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llr.br Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Montag. 20. März 1939

Aus der Stadt Gießen.

Wann beginnt der Frühling?

Das Frühjahr ist gekommen, der Frühling noch nicht, Noch macht die Natur ein saures Gesicht.

Dieser Vers Friedrich Leopold von Stolbergs timmt nur gar zu oft für unseren kalendermäßigen Frühlingsanfang, den 21. März. Wir wissen wohl, !«ß an diesem Tage die Sonne bei ihrer scheinbaren Kordwärtsbewegung den Aequator durchschreitet und !lvn der südlichen Himmelshälfte auf die nördliche ifcertritt, daß damit an diesem Tage, an dem auf ter ganzen Erde Tag und Nacht gleich lang sind, für lie nördliche Erdhalbkugel der Frühling, für die süd- Iche der Herbst beginnt Es ist aber nicht möglich, (men bestimmten Punkt für denwirklichen" Früh- ! ngsanfang zu nennen, und es darf uns nicht wun- ternehmen, daß die alten Kalenderregeln, die sich auf ten Beginn des Lenzes beziehen, zeitlich weit aus- lnanderliegende Daten nennen.

Fabian, Sebastian, laßt den Saft to Holte gan", isrkündet der alte Bauernspruch und legt damit den beginn des Frühlings mitten in den Hochwinter (20. Itamiar). Tatsächlich regt sich auch um diese Zeit chon, wenn unsere Erde meistens noch mit Eis und i stchnee bedeckt und nicht das kleinste Frühlingszei- c-en weit und breit zu sehen ist, der unsichtbare I srühling tief drinnen in der Erde und im Wasser mb im Innern der Bäume, und mit Recht können v-ir auf die im Spätwinter oft ungeduldig ge- j iußerte Frage:Wann kommt der Frühling?" ant- ; tiorten:Er ist schon lange da!"

Nach den alten Bauernregeln zu urteilen muß es öer in alten Zeiten tatsächlich früher Frühling ge­worden sein als heutzutage oder die sehnsüchtige Un- > x-duld unserer Vorfahren eilte der Jahreszeit oor- cus. Zahlreiche mittelalterliche Kalender, nicht nur us südlichen Gegenden, sondern auch aus dem rnttleren und nördlichen Deutschland, sogar aus (ngkand und den skandinavischen Ländern, nennen 1 n Tag vonPetri Stuhlfeier", den 22. Februar, cs Frühlingsanfang, während St. Urban (25. Mai) d n Sommer eröffnet, Bartholomäus (24. August) in beendet und St. Clemens (25. November) die (rrenze zwischen Herbst und Winter zieht. Noch sicher kannte man in Deutschland ja nur drei Jahreszeiten, Frühling, Sommer und Winter, aber i Colerus' Hausbuch vom Jahre 1591 heißt es foon:

Vier Theil des Jahres ich fandt, Das erst wird der Lentz genannt; Peter Stuhlfeyer hebt ihn an Und gehet aus auf Sanct Urban.

Dementsprechend war der 22. Februar früher auch en wichtiger Tag im Volksleben, an dem der Bauer, D°nn die Witterung es irgend gestattete, bestimmte ['tbarbeiten wieder aufnahm, in den Gegenden rd)t5 des Rheins das Pachtjahr ablief und das (tejinbe den Dienstherrn wechselte. Nach dem Lübeck- | ft en Seerecht sollte kein Schiff aussegeln vor Petxi (!nthedra, und auch in Nordfriedsland galt dieser 2ng als Termin für die Wiederaufnahme des See- rirkehrs.

Ms der eigentliche erste Frühlingsmonat galt Qier schon in der höfischen Minnezeit der März, dr Lentzinmanoth, wie er von Karl dem Großen bäi seiner Einführung deutscher Monatsnamen ge- ntmnt wurde, der lentemaand, wie er noch heute in den Niederlanden heißt. Es ist der Monat, in dm viele unserer Zugvögel wieder zu uns zurück- teuren oder auf ihrer Wanderung noch weiter nord- m: rt5 unser Land durchziehen, wo die ersten Früh- Ibigsblumen ihre Köpfchen aus der Erde strecken, b(5 erste schüchterne Grün sich an Büschen und Luräuchern zu zeigen pflegt. Allerdings ist ber Ein­zig dieser Lenzesboten innerhalb unseres Vater- lc«des je nach der Gegend zeitlich recht verschieden. Ewa vier bis fünf Wochen dauert der Siegeszug in* Frühlings durch ganz Deutschland, von seinem ersten Erscheinen im Rhein- und Neckartal an, bis (er unsere kälteste Gegend, Ostpreußen, erreicht hat.

