Ausgabe 
20.2.1939
 
Einzelbild herunterladen

hoben. An dieses Versprechen glaubten sie noch, als Feisal, der spätere Kömg des Irak, in Damaskus einzog. Aber es mar alles ein grau­samer Irrtum. Denn im gleichen Jahre 1916 hatte England schon vorher mit Frankreich einen Ge- heinrvertrag, das sogenannte Sykes-Picot- Abkommen, geschlossen, worin die beiden West- rnächte das angeblich projektierte Großarabische Reich bereits unter sich aufgeteilt hatten. Und zwar wurde in diesem Abkommen beschlossen, daß Syrien zur französischen Einflußsphäre, die übrigen Gebiete, insbesondere Palästina, Transjordanien und Irak zur britischen Einflußsphäre werden soll­ten. Für Palästina wurde im Geheimvertrag aller- dinas eine Sonderregelung Vorbehalten, die denn auch prompt im Jahre 1917 durch das Balfour- Versprechen an die Juden erfolgte.

Obgleich das geheime Sykes-Picot-Abkommen be­reits im November 1917 durch eine Veröffentlichung der Räte-Regierung in Moskau aufgedeckt worden mar, glaubten die Syrer noch nach Weltkriegsschluß an die feierlichen Zusagen, die ihnen von den Alliierten gemacht worden waren. Sie errichteten deshalb 1919 unter Feisal eine selbständige nationale Regierung in Damaskus, wurden aber von den Franzosen mit militärischer Gewalt niedergeworfen. In der Schlacht von Misalun am 24. Juli 1920 verloren etwa 5000 Syrer ihr Leben, und seit diesem Zeitpunkt ist die Kette der Erhebun­gen und Ausstände gegen die französische Mandats­macht nicht mehr abgerissen. Vor allem ist das Bombardement von Damaskus im Jahre 1926, mit dem die Franzosen ein unnötiges Blutbad unter der einheimischen Zivilbevölkerung anrichteten, bei den Syrern noch unvergessen. Als die Zustände immer unhaltbarer wurden und Teilerfolge der arabischen Freiheitsbewegung in anderen Ländern auch die Syrer zu neuen Aufstandsversuchen ent­fachten, sah man in Frankreich ein, daß hier mit Gewalt allein nichts mehr auszurichten wäre. Man bequemte sich dazu, den Mandatsbegriff so auszu­legen, wie er auf der Konferenz von San Remo 1925, als Frankreich das syrische Mandat erhielt, gedacht war und wie ihn auch die Syrer immer aus­gelegt hatten: nämlich als ein zeitlich begrenztes Ü e b e r g a n g s st a d i u m bis zur vollst Selb­ständigkeit. Dieser Auffassung wurde mit dem erstey französisch-syrischen Vertrag vom Jahre 1933 Rechnung getragen, der mit dem Eintritt Sy­riens in die Genfer Liga in Kraft treten sollte und eine Ueberqangszeit von vier Jahren vorsah. Aber der Vertrag ist bis heute nicht in Kraft getreten, da auf der einen Seite die Franzosen eine Lockerung ihrer Macht im östlichen Mittelmeer verhindern wollten, auf der anderen Seite die Syrer mit dem Vertrag nicht zufrieden waren.

Dasselbe Schicksal erlitt ein zweiter Ver­trag, der zwar am 16. November 1938 in Paris unterzeichnet, aber nicht ratifiziert wurde, weil die Franzosen wiederum eine Einbuße ihrer Macht be­fürchteten. Die syrische Regierung geriet dadurch in eine immer peinlichere Lage gegenüber ihren eige­nen Volksgenossen, die mit Recht über Vie listige französische Verzögerungstaktik empört sind, und entschloß sich daher um die Jahreswende zur Auf­stellung eines eigenen, aktivistischen Freiheitspro­gramms. Der am 12. Februar in Damaskus erschei­nende französische Oberkommissar wurde mit feind­lichen Kundgebungen empfangen und seine Ankunft von der syrischen Regierung damit beantwortet, daß sie die Mandatsverordnung über die Gleichstellung aller Personen und Religionen einfach aufhob. Da dies das erste Mal ist, daß die syrische Regierung auf eigene Faust und gegen den Willen Frankreichs handelt, hat die Spannung nun ihren Höhepunkt erreicht.

