Ur. 45 Zweites Blatt Gießener Anzeiger tGeneral-Anzeiger für Oberheffen) Montag. 20. Februar 1939
einem Fußballspieler. Ich habe sogar von einer? Frau gehört, die sich selbst Arthur nannte. Wenn ich ein Mann wäre, würde ich sie nicht lieben, und wenn ich eine Frau liebte und um sie werben wollte, würde ich ihr einen schönen Namen geben. Wenn sie zart und schön wäre, graue Augen und blondes Haar und ein liebliches Gesicht hätte, würde ich sie „Zarte Weide" nennen, dann würde sie den Namen ihres Mannes vergessen und jedes Mal lieblicher werden, wenn er sie mit biefem Namen an* redet ..."
Aber nicht nur über den Namen' der Frauen wundert sich die Chinesin, sie hat auch sonst noch manches auszusetzen. Sie tadelt, daß man die Liebe nicht ernst genug nimmt, sondern sich über alles lustig macht, daß namentlich die Engländer immer nur über Fußball und anderen Sport sprechen und daß keiner Gedichte liest, während doch der Sport einen Mann durchaus nicht romantisch macht. „Herbstspiegel" erzählt, daß in einer Gesellschaft, in der der Gedanke der Ehe verherrlicht werden sollte, ein Engländer dauernd mit ihr über einen Elefanten sprach, den er von 20 Fahren in Afrika geschossen hatte, worauf er unendlich stolz war. Sie tadelt auch die heutige Gesellschaftskleidung, die so viel freiläßt und 'so oft zu Erkältungen führt. „Ich möchte sehen, was unser Confucius sagen würde, wenn er zu einer Gesellschaft mit halbnackten Frauen eingeladen würde. Er würde sich in das Nebenzimmer zurückziehen, um sie zu vermeiden, obwohl vielleicht die Frauen auch gar nicht den Wunsch hätten, mit ihm zu sprechen." .
Hochsckmlnachnchten.
Die Pressestelle der Reichsdozentenführung teilt mit: Dem Mitglied des NSD.-Do^entenbundes an ber Universität Würzburg, Pg. Dr. Günther Briegleb wurde unter Ernennung zum planmäßigen ao. Professor in der naturwissenschaftlichen 'Fakultät Würzburg der Lehrstuhl für physikalische Chemie übertragen. Der Genannte hat sich vor allem mit Fragen des Atom- und Molekülbaues beschäftigt. — Dem Dozentenbundsführer und Senator der Technischen Hochschule Braunschweig Dr.-Ing. Bodo Heinemann wurde die Abteilungsleiterstelle am Institut für landwirtschaftliche Technologie an der Technischen Hochschule kommissarisch übertragen. — Der Gaudozentenbundsführer Halle-Merseburg, Dr. weck. Wilhelm Wagner, wurde zum nbao. Professor für Chirurgie an der Universität Halle ernannt.
Aus der Stadl Gießen.
„Wahnsinnsraserei."
Man entsinnt sich noch sehr wohl der ernsten Mahnungen, die Reichspropagandaminister Dr. Goebbels im vergangenen Jahr in einer Rundfunkrede an b i e Verkehrssünber richtete. Nun hat auch ber Führer bei ber Eröffnung ber diesjährigen Autoschau bazu gesprochen. Seine Worte treffen nicht nur wie immer den Nagel auf ben Kopf, sonbern sie bringen zur Genügtuung aller pflichtbewußten Verkehrsteilnehmer auch bie gebührende Anprangerung ber Verkehrssünber unb ihre Verwarnung in nachbrücklichster Form. Vor allem wirb es der gewissenl)afte Kraftfahrer aufs wärmste begrüßen, wenn hier von maßgeblicher Seite die „Wahnsinnsraserei" ber Verkehrssünber klipp und klar als „verbrecherisch unb gewissenlos" bezeichnet wirb.
