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- Schaffende geben.

NSG. Die Deutsche Arbeitsfront führt am näch­sten Samstag und Sonntag die letzte Reichsstraßen­sammlung in diesem Winter für das Wmterhilss- werk des deutschen Volkes durch.Schaffende sam­meln Schaffende geben!" ist die Parole, unter der die Walter der DAF., die KdF.-Warte, Betriebs­führer, Vertrauens- und Werkscharmänner antreten. Noch einmal ergeht der Ruf an alle, durch ihr Opfer dem Winterhilfswerk zu größtem Erfolg zu ver­helfen.

Schöne Bernfteinabzeichen in der Form schöner Blumen werden dieses Mal angeboten. Jeder Volks­genosse im Rhein-Main-Gebiet trägt am nächsten Samstag und Sonntag diesen schönen Blumen­schmuck, der zugleich ein Bekenntnis zur Opfer- bereitschast des deutschen Volkes ist.

Von der Bernsteinindustrie find rund 1000 ost­preußische Familien abhängig, für die das Winter-

Iarktumschau für die Sausfrau.

Während Frischmilch, Brot und andere Nahrungs­mittel unbeschränkt überall bezogen werden können, sicht die Hausfrau bei ihrem Gemüsehändler die immer kleiner werdenden Auslagen. Diese Verknap­pung an Gemüsen inländischer Erzeugung findet in der Jahreszeit ihre Erklärung. Denn nun gehen die Vorräte an Kohl, aber auch an Wurzelgemüsen aller Art allmählich zu Ende, während die Neuerzeuguna, selbst unter den günstigen Verhältnissen des Treib­hauses, noch nicht in vollem Umfang Ernten bringt. Vorerst sind nur Radies, Schnittsalat, auch die ersten Gurken, sowie die anderen Gartenfrühgemüse so weit gediehen, daß die Gärtner damit an den Markt kommen können. Es bleibt aber für die Hausfrau besonders in den nächsten Wochen immer noch der Ausweg, zu Gemüsekonserven aller Art zu greifen. Da ist das Sauerkraut, der durch natürliche Milch­säuregärung haltbar gemachte Weißkohl, dessen Vi­tamine, Mineralsalze und Kalk ihn zu einem ge­sunden Nahrungsmittel machen. Auch mit Frisch­konserven sind wir reichlich versorgt, wenn sie sich

Hilfswerk in diesem Jahr, wie schon 1934, einen großen Sonderauftrag vermittelte, indem es 31 Millionen Bernfteinabzeichen bestellte. In der Staat­lichen Bernfteinmanufaktur, in den Werkstätten der Kriegsbeschädigten in Königsberg und in der Manu­faktur Danzig konnte die Arbeit nur mit Mühe be­wältigt werden. Die Blüten und Blätter wurden aus dem Naturbernstein herausgeschnitten, die rohen Formen geschliffen, durchbohrt und poliert, und da die der Größe der Abzeichen entsprechenden Roh­bernsteinstücke bei weitem nicht ausreichten, mußten zahlreiche sogar faustgroße Stücke, zersägt werden.

Wenn uns am 25. und 26. März die Männer der DAF. die erstenFrühlingsboten", die Blätter und Blüten aus Bernstein, anbieten, wollen wir durch den Erwerb der reizenden Abzeichen auch der letzten Reichsstraßenfammlung dieses Winters zu einem guten Ergebnis verhelfen.

auch ihres Preises wegen nur für die sonntäglichen Mahlzeiten eignen. Trockenaemüse dabei ist nicht zu denken an die früheren Angebote des verachteten Dörrgemüses sollte jetzt die Hausfrau einmal ausprobieren. Ihr Lebensmittelhändler liefert ihr Trockengemüse in hygienisch gepackter Form, billig und in verschiedenen Zusammenstellungen. Sie wird den Versuch fortsetzen, da gerade diese Dauerwaren eine merkliche Verbesserung gegenüber der früheren Herstellungsart aufweisen. Im allgemeinen heißt es, daß Kinder und Frauen gern Süßes essen. Aber auch die meisten Männer sind hier keine Kostver­ächter. Das werden sich alle geschickten Frauen zu­nutze machen und dem Zucker jetzt gerade wieder mehr den Platz einräumen, der ihm gebührt. Süß­speisen finden immer Anklang bei den Tischgenosten. Kohlehydrate, also voran Zucker, vermag der Kör­per sogar an Stelle von Fett zu verarbeiten. Zucker ist also für den Körper leicht bekömmlich und, was ein besonderer Vorteil ist, er steht das ganze Jahr über ausreichend zur Verfügung.

sehr eifrig und bereitete mit feinen ausgezeichneten Darbietungen der großen Menschenmenge eine wei­tere Freude. .

