Nr. 16 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)' Donnerstag, 19.Zanuar 1939
man cs finden, daß er
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Vortragsabend.
Nass UattÜWNlVEA
dem seine Beine oder waren, ging an diesem
Schon abends die Haut gut vorbereiten. Gesicht u. Hände mit Nivea-Creme pflegen, das macht die Haut widerstandsfähig gegen Wind und Wetter.
VDM.Werkgruppe IV/116, Schar 1 und 2.
Alle Mädel von Schar 1 und 2 treten am Freitag, 20. Januar, 20.15 Uhr, an der Aliceschule in der Steinstraße an.
nen Stütze verhindert und höht wurde. Nur jemand, Füße nicht ganz zu Willen Stock.
Wahrnehmung Mädchens nur in seiner Hand formte.
glücklich, daß die Behinderung des eine vorübergehende und der Stock nur ein ungewohnter Nothelfer sein P.B.
Straßenbahnschienen zu entfernen, wie auch das Strahenbahngleis vom Marktplatz ab durch die Neuen Bäue endgültig verschwinden wird.
Der Straßenbahnbetrieb der Zukunft wird sich in folgender Weise abwickeln: Die Linienführung geht (wie bisher) vom Bahnhof aus durch die Liebigftraße—Frankfurter Straße—Seltersweg— Kreuzplatz — Marktplatz — Lindenplatz — Walltor — Marburger Straße — Wieseck bzw. Friedhof auf dem Rodberg. In dieser Richtung werden die Straßenbahnwagen vom Bahnhof aus durch die Stadt verkehren. In umgekehrter Richtung, also vom Bahnhof bzw. von Wieseck her, werden die Straßenbahnwagen bis zum Marktplatz auf der jetzigen Linie fahren, dann aber wird die weitere Fahrt durch die Marktstraße — Bahnhofstraße — Bahnhof gehen. Damit wird auch der bisher schon immer als völlig überflüssig angesehene Parallelverkehr der Straßenbahn zwischen Marktplatz und Bahnhof verschwinden, es werden aber weder der Seltersweg, noch die Bahnhofstraße auf den Straßenbahnbetrieb verzichten müssen, so daß also beide „ihre" Straßenbahn behalten werden, nur je- weil in einer Fahrtrichtung.
Die Oberleitungsomnibusse werden künftig den Verkehr an Stelle der bisherigen „roten Linie" übernehmen, allerdings mit wesentlichen Steuerungen und Erweiterungen der Strecke. Zur Einrichtung dieses neuen Verkehrsmittels, das nicht an Schienen gebunden, also freibeweglich im Raume der Fahrbahn ist, werden zwei Oberleitungen geschaffen, durch die der elektrische Strom für den Antrieb der Omnibusse zugeführt wird. Diese Omnibusse, deren zunächst vier. Stück in den Verkehr eingesetzt werden sollen, können als schienenlose Fahrzeuge ausweichen und bis an die Bürgersteige heranfahren, so daß also gar manches „Verkehrsgedränge" in den Straßen, das bisher mit allerlei Gefahren für die ein- und ausfteigcn- den Fahrgäste verbunden war, in Zukunft aus geschaltet sein wird, weil eben die Omnibusse bis an den Bürgersteig zum Ein- und Aussteigen heranfahren. Diese Omnibusse werden auch die Fährverbindung durch die Kaiserallee bis zum Fliegerhorst, ferner durch die Licher Straße bis hinaus zur W a l d k a s e r n e Herstellen. Erfreulicherweise ist also damit nun auch die Möglichkeit vorhanden, — da der schienenlose Omnibus den Bahnkörper überqucrcy darf, im Gegensatz zur schienengebundenen Straßenbahn —, den Soldaten in der Wald- kaserne ein von der Stadt aus bis vor das Kasernentor fahrendes Verkehrsmittel zur Verfügung zu stellen.. Den Anschluß dieser Außenbezirke im östlichen Stadtteil'an die Stadtmitte stellen diese Omnibusse ebenfalls her. Da von den Ostbezirken aus aber auch oft mit außerordentlichem Derkehrsandrang zu rechnen ist, sog. Stoßverkehr, bei dem große Menschenmengen in kurzer Zeit befördert werden müssen, sind auch A n - Hängewagen für die Omnibusse vorgesehen, so
Aus der Stadl Gießen.