Die Sage der Franzosen wird noch dadurch be­deutend erschwert, daß die Engländer auf der Palä­stina-Konferenz in London den Gedanken in die Debatte geworfen haben, die alten Weltkriegspläne wieder hervorzukramen und aus Palästina Trans­jordanien und Syrien einen neuen Staaten- b u n b zu schassen, der unter leicht kontrolliertem Home Rule auch ein jüdisches Reservat mit umfassen könnte. Als Oberkontrolleur würde natürlich Eng­land fungieren, was wiederum den verständlichen Protest der Franzosen Hervorrufen müßte, lieber» Haupt wird schon das Auftauchen solcher Pläne in Paris sehr übel vermerkt. Denn die Syrier sehen an dem Beispiel des selbständig gewordenen Irak, daß es sich unter der Oberaufsicht der Engländer

immer noch besser leben läßt als unter dem harten Regiment der französischen Kommissare. So wird die an sich schon schwierige Lösung des syrischen Problems noch weiter kompliziert durch die englisch- französische Rivalität. H. Ev.

Die Kegierungskrisis in Damaskus.

Die nationale Opposition erklärt Syriens Unabhängigkeit.

Kairo, 19. Febr. (Europapreß.) Nach Berichten aus Damaskus ist mit dem Ministerpräsidenten Djemal Mardam Bey gleichzeitig die ge­samte syrische Regierung zurück- getreten. Als Grund für den Rücktritt wird angegeben, daß sich eine Reihe Abgeordneter des hinter der Regierung stehendenNationalen Blocks" der Opposition angeschlossen hat. Der Führer der syrischen Opposition, Dr. S h a b a n b e a r, hat eine Unabhängigkeits­erklärung für Syrien erla'sen. Mehrere aus demNationalen Block" ausgeschiedene Abgeordnete sollen eine ähnliche Erklärung erlassen haben. Nach dem Rücktritt des Kabinetts fanden in Damaskus riesige Kundgebungen statt. Die ganze Stadt war auf den Beinen. Es bildeten sich große Demon­strationszüge. Fortgesetzt wurden Ruse gegen Frank­reich ausgebracht. Immer wieder hörte man auch den RufSyrien den S y r e r n !" Die ur­sprünglich aufgebotene Polizei wurde zurückgezogen. Die Gebäude der französischen Mandatsbehörde so­wie die Banken standen unter starkem Polizeischuh

Die syrischen Nationalisten fordern, daß der im Jahre 1936 zwischen Syrien und der damaligen französischen Dolksfrontregierung abgeschlossene und

durch Zusatzabkommen aus den Jahren 1937 und 1938 erweiterte Vertrag, der Syrien die Unab­hängigkeit bringen soll, jetzt unter allen Umständen in Kraft tritt. Die französische Regierung hat aber nicht die Absicht, den syrischen For­derungen im Augenblick nachzugeben. Man hofft in Paris, daß es dem neuernannten französischen Ober­kommissar für Syrien, Puaux, gelingen wird, Frankreichs Stellung im Nahen Osten zu festigen Das syrische Parlament hatte am 31. Dezember 1938 eine Tagesordnung angenommen, in der es die Durchführung des Unabhängigkeitsvertrages mit Frankreich bis spätestens 1940 verlangte. Der Finanzminister gab sich seinerzeit mit diesem plato­nischen Beschluß nicht zufrieden und war deshalb aus der Regierung ausgetreten. Die syrischen Natio­nalisten forderten damals den Rücktritt der gesamten syrischen Regierung als Zeichen des Protestes gegen die Verschleppung der Einlösung der französischen Vertragsverpflichtungen.

Die französischen Behörden in Syrien haben sich nun geweigert, eine Denkschrift der syrischen Regie­rung in Empfang zu nehmen, in der die Durchfüh­rung der Beschlüsse des syrischen Parlaments vom ver­gangenen Dezember, also die Verwirklichung der syrischen Unabhängigkeit, verlangt worden sein soll. Außerdem sind die französischen Behörden gegen eine Entscheidung des syrischen Parlaments ein» geschritten, durch die eine Verordnung des franzö­sischen Oberkommissars aufgehoben worden fei, die den nichtmohammedanischen religiösen Minderheiten die freie Ausübung ihres religiösen Bekenntnisses zusicherte. Die Verhandlungen des Präsidenten über die Neubildung des Kabinetts find noch im Gange. Bisher fanden Besprechungen mit dem Kammerpräsidenten, dem bisherigen Ministerpräsi­denten und dem Führer der Unabhängigkeitspartei statt.

