Ausgabe 
19.12.1939
 
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CARL DUNCKER VERLAG BERLIN W 35

2. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Darum ist jetzt die Sehnsucht nach den fremden Dingen und Begebenheiten eine andere. Sie hat mit der Langeweile eines Großstadtsonntags nichts zu tun. Sie ist tiefer und schwerer geworden; oft ist eine große Unruye in Anne. Die Menschen ihrer Umgebung sind dann gleichgültig, sie findet es schrecklich, daß man voneinander jede geringfügigste Bewegung kennt. Sie weiß genau, wie die Tante lacht, und wenn Franz Pegel die linke Hand hebt, rückt er bestimmt mit atoei Fingern an seiner Brille. Es ist nicht so, daß Anne alle diese Menschen, die ihr nahestehen, gleichgültig wären, o nein, die ßiebe zu ihnen ist da und nicht wegzudenken, aber sie sehnt sich nach Erlebnissen und Eindrücken, die mit diesen altbekannten Menschen nichts zu tun haben. Vielleicht ist ihre Sehnsucht auch nur Neugier nach Dingen, die fremd und unbekannt sind. Es ist eigentlich so, daß Anne Wegner nicht weiß, was sie will, sie fühlt nur, daß sie aus ihrer Ruhe aus­gestört ist, ja, sie fühlt, daß sie aufgehört hat, Kind zu sein, das ist es.

9m ersten Haus am See wohnt der Fischer 9örs, in einer kleinen Kate mit tiefruntergezogenem Dach, die liegt Anne am nächsten. Aus dem Schornstein quillt blausilberner Rauch. Und das Mädchen denk: kritisch:Es ist immer so, Sonntags wie Alltags. Jörsrnutter setzt chren Kohl schon rechtzeitig auf, denn die 9örs essen Mittag, wenn andere Leute frühstücken."

Auf einem Kartoffelacker, der zwischen einem Feld und einer Weide gleich hinter dem Garten be» ainnt und sich ein ganzes Stück neben dem See hinzieht, liegt Frieda Jörs auf den Knien und nimmt Frühkartoffeln aus. Sie richtet sich auf und winkt. Anne hält neben dem Feld an. Kommt heute noch einer von euch nach Balke?" ruft sie.

Ja, ich fahre in einer Stunde hin." Frieda schiebt mit dem Handrücken ihr blau-weißes Kopf- tuch zurecht.

Fein", sagt Anne,bann sei so gut und über­nimm wieder mal meine Besorgungen."

Frieda steht auf und kommt näher. Sie ist ein großes, breithüftiges Mädchen. Sie hat gemeinsam mit Anne den ersten Kleinkinderunterricht auf dem Birkenhof genossen, jetzt sind sie beide im BDM.,

und obwohl sie ein Jahr älter ist als die Birken- hoferin, sind sie zusammen eingesegnet worden. Frieda steht neben der tänzelnden Koni und reicht Anne die Hand rauf.

Wie geht es dir? Gibt es Neues bei euch?" Was soll es bei uns Neues geben?" lacht Anne. Frieda sieht über den See.Ich wäre an deiner Stelle schon längst mal nach Berlin gefahren, Anne, da gibt es Theater und Kinos und alles mögliche. Hier passiert nichts."

Anne atmet tief.Ach Gott, Berlin!" sagt sie und macht eine kleine, abwehrende Handbewegung. Was soll ich in Berlin?" Anne Wegners Sehnsucht geht weiter, geht weit über Berlin hinaus. Sie wur­zelt im Unbekannten und Unverständlichen. Es ist schon schlimm. 9ch müßte geregelte Arbeit haben, am beiten, ich werde Lehrling auf dem Birkenhof, denkt sie, dann vergehen die lächerlichen Gedanken von allein, und sie nimmt sich vor, darüber mit Klavissa zu sprechen.

Hernach gibt sie Frieda den Zettel für den Krä­mer und Schlachter, bittet sie, den Sattler zu be­stellen und sagt, daß man auf dem Birkenhof Fische braucht. Dann geben die Mädchen sich abermals die Hände, und Koni, die langes Schwatzen nicht lieht, fliegt wie ein Pfeil davon.