Dann brachte die Musik nach dem Abschluß der militärischen Vorführungen die Einheiten wieder zur Kaserne zurück. Hervorgchoben sei noch, daß am Samstag und auch am gestrigen Sonntag eine An­zahl alter Kavalleristen in den schmucken Uniformen der alten Armee hoch zu Roß mit den Sammel­büchsen eifrig und offensichtlich auch sehr erfolgreich durch die Straßen ritten. Da konnten unsere Buben und Mädels auch einmal sehen, wie schmuck ein Darmstädter Dragoner, ein Husar, ein Ulan usw. vor dem Kriege sich in der bunten Uniform präsen­tierte.

Militärkonzerte.

Am Samstagabend fanden im Stadttheater und ini Saale des Cafe Leib Militärkonzerte statt. Im Stadttheater spielte vor sehr gut besetztem Hause das Musikkorps des J.-R. 116 unter Leitung von Stabs­musikmeister Krieg. Es war eine vielseitige Dor- tragsfolge^ bie in ihrem ersten Teil überwiegend klassische Musik brachte, während der zweite Teil der Militärmusik gewidmet war. In der Pause gab das Ballett des Stadttheaters zwei Ausschnitte aus sei­ner Arbeit zur Bereicherung des Abends.

Im Saale des Cast Leib spielte das Musikkorps des Fliegerhorstes unter Leitung von Musikmeister Pfarre. Es brachte Walzer- und Operettenmusik, dann aber vor allem Militärmärsche. Beide Konzerte schlosst- mit dem Großen Zapfenstreich. Die Zuhö­rer darben in beiden Konzerten den Musikern in verdienter Weise mit lebhaftem Beifall.

Großes Wecken am Sonntaamorgen.

Bei einer Temperatur von 8 Grad Kälte und leuchtender Sottne auf schneeweißen Dächern und Gärten mag das Große Wecken, das am gestrigen Morgen uni 7 Uhr von der Bergkaserne aus durch eine große Reihe Straßen der Stadt führte, unfern marschierenden 116ern ein etwas reichlich kühler Sonntagmorgen gewesen sein. Trotzdem wurde na­türlich stramm wie stets marschiert. Die Spielleute und das Musikkorps hatten dafür die Genugtuung, daß sie manchen Sonntagmorgen-Langschläfer früher als sonst aus den Betten brachten, denn dieses inter­essante militärische Schauspiel möchte man sich doch, wenn irgend möglich, nicht entgehen lassen. Und so fanden sich denn auch in allen Marschstraßen sehr viele interessierte Zuschauer, natürlich die meisten vom Fenster aus.

Besuch in den Kasernen.

In den Vormittagsstunden und bis weit in den NackMittag hinein herrschte in den Kasernen unserer Infanterie, der Artillerie und ganz besonders im Fliegerhorst großer Besuchs-Betrieb. Männer und Frauen, Buben und Mädels bis herab zum Kinder­wageninsassen statteten unseren Soldaten in ihren Kasernen einen Besuch ab. Da wurde denn in der Bergkaserne und in der Verdun-Kaserne der In­fanteristen, in der Bleidorn-Kaserne der Artilleristen und vor allem ganz außerordentlich gründlich im Fliegerhorst Umschau gehalten.

Bei den Infanteristen und Artilleristen konnte sich die junge Welt mit Reiten und Kriimperwagenfah- rcn, mit Kleinkaliberschießen usw. vergnügen, in der Bergkaserne konnten alt und jung mit den Fahr­zeugen der motorisierten Regimentstruppen durch die Kaserne brausen. Bei der Artillerie konnte man interessante Beobachtungen an 4)en Geschützen machen. Mit den Maschinengewehren und den übri­gen "Waffen der Infanterie und Artillerie konnte man gleichfalls bekanntwerden. Kurzum: es herrschte hier der schon von früheren Veranstaltungen her bekannte Besichtigungsbetrieb.

