Ausgabe 
20.5.1939
 
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bedroht fühlen. Sie haben aber (iu gleicher Zeit ihre Absicht kund gegeben, mit keinem Land Nicht- angriffspakte abzuschließen, um damit das von ihnen vertretene Prinzip der Neutralität, Integri­tät und Unabhängigkeit ihrer Länder deutlich zu unterstreichen. Das bedeutet eine unmißverständliche Absage an jeden Versuch Englands, die nordischen Staaten für den englischen Einkreisungsplan zu ge­winnen. In London war dieser Gedanke schon mehr­fach erwogen worden, aber nun kann es sich die britische Diplomatie ersparen, hier anzuklopfen, sie würde doch nur verschlossene Türen finden.

Es ist kein Zweifel, daß diese klare Entscheidung der nordischen Staaten Englands Verhand­lungen mit Moskau nicht erleichtern "-wird, denn die Sowjetunion legt besonderen Wert darauf, daß die ihm im Westen benachbarten Staaten, und dazu gehören ja die drei baltischen Staaten und Finnland, in den Einkreisungsplan einbezogen wer­den oder zumindest von England eine Garantie er­halten, ähnlich wie Polen und Rumänien, die an­dern Anrainer der Sowjetunion in Europa. Durch solch einen Gürtel von England garantierter Staa­ten »längs seiner Westgrenze wäre nämlich' Sowjet­rußland im Kriegsfälle der englischen Bündnishilfe sicher, ohne vorerst selbst in Aktion treten zu brau­chen, woran freilich auch seinen Nachbarn nicht sehr gelegen ist. Aber das genügt dem Beherrscher des Kreml noch nicht einmal. Stalin fordert vielmehr ein regelrechtes Militärbündnis Englands und Frankreichs mit der Sowjetunion und will nicht begreifen, daß Chamberlain trotz allen Drängens der Opposition immer noch beträchtliche Hemmun­gen empfindet gegen den Gedanken, vor aller Welt als offener Bundesgenosse des Bolschewismus zu erscheinen. Abgesehen davon, daß es in der eigenen Partei des Premierministers noch Leute gibt, die trotz des verlogenen Kriegsgeschreis ein solches Bündnis mit Moskau als Verrat an der gemein­samen Sendung Europas auffassen, denkt Cham­berlain vermutlich auch an den schlechten Eindruck, den das offene Zusammengehen mit dem Bolsche­wismus in den britischen Dominions und in der öffentlichen Meinung der neutralen Länder macht. Die englische Regierung möchte wohl schon Moskau für ihre Einkreisungspolitik einspannen, aber sie selbst möchte dabei nicht allzu deutlich in Erscheinung tre­ten, um wenigstens den Schein zu wahren, als ob ihr nur an der Sicherung des Friedens gelegen sei. So werden ihr die sehr bestimmten Forderungen Stalins höchst unbequem und sie weiß nicht, wie sie ohne die gefürchtete Bloßstellung zu dem so heiß erstrebten Ziel kommen soll.

