Ausgabe 
18.3.1939
 
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Durch Italien nach Tripolis.

Eindrücke einer Reise von Dr. Paul Rohrback,.

sich dort ein Malteser Bürger ein Haus. Als er an das Aushauen des Kellers im Feld ging, fiel er plötzlich durch ein sich öffnendes Loch in die Tiefe. Zum Glück kam er heil davon. Er gab Bericht von seinem Erlebnis, und man fand, in drei Stockwerken untereinander, eine Menge von Gängen, Treppen, Kammern, Kultnischen u. dgl. in den Kalkfels hinein­gearbeitet. In einem Raum lag eine ungeheure Menge zerfallener Knochenreste, wie man schätzte, von etwa 7000 Menschen. Mehrere Räume zeigten an ihrer Decke ein merkwürdiges, noch unerklär­liches, mit Rötel hergestelltes Ornament. In einer der Kammern ist in die Wand eine tiefe Höhlung gehauen, und wenn man hier etwas hineinruft, so antwortet aus der Tiefe ein dumpfes, vielfach ge­brochenes hin- und herschwingendes Geheul. Diese Stelle wird die O r a k e l k'a m m e r genannt. Ohne Führer kann sich niemand in dem Labyrinth zurecht- finden.

Zahlreicher noch sind auf Malta die oberirdischen Bauten aus derselben Vorzeit, am interessantesten Hagiar K i m und Mnaidra, die beide im Angesicht des Meeres und der Südküste der Insel liegen. Sie zeigen unregelmäßig angelegte Höfe' und Korridore und je zwei einander gegenüberliegende Apsiden mit Nischen und tischförmigen Altären. Eine leider verstümmelte, lebensgroße menschliche 'Voll­figur stellt offenbar eine enorm dicke Frau dar. Kleine Statuetten derselben Art, teils halb, teils gar nicht bekleidet, von derselben phantastischen Fülle der unteren Gliedmaßen, wurden auch in Hagiar Kim gefunden. Sie erinnern an die gleichfalls vorgeschichtlichen Statuetten aus Elfenbein und Speckstein, die man in Frankreich, an der Riviera iinb in Oesterreich (die sogenannte Venus von Wöllendorf) ausgegraben hat. Bei den Orientalen und Nordafrikanern gilt körperliche Massenhaftigkeit der Frau heute noch als schön.

In geschichtlicher Zeit gehörte Malta erst den Phöniziern, dann den Römern, den Ostgoten, den Byzantinern, den Arabern, den Normannen, den Hohenstaufen, den Königen von Aragon. Karl V. schenkte es dem Iohanniterorden, dessen Mitglieder später nach dieser Insel die Malteserritter genannt wurden. Den Maltesern entriß es durch einen un­vermuteten, von verräterischen Insulanern unter­stützten Ueberfall Napoleon auf seiner Fahrt nach Aegypten. Ihm nahmen es die Engländer fort, und an ihrer Weigerung, Malta zurückzugeben, ent­zündete sich von neuem der durch den Frieden von Amiens eben erst beendete Krieg zwischen Napo­leon und England, der erst zum Schluß kam, als Napoleon an Bord des Bellerophon im Kanal seinen Degen dem englischen Kapitän übergab.

Braucht man mehr als diese Namen und diese Ereignisse zu nennen, um ein rasch vorübergleiten- des Bild von diesem Stück Mittelmeergeschichte durch die Reihe der Jahrtausende zu entwerfen? Gerade will Pantelleria im abendlichen Dämmer ver­schwinden, aber der Vollmondschein ist so hell, daß die Montagna Grand'e, der hohe Vulkan­kern der Insel, sich eben noch wie ein Schattenbild am Horizont abzeichnet. Die uralte Inselkultur des Mittelmeers beweist, daß schon die Steinzeitmenschen auf ihm Seefahrt getrieben haben. Wie mögen ihre Kähne gegen die englischen Panzerkolosse aus- gesehen haben, deren Sorge heute Italiens Bombengeschwader sind?

