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Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen

Wandere dich gesund!

Von Staatsrat Or. med. £ Eonti.

Es ist nicht notwendig, daß man jahrelang stu­diert hat, um die Kraftströme zu spüren, die dem Körper und der Seele aus dem Erlebnis des Wan­derns zufließen. Allzu viele jedoch, namentlich unter den Städtern, ahnen nichts von diesem Kraft­strom.Zu hart und abspannend sind die Anforde­rungen des Tages", hören wir von ihnen und sehen dann, daß sie ihre Erholung allein auf dem Sofa, tm Wirtshaus oder im Kino suchen. Gerade diesen Volksgenossen muß vom Arzt einmal nachdrücklich gesagt werden, daß sie sich auf einem Irrwege be­finden.

Gewiß, sie sind müde und abgespannt, wir glau­ben es ihnen gern. Aber sie haben sich noch niemals Gedanken über die Ausnutzung aller, gerade für den Zioilifationsmenschen dringend notwendigen Er­holungsmöglichkeiten gemacht.

Gleich, ob wir nun vorwiegend körperlich oder geistig arbeiten, nur in den seltensten Fällen wird unser ganzes Wesen dabei erfaßt. Immer wird nur ein ganz bestimmter, beschränkter Teil unserer Kräfte ausgepumpt. Dieft Einseitigkeit der Inan­spruchnahme jedoch ist es, unter der wir leiden und die der Grund dafür ist, daß wir frühzeitigabge­spannt" sind. Zahlreiche Fähigkeiten unseres Orga­nismus werden durch die einseitige Inanspruch­nahme nie voll ausgeschöpft, zum Schaden unseres Wohlbefindens. Sobald wir das erkannt haben, ist uns auch dasWunder" an Erholung und Heil­wirkung erklärlich, das wir bei einer planmäßig betriebenen Körperkultur entdeckten. Zu ihr gehört auch das Wandern.

Bedarf es noch einer Erläuterung, warum das Wandern mit an der Spitze steht? Die leichte, gleichmäßige Bewegung der Glieder in der freien Luft, die auffrischende Reizwirkung des Windes auf unsere, den Gefahren der Verweichlichung ausge­setzte Haut, der belebende Einfluß des durch keine Fensterscheibe gebrochenen Lichts und nicht zuletzt die erhebenden Eindrücke der Natur: das alles trägt dazu bei, unsere Gesundheit und Schaffenskraft nicht nur zu erhalten, sondern zu stärken.

Der Arzt kann deshalb der NS.-Gemeinschaft ,Kraft durch Freude" nicht dankbar genug sein für die Hilfe, mit der sie seine Bestrebungen durch die Förderung des Wanderns ergänzt.

Wandern ist mehr als Medizin, ist Kräftigung, Heilung und Vorbeugung.

Mit der planvoll betriebenen Organisation des Wanderns hat KdF. für jeden Schaffenden einen mächtigen Gesundheitsfaktor körperlicher und see­lischer Art geschaffen. Gleichzeitig werden aber auch alle kleinen Schwierigkeiten, die dem guten Willen bisher entgegenstanden, durch die festgefügte Orga- nisaüon überwunden. Es gibt jetzt keine Ausflüchte mehr, mit denen wir die Nichtteilnahme an den KdF.-Wanderungen entschuldigen können. Der Arzt sagt deshalb: Nutze jeder, was ihm geboten wird, wandert zu eurem und des Volks ganzen Wohl!

Mfelfrühling.

Von Walter Henkels.

Sobald der Frühling die Aprikosenbäumchen in den Weinbergen entzündet, wetteifert das Moseltal mit dem Rhein und der Bergstraße. Im Trierer Landesmuseum lächelt derFröhliche Steuermann" den Besucher in seiner unvergänglich stillen Heiter­keit an. Er ist sehr alt, aber käme einer, ihm Oden einzublasen, er würde dem Fremden gerne ein ver­läßlicher Reisemarschall sein. Und er würde gewiß nicht nur auf die Zeit der Rebenblüte und der Weinlese empfehlend Hinweisen, auch der stille und heitere Moselfrühling würde ihm, dem ewigen Lächler, ein Wort abnötigen.

