Ausgabe 
20.2.1939
 
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Nr. 45 Erstes Blatt

189. Jahrgang

Montag, 2v.5ebruar 1939

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DerAußenministerderRangking- Regierung inSchanghai ermordet

Schanghai, 20. Febr. (DRV. Funkspruch.) Der 63 Jahre alle Außenminister der Nanking-Regie­rung L h e n - £ u wurde in der Nacht zum Montag ermordet. Chen-Lu feierte im Kreise seiner Familie in seinem Hause in der Vuyucn-Rood, die in dem von Japan kontrollierten Gebiet Schanghais liegt, das chinesische Neujahrsfest, als eine Gruppe chinesischer Terroristen in das Haus eindrang, die Leibwache, die später entführt wurde, entwaffnete, und den Außenminister durch einen Kopfschuß tötete. Die Mörder entkamen unerkannt.

von Sachsen bestritten. Mit seinen hochwertigen Ver­brauchsgütern ist Sachsen ein starker Devisenbrin­ger. Sachsens leistungsfähige Landwirtschaft sorgt im Verein mit anderen Gauen, daß diese Devisen nicht für Nahrungsmittel wieder ins Ausland gehen. Sachsens Bauer ist damit eine starke Stütze für die sächsische Industrie.

nahmen ergriffen, und auch die japanischen Trup­pen im Norden und Westen von Schanghai hatten strenge Vorkehrungen getroffen, um neue Unruhen zu verhindern. Der Außenminister der japanfreund­lichen Nanking-Regierung, Chen-Lu, nxir vor meh­reren Tagen in geheimer Mission nach Schang- h a i gekommen, wo er anscheinend dauernd von chinesischen Verschwörern beobachtet worden ist. Seine Mörder hatten das von Chen-Lu bewohnte Haus an der Grenze des von Japanern überwach­ten Stadtgebietes u m st e l l t und waren in den Salon eingedrungen, wo sie den Minister erschossen. Nach den Feststellungen der Polizei haben sich die Terroristen nicht auf das Gebiet der Internationa- len Siedlung geflüchtet, sondern befinden sich auf japanischem Gebiet. Mit diesem Mord hat die nationalistische chinesische Geheimgesellschaft, die schon feit der Besetzung Schanghais durch die Ja­paner am Werke ist, zum erstenmal eine hochge­stellte japanfreundliche chinesische Persönlichkeit be­seitigt. Chen-Lu galt als ein gemäßigter Politiker, der für die Herbeiführung einer Verständigung zwi­schen seinen Landsleuten und den Japanern ein­getreten ist.

Königsberg, 20. Febr. (DNB.) Zum Ab­schluß seines Besuches in Königsberg sprach Reichs­leiter Rosenberg in einer Massenkundgebung der NSDAP, in der KdF.-halle. Alfred Rosenberg kennzeichnete die innere Unwahrhaftigkeit des po­litischen Katholizismus und die Zusam­menarbeit der Prälaten mit dem atheisttschen Mar­xismus. Er betonte ferner, daß ein Nachgeben in dem vom Weltjudentum entfesselten Kampf uns nicht als Vernunft und Stärke, sondern als Schwäche ausgelegt werden würde. Die Judenfrage werde für uns erst dann gelöst sein, wenn d e r letzte Jude Deutschland verlassen habe. Auch würden die Völker Europas friedlich neben­einander leben, wenn der Kontinent von dem Ju­dentum, das sich vor tausend Jahren nach Europa hereinschmuggelte, befreit sei.

