Ausgabe 
18.3.1939
 
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der treten zurück, es stampft auf. tausend Hände Ichlagen mit einem einzigen Aufklatschen gegen die Patronentaschendeckel. mit einer einzigen Bewe­gung. als fresse das ganze Regiment Pulver um dann Feuer zu speien werden die Patronen zum Munde geführt und ihre Hülsen durchbissen Tau­send Arme greifen hoch, fassen den Ladestock, stoßen ihn mit einem einzigen scharfen Aufklirren in den Lauf, ziehen ihn. tausendarmig hoch ausgreifend, wieder heraus, schultern die Flinte mit dumpfem Aufschlag, präsentieren mit hellerem Klingen, war­ten auf das Kommando zum Chargieren, ziehen sich, da dieses getrommelt wird, abermals stampfend, klirrend und staubend, w'e eine Riesenmaschine aus­einander und schieben sich, wenn gefeuert worden ist. wieder zusammen Und zwischen dieses Dor und Zurück, zwischen das Stampfen und Klirren, zwi­schen dieses abgezirkelte eckige Auf und Rieder gurgeln Die Kanonenkugeln, pfeifen die Gewehr- geschosse, reißen Tschakos empor, wirbeln Gewehr- trümmer in die Luft, werfen Männer nieder und zerstören mit dem dumpfen Glucksen der treffen­den Kugeln immer wieder die sich aufs neue zu- sammenschließenden Reihen. Und immer wieder prüfen Offiziere und Unteroffiziere die Richtung und ermahnen die Leute zur Ruhe." _

An einer so tapferen Haltung der österreichischen Regimenter zerbrachen alle Angriffe Napoleons. Die Nacht brach herein, aber beide Heere blieben in ihren Stellungen. Der Kaiser biwakierte im Kreise feiner Generäle auf dem Schlachtfelde (bekanntes Gemälde). Er war mehr wie je entschlossen, am folgenden Tage erneut anzugreifen und die öster­reichische Armee doch noch zu durchbrechen. Seine Lage war keine beneidenswerte, und sie sollte sogar eine sehr schlimme werden die sich wohl sicher zu einer erneuten Niederlage gestaltet hätte, wenn die Oesterreicher die Gunst der Lage erkannt hätten, die sich ihnen mehrfach bot, und wenn Erzherzog Jo­hann aus Preßburg zur rechten Zeit mit seiner Heeresabteilung eingetroffen und in die völlig un­geschützte Flanke der Franzosen gestoßen wäre. Aber er kam und tarn nicht trotz aller Befehle und Hilferufe. Eigenartig erscheint es, daß man bei der Nachrichtenübersendung nur aus die Pferdebeine vertraute, aber nicht einmal Relais 'gelegt hatte. Auch der damals bereits im Gebrauch befindliche optische Telegraph, den Napoleon wiederholt benutzt hatte, scheint eben so wenig wie die Donau zur Auf­nahme der Verbindung mit Preßburg Anwendung gefunden zu haben. Jedenfalls traf Erzherzog Jo­hann erst nach der Schlacht ein, und diese ging da­durch für die Oesterreicher verloren, da ihr linker Flügel eingedrückt und aufgerollt wurde.

Der Schlachtbeginn des 2. Tages brachte einen wütenden Angriff des ganzen Korps Maffena a u f Adlerklaa. Die hessischen Schützen voran, wurde das Dorf unter großen Verlusten genommen. Aber hinter ihm gerieten die Verfolger in derart sumpfiges Gelände, daß alle Ordnung verloren ging. Starke österreichische Reserven warfen die Hessen und Franzosen wieder aus Adlerklaa heraus, die Verluste mehrten sich und schließlich strömte das ganze Korps Masiena, das auch noch in der linken Flanke von österreichischer Kavallerie angegriffen wurde, in wilder Unordnung zurück bis Rasdorf, wo sich seine Trümmer mühsam sammelten. Don den 6 hessischen Bataillonen waren es zunächst nur 500 Mann, die dort eintrafen. Die Einbußen waren groß. Unsere beiden Stamm-Bataillone hatten neun Offiziere, 258 Mann verloren. Unter ersteren waren tot: die Kapitäns Gödecke. du Puis und Merk: ver­wundet waren die Leutnants v. Perglas, Schmidt, ü Rothsmgnn, Kilian. Weber und Wächter. Letz­terer hatte einen Schuß ins Auge bekommen. Sein Bild, mit der schwarzen Augenbinde, hängt heute noch im Offiziersheim in Gießen.