Frieda 9örs legt die rechte Hand über die Augen und sieht hinter dem Pferd und der Reiterin drein. Auch in ihr ist die Unruhe der Jugend, aber sie ist durch Generationen an dieses Leben und ihre Ar­beit gebunden, und jetzt geht zudem ihre Sehnsucht einen festen und zuverlässigen Weg. Der junge Fisch- meister, der seit einem halben Jahr drüben beim Gut angestellt ist, gefällt ihr. Vergangenen Sonn­tag war er bei ihnen und am kommenden Sonn­tag wollen sie zusammen zum Tanz gehen. Frieda gehört zu den Frauen, die denken, daß die Liebe der beste Teil der Jugend ist. Mancher junge Bursche aus dem Flecken Balke, der mit ihr tanzte, hat auf dem Heimweg Frieda 9örs küssen dürfen. Doch der Fischmeister scheint ihr anders zu sein als alle Burschen des Ortes. Wenn sie an ihn denkt, wird ihr der Atem kurz, und wenn sie seine Schritte hört, steigt ihr das Mut zu Kopf. Sie ist verliebt, uni) nur so scheint ihr die Welt schön und ange­nehm zu sein. Sie braucht Berlin nicht und kein Theater und kein Kino. Sie steht im Glück ihrer Jugend und sie denkt, indes sie Anne Wegner nach­sielst, daß eine Fischerstochter es gewiß besser hat als das Fräulein vom Birkenhof. Für sie gibt es Burschen soviel wie Stare auf den Föhren, die ihr das Liebeslied fingen; für jene ist das weniger einfach. Gott weiß, wer Herkommen müßte, um Anne Weaner zu gefallen.

Anne wer ist bloß froh, daß sie ihre Besorgun­

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Jahren

Aus alter Wett.

Zuchthaus wegen Abhörens feindlicher Rundfunksender.

eihnachtspost in Norwegen

Von per Schwenzen.

Berlin, 18. Dezember. (DRV.) Die zuständi­gen Sondergerichte verurteMen in den letzten Tagen eine Reihe von Angeklagten wegen fortgesetzten Verbrechens gegen § 1 der Verordnung über außer­ordentliche Rundfunkmaßnahmen vom 1. 6eptentber d. 9. zu hohen Freiheitsstrafen. Der Angeklagte Louis L e u d) t aus Fürth (Bayern) wurde zu einer Zucht­hausstrafe von zwei 9ahren und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei verurteilt. Der Angeklagte F. B r u g

nicht Übersteigt, bestimmt der Relchsminister des Innern im Einvernehmen mit dem Reichsminister der Finanzen das nähere.

Frau Znna Ley bescherte 400 Bergmannskinder.

Bochum, 18. D-z. (DNB.) Für 400 Kinder der in den letzten Fahren verunglückten Bergleute veranstaltete Frau 9nna Ley am Sonntag in Bochum eine eindrucksvolle weihnacht­liche Feierstunde. Nach dem Ablauf eines bunten Programms für die Kinder und deren Angehörige ergriff Dr. L e y das Wort zu einer kurzen An­sprache, in der er u. a. darauf hinwies, daß gerade in dieser Zeit die deutschen Menschen das Bedürf­nis fühlten, zu einer einigen großen Familie zu werden. 9n herzlichen Worten wandte sich Dr. Ley besonders an die anwesenden Mütter, deren Männer als Opfer der Arbeit in die Ehrenliste des deutschen Volkes eingefügt sind. Geführt von Frau 9nna Ley traten dann die Kinder mit ihren Müttern an die

Weihnachtszuwendung an Kinder einberufener Soldaten.

Berlin, 18. Dez. (DNB.) Der Ministerrat für die Reichsverieidig ung hat eine einheitliche Reichs­regelung für die Zahlung von Weihnachtszuwen­dungen im öffentlichen Dienst getroffen. Hiernach wird eine Weihnachtszuw enduna bezahlt, wenn em Rechtsanspruch darauf besteht oder wenn in den drei Jahren 1936, 1937 und 1938 jeweils WeihnachtsFUwendungen gewährt worden sind. Liegen oiefe Voraussetzungen nicht vor, so wird Angestellten, deren Grundvergütung 250 RM. nicht übersteigt, und anderen nichtbeamteten Gefolgschafts­mitgliedern, die nach Abzug der Kürzungen ohne Kinoerzuschläge monatlich nicht mehr als 300 RM. an Dienstbezügen erhalten, für jedes kinderzuschlags­berechtigte Kind unter 16 Jahren eine Weihnachts- Zuwendung von 8 RM. bezahlt.

