Ausgabe 
19.6.1939
 
Einzelbild herunterladen

Verlach und Georg Seiner!,

Aus -er engeren Heimat

Nach längeren Verhandlungen ist nunmehr der Verkauf des Schützenhauses an die Stadt abgeschlos­sen worden. Die Stadt übernimmt das Haus mit allen seinen Einrichtungen. Desgleichen werden von der Stadt auch die Schießstände übernommen, für iDeren Erhaltung gesorgt und eine Erweiterung er­wogen wird. Die Schießstände übergibt der Schützen- Derein ohne jegliche Forderung. (Das Gelände, aus dem sich die Schießanlagen befinden, sind von jeher städtischer Besitz). Die Erweiterung der Schießanla­gen wird deshalb in Betracht gezogen, weil durch die notwendige Wehrertüchtigung unseres Volkes iben Organisationen der Partei, und den Vereini­gungen unserer Stadt (Jägerschaft, Kriegerkamerad­schaft usw), soweit sie den Schießsport pflegen, eine Gelegenheit gegeben werden soll, den. Schießsport auf breiterer Basis zu betreiben. Bisher sind ins­

gesamt 34 Schießstände vorhanden, von denen 18 für das Kleinkaliberschießen bestimmt sind.

Der Schützenverein selbst erfährt durch die Ab­gabe sowohl des Hauses, wie auch der Schießstände, eine erhebliche wirtschaftliche Entlastung. Durch die Freiwerdung von Mitteln, die der Verein bisher für die Instandhaltung der Schießstände zurückstellen mußte, besteht nun die Möglichkeit, den Schießsport innerhalb des Vereins noch tatkräftiger als seither zu pflegen. Gleichzeitig will der Verein die Mit- gleidsbeiträge senken. Man erhofft sich dadurch eine Steigerung der Mitgliederzahl.

Der Kaufvertrag zwischen der Stadtverwaltung und dem Schützenverein wurde am vergangenen Donnerstag durch Oberbürgermeister Ritter und dem Führer des Schützenvereins Willy Georg ab­geschlossen.

brettern, eine neuzeitliche Wasserrutschbahn, ein Kinderplänschbecken, sowie über 50 Umkleidekabinen. Eine Erfrischungshalle, die letztes Jahr erbaut wurde, wurde am heutigen Sonntag in Betrieb genom­men. Unser Mitbürger Landwirt Georg Heinrich Lotz kann am Montag, 19. Juni, bei verhältnis­mäßig guter Gesundheit seinen 7 0. Geburtstag feiern. Der Jubilar ist Ehrenmitglied der Sänger- vereinigungCäcilia" und besuchte noch bis vor zwei Jahren als aktiver Sänger regelmäßig die Sing­stunden.

Verleihung

des Treudienst-Ehrenzeichens.

In Anerkennung langjähriger treuer Dienste hat der Führer den nachstehenden Beamten und An- jgestellten des Staates das Treudienst-Ehrenzeichen verliehen. Das Treudienst-Chrenzeichen für 40- lährige treue Dienste erhielten: Regierungs- ffiaurat Friedrich Kuhlmann, Bauoberinspektor «Georg Mohr, die Dauinspektoren Ludwig Kögel, «Georg Maringer, Georg Martin, Daniel Polster, Johannes Sälzer und LeoNharg Treusch, sowie der Angestellte Heinrich Herrmann, sämtlich in Gießen. Mit dem gleichen Ehrenzeichen wurde and) der Bauinspektor Georg Wilhelm Essel in Homberg Bedacht.

Das Treudienst-Ehrenzeichen für 2 5jährige

in die 6ary mar ihr Z"l ale Auslagen- isteinkette, bie

itiung wurde aergfestes ahre am achten Form soll die nab Angriff neh- ft mit 9166. führt weckn. rmmlune mit .[ter uri F n mogr>n inem Aus« . Umkren

Unfälle auf dem Lande.

Die 17jährige Marie Funk aus Leihgestern zog ijch bei einem Sturz vorn Fahrrad einen Bruch des inten Armes zu. Auch die 13jährige Hildegard y ä u ß e r aus Reiskirchen kam durch die gleiche Ursache ebenfalls zu einem Armbruch. Der 32jäh- äige schmied Heinrich Ungefug aus Glashütten im Kreis Büdingen glitt beim Ausladen schwerer äiferner Träger aus und erlitt im Sturz schwere innere Brustverletzungen. Der Arbeiter Heinrich 3t n e u 6 e I aus Rainrod im Kreis Alsfeld zog sich md) einen Unfall schwere Schnitt- und Sehnen- jerletzungen am linken Arme zu.