Sobald die Truppen wieder einigermaßen in Ordnung waren, erhielt das Korps den Befehl, auf Aspern vorzugehen, wo sich inzwischen die Lage für die Franzosen sehr Übel gestaltet hatte Der rechte österreichische Flügel unter General Graf Klenau war zum Angriff vorgegangen und bereits siegreich bis Aspern vorgedrungen stand also fast im Rücken der Franzosen. Eine wilde Panik setzte nun bei diesen namentlich unter den Trains, ein Haufen fliehender Franzosen wälzten sich nach den Donau­brücken, die bald durch Fahrzeuge völlig verstopft waren Es sah sehr bös aus und hätte zu einer Katastrophe geführt, wenn sich die siegreichen 23er»

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Ein Blick auf Prag.

leidiger von Adlerklaa dem tapferen Vorgehen Kle-124 000 Mann an Toten und verwundeten, naus angeschlossen hätten. Dies geschah aber nicht, men 48 000. Die hessische ^ade hatte etwa em

Ein prächttger Blick von der Teyn-Kirche auf die Stadt Prag. Im Hintergrund sieht man die alte Burg, überragt von dem St.-Veits-Dom. (Scherl-Bilderdienst-M.)

_____ angeschlossen hätten. Dies geschah aber nicht, und so blieb auch diesem nichts weiter übrig, als angesichts der herbeieilenden französischen Verstär­kungen seinen so glänzend eingeleiteten Angriff ab-

Fünstel ihres Bestandes verloren. Erst gegen Abend traf die Vorhut des Erzherzogs Johann auf dem Schlachtfeld ein, wo sie nur br-'.^n^r Häuser und Tote vorfand. Er fühlte sich -licht stark genug, das Schicksal des Tages zu wenden und ging wieder nach Preßbura zurück. Sein Verhalten muß als völlig unbegreiflich bezeichnet werden. Die Trophäen auf französischer Seite waren sehr gering: 9 Kanonen, eine Fahne, fast keine Gefangenen, während die Oesterreicher auf ihrem Rückzug 7000 Gefangene, 11 Kanonen, 12 Adler und Fahnen mitnahmen.

Das war nicht das Bild einergeschlagenen" Ar­mee und wohl auch der Grund, weshalb Navoleon nur sehr langsam der auf Zn atm zurückgehenden österreichischen Armee folgte. Dort stellte sich diese noch einmal am 10. und 11 Juli zum Kampfe. Aber es kam nur zu Vorhutgefechten, bei denen auch die hessische Brigade eingesetzt wurde, als der Angriff der bayerischen Division Wrede nicht vorwärtskam. Ein klägliches Bild damaliger Zerrissenheit Deutsch­lands. Bayern, Hessen, Sachsen, Württemberger, Ba­dener usw. bluten für Ziele und Zwecke eines frem­den Eroberers und kämvfen feine Schlachten gegen Oesterreich, dessen Herrscher noch vor wenigen Jah­ren derdeutsche Kaiser" gewesen war Die österreichische Armee, die in zahlreichen Nachhut­gefechten von Wagram bis Znaim bewiesen hatte, daß sie vollkommen aktionsfähig geblieben war, stand auf den Höhen nördlich Znaim zur Schlacht aufmarschiert, aber es kam nicht mehr zu einer