Möglich, daß uns betriebsamen Menschen der Gegenwart die Gäßchen der Moseldörfer mit den drüber thronenden Burgen nur zu Kulissen werden, zwischen denen Bürger, Zunftaesellen, Schöffen und Geharnischte in Küraß und Pluderhosen einherwan­deln, für manchen aber von uns wird die Stille und Geruhsamkeit mehr bedeuten, und mancher wird verwundert die Augen aufschlagen: ist denn hier Unruhe, wo ist Hast? Und plötzlich lernen wir wieder, irgendwo zu verweilen. Wir werden wie­der Liebhaber des Idylls. Wir weilen lange ohne

Langeweile.

Wenn von den Bergen des Hunsrucks oder der Eifel der erste Kuckuck ruft, wenn Spechtgelächter aus den Weinbergen herunterschallt, wenn der Fährmann auf der Moselponte ein Schwätzchen hält und prophetisch verkündet, daß derNeue em verläßlicher Tropfen wird, wenn der Wirt vom ,Anker" philosophierend erkennt, daß die Sache mit dem Frühling mal wieder in Ordnung geht dres alles und noch einiges dazu, das ist der Zauber des Moselfrühlings! _ r , .. ,

In Koblenz wird man die Moselreise begin­nen. Don hier flutet das Leben der Mosel in bie weite Welt. Hier vermahlt sich der Fluß mit dem großen Strom, dem Rhein, der ms Meer geht. Und von hier gehen auch, wenigstens was Unter- und Mittelmosel angeht, die Wemladungen über den Erdball. Vor den Toren von Koblenz ist W in üinaens mächtige Kirschblüte. Das Städtchen hat einen9 ber größten Kirschmärkte Deutsch °nd-. Aber darum ist der Wein nicht minder gut. Heber Ston- bergsmäuerchen, steil, aber mit ganzer Kraft der Sonne zugewandt, thronen die berühmten Weine Uhlen" undHamm". Don Kobern, Gondorf, Leh­men, Kattenes, Löf und Hatzenpor^Kunden manchs Lagen", manche Kreszenz, gnädig bewahrt vor den Nordwinden. Was hier ein Krummesser schwingen, eine Kiepe tragen kann, ist Winzer.

Die Straße nach Kochern nun ist kurz. Aber mie in der Kürze oftmals die Würze liegen kann, so auch auf dem Stückchen dorthin. Auf eme wun- berbare Art treiben Wolken über der Kochemer SS £ SÄteWÄ

ßungsualler Name, wie man wähl ift pq des Ueberleaens wert, ob man das veruyrnre uchen W9 di- M°,eltaibahn >e b^ nach Trier 104 Kilometer benötigt, ^ten

AürzaaÄn"" d°°I^,Treppchen" der .Stein der se&fcfers? -ins

schäft", womit schon verraten ist, was es alles an dieser Strecke der Obermosel zu besuchen lohnt: Zell, Briedel, Traben-Trarbach, Erden, Uerzig, Graach, Bernkastel, Piesport, Trittenheim. Und da die vielen Dörfer und Städtchen nicht alle aufge­zählt werden können, ist es besser, planlos da ein­zudringen, wo und wie es der Zufall will. Niemals spürt man so unmittelbar den jungen Frühling.

Wieviel ist hier in den Dörfern noch zu sehen, was die Bahnfahrt nicht ahnen ließ. Diele, viele blühende Apfel- und Zwetschenbäumchen vermögen

den Besucher zu mancherlei Phantasien zu begei­stern. Jeder Ueberfahrt in so ein verwunschenes Nest, zumal in den Frühlingstagen, ist ein Fest. Uederall schläst noch die Vergangenheit tiefsten und dicksten Schlaf. Wir müßten nicht nach Trier kom­men (Eher als Rom stand Trier ..."), um dies nicht bestätigt zu finden. Aber diese älteste deutsche Stadt entwickelt heute eine so tätige Lebendigkeit, daß man sich nichts Schöneres denken kann, als hier die idyllische Moselreise zu beschließen.