Um die Mittagszeit konnte man in den Kasernen ein ausgezeichnetes Eintopfessen, Erbsen mit Speck, einnehmen. Auch an zahlreichen Stellen in der Stadt gaben die Feldküchen dieses Eintopfesten aus, wobei überall starke Nachfrage herrschte. Allenthalben konnte man die Feststellung hören, daß bei unseren Soldaten ausgezeichnet gekochnet wird, denn jedem hakte es vortrefflich ge schmeckt.

Bereits am Vormittag, noch viel mehr aber am Nachmittag herrschte im Fliegerhost Massenbetrieb in des Wortes größter Bedeutung, lieber 20 000 Besucher wurden dort im Laufe des Tages gezählt. Es war ja auch geradezu eine Völkerwanderung, die sich selbst noch am Nachmittag bei dem unfreund­lichen Schneetreiben hinaus zum Fliegerhorst be­wegte. Und dort herrschte ein Hin und Her, ein Schieben und Drängen, wie man es in Gießen seit langen Jahren nicht gesehen hat. Und die Besucher tarnen vollständig auf ihre Rechnung. Ueberall konn­ten sie sich im Fliegerhorst umschauen. Sie konnten die mächtigen Kampfflugzeuge und die schnittigen

kleineren Maschinen bewundern. Sie durften sich in den Hallen umsehen und die Gebäude besuchen. Sie konnten den Fallschirmen ihre Aufmerksamkeit schen­ken und sie dursten anhand von Modellen und Querschnitten Fliegerbomben kennenlernen. Höhe­punkte waren aber der Aufstieg eines geschlossenen Kampfgeschwaders und Fliegerangriffe auf den Horst mit starker Abwehr durch Flak. Zu diesem Zweck war vom Flak-Regiment in Frankfurt a. M. eine Batterie mit ihren großen und kleinen Flak- Kanonen und ihrem Kommandogerät hierhergekom­men, die um die Mittagszeit nach einer Rundfahrt durch die Stadt, bei der sie viel Aufsehen erregte, im Horst eintraf. So gab es denn am Nachmittag das sehr interessante Schauspiel eines Kampfes zwischen Fliegern und Flak, bei dem das Feuer der Flak- Kanonen und das Bellen der Flieger-MG. eine wunderbareMusik" gaben.

Außerordentliche Spannung lösten auch zwei Fall­schirmabsprünge aus, bei denen sich die Besucher von der wunderbaren Präzision der Fallschirmöffnung überzeugen konnten; an diesem Tage hatte man aber nur große Puppen und keine Menschen mit dem Fallschirm aus dem Flugzeug in der Luftaus- steigen" lassen. Bis zum späten Nachmittag herrschte im Fliegerhorst größter Betrieb. Kurz nach 15 Uhr wurde sogar noch einmal zur Essenausgabe auf« gerufen, denn offenbar hatte man inzwischen bei den Fliegern noch einmal gekocht.

Manöverbälle.

Am Abend fanden die Veranstaltungen mit Ma­növerbällen im Klub, im Saalbau Liekigstraße und im Cafe Leib ihren Abschluß. Auch hier war wieder Massenbetrieb, denn nun kam ja für unsere Sol­daten selbst und für die Soldatenbräutedas Schönste vom Janzen": das Tanzen.

9 200 Portionen Essen verkauft.

Innerhalb der Stadt und in den Kasernen wurden gestern insgesamt 9200 Portionen Essen durch die verschiedenen Truppenteile ausgegeben. Davon ent­fielen auf den Fliegerhorst etwa 5000 Portionen, auf die Artillerie 900, auf das I. Bataillon und Regi­mentseinheiten (Bergkaserne) 1100, auf das II. Ba­taillon (Verdun-Kaserne) 1000 und auf das E -Ba­taillon 200 Effenportionen.

Massenbetrieb der Straßenbahn und Autobusse.

Bei dem riesigen Andrang zum Fliegerhorst hat­ten die Straßenbahn und die städtischen Autobusse während des ganzen gestrigen Tages Massenbetrieb zu bewältigen. Alle Wagen waren stetsprall und voll wie eine Wursthaut". Die Artilleristen stellten sich hier ebenfalls in den Dienst der Sache und brachten zwei- und vierspännig mit Krümperwagen die Besucher zum Fliegerhorst und zur Volkshalle zurück.

Vornotizen.