Das bezieht sich zweifellos nicht nur auf bie- jenigen Kraftfahrer, die durch ihre asoziale lieber? heblichkeit und Rücksichtslosigkeit Leben und Gesundheit ihrer Mitmenschen überall da gefährden, wo nicht gerade ein Verkehrsbeamter steht. Im vergangenen Jahre hat bie Verkehrspolizei gelegentlich ber Unfallverhütungswoche in allen größeren Stäbten burch praktische Vergleichsfahrten eines gewissenlos brauflosrasenben unb eines vernünftigen Kraftfahrers nachgewiesen, baß ber vermeintliche Zeitgewinn bei ber Autoraserel erstens lächerlich gering ist unb zweitens mit unzähligen Verkehrsvergehen unb birekten Angriffen auf bas Leben ber Mitmenschen erkauft werben m^‘ne5 Führerwort bezieht sich aber ebenso sicher auch auf jene oberflächlichen Dummköpfe, bie sich auf ben unzeitgemäßen unb volksfremben Stanb- punkt stellen: „Ich kann mit meinem Wagen machen, was ich will." Das mag früher einmal für manche Menschen vertretbar gewesen sein — heute, wo eine Nation von 80 Millionen Menschen unter der Führung Abolf Hitlers im Kampf um bie Lösung bes Rohstoffproblems steht, hat niemanb mehr ein Recht, mit ben Rohstoffen, bie in einem Kraftfahrzeug enthalten sinb, so brauflos zu wüsten, daß überschneller Verschleiß, also Vergeubung, eintritt. Diese Vergeubung multipliziert sich ins Diel- tausenbfache, kommt also im Enbeffekt auf eine bauernbe, unverantwortliche Beeinträchtigung bes Volksoermögens heraus. Der Führer erläuterte bas selbst an bem Beispiel ber unsinnigen Ueberbean- spruchung ber Reifen, bie burch alberne Angeberei im Kraftfahrzeug entsteht.
Abolf Hitler sprach auch hier wieder iebem vernünftigen Menschen und jedem pflichtbewußten Deutschen aus der Seele, wenn er Verkehrssünder, Verkehrsverbrecher als „Schädlinge am Polk" bezeichnete und sie dadurch in die Reche solcher Menschen stellte, bie sich burch besonbers schwere Vergehen brr Verletzung ber Volksgemeinschaft schulbig machen. Aber ber Führer entlarvte auch bas ganze gewissenlose Treiben solcher Menschen mit einem einzigen Satz: „Es ist überhaupt keine Kunst, schnell zu fahren unb babei auch noch bas Leben anberer Menschen zu bebrohen, sonbern es ist eine Kunst, sicher, b. h. vorsichtig zu fahren." Damit sinb die rasenden Angeber zugleich als das bloß- gestellt, was sie vermutlich am allerwenigsten sein wollen, nämlich als ausgesprochen schlechte Fahrer! Es ist sehr zu begrüßen, daß ber Führer bei biefer Gelegenheit in ernstester Form an? künbigte, baß man gegen solche asozialen Elemente mit ber gleichen Rücksichtslosigkeit vorgehen wirb, die sie selbst sich zuschulden kommen ließen.
WSW. Ortsgruppe Sietzen-Ost.
Velr.: WHV.-Pfunbfpenbe.
Montag, 20., unb Dienstag, 21. b. M., wirb im Bereich unserer Ortsgruppe bie Pfunbsammlung burch die NS.-Frauenschast burchgeführt. Es wirb gebeten die Pfunbspenbe-bereitzuhalten unb ben Inhalt auf den Päckchen außen sichtbar zu vermerken.
Bornotizen.
Tageskalender für Montag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „In geheimer Mission". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Norblicht". — Cafe Leib: 20 Uhr Rosenmontagskonzert.
Stadttheater Gießen.
Heute abend findet für den Theaterring ber Hitler- Jugenb bie 5. Vorstellung statt. Es gelangt zur Aufführung „Minna von Barnhelm", Lustspiel in fünf Akten von G. E. Lessing. Spielleitung: Hannes Razum.
Nie Schulferien im neuen Schuljahr.
