Ausgabe 
18.12.1939
 
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meinte) ein Schritt in der Richtung eines Versuches zur Weltherrschaft?"

Innerhalb von 48 Stunden hatte also Chamber­lain sich, genau wie nach München, entgegen dem ursprünglich eingenommenen sachlichen Standpunkt der Zielsetzung und Phraseologie des Kriegshetzer- klüngels vollständig unterworfen! Diese Zielsetzung aber hieß: Vernichtung Deutschlands. Uni) zur Begründung desneuen Kurses" mußte ausgerechnet die tschechische Frage herhalten, deren deutsche Lösung soeben noch von der britischen Re­gierung akzeptiert worden war. E. S.

Dichter und Kämpfer."

Alfred Rosenberg auf einerBerliner Morgenfeier derNSDAP

Berlin, 17. Dez. (DNB.)Dichter und Kämp­fer" unter diesen Leitworten stand die Mor­genfeier der NSDAP, aus Anlaß der h. Reichstagung des Amtes Schrifttumspflege im Berliner Schillertheater. Mit den führenden deut­schen Dichtern, den Vertretern des kulturellen Le­bens der Reichshauptstadt hatten sich Angehörige der deutschen Wehrmacht, viele Verwundete aus Berliner Lazaretten, zu einer festlichen Stunde der Besinnung auf die ewigen Werte des deutschen Volkstums vereint. Soldaten und Dichter hatten sich zusammengefunden, um, wie Reichsleiter Rosen­berg in seiner Ansprache betonte, inmitten des heutigen Kampfes all jener Stimmen zu gedenken, die einmal in der deutschen Geschichte sich erhoben

haben, um für die Seele der Deutschen zu sprechen, ihre Werte zu verehren und sie als Kraft einzusetzen in dem gegenwärtigen Daseinskampf unserer Na­tion. Sie haben den tiefen Sinn des deutschen Le­bens verkündet und durch alles Vergängliche, Zeit­bedingte hindurch jenes Edeltum der Seele gesichert, das die Kämpfe des Daseins trägt, ja die Menschen zu diesen Kämpfen erst wirklich fähig macht. Und wir begreifen dann, daß der Staat mehr ist als die Summe seiner Gesetze, daß das Volk mehr ist als die Summe seiner Angehörigen: daß es die Einheit aller großen Schöpfungen aus grauer Vorzeit bis zur Gegenwart ist, die wir wei­ter zu festigen berufen sind. Die Volksseele ist eine nicht weiter erklärbare, nur in der Kraft der gro­ßen Tat und in der Kunst des Genies auftauchende beispielgebende Wesenheit, welche das Gemüt auch des Alltagsmenschen bewegt und in schweren Tagen auch seiner Seele die Kraft gibt, sich mutig einem großen Schicksal zu stellen. Es wird sich jeder die Frage beantworten können, ob er wirklich sich be­mühte, jeneEinheitderinnerenKraftzu begreifen, die heute den deutschen Soldaten und den deutschen Sänger als verschiedene Erschei­nungsformen der gleichen deutschen Volksseele zu­sammengefügt. Er wird dann verstehen, daß In­stinkt und Tat und Instinkt und Schau im Grunde das gleiche sind, und daß Gestalt im Werk, Gestalt im Gemüt zusammen die Gestaltdes Lebens bedingt. Diesem immer erneut sich im Kampf be­währenden Leben dienen wir alle und diesen Dienst siegreich durchzuführen in der Verteidigung hoher Werte ist bve höchste Pflicht unseres Daseins.

Lommodore Ahrens über die Heimfahrt derBremen".