Sogar in unseren mildesten Gegenden aber kann > März, wie dieses Jahr beweist, sich noch recht Taub und wild zeigen, und wir müssen zuweilen jicti) dem Kalender sehen, um uns zu vekgewissern, ob es trotz allem wahr bleibt:Der März trift dem Winter ans Herz", und wirft dieser auch Ci* und Schnee umher,es muß doch Frühling werben!"

Gießen und Umgegend feiern mii ihren Soldaten.

OerTag der Wehrmacht" war ein großer Erfolg auf der ganzen Linie und ein starkes Bekenntnis zur Einheitsfront von Soldat und Volk.

Jrn Hof des Gymnasiums durften die Kinder reiten.

Bei Sonnenschein unb kalter Luft am Samstag­nachmittag und am Sonntagvormittag, bei lebhaftem Schneetreiben und unangenehmer Naßkälte am Sonntagnachmittag hat Gießen seinenTag der Wehrmacht" erlebt. Aber nicht nur die Gießener waren mit ganzem Herzen dabei, besonders am gestrigen Sonntag, sondern auch vorn Lande rund­herum um die alte Soldatenstadt Gießen waren viele Volksgenossen, alt und jung, groß und klein, erschienen, um hier in den Kasernen die alte Ver­bundenheit mit unseren Soldaten erneut zu bekun­den und sich außerdem noch möglichst gründlich überall umzusehen.

Großer militärischer Betrieb am Samstaqnachmittaq.

Am Samstag von 14 Uhr ab stand unsere Stadt vollständig im Zeichen der Wehrmacht. Mit klingen­dem Spiel marschierten die Infanteristen und die Artilleristen in einer Marschkolonne, die Flieger mit ihrem Musikkorps an der Spitze in einer anderen Kolonne durch zahlreiche Straßen der Stadt, um hier auf den Tag und seine Bedeutung aufmerksam zu machen. Sammler vom NS.-Reichskriegerbund, von der Abteilung Wehrmacht in der DÄF. und von der NSV. begleiteten die Marschkolonnen und luden die in großer Menge auf den Straßen weilen­den Volksgenossen mit froher Aufforderung zu einer

Spende für das WHW. in die bereitwilligst hin­gehaltenen Sammelbüchsen ein. Und an demRap­peln" der meisten Sammelbüchsen konnte man er­kennen, daß die Opferfreudigkeit überall wieder sehr groß war. Aber nicht nur bei dem Marsch durch die Stadt, sondern auch auf zahlreichen Plätzen und Straßen herrschte militärischer Großbetrieb, den auch hier die unermüdlichen Sammler für ihre -Sammelbüchsen auszuwerten sich bemühten.

Bei den militärischen Vorführungen zeigte eine Batterie unserer Artillerie-Abteilung auf dem Platze vor dem Liebig-Bau (Alte Klinik) in der Liebig- straße zunächst ein Schießen mit Manöverkartuschen, dann Geschützexerzieren, anschließend noch einmal schießen mit Manöverkartuschen. Wer von den vielen Zuschauern eine Mark in die Sammelbüchse spendete, durfte an einem der vier Geschütze eigen­händig Abzugskanonier spielen, nämlichseine" Manöverkartusche abfeuern. Kaum war die Batterie aufgefahren, so mar auch schon starker Besuch um sie herum versammelt, der mit größtem Interesse alles verfolgte.

Auf dem Landgraf-Philipp-Platz und dem Brand­platz war die 14. Kompanie unserer 116er (Panzer- Abwehr) in Stellung gegangen, die dort im Kampf gegen Panzer-Spähwagen, die vom Landgericht her vorzudringen versuchten, ihre Einsatzkraft bekundete. Im übrigen konnte man die erstaunliche Geschicklich­keit im Fahrdienst und im Exerzierdienst mit ihren Waffen sehen.

Im Hofe der Zeughauskaserne zeigte der Reiter­zug des JR. 116 den interessierten Besuchern sein Können, und auch hier konnte man an den Lei­stungen von Mann und Pferd seine Freude haben.