Soldaten, die auf Grund eingegangener Dienstverpflichtung länger als zwei 9ahre dienen, sowie Beamte mit nicht höherer Besol­dung erhalten unter denselben Voraussetzungen die gleiche Zuwendung. Den zur Wehrmacht Ein- berufenen, bie n i d) t bei öffentlichen Verwal­tungen oder ^Betrieben beschäftigt sind, wird für jedes Kind unter 16 Jahren, für das lau­fend Familienunterhalt gezahlt wird, der Familien­unterhalt für Dezember um eine Weihnachts­zuwendung von 8 RM. erhöht, wenn der Familienunterhalt einschließlich der Wirt­schaftsbeihilfe im Dezember ohne Kinderzuschläge nicht mehr a l s 300 RM. beträgt. Soweit Anaehörige der zur Wehrmacht Einberufenen keinen laufenden Familienunterhalt erhalten und ihr mo­natliches Einkommen den Betrag von 300 RM.

bamerTelegraaf" aus London melden läßt, die Firma Lane Mitchell Hymans & Kraay darauf hin, daß die plötzliche Preissteigerung am Gummimarkt, die Ende November eingesetzt habe, ihre Ursache darin finde, daß so viele Schiffe infolge des deutschen Handelskrieges u n- tergegangen seien.

Entspannung zwischen Japan und LlGA.

Entgegenkommende Haltung Tokios.

T o k i o , 19. Dez. (DNB.) Wie das Außenamt mit- teilt, ist zwischen dem Außenminister Nomura und dem U8A.-Botschafter G r e w eine Unterredung über verschiedene Probleme des Chinakonfliktes in kon­struktivem Geist geführt. Nomura habe den Ent­schluß Japans mitgeteilt, die bisherige Sperrung des unteren 9a n g tf e unter gewissen Ein­schränkungen aufzuheben. Der Sprecher des Außenamtes bemerkte, daß 9apan feine Bemühungen zur Bereinigung der zwischen 9apan und Amerika schwebenden Fragen fortsetzen werde. 9apan ver­folge in China keineexklusiven und mo­no p o l i st i s ch e n" Ziele und beabsichtige nicht, die wirtschaftliche Beteiligung dritter Mächte in Zukunft auszufchließen. Er hoffe, daß auch die übrigen Mächte den Erklärungen Nomuras Verständnis entgegenbringen werden.

Das bisherige Ergebnis der Besprechungen zwi­schen Nomura und Grew scheint gewisse Mög­lichkeiten für eine Entspannung zu eröffnen, nach­dem 9apan geneigt ist, teilweise Erleichterungen für bie Jangtse-Schiffahrt dritten Staaten zu gewäh­ren. Nomura soll auch die Bereitwilligkeit ausge­drückt habey, angemessene Entschädigun­gen für Schäden an amerikanischem Eigentum in China zu gewähren. Nomura soll ferner betont haben, daß freundschaftliche Beziehun­gen zwischen Amerika und 9 a p a n bie einzige Garantie für den Frieden im Pazifik seien. Die Agentur Somei bemerkt dazu, daß die Auf­merksamkeit Tokios nunmehr darauf gerichtet sei, ob bie Regierung und bas Volk der USA. Japans Absichten verstehen. Falls die amerikanische Regie­rung ihre bisherige unfreundliche. Haltung gegen­über Japan aufrecht erhalte, fei zu befürchten, daß Japan gezwungen werden könnte, einen Wende­punkt in den Beziehungen zu Amerika herbei- zuführen.

besten gefallen komischerweise die Feuilletons, dis von Knirps und seiner unerhörten Zuverlässigkeil berichten. Jetzt sind Semesterferien, Knirps unto Horst treiben sich im Grünen umher. Sie fnatiern über die Landstraßen, sonnen sich auf fremde» Wiesen und denken, daß bas Leben ruhig seine» Gang weiter nehmen darf.