Tageskalender für Montag.

Gloria-Palast (Seltersweg): 20.30 Uhr Konzert der Kuban-Kosaken; 16 Uhr Kinder- und Familien- Sonder-VorstellungJonny Companie", Hunde- und Affen-Dressurakt, und vier Märchenfilme,Märchen vom Schuh",Ein Affenscherz",Aschenbrödel" und Rache des Elefanten". Lichtspielhaus (Bahnhof­straße):Fortsetzung folgt". Frühjahrsmarkt (Schaumesse) auf Oswaldsgarten. Schützenverein Gießen c. V.: 20.30 Uhr Jahres-Hauptversammlung.

Bann und Untergau 116 Wetterau.

Die nächste Montag-Vorstellung im Rahmen des HJ.-Theaterringes findet am 27. März statt. Es ge­langt zur Aufführungder Fliegende Holländer". Die Karten können ab sofort auf der Verwaltungs­stelle des Bannes und Untergaues, Seltersweg 52, Hinterhaus, abgeholt werden.

Oie Kuban-Kosaken im Sloria-palast.

Der NameKuban-Kosaken" ist schon zu einem Begriff geworden. Ihre Balaleika-Musik und ihr Chorgesang sind berühmt, und wohl kaum gibt es einen Zuhörer, der sich dem Bann ihrer gesanglichen und musikalischen Gemeinschaftsleistung entziehen konnte. Die Kuban-Kosaken haben es noch immer verstanden, Gehalt und Gemütstiefe der russischen Volksmusik und der russischen Volkslieder auch un­serem deutschen Empfinden nahezubringen und zum Leben zu erwecken. Am heutigen Montagabend wer­den nun die Kuban-Kosaken in Gießen ein Gastspiel geben, das durch die NS.-GerneinschaftKraft durch Freude" vermittelt wird. Sicherlich werden sich, trotz der vielen Veranstaltungen, die die vergangenen Tage gebracht haben, auch heute viele Zuhörer ein- sinden'

Landgerichtspräsident Thüre 50 Jahre alt.

Von dem Pressedezernenten bei dem Landgericht Gießen wird uns geschrieben:

Am heutigen Montag vollendet der Präsident des Landgerichts Gießen, Adolf Thüre, fein 50. Lebensjahr.

Landgerichtspräfident Thüre wurde am 20. März 1889 in Lauterbach (Hessen) geboren. Nach abgeleg­ter Reifeprüfung studierte er an den Universitäten Gießen und Berlin und bestand im Frühjahr 1911 pi Gießen die erste juristische Staatsprüfung. Sein juristischer Vorbereitungsdienst wurde durch den Weltkrieg unterbrochen, den er als Artillerieoffizier von Anfang bis zu Ende mitmachte und wofür er u. A. mit dem EK. I und II. Klaffe ausgezeichnet wurde. Nach Ablegung des zweiten Staatsexamens in Darmstadt im Herbst 1919 wirkte er zunächst als Amtsanwalt bei verschiedenen hessischen Gerichten, bis er im Jahre 1921 als Staatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft des Landgerichts Mainz ange- ftellt wurde. Vom 1.5.1922 bis 1. 4.1923 war Prä. fident Thüre als Hilfsarbeiter bei der Reichsanwalt­schaft am Reichsgericht in Leipzig und anschließend im damaligen Hess. Justizministerium in Darmstadt tätig, wo er am 1.6.1929 zum Vortragenden Rat mit der Amtsbezeichnung Oberjustizrat ernannt wurde. Auch nach feiner am 1.10.1933 erfolgten Beförderung zum Landgerichtsdirektor beim Land­gericht Darmstadt blieb er mit der weiteren Dienst­leistung bei der Ministerialabteilung Justiz der Hess. Landesregierung beauftragt. Am 1. 4.1934 erfolgte seine Ernennung zum Landgerichtspräsidenten in Gießen.

Mit Landgerichtspräsident Thüre steht an der Spitze der Justizverwaltung des Landgerichtsbezirks Gießen eine Persönlichkeit von ausgezeichneten juri­stischen Fähigkeiten, umfassenden Kenntnissen und reichen Erfahrungen, gepaart mit tiefem sozialem Verständnis, Eigenschaften, die ihm die Wert­schätzung seiner Berufskameraden und aller Volks­genossen, die dienstlich und außerdienstlich mit ihm in Beziehung treten, sichern.