Im Hitlerwall vom Landgericht bis zum Stadt­theater herrschten die Fußtruppen der 116er. Da lagen in den Anlagen MG.-Schützen mit ihren Maschinengewehren. Andere Truppen zeigten Aus­schnitte aus dem Exerzierdienst. Wieder andere bau­ten Fernsprechleitungen oder waren mit Eifer an den Granatwerfern tätig. Blinker und Funker zeig­ten, welche Bedeutung ihrem Dienst zukommt. MG.- Schützen machten erkennbar, wie man im Gefecht in zweckmäßiger Weise Gebüsche, Bäume, Höfe usw. als Deckung bzw. Ausgangspunkt zu neuen Vor­stößen benutzt. Vor dem Stadttheater entwickelte sich buntes Biwakleben und = treiben. In der Johan- nesstraße konnten die Jungens die Freude erleben, sich auch einmal auf Militärpferde zu setzen. Dann gab cs so etwas wie einen kleinen Krieg, denn es wurde u. a. gezeigt, wie ein Angriff unter Ein­satz der MG.s sich entwickelt. Da ratterten denn die Maschinengewehre ihreMusik" los, daß man es weithin in der Stadt hörte, während gleichzeitig von der Liebigstraße her die Schüsse der Artillerie

zu hören waren Aber auch die Infanterie zeigtö ihre schweren Brocken, die Infanterie - Geschütze. Kurzum: es war ein Manöoer-Gefechtsfeld im Kleinen, das man hier in interessanten Ausschnitten zu sehen bekam. Wer aber schauen und sich unter­halten wollte, konnte und durfte natürlich auch die Sammelbüchsen der Sammler nicht vergessen, die! allenthalben guteGeschäfte" machten.

Das E.-Bataillon 116 hatte den Hof des- Gym- nasiums in einen Biwakplatz verwandelt, auf dem

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Soldat der alten Armee hilft beim Sammeln. (Aufnahmen [4j: Neuner, Gießener Anzeiger.)

man alles so sauber hergerichtet antraf, wie es bei einer tadellosen Truppe im Biwak eben aussehen muß. Putzig nahm sich dabei der Bataillons-Mecke­rer, ein ordentlicher Ziegenbock, aus; der offenbar dasMaskottchen" der älteren Semester unserer 116er ist und der auch den Besuchern im Hofe des Gymnasiums und später auf dem Marsch durch die Stadt viel Freude bereitete.

Während aller dieser Vorführungen konzertierte das Musikkorps der 116er vor, dem Stadttheater

Links: In der Anlage am Stadttheater. Rechts: Artillerie vor dem Liebigbau.

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Gießener Goethe-Festwoche.

Eröffnung im Stadttheater»

Die Gießener Goethe-Festwoche, unter der Schirm- rnschaft von Oberbürgermeister Ritter vom Goethe- 3imbe aus Anlaß seines 25jährigen Bestehens ver- ataltet, wurde gestern vormittag mit einer Goethe- Drgenfeier im Stadttheater feierlich eröffnet. Nach le: wuchtig-getragenen Klängen derWeihe des hcuses" von Beethoven, durch das Städtische Or- Uter unter Leitung von Heinz Markwardt vor- ves stich zu Gehör gebracht, betrat Bürgermeister Zwfessor Dr. Hamm die Bühne zu seiner Eröff- Migsansprache; er gedachte, bevor er auf das eigent- ch- Thema zu sprechen kam, der weltgeschichtlichen :t:nben, die wir in der vergangenen Woche dank der lfialen Tatkraft unseres unvergleichlichen Führers iiii der Einsatzbereitschaft unserer schlagfertigen Wehr- ncfi)t erlebt haben, und wies auf den Gegensatz hin, nf hier im tiefsten Frieden, indes an den deutschen Minzen Weltgeschichte gemacht werde, unsere Herzen tr kulturellen Feier geöffnet seien. Dies könne nur »kurch möglich sein, daß Deutschland heute einen faltigen Block gemeinsamer Weltanschauung und iie::nen Wehrwillens bilde. Der Redner brachte ein ?r den Besuchern freudig aufgenommenes dreifaches -icy-Heil auf den Führer aus, dessen geniale Tat eine :i? sche Schicksalswende bedeute.