Berlin, 17. Dez. (DNB.) Kommodore Ahrens, der mit einer Abordnung derBremen"-Besatzung in Berlin weilt, benutzte die Gelegenheit seines kur­zen Aufenthaltes in der Reichshauptstadt, um vor Vertretern der In- und Auslandspresse über seine abenteuerliche Fahrt zu sprechen. Die Verzögerung bei der Ausfahrt in Neuyork sei insofern reckt gut gewesen, als dieBremen" nunmehr fast gleich­zeitig mit drei anderen Schiffen, dar­unter dem englischen DampferCalifornia", aus dem Hafen fuhr. Diesen Schiffen konnte ich ja nun zeigen, daß ich offenbar nach den Azoren fahren wollte. Ich steuerte mit h e l l st e r B e- leuchtung davon später allerdings war die Bremen" mit einem Schlage dunkel und ver­schwand. Kommodore Ahrens erklärte, daß zwei englische Kreuzer, dieBerkshire" und ein anderer Kreuzer, von Halifax und den Bermudas ausliefen, um die Jagd nach derBremen" aufzunehmen. Gleich zu Beginn der Reife gelana es jedoch, die Verfolger abzuschütteln. In besonders herzlichen Worten rühmte Kommodore Ahrens die Gastfreundschaft, die die Besatzung derBremen" in dem neutralen Hafen gefunden hat, den sie zu­

nächst anlief, in Murmansk. Sogar Kinovor­stellungen und artistische Darbietungen seien für die Besatzung veranstaltet worden.Ich hatte meinen Leuten schon gesagt", fuhr Kommodore Ahrens fort, daß das Schiff verholen und eine andere Bucht aufsuchen müsse. Aber diese Bucht liegt in D e u t s cy- land. Macht Ähr alle mit? Ich sage Ihnen, die Kerls haben gebrüllt vor Freude. Sie haben aufge­paßt wie die Schießhunde. Sie haben Tag und Nacht kein Auge zumachen dürfen. Dieser Besatzung haben wir es zu verdanken, daß die Fahrt glücklich gelang nicht zuletzt aber auch mit Hilfe unserer Wehrmacht. Also hieß es: Alle Pferde aus dem Stall: Mit 120 000 PS los!"

Ass man sich erkundigte, ob dieBremen" im Ge­leit deutscher Kriegsschiffe gefahren sei, erwiderte er:Nein, wir haben kein deutsches Kriegsschiff ge­sehen, nur deutsche Flieger, die ja die Nord­see bekanntlich unter sich haben", oder auf die Frage, ob dieBremen^ bewaffnet gewesen sei, meinte Ahrens schlagfertig:DieBremen" ist niemals bewaffnet gewesen. Nur mit einer guten Geschwindigkeit!"

Den Engländern ein Schnippchen geschlagen.

Mit Holzfeuerung und behelfsmäßigen Segeln von Australien nach Chile.

Berlin, 17. Dezember. (DNB.) Wie ein deut­scher Dampfer den Engländern ein Schnippchen schlug und auf abenteuerliche Weise schließlich in einen neutralen südamerikanischen Hafen gelangte, zeigt der Bericht des Kapitän des Dampfers Erlangen" des Norddeutschen Lloyd. Der Dampfer hatte Ende August in dem Hafen von Dunedin auf Neuseeland seine Ladung gelöscht und wollte einen australischen Hafen zur Ergänzung seines Kohlenvorrats anlauten. Unterwegs erhielt er Nachricht von der drohenden Kriegsgefahr. Dar­aufhin beschloß Kapitän Grams, sofort die Haupt- dampferlinie zu meiden. Es gelang ihm, einen gro­ßen Haken zu schlagen und ohne Lichter säMeß- lich eine unbewohnte Insel zu finden. Der Ankerplatz war von der See her nicht einzusehen. Die Besatzung fand hier ein Proviantdepot für Schiffbrüchige. Kapitän Grams entschloß sich zur Kostenersparnis für den Bordbedcrrs, für Heizung, Kühlmaschine und Küche, die nötige Holz­menge zu schlagen, zu zerkleinern und an Bord zu bringen.

