichhaltigen Vorrat an Pro­spekten der verschiedenen Erholungsplätze Gebrauch. Da wird mancherlei Material genau unter die Lupe genommen, bis man schließlich mit Anfragen und mit der Bitte um Ratschläge herausrückt. Meist lie­gen die Reisepläne aber schon fest, so daß cs sich in der Hauptsache nur.noch um Auskunft in Einzel­fragen handelt. Die meisten Reisenden aus Gießen bcg,«.en sich nach Süddeutschland, wo der Schwarzwald, der Bodensee, die Alpen im Allgäu und Oberbayern, seit dem vorigen Jahre auch die Ostmark als bevorzugte Erholungsgebiete ausgesucht werden. Daneben macht sich in jedem Jahre starkes Interesse der Gießener Reiselustigen für die Nord­see - und die Dftfeebäber bemerkbar. Neuer­dings finden auch Reisen der Urlauber nach Ost­preußen immer mehr Anklang, wozu die von der Reichsbahn gewährte erhebliche Fahrpreisver­billigung einen besonderen Anreiz gibt.

Ausfälligerweise werden dagegen von Gießen aus die landschaftlich schönen Gegenden des Bayerischen Waldes, des Harzes, des Erzgebirges und des Rie- sengebirges sehr vernachlässigt, ja eigentlich kaum beachtet. Das ist um so unerklärlicher, wenn man bedenkt, daß beispielsweise auch das Riesengebirge viel herrliche landschaftliche Reize besitzt und eine Reise von Gießen nach dem Riesengebirge (etwa 700 Kilometer) nicht weiter ist, als eine Fahrt von Gießen nach Berchtesgaden. Ebenso findet bisher der Thüringer Wald bei den Reiselustigen der Gie­ßener Gegend "bis jetzt immer noch verhältnismäßig geringen Anklang. Die Zugverbindungen nach die­sen Erholungsstätten in Mitteldeutschland und im Osten des Reiches sind durchweg sehr gut, so daß auch die Reise. keinerlei Schwierigkeiten machen wird.

Die beliebtesten Auslands-Reiseziele der

Gießener sind Italien und Jugoslawien. Neuerdings werden Reisen nach Jugoslawien er­heblich mehr gefragt, als man vermutet hatte. Das Reiseinteresse an Italien hat sich von Jahr zu Jahr in erfreulicher Weise gesteigert und tritt jetzt in sehr starkem Ausmaß in Erscheinung. Den Reisenden wird ja auch in beiden Ländern viel an landschaft­licher Schönheit und an Annehmlichkeiten geboten, so daß man diesen starken Zug nach den befreun­deten südlichen Ländern nur verstehen und begrüßen kann.

Neben den Fahrten mit der Bahn spielt auch der Flugverkehr für eine Anzahl Reisende aus Gießen eine besondere Rolle, wobei fördernd in Betracht kommt, daß man vom Frankfurter Flughafen aus sehr gute Flugverbindungen hat und Sitzplätze für die Flugzeuge bereits im Reisebüro in Gießen gesichert werden können, so daß man von hier aus unbesorgt um den sicheren Anschluß näch Frankfurt zum Flughafen fahren kann. Be­liebt sind namentlich auch die Flug-Pauschal- reifen nach Italien, die es den Flugzeug- reisenden ermöglichen, sich im Rahmen dieser Reise­einrichtung mehrere Tage lang in Italien aufzu­halten und hin und zurück mit dem Flugzeug zu reisen. Schiffsreisen auf deutschen Schiffen im Mittelmeer und nach dem Norden bis Spitzbergen finden bei zahlreichen Reisenden aus Gießen und Umgegend ebenfalls viel Anklang, wie ber rege Kartenverkauf beim Reisebüro beweist. Steigender Beliebtheit erfreuen sich ferner die von Frankfurt aus durchgeführten Omnibus-Ge­sell f cha f t s r e i s e n , die meist nach Süddeutsch­land, nach der Ostmark und nach Italien führen

und bei der Gießener Bevölkerung bisher eine- verhältnismäßig starke Beteiligung gefunden ha­ben. Im Herbst und im Winter ist diegroße Reife- mode" der Gießener auf die deutschen Alpen, insbesondere auf Vorarlberg, Tirol, Oetztal und den besonderen Lieblings- und Treffpunkt aller Gieße­ner, D a m ü h l s , eingestellt.