Cum Namen des Goethe-Bundes, der Stadtverwal- tni|, des Verkehrsamtes und des Fremdenverkehrs- eriins der Stadt Gießen, sowie des Stadttheaters rchzete Pros. Hamm hieraus Dank und Gruß an die ßrucher der Morgenfeier, insbesondere an Herrn fr irbürgermmfter Pg. Ritter als den Schirmherrn Gr Festwoche, an die Vertreter der Partei und ihrer Milderungen, der Wehrmacht, der Reichskultur- fcrmer, der Universität, der Behörden und der Presse. (rrllichen Willkomm entbot .der Redner endlich it-n Dr. Henning als dem Begründer und Leiter sWoethe-Bundes und dem Anreger der Festwoche.

Goethe-Bund, im Schicksalsjahre 1914 gegründet, |< ins dem kulturellen Leben unserer Stadt nicht htli wegzudenken. Rückblickend erinnere man 'ich ML dankbar der langen Reihe erlauchter Namen irt schöpferischer Kräfte der Nation, die durch den Sub seinen Besuchern im Laufe der Jahre nahe- O acht worden seien; in einer Zeit elenden Tief­

standes habe er es gewagt, ruhmreiche Kämpfer und Träger heroischen Geistes zu uns sprechen zu lassen. Das Bestreben des Goethe-Bundes, in die Breite zu wirken, habe zu seiner Verbindung mit dem Kauf­männischen Verein, dem Gewerbeverein, der Univer­sität und später, im Dritten Reiche, mit dem Volks­bildungswerk der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" geführt.

Prof. Hamms herzlicher Glückwunsch zum Jubi­läum galt dem Goethe-Bunde, seinem Leiter Dr. Henning, seinen Mitarbeitern und Mitgliedern; der Bund habe große Erfolge im kulturellen Leben unserer Stadt erzielt und das Erbe Goethes treu bewahrt; auch derer, die sich in den Dienst der Festwoche gestellt haben, des Konzertvereins, des Theaters, der Uni­versität unb ber Presse sei heute mit Dankbarkeit zu gebenfen. Die Festwoche, bie einen Querschnitt durch bas kulturelle Leden ber Stabt gebe, solle künftig in jebem Jahre wieberholt werben. Der Rebner betonte, es gelte in bieten Tagen zu zeigen, wie zeitlos lebenbig Goethes Werk in unserer Gegenwart sei, unb gab in biesem Sinne eine Charakteristik besTasso", ber bisher in Gießen noch nicht gegeben worben sei, unb ber in vollkommener Harmonie ber Form bie Erzie­hung bes Jnbivibuums zur Gemeinschaft barstelle. Carossas Vortrag werbe von ber visionären Kraft bes Goetheschen Genius unb seiner Wirkung auf bie Gegenwart zu uns iprechen. Erschließen wir unsere Herzen ber Dichtkunst Goethes, bantbar bem Vater- lanbe, bas uns unsere Dichter unb Denker geschenkt hat, im Bewußtsein, baß nur in einem starkenStaate geistige Kultur gebeiben kann, eingebent ber Worte Hölderlins an Germanien:

Du bist es, auserwählt

Alliebend unb ein schweres Glück Bist du su tragen stark geworden."

Hieraus las Intendant Schultze-Griesheim als einen Gruß an den Goethe-Bund das große, aus liefet Naturerkenntnis geborene GedichtTie Me- 'amorphoie der Bilanzen"; die dann ausgesponnenen Gedanken natürlicher Entfaltung mannigfaltiger Formen zur Harmonie einer höheren Welt lassen 'ich iimvoll auch auf die kulturelle Gemeinschaft über­tragen, deren stetige Entwicklung es in diesen Tagen zu feiern gilt.

Mit ber Ouvertüre zurZauberflöte" leitete dann das Städtische Orchester urtter Herrn Markwardt zum heiteren Ausklang der Morgenfeier über, der

Aufführung von Goethes einaktigem Schäferspiel in VersenDie Laune des Verliebten". In seinen unbeschwert loderen Szenen ist jeder Vers und jede Gebärde aus dem graziösen unb amoureusen Geiste bes Rokoko geboren; bas Amor-Bild im Hintergrunbe ber von Herrn Löffler entworfenen, zartfarbigen Gartenszenerie unb die leisen Klänge derKleinen Nachtmusik" von Mozart deuteten die Gefühlslage des Spieles an, in dem die melancholisch-eifersüchtige Laune eines jugendlichen Liebhabers auf die galan­teste und amüsanteste Weise geheilt wird. Unter der Spielführung von Dr. Hannes Razurn vereinigten sich die Damen Garbe und Schloeder, die Herren G r ö n d a h l unb Schorn zu einem schäferlichen Quar­tett, in bem naive Unbekümmertheit unb weiblicher Witz über ientimentalische Grillenfängerei trium­phieren.