Zwei große Wanvenmgen über Pfingsten.

Zwei Tage im Vogelsberg.

1. Tag: Ehringshausen hohler Grund Groh-Felda Ulrichstein.

Mit der Oberhessischen Bahn fahren wir nach Sta­tion Ehringshausen. Ohne Zeichen gehen wir, nach­dem Ehringshausen und das benachbarte Oberndorf durchschritten sind, das Feldatal aufwärts. Dieses Tal, auch Hohler Grund genannt, ist von großem Reiz und eines der lieblichsten Täler des nördlichen Vogelsbergs. Nach genußreicher Wanderung kommen wir über die Oberförsterei Schellnhausen, ein ehe­maliges Hammerwerk, nach dem freundlichen Markt­flecken Groß-Felda, wo wir auf das rot-weiße Band Alsfeld-Frankfurt stoßen. Dieses Zeichen, eine Schöpfung des verstorbenen verdienten Professors Bender (Frankfurt), gibt uns fortan den Weg an. 3n südlicher Richtung gehen wir durch Wald und Feld über Stumpertenrod, ein echtes Voaelsberg- dorf, und später über den 618 Meter hohen Eck­mannshain nach dem hochliegenden Ulrichstein, wo wir gute Unterkunft finden. Da die gesamte Wande­rung nur höchstens 4 Stunden umfaßt, können wir noch den nahegelegenen Schloßbera besteigen, um von der Ruine die weite und umfassende Rundschau zu genißen.

2. Tag: Ulrichstein Feldkrücker Höhe herchenhainer Höhe harlmannshain.

Das rot-weiße Band führt uns anderntags zu­nächst über Feldkrücken zur Feldkrücker Höhe, von deren höchstem Punkte sich eine der schönsten Aus­sichten bietet. Odenwald, Spessart, Taunus und die weite Wetterau sind bei klarer Luft deutlich sichtbar. Beim Ludwigsbrunnen mit schönem Blick auf Ru­dingshain und den Hohen Vogelsberg erreichen wir die Staatsstraße, auf der wir bis Poppenftruth weitergehen. Bei der Schutzhütte Charlottenhöhe kommen wir in den ausgedehnten Oberwald, der uns bis zum Hoherodskopf aufnimmt. Nach einer Rast im gastlichen Klubhaus führt uns das Zeichen weiter zum Taufstein, von dessen Bismarckturm wir die herrliche Rundsicht bewundern und weiter abwech­selnd durch Wald und über blumige Wiesen an der Lauterbacher Hütte vorüber hinaus zum Gefallenen­denkmal auf der Herchenhainer Höhe. Beim Abstieg erfreuen wir uns wieder an der schönen Fernsicht, namentlich nach der kuppenreichen Rhön, kommen an der JugendherbergeVater-Bender-Heim" vorbei und gelangen über Herchenhain nach Hartmanns- hain, wo wir die interessante Heimfahrt durch das Nitzdertal antreten. Wanderzeit 5% Stunden.

Zwei Tage durchs Lahntal.