Während das ganze technische Personal das Fäl­len und Sägen des Holzes übernahm, waren die Matrosen mit dem Transport und dem Verstauen des Holzes beschäftigt. Auf diese Weise gelang es, innerhalb eines Monats Über 400 Tonnen Holz cm Bord zu schaffen. Der Weg nach Südamerika betrug etwa 5000 Seemeilen. Natürlich mußten Strömungen und gute Winde ausgenutzt werden. Der Erste Offizier Löhndorf fertigte aus den Luken- Persenningen und imprägnierten Kleidungsstücken Segel an. Die Ladebäume wurden zu Rahen umgebaut, so daß aus dem DampferErlangen" schließlich ein stolzes Segelschiff geworden war.

Anfang Oktober konnten wir es nur unter Aus­nutzung aller Winde wagen, die Fahrt nach Südamerika anzutreten. Wir rechneten etwa mit 20 Tagen Reifezeit. Langsam und unter stän­digem Loten kamen wir von der Küste fort und er­reichten schließlich die See. Mr hatten unserem

Schiff eine Tarnbema luna gegeben, alle Pläne und Papiere vernichtet und schließlich alles fertigemacht, um nötigenfalls das Schiff zu ver­nichten, wenn sich uns englische Kriegsschiffe nähern sollten.

Es herrschten ungünstige Winde, Windstärke 6 und schwere See, als das Schiff schließlich auf Fahrt war. Neun Tage lang segelte das Schiff nach Osten. Die einziye Verbindung der Besatzung mit der Heimat mar in all den Wochen der deutsche Rundfunk. Die Sendungen des deutschen Kurz­wellensenders unterrichteten den Kapitän und die Besatzung täglich über die politische Lage und halfen ihm, feine Entschlüsse zu fassen. Bei Flaute wurde mit Maschinenkrast gefahren, weil Trinkwasier und Proviant ja nur für eine beschränkte Zeit ausreichen konnten. Während der ganzen Fahrt war das ge­samte Personal an Wochen- und Sonntagen vier­zehn Stunden täglich eingesetzt, um die an Bord gebrachten Stämme zu zersägen und zu spalten. Am 11. November um 7 Uhr morgens konnte die chilenische Küste erkannt werden. Am 12. November nachmittags lief das Schiff in einen chilenischen Hafen ein. Es war 1507 Seemeilen ge­segelt und 3319 Seemeilen mit immer wechselndem Kurs gedampft. Es hatte nicht nur den größten Teil der Kohle und des geschlagenen Holzes ver­braucht, sondern auch den gesamten Bodenbelag in den meisten Räumen und einen großen Teil der Lukendeckel und Bilgendeckel. Um die Ernährung sicherzustellen, gab es schon vom 30. August ab nur noch Eintopfgerichte. Proviant und Trinkwasser wurden rationiert. Kartoffeln, Frischgemüse und Mehl gab es nicht mehr. Als Ersatz wurde Reis zweimal durch die Kaffeemühle gemahlen und bar- aus ein Brotersatz hergestellt. Die einzige Delikateste während der ganzen Fahrt waren ein paar hundert Flaschen Bier, die sich noch an Bord befanden. Ganz Deutschland kann stolz sein auf die Besatzungen seiner Handelsflotte, die gezeigt haben, was echter deutscher Seemannsgeist vermag.

An Nord desAdmiral Gras Spee".

Montevideo, 16. Dez. (Europapreß.) Unser Korrespondent hatte Gelegenheit, sich an Bord des PanzerschiffesAdmiral Graf Spee" zu begeben. Was er auf dem Panzerschiff gesehen hat, und was ihm die deutsche Besatzung erzählte, soll in folgendem geschildert werden: In der Messe, wo der Komman­dant und feine Offiziere versammelt sind, hören wir nähere Einzelheiten über bie Fahrt, die derAdmiral Graf Spee" hinter sich hat, und über den Kampf gegen einen an Zahl weit stär­keren Gegner. Hundert Kleinigkeiten an Bord ver­raten, daß das Schiff feit langer Zeit von der Heimat abwesend ist. Jetzt wird beim Abendessen nach langen Wochen zum erstenmal wieder Obst gereicht, das ein im Hafen liegender deutscher Frachtdampfer den Blauen Jungen aus seiner Ladung zur Verfüaung gestellt hat. In der Offiziersmesse haben Granatsplit­ter einige Spuren hinterlassen und den Advents­kranz an der Decke getroffen. Dieser Advents­kranz ist das erste Zeichen der vorweihnachtlichen Stimmung, die auf dem Schiff herrscht, obwohl die Umgebung hochsommerlich ist. Trotz aller Aufregun-