Ueberraschend schnell sind dagegen die Verhand­lungen mit der Macht des Südostens zum Abschluß gelangt, die mit Moskau seit Jahrzehnten in einem besonderen Vertrauensverhältnis steht, mit der Türkei. Die Regierung von Ankara ist anschei­nend entschlossen, den Boden der Neutralität zu verlassen, der für die große Reformperiode Kemal Atatürks außenpolitisch gesehen, charakteristisch war, um mit England ein Verteidigungsbündnis einzu­gehen, das nur gegen die andere große Seemacht im östlichen Mittelmeer gerichtet sein kann, gegen das faschistische Italien. England sucht auf diesem Wege über Ankara einmal den Weg nach Moskau, zum andern die Möglichkeit, für die Rumänen die zwar nicht erbetene aber freigebig gewährte Ga­rantie gegebenenfalls praktisch wirksam werden zu lassen, und zum dritten die Beherrschung auch des dritten Tors zum Mittelmeer, der viel umstrittenen Dardanellen. Mit dem türkisch-englischen Ver­teidigungsbündnis tritt also die Meerengenfrage in einen neuen Abschnitt ihrer wechselvollen Geschichte. Zu einerFrage" sind die Dardanellen erst mit dem Erscheinen der Türken vor Konstanttnopel gewor­den, denn bis in das späte Mittelalter hinein war Byzanz, das spätere Konstanttnopel, nur Brücke zweier Kontinente und Mittelpunkt des oströmischen Reiches. Mit dem Vorrücken der Türken bis an die Moldau bricht der Gegensatz zu Rußland auf, das feit Peter dem Großen über die Ostsee und das Schwarze Meer hinaus ans freie Meer drängt. So tritt die Dardanellenfrage als ein russisch-tür­kischer Streitpunkt in die Geschichte. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts erwacht Eng­lands Interesse daran, die Russen nicht aus dem Schwarzen Meer herauszulassen, um etwa als Bun­desgenossen Frankreichs Englands Vorherrschaft im Mittelmeer zu bedrohen. Englands Streben ver­einigt sich mit den Wünschen der Türkei in dem Ziel, die Meerengen für jedes fremde Kriegsschiff zu sperren. Das ist Gegenstand zahlloser Kongresse und Protokolle seitdem die Londoner Meerengen- konvention von 1841 zwar die Freiheit der Handels- schiffahrt, aber die Schließung der Meerengen für feie Kriegsschiffe aller Nationen unter der Garantie ber Großmächte festlegt. Rußlands Niederlage im Krimkriege 1856 bringt mit der Neutralisierung des ganzen Schwarzen Meeres eine erhebliche Der- f$ä.rfun9 der für die russische Seemacht überaus lästigen Bestimmungen, der Berliner Kongreß von 1878 dagegen wieder durch die Vermittlung Bis­marcks eine Milderung, aber im ganzen bleib? es trotz der englisch-russischen Entente von 1907 bei den "lten Bestimmungen bis zum Weltkrieg, in dem nun die Türken mit tatkräftiger Hilfe des deutschen Bundesgenossen was heute in Ankara vergessen zu sein scheint Englands Versuch, die Oeffnung der Meerengen zu erzwingen, erfolgreich abweisen.

Erst im Friedensvertrag von Lau­sanne 1923 gelingt es den Engländern, gegen ben Widerstand der Türken und Sowjetrussen, die Oeffnung der Meerengen für die Kriegsschiffe aller Nationen durchzufetzen, freilich nur in Friedens- ,feiten und auch nur soweit sie nicht die Höchst- tonnagc eines Uferstaates des Schwarzen Meeres überschreiten. In Kriegszeiten kann die Türkei nur wenn sie sich selbst im Kriege befindet, feindliche Kriegsschiffe an der Durchfahrt hindern. Zusammen mit der Entmilitarisierung wichtiger Küstenstrecken der Meerengen bedeuten diese Bestimmungen eine höchst empfindliche Einschränkung der türkischen Souveränität, und es ist kein Wunder, daß die von einem neuen Nationalbewußtsein erfüllte Türkei Kemal Atatürks gegen dieseFreiheit der Meer­engen", die unter die Kontrolle einer internationalen Meerengenkommission gestellt worden war, sofort den Kampf aufnahm. Aber erst im März 1936 ist der psychologische Augenblick gekommen, die Dar­danellenfrage mit Aussicht auf Erfolg erneut zum Gegenstand von Verhandlungen zu 'machen, nach­dem sich die Türkei durch ihre Teilnahme an den Sanktionen gegen Italien während des Abessinien- frieges den Dank Englands verdient hat. Auf der Konferenz von Montreux im Sommer 1936 geben die Engländer deshalb den gemeinsamen Forderungen der Türkei und Sowjetrußlands nach. Die Türkei erhält das Recht, in Kriegszeiten den Schiffen derjenigen Mächte die Durchfahrt durch die Meerengen zu gestatten, die auf Grund der Völker­bund ssatzuna eine Aktion unternehmen oder mit der Türkei durch einen Beistandspakt verbunden sind. Kriegsschiffen anderer kriegführender Staaten bleibt die Durchfahrt verboten. Gleichzeitig erhält die Türkei die Erlaubnis zur LcseftigMg der Darda­