Stärksten Eindruck hinterließ die Stellungnahme Rosenbergs zur Frage der evangelischen Kirche. Es sei ein Ehrentttel der evangelischen Kirche, daß sie in den Jahrhunderten der Entwick­lung des preußischen Staates mit den preußischen Königen marschiert sei. In den Schicksalsstunden von 1918 sei sie jedoch gelähmt gewesen, und 1933 habe sie die Chance verpaßt, ihrer Tradition ent­sprechend auch jetzt mit den besten Kräften Deutsch­lands zu gehen. Stattdessen habe sie Vorbehalte gemacht und sich in Fraktionskämpfen zersplittert. Die NSDAP, trage daran keine Schuld, und sie

Der englische Wahlkonsul in San Sebastian freigelaffen.

London, 20. Febr. (Europapreß). Der englische Wahlkonsul Ernest G o l d i n g, der zusammen mit seiner spanischen Frau seit sieben Wochen in Bur­gos festgehalten wurde, ist am Sonntag vorläufig auf Ehrenwort auf freien Fuß gesetzt wor­den. Golding war im Dezember vorigen Jahres in die Aufsehen erregende Spionageasfäre von Jrun verwickelt. Nationalspanische Behörden fanden in dem Diplomatengepäck Goldings, das nach Frankreich befördert werden sollte, wichtige Schriftstücke, die den damals bevorstehenden Angriff auf Katalonien betrafen. Golding wurde erlaubt, an seinen früheren Wohnsitz San Sebastian zurück­zukehren, wo er sich zur Verfügung der Behörden halten muß.

Maßgebliche Kreise Schanghais befürchteten be­reits, daß das chinesische Neujahrsfest Anlaß zu neuen Bombenanschlägen und Morden geben könnte. An zuständigen Stellen lagen bereits Informatio­nen vor, daß solche Anschläge geplant waren. Die Polizei der Internationalen Niederlassung und der französischen Konzession hatte deshalb Vorsichtsmaß-

Mathematik als dem eigentlichen guten Gewissen einer wahren Wissenschaft bekannt, und ebenso un­befangen habe er festgestellt, daß der Mensch teil­habe an einer ganz anderen Welt, die aus der Mechanistik nicht deutbar sei, sondern ihr autonom gegenüberstehe. Schon die Idee des Sollens" sei der Beweis, daß es eine sol­che Welt der Freiheit gibt. Denn daß wir wollen, d. h. eine Pflicht überhaupt nur denken können, sei ein Beweis, daß wir nicht unter einem M ü s s e n" stehen. Nur sei diese Entdeckung eben nicht das, was wir Wissenschaft nennen, sondern das instinktive Erleben einer inneren, ganz ande­ren, aber ebenso tatsächlichen Welt. Auch der kate­gorische Imperativ Kants sei einfach die Feststel­lung einer Tatsache der inneren Erfahrung. Aus dieser- inneren Erfahrung erwachse erst rein die Idee der Persönlichkeit zu einem un­sentimentalen, deshalb aber noch grandioseren Er­lebnis. Wenn Kant erkläre,die Persönlichkeit ist die Freiheit und Unabhängigkeit von dem Mecha­nismus der ganzen Natur", so setzte er der ebenso konsequenten Mechanistik des Weltalls die ebenso folgerichtigen Kräfte des inneren Menschentums entgegen.

Abschließend erklärte der Reichsleiter, eines vor allem fei es, was wir alle als unmittelbares Erbe in der Haltung der großen Forscher antreten könn­ten: jene gekannte Unbekümmertheit des Urteils als Zeichen des freiheitlichen Wollens

Acht ernähren Hundert.

Vom sächsischen Bauern MV' die sächsische Exportindustrie.

Eigener Äericht des Gießener Anzeigers.

und jene heutige Anerkennung des Entdeckten als Zeichen einer inneren Wahrhaftigkeit, Anerkennung auch dann, wenn manche scheinbar lieben wissen­schaftlichen und weltanschaulichen Traditionen durch eine solche Entdeckung begraben werden. Gefahr bestehe nur bann, wenn eine fremde Dogmatik ein solches Wahrheitsforschen hindere und mit einer weltpolitischen Arroganz ohne jede Rücksicht auf den forschenden Menschengeist und auf den artgebun­denen Willen einer Menschenart glaube, ihre Gesetze noch immer als unantastbar hinstellen zu können.

