zu
Strome.
*♦
Strafkammer Gießen
Meta Brix
Roman von
CARL DUNCKER VERLAG • BERLIN
(Nachdruck verboten.)
5. Fortsetzung.
(Fortsetzung folgt.)
RM-.27-45 U.-.9O
Schröder. Wagner.
Lortzing.
Strauß.
1.
2.
3.
4.
5.
6 a) b)
►er
bte Bekanntmachung Nr. 3 hierzu, die die schon an- gekündigte Neuregelung des Verkehrs mit Nähmitteln enthalten. Hiernach werden Nähmittel künftig auf Bezugsabschnitte abgegeben, für die durch eine Sonderbekanntmachung der Reichsstelle für Kleidung und verwandte Gebiete der Sonderabschnitt 5 der Reichskleiderkarte bestimmt ist. Auf jeden Sonderabschnitt 5 werden für je 20 Rpf. Nähmittel abgegeben. Diese Bezugsmöglichkeit steht jedem Inhaber einer Kleiderkarte, also praktisch allen Haushastsangehörigen zur Verfügung. Als Nähmittel gelten Nähfaden, Stopfgarn, Stopfwolle, Nähseide und Leinenzwirn. Der Verbraucher kann auswählen, welche von diesen
den Plan treten wollen. Es möge daher rechtzeitig und sehr nachdrücklich auf sie hrngewiesen werden. Es ist z. B. beobachtet worden, daß obskure Photoverarößerungsunternehmen Reisende umherziehen lassen, die Aufträge auf Herstellung von Vergrößerungen zu erlangen suchen. Ganz abgesehen von der Gefühlsroheit, mit der der Schmerz der Hinterbliebenen um ihre gefallenen Soldaten als Geschäftsanlaß wahrgenommen wird, werden von Unternehmungen der gedachten Art in der Regel minderwertige Bilder zu übersetzten Preisen geliefert. Wer das Bedürfnis fühlt, sich eine Bildvergrößerung des Kriegs gefallenen Herstellen zu lassen, sollte einen anerkannten Fachphotographen damit betrauen, die Reisenden unbekannter Unternehmen aber abweisen und ihre Namen der Deutschen Zentralstelle melden.
Gewarnt werden soll ferner vor den Versendern sog. Andenkenmappen. Diese Unternehmen schneiden die Anzeigen über im Kriege Gefallene aus Tages
und blau), ___
ab 29. 11. 1939 für die Sonderab schnitte der Reichskleiderkarte für Männer und Knaben (gelb und grün),
ab 14. 12. 1939 für die Sonderabschnitte der Reichskleiderkarte für das Kleinkind (rosa).
Die Zuteilung erfolgt für einen voraussichtlichen Zeitraum von drei Monaten. Unabhängig davon gelten die Abschnitte solange, wie die Kleiderkarte Gültigkeit hat. Es kann deshalb jeder mit dem Kauf von Nähmitteln solange warten, bis ein tatsächlicher Bedarf vorliegt. Für die Belieferung gewerblicher Betriebe und die Belieferung öffentlicher Stellen sind Sonderbestimmungen getroffen worden, die diesen Betrieben durch ihre Organisation unmittelbar zugehen.
schen zum Geburtstag.
*♦ Die Stadtkalse mahnt. Die 7. und 8, Dorauszahlungsrate der Grundsteuer und die 3^ Vorauszahlungsrate der Gewerbesteuer 1939 und die 4. Rate der Bürgersteuer werden von der Stadt« kaffe zur Zahlung angemahnt.
