kann hier helfen und jeder trägt als Arbeitsbeauf- fragtet des deutschen Volkes an seinem Arbeitsplatz die Verantwortung.
Vorsicht bei Mitnahme oder Unterstützung verdächtiger Jugendlicher.
LPD. In letzter Zeit konnte oft festgestellt werden, daß verdächtige Jugendliche beiderlei Geschlechts von Kraftfahrzeugfahrern mitgenommen wurden. In vielen Fällen wurde beobachtet, daß Lastzugfahrer entwichene arbeitsscheue Fürsorge- Zöglinge auf ihre Hrachtsahrzeuge ausgenommen haben. Es handelt sich in solchen Fällen um Iu- geirdliche, die größtenteils schon mit den Strafgesetzen (Diebstahl, sittliche Verwahrlosung) in Konflikt gekommen sind. Vielfach ist diesen Flüchtlingen von verschiedenen Personen sogar Uebernachtung
Schrott oder gute Maschinen? Jeder Betrieb hat zu wählen!
und Verpflegung gewährt worden, teilweise wurden sie noch mit Ratschlägen für ihre weitere Flucht versehen. Auch in Familien wurde schon oftmals verdächtigen Jugendlichen Unterkommen auf Grund von Schwindeleien gewährt. In allen diesen Fällen ist größte Vorsicht geboten. Durch das unverständliche Verhalten verschiedener Kraftfahrer und sonstigen Personen gegenüber verdächtigen, meist asozialen und straffälligen Jugendlichen wird die Volksgemeinschaft erheblich gefährdet. Den Polizeiorganen wird durch dieses Verhalten die Arbeit erschwert. Stile Bevölkerungskreise werden dringend gebeten, mit allen Kräften dazu beizutragen, daß verdächtige Jugendliche bei ihrem Auftauchen so schnell wie möglich dem nächsten Polizeiposten zu- geführt werden.
Sauvaneie »Lacke mit uns" in Gießen
Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" bringt im Zuge ihrer Bemühungen um die Ausgestaltung des Feierabends wieder eine große Unterhaltungsveranstaltung. Das Gauvarietö „Lache mit uns" wird am Dienstag, 24. Januar, im Gloria-Palast ein Gastspiel geben und dabei mit einem bunten Programm aufwarten. Der Ansager Werner Veidt wird die Besucher mit den Künstlern vertraut machen und lustige Schnurren erzählen. Die „Drei E r e l l y ' s" zeigen ihr Können auf dem Gebiete des Tanzes. „Drei Brüder K e n t s ch" sind Akrobaten, die am Doppelreck ihre Flugkunststücke vorführen werden, und „Hermez und Cortez" werden mit Zauberkunststücken und illusionistischen Darbietungen aufwarten. Im großen Programm fehlen auch die Musical-Clowns nicht, .Kuckartz & Co." nennen sie sich, und werden bemüht sein, die Lächmuskeln in Bewegung zu bringen. Von „Nauti-Nauti" sind ungeschickte Geschicklichkeiten zu erwarten, und in der Tracht der Gladiatoren wird sich „DIbas" vorstellen, der mit einer eigenartigen Mischung von Körperkraft und Komik aufwarten wird. Zwei Steffens produzieren sich als Foß- und Spatensvrinqer. Für diesen Abend gilt das Wort: „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen!"
Rundfunkprogramm
Samslag, 21. Januar.
6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. 9.30: Gaunachrichten. 9.40: Deutschland — Kinderland: Die Schneeballschlacht. 10: Schul* fünf. Die Reichskleinodien. Eine Hörfolge. 11.30: Ruf ins Land. 12: Mitagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.15: „Schi und Rodel: gut!" Musikalischer Wintersportwetterbericht. 15: Bilderbuch der ffiodje. 15.15: Woran wir achtlos vorübergehn...! 15.30: Der Winter ist ein harter Mann. Unsere Jungmädel fingen und erzählen non' dem frostigen Gesellen. 16: Großes Künneke-Konzert. 18: Bühne und Film im Rundfunk. 18.30: Blasmusik. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher. 20: Nachrichten. 2015: Großer bunter Abend. Genießen und lachen! 22: Nachrichten. 22.30: Wir tanzen in den Sonntag? 24 bis 3: Nachtkonzert.