Anbetung der Hl. drei Könige" von Bosch,Der Triumph über den Tod" von Brueghel,Das Urteil des Paris", dos Porträt der Maria von Me­dici von Rubens und dieArtemisia" von R e m- branbt. Die Inventarisierung der Tapisse­rien sei beendet. 2000 Stücke, unter denen sich alle berühmten flämischen Teppiche des 15. und 16 Jahr­hunderts befinden, feien untersucht worden. Alle diese Stücke befänden sich in ausgezeichnetem Zu­stand. Die Inventarisierung der Kunstgegenstände aus Edelniet all habe am 15. März begonnen.

Randglossen zur kleinen Zeitgeschichte -Von Ernst von Niebelfchüh.

Die R e k l a m e ist so alt wie das Gewerbe selbst, das sich ihrer bedient, um die Aufmerksamkeit mög­lichst vieler auf sich zu lenken, die Mittel mögen noch so verschieden gewesen fein. Niemand wird etwas gegen sie einzuwenden haben, solange sie den Ge­schmack nicht verletzt und die Grenzen, die der Ge­meinsinn vorschreibt, respektiert. So war es in jenen ruhigen Zeiten, wo Angebot und Nachfrage noch m einem gesunden Wech,elverhältnis standen, em dringendes Bedürfnis des Geschäftsmanns, sich durch übersteigerte Reklame zur Geltung zu brin­gen, also nicht vorlag. Daß innerhalb solcher ver- nunfttgen Grenzen die Schilderreklame Anteil an der Schönheit des Stadtbildes haben und selbst zur Kunst werden kann, zeigt jeder Gang durch unsere alten deutschen Städte.

Allein von dem Augenblick an, wo die Nachfrage hinter dem Angebot zurückbleibt und ungeheure Warenmengen auf den unbekannten Käufer war­ten, muß sich das Bild sofort zu seinen Ungunsten ändern. Nun erst setzt die Reklame im modernen Sinne ein, eine Reklame, der jedes Mittel recht ist, wenn es ihr nur gelingt, die meisten -Kunden an sich zu ziehen, die Konkurrenz aus dem Felde zu schlagen. Daß es auch heute noch Geschäftsleute gibt, die sich um eine künstlerisch wertvolle Schilder- und Bilderrekl-ame redlich bemühen, soll keines- weg geleugnet werden, allein der Hweck der Kun­denwerbung ist der prakttsche Erfolg, und der wird leider meist nicht durch einen Appell an den Schön­heitssinn erreicht. Einegute" Reklame ist heute eine Sache der Massenpsychose: sie kann gar nicht anders als nach dem Grundsatz handeln: wer am lautesten schreit, hat die besten Chancen. Damit wären wir bei einem Zustand an gelangt, auf den die Worte im Faust anwendbar sind:Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage". '

Dieser Zustand fordert Abhilfe: in einem Staate, in welchem das Wohl der Gemeinschaft an der Spitze aller Forderungen steht, hat eine in der geschilderten Art wildgewordene Reklame keinen Platz mehr. So empfinden wir es als ganz in der Ordnung, wenn wir heute eine ganze Reihe deutscher Städte auf dem Wege sehen, nicht die Reklame an sich, wohl aber ihre Auswüchse zu bekäiypfen, vor allem den schrankenlosen Individualismus, der nur an sich und seinen Vorteil denkt, ohne im geringsten die ruhige Schönheit des Straßenbildes im Auge zu haben, deren Fehlen nicht ausschließlich, aber in vielen Fällen vorwiegend auf das Schuldkonto einer rücksichtslosen Reklame zu setzen ist. Der Deutsche Heimatbund hat auf diesem Gebiete bereits ausgezeichnete Vorarbeit geleistet, und die Stadtver­waltungen sind heute ja Gott fei gelobt nicht mehr genötigt, für ihre volkserzieherischen Maß­nahmen dieöffentliche Meinung" die ost nur die Meinung einiger weniger 3ntereffenfreife war um freundliche Erlaubnis zu bitten. Man braucht gar nicht einmal im Stile des berühmten Drakon oorzugehen, da die eikifachste Ueberlegung heute eigentlich jedem vernünfttg denkenden Geschästs- mann sagen müßte, daß die Reklame den kritischen Punkt, wo ihre Wirkungen zu verpuffen anfangen, bereits überschritten hatte. Der Mensch ist nun ein­mal so beschaffen, daß er gegen jedes Zuviel durch Unempstndlickkeit reagiert. So paradox es klingt: wo alles auffallen will, fällt der am ehesten auf, der sich oornimmt, am wenigsten aufzufallen.