Für bas kommende Schuljahr 1939/1940 ist folgende Ferienordnung erlassen worben: Osterferien 1939 18 Tage, vom. 26. März (erster Ferientag) bis 12. April (letzter Ferientag). — Pfingstferien 7 Tage, vom 25. Mai bis 31. Mai. — Sommerferien 40 Tage, vom 8. Juli bis 16. August. — Herbstferien 5 Tage, vom 14. Oktober bis 18. Oktober. — Weihnachtsferien 15 Tage, vom 21. Dezember 1939 bis 4. Januar 1940. — Osterferien 1940 18 Tage, vom 10. März bis 27. März 1940. Die hier angegebenen Sommer- und Herbstferien gelten
Reitschule und Prüfung zum SA.-Reiterschein.
Jungreiter am Fahrlehrgetät. — (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Im Universitäts-Reitinstitut am Brandplatz unterzogen sich in ben vergangenen Wochen zahlreiche junge Männer aus bem ganzen Kreisgebiet — insgesamt 60 — ber Reit- unb Fahr-Ausbil- dung zwecks Erlangung bes SA. - Reiterscheins. Auch am Samstag wurde unter Leitung von SA.- Reitersturmführer
Schömbs (Sturm 1/147) in Anwesenheit des Führers ber SA.-Neiter- ftanbarte 147, Obersturmbannführer Müncker, in allen Gangarten geritten. Die angehenden Reiter bewiesen, daß sie mit bem Pferd bereits gut vertraut sind. Die jungen Reiter lernen da
bei nicht nur gut zu Pferde zu sitzen, sie müssen auch Bescheid wissen in der Behandlung: der Pflege und der Fütterung des Pferdes, sie müssen I Fahrausbildung geschieht hier mit aller Gründlich-
ferner über eine Reihe von Krankheitserscheinungen | feit. Die SA.-Reiter-Standarte 147, Gießen, ist damit
beim Pferd im Bilde sein, die das Befinden des schon seit langer Zeit an der vormilitärischen Aus-
Tieres beeinträchtigten können. Zu diesem Zweck bilbung ber Reiter tätig. Am fommenben Sonntag
erhalten bie Reitschuler Unterricht burch einen Tier- vormittag werben sich 60 junge Reiter ber Prüfung orzt. Ferner wird das Fahren nach der „Deutschen für den Erwerb des SA -Reiterscheins Unterziehen. Fahrweise" (früher Achenbachsche Schule) gelernt. Diese Prüfung soll diesmal in größerem unb öffent- An einem einfachen Fahrlehrgerät wird der Schüler sichern Rahmen stattfinden. Eine weitere Prüfung mit ber Technik ber Zügelführung vertraut gemacht, ist für Enbe März vorgesehen.
bevor er ein Tier an bie Zügel bekommt. Auch biese I --------
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Oer Eägewerks- brand in Beuern.
Unser nebenstehenbes Bild (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger) zeigt einen Ausschnitt aus ber großen Branbstätte bes Sägewerks von Heinrich Funk I. in Beuern. Die Ermittlungen über die Ursache des Brandes sind noch im Gange.
nur für die großen Städte Hessens (Darmstadt, Mainz, Gießen, Offenbach, Worms). Für alle übrigen Orte des Landes Hessen sind die Sommer- und Herbstferien jeweils nach bem Stanb ber Erntearbeiten im Einvernehmen mit ben Schulämtern festzulegen. Sie dürfen bie Zeitdauer von 45 Tagen nicht überschreiten.
Unser neuer CRomon.
Nachdem wir in der Samstag-Ausgabe des Gießener Anzeigers den Abdruck des Romans „Schuß im Funkhaus" von Maria Oberlin beendet haben, beginnen wir in ber heute erscheinenben Nummer unseres Blattes mit ber Veröffentlichung eines neuen großen Romanwerkes, von bem wir einen außergewöhnlichen Erfolg in allen unseren Leserkreisen in Stabt unb Lanb erwarten. Der Roman heißt
„Das Mädchen Maxie" von Waltber Moepffer.