Verhandlungspause in Burgos.

Bsrard begibt sich nach San Sebastian

Paris, 19. Febr. (Europapreß.) lieber die erste Unterredung, die zwischen dem französischen Senator Börard und dem nationalspanischen Außen­minister General I o r d a n a bei des ersteren er­neuten Besuch in Burgos stattgefunden hat, erfährt man, daß die Aufnahme, die der französische Unter­händler bei seinem zweiten Besuch in National­spanien gesunden habe, wesentlicb kühler ge­wesen sei, als bei feinem vorhergehenden Aufenthalt in Burgos. Heber zwei Dinge fei man auf national- spanischer Seite besonders verstimmt: erstens dar­über, daß man Verhandlungen zwischen den führen­den Männern Sowjetspaniens in der sowjetspanischen Vertretung in Paris geduldet habe, zweitens dar­über, daß' die französische Regierung bisher immer noch nicht die von den sawjetspanischen Flüchtlingen auf französisches Gebiet mitgeschleppten national- spanischen Gefangenen frei gegeben und an die Grenze zurücktransportiert habe. Gegenüber diesen beiden Handlungen falle eine Anerkennung der na­tionalspanischen Regierung durch Frankreich weit weniger ins Gewicht, da diese Anerkennung heute eigentlich eine Selbstverständlichkeit darstelle.

Der nationalspanische Außenminister General Jordana hat am Sonntagnachmittag unmittel­bar nach Beendigung des zweiten Gesprächs mit Senator Berard für mehrere Tage Burgos ver­lassen. Berard und feine Mitarbeiter Saint und B a r a d u c hatten am Sonntag eine lange Unter­redung im Außenministerium mit dem Leiter der politischen Abteilung, Graf Casarojas. An­schließend erklärte ein Wortführer des Ministe­riums:Bitte, beachten Sie, daß man sich davor hüten muß, diesen Unterredungen eine übertriebene Bedeutung beizumessen. Es handelt sich nicht um Verhandlungen, sondern um einen einfachen Aus­tausch von Gedanken und allgemeinen Informationen, die die Wiederaufnahme nor­maler Beziehungen zwischen Nationalspanien und der Französischen Republik aufroerfen. Sie können im übrigen feststellen, daß die spanische Presse nicht davon spricht."

Die Besprechungen zwischen Senator Berard und den Beamten des spanischen Außenministeriums wurden am Sonntag um 21.40 Uhr abgeschlos - s e n. Senator Berard erklärte, er glaube nicht, daß

die Besprechungen vor Mittwoch wieder ausgenom­men werden können. Doch werde er erneut mit General Jordana Zusammentreffen, der in der Zwischenzeit.General Franco gespro­chen Haden werde. Montagvormtttag werde er mit dem britischen Geschäftsträger sprechen und sich an­schließend nach San Sebastian und vielleicht über die Grenze nach Frankreich begeben. Es könne jedoch nicht die Rede davon sein, daß er sich vor feiner Rückkehr nach Burgos etwa nach Paris be­geben würde. Wenn er sich mit Außenminister Bonnet in Verbindung setzen müßte, so würde dies auf telephonischem Wege vor sich gehen.

DerM a t i n" wendet sich in scharfen orten gegen die von der französischen Linken neuerdings verstärkt unternommenen Versuche, Neqrin in seinen Bemühunaen um die Fortsetzung' des Krieges in Spanien zu unterstützen. Das Blatt schreibt: Frankreich will nicht der Sol­dat Moskaus fein! Wohin will d-i^ Volks­front mit ihren Manövem zugunsten Negrins hin­aus? Welches Spiel treibt sie? Will man deshalb nicht, daß der Krieg in Spanien zu Ende geht, um die Hoffnung zu bewahren, eines Tages werde der Krieg überall wüten? Wer sicht nicht ein, daß in der gegenwärtigen gefährlichen Spannung in Europa alle Welt ein Interesse daran hat, daß der spanische Brandherd so schnell wie mög­lich gelöscht wird? Frankreich kennt die Ge­fahr, der es durch die sowjetrussische Politik mit dem Ziel der Weltrevolution ausgesetzt war und noch ist. Wenn man hinterher sagt, daß Frankreich der spanischen Volksfront zu Hilfe kommen müsse, dann antwortet es: Frankreich soll der Soldat Moskaus, Stalins und Dimitroffs in Spanien, in den Alpen, am Rhein und anderswo sein? Nein! Niemals das!"