„Deutschlands Ruhm", Marsch Ouvertüre zu der Oper „Rienzi' Holzschuhtanz aus der Oper „Zar und Zimmermann" „Morgenblätter", Walzer „Schön ist's bei den Soldaten" Potpourri
HL. und BOM. fingen und spielen zum Tag der Hausmusik.
nicht alle am 21., dem Tag der deutschen Hausmusik, stattfinden können, sondern einige Tage früher oder später — beteiligen an dem großen Hinhorchen und Lauschen unseres Volkes auf die Melodien und Tone unserer Meister, so stellt sie sich damit in bie nteiben der kulturellen Organisationen und der Beruss- musikerschaft, sowie ungezählter Scharen begeisterter Musikfreunde in Stadt und Land, die den Tag der Hausmusik einen besonderen Kraftquell für unser Volk werden lassen wollen. Ob es nun Mozartsches Beschwingtsein ist oder die warme und herztiefe Schlichtheit der Volksweisen, ob fröhlich-straffe Sol- datenlieder klingen, oder die Innigkeit altdeutscher Flötenmusik: in allen Klängen offenbart sich die seelische Kraft und die künstlerische Begabung unseres Volkes. Alle diese Abende, die die Hitler-Jugend in größerem Rahmen aufziehen wird, sind mi^etra- gen von Konservatorien oder Iugendmusikschulen. Und die Gemeinschaftlichkeit des Einsatzes will dazu dienen, die Liebe zur Musik noch über den geschlossenen Kreis der Jugend hinaus in viele Hauser zu tragen und diese Liebe auch in den Familien z" wecken, in denen sie lange eingeschlafen war.
wandte Gebiete veröffentlicht im Reichsanzeiger Nr.
269 vom 16.11.1939 eine Anordnung Bk 9 und
Oie Versorgung mit Nähmitteln
Ausgabe künftig auf Bezugsabschnitte.
Oie bisherigen Eintragungen in die Kundenliste ungültig.
„Unter dem Hoheitszeichen", Marsch
„Der Siegesmarsch von Sieradz". Beide Märsche sind von dem Dirigenten des Konzerts, Obermusikmeiste» H. P. Schmidt, komponiert.
Ein Einund achtzigjähriger. Am morgigen Sonntag, 19. November, kann der Rentner Karl Busch, Neuenweg wohnhaft, in geistiger und körperlicher Frische seinen 81. Geburtstag feiern. 18 Jahre hat er als Serviermeister auf Textors Terrasse auf der Hardt gedient. Er war Mitbegründer des ftüheren -Gießener Kellnervereins und war dabei stets um die Besserung per sozialen Verhältnisse der Kellner bemüht. Wir beglückwün«
Wenn es in den letzten Jahren schöner Brauch geworden ist, alljährlich im November den Tag der deutschen Hausmusik zu feiern, so ist wohl immer gerade die Jugend mit vollem Herzen zu diesem Fest herbeigeeilt. Das Gemeinschaftsleben in Hitler- Jugend und BDM. hat weite Kreise junger Menschen — ohne Unterschied des Herkommens — für Lied und Musik gewinnen können. Sonderformationen mußten aufgebaut werden, um den Bedürfnissen einer musikfreudigen Jugend gerecht zu werden. Auch im Gau Hessen-Nassau bestehen nicht nur in den Großstädten, sondern in manchem Landort Sing- oder Spielscharen: in einigen der mittleren und Kleinstädte sind, wie in Darmstadt, Mainz, Wiesbaden und Frankfurt, Iugendmusikschulen im Aufbau begriffen. Auch gibt es in einigen Einheiten kleine Orchester, in denen die Jungen oder Mädel unter fachkundiger Leitung arbeiten, sich selbst und ihren Kameraden und Kameradinnen zur Freude.
Wenn sich die hessen-nassauische Hitler-Jugend und der BDM. auch in diesem Jahre mit einigen Veranstaltungen — die aus örtlichen Verhältnissen
Luise überflog ein Frösteln. Sw sagte: „Du kannst dich beruhigen, Konni — sie geben mir mein Kind nicht."
„Das ist entschieden?"
„Ja. Kemmrich rief mich gestern abend an. Und heute morgen sprachen wir auch noch einmal. Er meinte, es wäre nicht mehr zu machen. Mein Sohn bleibt also in der Ordnung eines bürgerlichen Lebens."
Das klang zornig, aber dahinter faß der Schmerz.
Brehm fühlte es. Nun war ihm die Veränderung die Luise zeiate, erklärlich. Er wollte beruhigen, aber Luise wehrte ab: „Was willst du ... die Leute haben natürlich recht ..."