Unsere Leserinnen unb Leser werben sich, wie wie glauben, bes Autors mit Vergnügen erinnern, beim ber aus seiner Feber ftammenbe, vor längerer Zeit im Gießener Anzeiger erschienene Roman „Fogg bringt ein Mäbchen mit" war einer ber stärksten und nachhaltigsten Romancrfolge, die wir je in unfern Spalten zu verzeichnen gehabt haben. Wenn bas Mäbchen Marie, bas Sie jetzt kennenlernen werben, auch mit Foggs Mädchen nicht besonders viel gemein hat, so spürt man doch gleich daß dieser . neue, erst kürzlich vollendete Roman aus der gleichen Hand stammt, aus demselben Temverament und derselben Freude am Erzählen. Kloepfser hat Phantasie und Humor und ein verständnisvoll miffühlen» bes Herz für bie Nöte unb Hofsnunaen eines ungleichen Liebespaares. Es geschehen in biefer Liebesgeschichte so viele überraschenbe unb erheiternde, so viele rührende unb abenteuerlich=aufregenbe Dinge, baß es dem Leier wahrhaftig leid tut. wenn ganz zuletzt alles in Ordnung unb also bie Geschichte zu Enbe ist.
„Das Mäbchen Maxie" müssen Sie lesen, es wirb Ihnen bestimmt so gut gefallen wie uns, als wir es entbeckt hatten.
Baun und Unteraau 116 Meiterau.
Theaterring der Hitler-Jugend.
Die Theatervorstellung heute abend im Stadttheater ist in Zivil zu besuchen.
VDIN. Werkgr. IV/116.
Die Theaterkarten sind sofort bei Annel. Dietz abzuholen.
Bisher 400 Volkswagen in Giehen bestellt.
In Gießen wurden, wie wir auf Anfrage bei del? zuständigen Stelle von „Kraft durch Freude" hören, bisher insgesamt 400 Volkswagen bestellt. Der Durchschnittsbetrag der Einzahlungen ber Sparer beläuft sich aus monatlich 40 Mark.
Amtsgelder
für persönliche Zwecke verbraucht.
Vom Reichsgericht an das Landgericht Gießen , zurückverwiefen.
LPD. Vorn Langericht Gießen wurde am 9. November v. I. ber Angeklagte O G. aus Rottweiler (Saar) wegen Amtsunterschlagung zu einer Gefängnisstrafe von neun Monaten verurteilt. Der Angeklagte war Versorgungsanwärter unb würbe zuletzt in Friebberg als Vollstreckungsbeamter beschäftigt. Dabei hat er in 22 Fällen ihm anvertraute Gelber nicht abgeliefert, sonbern für sich verbraucht. Das Gericht stellte ausbrücklich fest, baß bei ihm keine Notlage Vorgelegen habe. Dieses Urteil hielt allerbings nicht ber Nachprüfung burch bas vom Angeklagten angerufene Reichsgericht stanb, wo biefer bie Nicht- onroenbung bes Fortsetzungszusammenhangs burch bas Vorbergericht rügte. Reichsanwalt unb Reichs-
Maß hinaus in bie Bewegungsbiiber ber Tanzphantasie eingesetzt waren.