Horst will tanken. Er hält an und steigt aus. Dell Knirps steht auf einer tiefgefurchten Dorfstraße« einem sandigen Landweg, der durch die schmale» Radspuren der Bauernwagen verflixt zerfahren ist. Horst sicht sich das an, hat bie Hände in der alten* blauen Trainingshose, nickt vor sich hin und lacht. Wenn hier ein großer Wagen fahren würde, müßt« er schunkeln, es könnte einem Angst um die Achs« werden, aber Knirps puffert sich klein und richtig gerade zwischen den Wagenspuren durch. Ein feinte Kerl, der Knirps.

Kinder kommen näher und sehen sich das Ge­fährt an und dann lachen sogar die Jungens. Eine» der rotznäsigen Buben kriegt Horst beim Wickel- ,/5ag mal, mein Lieber, wo kann man hie« tanken?"

Um die Ecke", grinst der Junge.

Wo bin ich denn hier überhaupt?"

In Balke." Der Bursche schiebt seinen Finge« in die Nase, und die ganze Gesellschaft lacht laut* als Horst wieder in seinen Knirps hineinkrabbelt, mit kräftigem Getöse Gas gibt und bedächtig um di« Ecke wackelt.

Horst Nielsen tankt und sieht, daß unweit vo» Balke ein ansehnlicher See liegt, der so blau isl* als sei der Himmel hineingefallen. Ich werde haben»- denkt Horst, und Knirps puckert halbrund um be« See. Ueberaü steht dicht das hohe Schilf, eine Bade­gelegenheit ist nicht zu entdecken. Schcckie.

Ein schmaler Weg, der braun und glatt von nie­dergestreuten Nadeln ist, führt durch den Wald aus eine Lichtung. Auf der Lichtung grast ein Pferds ein langbeiniges, schönes Tier. Horst will es nich» erschrecken und hält darum schon im Wald. San« geht er langsam auf die Lichtung zu, findet eine« Fleck voll weißen Sandstrand, einen Herrensattck und Zaumzeug. Daneben, fein säuberlich hingelegi^ braune Reitstiefel, eine Helle Hose und ein weißes Leinenhemd. Sieh, sieh, denkt Horst, da badet scho» wer; dann entdeckt er unter dem Sattel ein sei­denes, gar zierlich mit Spitzen besetztes Hösche« und wendet sich lachend ab. Ein Mädel babel- Teufel, Teufel, eine kleine, feine Morgenfee! Un.® was für ein Pferd! Wie schlank ist der Kopf! ®1S edel sind die Bewegungen! Hat man je so wunder­volle Fesieln gesehen?

(Lortjetzung folgt)

kerrechtes schuldig gemacht und hat sich überdies dem Druck Englands gebeugt.

Nach Lage der Dinge war nun ein Durchbruchs­versuch des deutschen Panzerschiffes durch die ver­einigten englischen und französischen Streitkräfte, die draußen die Reede blockiert hielten, aussichtslos ge­worden. Selbstverständlick hätteAdmiral Graf Spee" wie jedes andere deutsche Kriegsschiff selbst unter den ungünstigsten Umständen den Durch­bruchsversuch unternommen, wenn man dem Schiff die Möglichkeit der notwendigen Wiederherstellungs­arbeiten gelassen und dem Kommandanten einen angemessenen zeitlichen Spielraum für feine Maß­nahmen gegeben hätte. Da das nicht der Fall war, gab es keine andere Möglichkeit mehr als die Sprengung des deutschen Schiffes, das über drei Monate lang eine ganze feindliche Armada vergeb­lich durch die Meere hatte jagen lassen und seinen erfolgreichen Handelskriea mit einem ruhmvollen Siege gegen feindliche Uebermacht gefrönt hatte.

Das Kriegsschiff hn Vertrauen auf das Völker­recht internieren zu lassen, kam natürlich nicht in Frage. Die offene Reede einerseits und die ver­mutliche Unfähigkeit der Regierung von Uruguay zum Schutz des Schiffes andererseits wäre ange­sichts der Flottenkonzentration feindlicher Seestreit- Sräfte für ein notorisch wort- und rechtsbrüchiges England allzu verlockend gewesen. Wie richtig das ist, geht ja daraus hervor, daß England die Regie­rung in Montevideo unter stärksten Druck setzte und dabei höchstwahrscheinlich auch vor direkten Drohungen nicht zurückschreckte. Nach den Beispielen, die EnAand während des ganzen Weltkrieges und auch in diesem Kriege wieder gegeben hat, darf man ohne weiteres annehmen, daß es die fremden Hoheitsgewäffer keinesfalls respektiert hätte.