nellenküste. Italien ist erft später in Verfolg des Osterakkords mit England dem Abkommen von Montreux beigetreten, obwohl die Bestimmung, daß in Friedenszeiten die Durchfahrt von Kriegsschiffen an eine Höchsttonnage gebunden und U-Booten überhaupt untersagt ist, für die Anrainer des Schwarzen Meeres nicht gilt, also mit anderen Wor­ten der Sowjet-Kriegsmarine gestattet, in beliebiger Stärke im Mittelmeer zu erscheinen. Zum erstenmal seit hundert Jahren wurden sich in Montreux die Türkei, England und Rußland in der Meerengen­frage einig, einer Frage, die so lange den Haupt- konsliktsstoff zwischen ihnen dreien gebildet hatte. Sie waren sich einig geworden mit dem Blick auf das Auftreten der neuen Seemacht im östlichen Mit­telmeer, Italien, die im Abessinienfeldzug ge­zeigt hatte, daß sie für Erlangung und Sicherung ihres natürlichen nationalen Lebensraums jederzeit zu kämpfen verstehen würde.

Die schon erwähnte. Bestimmung des Abkommens von Montreux, daß die Türkei den Kriegsschiffen der mit ihr durch Beistandspakte verbündeten Mächte die Durchfahrt durch die Meerengen gestatten darf, mußte es England dringend nahe legen, die Türkei als Bundesgenossen für ihre Einkreisungspolitik zu gewinnen, weil damit sowohl der britischen wie der sowjetrusstschen Kriegsflotte die Ein- bzw. Ausfahrt durch die Meerengen zufällt. Die Türkei freilich läuft bei dieser Politik zweideutiger Ge­fälligkeiten Gefahr, ihre Schlüsselstellung im B al- kanbund preiszugeben, denn von ihren Part­nern im Balkanbund unterhält Jugoslawien die denkbar freundschaftlichsten Beziehungen zu den beiden Achsenmächten und ob Rumänien ange­sichts der engen wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Deutschland so sehr daran gelegen ist, daß der ifym aufgenötigten englischen Garantie durch den englisch-türkischen Beistandspakt Überhaupt erft praktische Wirkung gegeben wird, mag zumindestens fraglich erscheinen. Griechenland freilich, das mit der Türkei durch besondere Abmachungen eng verbunden ist, hat trotz des freundschaftlichen Brief­wechsels zwischen Mussolini und dem griechischen Ministerpräsidenten Metaxas nach der Albanienaktion Italiens durch Mobilmachungsmaßnahmen gezeigt, daß die englischen Einflüsterungen in Achen an­scheinend nicht ohne Eindruck geblieben sind und man sich mit der Türkei in dem alten Mißtrauen gegen Italien zusammenfindet, obwohl der Duce soeben erft die Integrität des griechischen Staats­gebietes anerkannt hat. Den Türken sind die ita­lienischen Flugzeugstützpunkte auf dem Dode­kanes unbequem, es sind das altberühmte Rho­dos^ im Mittelalter Sitz des Johanniterordens, und

zwölf kleinere Inseln an der Küste Kleinasiens, die während des libyschen Krieges 1912 von Italien besetzt und im Vertrag von Lausanne 1923 auch formell von der Türkei abgetreten worden sind. Aber das allein hätte in Ankara vermutlich noch nicht zu einem Kurswechsel Veranlassung gegeben. Das Lockmittel, das den Türken in die Augen sticht, ist der Sandschak A1 e r a n b r e 11 e, der als Preis für die türkische Willfährigkeit freilich erst nach Abschluß eines französisch-türkischen Beistandspakts fällig wird, denn nach altenglischer Gepflogenheit dürfen andere die Kosten bezahlen für die Sicherung britischer Interessen. Diesmal Frankreich mit dem endgültigen Verzicht auf den Sandschak Ale- xandrette, womit denn vielleicht schon Frankreichs Rückzug aus dem vorderen Orient überhaupt ein­geleitet wird, denn auch für das übrige Syrien soll man in London schon in Zusammenhang mit den eigenen Schwierigkeiten in Palästina eine andere Verwendung haben.

