beutel der Hausfrau zu spüren ist. Die Erkenntnisse von der Nützlichkeit dieses Kampfes, der jedem, der sich daran beteiligt, nur Vorteile bringen kann, ist also in breiteste Volksschichten vorgedrungen.
Eine Anzahl Zuschriften läßt erkennen, daß das deutsche Volk den „Kampf dem Verderb" ernst nimmt und das „Groschengrab" nicht allein als lustige Witzfigur betrachtet. Im Gegenteil, die Scherzfigur ist vollkommen richtig verstanden worden und hat viele Volksgenossen nicht nur angeregt, Verluste an Lebensmitteln zu vermeiden, sondern auch vielseitige Vorschläge zu machen, wie man den „Kampf dem Verderb" noch erfolgreicher gestalten könnte. Die Verbraucherschaft beweist so, daß sie Verständnis für die schwere Arbeit des Bauern hat und nicht Produkte seiner Jahresarbeit ungenützt verkommen lassen will. Und nicht zuletzt ist das Einsehen der Hausfrauen gewachsen, die die Erfolge im „Kampf dem Verderb" an ihrem eigenen Geldbeutel feststellen konnten.
Gieben-Wieseck.
HI. fäl und erntet.
Am vergangenen Sonntag zogen freiwillige Hel- fer der Hitler-Jugend und des BDM. aus Gießen- Wieseck mit froher Musik und in guter Stimmung hinaus ins Feld, um einen selbstbestellten, fast einen Morgen großen Weizenacker abzuernten. Dieser Acker wurde der Hitler-Jugend von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Erfreulicherweise stellten bei der Aussaat im vergangenen Herbst drei Wiesecker Landwirte ihre Pferde zur Verfügung. Durch freudiges und tüchtiges Zugreifen der Jungens und Mädels ging die Arbeit rasch vorwärts. Wie leuchteten die Augen aller, als am frühen Nachmittag der letzte Sensenhieb in die Halme fuhr, war doch feder sich bewußt, daß er ein gutes Werk für die Ernährung unseres Volkes getan hatte. Nachdem olle Garben in Reih und Glied standen, ging es wieder dem Dorfe zu.
Wildwachsende Heilkräuter sammeln.
Wenn auch ein großer Teil unserer Heilpflanzen fett), und gartenmäßig angebaut wird, so dürfen doch die wildwachsenden Heilkräuter nicht außer acht gelassen werden. Um den bisher zur Einfuhr von Heilkräutern notwendigen Devisenaufwand weitgehend einzusparen, soll der planmäßigen Sammlung von wildwachsenden Heilpflanzen erhöhtes Augenmerk zügewendet werden, wobei insbesondere an einen Einsatz der Schuljugend gedacht ist. Diese Maßnahme wird in der Landwirtschaft allgemeines Verständnis finden, und es darf erwartet werden, daß den Sammlern beim Betreten der Felder und Wiesen, Weg- und Grabenraine zwecks Einsammeln der Heilpflanzen keine unnötigen Schwierigkeiten bereitet werden. Die Sammler müssen natürlich im Besitz des gesetzlichen Sammelscheines der zuständigen Naturschutzbehörde sein und gegebenenfalls auch von den Besitzern der Grundstücke die Erlaubnis zum Sammeln selbst erbitten.
Apfelweinkeltern erst ab 1. September.
Fwd. Durch Anordnung der HV. der deutschen Gartenbauwirtschaft vom 11. August 1939 wird vcrsügt, daß Hersteller von Apfelwein, schwäbischem Most (auch Württembergischem und Badischem Mast sowie Frischmost, süßen Apfelwein) und Apfelsüßmost (auch Dicksäften) mit der Kelterung der vorgenannten Erzeugnisse nicht vor dem 1. September jedes Jahres beginnen dürfen, auch wenn die Herstellung im Lohnverfahren erfolgt, es sei denn, daß die Herstellung im Lohnverfahren der Deckung des eigenen Hausbedarfs des Obstanlieferers dient. Soweit Verträge über die Lieferung von Äpfeln zur gewerblichen Kelterung der genannten Erzeugnisse abgeschlossen werden, darf mit der Lieferung nicht vor dem 1. September begonnen werden.