Ein Spazierstock fällt auf.
Er stand im Schaltervorraum eines Postamts neben einem Schreibpult ein wenig schräg gegen die Wand gelehnt. An dem Pult schrieb ein junges schlank aufgeschlossenes Mädchen in sehr geschmackvoller Kleidung einen Brief. Handtäschchen und Handschuhe, beide schwarz wie das keck sitzende Spitzhütchen und der modern garnierte Mantel, lagen neben dem zart rosa getönten Briefbogen. Das Gesicht des Mädchens, in dem zwei dunkle Augen träumerisch glänzten, war von einer inneren Freude wundersam erhellt. Es sprach von einem heimlichen Beglücktsein, das vielleicht ein empfangener Brief verursacht hatte, auf den jetzt aus überströmendem Gefühl sich die Antwort formte.
Das Mädchen war ganz in sein Schreiben vertieft, konnte also kaum wahrgenommen haben, wer den Stock da hingestellt hatte. Möglicherweise war er sogar eher dagestanden als die hübsche Schreiberin. Von den Leuten, die vor mir oder an den übrigen
Wilhelm Schäfer liest in Gießen.
Am Montag, 23. Januar, wird der Dichter Wilhelm Schäfer auf Einladung des Goethe-Bundes und des Kaufmännischen Vereins in Gießen aus eigenen Werken lesen. Aus dem reichen literarischen Schaffen des 70jährigen Dichters sei hier nur genannt sein großes geschichtliches Werk „Dreizeyn Bücher der deutschen Seele". Wilhelm Schäfer wird auch in Gießen zu einer großen und dankbaren Zuhörerschaft sprechen können. Die Dichterstunde wird eine eindrucksvolle Umrahmung erhalten, da es gelungen ist, die Pianistin Hilde Sander zu gewinnen. Zur Einleituna des Abends wird die Künst-
Straßenbahn - Trollomnibus - Diefelomnibus in Gießen
Großzügige Umgestaltung her städtischen Verkehrseinrichtungen mit gleichzeitiger Verkehrserschließung neuer Stadtteile.
Um so auffälliger mußte noch nicht vermißt und geholt worden war. Es gab nur eine Erklärung und Lösung des Rätsels: der
alte Herr oder die alte Dame, die cm dem Stock bedächtig zu gehen pflegte, war im Schalterraum einem guten Bekannten oder einer Freundin begegnet und man hatte sich nach herzlicher Begrüßung und in anregendem Gespräch Arm in Arm entfernt ohne den treuen Begleiter beim Schreibpult, der stumm und geduldig wartete, auch nur noch eines Blickes zu würdigen.
Jedenfalls beschloß ich, vor meinem Weggehen, den Stock am Schalter abzugeben, damit er ordnungsgemäß aufbewahrt würde. Als ich mich an- schicktc, meinen Vorsatz auszusühren, war die schöne Briefschreiberin gerade dabei, ihre Handschuhe anzuziehen. Dann streckte sie den linken Arm nach — dem Stock aus, faßte jedoch ein wenig ungeschickt zu, so daß der Silbergriffige umfiel. Ich bückte mich rasch und gab ihm dem Mädchen in die Hand, das über seine holde Unbeholfenheit errötend mit einem kleinen Lächeln dankte und — langsam und schwerfällig auf den Stock gestützt und das linke Bein nachziehend, zum Briefeinwurf ging.
Betroffen sah ich einen Augenblick der schlanken wohlgewachsenen Gestalt nach, dann machte mich die
ferin die Klaviersonate in B-dur Nr. 16 von Beethoven spielen. Anschließend wird Wilhelm Schäfer seine Anekdote „Beethoven und das Liebespaar" lesen.
Naturwissenschaftlicher Vortragsabend.