Mütterschulen im Dienste des Volkes.
gfs. Jeder Gau im Deutschen Reich hat sich besonders schöne Stellen zur Errichtung feiner Mütter- schulen ausgesucht. In schöner Gegend, in luftigen und gesunden Räumen werden die sechswöchigen Lehrgänge in den Mütterschulen des Reichsmütterdienstes des Deutschen Frauenwerkes zur Ausbildung der jungen Mädchen, Bräute und Frauen abgehalten. In diesen sechs Wochen sind alle Gebiete der Mütterschulung enthalten. Nach Abschluß des Lehrganges erhält die Teilnehmerin eine Dollbescheinigung des Mütterdienstes, denn nun ist ihr alles zum Begriff geworden, was sie als Hausfrau und Mutter an Wissen so dringend benötigt. Erstens in der Hauswirtschaft: das Kochen, die häuslichen Näharbeiten, Haus- und Gartenarbeit. Zweitens: in Gesundheits-, häuslicher Kranken- und Säuglinaspflege. Drittens: in der Erziehungslehre mit Anleitung zum Basteln. Zur eigenen Heimgestaltung hat sie Anregung bekommen, über Volkstum und Brauchtum wurde sie aufgeklärt.
Große Freude macht meistens den Teilnehmerinnen die Anleitung zur Gartenarbeit, besonders wenn sich ein oder die andere Mütterschule den
weniger bekannten Gemüsen und Küchenkräutern zuwendet. Auch von gelungenen Hausmusikabenden der Mütterschulen wird berichtet.
Die Mütterschule des Gaues Hessen- Nassau ist in Weilburg an der Lahn schön auf dem Webersberg gelegen. Die einzelnen Fächer verteilen sich entsprechend auf den Tageslauf, der mit Frühsport beginnt und mit froher Gemeinschaft am Abend endet. Die praktische Arbeit geschieht in kleineren Gruppen, so daß feder Teilnehmerin Gelegenheit zu genügender Hebung gegeben ist. An einem Sonntag des Lehrganges dürfen die Teilnehmerinnen den Besuch ihrer Angehörigen empfangen. Die Kosten des Aufenthaltes für Wohnung, Verpflegung und Schulung sind nicht hoch.
Außer den Vorteilen, den die reichhaltigen Lehrpläne bieten, besteht noch die Möglichkeit, daß Ehestandsdarlehensbewerberinnen zusätzlich eine Summe erhalten, wenn sie sich verpflichten, diese Bräuteschule zu besuchen, ober wenn sie bei Antrag auf Gewährung detz Darlehns die Vollbescheinigung der Schule vorlegen.
Federwettstreit in der HZ. Hessen-Nassaus
Oie besten Arbeiten werden ausaezeicknet.
NSG. Vom 20. Januar bis 20. Februar führt die Gebietsführung Hessen-Nassau (Presseabteilung) in allen Einheiten der Hit- ler-Jugend einen großen Federwett- ft r e i t durch. Im friedlichen Kampfe soll feftgeftellt werden, wer von den Jungen und Mädels die b e ft e Feder zu führen versteht.
Der Federwettstreif soll der Jugend Gelegenheit geben, ihre geistigen Kräfte zu messen und eigen- schöpferisch tätig zu fein. Für den Wettstreit wird kein festes Thema vorgeschrieben. Aus dem alltäglichen Leben soll die Anregung zum Schreiben kommen. Welch eine Fülle von Möglichkeiten bieten sich da. Der Pimpf und das Jungmädel können sich in einfacher, ungekünstelter Form mit den Erlebnissen ihres noch begrenzten Lebenskreises auseinandersetzen, vom Iungvolkdienst und der Schule, vom fröhlichen Spiel und all den Dingen erzäylen, die ihren Alltag ausfüllen. Anders sieht es schon bei den Hitler-Jungen und Mädeln aus, die, meist in der Berufsausbildung stehend, schon mehr Möglichkeiten haben, aus dem persönlichen Erlebnis und Empfinden heraus zu berichten. Ein Gang durch die Heimatstadt, oder das Dorf gibt auch Anregungen, sich einmal mit dem Volks- und Brauchtum zu beschäftigen. Von den Fahrten sind allen noch große und kleine Erlebnisse aller Art in Erinnerung. Im Betrieb gibt es aus der Arbeit interessante Episoden und Gedanken zu schildern. Die Beteiligung am Reichsberufswettkampf ist ferner eines der interessantesten Themen. Noch viele andere könnten genannt werden. Aber die Jungen und Mädel sollen selbst suchen. Die Hauptsache ist: was geschrieben wird, muß selbst erlebt oder empfunden sein!