Rote Varcelona-Greuel.

EinGerichtspräsident", der 1700Todesurteile" aussprach.

Barcelona, 18. Febr. (DNB.) Die Verhand­lungen der Militärgerichte für die bolschewistischen ©reueltaten in Barcelona ergeben erschütternde Ein-

Theodor ging als Cowboy.

Von K. 3R. Tleu&erf

Theodor sah im Büro über feine Arbeit gebeugt und hörte, wie sich hinter ihm der kleine Müller und der dicke Brandt leise unterhielten. Es waren keine Angelegenheiten, die zum Geschäftsbetrieb gehörten. Zum drittenmal flüsterten sie heute von dem Ko­stümfest, bas sie am Samstag gemeinsam besuchen wollten.

Es wird pfundig, sag' ich dir!" raunte Müller.

Wenn mir der Alte bloß den Vorschuß bewilligt", meinte Brandt nachdenklich.

Dank sparsamer Wirtschaftsführung hatte Theodor keine Geldsorgen, aber in diesem Augenblick benei­dete er den dicken Brandt. Wenn er doch auch wieder einmal wie früher auf ein Kostümfest gehen könnte! Mit seiner Frau hatte er zwar im letzten Jahre ein Kostümfest besucht, doch Mathilde hatte ein pein­liches Erlebnis mit einem angeheiterten Maharadscha gehabt und seitdem eine Abneigung gegen Kostüm­feste. Außerdem ist das mehr eine Sache für junge, unverheiratete Leute", pflegte sie zu sagen.

Der Gedanke, ohne Mathilde ein Kostümfest zu besuchen, hatte etwas Verlockendes. Müller und Brandt, die beiden Junggesellen, würden ihn gern mitnehmen, wenn er sie darum bat.

In der Mittagspause war Gelegenheit dazu. Da Theodor gleichzeitig die Vorschußsorgen mit einem gönnerhaften Angebot beseitigte, waren die beiden jungen Leute begeistert.Aber strengstes Still­schweigen!" verlangte Theodor.

Niemand darf etwas erfahren!"

Ehrensäbel!" sagte Müller.

O. k.!", sagte Brandt.

Am Samstag spendierte Herr Schmidt seiner Frau ein Kinobillett.Damit du dich nicht langweilst", meinte er, und während er schon in Hut und Mantel an der Tür stand, wandte er sich noch einmal um: Uebrigens, Mathilde, die Sitzung wird heute wohl etwas länger dauern, furchte ich."

So?" erwiderte seine Frau gedehnt,sei jeden­falls leise, wenn du heimkommst. Du weißt, daß ich bei dem geringsten Geräusch'aufwache"

Ich werde schon leise sein, dachte Theodor und schloß aufatmenb bie Tür. So leichtfüßig war er lange nicht bie Treppen hinuntergelaufen. Am lieb­sten hätte er sich auf bas Geländer gefetzt und wäre wie ein Junge hinuntergerutscht.Stimmung habe ich bereits", stellte er für sich fest. Auch Müller und Brandt waren schon in Stimmung, als Theodor, wie

vereinbart, in der möblierten Bude von Müller ein» traf, um sich in fein Kostüm zu werfen.Geld ober Leben!" zischte in der schlechterleuchteten Diele ein Apache: Es war der gutmütige Brandt.Na, zehn Mark will ich Ihnen borgen", sagte Theodor trocken.

Im Zimmer stand Müller in einem Tscherkessen- kostüm. Zehn Minuten später war aus dem Ober­buchhalter Theodor Schmidt ein verwegener Cow­boy geworden. Kopfschüttelnd sah die Wirtin der merkwürdigen Gesellschaft nach, die ziemlich lärmend die Treppe' hinunterging. Auf der Straße riefen sie ein Taxi herbei.