Die Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde veranstaltet in der Gemeinschaft mit der Ortsgruppe Gießen des Deutschen Biologenverbandes am morgigen Freitag, 20. Januar, im Forst- institut, Braugasse, einen Vortragsabend. Professor Funk spricht über das Thema „Neue Wege in der Erforschung des Laubblattes".
Schaltern zerstreut abgefertigt wurden, 'war niemand so alt oder gebrechlich, daß er als Besitzer des Stocks in Frage gekommen wäre. Denn dieser kräftige schwarze Stecken, von einer handfesten silbernen Krücke gekrönt, trug an seinem Ende eine dicke Gummihülse über der Zwinge, wodurch ein Fortgleiten der zweifellos bei jedem Schritt aufgestoße- '' ' v ihre Zuverlässigkeit er-
Dornotizen.
Tageskatender für Donnerstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Lauter Lügen". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Menschen, Tiere, Sensationen". — Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde: 20.15: Universitäts-Aula, Lichtbildervortrag Professor Klute „Oesterreich, die deutsche Ostmark, in Natur, Kultur und Wirtschaft". — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand.
Kolonialproblem und Rassengedanke.
lieber dieses Thema spricht am Samstag, 21. Januar, 20.15 Uhr, in der Aula der Universität Dr. Hecht, der Referent im Rassenpolitischen Amt der Reichsleitüng der NSDAP., in einem vom NSD.- Dozenten^und und dem Reichskolonialbund veran-
Auf dem Wunschzettel der Gießener Bevölkerung und der Verwaltung unserer Stadt steht schon seit Jahren der bedeutsame Punkt: Straßenbahn und Verkehrserschließung in den neuen Stadtvierteln. Der „Gießener Anzeiger" hat bereits in früheren Jahren wiederholt auf diese, für die weitere Entwicklung unseres Gemeinwesens geradezu als Aufgabe ersten Ranges zu bezeichnende Aufgabe hingewiesen. Niemals ist man sich im Zweifel darüber gewesen, daß diese Neugestaltung unserer städtischen Verkehrseinrichtungen in der Rangfolge der kommunalen Arbeit mit zu den Angelegenheiten gehört, für die man in jedem Jahre nach einer Möglichkeit der Lösung Umschau hielt. Leider ergaben sich bis zur Zeit der Machtübernahme dafür keine positiven Anhaltspunkte, und auch in den bisherigen Jahren des großen Aufbauwerkes standen andere, noch wichtigere Aufgaben zur Lösung, für die alle Kraft eingesetzt werden mußte. Nunmehr ist aber auch die Angelegenheit der Neugestaltung des Straßenbahnbetriebs und der Erschließung weiterer Stadtgegenden durch neuzeitliche Verkehrsmittel in das Stadium der Verwirklichung eingetreten.
Seit einigen Wochen wissen wir von unterrichteter Seite unserer Stadtverwaltung, daß 'm Jahre 1939 die sog. Straßenbahnfrage in Angriff genommen und einer baldigen Lösung zugeführt werden soll. Aus besonderen Gründen mußte bisher über diese sehr bedeutsame Angelegenheit noch Stillschweigen bewahrt werden: auch eine Tagung von Fachmännern des Straßenbahn- und Omnibusver- kehrswesens, die in der vorigen Woche in Gießen stattfand, konnte sich deshalb nur im Rahmen einer internen Aussprache abwickeln, obwohl bei jener Besprechung der Fachmänner die Gießener Neuordnung der Verkehrseinrichtungen mit im Mittelpunkt der Tagungsarbeit stand. Heute kann nun Näheres über die großzügigen Umgestaltungspläne der Stadtverwaltung zur Befriedigung der feit Jahren bestehenden Verkehrswünsche mitgeteilt werden.