Für die besten Arbeiten sind Preise ausgesetzt. Je einem Jungen und Mädel ist die Möglichkeit gegeben, sich mit der Feder eine KbF.-Fahrt zu erfechten. Ferner winken den Verfassern der besten Arbeiten freier Aufenthalt in Sommerlagern, freie Teilnahme an der Hessen-Nassaufahrf u. v. m. als äußere Anerkennung. Insgesamt werden die 25 besten Einsendungen mit einem Preis bedacht. Damit allein ist es aber noch nicht getan! Diese 25 besten Arbeiten und auch andere/ gelangen noch innerhalb des Schrifttums der HI. zum Abdruck, während die fünf besten der Tagespresse zur Verfügung gestellt werden! x
Für den Wettstreit sind drei Wettstreitgruppen vorgesehen: Pimpfe und Jungmädel (von 10 bis 14 Jahre), Hitler-Jungen und BDM.-Mädel und Mädel des BDM.-Werk „Glaube und Schönheit". Die Bewertung der Arbeiten findet innerhalb dieser drei Gruppen statt. Ein Wetkampfausschuß wird die Beurteilung vornehmen und die besten Arbeiten feftfteüen. Dem Ausschuß gehören neben dem Gebietsführer und der Obergaufuhrerin, den Abteilungsleitern Presse-Propaganda des Gebietes und Dbergaues, vor allem auch der Leiter des Reichs- propagandaamtes, der Gaupresieamtsleiter und der Hauptschriftleiter der NS.-Gauzeitung an.
Jeder Junge und jedes Mädel kann sich an dem Wettstreit beteiligen. Vier Wochen Zeit sind gelassen. Dann müssen die Arbeiten, mit genauer Anschrift und der HI.- bzw. BDM.-Einheit versehen, an die Presseabteilung der Gebietsführung Hessen- Nassau, Wiesbaden, Herbert-Norkus-Straße, eingesandt werden. Im März werden die Sieger dieses Wettstreites bekanntgegeben!
Die deutsche Ostmark
in Natur, Kultur und:
1U:
irtschast.
Die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde beschloß iW Winter-Vortragsreihe am gestrigen Donnerstagabend mit einem Lichtbildervortrag ihres Vorsitzenden, des Ordinarius für Geographie an unserer Universität, Professor Dr. K l u t e, dessen Grönland- Expedition noch in guter Erinnerung ist und der in Anerkennung feiner Forschungen über Afrika, insbesondere über Deutsch-Ostafrika, sowie für die Herausgabe des großen Handbuches der geographischen Wissenschaft im Jahre 1936 von dem Frankfurter Verein für Geographie mit der goldenen Eduard- Rüppel-Medaille ausgezeichnet und zum Ehrenmitglied ernannt worden ist.
Nachdem die früheren dieswinterlichen Vorttäge in der Gesellschaft mit dem Fernen Osten, dem Gebiet um Nanga-Parbat-Himalaya, der Insel Borneo und mit Zentralkurdistan bekannt machten, führte
Prof. Dr. Klute
seine zahlreichen Zuhörer am gestrigen Abend mit Bild und Wort in die wiedergewonnene deutsche Ostmark. In eineinhalbstündigem Vortrag mit ausgezeichneten Lichtbildern gab er unter dem Thema „Die deutsche Ostmark in Natur, Kultur und Wirtschaft" ein Bild jener Lande. Er erinnerte zunächst
Schuß im Zunkhaus.