Um Pfingsten herum beginnt die Hochsaison des Reisebetriebs, die erst Ende September abflaut. Eine weitere Steigerung des Reisebetriebs kann man wohl von einer 2 0 p r o Z e n t i g e n Fahr-

SPITZENLEISTUNG

OPEL

Preisermäßigung für Fahr sch einhefte über eine Strecke von mindestens 600 Kilometer er­warten, die nur bei den Reisebüros ausgegeben werden und gewissermaßen eine verbesserte Urlaubs­karte barstellen, die bem Reiselustigen, insbesondere auch für zeitlich kürzere Fahrten, beachtenswerte Reisevergünstigungen bieten.

Zu wünschen wäre nur noch, daß sich die Reise- freubigfeit unserer Gießener Volksgenossen künftig erheblich mehr als bisher bem landschaftlich herr­lichen deutschen Osten, insbesondere den Grenzgebieten O st preußen und Schlesien zuwendet, wo ebenfalls gute Erholungsmöglichkeiten bestehen und durch regen Fremdenverkehr den dor­tigen Volksgenossen eine willkommene wirtschaftliche Stärkung gebracht würde. B.

Die Miier wird gefeiert vor hem ganzen Volke.

Kinderreiche Mtter in Gießen.

Zur Auszeichnung mit dem Ehrenkreuz der Deut­schen Mutter am morgigen Muttertag sind in ber Stabt Gießen bie nachgenannten Mütter über 70 Jahre vorgesehen:

1. Stufe des Ehrenkreuzes (Gold): Anna Balser, Krvfdorfer Str. 10; Frieda Dern, Steinstr. 13; Katharina Döll, ßiebigftraße 57; Karo- line Eger, Bückingstr. 3; Elisabeth Euteneuer, Rie­gelpfad 68; Katharine Fink, Döringstr. 8; Helene Fischer, Maigasse 13; Wilhelmine Flick, Neuen­weg 25; Emilie Frenzel, Schottstr. 13; Johanna Friksch, Bleichstr. 5; Mathilde Gröninger, Stein­straße 59; Minna Grüneklee, Marburger Str. 56; Katharina Hahn, Schiffenberger Weg 39; Franziska Hammel, Schottstr. 48; Elise Heck, Dammstr. 41;

Gertrude Heimes, Neuen Bäue 15; Susanne Höpf- ner, Kaiserallee 55; Karoline Kaiser, Hitlerwall 29; Philippine Kauß, Horst-Wessel-Wall 62; Berta Kraemer, Glaubrechtstr. 5; Henriette Lindenstruth, Mühlstr. 21; Therese Müller, Kreuzplatz 14; Marie Naselewski, Grüner Weg 10; Luise Pietsch, Schiffen­berger Weg 34; Elise Schindler, Marburg. Str. 117; Johanna Schmall, Kaiserallee 37; Elisabetha Schmidt, Ebelstr. 41; Henriette Schmidt, Weserstr. 18; Magda­lene Urrigshardt, Schottstr. 15; Anna Volz, Frank­furter Straße 129; Ottilie Weber, Licher Str. 23; Wilhelmine Weber, Licher Straße 7.

2. Stufe des Ehrenkreuzes (Silber): Magdalene Adam, In Löbers Hof 3; Marie Adolph, Wetzlarer Weg 69; Auguste Bepperling, Brandgasfe4; Mathilde Bode, Friedrichstr. 13; Katharina Decher, Am Sandfeld 23; Anna Dechert, Günthersgraben 11;

treten muß, um ihm ganz Raum zur eigenen Ent­faltung zu geben. Oft kommt solche Verständnislosig­keit aus dem besten Wollen heraus. Die Mutter glaubt ihr Kind, wenn es andere Pfade geht als sie selber, auf dem falschen Wege, aus ihrer größeren Erfahrung glaubt sie es besser beurteilen zu kön­nen, oft hat sie damit tatsächlich recht, und doch kann das Kind ihr nicht folgen, weil es fein eigenes Gesetz erfüllen und seine eigene Erfahrung machen muß. Es gibt auch ehrgeizige Mütter, die von ihrem Kinde zu viel erwarten und dann die Enttäuschung nicht überwinden fännen, ober die Herrscherlichen Frauen, die unwillkürlich, vielleicht ohne es selbst zu wissen, dem Kinde ihren eigenen Stempel auf­

drücken wollen. Das ist dann Tragik, die das Leben mancher Mutter, grabe in den späteren Lebensjah­ren, beschattet.