„Weißt du, Luise, wie man gegen Leid und Enttäuschung ankämpst? Mit Arbeit! Mit Arbeit, die gar nicht zum Grübeln kommen läßt!"
Er sah die Frau an. Ihre Hände hingen schlaff herab, die Finger spielten nervös mit den Falten des Kleides. Er dachte man muß ihr doch helfen! Ihre leidvolle Haltung ergriff ihn.
„Hör' zu, Luise: Mir wurde von Berlin die Spielleitung eines großen Films angeboten. Ich hatte Sestern nacht noch das Manuskript gelesen. Ich hätte
ust, die Sache zu machen. Und dann nehme ich dich und Moravitzky mit hinein ..."
„Nein, Konni ..." Luise unterbrach in hastig. „Nein ..." Sie strich mit ihren Fingerspitzen über ihre Schläfen. Der Schmerz bohrte unerträglich...
Brehm sah sie verständnislos an. „Was heißt denn das ... nein ...?"
„Lieber Konni", bat Luise. Es klang fast de- scheiden, sie bereute ihre Heftigkeit wirklich. „Versteh doch — ich kann im Augenblick wirklich nicht an neue Pläne denken. Ich danke dir vielmals ... wir sprechen noch darüber ... Aber laß uns jetzt arbeiten. Komm. Sehr viel Kraft habe ich heute nicht ..."
„Gut. Gehen wir nach vorn. Und reiß dich ein bißchen zusammen, Luise. Morgen haben wir hier den letzten Drehtag. Dann spannst du aus ... fährst weg ... irgendwohin ... Aber einen Rat, Luise,
bernde Frau ... ich mag sie furchtbar gern!"
„So ..sagte Heilseld höflich. Diese Muschi interessierte ihn nun wirklich nicht. Er hörte dem leichten Geplauder nicht mehr recht zu.
Sylvia legte ihre kleine Hand auf seinen Arm: „Sie hören mir ja gar nicht melu zu, Herr Doktor Heitfeld!" Es klang etwas vorwurfsvoll.
„Verzeihung mein gnädiges Fräulein ..
Sylvia stand auf? „Gehen wir einmal zur Tom- bola hinüber ..."
Heitfeld war bereit. Die kleine Schauspielerin war bezaubernd. Und Waldemar Heitfeld blieb noch lange in der heiteren, ungezwungenen Gesellschaft.
Am anderen Tage, als Heitfeld sich zu der Wohnung Jäckels begab, hatte er eine merkwürdige Begegnung. Das Wetter war schön, und er bummelte langsam durch die Stadt. An der Kreuzung der Kärnter Straße stieß eine Dame an ihn an, so heftig, daß er unwillkürlich beide Arme ausbreitete und die Unbekannte gegen ihn fiel.
Er sah ein schönes Gesicht ... hineingetupft ein paar zarte Sommersprossen ... sah kastanienbraunes Haar unter dem kleinen Hut schimmern ... sah in ein paar erschrockene dunkle Augen ...
„Verzeihen Sie ... ich war so in Gedanken..." bat eine tiefe, warme Stimme.
Heitfeld ließ die Arme sinken und gab die Frau frei. Er zog den Hut und sagte in heiterer Verbind- lichkeit: „Es war mir ein Vergnügen, meine Gnä- digste!"
Die junge Frau errötete leicht. Sie nickte chrn zu, mit einem Lächeln um den schön geschwungenen Mund, und ging rasch weiter.
Waldemar Heitfeld sah chr nach, aber die schlanke, hochgewachsene Frau verlor sich sehr schnell im lebhaften Verkehr der Straße.
„Schade ..." sagte Heitfeld halblaut vor sich hin. Einen Augenblick durchzuckte ihn der Wunsch, um» zukehren und durch den Verkehr zu stürmen, um vielleicht die Unbekannte noch einmal zu sehen ... ihr vielleicht zu folgen ...