Ehe sie die schon von vielen Kostümen wimmeln­den, farbensprühenden, musikdurchrauschten Säle betraten, vereinbarten sie, sich um zwei Uhr vor dem Portal zwecks gemeinsamer Rückfahrt zu treffen. Nicht vergessen!" mahnte Theodor, dessen Zivil- Heibung ja in Müllers möblierter Bude lag.

Ehrensäbel!" sagte Müller.

,,O. k.!" sagte Brandt.

Und so stürzten sie sich in das bunte Faschings­treiben. Eine Zeitlang blieben sie noch zusammen, bann war plötzlich Müller verschwunden und schließ­lich Brandt, Der Tscherkesse hatte mit dämonischen Blicken eine Spanierin betört, und der Apache ver­suchte sein Glück bei einem kleinen hübschen Matro- senmädchen. Indessen saß der Cowboy Theodor nicht allein am Tisch. Eine Haremsdame leistete ihm Gesellschaft und bewies eine erstaunliche Fertigkeit im Leeren von Sektgläsern.

Ein Maharadscha entführte sie ihm, aber bald darauf flatterte ein goldener übrigens auch gol­diger Schmetterling an feinen Tisch. Als auch dieser davonschwebte, nachdem er einigen Goldstaub feiner Schwingen auf der Hemdbluse des Cowboys hinterlassen hatte, war eine reizende, mollige Hol­länderin zur Stelle. Es waren an diesem Abend sicher noch mehrere, mit denen er tanzte und trank, er erinnerte sich später an nichts mehr.

*

Theodor blickte immer tiefer ins Glas. Als ein Tscherkesse an seinen Tisch trat und ihm auf die Schulter klopfte, erkannte er nur noch undeutlich, öaft es sich um den Büroangestellten Müller han­delte.Trinken Sie nicht zuviel, sonst merkt Ihre Frau etwas!" riet Müller, ehe er sich wieder in das Treiben stürzte.

Der letzte Satz wollte nicht mehr aus Theodors xopf. Es begann sich auch alles schon um ihn zu drehen. Er fühlte, daß er mehr getrunken hatte, als er vertragen konnte. Er war ja immer so solide. Er konnte so wenig vertragen. Er mußte aufhören.

Sonst merkt Mathilde etwas", murmelte er und erhob sich. Er wankte hinaus2 Uhr, Portal! Nicht vergessen!" lebte in seinem Unterbewußtsein eine Erinnerung. Schließlich saß er schon um ein Uhr mit notdürftig übergeworfenem Mantel vor dem Portal auf dem Treppenabsatz, ein erheiternder An­blick. Die Augen fielen ihm zu.

Die Umstehenden, die sich inzwischen angesammelt hatten, rissen bereits ihre Witze. Theodor hörte nichts. Dann kam ein Portier und rüttelte ihn wach: Hier können Sie doch nicht bleiben!" Theodor blickte sich verständnislos um. Da erkannte ihn ein Taxi­chauffeur, der hinzugetreten war.Nanu, Herr Schmidt!" sagte er verwundert.Sie haben ja ganz schön geladen!"

Sie kennen den Hexrn?" fragte der Portier. Wol­len Sie ihn nicht in Ihr Taxi setzen und nach Hause bringen? Sie sehen doch, in welchem Zustand er ist!"

Na ja!" meinte der Taxichauffeur,bezahlen wird er ja, er wohnt in meinem Hause."

Als sie zu Hause ankamen, war Theodor im Wa­gen eingeschlafen. Der Chauffeur schleppte ihn müh­sam die Treppen empor.Es geht schon", murmelte Theodor im ersten Stock.N-nett von Ihnen, Mül­ler", lallte er im zweiten.Ich bin doch der Chauf­feur Krause!" versuchte der Mann ihm klarzu­machen. Theodor lächelte nur selig.

Ich kriege Geld von Ihnen!" sagte der Chauf­feur.

N-nett von Ihnen, Müller!" war die Antwort. Da schob er ihn sanft in die Wohnung, die er mit dem Schlüssel, den er in Theodors Manteltasche fand, geöffnet hatte. So mußte er eben mit Frau Schmidt reden.