Der zweite Teil ber Folge brachte unter ber Ueberschrift „B unte Tänze" fünf Solo- unb Gruppentänze, welche bie Ballettmeisterin unb ihre kleine Arbeitsaemeinschaft in ihrem eigentlichen Aufgabenkreise, im Besonberen bie Wanblungsmogüch- keiten unb die stilistische Vielseitigkeit ber Gruppe, zeigten. Thea Maaß ließ in ben beiben Einzel- tänzen („Auftakt" von Rachmaninosf und „Leicht beschwingt" von Goetze) bie Herkunft ihrer tänzerischen Entwicklung aus ben Grnnbelementen des klassischen Balletts unb bie Ausbildung persönlicher Ausdrucksformen in der Betonung der oberen Kor- perhälfte erkennen. Die bühnentanzmäßig reinste und glücklichste Gestaltung dieses Programmabschnitts war der „Bäuerliche Tanz" nach @rieg mit bem Quartett ber Damen Ewald, Kröck, Ruin n b und Tomaschofski: locker und exakt in einem, humorvoll-volkstümlich unb von ausgeprägter rhythmischer Präzision. —
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Den Schluß bilbete bie Tanzpantomime „,D e s Kaisers neue Kleider" in vier Bildern von Serge L i f a r nach einem Märchen von H. Chr. Andersen. Musik von Jean Fran?aix. Was zunächst die Vertonung betrifft, so wird öer Joorer sich in den stellenweise etwas forcierten Klangbildern nicht ganz selbstverständlich zurechtfinben Herr Weiland, der die Rolle des Kaisers spielte, voll- wa hier seinen Uebergang vom Fach des jungen Helden in das des Solotänzers noch eindrucksvoller und um so geläufiger, als er mit ber Rolle des Märchenerzählers in ber einleitenben Erläuterung ber vier Bilber vor bem Vorhang gewissermaßen in seiner vertrauten Sphäre blieb und sich dem naiven Erzählstil der skandinavischen Phantasiewelt glücklich anpaßte, übrigens auch die tänzerisch-pantomimischen Aufgaben im fol^nd-m mit aefmmeibmer Einfüaung zu lösen verstand Die Pantomime stellte der Gruppe die im ursprünglichsten Sinne theatralische Aufgabe im Zusammenwirken musikalifcher, tänzerischer und bildhafter Elemente Ein verhältnismäßig sehr umfangreiches Personal ist einaesetzt; auch die Kindertanzgruvpe hat ihre kleine ^zene. Ballettmeisterin Thea Maaß fand in der Szene mit dem Liebhaber (Friedrich Gr.öndahl) die ergiebigste Entfaltung. Das Terzett der drei Schneider (Kannen, Ruland, Torna fchofski) hatte in ber Uebersetzung ber erzählerischen Elemente ins Bühnenmäßige unb Tänzerische allerlei Möglichkeiten humorvoller Pointierung. —
Gießener Gtadttheater.
Ballettabend der Tanzgruppe.
Die Tanzgruppe des Stabttheaters, bereu Hauptaufgabe in ber Mitwirkung an einzelnen Aufführungen besonbers ber Operette, besteht, stellte sich unter ber choreographischen Leitung ihrer Führerin ber Ballettmeisterin Thea Maaß, mit einem eigenen, abenbfüllenben Tanzprogramm vor, bas Gelegenheit gab, ben Ausbilbungsftanb unb ben Aktionsrabius ihrer theatralischen Verwenbungs- möglichkeiten kennenzulernen. Das Ballett war durch Mitglieder des Solopersonals unb bes Chores sowie burch bie Kinbertanzgruppe verstärkt. Herr Markwarbt betreute mit bem Orchester verstanb- ni-woll unb geschmeibig mitgehenb ben musikalischen Teil ber Vortragsfolge. Herr Löffler hatte m zartfarbigen, märchenhaft phantasievollen unb räumlich ergiebigen Dekorationen ben äußeren Rahmen für bie einzelnen Tanzbilber, vor allem bie beiden Pantomimen, entworfen. Jeanette A nb re a e hatte in ber Ausstattung mit geschmackvollen Kostümen eine vielseitig-bankbare Ausgabe gefunden.