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** Eine Zweiund achtzigjährige. Am morgigen Samstag kann Frau Elisabeth Dietz, Witwe, Steinstraße 74, ihren 82. Geburtstag feiern. Die hochbetaate Frau ist langjährige treue Bezieherin des Gießener Anzeigers. Wir beglückwünschen die Jubilarin herzlich zum Geburtstag.
Bauern!
Grohdeutschland braucht zur Sicherung seiner Freiheit dringend eine Steigerung der Fetterzeu- gung. Steigert deshalb seht beträchtlich den Oel- sruchtanbau, ohne die Viehwirtschaft zu vernachlässigen. Die neuen erhöhten Oelsaalpreise sichern Luch die Wirtschaftlichkeit des Anbaues. Jehl ist es Zeit. Raps und Rübsen zu bestellen. Laßt Luch dabei vom Reichsnährstand beraten!
Erstmalig ein VelnMporlfest in Gießen.
Die Betriebssportgemeinschaft des Arbeitsamts Gießen veranstaltet ein Sportfest für Betriebssportgemeinschaften am Sonntag, 2 0. August 1939, 8 Uhr, auf dem Waldsportplatz.
Unter der Betreuung des Sportamtes der NSG. Kraft durch Freude" find seit der Machtübernahme in den Betrieben Betriebssportaemeinschaften gebil- det worden, die als Ziel die Erhaltung der Arbeitskraft und Arbeitsfreude der schaffenden Menschen verfolgen. — So sind auch in zahlreichen Betrieben der Stadt Gießen und des Kreises Wetterau auf Anregung der DAF. Betriebssportgemeinschaften entstanden, deren Aufbau fortschreitet. Der seit dem Vorjahre alljährlich stattsindende Sportappell der Betriebe gibt eine stolze Leistungsschau der Arbeit, die hier am schaffenden Menschen geleistet wird. Nicht Leistungssport ist die Aufgabe dieses Betriebssportes, sondern Gesunderhaltung von Körper und Geist durch fröhlichen einfachen Ausgleichssport, der jedem, auch dem Aeltesten, die Teilnahme ermöglicht.
In diesem Jahre hat nun die Betriebssportgemeinschaft des Arbeitsamts Gießen zu einem Betriebsportfest eingeladen, das am kommenden Sonntag auf dem Waldsportplätz des VfB.-R. stattfindet und zu dem bis jetzt außer der BSG. des Arbeitsamts die BSG. der Lochanstalt, Butzbach, der Buderus- werke, Lollar, der Didierwerke, Mainzlar, der Commerz- und Privatbank, Gießen, der Rud.-Karstadt- AG. „Karzentra", Gießen, der Heeresstandortver- waltung und der Kreiswaltung der DAF. insgesamt rund 100 Teilnehmer gemeldet haben. Es sind leichathletische Einzel- und Mehrkämpfe sowie Mannschastskämpfe ausgeschrieben, für die sämtlich gemeldet wurde. Außerdem sollen Handballblitzspiele zwischen den gemeldeten Betrieben statt- sinden. Dem» Zuschauer wird also ein abwechslungsreiches Programm geboten.
Die Ausschreibungen sind den Betrieben zugegangen, so daß sich eine Aufführung an dieser Stelle erübrigt. Die Sportgemeinschaft des Arbeitsamts Gießen lädt hiermit nochmals die Betriebe, die nicht aktiv teilnehmen, ein, den Wettkämpfen, die erstmalig in Gießen stattfinden, beizuwohnen.
Wirtschaft.
Oer Möbelfernverkehr mit Kraftfahrzeugen.
Fwd. Im Reichsgesetzblatt vom 16. 8. 1.939 wird eine Verordnung des Reichsverkehrsministers und des Reichsministers des Innern über den Möbelfernverkehr mit Kraftfahrzeugen vom 4. 8. 39 veröffentlicht. Auf Grund dieser Verordnung müssen die Fahrzeuge des Möbelfernverkehrs die Aufschrift „Möbelsernverkehr" und die Angabe des Standortes tragen. Die Verwendung von Anhängern und jede Vermehrung der zum Bettieb .zugelassenen Anhänger bedarf der Genehmigung. Unternehmer von Möbelfernverkehr dürfen außerhalb der Nahzone in Fahrzeugen des Möbelfernverkehrs nur Möbel befördern. Unternehmern von Güterfernverkehr ist es verboten, außerhalb der Nahzone Möbel zu befördern. Die Beförderung von Möbeln außerhalb eines Umzugs als Stückgut bleibt davon unberührt. Der Tarif für den Möbelfernverkehr wird von der Fachgrupppe Möbeltransport aufgestellt. Die Verordnung tritt am 1. September 1939 in Kraft, während gleichzeitig die Verordnung über den Möbelsernverkehr vom 17. 9. 1936 außer Kraft tritt.