Landkreis Gießen.

+ Grüningen, 18.Juni. Auch hier hat das deutsche Rote Kreuz mit feinen Arbeiten begonnen jnb einen Grundausbildungslehrgang durchgeführt, ser unter der Leitung von Dr. med. A. Heil in Watzenborn-Steinberg und dem DRK.-Vorhelfer liSlaum stand. Am Samstag fand im Rathaus lie Ab chlußprüfung statt, die durch Medizinalrat :»r. Trautmann von der DRK.-Kreisstelle Gle­isen abgenommen wurde. Zehn Anwärterinnen und frei Anwärter bestanden die Prüfung mit Erfolg, lcm Anschluß an die Prüfung wurde in der Wrrt- Mst Bender ein Gemeinschafts-Abend durchgesuhrt, m dem sich auch die DRK.-Einheiten Watzenborn- Steinberg, Leihgestern und Hausen beteiligten. HRK.-Hauptführer Röhr überbrachte die Grüße Iss DRK -Kreisführers und sprach in dessen Namen Isn ausbildenden Personen sowie den Teilnehmern !«n Dank für ihre Mühewaltung und ihr Interesse cms Gleichzeitig schilderte er in großen Zügen die Aufgaben des DRK? und die damit im Zusammen- tnng stehende Notwendigkeit der Ausbildung von belfern in jeder einzelnen Ortschaft.

Lich, 18. Juni. Das hiesige vor zwei Jahren erbaute Waldschwimmbad im Albacher Teich cfreut sich auch in diesem Jahre wieder an den tiarmen Tagen eines sehr starken Besuches, vor allem auswärtiger Badegäste. Im Laufe der letzten Wochen ri'urden durch die Stadt wieder bebeuteniie Erweite- inngen vorgenommen. So wurde der Damm, der las Bad von der Liegewiese trennt, mit Platten fcelegt, die gegenüber dem Sand, den man in den r ergangenen Jahren hier angefahren hatte, dem Bad einen viel schöneren und sauberen Anblick verleihen. Weiter konnte dieser Tage die schon im Vorfahr o»plante Wasserrutschbahn zur Aufstellung c langen, die sich bei der Jugend größter Beliebtheit erfreut. Nach all diesen Fertigstellungen verfügt das 5'wd nunmehr über drei Brausen, einen Sprung- Urm mit einem 5rMeter< und zwei 2Meter-Sprung-

Vrünewald, die

Wirtschaft.

3n 6 Jahren 2,5 Milliarden RM. neue Bankeinlagen.

Die Summe der Einlagen bei den allgemeinen deutschen Kreditbanken, sowohl Groß- als auch Re­gionalbanken, hat sich zwischen^Ende 1932 und Ende 1938 um 900 Mill. RM. auf 9,7 Milliarden RM. ver­mehrt. Seitdem hat eine weitere Aufwärtsentwick­lung stattgefunden-, die 10-Milliarden-Grenze ist seit einiger Zeit überschritten.

Die tatsächliche Zunahme der Einlagen bei den Banken ist aber wesentlich höher, als aus dieser ganz allgemeinen Zusammenfassung hervorgeht. Es ist aus dem Prozeß der Einlagenbewegung nämlich zunächst einmal die Bewegung der Einlagen von Kreditinstituten untereinander auszugliedern. Die Einlagen von Provinzbanken bei den hauptstädtischen Instituten sind seit 1932 um etwa 400 Mill. RM. zurückgegangen. Außerdem hat sich das Volumen bet Auslanbsgelber bei ben beutschen Banken um 1700 Mill. RM. oerminbert, teils infolge von Währungs­rückgängen, teils aber auch burch echte Abzahlungen. Dieser Prozeß ber Rückbildungen ist nun burch einen stänbigen Zustrom neuer Einlagen kompensiert wor­den, ber sich nach Berechnungen besBank-Archivs" auf etwa 2,5 Mrb. RM. beläuft.