Ein Roman von ZNariaOberlin.
Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München.
1. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Die Musiker hatten die Jacken abgeworfen und saßen weißärmelig da, was chnen ein kindlich- schlampiges, ein wenig verrücktes Aussehen gab. Nur der Dirigent, ein schmaler, eleganter Mensch, mit langen sehr gepflegten Händen und jäh auf- leuchtendem eisgrauen Haar stand straff und sehr feriös da: er sah mit leiser Ungeduld zur Decke empor, die von schalldämpfenden Tüchern dick verhängt war — Dann fiel die Tür gespenstisch leise wieder ins Schloß.
Gegenüber war die Abteilung von Dr. Stein. Man ging durch ein helles Vorzimmer mit gelben Aktenschränken, sacht klappernden Schreibmaschinen und leisem Büro-Aroma. Dann war da ein Schild: Dr. Harald Stein. Musikalische Abteilung. Von innen hörte man Klavierspiel. Irgendjemand brillierte etwas zu glanzvoll eine Liszi-Rhapsodie daher, beschloß sie grab mit einem triumphal auf- klirrenden Ta—Tata—Tatata!!
Man hörte dann einen markigen Bariton: „Danke, danke, Klinger--das genügt. Spielen
Sie also in Gottes Namen ihren geliebten Liszt --vorausgesetzt, daß ich ihn in der Programmberatung durchbekomme — — Hallo! Was ist?" Er wandte sich jäh um, die Minta hatte ziemlich energisch angetlopft und war gleich darauf ein- getreten, sie brachte den leisen Tiergeruch chres kostbaren Persianermantels und einen Hauch ganz altmodisches Maiglöckchenparfüm herein.
„Tag Doktor, wie geht's, wie steht's? Ich wollte mich eben erkundigen, wer die Tenorpartie im Te Deum übernimmt? Sucht euch aber um Gotteswillen jemanden Vernünftiges dafür aus! Der Mann kann uns mit schlecht gelungenen Kantr- lenen die ganze Sendung umwerfen —"
„Unbesorgt, Minta, der Berger bekommt's. Der hat Geschmack!"
„Na, Gottseidank, mal keiner von der Oper!" atmete die Minta auf, die als Konzersängerin einen leisen Widerwillen gegen ihre Kollegen von der Oper hatte. „Das ist ja ’ne wahre Wohltat. Uebrigens — — können Sie den Klinger entbehren, Stein?"
„Ja. Wir sind fertig. Ihr. wollt korrepetieren,
was? Wo wollt Ihr proben? Zimmer 2 ist frei. In den kleinen Sendesaal könnt Ihr nicht, da ist Hörspielprobe —"
„Gehen wir auf Zimmer 2!" fang die Minta in ihrer tiefen Stimme und im ankündenden Ton eines Oratorium-Rezitativs. Sie ging an einen Schrank, holte einen schwarzgebundenen Bruckner- Band heraus und klemmte ihn unter den fleischigen Arm.
Stein hatte sich umgewandt. Er saß da in einem zierlichen hellblauen Ripsfessel, was nicht recht stimmte zu seinem wohlwollenden Privatierbauch. Er hatte ein rundes, freundlich gefaltetes Mondgesicht mit überraschend schönen saphirblauen, sehr Rügen Augen, unter denen es hin und wieder angestrengt zuckte. Jetzt sah er Evelyn, die an der Tür zögernd stehengeblieben war.
„Ah, Fräulein Kay! Frühzeitig schon da! Mikrophonfieber, was?"
Evelyn lächelte schwach. Es war ein fernes, fremdes, erstaunlich unbeteiligtes Lächeln. Die Minta wandte sich um, lächelte ein wenig.
Kollegin? Schau an! Was macht ihr denn mit ihr, Stein?"
„Straußlieder singt sie gleich —"
„Na, wunderbar! Welche denn?"