Mein-Mainische Börje.
INillagsbörse im Verlaufe schwächer.
Frankfurt a. M., 17. August. Die Börse verharrte in starker Zurückhaltung, da am hiesigen Platz fast keine Kundschaftsaufträge vorlaaen. Infolgedessen kamen während der ersten Börsenstunde nur ganze 8 variable Notierungen zustande, die naturgemäß keine Bestimmung für eine Allgemeintendenz ab geb en konnten.
Am Aktienmarkt eröffneten IG.-Färben zunächst 0,90 v. H. höher mit 149, liehen aber rasch auf 147,75 nach. Von Montanwerten wurden Vereinigte Stahl mit 97,25 (97) und Hoesch mit 105,25 (105,50) notiert. Sonst stellten sich noch Reichsbank auf 179,75 (179,50), AG. für Verkehr auf 107,50 (106,50), Eonti Gummi auf 218,50 (219) und Mainkraftwerke auf uno. 84,50, wobei alle letzgenannten Werte nominell waren.
Am Rentenmarkt dauerte die Geschäftsstille ebenfalls an, größere Abweichungen waren jedoch nicht zu verzeichnen. Etwas Geschäft wiesen Reichs- altbesitz mit 132,13—132,10 (132,13) auf. Fest lagen Dekosarna I und II mit 137,40 (136,75) bzw. 156,25 (155,25), Reichsbahn-VA. 122,75 (123), von Liquidationspfandbriefen Meininger 100,50 (101), Rheinische 100,90 (100,10). Industrie-Anleihen wiesen Schwankungen bis etwa 0,25 v. H. auf, während Goldpfandbriefe und Stadtanleihen unverändert notierten. Für 4,50 v. H. Stadt Mainz soll morgen nach Pause eine Notiz mit 95 (zuletzt 96) erfolgen. Im Freiverkehr blieben Kommunal-Umschuldung mit 92,85 gut behauptet. Steuergutscheine I waren im Telefonverkehr stärker erhöht auf 98,25—98,40 (98,15—98,20).
Die im Verlaufe zahlreicher zur Nvttz gekommenen Papiere ließen eine starke Uneinheitlichkeit erkennen, wobei nach vorwiegend etwas festerem Beginn schließlich infolge kleiner Abgaben meist
mäßige Rückgänge überwogen. U. a. notierten Verein. Stahl 96,75 nach 97,25, Mannesmann 102,40 nach 103 (102,90), AEG. 111,50 nach 111,90 (111,75). Im übrigen schwankten die später festgestellten Kurse zwischen 0,50—1,50 v. H.
Der Frei verkehr lag weiter still. Tagesgeld wurde auf 2,25 (2,50 v. H. gesenkt.
Abendbörse still und behauptet.
Die Abendböbse war ühne Anregung und nahm einen stillen Verlauf. An den Aktienmärkten entwickelten sich die Kurse, bedingt durch den Zufall der Aufträge, weiterhin etwas uneinheitlich. Bei kleinen Veränderungen war die Gesamthaltung jedoch behauptet. Der Rückgang von 1 v. H. bei Demag auf 138,50 und ein solcher von 0,75 v. H. bei Gesfürel auf 125,75 stellten Anpassungen an Berlin dar. Von den Hauptwerten gingen JG.-Farben mit 147,75 (147,90), Rheinstahl mit 119,75 (120), Verein. Stahl mit 97 (96,75) um. Sonst notierten u. a. AEG. 111,50, MAN. 142,25 (142,90), Bembera 129, Daimler 119, Scheideanstalt 205, Licht & Kraft 129,75 (129,25), Holzmann 152,50 (152), Metallgesellschaft 110 (110,25), Moenus 116,50, Westdeutsche Kaufhof 94,75 (95) und Hoesch 105,25. GroßbaNk-Fil'ialctktien behaupteten weiterhin ihre Kurse, Commerzbank 105,75, Deutsche Bank 111,50, Dresdner Bank 106. Am Rentenmarkt sanden Mofama I zu unv. 137,40 weitere Beachtung, 6 v. H. JG>Farben blieben zum Mittagskurs von 119,40 gefragt. Im Telefonverkehr stiegen Steuergutscheine I per JanuarMärz auf 98,40—98,45 (98,25—98,40).