Die echten Kunbschaftseinlagen finb feit 1932 von 4,7 auf 6,4 Mrb. R. gestiegen, bazu kommt eine Zu­nahme ber Spareinlagen um runb 700 Mill. RM. Die Spareinlagen haben sich seit 1932 bei ben pri­vaten Banken etwa verboppelt, die Kunbschafts-De- positen um runb 40 v. H. zugenommen.

Diese echten Zuwachsziffern, bie sich nach Ausglie- berung ber Gegenbewegungen ergeben, zeigen, baß bie Entwicklung ber Bankeinlagen gleichen Schritt mit ber allgemeinen Fortentwicklung ber Probuktion gehalten hat.

teilet V,

£Qs nebelt ^Ur9Witt5 dSL

"-N.

''Menfttru

unter.

. 9*3 Ktl der M Ober.

Wn und k !°ll? ^cht Dxr.

daß ini über dem ! MNen 1 ÄO]tenDori con loooo den Kassen. Mlage ben Ee, ob ber 1 kann. Für Eete j)err raus günstig vergangenen beliefen sich r lleberschutz Bestand von von 1922,80 4275,02 auf. nehmen und fft daß von eingespart an eigenen Mg stehen, m BorstaiÄ lirmnig Ent* alung wurde und beraten, Ä zu be­tt Anregung der Umbau r endgültigen lügen Schritte . Betrag zu

Auftrag bes llenbe Förde-

Verkauf des Schützenhauses an die Stadt Gießen

Ausbau der Schießstände geplant.

"tian Müller, bie Bauinspektoren Peter (Subers und Heinrich Seim, sämtlich in Gießen. Ferner mürben Damit ausgezeichnet: Die Bauinspektoren Johannes schott in Büdingen, Simon Walter in Alsfeld, Karl Jeckel in Lauterbach, Heinrich Konrad Schmier n Laubach, Philipp Brenner in Nidda, der Kafsen- nspektor Heinrich Dechert, ber Derwaltungs-Ober- cEretär Joseph Herbert, ber Verwattungsafsistent Karl Weißbäcker, sämtlich in Gießen, ber Maschinist Dtto Fritz in Bab Salzhausen, bie Sttaßenwärter Johannes Junck in Lehrbach unb Adam Metzger in Nonnenroth, ferner die Angestellten Wilhelm Mahr und Georg Arnold in Gießen. Die Polizei- Dienstauszeichnung für 25jährige treue Dienste er­hielten bie Polizei-Hauptwachtmeister Heinrich Farr und Christoph Stech in Gießen.

Hitler-Jugend Bann 116.

Fliegergefolgschaft 1/116.

Heute, 19. Juni, treten sämtliche Junggenossen, bie 11939 noch nicht untersucht worben finb, ab 19 Uhr nn der Msbizinischen Klinik zur Nachuntersuchung nn. Mitzubringen ist bas Flugbuch.

BDM.-Llntergau 116 Gießen.

Betr. Handballspiele. Dienstag, 20. Juni, »eginnen wir wieder mit unserem Handballtraining. Üllie Mädel, bie sich bazu gemeldet haben, und wer nch noch melden will, tritt am Dienstag, um 20 Uhr pünktlich, auf dem Universitätssportplatz mit Sport- ;;eug an.

Betr. BDM. - Werk - Gruppe la/116. Sie ganze Gruppe tritt am Dienstag mit Sport- ,eug ebenfalls um 20 Uhr am Universitätssportplatz ;in. Dazu gehören auch alle Mädel, die sonst in Gymnastik sind.

Am Dienstag, ben 27. Juni, ist um 20.15 Uhr .1 m Universitätssportplatz zum Grupp en appell

»reue Dienste erhielten Oberbaurat Martin Regierungsbauräte Joseph ßeinert, Bauamtmann Seba-

Antreten. Nur schriflliche Entschuldigungen werden berücksichtigt.

Kreisschießwettkampf

des NS.-Neichskriegerbundes.

Am Sonntag wurde ber Kreisschießwettkampf im Kleinkaliberschießen bes Kreisoerbandes Gießen des NS.-Reichskriegerbunbes ausgetragen. Zum Teil waren einige Kameradschaften an einem Ort zu- sammengekaßt. Auf dem Schießstanb am Schützen- haus in Gießen trug der größte Teil der Gießener Kameradschaften die Uebungen aus. Schon frühzei­tig herrschte reger Betrieb. Die technische Leitung hatte Schießwart Merlau von der Kriegerkame­radschaft 1874. Im Laufe des Vormittags wohnte auch Kreisfchießwart H a n f f dem Wettschießen in Gießen bei und beteiligte sich selbst bar an, um dann anbere Kamerabschaften aufzusuchen. Da durch ben Appell ber Politischen Leiter verschobene Kamerad­schaften nicht vollzählig antreten konnten, werden diese Kameradschaften ihre Wettkämpfe nachhosen.