Frankreichs Interesse in der Levante, den Küsten­gebieten des östlichen Mittelmeerbeckens, konzen­trierte sich schon seit den Kreuzzügen besonders auf Syrien, wo es unter osmanischer Herrschaft seine Mission darin sah, eine rege kulturelle Tätigkeit zu entfalten und das es sich auch in dem berüch­tigten Sykes-Picot-Vertrag vom 16. Mai 1916 bei der Verteilung des türkischen Erbes von England und Rußland zusprechen ließ. 1920 erhielten die Fran- zosexi Syrien als Völkerbundsmandat, sie vertrieben dort den als König eines unabhängigen Syriens ausgerufenen Emir Feifal, einen Sohn des Königs von Hedschas, der dann König des Irak wurde, aus Damaskus und richteten sich dort häuslich ein, denn die den Arabern versprochene Selbstverwal­tung blieb im wesentlichen auf dem Papier, bis die ständigen Unruhen im Lande Frankreich zu Kon­zessionen zwang und das Volksfrontkabinett Blum durch feinen Unterstaatssekretär Diänot am 22. No­vember 1936 mit der syrischen Regierung einen Unabhängigkeitsvertrag schloß, der Syrien binnen drei Jahren aus der Mandatsverwaltung entlassen sollte. Obwohl sich Frankreich in diesem Vertrag sehr erhebliche außenpolitische, wirtschaftliche und militärische Vorrechte ausbedungen hatte, empfand man in Paris sehr bald Reue über den Vertrag und schob, namentlich auf Drängen des General­stabs die Ratifizierung auf die lange Bank, um mit Syrien seine wichtigste Position im vorderen Orient in der Hand zu behalten. Der autonome Sand­schak Alexandrette, der überwiegend von Türken bewohnt wird, wurde durch den französisch­türkischen Vertrag vom l.Juli 1938 ein selbstän­diger Freistaat Hatay, der allerdings so eng mit

der Türkei verbunden ist sein Präsident ist Mit» alied der Nationalversammlung von Ankara daß seine völlige Vereinigung mit der Türkei vermut- lich Gegenstand des zu erwartenden französisch-tür­kischen Beistandspakts sein wird. Aber darüber hin­aus rechnen die Türken auch noch mit der Rückge­winnung des angrenzenden Aleppo. Hinter die­sen türkischen Aspirationen steht England, das sich sein Eintreten für Frankreichs Interessen in Europa mit französischen Opfern im Nahen Orient bezahlen läßt. Im Hintergrund steht der Plan, der Palästina- sorgen sich durch die Gründung eines Großarabi­schen Reiches unter einem England willfährigen Herrscher zu entledigen. Dazu würde man außer Palästina und Transjordanien auch Syrien brau­chen. Ob Frankreich auf englischen Druck hin Syrien räurtien wird, auf das es ja im Grunde schon durch den Unabhängigkeitsvertrag des vorigen Jahres verzichtet hat, und sich mit dem Küstenstrei- fen des Libanon begnügen mag, ist eine Frage, auf die vielleicht schon der Ausgang der Verhandlungen mit der Türkei einiges Licht werfen wird. Jeden­falls versteht es England auch in diesem Radius seiner mit der Miene des lediglich um die Siche­rung des Friedens bemühten Biedermannes vorge- triebenen Einkreisungspolitik, dafür zu sorgen, daß seine eigenen Interessen nicht zu kurz kommen, auch wenn feine intimsten Freunde dabei kräftig Haare lassen müssen. Fr. W. L.

Die Mkei und her Va!kanbnnd.