Die englische Intrige setzte unter Aufbietung einer großen diplomatischen und pressemäßigen Agitation bereits mit dem Einlaufen des deutschen Panzer­schiffes in die Reede von Montevideo ein. London beeilte sich, in aller Welt feine eigenen Auffassun­gen über die entsprechenden Völkerrechtsbestimmun­gen als die einzig richtigen hinzustellen. Unterdessen wurde alles konzentriert, was an Seestreitkräften überhaupt greifbar war. Schon Ende der vergan­genen Woche war die Reede von Montevideo von nicht weniger als fünf englischen Kriegsschiffen blockiert, von denen die meisten wie der 32 000 t große SchlachtkreuzerRenown" an Größe und Artillerie demAdmiral Grat Spee" weit über­legen waren. Diese Zahl soll sich noch verstärkt haben, u. a. auch durch ein französisches Schlacht­schiff, die 26 000 t großeDunkerque . Hätte bas deutsche Panzerschiff ohne Rücksicht auf seine Schä­den den Durchbruchsversuch unternommen, so wäre es zur Zielscheibe fiir bas konzentrierte Feuer einer ganzen feindlichen Flotte geworden.

Es ist für den Führer und Obersten Befehls­haber sicher ein schwerer Entschluß gewesen, den Befehl zur Sprengung zu geben. Anderseits aber durfte man ein so wertvolles Kampfschiff unter kei­nen Umständen der feindlichen Uebermacht in die Hände fallen lassen. Es ist wirklich kein Ruhmes- blaft für die Gegner, wenn sie eine ganze Flotte Sein einziges deutsches Schiff aufboten, den jf gleich gegen gleich scheuten und überdies noch zu Intrigen und zur Anleitung zum Völker­rechtsbruch ihre Zuflucht nahmen. Wie dieses deutsche Schiff gefürchtet und gehaßt war, das zeigt die Verlautbarung der britischen Admiralität von 14. Dezember:Man muß sich darüber klar sein, daß sehr große Streitkräfte viele Wochen lang zur See sowohl wie in der Luft eingesetzt wurden, um in den weiten Gebieten des südlichen Atlantik die deutschen Handelsjäger aufzuspüren und daß viele Enttäuschungen unvermeidlich waren, bevor die Admiral Graf Spee" gesunden wurde." Der Ruhm derAdmiral Graf Spee" aber überlebt bas Schiff. Er ist aus bemfeiben Geist geboren, der das RiesenfchiffBremen" durch bie feindliche Flotte brachte und damit bewies, daß die Briten das Mo­nopol zur See verloren haben.

Folgen des deutschen Handelskneges am Londoner Gummimarkt.

Amsterdam, 19. Dez. (DNB. Funkspruch.) 9n einer Wägigen Uebersicht über die Verhältnisse am Londoner Gummimarkt weist, wie sich der Amster-

Uebermorgen ist Heiliger Abend ...

Birgit saß auf der Küchenbank und weinte. Lau­ris wagte nicht hinzusehen. Er konnte viel vertra­gen, viel Frost, viel Schnaps, viele Meilen Weg, den Aerger des Postmeisters aber er konnte seine Tochter nicht meinen seyen.

Also saß er gebückt, wickelte das rotblaue Band um die weichgefetteten Schäfte feiner Stiesel, ächzte, als fei eine schwere Arbeit, das Band mit dem Daumen fein anzupassen und stramm zu ziehen ...

Nein, er traute sich nicht aufzublicken wozu denn auch? Er wußte ja, wie Birgit aussah. Sie hatte schmale Schultern, war etwas breithüftig und hatte ein sommersprossiges Gesicht mit einem wei­chen breiten Mund, sehr kurzer Nase und großen grauen Augen.

Eigentlich war sie nicht hübsch, ihr Gesicht war so merkwürdig flach und sah so leicht erschrocken aus. Wenn z. B. der Postmeister fragte:Birgit, wo ist dein Vater?" dann blieb ihr vor Schreck der Mund offen stehen, als hätte sie ein schlechtes Ge­wissen, als säße ihr Vater vielleicht bei dem alten Lappen Aikio und tränke Aquavit.