Am gestrigen Sonntag beteiligten sich 70 Kamera­den ber Klasse A, unter 50 Jahre und 80 Mann der Klasse B über 50 Jahre. In der Klasse A waren 15 Schuß in drei Anschlagsarten und in der Klasse B 10 Schuß liegend abzugeben. Die Auswertung ber Ergebnisse erfolgte durch bie Schießwarte Mer­lau, Schönau unb Heinrich Kern. Die Be­kanntgabe erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt. An biefem ersten Tage war die Beteiligung eine sehr rege.

Amtsgericht Gießen.

Dr. H. E. in Lich erhielt einen Strafbefehl über 50, RM. wegen fahrlässiger Körperverletzung. Er hat am 22. November 1938 in Watzenborn-Steinberg in einer Straße mit seinem Personenkraftwagen geparkt, ist alsdann nach der Straßenmitte zu rück­wärts gefahren, wobei er einen Unfall mit einem anderen Fahrzeug verursachte. Gegen ben Straf­befehl legte ber Angeklagte Einspruch ein. In ber Hauptverhanblung würbe er einmanbfrei überführt unb erhielt bie gleiche Strafe.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten finb ohne Verbinblichkeit der Schriftleitung.)

DL TS. in G. Ihr Umbauvorhaben stellt einen Ausnahmefall bar. Wir empfehlen Ihnen, einen Antrag mit näheren Angaben (auch Zeichnungen) über ben Umfang des Umbaues unb über den auf» zuwendenden Betrag, beim Stabtbauamt einzureichen. Einen Reichs- ober Gemeindezuschuß zum Her­richten ber Außen front gebt es nur für ben Fall, daß es sich um ein altes fyaus, das unter Denkmal­schutz steht, handelt.

r Spiegel an- e neugierigen

r -and. LöodjangW - er sah ft -

ti Der 2*

nter dem F.1

te i*«

n mar

>- fragte 5er*

der!Bemft*J

*r* 5»?

,iU N *

ar j;5!

ir p Aa5 W

sMch

O6

feg '»'"1

fite

Natürliche Wunder vollbringt der Holunder!

Aus dem Schatzkästlein deutschen VolköwiffenS vom Holderbaum.

Von Werner Lenz.

Anno 1670 fang Casper von Lohenstein, der Poet desArminius", zugleich ehrsamer Ratsherr und Syndikus der guten Stadt Breslau, dem volkstüm­lichen Hollerbüjche ein wahlberechtigtes Preislieb: Es möchten alle Länder der Welt ihre Arznei- bäume rühmen wie sie wollen so reichte doch keiner hierinnen unserem an allen Zäunen und Gräben wachsenden Holder-Baume das Wasser!"

Lohenstein baut wie gleich ersichtlich werben soll auf alter hauswirtschaftlicher Erfahrung auf; unb ba mag es in einer Zeit, ba Deutschland sich mehr und mehr von ausländischen Erzeugnissen ftei- macht, unb zu einer Jahreszeit, wie es unser ber« zeitiger Juni als ber Hochblütezeit ber jetzt viel zu sehr mißachteten Nutzpflanze ist, nicht unangebracht sein, im Volke unb zumal bei seiner hauswirt­schaftlichen Treuhänberin, ber Familienmutter an einige Erfahrungen zu erinnern, bie un­seren Großmüttern zum Segen gereichten. Unb ba gerabe Sonnwendzeit unb Johannistag nahen mit Denen ber Baurn ber Frau Holba eng verknüpft ist, so darf auch ein wenig Volksmystik mit unterfließen. Denn diese ist ja selbst Ausfluß der Erkenntnis natürlicher Kräfte, die in diese unver­wüstlich wuchernde, aber nie wucherische, sondern stets gebefreudige Baumstaude gebannt sind. In Oesterreich sagt man seit alters:Man soll ben Hut norm Holunder abnehmen, denn alle seine Gaben sind nützlich. Wer rücklings an ben Stamm tritt, wird schon durch dessen Nähe von allerlei liebeln kuriert, zum Beispiel von Kreuzweh, Rücken­stichen, Steifnackigkeit."