1. Tag: Balduinstein Schloß Schaumburg Burg Hohlenfels Katzenelnbogen.

Mit dem Frühzuge fahren wir das schöne Lahntal abwärts bis Balduinstein (Sonntagskarte bis Lim­burg, dort bis B. nachlösen). Vom Bahnhof gehen wir durch den zum Teil in einer Seitenschlucht ge­legenen Ort, der von einer, auf mächtigem Felsen liegenden Burgruine überragt ist, und hierauf auf bequemem Wege, durch zwei Felsentunnels, zu dem hoch über der Lahn liegenden herrlichen Schlosse Schaumburg. Don dem Turm erschließt sich uns eine weite, umfassende Rundsicht. Am Schaumburger Weiher vorbei folgen wir zunächst roten Punkten, später roten Kreuzen durch prächtige Waldung auf der alten Rintstraße nach der waldumkränzten, hoch­gelegenen Burg Hohlenfels im Aartale. Nach Be­sichtigung der ausgedehnten, noch wohlerhaltenen Buraanlage, deren Bergfried einen entzückenden Ausblick gewährt, und Raft in der guten Gastwirt­schaft, wandern wir den roten Punkten nach dem Endziel des ersten Tages, Katzenelnbogen mit feinem Hochliegenden, den Ort beherrschenden alten Schloß zu, wo wir in einem der guten Gasthäuser Unter­kunft finden. Wanderzeit etwa 4 Stunden.

2. Tag: Katzenelnbogen Dörsbach Jammertal Kloster Arnstein Obernhof.

Diese Wanderung ist eine der lohnendsten, die das Lahntal mit seinen Seitentälern zu bieten vermag. Blaue Punkte und L geben uns auf der ganzen Strecke das Geleite. Zunächst ist das Tal noch ziem­lich flach. Nachdem jedoch das benachbarte Klingel­bach und hierauf Ergeshausen passiert find, erreicht man bei der Haarmühle die Talsohle, und hier be­ginnt nun der wildromantische Charakter des Jam­mertals. Meistens im Tale gehend, oft auch in schwindelnder Höhe führt unser Weg durch schlucht- artige Partien, dann wieder über liebliche Wiesen­gründe an mehreren idyllisch gelegenen Mühlen vor­bei, von denen in der Neuwagen- und Attenhäuser Mittelmühle Erfrischungen zu haben sind. Nach 4^stündiger, überaus genußreicher, aber auch oft beschwerlicher Wanderung erreichen wir die Arn» fteiner Mühle am Fuße des gleichnamigen Klosters mit guter Einkehr. Hier empfiehlt sich noch die Be­steigung des Klosterbergs, um die prächtige Aussicht in das Lahntal zu genießen und die Klosteranlagen mit der Kirche zu besichtigen. Don der etwa 5 Minu­ten entfernten Station Obernhof fahren wir heim. (Karte ObernhofLimburg lösen!)

Geschichten ans aller Welt.

Der längste Bart.

Ndz. Tokio.

DieJzentai", der Verein der bärtigen Männer in Japan, hielt kürzlich im Stadtteil Akasaka zu Tokio seine 5. Jahresversammlung ab. Dabei stellte sich heraus, daß unter seinen Mitgliedern Naodschiro Kato mit 1,65 Meter den längsten Bart hat. Für japanische Verhältnisse ist das außerordentlich viel, denn die fernöstlichen Völker sind im allgemeinen nicht mit so reichlichem Bartwuchs gesegnet wie wir Europäer.

Der Schwur beim zerbrochenen Teller.

Ndz. London.

Altüberlieferte chinesische Rechtsbräuche wurden in einer Verhandlung vor dem Londoner Kriminalge­richt Old Bailey angewandt, um die Wahrheit in einem Mordprozeß zu ergründen. Um die Gewiß­heit zu haben, daß die zahlreichen chinesischen Zeu­gen in diesem Verfahren wahrheitsgemäß Aussagen machten, ließ das Gericht es zu, daß sie den Eid nach ihrer Sitte ablegten. Die Zeugen zerbrachen beim Schwur einen Porzellanteller und erklärten, daßihre Seele genau so zerbrechen" sollte, wie der Teller, wenn sie die Unwahrheit sprechen würden. Auch der Angeklagte, Peap Ching Pui, ein chine­sischer Matrose, der in Singapore auf einem eng­lischen Tankschiff angeheuert hatte, zerbrach den Teller und beteuerte feine Unschuld an dem ihm zur Last gelegten Morde. In gebrochenem Pidgin-Eng­lisch und mit Hilfe eines Dolmetschers erzählte Pui, daß er mit einem anderen chinesischen Matrosen, seinem Freunde Ah Sing, in Streit geraten sei. Er habe Ah Sing versprochen, eine Schuld bald zurück-