.„Goldene Füllet Morgen', ,Nacht', ,Ruhe meine Seele' und ,Georgine' —"
„Ach, die ,Georgine'! Nett, daß ihr sie wieder einmal herausgeholt habt! Sie ist prachtvoll." Der wunderbar weiche, mit Wohlklang durch und durch gesättigte Alt summte leise: „Warum so spät erst, Georaine? Das Rosenmärchen ist erzählt —* Sie überging ein paar Takte, fang mit halber Stimme, aber in ergreifendem Ton die Schlußtakte: „Und spät wie dir, du Feuergelbe, stahl sich die Liebe mir ins Herz--Ob früh, ob spät, es ist das
selbe Entzücken und derselbe Schmerz!"
Evelyn schloß die Augen, horchte mit allen Sinnen, ein schmerzlicher Zug kam in ihr Gesicht. Wie wunderbar erfühlt, wie reif, wie ausgeglichen, wie vollendet schön! So hatte man es auch zu singen versucht. Noch vor einer Stunde, einer Stunde, in der das ganze Leben noch anders aus- sah. Ganz anders--
„Immer gut atmen, kleines Fräulein!" sagte die Altistin mütterlich, nickte dem Pianisten, einem all- zublonden, schmalen Jüngling mit wasserhellen Knabenaugen zu, grüßte mit Der Hand und ging hinaus.
Stein sah Evelyn erstaunt an. Sie war jetzt näher gekommen.
„Wollen Sie mich noch sprechen, Fräulein Kay."
Evelyn setzte sich in den kleinen blauen Ripsfessel, den der Mann ihr zuschob.
Einen Augenblick herrschte Sttlle. Evelyn hatte den Blick gesenkt, hob ihn dann plötzlich jäh entschlossen.
„Herr Dr. Stein--ist muß unbedingt sofort
Dr. Bortefeld sprechen--bitte, können Sie mir
dazu verhelfen?" Sie war sehr weiß geworden, zwei zarte Adern an der linken Schläfe begannen blau zu leuchten ...
Stein sah sie verblüfft an, glitt sich etwas ratlos über den glatten Schädel.
,Zetzt, Fräulein Kay? Bortefeld ist zwar noch im Haus, glaube ich. Aber seine Besuchszeit ist morgens. Sie müßten sich dann vorher anmelden. Zimmer siebzehn —" Er brach ab. Wie weiß das Mädchen aussieht — Donnerwetter, was ist denn da nur los?
„Ich vertrete ihn ja in den wichtigsten musikalischen Dingen, Fräulein Kay", tastete er vorsichtig. „Wenn ich Ihnen irgendwie —" Unsinn, Unsinn, dachte er und hörte auf. Natürlich will sie den Bortefeld selbst sprechen. Natürlich ist's nichts Berufliches. Wie dem Mann die Weiber nacylaufen, es ist eigentlich schandbar! Er empfand plötzlich einen dünnen schneidenden Schmerz, es fror ihn ein wenig. Sah das Mädchen an. Er liebte diese groß und klar geschnittenen ausdrucksvollen Gesichter, die bei aller Mädchenhaftigkeit schon so reif und fraulich waren. Er fühlte eine warme, zündende Freude, als ffm Blick langsam das schmale, sehr rein gezeichnete Oval d'es jungen Gesichtes entlangglitt, er schwieg, ganz versunken in den Zauber dieses sehr ernsten, sehr blassen Gesichtes, in das sich eine lose kräuselnde Haarwelle hineinschob. Evelyn hob jetzt den Blick, sie hatte Augen von ganz reinem, durchsichtigem Goldbraun. Es waren tief erschreckte, ratlose, angstvolle Augen —
Stein fühlte das fremde gefährliche Gefühl lang- sam abflingen, er fror jetzt noch stärker und schob achtlos ein paar Partiturblätter durcheinander. Verrückt, verrückt, dachte er. Ein hübsches Gesicht--
das wird mich alten Knaben doch wohl nicht irritieren —
„Ich muß Herrn Bortefeld privat sprechen!" sagte das Mädchen jetzt tapfer und sah dem Mann grabe und ehrlich ins Gesicht. „Es ist sehr dringend--"
Dringend, dringend. Sicher ist es dringend, dachte der Mann spöttisch. Solche Sachen find immer dringend. Pfui nein, das ist nicht fair. Ist ein tüchtiger, kleiner Kerl, die Kay. Hat's nicht nur in der Ke die, sondern auch im Köpfchen, in dem verdammt hübschen Köpfchen.