zubrechen. ,r f

Unbekümmert um diese Vorgänge hatte inzwischen der Kaiser Napoleon eifern an seinem Entschlüsse, die feindliche Front zu durchbrechen, festgehalten und immer wieder seine Massen gegen Wagram- Parbasdorf vorgetrieben Zum Angriff auf den österreichischen linken Flügel bei Markgraf-Neusiedl war der Marschall Devoust mit starken Kräften entsandt, der zu gleicher Zeit gegen Preßburg sichern sollte. Die Oesterreicher verteidigten sich in vorge­schobenen Stellungen verzweifelt und mit größter Tapferkeit. Besonders zwei Jäger-Bataillone schlu­gen sich in einem Gutshofe bis zur letzten Patrone und ergaben sich erst, als sie rings von den in Brand geschossenen Gebäuden eingeschlossen waren Die fest erwartete Hilfe von Preßburg kam nicht, Markgraf- Neusiedl wurde in der Flanke und im Rücken gefaßt und erstürm Die tapferen Verteidiger mußten wei­chen, der linke österreichische Flügel war eingedrückt. Damit war das Schicksal des Tages entschieden Zwar hielt immer noch das Zentrum den fortgesetz­ten Angriffen stand, aber nun drohte auch ihm die Umgehung Der Erzherzog Karl befahl den Rückzug, der in vortrefflicher Haltung erfolgte. Die Franzosen folgten nur langsam, ohne das blutgetränkte Schlachtfeld des Tages zu überschreiten. Die Verluste auf beiden Seiten betrugen fast gleichmäßig j e

olchen. Die Friedensverhandlungen waren bereits im Gange, und. mitten im Gefecht vom 11. 3uh er­tönten auf einmal die Signale zur Feuereinstellung. ^Jhm folgte am 14. Oktober der Frieden der Oester­reich schwere Opfer kostete. 2058 Quadratmeilen mit 3% Millionen Einwohnern, darunter das treue Tirol mußte es abtreten. Bis zum Fnedensschlutz blieben die französischen Truppen in Cagern bet Znaim vereint, dann aber begannen sie Mahren zu räumen und in Nieder-Oesterreich, im Kreise Krems, Quartiere zu beziehen. Am 22. Oktober erhielt das Garde-Füsilier-Bataillon in Zweitel, das Leib-Fusi- lier-Bataillon in Bergheim den Befehl zum Rück­marsch in die Heimat, wo sie am 18. Januar 1810 noch langen, beschwerlichen Märschen eintrafen Em eigenartiger Zufall hat dieses letzte Kriegsquartier unserer Stamm-Bataillone nach 130 Jahren erneut zu einer Unterkunft des fetzigen Regiments 11b ge-

RUHL Seliersweg Nr. 67

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eparaturen »

macht. Bei dem Aufmarsch der deutschen Armee zur Befreiung des Sudetenlandes war Zwettel wieder das Quartier der Urenkel jener Hessen, die damals unter französischem Befehl gegen Deutsche kämpfen mußten Jetzt aber, im September 1938 tarnen sie infolge der Großtat des Führers als Befreier dort­hin und rückten, jubelnd begrüßt, in das Land em, das ihre Vorfahren blutig erkämpfen mußten

Die großen Ereignisse des Krieges gegen Oester­reich waren vorüber. Die hessischen Truppen hatten sich bei allen Gelegenheiten gut gehalten und hohes Lob geerntet. Auffallend ist es, daß unsere beiden Stamm-Bataillone fast immer allem und als selb­ständige Truppenkörper verwendet wurden, was be­stimmt als eine große Anerkennung ihrer Leistungen gewertet werden muß. 16 Orden der Ehrenlegion und 13 hessische Auszeichnungen, die an die beiden Füsilier-Bataillone verliehen wurden, bewiesen, daß ihre Tüchtigkeit in vollem Maße anerkannt worden war. Es sollte dies in den folgenden Jahren noch weit mehr der Fall fein. (Fortsetzung folgt)

Der Reichslriegerführer 70 Zahre alt.