zuzahlen, dieser habe abermit großer Stimme ge­sprochen" und ihn geschlagen. Er habe den Freund gebeten, nicht mehr zu schlagen, dieser habe jedoch einen Schraubenschlüssel ergriffen und sei noch ein­mal auf ihn eingebrungen. Daraufhin habe er sich zur Wehr setzen müssen und den Freund mit einer Eisenstange über den Kopf geschlagen. Ah Sing hatte durch den Hieb so schwere Kopfverletzungen öaoongetragen, daß er am nächsten Tage starb. Auf Grund einer umständlichen Beweisaufnahme, in deren Verlauf mehrere chinesische Zeugen dem Angeklagten ein gutes Zeugnis ausstellten, kam das Gericht zu der Ueberzeugung, daß Pui nicht die Absicht hatte, den Freund zu töten, so daß auf Frei­spruch erkannt werden mußte. Der Dolmetscher schrieb in chinesischen Schriftzeichen das Urteil im kantonesischen Dialekt auf ein Blatt Papier und gab es dem Angeklagten. Pui verbeugte sich und meinte: Mich sell (sehr) glücklich. Nicht gewollt machen tot!"

Der böse Storch.

Ndz. Kopenhagen.

Der Storch ist in Dänemark mindestens ebenso beliebt, wie in Deutschland. Der Storch von Vide- bäck im westlichen Jütland aber ist ein ausgespro­chener Verbrecher, der die ganze Gemeinde terrori­siert. Er hat einmal" mit seinem harten Schnabel eine Fensterscheibe in einer Fischerkate zerschlagen. In diesem ersten Fall war es vielleicht ein ver­zeihlicher Irrtum; wahrscheinlich hatte Meister Ade­bar geglaubt, das Fenster sei offen. Das Klirren des durch feinen Schnabelhieb zersplitterten Gla­ses hat aber offenbar dem Storch von Didebäck

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Spaß gemacht. Er spaziert seitdem an den Häusern entlang uni) erprobt die Kraft seines Schnabels an allen Fensterscheiben, die ihm erreichbar sind. Die meisten Erdgeschoßfenster werden darum durch vor- gespannte Netze gegen den Storchenschnabel ge­schützt. Die Einwohner sind verzweifelt, denn keiner bringt es übers Herz, mit dem Knüppel gegen einen Storch vorzugehen. Nur einer sieht mit Wohlge­fallen girf das Treiben des Gemeindestorches: der Glasermeister von Videbäck.

Der weise Richter.

Ndz. O 5*1 o.

Norwegens Justizminister hat jetzt als letzte 3m- stanz einen langwierigen Streit der Gemeinden Hönefoß und Norderhov durch ein Urteil entschie­den, das an das bekanntesalomonische" Urteil er­innert. Das Streitobjekt war in diesem Falle nicht ein kleines Kind, sondern ein alter Unterstützungs­empfänger, der im Storelv, dem Grenzfluß zwischen beiden Gemeinden, ertrunken war. In Hönefoß war er unterstützungsberechtigt, aber auf der Norder- hover Seite des Flusses wurde er aus dem Wasser gezogen und begraben. Wer sollte nun die Kosten der Bergung der Leiche und der Beerdigung be­zahlen? Beide Gemeinden boten Sachverständige

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auf, die nachweisen wollten, daß der Todesfall auf der gegnerischen Flußhälfte eingetreten sei. Auf der Jnstanzentreppe kam der schwierige Fall bis hinaus zum Justizminister. Der verkündete sofort, ohne weitere Verhandlung, seinen Spruch: Da der Mann in Hönefoß unterstützungsberechtigt war, bezahlt Hönefoß die Beerdigungskosten, da seine Leiche in Norderhov geborgen wurde, zahlt Norderhov dis Bergungskosten.