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Es mag von zunehmender Vorurteilslosigkeit zeugen, wenn einem früher scheu umgangenen Pro­blem wie dem desZweiten Gesichts" heute wieder erhöhte wissenschastliche Aufmerksamkeit ge­schenkt wird, und ernste Forscher in die psychologi­schen Tiefen dieser unheimlichen Erscheinung einzu­dringen versuchen. Sicher gibt es Fälle im Seelen­leben, die sich so weit außerhalb des Gewohnten bewegen, daß sie unsere Schulweisheit, die von dem unzulänglichen Begrist desNormalen" ausgeht, vor ein Rätsel stellen. Zu ihnen gehört ohne Zweifel die Gabe dessecond sight, die darin besteht, daß besonders disponierte Menschen, die durchaus nicht krank" im üblichen Sinne zu fein brauchen, Vor­schau-Erlebnisse haben, also Geschehnisse wahrnehmen, die noch im Zeitenschoße schlummern und, wenn ihre Stunde gekommen ist, auch wirklich eintreten. In den Figuren der Senta und der Elsa hat Richard Wagner solche Menschen gezeichnet, und es ist gar keine Frage, daß hier die Dichtung auf realen Erfahrungen fußt, die sich nicht einfach in das bequeme Gebiet der Einbildungen abschieben lassen.

Wenn unvoreingenommene Psychologen uns ver­sichern, daß es noch heute, besonders unter den Be­wohnern der Wasserkante die Ebene macht ja weitsichtig sogenannteEidetiker" mit der Fähigkeit des zweiten Gesichts gebe, so brauchen wir das nicht ohne weiteres als Phantasterei abzu- lehnen, auch wenn es häufig nicht ganz leicht ist, in den Berichten darüber echtes Hellsehen von abstrusem Aberglauben zu unterscheiden. Keinesfalls jedoch werden wir diese okkulten Begabungen zu denen rechnen dürfen, deren Aussterben zu bedauern wäre. :Im Gegenteil, es sind unzeitgemäße Restbestände ieiner ferner Vergangenheit, in der man lieber an «Geister als an den Geist glaubte, und ihr gelegent- Mches Auftreten in einer für sie günstigen Umwelt sollte die übrige Menschheit auf ihrem oorgezeich- meten Wege zu immer größerer Bewußtseinsklarheit iinb nüchterner Verstandeswachheit nicht irremachen.

Es mag dem Seelenforscher unbenommen sein, sich weiter mit diesen rätselhaften Erscheinungen zu be­schäftigen, sie ernster zu nehmen, als es bisher ge- chah, aber man sollte nun auch nicht in den um­gekehrten Fehler verfallen und ihnen eine Bedeu­tung beimeffen, die sie in der Gegenwart nicht mehr gaben können und nicht haben dürfen.

Die spanischen Kunstsckätte in Genf.

Genf, 16. März. (DNB.) Das Sekretariat der Genfer Liga teilt mit, daß bis jetzt von den panischen Kun st schätzen mehr als 500 Ge­mälde, die bekanntesten Meisterwerke des Prado, ies Escorial, des Nationalpalais, der Akademie Fernando inventarisiert worden seien: Dar- nfer befänden sich: von Greco:Die Madonna", "Pfingsten",Die Taufe von Christus",Die Drei- migkeit",Der Traum Philipps II.",Spinnerin",