Eine Liebelei mit Bortefeld? Schad' um das Mä-
daran, daß bereits Karl der Große die Ostmark er« richtete, die damals kleiner war als das heutige Ge« biet und die mit Recht stets als deutsches Land ge« aalten hat. Der Struktur nach gliedert es sich in 60 v. H. Alpenland, 30 v. H. Höhengebiete und nur 10 v. H. Niederungen und Ebenen. Das Alpengebiet zieht sich von den nördlichen Kalk-Alpen über die Zentral-Alpen, die Hohen Tauern bis zu den Oester- reichischen Alpen hin. Die Ostmark teilt fick in die Landschaft Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Nieder- und Ober-Oesterreich, das Burgenland, Kärnten und Steiermark. Zur Struktur der Alpen gehören die steilen, schroffen Wände, die nicht überall eine Bewaldung zulasten und in denen nicht allzu große Almen anzutreffen sind. Mit den Zentral-Alpen sind auch der höchste Berg, der Groß-Glockner, mit 3800 Meter Höhe, ferner der Groß-Venediger in den Hohen Tauern zum Reich zurückgekehrt. Die Niedere Tauern mit einem nicht ungünstigen Höhenklima haben noch besondere Bedeutung dadurch, daß sie eine Regulierung der Sommerniederschläge bilden. Neben den Eigenarten dieser Gebirgslandschaft führte der Vortragende noch das unter 0 Grad, im Winter 20 bis 30 Grad Kälte aufweisende Klima an, um die schwierige Kriegführung unserer ehemals Verbündeten verständlich zu machen, die Tunnelbauten und tiefgehende - Unterstände zu errichten hatten und große Sprengungen vornehmen mußten, um sich verteidigen zu können.
Der Vortragende schilderte dann die Besiedelung, die in den Alpen sehr dünn ist und nur dort au« nimmt, wo Seen ein milderes Klima aufweifen und wo die Abhänge nicht so schroff sind. Auch die Gebirgstäler, die durch die Eiszeit breiter geschaffen find als man sie fonft antrifft, weisen breitere Talböden auf und weniger schroffe Abhänge, so daß sich Wald und Almen ausbreiten können. Es ist bezeichnend für das Land, daß nur 20 v. H. der 6,7 Millionen Menschen der Ostmark in den Alpen wohnen, obwohl diese 60 v. H. der Fläche einnehmen. Günstiger ist die Besiedlung in den nach Jugoslawien zu abfallenden Höhengebieten Kärntens, der Steiermark und des Surgenlanbes, die Weideland aufweisen und in denen auch Wein gedeiht. Obwohl die Alpen keine Dauersiedlungen aufweisen — die Hochländer sind nicht besiedelt — ist nur ein verschwindend geringer Teil des Landes unproduktiv. Der Winter tritt in der Ostmark sehr heftig auf; selbst Wien ist davon betroffen. Die in elektrischen Strom, das weiße Gold, verwandelten Wasserkräfte deckten 80 v. H. des Eigenbedarfs des Landes, während das Altreich nur 15 v. H. selbst decken konnte. Durch entsprechenden Ausbau sind diese «Stromquellen noch zu erweitern. Neben diesen Naturkräften sind es noch Eisen, Erze und Salze, die den Reichtum des Landes ausmachen. Der Vortragende schilderte, wie aus Funden bei Wien der Nachweis erbracht wurde, daß der Salz- abbau dort bereits in der jungen Eiszeit bergmännisch betrieben wurde und daß jene auf hoher Kulturstufe stehenden Menschen schon die Verwendung der Erze kannten.