Die zahlreiche Morgenfeier-Gemeinde spenbete leb­haften Beifall. Hans Thyriot.

Dom Farbensinn der Tiere.

Daß die Tiere bis zu ziemlich tief in ber Reihe stehenden Arten hinab, einen gut entwickelten Far­bensinn haben, ist durch Versuche in den letzten Jahrzehnten erwiesen worden, von denen Professor Dr Heine im Märzheft vonVelhagen und K l a s i n g s Monatsheften" die bemerkens­wertesten Tatsachen mitteilt. Professor Nagel hat die ersten zweckmäßigen Versuche gemacht, um zu ergründen, ob sein Hund Rot oder Grün unter­scheiden könne; er dressierte ihn auf farbige Kugeln, bis er aufhol Rot",hol Grün" usw. ihm stets die richtige Farbe brachte. Es ist als sicher anzu­nehmen, daß den Wirbeltieren, den Säugern, Vö­geln, Reptilien und Fischen, mit geringen Ausnah­men ein Farbensinn zuzusprechen ist, der dem menschlichen ganz ähnlich ist Durch Versuche wurde dies erwiesen außer beim Hund bei den Affen, Katzen, Eichhörnchen und Kaninchen, von den Vö­geln besonders bei den Tagvögeln, während die aus­gesprochenen Nachtvögel eine Ausnahme bilden; bei Hühnern wurde Rot-, Gelb-, Grün- und Blausinn nachgewiesen. Von den Reptilien wurden Schild­kröten. und Krokodile untersucht, und am genauesten wurden die Fische erforscht.

Biologisch noch merkwürdiger erscheint es, daß ber Nachweis eines guten Farbsinnes in ber Reihe ber Wirbellosen vielfach überzeugenb geglückt ist. Bei ben Glieberfüßlern finb bie gründlichsten Untersuchungen mit großem Scharfsinn bei den Bienen gemacht worden. Seltsamerweise sehen diese rotes Licht nicht, es erscheint ihnen vielmehr licht- und farblos schwarz, rote Geranien sind für sie also schwarz. Dafür aber sind sie befähigt, über das Spektralviolett hinaus die ultravioletten Strahlen zu erkennen, was dem Menschen nur mit Hilfe des Fluoreszenzschirmes möglich ist. Zwischen dem ihnen unsichtbaren Rot und dem ihnen erkennbaren Ultraviolett unterschei­den sie drei verschiedene Farben: Gelb, Grün und Blau, wobei sie bas letzte bevorzugen. Während aber bie Bienen erst nach gemachter Erfahrung be­stimmte Farben als Futterquellen ober Heimstätte aufsuchen, lösen bei manchen Tieren gewisse Farben bestimmte Reaktionen aus, ohne baß eine Dressur vorausgegangen ist. So fliegen viele Schmetterlinge, wie Zitronenfalter, Kohlweißling, Kaisermantel, Tagpfauenauge unb Kleiner Fuchs, sobalb sie aus der Puppe geschlüpft sind, ohne daß sie vorher ein­mal Nahrung genommen haben, bestimmte Farben an, die man ihnen an künstlichen Papierblumen dar­bietet. Sie sind also instinktiv an bestimmte Farben der ihnen in der Natur gegebenen Futterblumen ge­bunden.

Sochsckulnacknchten.

Professor Dr. Theodor Menzel, der ehemalige Ordinarius der Philosophie Kiel, ist kurz nach Vollendung seines 60. Lebensjahres gestorben. Er stammte aus München und hatte sich in Kiel 1924 für Islamische Philologie habilitiert, nachdem er vor­her Professor für Türkisch am Archäologischen In­stitut der Universität Odessa und dann einige Zeit Lektor für Türkisch in Kiel gewesen war. 1926 wurde er zum Extraordinarius und drei Jahre später zum Ordinarius ernannt 1937 trat er in den Ruhestand.

Der Dozent Dr. Willibald Dtemair wurde zum ao. Professor in der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt ernannt und ihm der Lehrstuhl für Lebensmittelchemie über« tragen.