Wie derFliegende Holländer".

AS. Helsinki.

Als sich der Strandwächter Cordsen in Sonder» borg in Dänemark auf einer Fisch fahrt befand, kam plötzlich die GaleasseErna" von Aalborg unter vollen Segeln auf ihn zugerauscht. Cordsen rief das Fahrzeug an, ohne jedoch eine Antwort zu erhalten. Es gelang ihm an Bord zu entern, wo er außer einem schlafenden Schiffsjungen keinen Menschen fand. Cordsen strich nun die Segel desFliegenden Holländers" und bugsierte das Fahrzeug in den Hafen von Sönderdorg, wo er e§. der Kriminal­polizei übergab. Der Schiffsjunge erklärte, daß das Schiff lediglich vom Schiffseigner und ihm bemannt war. Vor einigen Tagen hatteErna" Aalborg in Richtung Flensburg verlassen. Eines abends spät hörte er, daß der Schiffseigner laut fluchte und sich am Ankerzug zu schaffen machte, darauf schlief der Junge wieder ein und wurde erst wieder wach, als der Strandwächter Cordsen an Bord kam. Man nimmt an, daß der Schiffer über Bord gefallen ist.

Der Arzt in Nöten.

AS. Warschau.

Ein schwerer Gewissenskonflikt brachte einen Arzt aus Hohenlohehütte bei Chorzow vor den Richter. Eines Abends wurde der Arzt zur Hilfeleistung für einen Sterbenden angefordert. Er machte sich in seinem Kraftwagen auf den Weg und versuchte mit höchster Geschwindigkeit den Patienten zu erreichen. Unglücklicherweise stieß er mit dem Wagen einen Radfahrer um, der auf das Pflaster stürzte, eine Gehirnblutung erlitt und bald daran starb. Der Arzt war, ohne sich um sein Opfer zu kümmern, weiter­gefahren. Vor Gericht sagte er aus:Ich befand mich in einem Gewissenskonflikt. Zwei Kranke haben meine ärztliche Hilfe benötigt, doch habe ich angenommen, daß der eine, nämlich der ver­unglückte Radfahrer, nur leicht verletzt sei. Anderer­seits hat sich der Kranke, zu dem ich fuhr, in Le­bensgefahr befunden, und jede Sekunde war ent- .scheidend." Dem Ausgang des Prozesses gegen den Arzt, der fahrlässiger Tötung cmgeklagt wird, sieht man mit Spannung entgegen.

Die Stadt der Linkshänder.

Ndz. Batavia.'

Auf Celebes hat eine holländische Aerzte-Kom- Mission bei einer Studienreise eine merkwürdige Entdeckung gemacht. In der kleinen Hafenstadt Co- rontalo stellte sich heraus, daß von den 5000 Ein­wohnern neun Zehntel ausgesprochene Linkshänder sind. Die Träger am Hafen heben ihre Lasten mit dem linken Arm, die Barbiere rasieren mit der linken Hand, und so ist es in allen Berufen. Jedes­mal, wenn die Aerzte einen Einwohner nach dem Weg fragten, wies er ihnen die Richtung mit dem ausgestreckten linken Arm. Es handelt sich bei den Einwohnern von Corontalo um ein seltsames Spiel der Natur, denn sonst gilt auch für die Bewohner der Sunda-Jnseln die von der Statistik festgelegte Erfahrung, daß nur fünf Prozent aller Menschen Linkshänder sind. Die fünf Prozent brauchen übrigens dieser Eigenart wegen keinen Minder­wertigkeitskomplex zu bekommen. Sie befinden sich in guter Gesellschaft, denn neben vielen anderen großen Männern waren auch Adolf Menzel und Leonardo da Vinci Linkshänder.