Er drehte in der Diele das Licht an, zog Theodor den Mantel aus und blieb wartend zurück, wäh­rend Theodor sich an der Wand ins nächste Zim­mer hineintastete.Sie wird schon aüswachen", grinste der Chauffeur.

Und sie wachte auf, als Theodor einen Stuhl umstieß. Sie knipste die Nachttischlampe an und schrie im nächsten Augenblick entsttzt auf. Ein Cow­boy stand vor ihr. Da er aber mit einer wohlbe­kannten Stimme um Entschuldigung lallte, löste sich ihre Erstarrung im Nu.Wie kommst du in dieses Kostüm?" schrie sie empört. Theodor sah sein Bild im Ankleidespiegel und wurde in diesem Augenblick nüchtern. .

Was nun folgte, ist Theodors Geheimnis. Selbst der Chauffeur zog es vor, zu verschwinden und die Sache mit Theodor am nächsten Tag persönlich abzumachen ..."

zelheiten. Der Angeklagte Barriobero, der ehe. malsPräsident" des bolschewistischenGerichts- Hofes" in Madrid und später in Barcelona war, wurde überführt, 1700 Personen schuldlos in den Tod geschickt zu haben. Außerdem wurde festgestellt, daß er f ü n f Millionen Pe- feten ins Ausland verschoben hatte. Er spiegelte denAngeklagten" seines Gerichtes den Freispruch gegen Bezahlung hoher Geldsummen vor, um sie dann, nach Erhalt des Geldes hinrichten zu lassen.Kontrollpatrouillen", die die Aufgabe hatten,politisch Verdächtige" zu verfolgen, besaßen das Recht, die Wohnungen ihrer Opfer vollständig auszuplündern. So gab es z. B. einen Haus­wart, der alle Familien seines Hauses alsFaschi­sten" »denunzierte, um sich deren Möbel aneignen zu können Außerdem konnte diesem Mann ein Mord an einem achtjährigen Kinde nach gewiesen werden. Ein Angeklagter gab zu, eigenhändig 17 0 M »rde aus geführt zu haben. 60 v. H. aller Morde find erwiesenermaßen nicht aus poli­tischen Motiven, sondern aus rein persönli­ch e n Gründen erfolgt, in den meisten Fällen, um die Opfer ungestört ausplündern zu können. Es wurde festgestellt, daß dabei äuch über 150 schwangere Frauen ermordet wurden.

Oer tschecbo-Nowakischc

Generol^absckek zvrückaetreien.

Prag, 18. Febr. (DNB.) Armeegeneral K r e s c i hat den Staatspräsidenten aus Gesundheitsgründen um Enthebung vom Posten des Gene­ral st ab^chefs der Wehrmacht ersucht. Der Prä­sident hat diesem Wunsch entsprochen. Mit seiner Demission scheidet einer de r intimsten Freunde Beneschs und aktivsten Verfechter seiner Politik aus dem Amt. Die Ursachen seines Rückttitts liegen vor allem in dem Entschluß der Regierung, das Offizierskorps einer gründlichen Neuordnung zu unterziehen. So wurden bereits in den letzten Tagen sämtliche jüdischen Offi­ziere des tschechischen Generalstabs, die unter dem Benesch-Regime hochgekommen waren, entlassen.

Ein Putschversuch in Peru niederqeschlaqen

London, 20. Febr. (Europapreß.) In Lima, der Hauptstadt Perus, konnten Regierungstrupnen eine revolutionäre Bewegung rasch unterdrücken. Bei dem Sturm auf den Präsidentenpalast kam es zu einem kurzen Gefecht, bei dem der Anführer der Aufrührer, General Ramirez, getötet worden ist. Ramirez gehörte dem Kabinett als Polizei- und Innenminister an. Er versuchte, sich der Hauptstadt ih Abwesenheit des Präsidenten, Generals Oskar Benavidez, zu bemächtigen. Die Truppen wei­gerten sich jedoch, ihm zu folgen. Präsident Benavi­dez hat sein Amt seit der Ermordung seines Vor­gängers Sanchez Cerrol im April 1933 inne.