Der Reichskriegerführer ---Gruppenführer General­major a. 2). Reinhardt vollendet am 18. Marz fein 70. Lebensjahr. Er steht an der Spitze des N«.° Reichskriegerbundes. General Reinhardt wurde tm Jahre 1915 Regimentskommandeur/ In den Jahren 1918/19 säuberte er mit seinem Freiwilligen-Regi- ment die Reichshauptstadt von den Spartakisten-, er ist Träger des Ordens Pour le merife mit Eichen­laub (Scherl-Bilderdienst-M)

Der Mersmann ans Böhmen.

Von Professor Dr. Eduard Hartl.

Das Schicksal Böhmens ist- schon in feinen sagen­haften Anfängen eng mit dem Deutschen Reich ver­knüpft. Bereits seit 929, da Herzog Wenzel die Oberhoheit des Deutschen Kaisers anerkannte, war Böhmen in den Verband des Deutschen Reiches eingegliedert, deutsche Kaiser waren es, die den von ihren Landsleuten vertriebenen Pschemysliden wie­der zur Herrschaft verhalfen Aus deutscher Hand empfing Herzog Wratislaw im Jahre 1086 die Königskrone. Unter den letzten Pschemysliden herrscht am Prager Hof deutsche Sprache und Kul­tur, ja, Wenzel II. selbst, der viele deutsche Dichter um sich versammelte, zählt zu den deutschen Minne­singern.

Eine reiche Blüte geistigen Lebens entfaltet sich unter dem umfassend gebildeten, zur Weltweite ftre- benben Luxemburger Karl IV (1347 bis 1378): Er dehnt die Lehenshoheit Böhmens über ganz Schle­sien aus, er ruft deutsche Siedler ins Land und gründet die erste deutsche Universität (Prag, 1348). Zu seiner Zeit liegt die.Neugestaltung der Kultur nicht mehr wie früher bei den Dichtern, sondern bei den Gelehrten: unter ihnen hat besonders Johan­nes von Neumarkt, Protonotar Karls und schließlich Bischof von Olmütz, den nachhaltigsten Einfluß aus- geübt. Früh kam er in Berührung mit den italie­nischen Humanisten (Cola bi Rienzo, Petrarca) unb schulte seinen Stil an biesen glänzenden Vorbilbem: dadurch, daß er in einer Zeit der Formverwilderung diese neue, strenge und würdige Ausdrucksweise in den Dienst der ihm anvertrauten kaiserlichen Kanzlei stellte, förderte er die Einheit der Behördensprache aus der schließlich unsere heutige Schriftsprache her­vorging.

Aus diesem Ringen um die Neugestaltung der Kultur und der Sprache ist im verklingenden Mittel­alter nicht nur das bedeutsamste Werk Böhmens, sondern der gesamten deutschen Dichtung, der Ackersmann aus Böhmen" hervor- gegangen, ein in Prozehform gekleidetes Streit­gespräch: der Ackersmann dessen junges Weid ster­ben mußte weil es neues Leben geschenkt hatte, klagt in leidenschaftlichem Schmerz In herzzerrei- ßender Verzweiflung den Tod an: einen sinnlosen Mord hat der Tob begangen, nicht bas. was alt unb schwach unb ihm schon halb verfallen war, hat er bahinaerafft. sondern er hat das blühende Weih von dem Mann die sorgende Mutter von ihren Kindern gerissen. Der arbeitsame und darum am