Hier geht phantastische Verehrung mit natürlich­praktischer Erfahrung Hand in Hand. Hören wir einen Wissenschaftler aus ftiderisianischer Zeit: Die Bluhmen, die Beeren, die Rinde oder der Bast und fast alle andere Stücke sind zur Artzeney dienlich, wie denn bas Wasser unb Muß (Mus) bie gewöhnlichsten Hausmittel finb... Die Blätter heilen Wunben unb gifftiger Thiere Bisse und Stiche, zerqwettschet und auffgeleget Sie haben die Eigenschaft, bie von Brenn-Nessel verursachte Blasen unb Schmertzen zu vertreiben. Holunber-Beeren- Spiritus mit Zucker ist ein sehr bienliches Mittel in bem kürtzesten Äthern. Die gebörrten Beeren haben herrliche Tugenb in ber Wasser-Sucht. Sie machen auch die allzufetten Personen mager, eines Quentleins schwer in weißem Wein etliche Tage nacheinanber eingenommen unb ein klein wenig Zimmet baruntergethan."

Das genannte Holunbermus ist basfelbe, was man in Nieberbeutschlanb Fliederkräube nennt, ba Holunder auch mit Flieber fälschlich, aber volks­tümlich übereingesetzt wirb. Dies Mus ist feit unabmeßbarer Zeit ein Wohltäter in der Familie gewesen, das sich bei allen möglichen Uebelbefinden bewährt, wie schon aus der neuzeitlichen Forschung hervorgeht, die in den zur Musbereitung benötigten Holunderfrüchten folgende Substanzen fest­stellte: ätherisches Del, Zucker, Bitterstoff, Apfel-, Gerb-, Baldrian-, Essig- unb Weinsäure, Harz, Wachs, Gummi. Das ist sicher eine Bestätigung ber Nützlichkeit berFlieberkräube", desHolunber- syrups" ober berHolbersälz", von der anno 1620 ein alter Gelehrter äußerte:Obschon sie eine Bauernarzney zu seyn scheinet, so hat sie doch große

Krafft und Tugendt, ben Schweiß zu treiben.

Unb magenftärfenb ist sie auch! Zumal wenn sie mit Zucker ausgekocht ist! Die Blüten geben ben nieberbeutsch sogenanntenFliebertee". Man sammelt sie jetzt im Juni, trocknet sie recht schnell unb entstielt sie, inbem man sie durch ein Teesieb reibt. Der Aufguß ergibt den Fliedertee, den unsere pommerschen Jungen besingen:

Mutter, koch mir Fliedertee, denn mir tut ber Bauch so weh!"

Nämlich wenn bie Rasselbande zu viel Aepjer beim Nachbarn geflaut hat; drum wird sich der Fliedertee im Hause auch gerade zur bevorstehenden Obstzeit als rechte Remedur empfehlen. Er rührt ab, ist schweißtreibend unb eignet sich vortrefflich auch zum Inhalieren! Vielerorts wurde der Holundertee als Wundlinderungsmittel sowie als Mund- unb Gurgelwaffer mit Nutzen angewandt. Rinbe und Blatt finden Verwendung bei Nieren- unb Leber- leiden. Ein beliebtes Sommergericht der Hausfrau war vielerorts eine Holunderkaltschale so­wie kalte Holundermilch, die beide noch in Koch­büchern erklärt werden. Zumal in bayerischen, böh­mischen, alemannischen Landen weil verbreitet sind als Sonnwendspeise oder Johannistagsgebäck dieHolderhatteln" oderHollerküchlein", die Fieber und Zahnweh vertreiben und überhaupt Wohlbefin­den garantieren sollen; man pflückt die frische Blütendolde vom Hollerbusche, taucht sie in einen Eiermehlteig und bäckt sie in siedendem Schmalz.