Seiner Art gemäß leben und die Werte seiner Art schirmen und ver­teidigen, das ist der Imperativ unseres Zeitalters. Wenn wir dieser Haltung der Wahrhafttgkeit des Coppernicus und dem hohen Sinn Kantschen Den­kens folgen, bann würben wir in ber Erneuerung unserer Zeit beibes zu vereinigen vermögen in ber Verteibigung ber Lebensgebote un - serer Epoche als einer neuen Grunblage zu einer vertieften Erforschung bes Menschenwesens unb zu einer Neugestaltung einer artbebingten Lebensorbnung. Dann erst haben wir begriffen, so schloß Rosenberg, was Freiheit tjt, unb bann erst haben wir eine Persönlichkeit verwirk­licht als Voraussetzung, baß nach bem Absterben alter Weltanschauungen eine neue sich anschickt, Be­sitz vom ganzen beutschen Menschen zu ergreifen.

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Wenn Sachsen in den Stand gesetzt ist, einen großen Teil seines Bedarfes an Nahrungsmitteln aus der eigenen Erzeugung bereitzustellen, so mutz das um so willkommener sein, als der Gau bei ber Art seiner Industrie-Erzeugnisse ganz aus Ex­port eingestellt, ja zum Export gezwungen ist Man hat Sachfen einmal den Spezialisten der Weltwirt­schaft genannt und damit die Vielseitigkeit n Arbeit bezeichnet: Meißner Porzellan, Gashuttr Uhren, Dresdner Optik, Adorfer Teppiche, Limbacher Handschuhe, Chemnitzer Maschinen Leipziger Bu­cher, westsächsische Kleiderstoffe und Lausitzer Le ­nen. Das ist aber nur em Teil der Musterkarte, auf ber wir auch Kunstblumen aus Sebnitz, Po>achen- ten aus Annaberg, Spitzen aus Plauen und vieles andere finden. Alles ist Exportware, unb me deutsche Ausfuhr mancher Erzeugnisse wird allem

Eckpfeiler des Kontinents.

Alfred Rosenberg sprach auf einer Kundgebung der NGDAp.

H. A. S r e 5 b e n, im Februar 1939.

Sachsen ein Bauernlan b", dieses Wort mußte einmal dem Begriff:Sachsen, die Werk­st a t t D e u t s ch l a n d s" entgegengehalten werden. Denn das Bild von Sachsen als dem am dichte­sten besiedelten Land des deutschen Reiches, als dem Sitz einer Industrie von seltener Vielfäl­tigkeit dieses Bild ist unvollständig. Ein Be­weis dafür ist das Antlitz der sächsischen Landschaft. Da dehnen sich weite Flächen Ackerland mit schmucken Dörfern und stolzen Erbhöfen. Dazwischen saubere, oft traditionsreiche, beileibe nicht große Städte. Lieblich ist das Tal der Elbe, von herber Schönheit das Erzgebirge, reizvoll das Vogtland, wo manche Städte fast ohne Unterbrechung sich an­einanderreihen und ganze Täler besetzt halten, Trau­lich erscheinen sie von den Höhen gesehen, und der Fremde ahnt kaum, daß in manchem Dorf eine ganze Reihe von Webstühlen oder Strickmaschinen gehen. Dieser Zweig der sächsischen Industrie hat dasDerlegersystem" des vorigen Jahr­hunderts im Grundzug beibehalten. Mittwochs bringt der Strumpf- unb Handschuhwirker die fertige Ware zur Veredelung m die Fabrik unb empfangt neue Aufträge. Sachsens Jnbustrie hat ihre Grundlage nicht nur in einigen Großunter­nehmen mit weltbekannten Namen, sondern Tau­sende mittlerer und kleiner Betriebe tragen den Rus ber sächsischen Qualitätserzeugung in alle Welt.