Künftighin wird unsere Stadt zwei öffentliche Verkehrsmittel besitzen: die Straßenbahn und einige Oberleitungsomnibusse, sog. Trollomnibusse. Allerdings wird die Straßenbahn gegenüber dem jetzigen Zustand eine wesentliche Einschränkung ihrer Strecke erfahren, denn das Gleis vom Marktplatz über den Ludwigsplatz bis zur Bleidorn- (Artillerie-) Kaserne wird in Fortfall kommen. Aus diesem Grunde werden auch bei der weiteren Umgestaltung, d. h. der Verbreiterung der Licher Straße von dem Kreuzungspunkt an der Moltkestraße/.Kaiserallee bis hinauf zur „Stadt Lich" die Straßenbahnschienen jetzt schon nicht mehr gelegt, sondern völlig ausgeschaltet werden. Natürlich sind nun auch die bei den Umbauarbeiten während der letzten Monate in der Gartenstraße, am Ludwigsplatz und in der unteren Kaiserallee neu verlegten
daß die Möglichkeit gegeben ist, bei einer einzigen Fahrt des Omnibusses mit Anhänger glatt rund 100 Personen, vielleicht auch noch etwas mehr, befördern zu können. Das Warten an Haltestellen kommt dann auch nicht mehr in Betracht, da diese Fahrzeuge natürlich bei der doppelten Stromführung auf einen entgegenkommenden Wagen nicht zu warten brauchen, sondern aneinander vorbeifahren können. Der Verkehr wird also auch flüffiaer werden. Der Trollomnibus, der die dienstliche Bezeichnung „Obus" (Oberleitungsomnibus) führt, soll in folgenden Straßen fahren: vom Bahnhof durch die Bahnhofstraße, Ecke Horst-Wessel-Watt, (Eafe Hett- ler, Hindenburgwall, Gartenstraße, Ludwigsplatz, Kaiserallee, Fliegerhorst bzw. (Gabelung der Linie) Ludwigsplatz, Kaiserallee untere, Licher Straße, Verdun-Kaserne und umgekehrt.
Zur Erschließung des Südviertels, die ebenfalls schon seit Jahren ersehnt wird, sollen gleichfalls Omnibusse eingesetzt werden, die allerdings durch eigene Motorenkraft bewegt werden. Diese Omnibusse sollen in ihren Raumverhältnissen ebenfalls so gestaltet sein, daß sie weitgehenden Ansprüchen genügen können, auch dann, wenn Massenverkehr zu bewältigen ist. Vor allem wird hier zunächst das Klinikviertel mit seinen anliegenden Straßen als Nutznießer in Betracht kommen, aber auch unser Vorort Klein-Linden, als Gießener Stadtteil ab 1. April, wird davon in vorteilhafter Weise berührt werden. Diese Omnibuslinie 'wird natürlich in engste Beziehung zur Straßenbahn und zu den Trollomnibussen gebracht werden, io daß der Fahrgast jederzeit die Möglichkeit des Umfteigens von dem einen Fahrzeugtyp in den anderen bekommen wird. Auch in der Zeitfolge des Wagenverkehrs wird alles geschehen, damit der Verkehr glatt und « flüssig bleibt, d. h. das 7V- - M i n u t e n p r i n z i p wird bewahrt bleiben. Mit diesem Fahrzeug Omnibus wird aber auch eine gute Fahrverbindung durch dje Stadtmitte eingerichtet und dieser Teil der Stadt dadurch in Fährverkehr mit dem Südoiertel gebracht. Die Linie dieses Fahrzeugs ist wie folgt vorgesehen: Ausgangspunkt Ludwigsplatz (Umsteigen vom Trollomnibus), Marktplatz, Lindenplatz, Dammstraße, Wernerwall, Horst-Hessel-Wall, Frankfurter Straße, Klinikviertel, Uhlandstraße, Röntgeystraße, Ludwigstraße, Ludwigsplatz bzw. Gegenverkehr in der umgekehrten Richtung.
Der Zeitpunkt für den Beginn der Verte h r s u m g e st a l t u n g dürfte wohl in nicht allzu weiter Ferne liegen, denn sobald die Genehmigung der Aufsichtsbehörde (Landesregierung) vorliegt, soll mit der Verwirklichung dieses Projekts begonnen werden. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß die Arbeiten vielleicht in der Zeit des Spätfrühlings oder Frühsommers beginnen und dann in so rascher Folge abgewickelt werden, daß der Verkehr mit den neuen Einrichtungen noch i m ßaüfe des Sommers oder Spätsommers aufgenommen werden kann.