In einem Rückblick auf die Besiedelung des Landes wies er das Eindringen germanischer Stämme nach und erinnerte daran, daß nach dem Sieae Otto I. über die Hunnen im Jahre 955 deutsche Siedler in das Land hereingeholt wurden inrb deutsche Fürsten vor allem in dem Barockbau, der u. a. im Stift Melk am reinsten zum Ausdruck kommt und der überall anflutreffen ist, dem Lande unverkennbar deutsche Züge verliehen haben. Den vorwiegend dinarischen Einschlag der Rasten machte Professor Klute an Bildern von Grillparzer, Haydn, Liszt, Mozart, bei dem ein dinarischer (Anschlag unverkennbar sei, sowie an Bruckner und dem Heerführer C. von Holzendorff verständlich. An einer Reihe von Trachtendildern schilderte er die dinarischen und auch nordischen (Schubert und Rosegger) Einflüsse, wie sie jeweils anzutreffen sind. Ergänzend hierzu zeigte er an vielen Städtebildern die planmäßige Anlage der Städte, wie sie deutschen Siedlern eigen war.
Zum Schluß sprach Pros. Klute über die Wirtschaft der Ostmark, deren Überschüsse an Milch, Butter, Käse und Fleisch vom Altreich aufgenommen werden können, während der Weizenanbau, der nur 56 v. H. des Eigenbedarfs deckte, sich durch die Anwendung von Kunstdünger reichlich steigern läßt. Auch die reichen Holzoorräte werden einer intensiveren Auswertung zugeführt werden können. An del, ist fo'n ernster, tiefgründiger Schlag. Solche packt's und läßt's nicht wieder los. Man sollte warnen, man müßte raten — ach, Unsinn, das könnte sie nicht verstehen.
.5)6) kann ja mal anrufen", sagte er nach einer lastenden Pause heiser.
„Danke, das wäre sehr freundlich von Ihnen.. .* Zögernd nahm der Mann den Hörer ab, sprach eine Nummer, fragte, wartete. Evelyn hatte sich weit und wie kraftlos zurückgelehnt, das letzte blaffe Alt- rosa des großen schöngeschweiften Mundes erlosch und wurde fahl.
„Ja", sagte Stein schwer. Evelyn fuhr auf und starrte ihn an. „Sie können kommen. Müßten allerdings einen Augenblick warten."
danke Ihnen sehr, Herr Dr. Stein ..
Der Mann lächelte fahl. Es war ein Lächeln, fremb und abwesend.
„Keine Ursache", raffte er sich dann zusammen. „Ach, was ich Sie noch bitten wollte — halten Sie sich nicht zu lange auf — drüben. Zehn Minuten vor der Sendung hätte ich Sie gern im großen Sendesaal. Hetzen Sie sich nicht, es ist ungünstig für die Stimme —"
„3d) werde pünktlich da fein", sagte Evelyn mechanisch. Erschrak plötzlich bei den Worten und dachte: Ich lüge ja. O, wie ich lüge! Natürlich werde ich nicht da sein. Ich kann doch'nicht fingen--
nach solch einer Unterredung! Im übrigen ist das alles egal. Wenn ich den Mann nur erst sprechen kann, diefen Mann, diesen, — diesen--—
Stein beobachtete sehr besorgt, sehr aufmerksam ihr weißes Gesicht. «Seine Stimme klang noch immer heiser.
„Also, bis gleich denn, Fräulein Kay ..."
Evelyn sah ihn an und blickte doch ins Leere, ganz versunken, ganz allein.
„Ach ja. Ja, ja ... Bis gleich ... ♦
Im Flur stürmte ein junger Mensch daher, er hat das gleiche goldbraune Haar wie Evelyn, nur das Braun seiner Augen ist dunkler. Sein Gesicht mit der nervös bebenden schmalen Nase ist sehr erregt, auf den Wangen brennen rote Flecke. Jäh faßte er nach dem Arm des Mädchens.
„Evelyn? Was machst du denn hier?" Evelyn sieht mit fremden Augen den Bruder an, erst langsam wird ihr Blick wacher und bewußter.
„Ich hab hier noch was zu erledigen", sagt sie unbestimmt.
„Du singst doch gleich, Evelyn. Da dacht ich, daß ich unten ins Restaurant gehe, sie haben da einen aanz guten Lautsprecher. Machs. gut. Mädchen!" Er sagt das matt und zerstreut. (Forts, folgt)