Es war einmal ein Maler dagewesen aus Trond­heim, mit Staffelei und Lederhut, der hatte Brigit schön gefunden. Er hatte sie sogar gemalt.Du bist ja ein lebendes Fragezeichen!" hatte er gesagt. So'n Quatsch?

Eigentlich war Lauris jetzt fertig mit den Stie­feln und Birgit mit dem Weinen, ui ein, noch nicht ganz, da kamen noch so ein paar kleine Schluchzer, wehe, zerflatternde Laute. Denn Birgit dachte an den Burschen, der sie so schön gefunden hatte, nicht an den Maler, nein, an Eilvino, den sie liebte. Er war vom Osten her gekommen, auf Wanderschaft. Er hatte Arbeit beim Kaufmann genommen. Sie

war mit ihm zum Tanz nach Kerasjok gegangen. Cr hatte sie nach Hause begleitet, in einer Julinacht. Die Sonne schien ganz seitlich in die Birken. Er hatte sie vom Pfad fortgezogen, ins Dickicht. Er hatte es gewollt. Ach Gott...

Im September war Eivind fortgegangen. Er wollte nach Hammerfest und Heuer suchen.

Ich schreibe dir", hatte er gesagt,ich bin drei Jahre auf einem Finnen gefahren, wenn ich Voll­matrose werde, heiraten wir."

Er hatte auch geschrieben. Er war noch immer Leichtmatrose. Und jetzt war Weihnacht. Ob er zu Weihnachten schrieb? Tat er es nicht, dann---

Und darum band auch Sauris so lange an beit Stiefelbändern. Denn Birgit hatte recht. Wenn die­ser Lausejunge jetzt nicht schrieb, dann---Sau­

ris hob'sich mit einem Seufzer der Verlegenheit aus seiner Präzisionsarbeit empor:9a, Birgit, dann gehe ich wohl malrüber---"

Der Postmeister war sehr ärgerlich. Da konnte er ja lange an der Wählscheibe drehen--bie

Leitung war gestört. Wahrscheinlich hatten Schnee­wehen bie Masten umgelegt, den Draht zerrißen. Das Radio hatte schon starke Derschneiungen im nördlichen Finnmarken gemeldet. Höchste Vorsicht war geboten.

Da trat der Posthelfer Lauris ein.9a, Meisters sagte er,ich fahre jetzt und hole die Weihnachts­post aus Billefjord."

Der Postmeister raunzte:Ach, rede nicht, b» kannst nicht fahren, bie Wege sind verschneit, es treibt wie unklug aus Nordost."

Mach es nicht schlimmer, Meister, als es ist. Ich habe keine Angst. Und der Falbe auch nicht." ---Und draußen war er.

Ein Brief! Was kann ein Brief fein! 9ubel, An­

gen los ist, dnß sie nicht ins Dorf zu reiten braucht, wo sie begrüßt wird und überall dasselbe hort und dasselbe sagen muß. Sie füfjlt die Wärme in der Luft wie Streicheln an den Wangen und denkt, daß ein Bad immerhin eine angnehme, schone Ab­wechslung märe.

Sie streckt sich im Sattel, sie ruft:Komm, wir wollen baden, Koni", und das Tier spürt die Lust seiner Herrin. Es fliegt über Gräben und setzt über Hecken, sie kennen kein Hindernis. Jetzt kommt ein Wald, hindurch. Anne muß sich fast bis auf den Hals des Pferdes beugen, damit ihr die Zweige nicht übers Gesicht kratzen. Sie schmiegt den Kopf in Konis Mähne und fchnubbert an ihrem Hals, sie liebt den warmen Fell- und Diergeruch. Und sie fingt ihm zu Ehren ein kleines und luftiges Lied:Geliebte Koni, wie riechst du schon, dein blankes Fell ist wie Seide und deine Mähne wie Franz Pegels Uhrkette. Du bist so lieb und brav und gut, Konifere, wir sind beide lieb und brav und gut, es ist ein Glück, dnß wir leben."

So kommen sie fröhlich bei der Stelle an, die als einzige rings um den großen See, ein Stückchen weißen Sandstrands aufweift. DieMeerimitation" hat Anne diese Stelle genannt. Zunächst nimmt sie dem Hier das Sattel- und Zaumzeug ab, dann kriegt Koni einen Klaps mit der stachen Hand und Anne ruft:So, nun troll dich, liebe Dame." Her­nach schlüpft sie aus Hose und Hemdchen, legt alle Sachen unter und neben den Sattel und steht gleich darauf am Wasser.