gen der letzten Taae wurde auch an Bord bereits ein Weihnachtsbaum kunstvoll hergeftetlt

Daß das Panzerschiff die Feuerprobe am La Plata heldenhaft bestanden hat, dafür zeugt nicht nur der Ausgang des Kampfes, sondern davon S ebenso die kleinen Schilderungen über den rf des Gefechts. Darin wird ein vorbild­licher persönlicher Einsatz aller Be­satzungsmitglieder und eine ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen ihnen deutlich. Der Kommandant des Schiftes, Kapitän zur See Langsdorfs, wurde während des Gefechts ein­mal von einem Granatsplitter leicht am Kopf und ein anderes Mal an der Schulter getroffen. Durch die Gewalt eines Einschlags wurde der Komman­dant zu Boden geworfen. Er erhob sich aber sofort wieder und leitete den Kampf trotz den Verwun­dungen bis zum Ende. Mit besonderer Anerkennung berichteten die Offtziere über das Verhalten eines ihrer gefallenen Kameraden. Ihm wurden beide Beine abgeschossen. Sein Gefickt strahlte aber glück­lich auf, als ihm gesagt wurde, daß der britische

Die große außenpolitische Rede Gras Llanos.

Graf Ciano beleuchtete bann die Gründe für bitz Spannung zwischen Deutschland und Polen und umriß die Wechselfälle der deutsch-polnischen Beziehungen und die Abwege der Epigonen Pil- sudskis, die zu immer gefährlicheren Initiativen ge­griffen hätten. Der Duce habe schon im Mai die Aufmerksamkeit der englischen Regierung auf die Folgen gelenkt, die die bedingungslose Go. r a n t i e in den Händen der polnischen Negierung für einen Frieden Europas haben mußte. In der Tat weigerte sich Polen, durch diese Garantie stack gemacht, den Weg der Aussöhnung zu gehen, als noch größte Möglichkeiten der VerstäMgung be­standen.

Graf Ciano ging sodann auf die Salzburger Be­sprechungen mit dem Führer und dem Reichsaußen­minister ein. In diesen Besprechungen habe der Führer wiederholt seinen Willen kundgetan, unter allen Umständen eine Verallgemeinerung der Krise zu vermeiden. Don da an sei es für die Rettung des Friedens notwendig gewesen, eine Geste zu machen, die Deutschland die Aner­kennung seines guten Rechtes sicherte und die Atmo- sphäre des Vertrauens für etwaige Verhandlungen j vorbereitete. Der Außenminister erwähnte airschlie. , ßend die deutsch-russische Annäherung, die dem Canossagang der Westmächte und ihren Versuchen folgte, Rußland zu einer militärischen j Zusammenarbeit zu bringen. Heber die russische. Frage fei zwischen der Reichsregierung und Italien! bereits im April und Mai im Sinne einer Ent­spannung gesprochen worden.

Ciano skizzierte dann den letzten Versuch des Duce, zur Beilegung des Konfliktes eine inter« nationale Konferenz einzuberufen, die das Ziel hatte, die Bestimmungen des Versailler Diktates als der Ursache der dauernden Störungen des europäischen Lebens einer Revision zu unterziehen. Dabei ließ i der Außenminister keinen Zweifel, daß auch dieser letzte Versuch an den britischen Forderun­gen gescheitert ist. lieber die Haltung, dis! Italien nach der Ministerratssitzung vom 1. Septem­ber eingenommen hätte, habe volles Einver­nehmen mit der Reichsregierung ge> ! herrscht. In diesem Zusammenhang wies Ciano nach, drücklich auf die lächerlichen Gerüchte und kranket haften Phantasien über die Gründe zurück, die Ita­lien zu feiner wachsamen Haltung Gewehr bei Fuß bestimmt hätten, insbesondere die Unterstellung, als ob Italien den Krieg scheue.