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Ebenso intensiv aber wie Sachsens Jnbustrie ist auch seine Bobennutzung. Der sächsische Bauer hat stärker kultiviert als es im Reichsburchschnitt geschieht. Im Düngekalkverbrauch steht Sachsen an der Spitze des Reiches. Er hat damit erreicht, baß die Erträge teilweise über bem Reichsdurchschnitt stehen. So vermag er den Bedarf des Landes an Brotgetreide zu 91 v. H. aus eigener Erzeu­gung zu decken. Bei der Kartoffel ist sogar ein lleberschuß vorhanden. Die Ackerwirtschaft ist zu­gleich die Grundlage für eine ausgedehnte Vieh» wirtschaft, die wiederum in der Milch- und Fleischversorgung zu hohen Erträgen führt. So wird der Bedarf an Fleisch zu 67 v. H., an Milch voll­kommen gedeckt. Diese Erfolge sind um so höher zu bewerten, als ja Sachsen auf dem Quadratkilo­meter 347 Einwohner zählt, gegenüber 132 im Reich. Aber auch die Anbauflächen von Raps und Rübsen, Flachs unb Körnermais, diesen im Dierjahresplan so wichtigen Pflanzen, wurden erheblich vergrößert, und auch im Feldgemüsebau werden seit Jahren ausgezeichnete Erträge erzielt. Vielleicht konnten diese Aufgaben gerade darum so erfolgreich gelöst werden, weil Sachsens Landwirtschaft meist mitt­lere und kleinere, also ausgesprochene Fami- H enb et riebe ausweist, weder viel Großgrund­besitz, noch jene starke Grundstückszersplitterung, die die Erzeugungsleistung herabdrückt.

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Das Bild von der Arbeitsleistung der sächsischen Landwirtschaft wird besonders klar, wenn man be­denkt, daß acht Landbewohner das Brot für 100 Menschen schaffen, denn der Anteil der Landbevölkeruna beträgt nur 8,3 v. H. gegen­über einem runden Viertel im Reich, lieber 67 v. H. ber Gesamtbodenfläche werden lanbwirtschaftlich ge­nutzt. In diesem Gau ist durch die dichte Besiedlung jedes Stückchen Boden wertvoll geworden. So kommt es, daß es hier auch 5,3 v. H. mehr Acker­land gibt als im Durchschnitt des Reiches. Die Fischzucht liefert von 36 000 Morgen Wasser­fläche mit 40 000 Zentner Speisekarpfen mehr, als die Ernte der gesamten deutschen Teichwirtschaft noch vor mehreren Jahren betrug. Und die steilen Hänge des Elbtales, die jeder anderen Nutzung widerstehen, sucht man durch einen vermehrten Weinbau auszuwerten. Etwas mehr als ein Viertel der Bodenfläche ist Wald gebiet, und in diesem Waldreichtum fand vor Jahrhunderten der Bergbau die Voraussetzung für seine Blute. Heute aber beherbergt ber Sachsengau ein Drittel ber deutschen Sägeindustrie. Er ist auch ber Hauptsitz der Papiererzeugung, deren heu­tige Grundlage, ber Holzschliff, vor hundert fahren in der sächsischen Weberstabt Hainichen von Frleb- rich Gottlob Keller erfunden würbe. Sehr deutlich erkennbar ist die Verflechtung der Landwirtschaft mit verschiedenen Industrien.- Aus der Ernte ber sächsischen Flachsanbaufläche können 5,5 Millionen Quabratmeter Leinwanb hergestellt werden. Ausge­dehnte Schafzucht bas oftfriefifche Milchschaf hat hier sein zweitgrößtes Verbreitungsgebiet liefert der Textilindustrie weitere Rohstoffe.

Oer Imperativ unseres Zeitalters.

Seiner Art gemäß leben und die Werte seiner Art schirmen und verteidigen

Aufruhr in Damaskus.