Bei den anderen aber, und es find glücklicherweise die weitaus meisten, wird das Verhältnis mit dem Aelterwerden des Kindes immer schöner. Es bleibt die tiefe Verbundenheit, das unlösliche Vertrauens­verhältnis, aber aus der Abhängigkeit ist eine ganz freie Beziehung geworden, in der die Mutter am Leben des erwachsenen Kindes teil nimmt und sich darin selber verjüngt, das Kind, oft trotz größter äußerer Entfernung, doch in liebender Dankbarkeit feine Wurzeln immer noch in der Mutter ruhen fühlt.

Einstellung

für den weiblichen Arbeitsdienst.

Der 1. Oktober 1939 ist Ei ns tellu ng s t e rmin für den Reichsarbeitsdienst für die weibliche Jugend. Es wird darauf hingewiesen, daß Meldungen zu diesem Termin rechtzeitig, spätestens im Laufe des Monats Juni, bei der für den Wohnort der Bewerberin zu­ständigen Bezirksleitung einzureichen sind. Die er­forderlichen Merkblätter und Antragsformulare lie­gen bei den Polizeibehörden kostenlos auf oder sind bei der zuständigen Bezirksleitung anzufordern.

Oonaulandfchasten.

23on Rudolf Adrian Dietrich

Wenn sich auch sonst die Gegenden der deutschen Ostmark wesentlich von den Rheinlanden unter­scheiden, so besteht doch eine enge geschichtliche und erd geschichtliche Beziehung zwischen den beiden größ­ten Flüssen des Reiches. Auf geheimnisvolle Weise durch die Donauversickerung bei Immendingen und die sogenannte Aachquelle seit Urzeiten unterirdisch miteinander verbunden, sind uns Rhein und Donau zugleich als der Weg der Nibelungensage, als gemeinsamer Hintergrund des großen frühdeut­schen Heldenepos symbolhaft nahe. Und auch im Landschaftsbilde der Donauufer wiederholt sich man­ches Charakteristikum, das der Rheinfahrer kennt: die Weinberge in der Wachau und vor allem die Burgen, die auch hier über Bergen und Waldern von den Stromufern emporragen. Dann freilich verläßt uns die Vergleichsmöglichkeit: an stelle der romantischen und gotischen Dome des deutschen Westens wölben sich hier die Kuppeln der Barock- b au fünft. , .. ,...

Sobald die erste Frühlingssonne über bie Hohen dieser oberdeutschen Landschaft steigt, ine durch die großen Meister der Landschafjsmalerei Fruy- aus, Altdorfer, Wolf Huber usw. male­risch gerühmt wurde, zieht die Sehnsucht nach bie er Landschaft viele Herzen an. Und heute, da dieses reiche, unvergeßlich schöne Land wieder ein Teil d-s geeinten Deutschen Reiches ge.morben t|t, m. es gewiß noch mehr Landsleute als sonst dorthin k Jßenn man von der früheren Reichsgrenze, etwa von der (um 1219 aufgerlchteten) Passauer Burg, demOberhaus", über die waldige Dreiftromland- schaft der Donau, Iller und Jltz gen Osten sieht, sind es noch die Farben und Linien einer zarten iomantitoen Landschaft. Aber bald hinter Pass°u wirb biese Romantik sah unb plötzlich schroff, fast heroisch. Unter ber Puine Haicherbeck wo die erste große Stromkrümmung die Schlögener Schlinae liegt, wälzt sich der Strom Zwischen dunkelbewaldeten teils bis zu dreihundert Meter hohen Berghängen hin: von allen Donaulandschaften vielleicht eine der großartigsten, bietet dieses nach dem bisher in Bayern meist ruhigen Lauf des Flusses eine besondere Ueberraschung dar^ Erst um die Linzerstadt strömen die Wasser wieder etwas breiter und ruhiger. . . ,,

Mit ihren stillen Gassen spiegelt sich die alte römische Lentia im Kranz der Berge die sich setzt in ihrem ersten Frühlingszauber entfaltem L ^n z ist eine ausgesprochene Barockstabt, aber mit d

nahen Klang eines südlichen Rokoko gemischt. Das eigentliche Barock präsentieren der alte Dom, die Clisabethinenkirche unb anbere Hauptbauwerke. Auch ben berühmten Aussichtspunkt, den 527 Meter hohen Pöstlingberg, frönt eine barocke Wallfahrts­kirche. In ben Mauern der Stadt Linz erlebte auch die deutsche Musik den letzten bedeutsamen Nach­klang des Barock. Beim alten Dom erinnert eine Gedenktafel den Wanderer, daß hier zehn Jahre lang von 1858 bis 1868 der große Meister Anton Bruckner an der Orgel faß. (Draußen vor der Stadt in der Krypta der 1686 errichteten Chorherrenstiftskirche Sankt Florian befindet sich feine letzte Ruhestätte.)