Er würdigte bann die Erklärung des Führers vor dem Reichstag und kennzeichnete scharf die Verantwortung der West möchte, die es mit dem Hinweis auf Polen, die Tschecho-Slo- wakei und auf Oesterreich unterließen, sich auf den Boden der Tatsachen zu stellen.Man muß sich auf den Boden der Tatsachen stellen und auf ihm bleiben, denn sonst wird man Europa nicht den Frieden zurückgeben, sondern nur erreichen, baß die Gegensätze sich verschärfen und der Konflikt heftiger wird und vielleicht weiter um sich greift" Abschlie> . ßend brachte Ciano den Wunsch Italiens zum Aus- , druck, Ordnung und Frieden im Donau- raum undimBalkan aufrechterhalten und be­festigt zu sehen, und schloß mit einer Kundgebung des unbeugsamen und festen Entschlusses Italiens, seine Interessen und seinen Verkehr auf dem Lande, in der Luft und zur See, seine Ehre und seine Zu­kunft als Großmacht zu schützen und zu verteidigen.

Rom, 16. Dez. (DNB.) Der italienische Außen­minister Graf Ciano hielt Samstag vormittag eine Rede vor der faschistischen und korporativen Kammer. Er gab in mehr als zweistündigen Aus- ührungen einen umfassenden Rückblick auf die ita­lienische Außenpolitik seit 1935 und ihre Entwick­lung, um bann in aktuellen Fragen zu erläutern, wie sie kurz im Tagesbefehl bes Großen Rates des Faschismus bereits verkündet worden waren. Graf Ciano wies einleitend darauf hin, daß der Duce bereits im Jahre 1927 oorausgefagt habe, daß sich Europa zwischen 1935 und 1940 an einem Wende­punkt seiner Geschichte befinden werde. Niemand anders als der Duce sei es gewesen, der rechtzeitig auf die Notwendigkeit einer Revision der ungerechten Friedensverträge hin- gewiesen habe und dabei immer der Formel begeg­net sei:Die Revision ist der Krie g". Ita­liens Bestrebungen, durch den Vorschlag eines Ab­kommens zwischen den westlichen vier Großmächten und durch die Vorlage eines entsprechenden Ab­rüstungsentwurfes dem verhängnisvollen Lauf der europäischen Politik Einhalt zu gebieten, seien ge­heitert. Unter diesen Umständen hatte Italien nur ine Pflicht: Aus eigenem Willen und eigener Kraft ür die Verteidigung seiner Interessen und den Auf­bau seines Reichssystems zu sorgen.

Die Politik der Achse NomBerlin, die Ich während der abessinischen Krise angebahnt hatte, fand ihre erste konkrete Anwen­dung bei der nationalspanischen Revo. I u t i o n. In den Berliner Protokollen und bei der Begegnung mit Hitler in Berchtesgaden wurde die Grmcklage einer engeren deutsch-italienischen Zu- ammenarbeit festgelegt. Nach dem Besuch des Duce in Deutschland sei Italien dem Antikomintern­pakt beige treten. Nach einem Hinweis auf den Austritt aus dem Völkerbund ging Graf Ciano auf die Septemberkrise 1938 und die sich daran an- ' Meßende Münchener Zusammenkunft ein, deren Ziel nicht so sehr die Lösung einer natio- ,nalen Minderheitenfrage als vielmehr die Schaffung der Voraussetzungen dafür gewesen sei, daß eine Periode der VerstäMgung und der Zusammen­arbeit zwischen den Nationen möglich werden sollte. Durch die Machenschaften jener Kräfte, die sahen, wie ihren Händen die Leitung Europas entglitt, und die nur von dem einzigen Wunsch der Der- jeltung beseelt waren, sei jedoch auf München das Antimünchen gefolgt.