Gießener Goethe-Festwoche.

Vom Goethe-Bund wird uns geschrieben: Im Rahmen der aus Anlaß der 25-Jahrfeier des Goethe- Bundes Gießen vom 19. bis 26. März stattfindenden Gießener Goethe-Festwoche, die unter der Schirm­herrschaft des Dberbürgermeifters der Stadt Gießen stattfindet, findet am Freitag, 24. März, 20 Uhr, in der Neuen Aula der Universität eine öffentliche Feierstunde statt. Zu dieser Veranstaltung ist ein hervorragendes Festprogramm zusammengestellt worden. Regierungsrat Hein Schlecht, der stell­vertretende Leiter der Abteilung Schrifttum des Reichsminifteriums für Volksaufklärung und Pro­paganda, wird zu Beginn der Feierstunde eine Ansprache haltenBekenntnis zur deutschen Dich­tung". Sodann wird der von allen Goethefreun- den verehrte Dichter Hans Carossa, dessen Namen ja auch in unserer Stadt besten Klang und Ruf hat, den Festvortrag haltenWirkungen Goe­thes in der Gegenwart". Diese Weihestunde, zu der alle Literaturfreunde unserer Stadt eingeladen sind, wird umrahmt werden durch Musikvorträge des Städtischen Orchesters unter Leitung von Kapellmei­ster Paul Walter. Zu der Festveranstaltunff haben zahlreiche Ehrengäste von Partei, Staat und Kunstinstituten unserer Stadt und von auswärts ihre Teilnahme zugesagt.

Bereinigung für Begräbnisbeihi/L

Die Generalversammlung der Vereinigung für Begräbnisbeihilfe, Sterbekasse von 1889, fand am Sonntagnachmittag imBurghof" unter der Leitung des Vorsitzenden, Schreinermeister Tränkner, statt.

Der Vorsitzende erstattete den Geschäftsbericht und bereitete den 42 im letzten Jahre verstorbenen Mit­gliedern ein stilles Gedenken. 11. a. wies er auf den Geschäftsgang hin, der eine günstige Entwicklung brachte, und erinnerte daran, daß die einst non Gießener Bürgern als Selbsthilfe gegründete Sterbekasse, deren Ansänge auf das Jahr 1884 3U* rückgehen, auf dem Grundsatz der sofortigen Hilfe im Sterbefalle trotz mancherlei Umwandlungen fort­bestehen wird. Durch die Unterstellung der' Sterbe- lasse unter die Reichsaufsicht ist Gewähr für eine geordnete Fortführung gegeben. Wenn auch in der Leitragsgestaltung durch die Einführung eines regel­mäßigen Beitrages an Stelle der bisherigen, nur im Bedarfsfälle einfetzenden umschichtigen Ünkosten- erhebung eine Aenderyng eintreten mußte, so sind anderseits die Beihilfen wieder auf die frühere Höhe gekommen.

In dem vom Rechner, Bausekretär i. R. Decker,

Gießener Konzertverein. I

Liederabend Erna Sack.

Auffallende Höhenentwicklung der menschlichen Stimme hat von jeher stets allseitige Bewunderung auf sich gelenkt, den Künstler angeregt und im Schas­sen beflügelt, den Hörer mit unwiderstehlicher, faszinierender Macht eingefangen. Stimmsterne wnr- den mit Recht der Mittelpunkt höchster Verehrung, weil glänzende Naturgaben und künstlerisches Ver­mögen sie vor allen andern auszeichneten und abhoben. Wir wissen von der Begeisterung des jungen Mozart (1770) über die berühmte Sängerin Lncrezia Agujari, die vier und eine halbe Oktave beherrschte und das viergestricheneC" erreichte. Noch eine Terz höher (also wenige Töne von der oberen Grenze der Klaviatur entfernt) vermochte die Engländerin Miß Ellen Boaw (f 1842) hinaufzusteigen. Ebenso waren (um die letzte Jahrhundertwende) der Australierin Adda (Sollei) und der Spanierin Marse Barrientos die Grenzen der dreigestrichenen Oktave im gehaltenen Ton verfügbar; jo,die erstgenannte sang imVariete das Intermezzo ausCavalleria" als Vokalise und ent­wickelte .auf dem dreigestrichenenas" einen regel­rechten Schwellton. Der deutsche Koloratursopran Lucie Krall führte seine Stimme ebenfalls bis zum viergestrichenenC" hinauf.