London, 20. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der Belgrader Korrespondent der Times meldet, daß die Außenminister Rumäniens und Jugo­slawiens sich am Sonntag zu einer Aussprache treffen werden, um auch die Rückwirkungen des englisch-türkischen Abkommens auf den Balkanbund zu prüfen. In Belgrad erklärte man, daß die Türkei auf Grund des soge­nannten Ankara-Abkommens zwischen den Staaten des Balkanbundes die jugoslawische Regierung von ihren Absichten hätte in Kenntnis setzen müssen und daß die vorherige Zustimmung der übrigen Mitglieder des Balkanbundes vor Ab­schluß des englisch-türkischen Abkommens notwen­dig gewesen wäre. Nach jugoslawischer Ansicht habe die Türkei den Balkanbund dadurch geschwächt, daß sie ihre Neutralität gegenüber den Groß­mächten aufgegeben habe.

Oer Führer beendet seine Inspektion des Westwalls.

Unüberwindliche Befestigungen auch längs des Oberrheins zwischen Kehl und der Schweizer Grenze.

Efringen-Kirchen, 19. Mai. (DNB.) Der letzte Tag der Westreise des Führers galt dem süd­lichsten Raum des deutschen Westwalles, von Kehl bis zur Schweizer Grenze. Als der Führer in den Panzerstellungen südlich von Kehl eintrifft, kreisen über dem jenseitigen Ufer unab­lässig zwei französische Flugzeuge. Auch in den Bunkerlinien auf der anderen Seite herrscht eine auffallende Nervosität. Als der Führer ein deutsches Panzerwerk unmittelbar am Rhein inspi­ziert, bringt man in dem gegenüberliegenden fran­zösischen Panzertum sogar ein Maschinenge­wehr in Stellung, was , deutscherseits mit freundlichem Lächeln beobachtet wird.

Den Vormittag über inspiziert der Führer Ufer­schutzbauten, Panzerwerke, Befehls- und Feuer­leitstände, Beobachtungswerke sowie mittlere und schwere Batteriestellungen. Er überprüft die Leistungsfähigkeit des Melde- und Nachrichten­dienstes und widmet sich lange Zeit eingehend der Frage, wie in einem Ernstfälle für Verwun­dete oorgeforgt ist. Mit besonderer Aufmerk­samkeit inspiziert er zahlreiche Sanitätswerke, die den Verwundeten sogleich mit ihren meterdicken

Beton- und Stahlarmierungen Ruhe und Sicherheit verbürgen. Vorbildlich sind diese Sanitätswerke aus- gestattet. Sie ähneln äußerlich völlig den großen betonierten Mannschaftsunterständen. In ihnen sind nicht nur besonders bequeme Ruhelager vorhanden, sondern jedes einzelne Sanitätswerk enthält auch einen eigenen Verbandraum und ein eigenes Operationszimmer, in denen sogleich den Verwundeten jede erdenkliche Hilfe ge­währt werden kann. Da diese schwer geschützten La­zarettstellungen unmittelbar hinter der vordersten Linie beginnen und sich weit nach hinten gestaffelt fortsetzen, ist sofortige Hilfe für jeden Verletzten ge­sichert und jeder Verwundete in kürzester Frist und unter allen Umständen dem feindlichen Feuer ent- zogen.

A m Jl st einer Klotz, j^ner beherrschenden Felsstellung, die die deutsche Südflanke gegen jeden Angriff schützt und abriegelt, sind tiefe Stollen in den harten Fels hinein getrieben worden. Im In­nern des Werkes erweitern sie sich zu mächtigen Unterkünften, Panzerwerken und Batteriestellungen, die das ganze Vorfeld in großer Tiefe beherrschen. Am späten Nachmittag trifft der Führer in dem

kleinen Städtchen E f r i n g e n ein, um die Rück­reise anzutreten. Unvorstellbarer Jubel empfing ihn in den engen Gassen. Zehntausende drängen sich hier zusammen, umlagern den Bahn­hof, auf dem sich der Führer von der Generalität verabschiedet. Unaufhörlich brausen die Sprechchöre