Leben hängende Mensch, der einen Sinn im Ge- chehen sucht, bäumt sich auf gegen das Sterben, bäumt sich auf gegen die ihm unbegreifliche Allmacht des Schöpfers, der fein eigenes Werk grundlos ver­nichtet und dem Tod überantwortet: aber der Tod hat nur eiskalte Verachtung für Menfchenleid und Menschenqual, mit schneidendem Hohn sieht er her­ab auf die Nichtigkeit der Menschen und Menschen­werke-. der große Verneiner, der nichts ist und ÖO'J etwas ist. sieht in Schönheit nur das Vergängliche im Glück nur den flüchtigen Augenblick, er erkennt nur das Unvollkommene und Schlechte im Menschen, unb auch menschliches Streben nach Wahrheit ist für ihn nur ein ewiger Irrtum. Diese eisige Haltung wahrt der Tob um so schroffer, je leidenschaftlich»' der Mensch ihn anklagt: wie aber dieser davon ab- läßt. mit feinem Geschick zu hadern, wie er nur noch schmerzliche Wehmut empfindet und inbrünftia Trost sucht in der Frage nach dem Warum, ba wirb auch ber Tod menschlicher und enthüllt seine göttliche Sendung: im Sinn der Schöpfung liegt es, daß alles, was von Gott geschaffen ist. wieder zu Gott zurückkehrt Sterben ist nicht Ende des Seins sondern nur Wandel zu einem andern Sein Eine Wohltat ist der Tod, denn wenn alles lebte, was ie geboren wimde dann wäre dem Menfchen die Erde zu eng Schließlich schlichtet Gott selbst den Streit: den Tod. ber sich in feiner gottäbnlichen Macht als Beherrscher ber Erbe dünkt, weist er in feine Schranken zurück: seine Gewalt hat er nicht von sich selbst, sondern auch sie ist ihm von Gott verliehen Aber auch ber Kläger hat unrecht wenn er sein Weid von Gott .zurückfordert denn Gott hat es ihm gegeben unb Gott ist Herr über bie ganze Schöpfung Gott gleicht am Ende aus:ir habt beide wol gefochten, den twinget leit zu clagen, bifen bie anfechtung bes clagers die warheit zu sagen Darvumb. rfager. habe ere* Tot. sige'" Gottes Weisheit führt den Menschen wieder auf die rechte Bahn her Kläger beugt sich vor der Allmacht Gottes und ergibt sich in den höheren Willen, und ein Strahl des Göttlichen hellt feine umbüfterte Seele auf die Liebe die noch lebt wenn der geliebte Menfch gestorben ist. die Liebe bie mächtiger ist als der Tod- es bleibt über alle dem Menschen unbegreiflichen Wechselfällen des Lebens hinweg das reine Gewissen die E'nkehr des Men­fchen in sich felbft der durch Leid erkaufte Friede ber geläuterten Seele

Die mittelalterliche Dichtung Hat noch nicht den Einzelmenfchen mit feinen nur einmal gegebenen persönlichen Schicksalen entdeckt fonberrt überall wo ber einzelne auftritt handelt er nur als Ver­treter einer Vielheit, als Typ: jo ist auch ber

Ackersmann ein Typ. eine zeitlose Gestalt, die Ver­körperung der Menschheit, für die der Tod ein ewiges Rätsel bleibt. Und doch wird es deutlich, wie in dieser Zeitlosigkeit zwei verschiedene Geistes­schichten einander überschneiden. Mittelalter unb Renaissance, aber diese zwei Weltanschauungen sind nicht nach den Gestalten geschieden, sondern in jeder ist Altes und Neues zugleich wirksam: der Tod. der irdische Schönheit als Blendwerk verachtet und dort Verwesung fühlt, wo ber Mensch sich an ber Blüte freut, gemahnt z. T. an die echte mittelalter­liche Geisteshaltung, in der die Erde nur als flüch­tiger Durchgangsort zur wahren Heimat des Men­schen. zum Himmel, gilt: doch weist wiederum diese großartig gezeichnete Gestalt in die Zukunft: wenn der Tod hier einseitig die kühle Vernunft vertritt, so zeigt sich darin das Hochziel der Renaissance, die stoische Haltung des Menschen, die ihn .frei von Leidenschaften macht und ihn so über das erdgebun­dene Leben hinaushebt.