Frankfurter Schtachtvlehmarkt.
Frankfurt a. M., 17. Aug. Auftrieb: Rinder 706 (gegen 828 am 10. Aug.), darunter 79 (112) Ochsen, 145 (109) Bullen, 329 (420) Kühe, 153 (187) Färsen. Kälber 489 (627), Hämmel und Schafe 64 (92), Schweine 691 (800). Notiert wurden je 50 Kilogramm Lebendgewicht in RM.: Ochsen a) 46 bis 46,50 (44,50 bis 46,50), b) 39,50 bis 42,50 (40 bis 42,50), c) 29,50 bis 37,50 (36,50 bis 37,50). Bullen a) 44 bis 44,50 (43 bis 44,50), b) 40,50 (40,50), c) 35,50 (—), d) 27 (—). Kühe a) 44 bis 44,50 (41,50 bis 44,50), b) 39 bis 40,50 (39 bis 40,50), c) 30 bis 34,50, (30 bis 34,50), d) 20 bis 25 (21 bis 25). Färsen a) 44,50 bis 45,50 (44 bis 45,50), b) 41,50 (40 bis 41,50), c) 34,50 bis 36,50 (36,50), d) 28 (—). Kälber a 63 bis 65 (63 bis 65), b) 57 bis 59 (55 bis 59), c) 48 bis 50 (45 bis 50), d) 40 (30 bis 40). Hämmel al) 51 (51), bl) 46 bis 50 (49 bis 50), b2) 44 bis 46 (43 bis 46), c) 39 (40). Schafe a) 40 bis 42 (42), b) 39 (34 bis 39), c) 25 bis 32 (20 bis 32). Schweine a) 62 (62), bl) 61 (61), b2) 60 (60), c) 56 (56), d) 53 (53), Sauen §1) 61 (61). Marktverlauf: Rinder, Kälber und Schweine zugeteilt. Hämmel und Schafe flott.
Schweinemarkt in Butzbach.
♦ Butzbach, 17. August. Auf dem heuttgen Schweinemarkt waren 237 Ferkel aufgetrie- ben. Es kosteten bis 6 Wochen alte Ferkel bis 15 NM., 6 bis 8 Wochen alte Tiere 15 bis 20 RM. Bei regem Handel wurde der Auftrieb ausverkauft.
Der Marsch z«m Mm ha! begonnen.
NSG. Darmstadt, 17. August. Der Adolf. Hitler-Marsch des Gebietes Hessen-Nassau nahm am Donnerstagabend seinen Anfang auf dem Marien- platz. In Darmstadt hatte sich die HI. des Bannes 115 zu einer Feierstunde eingefunden, an der auch die Bevölkerung lebhaften Anteil nahm. Nach einer Ansprache des Stabsleiter B e n f m a n n begab sich der Marschblock von 100 Hitlerfungen mit einem eigenen Spielmannszug unter Führung von Bannführer Dettmar, dem Leiter der Gebietsfuhrer. schule, auf den Marsch. In einem 13 Tage dauern- den Marsch werden die hessen-nassauischen Hitler- jungen ihre 18 Bannfahnen zum Reichsparteitag nach Nürnberg tragen, um mit dem Marsch ein großes Bekenntnis zum Führer abzulegen. Am ersten Abend marschierte der Fahnenblock nach Pfungstadt, wo am Morgen des zweiten Marschtages eine Gedenkfeier am Grabe des ermordeten Hitterjungen Christian Crößmann stattfindet. Don da aus führt der Weg durch den Odenwald in das Maintal.
„Chsteau Reichenberg" wird eröffnet.
NSG. Die Deutsche Arbeitsfront hat — wie bereits berichtet — auf Schloß Reichenberg bei Rei- chelsheim im Odenwald das zweite Fremdfprachen- Jnternat errichtet. Während Hohenstein- Castle dazu dient, englisch sprechenden Arbeitskameraden größte Vollendung zu geben, wird auf Chateau Reichenberg das gleiche Ziel für die französische Sprache erstrebt. Dieses zweite Fremdsprachen- internat, das ebenfalls im Gau Hessen-Nassau geschaffen wurde, wird am 21. August eröffnet.