Während der letzten Tage haben sich mit ber offe­nen Gehorsamsverweigerung der syrischen Regie­rung gegenüber den französischen Mandatsbehörden unb ihrem Rücktritt die Verhältnisse in Damaskus immer mehr zugespitzt. Man kann wohl sagen, baß bie Entwicklung des syrischen Problems jetzt in eine entscheidenbe Phase treten wirb. Da bies Problem nicht nur lokale Bebeutung hat, sonbern im Zusam­menhang mit ber ganzen Mittelmeerpolitik Eng­lands, Frankreichs unb Italiens gesehen werben muß, ist es wohl angebracht, sich seiner Ursachen unb treibenden Kräfte zu erinnern. Man wirb bann unschwer feststellen, baß bie syrische Frage in ge­wisser Weise nur einen Parallelfall zur Palästina­frage barstellt.

Als bie Araber während des Weltkrieges nach hartem Wüstenkampf in Damaskus einzogen, glaub­ten sie ihr Ziel erreicht und ihren Freiheitstraum erfüllt. Denn sie bauten auf bie Zusage der Eng­länder, die ihnen als Belohnung für den Aufstand gegen die türkische Oberherrschaft ein selbständiges großarabisches Reich versprochen hatten. Unter den Palästinabokumenten, bie bisher in den britischen Archiven verschlossen lagen, unb beren Veröffent­lichung nunmehr bie Araber auf ber Londoner Kon­ferenz erzwungen haben, befinbet sich auch ber Vertrag, der im Jahre 1916 zwischen England unb bem Äraberführer Hussein geschlossen wurde. In diesem Vertrag heißt es:Großbritannien ver­pflichtet sich zur Bildung eines arabischen Reiches, bas unabhängig sein soll in jeglichem Sinne des Wortes Unabhängigkeit, in seinen inneren wie in seinen äußeren Verhältnissen. Die Grenzen dieses Reiches sollen sein im Osten vom Meer des Per­sischen Golfs an, im Westen das Rote Meer, die ägyptische Grenze unb bas Mittelmeer, im Norden die Nordgrenze des Vilajets von Aleppo und von Mossul bis zum Euphrat, worauf bie Grenze längs des Tigris bis zu seiner Einmündung in bas Per­sische Meer geht, unter Ausschluß der Kolonie Aden, denn diese bleibt außerhalb dieser Grenzen."

Auf dieses klare unb verpflichtende Versprechen vertrauten die Araber, als sie die Waffen gegen die Türkei unb damit auch gegen Deutschland er­

höbe auch nicht bie Absicht, sich an diesen inneren Kämpfen ber verschiedenen Kirchengruppen zu be­teiligen.

Bereits zu Beginn seiner Rede hatte Reichsleiter Rosenberg zum Versagen jener Kräfte Stellung genommen, bie in ber Vergangenheit Träger bes Staates waren. Die Größe früherer preußischer Könige, so erklärte er, habe bnrin bestauben, baß sie sich als Vertreter ber Ge­samtheit fühlten unb für bie Einheit von Volk unb Staat eintraten. 1918 habe ber letzte Kaiser biete Trabition verlassen. Er habe seinen Abgang mit bem Wunsch begrünbet, Blutvergießen zu ver- meiben, unb habe bamit zu erkennen gegeben, baß er sich nur noch als Vertreter eines Teiles seines Volkes fühlte. Mit biefem symbolischen Akt sei die Monarchie ins Grab gesunken, aus bem sie nicht wieder zu erwecken sei.

Rosenberg schloß mit einem Ausblick auf die Neu­gestaltung Europas: Wieder sei Deutschland gegen­über ber bolschewistischen Weltgefahr ber erste Eckpfeiler bes europäischen Konti­nents'. Die deutschen Kanäle, die den Ostseeraum mit bem Donaubecken unb bem Schwarzen Meer verbinben, seien bie Zeichen ber Neuordnung im europäischen Osten. Alfreb Rosenberg schloß mit ber Hoffnung, baß auch die Völker des Ostens sich vom Finanzimperialismus bes Westens befreien unb ihre europäische Sendung erkennen.

