Wachsende Spannung zwischen Japan und WA.
Sobald es nicht mehr gelingt, die erforderlichen Futtermittel ins Land zu bringen, ist es auch nicht mehr möglich, den Viehbestand aus der alten Höhe zu halten. Der Zweck dieser Politik ist durch- sichtigt: London will verhindern, daß Vieh und Fleisch nach Deutschland geliefert werden können, während es zur gleichen Zeit der dänischen Schiffahrt Begleittransporte anbietet, um das unentbehrliche Fleisch sicher in englische Häfen zu bringen.
Eine solche Praxis kann nach dänischer Ansicht nicht in Einklang gebracht werden mit der Neutralitätserklärung vom vergangenen Jahre. Denn diese Erklärung bezieht sich nicht nur auf das politische Gebiet, sie umschließt auchden Grundsatz der wirtschaftlichen Unparteilichkeit, wie Außenminister Munch erst kürzlich in Kopenhagen zu verstehen gab. Die englische Konterbandenliste muß daher vom dänischen Gesichtspunkt aus als Versuch angesehen werden, die Neutralität anderer Staaten zugunsten Englands in eine Parteilichkeit abzubiegen; ein Bestreben, dem man in Kopenhagen aus begreiflichen Gründen überhaupt unsympathisch gegenübersteht, zumal erst vor wenigen Wochen ein Nichtangriffspakt mit Deutschland unterzeichnet und darüber hinaus noch wenige Tage vor Beginn der osteuropäischen Feindseligkeiten deutscherseits eine neue Versicherung der völligen Neutralitätsrespektierung Dänemarks abgegeben mürbe.
Der englische Blockadeversuch wirft nicht nur seine Schatten über Dänemark. Auch di e übrigen Länder Skandinaviens müssen zwangsläufig in Mitleidenschaft gezogen werden; denn auch ihr Handel mit England — ein wichtiger Faktor bei der Wirtschaft aller skandinavischen Länder — ist abhängig von einer freien Nordseepassage, die zur Zeit von Minen und Wachschiffen gesperrt wird. Man versteht hier außerdem den deutschen Beschluß, Blockade mit Blockade zu beantworten und spielt daher bereits mit dem Gedanken, die wirtschaftlichen Beziehungen mit dem Ausland in andere Bahnen zu lenken.
Auf diesem Hintergrund muß die am Montag beginnende Konferenz der skandinavischen Staaten betrachtet werden. Die zur Aussprache stehenden Probleme können mit zwei Worten umfaßt werden: Neutralität und Wirtschaft. Beide Fragen sind für die konferierenden Staaten von gleicher Bedeutung; denn sie bilden die große Garantie des völkischen Lebens dieser Nationen. Wären sie nicht so brennend, hätte man sich wahrscheinlich nicht entschlossen, nach der vor vierzehn Tagen in Stockholm und vor acht Tagen in Brüssel stattgefundenen Konferenz noch einmal in Kopenhagen zvsammenzukommen, und zwar diesmal unter Einschluß der Regierungschefs von Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland.
Es kann erwartet werden, daß der interskandinavische Warenaustausch in zweiter Linie und die Politik an erster Stelle behandelt werden wird. Seit Wochen spricht man in den europäischen Hauptstädten von einem europäischen Block neutrale^ Staaten. Dem Block soll die Aufgabe zufallen, das seine zu tun, um den Konflikt in möglichst engen Grenzen zu halten. Das ist aber nur möglich, wenn die kriegführenden Staaten die Zusicherungen einlösen, die man den Neutralen gegeben hat, schon lange bevor die gegenwärtige Entwicklung in Europa einsetzte. Seitdem haben sich Dinge ereignet, die mit Neutralität wenig zu tun haben. Es bjerg wurde von einem englischen Bombenflugzeug bombardiert und Norwegen mußte sich zweimal mit Gewalt gegen Engländer zur Wehr setzen. In beiden Fällen hat England bezeichnenderweise die letzte Verantwortung abge-
Tokio, 19. September. (DNB.-Funkspruch.) Fast alle japanischen Zeitungen beschäftigen sich mit den Beziehungen Japans zu Amerika, die nach „Ansicht offizieller japanischer Kreise keinen Optimismus zulassen." Die Presse kennzeichnet übereinstimmend die Haltung Amerikas als japanfeind- lich, was sich darin zeige, daß Amerika die neue Ordnung in Ostasten nicht anerkennen wolle und fortfahre, feine Rechte und Interessen in China auf der Basis des Neunmächte-Paktes zu verteidigen. In 600 Fällen habe Amerika wegen angeblicher Schädigung seiner Interessen in China protestiert, die öffentliche Meinung Amerikas gegen Japan fei ablehnend. Nach Ausbruch des Krieges in Europa und nach Minderung des britischen und französischen Einflusses in China zeige sich Amerika immer aktiver in China, sodaß sich die Spannung zwischen Japan und Amerika verschärft habe.