Wegen gehässigerAenßerungen bestraft
Lpd. H a n a u, 17. August. Das Sondergericht für den OberlandesgerichtsbeLirk Kassel tagte in Hanau und verhandelte gegen die seit dem 1. Dezember 1938 in Untersuchungshaft befindliche ehemalige Prokuristin eines größeren Verkaufsge- fchäfts, das im Herbst v. I. aus jüdischem m arischen Besitz übergegangen war. Die Angeklagte, die 50 Jahre alte ledige Sybille Israel wurde schuldig befunden, in vier Fällen Äußerungen getan zu haben, die den Tatbestand des § 2 des Heimtückengesetzes erfüllen. Das Urteil lautete auf 1 Jahr 3 Monate Gefängnis. 6 Monate Untersuchungshaft wurden in Anrechnung gebracht.
Fünfjähriger Zunge
vom Pferdefuhrwerk erschlagen.
Lpd. Mainz, 17. Aug. Am Mittwochnachmittag versagten auf einer abschüssigen Straße in Hechtsheim an einem mit Frucht beladenen Fuhrwerk die Bremsen, so daß der Wagen in immer schnellere Fahrt geriet. Das Gespann stürzte plötz. lich, als eine Gruppe von Kindern in der Nähe war, um. Dabei wurde ein fünfjähriger Junge •getötet; drei andere Kinder erlitten leichtere Ver- letzungen.
Briefkasten der Redaktion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)
Ch. L. in G. Falls Ihnen von dem früheren bevollmächtigten Hausverwalter die Genehmigung zur Errichtung eines Hühnerstalles erteilt wurde, sind Sie zur Entfernung desselben auch heute nicht verpflichtet, es fei denn, daß durch eine wesentliche Veränderung der Umstände die Entfernung des Stalles unerläßlich erscheint.
K. Sch. in St. Zur Aufrechterhaltung der Anwartschaft in der Angestelltenversicherung ist die Verwendung von 6 Beitragsmarken im Kalenderjahr erforderlich. Die Hohe der Beiträge richtet sich nach dem jeweiligen Gesamteinkommen. Ist kein Einkommen vorhanden oder nur ein solches bis zu 100 RM. monatlich, können Marken der Klasse 8 zu 4 RM. verwendet werden. Im übrigen sind die Beitragsklassen wie folgt gestaffelt: Klasse C, Einkommen von mehr als 100 bis 200 RM. monatlich = 8,— RM., Klasse D, Einkommen von mehr als 200 bis 300, RM. monatlich = 12,— RM., Klasse E, Einkommen von mehr als 300 bis 400 RM. monatlich = 16,— RM., Klasse F, Einkommen von mehr als 400 bis 500 RM. = 20,— RM., Klasse G, Einkommen von mehr als 500 RM. monatlich = 25,— RM. Außerdem sind für die freiwillige Weiterversicherung über die jeweilige Gehaltsklasse hinaus noch die Klassen bl mit einem Monatsbeitrag von 30,— RM., J mit einem Monatsbeitrag von 40,— RM., K mit einem Monatsbeitrag von 50,— RM. gebildet.
Der Täter mitten unter uns
Roman von Kurt Riemann
Copyright by Verlag Gskar meister, Werdau L Sa.
9. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
„Ach Gott, Mister Morell, da sind zwei Damen, zwei feine Damen, und die wollen ..."
Weiter kommt er nicht, denn Morells Rechte, Reichweite einsfünfzig, wirkt bedrohlicher als alles andere, und ihr zu entfliehen ist nun mal Urinstinkt jedes Botenjungen.
Es gelingt Mac auch. In wilden Sätzen rast er über den Werkhof, kommt beinahe unter eine Lokomotive, die scheppernd eine Ladung Güterwagen schleppt, um endlich um die Ecke nach dem Verwaltungsgebäude hin zu entschwinden.
„Dein Glück, mein Junge!" knurrt der Alte wohl- aefällig und knallt die Tür hinter sich zu. „So, dieser Angriff wäre abgeschlagen."
Wenn einer begreift, warum der Doktor heute in Ruhe gelassen werden will, dann ist er es. Schließlich ist es keine Kleinigkeit, mit nur fünf Mann die neue Maschine zu montieren. Und verflucht und zugenäht, zugucken lassen wollen sie dabei keinen.