Eine Rede Alfred Rosenbergs.

Auf der Kant-Coppernicus-Woche in Königsberg.

Königsberg, 19. Febr. Die Kant-Copperni- cus-Woche der Königsberger Albertus-Universität erreichte ihren Höhepunkt mit eine Rebe Alfred Rosenbergs? Der Rektor ber Universität, Prof. Dr. von Grünberg, gab bekannt, daß Generalselb- marschall Göring auf Vorschlag bes ostpreußischen Gauleiters Erich Koch eine Coppernicus- Stiftung gegrünbet und als Anfangsbetrag die Summe von 10 000 Reichsmark zur Verfügung ge­stellt hat. Diese Stiftung soll deutschen Naturfor­schern die Möglichkeit geben, über die Tagesaufga­ben hinaus an der Erforschung b e r g r o e n Zusammenhänge zu arbeiten. Alljährlich am Geburtstage von Coppernicus, bem 19. Februar, sollen deutsche Naturforscher für besondere Leistun­gen durch Preise ausgezeichnet werden.

Alfred Rosenberg

führte bann aus, baß beibe, Coppernicus unb Kant, einmal ein Weltbilb gestürzt unb einem forschenden Menschentum gleichsam neue Augen geschenkt hätten. Wer tiefer sehe, dürfe sagen, daß sie den Menschen aus einer altgewohnten Gebor­genheit gerissen hätten, .zugleich aber Wegbereiter einer neuen geistigen unb seelischen Geborgenheit eines wahrhaften Menschentums geworben seien. Beide schließlich seien an ihre Forschungen nut jener genialen Unbekümmertheit herangegangen, bie stets ein Zeichen des guten Gewissens unb ber charakterlichen Wahrhaftigkeit sei. Der Gebanke bes Coppernicus sein Triumph ber Forschung nach Ge­setzlichkeit gegenüber einem Lebensstil, der burch Dämonie unb Magie 1500 Jahre jebes forschenbe Denken unterbunben habe. Das neue Bewußtsein größter Gesetzmäßigkeit habe sich trotz aller Ver­ketzerungen mit einer tiefinnerlichen religiösen Ehr­furcht vor bem ftaunenb erfaßten Weltall verbun- ben. Ebenso habe Kants Philosophie bazu beige- tragen, bie strenge Mechanistik bes Weltalls nach­zuweisen. Die Entbeckung einesMüssens" auf ber einen Seite unb einesSollens" auf ber anberen erscheine als jene kritische Tat Immanuel Kants, bie ihn mit Coppernicus so eng verbinde. Kant habe bieGeschwätzigkeit ber Jahrtausende beendet , indem er bie Vernunft unb ben Verstaub über­haupt auf ihre Erkenntnisfähigkeiten hin prüfte und Wesen, Möglichkeiten unb Grenzen biefer Fä­higkeiten festlegte. Seine Erkenntnisse jiber Wesen und Inhalt ber Erfahrung können jeben vorsich­tigen Denker unb jeben empirischen Naturforscher davor bewahren, sich in sogenannte hoturphiloso­phische Schwärmereien und Phantasiegebilbe zu verlieren unb biefe als Erfahrungen auszugeben.

Kant habe gefochten, um bie Selbstbesinnung des Menschen herbeizuführen. Ihm sei es auf bie Tren­nung jener Tätigkeiten bes Menschen angekommen, die dank einem durch die Theorie herbeigefuhrten Durcheinander des Fühlens unb Denkens in feiner Weise mehr rein zur Darstellung gelangen konnten. Unb durum habe sich Kant zur Mechanistik unb