.'Dre Hl. Elisabeth" von Murillo,Die Kna­benDie Schmiede des Vulkan", ,La Serie des D^n D-l°Squ-z,Die Familie Karls IV. , Wandteppiche, Porträts von Goya, Jungfrau mit Fischen" unb. dasPotträt des Kardinals" von Raffael,Karl V.",Das An­erbieten an Venus",Die Grablegung" von Ti­zian,Moses aus den Wassern gerettet" von Veronese,Die Schlacht auf dem Wasser und aus der Erde" von Tintoretto,Kreuzes- abnahme" von van der Weyden,Die An­betung der Hl. drei Könige" von M e m (i n g ,Die

II. * '

5000 Zahre Mttelmeer.

2fn Bord derGitta di Palermo", März 1939. Unsere Fahrt geht von Neapel nach Tri- p 0 l l s, und der erloschene Dulkanberg, der uns zur Rechten aus dem Meere aufsteigt, ist die Insel Pa n t e l l e r i a. Sie hieß schon im Altertum Pan- teueria, unfc zur römischen Kaiserzeit war sie ein gefürchteter Derbannungsort. Hierher schickte Augustus seine Tochter Julia. Obwohl er sie liebte, tonnte er sie in Rom, wo ihr wildes nächtliches Treiben auf den) Forum ein Skandal für die Stadt war, nicht mehr dulden. Heute darf niemand ohne Erlaubnis Pantelleria besuchen, weil es eine Haupt- ba|'is der italienischen Mittelmeerstellung wird. Es liegt mitten inne zwischen Tunis und Sizilien, und seit dem Konflikt wegen Abessinien wird es bekannt­lich befestigt.

Durch den Aufstieg Italiens zu einem Imperium i|t alle Mittelmeerpolitik wieder zu einem Stück Weltpolitik geworden. Früher, vor Jahrtausenden, war das Mittelmeer das Weltmeer, und die Länder, die es umgaben, bildeten den Erdkreis, die den Alten bekannte Welt. Zwar gab es schon in früher Zeit die Kunde, daß im äußersten^Westen sich noch ein Ausgang öffnete, aber die Flut dort jenseits der Säulen des Herkules war der Okeanus, der die Erdscheibe umkreisende Strom, der in die Unterwelt hineinfloß. Man weiß nicht genau, ob die antiken nchiffersagen, die in der Erzählung von den Irrfahrten des Odysseus miteinander verwobep sind, noch alle im Mittel­meer spielen, ober ob abenteuernde Seefahrer schon über seine Grenzen hinausgelangt waren. Vielleicht liegt sogar manchen Geschichten, so vpn der Insel der Nymphe Calypso (Madeira?) und von der Stadt der Phäaken (Cadix oder Tartessus an der Mün­dung des Guadalquivir?) die Umsegelung Afrika? zugrunde, die der Pharao Necho von Aegypten vornehmen ließ. Die Phönizier suhren schon sehr früh nach Britannien, um Zinn zu holen, aber der geographische Horizont der Griechenwelt reichte westwärts nur bis zu den Säulen des Her­kules, ostwärts bis an den Kaukasus, an dessen Festen Prometheus geschmiedet war

eeit den Ausgrabungen auf Kreta und auf Malta reicht unsere, wenn auch vorläufig noch lückenhafte Kenntnis der alten Mittelmeerkultur weit in vor- geschichtliche Zeiten zurück. Die kretischen Altertümer aus der sogenannten minvischen und vor-minoischen Periode sind durch neuere Arbeiten allgemein be­kannt geworden: von den Funden auf Malta dagegen ist in die außerwissenschaftliche Welt noch wenig gedrungen. Wer heute in Malta an Land gehen will, sei es auch nur auf einige Stunden als Dampfer-Passagier, bedarf dazu eines englischen Visums. Selbst dieses wird nur erteilt, wenn vorher beim englischen Gouverneur von Malta angefragt worden ist. Früher war man damit nicht so streng, und vor einigen Jahren konnte ich die prähisto­rischen Bauten der Insel, die aus der jüngeren Steinzeit stammen (3. und 4. Jahrtausend v. Chr.) in Ruhe besehen. Am interessantesten ist das Hypogaeum von Hal Saflieni, dicht bei der Hauptstadt La Valetta, dem starken eng­lischen Kriegshafen. Vor etwa dreißig Jahren baute