Aber noch während seines Gespräches nachher mit Jäckel und auch später noch manchmal sah er in Gedanken die Unbekannte vor sich, wie er sie in seinen Armen gehalten hatte. Er war ein großer Kerl, aber sie war ihm mit ihrer hochgewachsenen Gestalt fast gleich gewesen. Er sah das schimmernde Haar ... die erschrockenen Augen ...
Der Abend bei Jäckel brachte Heitfeld sehr fesselnde Stunden. Er bewunderte die außerordentlichen Fachkenntnisse dieses Mannes und darüber hinaus das tiefe Wissen um die Kunst der Bühne und des Films. Jäckel besaß eine Bibliothek kunsthistorischer Werke über Zcheatergeschichte, Kostüm-
Zeitungen aus, kleben sie in schwarz eingebundene, mehr oder weniger geschmacklose Mappen und senden diese Mavpen ohne Bestellung den Hinterbliebenen unter Anforderung eines Geldbetrages von einigen Reichsmark zu. Niemand ist verpflichtet, derarttge unbestellt zugesandte Erzeugnisse zu erwerben und zu bezahlen. Es besteht nicht einmal eine Pflicht zur Rücksendung. Der aufdringliche Lieferant möge sie bei den Empfänaern wieder abholen. Im übrigen mache man auch in solchen Fällen Meldung bei der Deutschen Zentralstelle zur Bekämpfung der Schwindelfirmen e. V., Hamburg 11, Trostbrücke 4 II, ober bei der Zweigstelle der Deutschen Zenttalstelle, Berlin N 65, Lin- dowerstraße 6.
Gießener wochenmarttpreise.
* Gießen, 18. Noo. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, XA kg 1,60 RM., Matte 25 bis 50 Rpf., Käse, das Stück 5 bis 10,
Der Friedrich Haßler in Gießen hatte sich wegen Körververletzung mit Todesfolge zu verantworten. (Er‘bat am 9. Juli d.I. dem Ehr. Dietz in Gießen mit der Faust unter das Kinn geschlagen so daß dieser zu Boden fiel und sich schwere D, letzungen zuzog, an deren Folgen er einige Tage darauf verstarb. Die Tat gab der Angeklagte zu, er wollte aber angeblich mit einem gewissen Göbel abrechnen, der ihm am Tage vorher in einer hiesigen Wirtschaft ins Gefickt geschlagen habe und den er für den Verletzten hielt.
Der Anklagevertreter führte aus, daß es sich bei dem Verletzten um einen fleißigen Arbeiter handelte, der für feine Frau und sein Kind sorgte, und bei dem Angeklagten um einen arbeitsscheuen, gewalttätigen Menschen, der in ein Konzentrationslager gehöre, und beantragte eine Zuchthausstrafe von 5 Jahren.
Der Verteidiger beantragte, dem Angeklagten mildernde Umstande zuzubilligen und auf eine Gefängnisstrafe zu erkennen, da der Angeklagte doch
künde, Künstlerbiographien. Darunter befanden sich Werke, die einmalig waren und die man wohl inl keiner Bibliothek fand.
Diesem gediegenen Wissen Jäckels gesellte sich btd Aufgeschlossenheit für alle Neuerungen, über die et sich in erstaunlichem Maße unterrichtet zeigte.
Nach Abschluß der geschäftlichen Besprechungen sagte Balthasar Jäckel: „Und nun möchte ich noch etwas bei Ihrer Firma anbringen ... bet Ihrem Herrn Vater ..
„Und das wäre?" fragte Heitfeld höflich. Er maM nicht neugierig.
„Ich glaube, ich habe eine Sekretärin für Jhreil Herrn Vater."
Der Doktor, nickte zufrieden: „Ausgezeichnet, Hers Jäckel! Das Fräulein hatte schon eine ähnliche Stellung? Ist aus der Branche? Eine Wienerin^ die nun zu uns nach Berlin möchte ...?"
Jäckel sah zu dem blonden Mann hinüber. „Nein", erwiderte er. „Weder das eine noch das andere. Die Dame hatte bisher noch keine berartigfl Stellung."