Was so die Geschichte der Gesangeskunst als außer­ordentliche Leistung im Gedächtnis bewahrt hat, ent­zieht sich allerdings in einer Hinsicht unserer Nach­prüfung. Wir wissen nämlich nicht, woher diese außer­ordentlichen Stimmentsaltungen kamen. Waren es angeborene Anlagen, die sich durch irgendeinen Zu­fall zu erkennen gaben? Waren sie in bewußter ziel­gerichteter Arbeit entwickelt worden? Nur die Tat­sache ihres Daseins ist uns eben bekannt. Und dennoch, die Herausbildung der letzten Höhe ist vielleicht doch noch des öfteren feststellbar gewesen, wenn auch nicht immer in der Oefsentlichkeit. So berichtet eine unserer bedeutendsten Vertreterinnen deutscher Sangeskunst, die unvergleichlicheLiliLehmann,über verschiedentliche dahingehende Beobachtungen; u. a. schlug ihr bei

einerNorma"-Probe in der Metropolitan-Oper zu I Neuyork die Stimme aus dem Pianissimo plötzlich in die viergestrichene Oktave um, und sie konnte die ganze Stelle in dieser außerordentlich hohen Lage zu Ende führen.

Für den forschenden Stimmbildner steht es zweifel­los fest, daß diese hohen und höchsten Töne Eigen­entwicklungen der Stimme darstellen, die einmal durch Lösung aus Muskelzwang, infolge falscher Stimmdiagnose oder falscher methodischer Behand­lung, sich plötzlich überraschend zeigen, zum andern aber auch im bewußter Arbeit zielmäßig geweckt tverden können. Es steht unbedingt fest, daß diese höchsten Regionen in weit größerer Zahl, als man gemeinhin annimmt, einer gewissen Gruppe von Frauenstimmen zu eigen sind. Ja, bei planmäßiger Durchbildung der (stimme erscheinen sie sogar regel­mäßig. Ihr Herauswecke,t ist sogar eine stimmbild­nerische Notwendigkeit, um den vollendeten Ausgleich des bann über das übliche Maß hinausweisenden Stimmumfanges zu erreichen. Ob sie daun mehr als Partialtöne sich auswirken, oder in der größten Weite, des Umfangs jederzeit gebrauchsbereit zur Verfügung stehen, entscheidet sich allerdings durch die individuelle Veranlagung des Gesangsapparates und durch den gegebenen Stimmtypus. Das Hineinbeziehen der dreigestrichenen Oktave in den Ausdrucksbereich erscheint so also für besonders gelagerte Fälle durch­aus möglich.

Und ist nicht Erna Sack die überzeugendste Be­stätigung dafür, wie eine stimmliche Veranlagung sich allmählich selbst aus dem ihr durch Methode und falsche Diagnose auferlegten Zwang löst. Zuerst in die Fesseln des Mezzosoprans geschlagen, auf Grund einer angesichts des Typus von Erna Sack geradezu unbegreiflichen Diagnose, wird sie dann für das lyrische Fach bestimmt; aber persönliches Empfinden und immer mehr gewiß werdendes Selbsterkennen des eigenen Typus lassen Erna Sack aus eigener Initiative sich dem Koloraturfach zuwenden. Und nun in der ursprünglich von Natur aus vorgezeich­neten Bahn, stellt sich ganz von selbst, durch den Zufall gefördert, die phänomenale Höhenentwicklung

dieses begnadeten Organs ein. Glückhafte Mittel I ließen so den augenblicklichen Stern deutscher Sanges­kunst heranreifen, der für die ganze Welt als ver­heißungsvolles Symbol deutscher Kunst gilt.