„Tokio Asahi Schimbun" schildert die „amerikanische Rüstung gegen Japan" und führt das gewaltige Flottenbauprogramm Washingtons auf, dessen Schwergewicht zweifellos gegen Japan gerichtet sei. Die Vereinigten Staaten be
lehnt und im ersten Fall sogar zu verstehen gegeben, es könne nur dann einen Schadensersatz leisten, wenn die Herkunft des Fliegers einwandfrei als englisch festgestellt werden könne. Gegen solche und ähnliche Verfahren, zu denen auch wirtschaftliche Druckmaßnahmen gehören, ist ein skandinavisches Land machtlos, es sei denn, daß es sich von seiner Politik entfernen und zu radikalen Maßnahmen schreiten wolle. Aber man ist nicht machtlos, wenn es gilt, vor aller Welt den Friedensstörer anzuprangern, d. h. im Falle einer nachweisbaren Neutralitätserklärung die Weltöffentlichkeit gemeinsam über den Sachverhalt aufzuklären. Wie die skandinavischen Staaten in Zukunft in dieser Form die Neutralität wahren wollen, soll die Konferenz klären. Sie soll weiter klären, wie die Wirtschaftssysteme der vier verhandelnden Staaten in Ordnung gehalten werden können, wenn sich der Blockadekrieg zwischen Deutschland und England so ausdehnen sollte, daß die Aktionsgrenze nicht mehr garantiert werden kann. Ob England allerdings in einem solchen Falle sich nicht s e l b st am meisten schadet, muß abgewartet werden. Am gleichen Tage, da London die Konterbandenliste veröffentlichte, schreibt das Kopenhagener Blatt „Extrabladet" in einem Leitaufsatz: „Im wesentlichen würden wir in der Lage fein, unseren Handel mit Deutschland zu Lande aufrechtzuerhalten."
Aerztliche Fürsorge
für die Zivilbevölkerung sichergestellt.
Berlin, 18. Sept. (DNB.) Die Reichsärztekammer hat auf Anordnung des Reichsministers des Innern die ihr angehörenden freipraktizieren den Aerzte verpflichtet, auf jedem ärztlichen Arbeitsgebiet Aufgaben zu übernehmen. Aerzte, die bisher nur Privatpraxis ausübten, werden also nunmehr auch zur Tätigkeit der Krankenkassen, Fürsorge usw. herangezogen werden können. Es ist hiermit ein weiterer Beitrag für die Ausnutzung der ärztlichen Arbeitskraft und damit für die Sicherung der Volksgesundheit geleistet.
reiteten eine Front gegen O sta fi e n im Zusammenhang mit dem europäischen Kriege vor. „Toki Kokumin Schimbun" zählt eine Anzahl gegen Japan gerichteter wirtschaftlicher,- politischer und militärischer Maßnahmen Amerikas auf und stellt die Frage, ob dadurch nicht eine Kriegsgefahr zwischen Japan und Amerika heraufbeschworen würde. Wenn Amerika in feiner gegenwärtigen Politik fortfahre, so könne durchaus angenommen werden, daß Japan zur Verteidigung seiner Lebensrechte gezwungen würde. „Wir wollen", so erklärt „Koumin Schimbun" dem amerikanischen Volk unsere Ansichten übermitteln, da wir den Wunsch haben, unsere letzten, auf den Frieden gerichteten Bemühungen zu machen. Der Chinakonstikt sei fein militärisches Abenteuer, das von einer angeblichen militärischen Diktatur in Japan erzwungen fei. Wenn Amerika diese angebliche Diktatur bekämpfen wolle, wie England den „Nazismus" bekämpfe, so werde Amerika erleben, daß das gesamte japanische Volk sich Mit vielleicht größerer Entschlossenheit für den Aufbau Ostasiens einsetzen werde, als selbst die Armee.
Trotz der zusätzlichen Inanspruchnahme von Aerz- ten durch die Wehrmacht ist also eine ausreichende ärztliche Vorsorge der Zivilbevölkerung sichergestellt.
Die Zugend vor den Gefahren der Verdunkelung bewahrt
Berlin, 18.,$ept (D31B.) Der Jugendführer des Deutschen Reiches, Reichsleiter Baldur von Schirach, gibt folgendes bekannt:
Um die deutsche Jugend vor den mit der Verdunkelung verbundenen Gefahren zu bewahren, ordne ich an:
1. Der Dienst im Deutschen Jungvolk und im Jungmädelbund schließt ab sofort mit Sonnenuntergang, fo daß alle Angehörigen des Deutschen Jungvolkes und des Jungmädelbundes noch vor Eintritt der Dunkelheit ihre elterliche Wohnung erreichen. (Die Zeichen des Sonnenunterganges sind auf jedem Kalender ersichtlich.)