Die Vortragsfolge gliederte sich in drei Abschnitte Wir sahen und hörten zuerst eine Tan zp h a n la ss. von Julius Weismann, Szenarium nach einem Entwurf von Irmgard von Muller ein höfisch-märchenhaftes, rem pantomimisch gefuhr es Tanzspiel, in welchem die Werbung der drei Freier um die Prinzessin, bas Traum-Motiv unb bie Einführung bes mit Liebespfeilen schleßenden Amor- bübchens bie bewegungsmäßig ergiebigsten Akzente hüben. Thea Maaß, welche bte Prinzessin tanzte lüfte bie hier gestellte Aufgabe tm Sinne des Bühnentanzes mit ber ®^fun^^F,9rat/.DMe^r?flf renbilber unb im wechselnben Spiel tänzerischer Gruppen, deren Bewegungsführung sowohl dem Handlungsablauf (soweit in diesem Zusammenhänge davon die Rede sein kann) als auch den Erfordernissen einer organischen Raumfüllung und Raumaufteilung gerecht wurde. Den
rifrfwn Kern des Szenariums bildete die Gruppe Ä»T!b Setga Ka nneu. Trubel ßtf chka. iielene 2111 q a i e r , Käthel Krock Trude R u - land. Erika Tamaschafsski) bte dtsz.p,mer- ien Zusammenhalt und Wandlungsfähigkeit bew es ohne im Gesamteindruck die tänzerischen Jndiv'. dualitäten zu unterdrücken. Die bemerkenswerteste Erscheinung im übrigen Ensemble war Herr W land (erster Freier), dessen tänzerische Dualtaten schon bei früheren Gelegenheiten jum Vorschein iamen unb hier über ein bühnenmaßig-lanblausiges
Der Ballett-Abenb fand ein aufmerksames Publikum unb sehr freunbliche Anerkennung.
Hans Thyriot.
,/Herbstspieael" in Europa.
Eine junge Chinesin wundert sich.
Kuo Gin Chiu, „Herbstspiegel" auf Deutsch, eine junge Chinesin, richtet in ber „Daily Mail" eine Reihe von Fragen an ihre Schwestern in Europa unb teilt ihnen sehr aufrichtig mit, worüber sie sich bei ihnen rounbern muß. Vor allem ist es ber Name, bei bem bie chinesische Frau von vornherein einen so großen Vorteil voraus habe, sie habe einen lieblichen Namen, meint sie, unb bas sei eine so große Hilfe. Weil bie chinesischen Eltern alle Vollkommenheiten für ihre kleinen Lieblinge wünschen, erhält jedes chinesische Mädchen einen Namen, der eine Vorstellung von gutem Charakter und schöner Natur erweckt. ,Mein eigener Name ist Herbstspiegel", schreibt sie, „unb ich banke meinem Vater bafür, wie für so vieles andere. Schließen Sie Ihre Augen und stellen Sie sich den Herbstspiegel vor. Ein Spiegel, der immer wahr ist, jede Einzelheit offenbart, gleichviel, wie schön ober häßlich, gut ober schlecht" sie ist, und dann den klaren blauen Herbsthimmel mit singenden Vögeln und zitternden Bäumen. Eine kühle Brise weht und besänftigt Körper und Geist nach ben heißen Sommertagen. Die Last ber Hitze ist vorüber, unb man genießt reine unb ruhige Mondnächte. Das ist das Bild, das ber „Herbstspiegell' roiebergibt, unb Wahrheit unb Reinheit sinb fein Symbol. Durch meinen Namen werbe ich dazu geführt, in ben überlieferten Tugenben ber chinesischen Weiblichkeit zu leben. Sauber unb klar zu fein, tüchtig in der Nabelarbeit, gutartig unb gläubig. Wir haben breien zu gehorchen, Vater, Gatten unb Sohn, aber heute hat sich bie Zeit ge- änbert, und wir sinb Mitarbeiter unserer Männer.. Dabei ist „Herbstspiegel kein so malerischer Name wie mancher anbere. Zum Beispiel „Singenbe Golb- amsel", „Befreunbete Lilie" unb „Kostbare Schönheit" Was besagen dagegen Annie, Lizzie, Jane unb Ethel? Diese Namen tun nur bas weibliche Geschlecht funb, mir scheint barin roeber ein guter Charakter noch Naturschönheit zu liegen. Wenn man mir in einer Gesellschaft anfünbigt, baß Fräulein Dora kommt, so wird bas meine Aufmerksamkeit nicht erregen. Ich glaube auch nicht, baß europäische Mäbchen "immer durchaus glücklich, mit ihren Namen sind. Warum nennen sie sich sonst oft mit Männer- nanvn? Ich würde erschrecken über ein Mädchen, bas Peter genannt wirb, und Jo klingt wie nach