RUHL Seilersweg Nr. 67

fldiO Telephon Nr. 3170

eparaturen

und Heilrufe zum Führer hinüber. Immer wieder hebt der Führer dankend die Hand zum Gruß. Die Zehntausende, die dem Führer diese erhebenden Ab­schiedskundgebungen bereiten, haben die Worte nicht gehört, die General von Witzleben sprach, als er sich beim Führer abmeldete. Aber der Jubel dieser Menschenmassen drückt dieselbe Gewißheit noch einmal aus:Der Westwall hält und wird gehalten, komme, was da wolle!" Die Lieder der Nation geleiten den Zug des Führers, als er nun Efringen nordwärts nerlö^t

Spaniens große Siegesparade.

Oie nationalen Truppen vor Franco. - Jubelnde Begrüßung der deutschen Freiwittioen.

E. P. Madrid, 19. Mai.

Die große auf zwei Tage berechnete Madrider Siegesfeier hat in der Nacht zum Freitag um Mitternacht ihren Anfang genommen. Auf allen Höhen und JBergen Spaniens wurden um diese Stunde die Freudenfeuer angezündet, die die Reinigung Spaniens durch den Sieg der national- spanischen Sache symbolisch zum Ausdruck brachten. Die Straßen Madrids, vor allem jene, durch die die Truppen marschieren, sind angefüllt mit einer rie­sigen Menschenmenge, die aus ganz Spanien herbei­ge eilt ist, um diesen größten Tag der Nation mit­erleben zu können. Die Menge befindet sich in einem ungeheuren Taumel der Begeisterung und bricht immer wieder in stürmische Kundgebungen für^bie Truppen aus. Zur Parade hab eh sich alle in Spanien akkreditierten Vertreter der fremden Mächte eingefunden, vor allem die Spanien be­freundeten Staaten. Deutschland ist vertreten durch seinen Botschafter v. S t o h r e r. Unter den Diplomaten, die an der Parade teilnehmen, sieht man auch den Botschafter Frankreichs, Marschall P e t a i n , der aus Burgos nach Madrid gekom­men ist.

In der Avenida Castellano, dem Ausgangspunkt der großen Parade, ist ein Triumphbogen errichtet. Die Namen, die mit den Siegen Francos verbun­den sind, leuchten in großen Aufschriften von den Säulen: Santander, Demel, Belchite, Gijon, Tar­ragona, Gerona, Barcelona und Madrid! Längs des ganzen Aufmarschwegs der Parade, von der Avenida Castellana über den Prado bis zum Co- novas-Platz leuchten rotgoldene Flaggen mit dem traditionalistischen Andreas-Kreuz und die rot- schwarzen Fahnen^der Falange. Auf dem Castelan- Platz stehen die Tribünen, die sich an einen Triumphbogen anlehnen, der in riesigen Lettern die WorteVictoria" undFranco, Franco, Franco" trägt. Die Fahnen Spaniens, Deutschlands, Ita­liens und Portugals schmücken den Triumphbogen. Auf dem Colon-Platz ist die ganze Front der Deut­schen Botschaft mit einem riesigen Hoheitszeichen des Dritten Reiches geschmückt. In vielen Geschäften sieht man in den Schaufenstern das deutsche Haken­kreuz und die Fahnen Italiens und Portugals.

Wenige Minuten nach 9 Uhr kündigten Fan­laren die Spitze der Parade an, die bann in unaufhörlicher Folge an ihrem Oberbefehlshaber Dorbeyog. General Franco trug als Auszeich»