Wer Erna Sack je am Lautsprecher und durch die Schallplatte gehört hat, niemand konnte sich dem unwiderstehlichen Reiz ihrer stimmlichen Sonder- begabung, den unvergleichlichen hohen Tönen ent­ziehen. Und nun in der Unmittelbarkeit des Konzert­saales wird gerade diese ihre Domäne zum eindring­lichsten und nachhallendsten Erlebnis. Denn zumal diese hohen Töne üben die stärkste Anziehungskraft aus, ja, in ihrer sinnlichen Schönheit sind sie'der In­begriff höchster Gesanglichkeit. Flötengleich, gelost, im Vergleich zu den tieferen Lagen der (stimme frei von allem, was überhaupt an die Hervorbringung und Erzeugung des Tones erinnern konnte, so schweben sie fast substanzlos im Raum, nur noch fast unbegreif­licher Klang. Nachgiebig, jeder Nuancierung fähig, fügen sie sich zur Kantilene, breiten sich in schier end­losem Tenuto aus; verhallen; seelischem Hauch gleich, lassen sie im gedehnten Decrescendo den Hörer inner­lich erschauern.

Diese schönsten glücklichsten Mittel beherrscht Erna Sack als die vollendetste Virtuosin ihres Instruments und weiß sie sinngemäß, der Wirkung sicher und ge­wiß, zu werten und zu nützen. Sie ist eben die künst­lerische Sängerpersonlichkeit. So wie sie sich einst in ihrer Laufbahn durchFusetzen vermochte, so fügen sich auch jetzt die Mittel ihrem Gestaltungs- und Aus­druckswillen in Unbedingtheit. Die Hörer müssen ihr verfallen,sie fängt sie ein;sie singt bewußt für alle, und diese ihr entgegenkommende Bereitschaft der Hörenden gibt ihr die innerliche Resonanz, die ihre Kräfte bis zur letzten Faser sreiwerden läßt.

Solche stimmtechnische und gestalterische Heber« legenheit macht sie bewußt künstlerischen Zielen dienst- bar. So gewinnt manches Lied, manche Arie ein neues, verändertes Gesicht, bisher unbekannte Werte blühen auf, die bei anderen unter den üblichen stimm­lichen Voraussetzungen nicht möglich waren. Es war besonders auffallend, wie sie, zumal im Liede, äußerst gedehnte Zeitmaße bevorzugte, eben weil ihr die

Mittel verfügbar und geläufig sind, um so die innere Weite des Musikalischen zu erfüllen. Ein Reichtum an klanglichen und differenzierenden Möglichkeiten belebt und vertieft ihren Vortrag, so daß selbst das einfachste, bekannteste Volkslied als gänzlich Neues, Anziehendes, Gewinnendes erscheint. Oft aber Hot man den Eindruck, als werde durch sie manches Weik erst so vollkommen, wie es der Komponist seinerzeit wohl geahnt hatte, aber mit Rücksicht auf die ihm zur Verfügung stehenden gesanglichen Kräfte nicht niederschreiben konnte.

Die Vielseitigkeit der Vortragsfolge ließ Erna Sacks Können in hellstem Lichte auf strahlen: Bel' canto-Arien mit weitgespanntem Kantilenenbogcn und feinster musikalisch-gesanglicher Durchbildung: vier Schubert-Lieder in persönlich bestimmter Durch' bringung. Eine Volksliedergruppe gab in lebendigstem Vortrag den fünf vertretenen Nationen individuelle Gestalt. Mit dem reinen Koloraturgesang aber feierte Erna Sack wahre Triumphe; hier ließ sie das. Feuer­werk ihrer Koloratur raketengleich ausglühen, *n filigranhafter Durchsichtigkeit und Gliederung dos Figurenwerk sich ausranken. (Arie der Philine auS Mignon", von Thomas; Arie der Rosine aus dem Barbier von Sevilla".) In den Variationen über ein Mozart-Thema von A. Adam standen virtuos Jnftrumentaltechnik (Flöte: Herr Kirch mann) und stimmliche Hochkultur in edelstem Wettstreit. Das Ganze beschloß Aräitis Parla-Walzer, als zündendes Bravourstück. Zugaben über Zugaben, Wiederholum gen der Einzelgaben, MarchesisLa Foletta", culi-Funicula", und dann Erna Sack als Filmdiva- Ein Blumenstrauß aus Nizza". Als Schluß aber RegersMariä^Wiegenlied" in seiner schlichten Schom heit und Innigkeit.

Am Flügel war Charles Cern e ganz auf die Solist^ eingestellt, bis zum letzten mit Nachgiebigkeit, Schlag­fertigkeit und innerer Verbundenheit folgend, bei alle" Eigenwerten stets der Sängerin den Vorrang gebend.

Die überall besetzte Aula rauschte immer wieder im tosendsten Beifall auf. Dr. Hermann Hering-