Bald hinter Linz folgt wieder eine neue über­raschende Wendung im Schicksalslauf des großen Stromes: jene für die Schiffahrt gefährlichste Strecke von etwa einem halben Kilometer, auf der ber Fluß einen Engpaß durchbricht. Es ist das Strom­strudelgebiet bei Grein. Seit Maria Theresias -Zeiten hat man durch Sprengungen und Regu­lierungen die Gefährlichkeit dieses Stromstückes zu bezwingen versucht. Gegenwärtig will man jene Stelle des©trüben" bei Grein, bie bisher immer nur jeweils' in einer Fahrtrichtung passiert werden konnte, durch enorme Schleusen voll dem Verkehr gewinnen.

Hinter Grein beginnt dann jene sagen- und liederreiche Gegend der Wachau: das Obst- und Rebenland Wiens. Etwa neununddreißig Kilometer lang schlängelt sich der Strom hier durch die Berge. Von den Ufern heben sich die hellen freunblid)2.n Gerieften wie Obermühl, Persenderg, Schonbuhl, Und hoch oben ragen die Ruinen der Pürgen: die Kuenringerfeste Aggstein, das sagenumwobene Ro- fengärtlem, Burg Dürnstein (in der 1293 König Richard Löwenherz gefangen saß). Ein ganzer Le- genbenfreis erwacht und rankt sich von einem Ort zum andern. Wenn man ben Zusammenhang älte­sten deutschen Sagengutes in ber späteren Roman­tik überhaupt irgendwo im deutschen Ostraum er­leben will, so gibt es nirgends eine bessere Möglich­keit dafür als hier in der an unvergeßlichen Land­schaftseindrücken so überreichen Wachau. Unb je wei­ter man in ben Frühling biefer Lanbschaft reift um fo mehr fühlt man sogleich die Melodie des Südens den strengen Rhythmus des germanischen Epos durchdringen.....

In Pöchlarn, dem alten Bechelarn Rüdigers, ragen noch zwei Türme von den frühmittelalterlichen Befestigungen auf. Die Spätgotik tritt in der als gotischer Hallenbau begonnenen Pfarrkirche in Er­scheinung; später hat auch in diesem Bau das Ba­rock die Führung gewonnen. Als eins ber hervor­ragendsten und weithin sichtbaren Baudenkmaler

des deutschen Barock steht dann der Stiftsdom von Melk hoch überm Strom in der Waldland­schaft. Seine das ganze Strombild beherrschende Lage ist wohl als einzigartig zu bezeichnen. Nur das östlich im Waldinnern auf der anderen Seite (zwölf Minuten Bahnfahrt von dem Städtchen Krems entfernt liegende) Kloster ©öttweig nach den Plänen Lukas von Hildebrands geschaffen offenbart in ähnlicher Weife die Größe und Be­deutung des Barocks in der Landschaft. Krems selbst bildet den östlichen Abschluß der Wachau. Dann verändert sich das Landschaftsbild der Donau aber­mals. Eine weite Ebene breitet sich bis zum Hori­zont. In zahllosen Armen durchschlängelt der Strom das Tullner Feld, ehe sich in der Gegend von Klosterneuburg die Wasser wieder sammeln und die Ausläufer des Wiener Waldes sich aus der Ebene erheben.

Humor im Gerichtssaal.

Selbst in den nüchternen Räunien des Gerichts- saals hat der Humor zuweilen seinen Platz. Beson­ders aus englischen Gerichtssälen sind allerlei luftige Geschichten überliefert. Meistens ist es der Richter, der für den Humor sorgt, manchmal wirb auch auf feine Koster gelacht. Die Schlagsenigkeit manchen Anwaltes rerfftonte auch bie Richter nicht und brachtc die Lacher auf feine Seite. So war der bekannte Lord Darling, als er noch Anwalt war, berühmt für seinen kaustischen Witz. Als jüngerer Anwalt hatte er über einen Punkt sehr ausführlich gesprochen Gegen 17 Uhr fing die Geschworcnen- vank an unruhig zu werden.Mr. Darling", sagte ber Vorsitzende enblich zu ihm,sehen Sie bie Zeiger an der Uhr?"Ja", erwiderte Darling, ohne sich stören zu lassen,sie scheinen mir für diese Tages­zeit in ihrer normalen Stellung zu fein."