Also entschließt er sich, denen da vorne nochmal ordentlich Bescheid zu-geben.
Was er telephoniert, ist kurz und kernig.
„Ihr Idioten sollt den Doktor gefälligst in Frieden lassen! Verstanden?"
Er wartet gar nicht ab, bis die Telephonistin aus» geredet hat, sondern donnert seinen Spruch unbeirrt in die schwarze Muschel.
„Könnt ihr dämlichen Frauenzimmer nicht verstehen, was ein Befehl ist, he? Ich werde euch Ouasselstrippenladies die Köpfe bei lebendigem Leibe von der Hackmaschine abrasieren lassen! Der Doktor ist nach Südafrika abgeflogen! Gestern nacht noch. Und nun richtet euch danach, sonst könnt ihr was erleben!"
Schon will er anhängen, da bemerkt er zu seinem Entsetzen, daß da am andern Ende gar nicht Betty
Beckett spricht, die er seit ihrer Schulmädchenzeit kennt, weil sie ein Stockwerk unter seiner Werkswohnung ausgewachsen ist, sondern eine fremde Stimme, die verdammt vornehm klingt.
„Trotzdem teilen Sie bitte Mister Hellmers mit, daß nicht die ,Quasselstrippenlady' schuld ist. Die beiden Damen sind die Töchter Sir John Perkins. Vielleicht stimmt ihn das umr"
Prost Mahlzeit! Das ist ja eine schöne Brühe!
„Jawohl ... jawohl ..." stammelt Morell und steht eine Weile wie vor den Kopf geschlagen.
Junge, Junge, das ist ein Reinfall mit Pauken und Trompeten! Das dürfte nicht in Ordnung gehen!
Er streicht nachdenklich mit dem Zeigefinger an den Nasenflügeln entlang.
Aber bann muß er daran denken, was der Doktor für ein Gesicht machen und wie der fluchen wird, und die Vorfreude darauf stimmt ihn gleich wieder fröhlicher.
„Der wird sich freuen!" lacht er ingrimmig.
Das ist denn auch richtig der Fall. Was Hellmers so still vor sich hinflucht, ist nicht gerade für höhere Töchter bestimmt, und da er in seiner Muttersprache flucht, versteht ihn Morell zum Glück nicht. Doch zu dessen großem Erstaunen kommt der Doktor wirklich herausgekrochen und beginnt, sich die Hände mit Putzwolle abzureiben uno bann den Overall auszuziehen.
„Sie wollen wirklich gehen?" staunt ber Alte, denn bas hat er gar nicht in Erwägung gezogen. Sonst kann brauhen ein Haus in bie Luft fliegen — wenn Hellmers arbeitet, ist ihm das ganz gleichgültig. Und geht er wirklich von einer so verdammt wichtigen Sache weg?
„Was bleibt mir denn anders übrig? In ein paar Tagen haben bie beiben fremben Frauensleute hier bas Kommanbo. Da kann ich sie boch nicht einfach nach Hause schicken. Werbe mich auch nur flink entschuldigen, Pfötchen geben unb bann schnell roieber auskratzen. Machen Sie nur weiter, Morell! Unb baß mir keiner die Halle betritt! Keiner 'raus unb keiner 'rein, verstanben?"
„Keine Sorge, Herr Doktor. Wir machen das hier schon. Nehmen Sie sich ruhig Zeit", nickt er großmütig, unb Joachim Hellmers muß unwillkürlich lächeln.
1 Werkmeister Morell ist schon ein Kerl!
Langsam geht er über den Fabrikhof, mit weiten ausgreifenben Schritten, tief saugt er die sommerlich milde Lust ein.
Jetzt daheim in den Bergen, sein! Im Riesengebirge! Im Thüringer Wald! Ach, wie das Harz fetzt in ben Wälbern zu buften beginnt! fährt es ihm durch den Kopf — und im selben Augenblick, ba er sich bei biefem Wunsche ertappt, muß er auch schon lächeln.
Närrisch! Wenn ich hier mal nicht mehr wirken könnte, hier, in biesem Häusermeer, zwischen biesen roten Backsteinmauern unb bem herrlichen wider- lichen Chemiegestank bes Betriebes ... ich glaube, ich würbe trübsinnig. Was sinb alle buftenben Wäl- ber boch gegen ben Geruch ber Arbeit, bie man liebt! ...