nung den höchsten spanischen Orden, die goldene Medaille des Heiligen Ferdinand, die ihjn kurz vor der Parade in einem feierlichen Akt von der spa­nischen Regierung verliehen worden war. Den Pa- raöetruppcn marschierte die berühmte italienische Division Littorio voran, die fast-an allen grö­ßeren nattonalspanischen Offensiven als Stoßtruppe beteiligt war. Ihr folgten verschiedene Bataillone derPfeil e" mit Maschinengewehren, Geschützen verschiedenen Kalibers, Panzerabwehr, motorisierten Einheiten und leichten Tanks. Nach denSchwar­zen Pfeilen" folgten die Abteilungen der spanischen Südarmee, dann die Levantearmee. Mächtiger Ju­bel erscholl, als General So 1 chaga, gefolgt von drei Kommandierenden Generälen und seinem Stab an der Spitze der aus so manchen Kämpfen be­kannten tapferen Navarra-Truppen erschien. Den Navarresen folgten Abteilungen des Armee­korps Maestrazgo, das sich bei der Eroberung Kataloniens- besondere Lorbeeren erwarb. Als die Soldaten der Zentralarmee passierten, erschienen die Geschwader der spanischen Luftwaffe, die am Himmel den NamenFranco" bildeten. Allmählich begann ein feiner Reaen zu fallen, der aber der Begeisterung keinen Abbruch zu tun vermochte. Ohne Unterbrechung zogen die verschiedenen Regi­menter an Franco vorüber.

Als die deutschen Freiwilligen mit Musik an der Spitze in straffem Schritt auf der höhe der Ehrentribüne erschienen, hörte der Hegen plötzlich auf und die Sonne brach wieder durch die tief hangenden Wolken. Die Flieger marschierten an der Spitze, dann kamen Flak­geschütz- und Maschinengewehrabkellungen. Ein Lastkraftwagen mit einer dampfenden Feldküche erregte das besondere Interesse der Madrider. Die deutschen Freiwilligen riefen ebenso wie die spanischen Truppen beim Vorbeimarsch am spa­nischen StaatschefViva Espana", worauf die Bevölkerung mit Begeisterungsrufen dem Gruß der deutschen Truppen antwortete.

Den Schluß der Parade bildeten spanische Pio- nicreinheiten und Spezialtruppen der spanischen Armee. Punkt 14.05 Uhr hatte der letzte Soldat und das letzte Geschütz die Ehrentribüne passiert. Nachdem der spanische Staatsches und seine Gäste

abgefahren waren, begann sich die Menge langsam unter den RufenFranco, Franco, Franco" und Viva Espana" zu zerstreuen. Am Samstag- morgen findet in der Madrider Kathedrale Santa Barbara ein feierlicher Dankgottesdienst durch den Primas von Spanien, Kardinal Goma, Erzbischof non Toledo, statt, bei dem Franco seinen Degen Gott zum Opfer bringen wird. Am Nach» mittag des gleichen Tages schließt sich ein großer diplomatischer Empfang durch den spa- Nischen Staatschef an.

Auszeichnung des Führers der deutschen Legion.

Den Vorbeimarsch der aus deutschen Freiwilligen bestehenden Legion nahm Generallissimus Franco bei der Siegesparade in der spanischen Hauptstadt zum Anlaß, um ihrem Führer, dem General­major Fhr. von Richtdofen, eine besondere Ehrung zuteil werden zu lassen. Als Generalmajor von Richthofen, in seinem Kraftwagen stehend, die Tribüne passierte, wobei der Wagen während der Ehrenbezeugung des Generals kurz anhielt, forderte Franco den Generalmajor von Richthofen auf, auf die Tribüne zu kommen. Unter einem unbeschreib­lichen Jubelsturm folgte der Führer der deutschen Legion dieser Aufforderung und nahm, neben dem Generalissimus stehend, die weitere Parade mit ab.

Der Führer an Franco.

Berlin, 19. 2Hai. (DNB.) Der Führer hak aus Anlaß der Parade der Spanienkämpfer vor dem spanischen Skaalschef Generalissimus Franco an diesen das nachstehende Telegramm gerichkei:Zum heutigen Tage, an dem durch die große Parade Ihrer kampferprobten Truppen der Sieg des nationalen Spaniens wider alle Kräfte der blinden Zerstörung gefeiert wird, gedenken ich und das deutsche Volk in herzlicher Verbunden­heit Ihrer und aller Verbände Ihrer stolzen Armee. Möge dem spanischen Volk unter Ihrer kraftvollen Führung eine lange Periode friedlichen Wiederaufbaues beschieden sein.

gez. Adolf Hiller/