Was uns schon auf dem Höhenmassiv von Vimy zum ersten Male ausgefallen ist, das bestätigt uns in den nächsten Tagen der Anblick der Schlachtfelder an der Somme, am Chemin des Dames, in der Champagne und bei Verdun in immer stärkerem Maße: die Franzosen haben diese von Schanzarbeit und Granatenhagel zerfressenen Gebiete in einer Ausdehnung unkultiviert gelassen, deren Größe durch das Bedürfnis nach Erinnerungswerten allein nicht gerechtferttgt erscheint.

Wenn es auch übertrieben wäre, von einem Raum ohne Volk" zu sprechen, so ist dvch die französische 40-Millionen-Natton so reich an frucht­barem Land, an Bodenschätzen und kolonialen Roh­stoffen, daß sie es einfach nicht nötig zu haben glaubt, auch noch die weniger ergiebigen Gebiete mühsam in Kultur zu bringen. Diesen naturgegebe­nen glücklichen Verhältnissen entspricht überdies die Einstellung des einzelnen Durchschnittsfranzosen, der aus eigenem Impuls meist keine Stunde mehr arbeitet als zur Aufrechterhaltung feines gewohnten Lebensstandards, zum Genuß eines bescheidenen Wohlstandes ober zur Bildung seiner Altersreserven unbedingt notwendig ist. So sehen wir denn überall die gewaltigen Schlachtfelder, die aus Sicherheits­gründen oft mit einem Stacheldrahtzaun umgeben sind. Die Bauern und Landwirte, denen der ver­wüstete Boden früher gehörte, sind entweder in eine andere Gegend ihres weiten Vaterlandes ver­zogen, oder sie begnügen sich mit dem Ackerbau auf ihrem vom Kriege verschonten bzw. neukulti­vierten Restbesitz.

lieber Arras, Bapaume, Peronne, St. Quentin geht die Fahrt nach Laon, dem alten römischen Lugdunum, das von stolzer Bergeshöhe weithin über die Aisne-Landschaft blickt. Vor uns im Südosten erhebt sich aus waldigem Vorgelände ein breiter,

mächtiger Höhenrücken: derChemin des Dames". Da? heißt, eigentlich ist es nur die 18 Kilometer lange, von Fort de Malmaifon bis Corbeny über den Bergkamm hinwegfuhrende Straße, die den NamenDamenweg" verdient. König Ludwig XIV. hatte diesen Weg angelegt, um seinen beiden Schwestern die Reise von Soissons nach dem schloß Bove zu erleichtern. Aber im Weltkrieg verblaßte die romantische Erinnerung, und es blieb nur der liebenswürdige Name, der in seltsamem Kontrast zu seiner Herkunft fortan einen geographischen Sammelbegriff für eines der blutig­sten und grausamsten Kriegsschauspiele abgeben sollte. Die Berghänge zwischen der Aisne im Süden und der Aillette im Norden bildeten nämlich nach der unglücklichen Marneschlacht von 1914 den festen, unangreifbar scheinenden Halt der zurückgerufenen deutschen Truppen. Hier gruben sie sich ein, und hier erwarteten sie im Frühjahr 1917 die furcht­bare Offensive des Generals Nivelle, den feine eigenen Landsleute denBlustäufer" nannten. Unter dem gewaltigen Anprall mußten zwar die Deutschen ihre Stellungen räumen und sich hinter den Damen­weg zurückziehen, aber die französischen Verluste waren so ungeheuerlich, daß Meutereien ausbrachen und die Gefahr des inneren revolutionären Zu­sammenbruchs die Republik in eine Existenzkrise brachte. Frankreich hat sich von diesem Schlag, den es durch den deutschen Abwehrsieg erlitt, nie wieder ganz erholen können.