„3a ... aber dann weiß ich doch nicht recht .. meinte der junge Heitfeld zweifelnd.
Jäckel fuhr fort: „Ich habe gemeint, ich würds ausführlich nach Berlin darüber schreiben, da Sie selbst, doch von hier gleich weiterfahren. Und bann mag Matthias Heitfell) entscheiden, ob er den Ver« such mit der Frau Somtat machen will."
„Frau ...?"
„Sa. Geschieden. War bisher Filmschauspielerin.*
Der erfahrene Menschenkenner sah die Ablehnung im Gesicht seines Gastes. Er nickte: „Ick weiß genau, was Sie denken, Herr Doktor ... komische Ideen hat der alte Jäckel! Aber es liegen tiefere Gründe vor, die den seltsamen Sprung der Frau von einer künstlerischen Zukunft in eine unbekannte kaufmännische Tätigkeit verständlich machen. Ich bin übrigens der Ansicht, diese sehr kluge und sehr gewandte Frau kann Ihrem Geschäft und Ihrem Herrn Vater vor allem eine wirkliche Hilfe werden Um so mehr, als sie sich doch in den Bedürfnissen und Geschmacksrichtungen der Verbraucher gerade Ihrer Erzeugnisse natürlich sehr gut aus kennt."
„Na gut ..." meinte der Juniorchef der großen Berliner Parfümerie. Sein Vater mochte da ent« scheiden. Obwohl ...
„Ich hüte Ihnen Frau Domkat gerne vorgestellt", sagte Jäckel weiter. „Eine halbe Stunde, bevor Sie kamen, war sie bei mir. Aber sie hatte noch ein paar abendliche Außenaufnahmen, zu denen mußte
ahr allein. Nimm den Moravitzky nicht mit. Ich meine es nur gut mit dir ..."
„Danke schön, Konni — ich weiß —"
Ja, dachte Luise, ich fahre dann fort ...
Doktor Waldemar Heitfeld hatte bei seinem Aufenthalt in Wien zwei Begegnungen, die ihm — wenn auch in ganz verschiedener Richtung — starken Eindruck machten.
Am ersten Abend begab er sich wirklich noch in den Zauberkreis der .^Lustigen Nacht der Künstler". In den Räumen und draußen in einem wundervollen, alten Garten tobte eine ausgelassene Fröhlichkeit.
Er war in diesem Kreise ein Fremder. Er hatte auch nicht mit einem längeren Verbleiben gerechnet. Er wollte nur einmal durchgehen — vielleicht eine Flasche Wein trinken und sich das Fest besehen und — nun, das weitere konnte man vielleicht einem freundlichen Zufall überlassen ...
Aber dann rief man ihn von einem Disch an: „Doktor Heitfeld! Wo kommen Sie denn her?"
Ein Geschäftsfreund saß da, wie Heitfeld Juniorchef eines angesehenen Wiener Hauses. Er war in lustiger Gesellschaft und ließ Heitfeld natürlich nicht mehr los. Sogleich vermittelte er die Bekanntschaft mit ein paar entzückenden Frauen, Künstlerinnen von Bühne und Film ...
Waldemar Heitfeld nahm die ftohen Stunden des Lebens, wie sie sich eben ergaben. Weite Reifen hatten ihm die natürliche Ungezwungenheit und Unbefangenheit eines weltgewandten Menschen gegeben. Er plauderte sehr unterhaltend und tanzte vorzüglich.
Odilö Msry und Sylvia Marquardt waren entzückt. Und als er mit der schmalen, dunklen Sylvia tanzte, geschah es, daß ein anderer Tänzer der Künstlerin zuwinkte.
Heitfeld sah den Mann an — sah einen markanten Kopf — schmal und rassig ...
Als man wieder am Tisch saß, erkundigte er sich bei Sylvia nach dem Mann. Sie gab bereitwillig Auskunft; es war ein Bekannter von ihr. „Kennen Sie den Schauspieler Franz von Moravitzky nicht aus seinen Filmen? Er hat doch in der letzten Zeit große Erfolge."