Graf Ciano zählte bann die einzelnen Etapven der Einkreisungsaktion der Westmächte von der An­kündigung des englisch-französischen Garantieabkom­mens an Polen bis zum Türkenpakt auf. Auf diese Weise wurden die Glieder dieser Einkreisungsfront geschlossen, die dazu ausersehen war, die Blockade Deutschlands in Osteuropa und Italiens im Mittel­meer und auf dem Balkan zu vollenden. Nichts war natürlicher, als das Italien und Deutschland unter diesen Umständen in einen Meinungsaus­tausch eintraten, der am 6. und 7. Mai in Mai­land stattfcmd und bei dem sich ergab, daß die Lage in Rom und Berlin absolut gleich beurteilt wurde. Als Ergebnis der Mailänder Besprechungen sei der Pakt am 22. Mai in Berlin unterzeichnet. Er stellte die Beziehungen zwischen Italien und Deutschland auf gleichen Fuß, auf dem sich die Beziehungen zwischen Frankreich und Großorltannien seit ge­raumer Zeit befanden.

KreuzerExeter" durch denAdmiral Graf Spee" außer Kampf gesetzt worden war. Jede Hilfe lehnte er mit den Worten ab:Erst die anderen, dann ich. Denn bei mir hat es dock keinen Zweck mehr." Der Schwerverletzte verschied dann eine Stunde später. In einem anderen Falle erklärte ein verwundeter Bordflieger:Laßt mich liegen, chießt weiter!" Mele Leichtverwundete meldeten erst am nächsten Tage ihre Verwundungen. Bis dahin harrten sie ttotz ihrer Wunden so im Dienste aus, als ob nichts geschehen wäre.

Ueber ein Vierteljahr war das Schiff unterwegs. Die ganze Zeit über hetzte unablässig ein Rudel englischer Schisse hinter dem Panzerschiff her. Keine Werft, keine Reparatur­werkstätte, kein Hafen, und wenn er auch nur einer eclischen Entspannung der Besatzung dienen würde! Die EngläMer haben ja ein leichtes Spiel mit ihrer Riefen flotte, ihren zahlreichen zusammengeraubten Stützpunkten, wie in Südamerika z. B. die Mal- vinen, mit ihrem regelmäßigen Anlaufen von neu­tralen Häfen zur Ergänzung der Lebensmittel und zur Entspannung ihrer Schiffsbesatzungen. Dem­gegenüber lagAdmiral Graf Spee" über drei Mo­nate in mehreren Weltmeeren, ohne Ruhe, ohne Pause, mit dem Wechsel des Klimas von der Ant­arktis bis zu den tropischen Zonen. In dieser Kreuz­fahrt hatAdmiral Graf Spee" die Weltkriegs­tradition der heldenhaftenEmden" fortgesetzt.

Eine Besichtigung des PanzerschiffesAdmiral

Graf Spee" im Hafen zeigte den Besuchern aus der Ferne kaum etwas Ungewöhnliches. Erst bei nähe­rer Besichtigung entdeckte man einige Ire f f et als Spuren des wacker bestandenen Seegefecht« gegen ein* dreifache Uebermacht. An Bord herrsch!« Ordnung und Sauberkeit, als wäre nichts geschehen Nur einige Schweißgeräte zeugten davon, daß hier emsige Arbeit geleistet werde. Uederall gingen blaue Jungens in gewohnter Ruhe ihrer Tätigkett nach.