Der Durchbruch zur zweiten Marne- schlacht im Mai/Iuni 1918 gab den Damenweg nach einmal in deutsche Hand. Noch heute ist der ganze kahle Bergrücken, der mehr einer Hochebene gleicht, bedeckt von den Spuren jener Kämpfe. Weite Ackerflächen der Großgrundbesitz herrscht hier oben vor wechseln ab mit grasbewachsenen, zer­pflügten Trichterfeldern, dazwischen eingestreut hier und da eine deutsche oder französische Kriegsgräber­stätte, ein zerstörtes Gehöft. Das berühmte, heiß umstrittene Dorf C r a o n n e ist säst ganz von der

Bildfläche verschwunden. Nur weil ein Schill) am Wegrand auf die Stelle aufmerksam macht, wo es einst stand, entdeckt man einige im nachwachsenden Gebüsch fast verborgene Ruinen. Die Ortschaft selber ist woanders wieder aufgebaut worden.

An derGrotte du Dragon", einer der großen Naturhöhlen unter dem Chemin des Dames, die im Kriege als bombensichere Truppenzuflucht für ganze Kompanien benutzt wurden, vorbei geht es hinab ins schöne Aisne-Tal, weiter nach Reims und in die Champagne, von den FranzosenLa Champagne Pouilleuse", d. h. Lausechampagne genannt. Auch hier derselbe Ein­druck einer trostlosen Einsamkeit und chaotischen Verlassenheit, auch hier kilometerweit unberührte Grabensysteme und Explosionsfelder, auch hier zwischen Reims und Argonnerwald der offenbare Verzicht auf die Neubewirtschaftung des Schlacht­gebietes, ein Verzicht freilich, der durch die bekannte Unfruchtbarkeit des bärtigen Kreidebodens verständ­licher wird. Grau ist der Himmel, grau ist die Erde. Nach einer Stunde Fahrt stehen wir auf. hem Umgang des großen Champagne-Denkmals, das man auf dem beherrschenden Platz der einftigen Navarin-Ferme errichtet hat und dessen ehrende Jnschrist sich an alle auf diesem Front­abschnitt gefallenen Soldaten wendet. Don dem Monument aus hat man einen weiten Ueberblick über große Teile des Schlachtfeldes. Ringsum ift das Gelände im Kriegszustand liegen geblieben. Krächzend fliegt ein Krähenschwarm über die verlassenen Stellungen, in denen noch Tausende von deutschen Soldaten so ruhen, wie sie gefallen sind. In der nebeligen Ferne glaubt man die Umrisse der Ta hu re - Schlucht zu er­kennen. Ao und zu rollt Geschützdonner über das Feld. Uns fröstelt in dem naßkalten Dunst, der auf dem verwüsteten Boden lastet und alle Gegenstände einhüllt. Gespensterhaft recken sich aus der Leere des Schlachtfeldes ein paar geborstene Geschützrohre in die Luft. Schreiben wir wirklich schon das Jahr 1938? Der kriegsmäßige Eindruck heruht auf keiner Sinnestäuschung: der praktische Sinn der Franzosen hat beschlossen, das kaum verwendbare Gelände noch heute als Artillerie-Schießplatz zu benutzen. Im Gegensatz zur Süd-Champagne, wo auf sanften Hügeln der köstliä)e Wein für die Reim­ser Sektfabriken gedeiht und wo auch von 1914 bis 1918 nur wenig zerstört wurde, scheint es die Be­stimmung der nördlichen Champagne zu sein, für friedliche Zwecke ewig ungeeignet zu bleiben.