„Ja, Doktor Heitfeld", sagte der Geschäftsfreund, „den letzten Film mit dem Moravitzky müssen Sie sich anschauen!"
„Moravitzky scheint heute ohne Muschi hier zu sein", plauderte Sylvia weiter. „Muschi ist nämlich seine Partnerin im Film. Und so ein Film-Liebespaar erwarten die Leute natürlich auch bei allen Veranstaltungen zusammen zu sehen. (Sine bezau-
Nähmitteln er kaufen will.
Hiernach entfallen z. B. auf einen Sonderab- schnitt 200 Meter Baumwollnähfaden oder 50 Meter Nähseide und 5 Gramm Stopfgarn, oder 20 Gramm Stopfgarn oder sonstige Nähmittel, die beliebig zusammengestellt werden können und deren Bezug sich natürlich in entsprechendem Umfang vergrößert, wenn die Haushaltung aus mehreren Personen besteht. Um die Belieferung sicherzustellen, werden die Einzelhandelsgeschäfte mit Nähmitteln in dem zur Deckung der Bezugsrnöglich- keiten erforderlichen Umfange beliefert, so daß jeber
Sorttofuen.
Tageskalender für Samstag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Hochzeitsreise". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Gern hab ich die Frauen geküßt".
Tageskalender für Sonntag»
Stadttheater: 19 bis 22 Uhr „Gasvarone". — Gießener Konzertverein: 16.30 Uhr Universitäts- Aula Klavier-Abend Claudio Arrau. — Gloria- Palast (Seltersweg): „Hochzeitsreise". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Gern hab ich die Frauen geküßt".
Spielplan des Stadttheaters vom 19. bis 26. November.
Morgen Sonntag, 19 Uhr, findet eine Wiederholung der Operette „Gafparone" von Karl Millöcker statt. Musikalische Leitung Heinz Markwardt, Spielleitung Harry Grüneke. Chöre: Richard Boeck. Bühnenbilder: Karl Löffler. Die Vorstellung findet außer Mete statt. Ende 22 Uhr.
Dienstag, 21. November, 20 Uhr: Erstaufführung , Die Mutter", Schauspiel von Walter Stanietz. Spielleitung Hans Geißler. 8. Vorstellung der Dienstag-Miete!
Mittwoch, 22. November, 19.30 Uhr: Zum letztenmal: „Das Wintermärchen", Tragikomödie von William Shakespeare. Spielleitung Dr. Hannes Razum. 8. Vorstellung der Mittwoch-Miete.
Donnerstag, 23. November, 20 Uhr: „Die Mutter", Schauspiel von Walter Stanietz. Spielleitung Hans Geißler. Diese Vorstellung findet als 9. Vorstellung der Freitag-Miete statt.
Samstag, 25. November, 20 Uhr: KdF.-Feier- abenbring 2. Vorstellung „Gasparone". Kein freier Kartenverkauf!
Sonntag, 26. November, 14.45 Uhr: Theaterring der Hitler-Jugend 3. Vorstellung „Agnes Bernauer", Schauspiel von Hebbel. Kein freier Kartenverkauf. — 19 Uhr: Zum letztenmal „La Traviata", Oper von, G. Verdi. Musikalische Leitung: Richard Boeck, Spielleitung: Bernhard Schmitz.
polizeikommiffar a. O. Kimmel 80 Lahre alt.
Arn kommenden Montag, 20. November, kann der im Ruhestand lebende frühere Polizeikommissar Ludwig Kimmel, Marburger Straße 75 wohnhaft, seinen 80. Geburtstag begehen. Der Jubilar wurde am 20. November 1859 in Großen-Buseck geboren. Am 9. Juli 1887 trat er nach längerer Militärdienstzert als provisorischer Schutzmann bei der Polizei in Gießen ein, am 10. Oktober desselben Jahres wurde er definitiv an gestellt. Am 20. Januar 1910 wurde er zum Polizei-Oberwachtmeister und am 16. Februar 1921 zum Polizeikommissar beför- bert. In dieser Eigenschaft stand er dem 1. Polizeirevier, das damals noch in der Weidengaffe war, vor. Seine Versetzung in den Ruhestand erfolgte im Januar 1925.