Auch andere Anwälte haben es abgelehnt, sich treiben zu lassen.Ich mache Sie darauf aufmerk­sam, daß die Zeit vergeht", sagte ein Richter zum Verteidiger.Lgssen Sie sie vergehen", erwiderte der Anwalt. Nach einer weiteren Stunde war die richterliche Geduld auf dem Siedepunkt angekommen. Es stehen noch andere Fälle auf der Liste", rief er. Ja, gewiß", erklärte der Anwalt gelassen,aber kein einziger außer diesem einen, für den mein Klient das geringste Interesse hat." Manchmal sind es aber auch die Zeugen, deren Witz dem der An­wälte überlegen ist. Ein Anwalt vernahm einen medizinischen Sachverständigen im Kreuzverhör.Sie werden doch zugeben, daß Aerzte zuweilen Fehler machen, nicht wahr?" fragte er.Oh ja, genau wie die Anwälte", räumte der Zeuge ein.Aber die Fehler der Aerzte werden sechs Fuß tief unter der.

Erde begraben", fuhr der Anwalt fort.Ja", er­widerte der Arzt,und die der Anwälte hängen oft in der Luft."

Ein Mann, der angeschuldigt war, einem Kame­raden den Schnaps gestohlen zu haben, war ganz gekränkte Unschuld.Wir hatten unseren Schnaps in derselben Flasche", erklärte er,aber meiner war unten. Wie sollte ich ihn herausbekommen, ohne daß ich vorher seinen austrank!" Ein Richter war etwas schwerhörig. Eines Tages brach er zornig los:Der Lärm im Gerichtssaal muß aufhören. Ich habe die drei letzten Fälle entscheiden müssen, ohne daß es mir möglich war, die Beweise zu hören." Ander­seits kann Ironie im Gerichtssaal manchmal eine überraschende Wirkung haben. So rief der Staats­anwalt bei einem einwandfrei bewiesenen Fall von Einbruch den Geschworenen zu:Stellen Sie sich vor, meine Herren, daß der Angeklagte sich um Mitternacht auf dem Dach befand, um die frische Nachtluft zu genießen, und daß er aus reinem Zu­fall alle Werkzeuge zum Einbruch bei sich hatte, mit durchaus keiner unehrenhaften Absicht, sie zu ge­brauchen, so werden Sie ihn sicher freisprechen!" Die zwölf braven ländlichen Geschworenen nickten ernst, und zum Entsetzen des Staatsanwaltes fällten sie das Urteil:Nicht schuldig". Wenige Anwälte wer­den so offen sein wie jener Amerikaner, der Wieder- äufnahme eines Verfahrens forderte,auf Grund neu entdeckter Beweise", und als er gefragt wurde, welcher Art diese Beweise wären, erwiderte er: Mein Klient hat vierhundert Dollar ausgegraben, von denen ich nicht wußte, daß er sie besaß."

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. med. Alfred Linck, Direktor der Universitäts-Klinik für Ohren-, Nasen- und Hals­krankheiten zu Greifswald, ist gestorben. Professor Linck habilitierte sich 1909 in Königsberg. 1928 erhielt er seine Berufung als Ordinarius und Direktor der Hals-Nasen-Ohren-Klinik an die Uni­versität Greifswald.

Wegen Erreichung der Altersgrenze wurden von den amtlichen Verpflichtungen entbunden die o. Pro­fessoren Dr. Egon Schmeidler (Physik) an der Universität Wien und Lic. Dr. Richard Hoff­mann (Exegese des Neuen Testaments) an der Universität Wien.

Die Entpflichtung des o. Professors für Rechts­geschichte, Deutsches Privatrecht, Deutsches Bürger­liches Recht, Handels-, Wechsel-, Kolonial- und Kir­chenrecht an der Universität Münster, Dr. Hubert Naendrup, wurde bis zum Ende des Winter­semesters 1939/40 hinausgeschoben.