Am A r g o n n c r Wald vorbei, durch fried­liche Täler und über waldige Hänge gelangen wir schließlich ins Maas-Tal, sehen zur Rechten jenseits des Stromes denToten Mann" auf- tauchen und befinden uns unversehens auf der Straße, die vor Verdun nach Dorf und Fort Douaumont abzweigt. Wie ein rot glühender Feuerball finkt gerade die Sonne unter den Hori­zont. Ihre letzten Strahlen beleuchten das gewal­tige marmorne Beinhaus auf dem Boden der alten Thiaumont-Ferme. Dann steht nur noch her purpurne Streif am Himmel, und die heroische Berglandschaft bleibt zurück in ihrer düsteren Er­habenheit und Ruhe. Hier ist noch alles tragische Erinnerung, hier herrscht kein tätiges Leben. Nur die fremden Besucher bewegen sich andachtsvoll zwi­schen den Stätten der Toten, und das französische Militär baut neben die alten Fort seine neuen Befestigungen. Am Eingang zum Fort Dou­aumont warnen uns Schild und Stacheldraht vor dem Betreten des neuen Werkes. Aber deutlich hebt sich der frische Beton seitwärts von dem alten Mauerwerk ab. Auf demselben Wege, auf dem vor 22 Jahren Oberleutnant von Brandis und Leutnant Radtke mit ihren Männern in das Fort eindran­gen, treten wir in den zerschossenen Panzerturm ein. Ein blutjunger französischer Rekrut in schmucker, graublauer Uniform empfängt uns. Er erzählt die Geschichte des Forts, er zeigt uns den Weg durch die weitläufigen Kasematten und Gänge der mehrere Stockwerke umfassenden Riesenfestung, er macht mit einem heiligen Ernst, der in seinem Kindergesicbt seltsam beschwörend wirkt, die Ehrenbezeigungen vor den deutschen und französischen Erinnerungstafeln, er kann auch ganze Absätze aus Beumelburgs Wer­ken auswendig hersagen, er weiß von allem und jedem Bescheid und erklärt uns jeden Gegenstand, jede Einzelheit. Als wir das Fort wieder verlassen, ist es ganz dunkel geworden. Während der große Scheinwerfer auf dem Beinhaus von Douaumont unermüdlich feine Strahlen über den Bergen des Schicksals kreisen läßt, fahren wir durch die Nacht hinab nach Verdun.

Nie Frühjahrsmode.

Die Grundlinie der Frühjahrs- und S o m m e r m o d e ist klar erkennbar: die Taille eng, die Schultern breit und gerade, der Rock von schwingender Weite. Dadurch wirkt sie sehr weid­lich und anmutig. Diese typischen Merkmale tre­ten natürlich an den Nachmittags- und sommer­lichen Abendkleidern am deutlichsten in Erscheinung, denn die leichten, duftigen, farbenfreudigen Stoffe, wie beispielsweise Georgette oder- Lavadle sind wie geschaffen für den weiten Rock, der die schmale Taille noch besonders betont. Alles, was sich die neue Mode in unerschöpflicher Erfindergabe aus» gedacht hat, zeigen nahezu 300 Modelle in Beyers Modeführer Frühjahr/Sommer 1939, Band 1, Damenkleidung (Verlag Otto Beyer, Leipzig), Preis RM. 1,60. Für die schlich­ten Vormittagskleider und die besonders für die Ju­gend geschaffenen kleinen Kleider aus Leinen ober Shantungseide behauptet sich auch weiterhin der knappe sportliche Stil. Sehr vielfältig in Stoff und Fasson sind die neuen Kostüme. Auch die Mäntel bieten eine erfreuliche Auswahl kleidsamer Schnitte. Für die sommerliche Ferienzeit bleibt das lustige Dirndlkleid das A und O, nicht nur für das junge Mädchen, sondern auch für die jugendliche Frau, lieber kokette Strand- und Badekleidung, schicke Blusen und Röcke und vieles andere hat das Heft noch manches zu sagen. Es enthält auch einen großen Schnittmusterbogen mit vielen ausgewähl­ten Modellen. Beyers Modeführer, Band 2, Kinderkleidung (Preis RM. 1,), bringt etwa 240 Modelle für Mädchen und Knaben. Auch er wird durch einen reichhaltigen Schnittmuster­bogen ergänzt.

Die Westfront nach 20 Jahren.

Von unserem H. E.-Sonderberichterstatter.

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Schlachtfelder hinter Stacheldraht.

Achte beim Schuhcremekauf auf zwei Dinge: den Namen Erdal und den roten Frosch.*

Dann erhältst Du das gute alte rTfi AI