Oie Besichtiaunaen der brasilianischen £uft tnn ff wf o*nn Wt o

Berlin, 18. Febr. (DNB.) Die brasilianische Luftwaffenkommission, die sich auf Einladung des Reichsministers der Luftfahrt und Oberbefehlshabers der Luftwaffe in Deutschland aufhält und bereits vom Generalfeldmarschall Göring empfangen wurde, hat inzwischen ein reichhaltiges Besichtigungspro- gramm abgewickelt. Die Henschel-Flugzeugwerke zeigten Nah- und Fernaufklärer,, beim Bücker-Flug- zeugbau in Berlin-Rangsdorf wurden die neuesten Muster von den Siebei-Flugzeugwerken und dem Fieseler-Flugzeugbau vorgeführt. Bei den Ernst- Heinkel-Flugzeugwerken wurde Pros Dr. H e i n k e l das Fliegerabzeichen der Luftwaffe des brasi­lianischen Heeres ehrenhalber überreicht. Die Arado- Flugzeugwerke sowie die Dornier-Merke konnten die Kommission in ihren Betrieben sehen. Neben hem1 Focke-Wulf-Flugzeugbau wurden dann die Junkers-Flugzeug- und Motorenwerke und die Messerschmitt AG. besichtigt. In Trebbin wurden neuere Segelflugzeugmuster vorgeführt In einer Luftkriegsschule und in der Luftkriegsakademie wurde ein Einblick in die Ausbildungsstätten der Luftwaffe gegeben. Den Gang der fliegerischen Aus­bildung für Land- und Seeflieger üerrrtittelte ein Besuch bei einer Fliegerschule an der Ostsee. Mit

Die Wissenschaft von der Seifenblase.

Die französische Akademie der Wissenschaften ver­lieh einem Forscher, der sein Leben lang nichts wei­ter machte als Seifenblasen, einen hohen Staats­preis, weil er über die Seifenblasen das Wissen der Kolloidchemie beträchtlich erweitern konnte. So ist die Seifenblase ein Gegenstand ernsthafter For­schung, denn.gerade an der buntschillernden Kugel, deren Zauber das Entzücken der Kinder bildet, lassen sich die molekulare Verteilung der Materie und ihre Eigenschaften besonders gut studieren. Was die Wissenschaft über die Seifenblase ermittelt hat, behandelt Fritz O. Peil in einem Aufsatz, der in Reclams Universum" veröffentlicht wird.

Die Seifenblase entsteht, wie man weiß, aus einem Tropfen Seifenlösung,, der an einem porösen Blasrohr oder Holz hängt. Für Forschungszwecke hat man Mischungen, bei denen Zucker oder Glyze­rin der Seifenlösung zugesetzt wurden, gefunden, aus denen rrmn Seifenblasen von jahrelanger Le­bensdauer herstellen konnte. Diesewissenschaftlichen Seifenblasen" erzeugt man an Blasrohren, die einen Manometer besitzen, so daß man d'as Verhältnis von Luftinhalt und Druck unter Einbeziehung an­derer Größen, wie der Temperatur, genau studieren kann,

Der Druck der eingeschlossenen Luft ist um so größer, je kleiner der Halbmesser der Blase ist. Der Ueberdruck der eingeschlossenen Luft ist gleich der Oberflächenspannung der Blase, die bei Seifenlösung besonders groß ist: sie ist stets bemüht, den klein­sten Raum für die Seifenblase einzunehmen, und aus diesem Grunde sind die Seifenblasen kugel­förmig. Sie kann auch die gesamte Luft wieder durch das Blasrohr hinausdrücken. Man kann auch mit etwas Geduld und Vorsicht Rauch in die Seifen­kugel einblasen, und auch der Rauch wird durch die Oberflächenspannung der gefüllten Kugel wieder nach außen gedrückt, so daß es aussieht, als ob die Seifenblase rauchte.

Erstaunlich ist die Tatsache, daß eine Seifenblase eine Wandstärke von nur wenigen 10 OOOftel Milli­meter hat. Gerade diese außerordentlich dünne Wandstärke ermöglicht das wundervolle Farbenspiel der Seifenblase. Der Wechsel dieser Farben wird durch die ständige Veränderung der Wandstärke be­dingt, die ihre Ursache in dem Abfließen der Seifen­lösung nach den unteren Teilen der Seifenblase bat; man kann diesen Vorgang mit bloßem Auge sehr gut beobachten. C. K.