Unser Besuch galt zunächst den Verwundeten. Der Bordarzt führte uns in das geräumige Lazarett, das aus Verbandsplatz, Hospital, Operationszimmer, Laboratorium und Apotheke besteht. Alles erweckte den Eindruck, daß schon beim Bau des Schiffes für alles Nötige Vorsorge getroffen wurde. Die Ver­wundeten lagen in sauberen Betten. Die leichter Verwundeten lasen schon eifrig die Nachrichten aus der Heimat. Kein Wunder, denn vier Monctte waren sie ohne Briefe von ihren Angehörigen. Nicht all« Verletzten sind übrigens im Schiffslazarett ver­blieben. Einige Kameraden wurden in städtischem Krankenhäusern untergebracht, einer davon mW einer schweren Augenoerletzung, jedoch besteht bie Zuversicht, fein Augenlicht zu retten. Die Besichti­gung an Bord zeigt manchen Treffer.-Die Kam« b ü f e ist ebenfalls beschädigt, doch zeigen bereite Stapel auskühlender Brote, daß Seeleute in schwie­riger Lage sich stets zu helfen wissen. Es ist be­merkenswert, daß das Schiff mehr als einem Dutzend Torpedo auszuweichen verstand.

Die Gasvergiftungen bei Verwundeten desAdmiral Graf öpee".

Line neue Erklärung Prof. Dr. Walther Meerhoffs.

Montevideo, 17. Dez. (Europapreß.) Profes­sor Dr. Walther Me erhoff, der Direktor der Staatlichen Augenklinik in Montevideo, der bei den deutschen Matrosen des PanzerschiftesAdmiral Graf Spee" Anzeichen von Senfgasver­giftung festgestellt yat, hat unserem Korrespon­denten noch einmal ausdrücklich feine Feststellung über die Gasvergiftung bestätigt. Der Professor war sichtlich erstaunt, daß fein von der Londoner ZeitungNews Chronicle" ausdrücklich a n g e f or­dert e 5 wissenschaftliches Urteil nicht veröf - f e ntli ck t moroen ist. Irn Beisein eines zweiten uruguayischen Arztes überreichte dann Professor Dr. Walther Meerhosf unserem Korrespondenten folgende schriftliche Erklärung:

Am 14. Dezember, morgens «egen 3 Uhr, erhielt mein Bruder Dr. Arnold Meerhosf, der mein Assi­stenzarzt ist, einen Anruf, sich für einen augenoer­letzten Matrosen vomAdmiral Graf Spee" be­reitzuhalten. Um 7 Uhr operierte er in der Staat­lichen Augenklinik, die ich leite, an Jrisprolaps das linke Auge, da ein Fremdkörper vermutet wurde, was die Röntgenaufnahme bestätigte. Es wurde ein Elektromagnet angewendet, aber leider vergeb­lich. Dieser Patient ist kein Gasverletzter, was 'wir vom ersten Augenblick an behaupteten und heute noch behaupten.

Am 15. Dezember empfing ich folgendes lett- gramm der Londoner ZeitungNews Chronicle^li Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie uns um- gehend per Kabel mitteilten, ob Sie bei der Unter­suchung der Verwundeten des »Admiral Graf Spet' irgendwelche Spuren von Gas gefunden haben." Daraufhin untersuchte ich sieben vom den Verletzten, von denen der deutsche Ge­sandte behauptet haben soll, daß sie gasverletzb waren. Der Schiffsarzt, der zunächst die Bock­verletzten zehn Minuten lang ohne Gummihand­schuhe untersuchte da er zuerst nicht an Go§ dachte, hat eine f ü r © a s typische Wund« an einem Finger. Nack eingehender Untersuchung der sieben Fälle und Formulierung der Veobach* tungen fabelte ich als Ergebnis meiner Unter* suchung anNews Chronicle":Angesichts der Ver­antwortung, die auf mir ruht, verzögerte ich bi® Antwort. Aus der sorgfältigen Prüfung der Mr genommenen Fotografien bin ich der Memung, ba§ die Verletzungen der Matrosen des ,Admiral Spee< typisch sind für kaustisches Dichl retbylsulfid-Gas aus Senf, obwohl wünschen möchte mich zu irren. Mit Genugtuung würde ich eine Kommission von Professoren W medizinischen Fakultät begrüßen, die auch ein Gut­achten abgeben würde,"