2. Den Angehörigen des Deutschen Jungvolks und des Jungmädelbundes ist der Aufenthalt auf Straßen und Plätzen nach Eintritt der Dunkelheit verboten.
3. Die Angehörigen der HI. und des VDRl. haben ihre Wege von der Arbeitsstelle oder vom Dienst zur Wohnung ohne jede Verzögerung zurückzulegen.
Berlin, 18. September 1939.
Der Jugendführer des Deutschen Reiches: Baldur von Schirach.
Aus aller Welt.
heftiges Erdbeben bei Wien.
Am 18. September 1 Uhr 14 Minuten 43 Sekunden erfolgte ein heftiges Nahbeben. Um 1.45 Uhr folgten dem Hauptbeben noch schwache Nachbeben. Der Herd dieses starken Bebens liegt bei Puch- berg am Schneeberg, 70 Kilometer südwestlich von Wien. Es war das stärkste Beben, das
dort jemals beobachtet wurde. Insgesamt wurden nach dem HauPssioß um 1.15 Uhr noch 14 Nach- stöße gezählt, von denen der letzte gegen 7.30 Uhr früh beobachtet wurde. Fast alle Häuser Puchbergs weisen Sprünge auf, ein Kamin ist eingestürzt. In Losenheim, westlich von Puchberg, siel ein 15 Kubikmeter großer Felsblock auf ein Haus. Das Haus wurde zertrümmert, der Besitzer und dessen Sohn wurden getötet. Die Straße von Puchberg nach Neunkirchen ist von Felstrüm- mern blockiert, an deren Beseitigung schon gearbeitet wird. An den Hängen des Schneeberges sind zahlreiche Bruchstellen bemerkbar. Der Herd des Bebens dürfte daher im Schneeberggebiet liegen.
Exemplarische Zuchthausstrafen für Volksschädlinge.
Das hanseatische Sondergericht ver- urteilte am 14. September auf Grund der Verordnung gegen Volksschädlinge vier junge Burschen im Alter von 19 und 22 Jahren zu Zuchthausstrafen von 8 bis 10 Jahren und Ehrverlust von gleicher Zeitdauer. Die Angeklagten hatten am Spätabend des 8. September unter Ausnutzung der zur Abwehr von Fliegergefahr getroffenen Verdunklungsmaßnahmen versucht, ein auf dem Heimweg befindliches Händlerehepaar zu überfallen und zu berauben. Die hinterlistige und gemeine Tat war jedoch mißlungen. Das Urteil zeigt, daß gegen gewissenlose Elemente, dis die zum Schutze der Allgemeinheit getroffenen Maßnahmen für Verbrechen ausnutzen wollen, scharf vorgegangen wird. In Fällen schwererer Art wird, wie das Gericht in seiner Begründung mit allem Nachdruck betonte, ohne Rücksicht, lebenslängliches Zuchthaus oder die Todesstrafe zur Anwendung kommen.
Der Senior der Frankfurter Schauspielbühne f.
Im 77. Lebensjahr ist der Schauspieler Mathieu Pfeil nach längerem Leiben gestorben. Mit Pfeil ist der letzte männliche Vertreter der älteren Frankfurter Schaufpielergeneration dahingegangen, die viele Jahre ihre zahlreichen Freünde begeisterte. Pfeil, der 1901 nach Frankfurt gekommen war, hatte auf der Bühne ganz klein als Reiter im „Wallenstein" in fdner Vaterstadt Köln angefangen. In unzähligen Rollen hat der Verstorbene dann auf der Bühne gestanden, in Frankfurt allein über 6000 mal. Dom jugendlichen Helden bis zum älteren Charakterspieler hat Pfeil alle Rollen durchlaufen, die einem Schauspieler gestellt werben können. Trotz dieser großen künstlerischen Beschäftigung fand der Verstorbene aber immer noch Zeit, um sich der sozialen Belange seiner Berüfskamera- den anzunehmen, die er jahrelang vertrat, ebenso wie er einer der ersten gewesen ist, die dem Schultheater ihre unterstützende Hand liehen._______,
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Die öffentliche Ziehung der Auslosungsrechte zu den Ablösungsanlechen der Stadt Gießen für das Jahr 1939 findet am Donnerstag, dem 5. Oktober 1939, 15 Ahr, im Stadthaus, Bergstraße, statt.
Das Ergebnis der Auslosung wird in den Tageszeitungen alsbald öffentlich bekanntgegeben.
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