In der Halle entdeckt er niemanden. Es ist das gewohnte Bild des eiligen Treppauf-treppab, das Kommen unb Gehen von Besuchern, Reisenben, von Botew und Angestellten. Niemand achtet auf ihn, nur bie wenigen Angestellten, die ihn in seinem verbrückten Anzug erkennen, grüßen achtungsvoll.
Im Empfangszimmer wartet Ann Grovers und teilt ihm flüsternd mit, die Damen säßen im Nebenraum.
Er stößt die Tür auf unb tritt ein. Das ist für gewöhnlich einer ber alltäglichsten Vorgänge, daß ein Mensch ein Zimmer betritt, in bem er einen anderen zu begrüßen gedenkt. Hier aber wird es zu einem schicksalhaften Ereignis.
Nie wird er diesen Augenblick vergessen, in dem er sich beim Vorstellen seinen Namen nennen hört, während bie blonbe schlanke Frau im breiten Sessel ihm langsam bas Gesicht zuwenbet.
Nie wird er ihren Blick vergessen. Er fühlt zwei große, etwas traurige Augen auf sich ruhen. Da ist es, als schwinde bie Umwelt, als sänken die Mauern so weich unb geräuschlos, als seien sie aus Wachs geformt, als hebe sich bie Decke und weite sich zu einem mächtigen Dom, in bem eine Orgel wunder» voll unb mächtig stngt. Ober ist's nur bas Klingen feines Blutes?
Er weiß es nicht, er sieht nur die Augen dieser Frau auf sich gerichtet, unbeweglich, ohne Unruhe unb ohne Neugier, unb alles, alles löscht in biesem Blick aus.
Wie munberbar, daß alles andere, das äußere 'Drum und Dran, doch trotzdem so mechanisch seinen
Ablauf nimmt! Wo kommt ihm eigentlich die Kraft her, beiden Damen bie Hanb zu geben, sich wegen seiner Kleibung zu entschulbigen unb sie nach ihren Wünschen zu fragen?
Welche Macht führt unb leitet ihn, als er sie auffordert, die Werke Sir John Perkins' zu besehen unter seiner Führung?
Was gibt ihm Energie, aufrecht neben dieses Frau herzugehen und so zu tun, als fei man fremd unb fern, obwohl es doch so offen und so klar Tage liegt, daß diese Frau für ihn, für ihn allein bestimmt ist? Bestimmt seit Urvätertagen in geheimnisvollem Ratschluß einer Macht, die jenseits wohnt von Gut und Böse?
O wie wunderbar ist doch ber Mensch!
Er sieht sich zwischen den Frauen über den Fabrik« Hof hinschreiten unb hört sich antworten auf bid Fragen, bie balb von jener anbern kommen, bie ba kurz unb energisch neben ber einzigen daherstapft, bald von ihr selbst ...
„Jawohl, das ist bie Kraftzentrale. Wir erzeu« gen unfern Strom selbst."
Aber es ist nur sein Mund, der die nüchternen Sätze spricht, sein Herz singt unb klingt unbekannte Melobien ... Melobien ber Liebe, ber ersten unb einzigen; denn alle Männer, deren Leben ganz unb geschlossen ist, Männer wie Joachim Hellmers, bie nicht Entweber-Ober kennen, sonbern nur Ja unb Nein ... sie alle lieben nur einmal in ihrem Leben unb erleben bann ber Liebe höchstes Glück ober ihr tiefstes Leib.
„Unser neuer Maschinensaal!" nickt Hellmers. „Sie sehen gerabe bas Stahlgerüst. Alles wirb elek» trisch verschweißt. Hier entsteht ber mobernste Spinnbetrieb Europas. Es gibt kein Werk, bas mit uns in Wettbewerb treten könnte!"
Insgeheim muß er lachen, lachen über sich selbst. Da steht er unb rebet von ben nüchternsten Dingen unb möchte boch am liebsten ... Ach Gott, man muß sein armes Herz festhalten.
Zum erstenmal legt sich ber Gebaute beklemmend unb beb rück end auf fein Herz: Was foll baraus werben? ... Wie soll bas einmal weitergehen? . - -
Die kleinere ber beiben Schwestern richtet ihrs kurzsichtigen Augen fragenb auf ihn.
„Wenn ich recht unterrichtet bin, hat Vater das erst im letzten Jahre begonnen?"
(Fortsetzung folgt)