Uralt ist Des schlichten Menschen Bekanntschaft und Freundschaft mit dem Holunderstrauche. Der gelehrte Römer Plinius empfahl als Sympathiemittel gegen d i e Masern, die erkrankten Kinder mit Holunderzweigen zu schlagen. Daß unsere ger­manischen Ahnen bereits die Gaben ber Holber- beere anwandten, bezeugen Funde von Holunder­kernen in Pfahlbauten der Steinzeit! Unb, bei solcher Verwurzelung im Volkstum ist es selbstver­ständlich, daß man die Pflanze auch im Kult, später im Aberglauben hochstellte. Die alten Preußen sagten, unter dem Holderbusche wohne der Erdgeist, unb opferten ihm unter dem grünen Laubbache Brot unb Bier. In Schweben goß man noch in ber Neuzeit Milch an die Wurzeln des Holunder­strauches als Opfergabe für die Hausgeister. Dor den Stall gepflanzt, wehrt der Busch die Hexen ab, was durch seine starken Duft um so glaubhafter erschien. In Böhmen macht man mindestens den Stallriegel aus Hollerholz, weil ihn die Unbolbin, die Hexe, nicht zurückschieben vermag. Holunder- zweige steckt man in England und Niederösterreich auf bie Wiese, um bie Maulwürfe und anbere lästige Wühler Hexenplagen! zu oertreiben. Wer einen Holunberstrauch umhaut, hat Aerger zu befürchten; unb wenn berEllhorn" oerborrt, so besagt das auch nichts Gutes für das Haus, zu dem er gehört. Wo ein Holunderstrauch steht, sagt man feit langen Jahrhunderten, ist ein Schatz verborgen? Wir möchten nach ben knapp dargestellten Vor­zügen des Holunderbaumes sagen: wd ein Holunder- busch steht, blüht und grünt, ist ein wahrer Schatz sichtbar; denn ber Holunder, sambucus nigra, ist wie ein berühmter Volkskundler sagtdie lebendige Hausapotheke des deutschen Einödbauern".

Q.JL-fport

Neuer Sieg der NSKK.-Mannschast.

Mit ihren schönen weißen DMW.-Sportwagen. der Zweiliterklasse schlug sich bie NSKK.-Renn- mannschast beim 24-Stund euren neu von Le Mans ganz ausgezeichnet. Gegen Wagen mit weit größerer, ja doppelter Motorstärke belegten Ostubf. Prinz Schaumburg/Wenscher in der Gesamt­wertung den fünften Platz, Ostuf. Röse/Heinemann den siebten und Briem/Scholz denn neunten Platz. Das Rennen wurde mit ber neuen Rekordleistung von 3350,744 Kilometer und einem Durchschnitt von 139,781 km/st von Wimille/Deyron (Frankreich) auf dem Bugatti-Kompressor gewonnen. Die drei deutschen BMW. wurden überlegene Sieger ihrer Klasse.

SaarbrückenFrankfurt a.M.

15. Etappe der Deutschland-Rundfahrt.

Die 15. Etappe der intematiohalen Großdeutsch­land -R ad rund f ahrt von Saarbrücken nach Frankfurt am Main über 263,4 Kilometer brachte am Sonn­tag erst auf ben letzten 30 Kilometer erbitterten Kampf. 44 Fahrer waren am Morgen in Saar­brücken gestartet. In ber Verpflegungskontrolle Ludwigshafen (132,1 Kilometer) führte ber Biele­felder Langhoff, ber es auf eine Spurtprämie ab­gesehen hatte, mit drei Sekunden Vorsprung vor

dem geschlossen nachfolgenden Felde. Ueber die Bergstraße gelangten die Fahrer bis kurz vor Langen, wo dann die Entscheidung fiel. Niemand glaubte mehr daran, daß auch diesmal eine Massen- antunft zu vereiteln fein würde. Da traten ber kleine Magdeburger Weckerling unb Der schnelle Düsseldorfer Fischer an. Sie enteilten beibe bem bunten Troß und erkämpften sich bis zum Ziel fast einen Vorsprung von zwei Minuten. In verbissenem Endspurt, ben ' der Magdeburger offenbar etwas zu früh anzog, siegte der Düsseldorfer Fischer nach einer Fahrzeit von 7:28:24 Stunden mit Hand­breite vor Weckerling. In 7:30:08 führte der Schwei­zer Olympiadritte Nievergelt weitere fünf Mann ins Ziel. Die Spitzenreiter der Gesamtwertung, Unibenhauer, Scheller, Zimmermann, Dübron usw. lagen in der Hauptgruppe, so daß sich in ber Gesamtwertung nichts geändert hat.