Der alte Herr hat sich während seiner langen Dienstzeit bei der Gießener Polizei allgemeine Wertschätzung erworben. Er war stets bestrebt, seine d mstlichen Pflichten in bester Weise in Einklang zu bringen mit den Wünschen und Erwartungen der Bevölkerung. Dabei zeigte er immer weitgehendes Verständnis für den Standpunkt der Volksgenossen, mit denen er dienstlich zu tun hatte. Er war auch allezeit bemüht, bei allen feinen Diensthandlungen in weitgehendem Maße menschliche Rücksichtnahme zur Geltung kommen zu lassen und dadurch jene enge Verbundenheit zwischen Behörde und Bevölkerung herzustellen, die immer zum Nutzen beider Teile gewesen ist. Daher wurde dem verdienten Beamten stets von allen Volksgenossen uneingeschränkte Hochachtung zuteil, die ihm auch seinen Lebensabend freundlich gestaltete. Zu seinem 80. Geburtstag wird chn sicherlich mancher Glückwunsch erreichen. Auch wir beglückwünschen den Jubilar herzlich.
Warnung vor Kriegsschmarohern.
NSG. Schon im Weltkrieg 1914/18 mußte die Deutsche Zentralstelle vor üblen Geschäftemachern warnen, die die Trauer von Volksgenossen um ihre im Kampf gefallenen Angehörigen geschäftlich auszuschlachten suchten. Es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß solche Konjunkturhyänen wieder auf
Eier, Klasse A 12, Klaffe B IM, «Wfe D 10, Wirsing, % kg 6 bis 7 Rpf., 50 kg 6 RM* Weißkraut, % kg 5 bis 6 Rpf., 50 kg 4 RM., Rot. kraut, A kg 7 bis 8 Rpf., 50 kg 7 RM., gelbe Rüben, kg 7 bis 8 Rpf., rote Rüben 9 bis 10, Spinat 15, Unterkohlrabi 5 bis 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 20 bis 40, Feldsalat, Vio 10 bis 15, Zwiebeln, % kg 10, Meerrettich 35 bis 60, Schwarz, wurzeln 20 bis 35, Kürbis 6 bis 8, Kartoffeln, £kg 4 Rpf., 5 kg 40 Rpf., 50 kg 3,15 bis 3,45 RM., Aepfel, kg 15 bis 25 Rpf., Birnen 15 bis 20, Blumenkohl, das Stück 10 bis 60, Salat 8, Endivien 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 dis 15, Sellerie 10 bis 30, Radieschen, das Bündel 10 Rpf.
Platzkonzert am Stadttheater
Am morgigen Sonntag, 19. November, findet in der Zett von 11 bis 12 Uhr in der Anlage an der Ecke Bismarckftraße und Hindenburgwall, unweit dem Stadttheater, ein Platzkonzert statt, das von der Regimentsmusik eines Infanterie-Regiments unter Leitung von Obermusikmeister H. P. Schmidt ausgeführt wird. Für das Konzert ist folgendes Programm vorgesehen:
FWD. Die Reichsstelle für Kleidung und ver- s damit rechnen kann, Nahmittel in den Geschäften, • - ............. ~ " in denen er vor Kriegsausbruch gekauft hat, zu er
halten. Eine Eintragung als Kunde in den Ge- schäften ist nicht mehr notwendig, die bisherigen Eintragungen sind ungültig. Es soll jedem die Mog- lichteit geboten werden, falls er in dem einen Geschäft Nähmittel durch Zufall nicht erhalten sollte, diese in einem anderen Geschäft zu kaufen. Um einen allzu starken Andrang in der ersten Zeit zu verhindern, ist ferner bestimmt, daß die Belieferung erst von folgenden Zeitpunkten ab erfolgen darf:
Ab 15. 11. 1939 für die Sonderabschnitte der Reichskleiderkarte für Frauen und Mädchen (orange
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