So wird auch der Tod selbst als Reiniger und Befreier gefaßt ganz anders als sonst im Spät- mittelalter, da das Sterben für den zwischen schran­kenloser Genußsucht und reuevollem Büßertum führerlos hin und her geworfenen Menschen ein Schrecken eine Höllenpein ist Der Ackersmann, der das aus dem Irdischen kommende und zum Irdischen wieder zurückführende Gefühl vertritt steht in seiner Unruhe, in seiner Bewegtheit im Gegensatz zu der Ruhe der Renaissance, aber ebenso zeigt er die andere Seite dieser Richtung, die Freude am Leben, den vertrauensvollen Glauben an das Leben und an die Schönheit der Welt, aber noch eindringlicher weist er auf das Neue durch feinen Glauben an den Geist. Der den Manschen aus der Enge der Erde zu lichten Höhen trägt: die Renaissance strebt nach Erneuerung und Reinheit, sie träumt von einem goldenen Zeitalter das durch Die Macht der neuen Bildung heraufgeführt werden soll. Daß der Dichter diese schneidend scharf gewordenen Gegensätze zwischen Weltfreude und Weltflucht in fo glück­licher Weise zu vereinen verstand enthüllt uns erst feine künstlerisch und menschlich gleich bedeutsame Leistung, die um so höher zu werten ist als fönst in der Dichtung der Zeit große Gedanken und große Gestalter fehlen

So konnte auch nicht die Dichtung die neue Zeit heraufführen, sondern die von frischem Leben und Zukunftsfreude erfüllte Gelehrsamkeit: diese erste und berühmteste Leistung des deutschen Humanis­mus ist das Werk eines echten Gelehrten des Johannes von Saaz (um 1350 geboren um 1414 gestorben), bei dem Leben unb Bildung

eine unauflösliche Einheit geworden ist: da er gerade durch feinen Beruf (Stadtfchreiber in Vrag) ständig auf bie Pflege ber Muttersprache hm- gemiefen wurde, steht er eben durch sie und ^urch seine rein menschliche Ausdrucksweise dem ^oir nahe, am nächsten aber durch das eigene Leit >en Verlust seiner Frau, den er unter der Gestali des volkstümlichen Typs, des Ackersmanns, beklagt.

Künstliche Träume.

Das planvolle wisienschattliche Experiment bringt auch in das Reich der Träume vor. Es besteht kein Zweifel, daß eine häufige Art von Träumen mit Vorgängen im Inneren bes menschlichen Körpers sowie mit äußeren Reizen, die durch die Sinnes­organe dem Körper zugeleitet werden, im Zusam­menhang steht Der Hungernde träumt vom Essen, das Bloßliegen eines Körperteils ruft durch die Kälteempfindung den Traum von einer Fußwande­rung im Regenwetter hervor, durch das Um'allen eines Stuhles werden Bilder heroorgerufen, die mit der Explosion eines Pulvermagazins enden ulw. Darin tiegt auch die Möglichkeit begründet den Einfluß künstlich hervorgebrachter Reize auf die Gestaltung der Traumerlebnisse zu untersuchen

Bei dieser experimentellen Traumerzeugung konn­ten. wie in Reclams Universum" berichtet wird, durch eine Spieldose unter dem Kopfkissen Träume von Konzernen und heranziehender Militärmusik her- oorgerufen werden Tropfenweise Wasierbespren- gung hatte Träume von Regen und Sturm M Folge, künstliche Behinderung ber Atmung durch Ueberdecken von Mund und Nase führte zu dem Alpdrucktraum Als allgemeines Ergebnis zeigt iÄ» daß der Reiz gleichsam nur den Rahmen zu einem Gemälde liefert, das jeder Menfch mit einem ver­schiedenen Inhalt erfüllt Aus künstlichen Traumen, die durch Reize hervorgebracht wurden, aber man zum Erwachen führten, konnte man folgern, dvst viele Traumbilder dazu dienen sollen, den Smlal zuentstören", das beißt durch ablenkende und be* ruhigende Inhalte ein Erwachen zu vermeiden w"NN die menschlichen Instinkte, die im Schlaf besonder wach sind erkennen, daß der Reiz für den Schla" keine Gefahr bedeutet und keine Abwehr im wawe Zustande erfordert

Weitere Versuche der Beeinflussung des Draunv lebens, die mit chemischen Mitteln ausgeführt wur­den führten da'zu daß man über Stoffe oerfuaen lernte bie Traumlnfigfeif unb damit die 'Befreiung von quälenden Angstträumen bewirkten.