Neue deutsche Leichtathletik-Nekorde.

Drei deutsche Rekorde fielen beim Leichtathletik- Sportfest in Erfurt vor 7000 Zuschauern. Äakob (Berlin) verbesserte den 1000-^Meter-Rekord Dr. Pel­zers von 2:25,8 auf 2:25,0, ber KTD. Wi11en - berg lief bie 3X1000 Meter in 7:31,9 gegenüber 7:33,2 ber alten Bestleistung, unb bie Frauen bes S C. Charlottenburg schraubten den 4X100- Meter-Rekord des Dresdner SC. von 48,7 auf 48,1 Sekunden.

Hitler-Ägend in Vannsportweiikämpfen.

Der gestrige Sonntag sah noch einmal die Hitler- Jugend des Bannes 116 zu ben oerschiebensten Wettbewerben im eblen Wettstreit. Ruderer, Rad­fahrer, Schwimmer und Wehrsportfünfkämpfer ran­gen um den Sieg.

Bei den Radfahrern.

Während die Bannmeisterschaft über 50 Kilometer als auch die Austragung desErsten Schrittes" am kommenden Sonntag im Rahmen _ desGroßen Straßenpreises von Gießen" durchgeführt wird, fan­den gestern die beiden anderen Disziplinen der Rad­sportwettkämpfe statt. Zunächst wurde eine Sta­fette über 50 Kilometer gestartet. Zwei Mann­schaften zu je sechs Mann stellten sich dem Starter. Die Strecke führte vom Schützenhaus in Richtung Reiskirchen bis zum Kilometerstein 6 (Nähe Wasser­werk) und zurück. Diese Streife mußte von jedem Fahrer durchfahren werden. Der Stabwechsel er­folgte jeweils am Schützenhaus. Die beiden Kefolg- schäften 2/116 und 4/116 lieferten sich einen erbit­terten Kampf. Insbesondere stellte ber Wasserwerks­berg an bie Teilnehmer große Anforderungen, ber auch bie Entscheidung in diesem Wettbewerb brachte. Bei den beiden ersten Stabwechseln konnte noch bie Mannschaft ber Gefolgschaft 4/116 mit einigem Vor­sprung in Führung bleiben, bann aber holte bie Gefolgschaft 2/116 auf unb konnte in einer Fahrzeit von 1,49 Stunben den Sieger stellen. Die Mann­schaft der Gefolgschaft 4/116 benötigte 1,50 Stunden.

Nachdem die Stafette gestartet war, erfolgte der

Start zur Geländeorientierungsfahrt. In diesem Wettbewerb mußte eine Strecke von etwa 8 Kilometer durchfahren werden. Zunächst mußte jede Mannschaft vor dem Start sich von einer Karte bie genaue Streckenführung abzeichnen. Sodann führte die Strecke vom Schützenhaus in Richtung Reiskirchen bis zur Dritten Schneise, von ba in Richtung Fliegerhorst zur Sandgrube. Hier mußte von jeder Mannschaft ein Ballon abgeschossen wer­den. Wetter ging Die Fahrt auf schlechten Feld- unD Waldwegen nach Wieseck, von hier in Richtung Gießen bis zur Feuerbachftraße nach dem Phllo- sophenwald zur Liebigshohe. Hier mußte aus jedem Vorderrad die Luft abgelassen und dann wieder aufgepumpt zum Ziel gefahren werden. Es muß besonders hervorgehoben werden, mit welcher Be­geisterung in Diesem Wettbewerb hier die jungen Pimpfe bei ber Sache waren, unb bie Ergebnisse beweisen, welche Energieleistung von den Jüngsten aufgebracht wurde. Bei dieser Hebung wurde bie reine Fahrtzeit und Die geschlossene Ankunft Der vier Fahrer jeder Mannschaft gewertet. Insgesamt gingen zehn Mannschaften an den Start. Den Sieger stellte bie zweite Mannschaft des Fähnleins 2/116 mit einer halben Minute Vorsprung von ber ersten unb zweiten Mannschaft des Fähnleins 3/116. Die Leitung ber Rabsportwettbewerbe hatte Sann- fachwart Emil Muhl.

Die Ergebnisse:

Stafettenfahrt über 50 KNometet bei HI.; Sieger Gefolgschaft 2/116, 1,49 Stö»