9m Unterholz knackt es verdächtig, Anne sieht sich erschrocken um. Wahrscheinlich aber hat Koni einen morschen Ast zertreten. Die Stute graft auf einer kleinen Lichtung. Und Anne legt den Kopf in den Nacken, rennt mit weiten Schritten, daß ihr das Wasser bis zum Leib spritzt und wirft sich mit einem hellen Schrei in die glitzernden Wellen.--

Horst Nielsen fährt durch ein Dorf. Er fährt in einem alten Hanomag durch ein Dotis, von dem er nicht mal den Namen weiß. Er sieht, wie ein paar Frauen, die vor einem Bauernhaus stehen, neu« Sfein Vehikel anstarren, sich anstoßen und

. Der Wagen ist gewiß nicht schon, ein alter, häßlicher Kasten ist er, aber braucht wenig Brenn­stoff, und im übrigen kommt Horst mit ihm doch schneller vorwärts, als wenn er sich auf feine Beine verlassen würde.

Jedenfalls ist es so, daß der Student der Rechte, Horst Nielsen, seinen Wagen sehr liebt, und wenn er über die Landstraßen zuckelt und von vornehmen Vier- und Sechssitzern überholt wird, deren 9n- sassen mitleidig oder oergüngt auf ihn herabsehen, denkt er: Lacht nur, mein Knirps ist schon richtig. Horst Nielsen schreibt manchmal Geschichten^ am

ger aus Saulgau (Württemberg) wurde zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Der Angeklagte Hermann Wolter aus Bohmte bei Osnabrück wurde zu einer Zuchthaus- I strafe von einem Jahr verurteilt. Sämtliche Ange, klagte hatten feindliche Rundfunksender laufend ab. gehört und die auf genommenen Lügenmeldungen w eiterverbreitet. Auch das Sondergericht Danzig verhandelte gegen fünf Personen wegen Rundfunkoerbrechens. Es handelt sich um Mitglie- der einer Familie aus Marienau bei Danzig. Johan­nes Jakobsen hatte 1938 einen Rundfunapparat gekauft und damit feit Kriegsausbruch regel­mäßig englische und französische Sen- der abgehört. Auch die übrigen Mitglieder der Familie hörten die ausländischen Sendungen mit. Die Ehefrau Maria Jakobsen hatte a u s l ä n d i. sche Nachrichten im Dorf verbreitet.; Das Sondergericht verurteilte entsprechend dem An­trag des Oberstaatsanwaltes Johannes Jakobsen, seine Ehefrau wegen Abhörens und wegen Der- breitung ausländischer Nachrichten und die jüngeren Brüder des Haupt angeklagten zu je 2 Vs Jahren Zuchthaus. Allen Angeklagten wurden die bürger­lichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt. Der Krieg erfordert eine Zusammen­fassung vor allem auch der seelischen Kräfte unfern Volkes. Es muß besbalb der Zerfetzungs- arbeit der feindlichen Lügenpropa­ganda mit den schärfsten Mitteln be­gegnet werden. Die obengenannten Urteile wer­den den wenigen Unbelehrbaren zur Warnung die­nen, die durch gröbste Fahrlässigkeit oder durch ver- brecherische nationale Verantworiungslosigkeit der feindlichen Lügenpropaganda glauben Vorschub leisten zu müssen.

Winkerwelle über Rumänien.

Seit Samstagnacht geht über Rumänien eine neue Winterwelle hinweg. Fast im ganzen Lande schneit es seitdem. Auch Bukarest liegt in tiefem Schnee. In der Hauptstadt sank die Temperatur am Sonntagabend auf fünf Grad unter Null. In Czernowitz und Kischinew sogar auf minus zwölf Grad. In der Dobrudscha und in Bessarabien herr­schen schwere Nordoftstürme.

langen Gabentische, um aus den Händen des Reichs- organisationsleiters und seiner Gattin viele nützliche Dinge für Schule und Haus und andere reichhaltige Geschenke, die Frau Ley in wochenlangen Vorbe­reitungen persönlich besorgt und ausgewählt hatte, in Empfang zu nehmen. Manche Mutter stand lange vor dem glücklichen Ehepaar Ley, um schlichten Worten ihren Dank zu sagen.