Ausgabe 
18.3.1939
 
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Hr.fifr Zweites Blatt____________ Giessener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)________________ I8./IY. März (939

Wehr und Waffen.

Großadmiral von Tirpitz.

Zum 90. Geburtstag des Schöpfers der deutschen Borkriegsflotte am 19. März.

Auf den großen Werften unserer Seestädte wird gehämmert und genietet. Tausend und aber tausend Hände sind am Werk, um Deutschland wieder eine Flotte zu schaffen, die den Notwendigkeiten unseres erneuerten Reiches entspricht. Nicht nur in der Ost­see und der Nordsee Halter?deutsche Kriegsschiffe ihre Uebungen ab, sondern die Schiffe unserer jungen Kriegsmarine sind wieder hinausgefahren in die Welt und zeigen in den fremden Häfen die Flagge

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der neuen Kriegsmarine und des neuen Reiches. Der Deutsche im Ausland steht wirklich wieder un­ter dem Schutz der deutschen Flagge, und vor Al­meria hat es sich gezeigt, daß deutsche Schiffe nicht mehr wehrlos sind wie einst, sondern daß sie die Antwort auf einen Angriff jedweder Art wirksam zu geben wissen. Fast zwanzig Jahre haben unsere Werften still gelegen, denn das, was wir auf Grund des Versailler Vertrages bauen durften, war ein mehr als magerer Ersatz. Die Köpfe unserer Schiffs- baucr haben allerdings nicht gefeiert. In den Kon­struktionsbüros hat man aufmerksam die Arbeit der fremden Marinen verfolgt, auch wenn man selbst das noch nicht in Stahl Herstellen konnte, was in den Köpfen konstruktionsreif war.

Vor wenigen Wochen hat sich Zum zwanzigsten Male der Tag gejährt, an dem Admiral von Reu­ter vor Scapa Flow den Befehl zur Versenkung der deutschen Vorkriegsflotte gab. Diese Flotte ist ehren­voll zugrunde gegangen. Während des ganzen Krie­ges ist in 4V-J Jahren auf die deutschen Küsten nicht ein einziger Schuß abgegeben worden. Dieses eine Beispiel zeigt wohl hinreichend den Wert der Vor­kriegsflotte. Darüber hinaus aber hat sie sich un- ,endlichen Ruhm erworben, der nie verlöschen wird. 'Wir brauchen nur an Skagerrak, die Falklands- Inseln, an die Kreuzerfahrten, die tapferen U-Boot- 'Männer und an die Torpedoboote zu erinnern, die .alle, jede Einheit in ihrer Art, getreu der alten De- wiseRan an den Feind" gegangen sind.

Die alte Vorkriegsflotte ist bei Scapa Flow ver­sunken, aber die Erinnerung an sie und an ihren Schöpfer, den Großadmiral von Tirpitz, dessen 90. Geburtstag am 19. März gefeiert wird, erlischt niemals. Die junge Kriegsmarine weiß, welchen Wert die Tradition hat und deshalb ist dieser Tag

für sie und für das deutsche Volk ein Gedenktag be­sonderer Art, denn dieser weitsichtige Schöpfer der deutschen Vorkriegsflotte war ein Seemann mit der Initiative und dem Wagemut, die jedem echten Seemann zu eigen sind. Schon als Korvettenkapitän hat Tirpitz die glänzende Entwicklung der Tor­pedo w a f f e gefördert und war der e r st e T o r - pedobootsflottillenchef der Marine. Er wußte, was er diesen Booten und ihrer Be­satzung zutrauen konnte. Es ist noch heute die schönste Zeit eines jeden Offiziers unserer Kriegs­marine, einmal einige Jahre als Kapitänleutnant und Führer eines Torpedobootes Dienst zu tun.

Als Chef des Stabes des Oberkom­mandos der Marine hat Kapitän zur See Tirpitz alsdann Gelegenheit genug gehabt, die Größe der neuen Probleme der Marine, die damals zur Erörterung standen, kennen zu lernen und zu lösen. Die Zeit der Segelschiffe war endgültig vorbei. Es galt nunmehr die Wirkung der Dampfschiffe zu er­proben. Gleichzeitig aber kam es darauf an, die Wechselwirkung zwischen Panzer und Artillerie feft- zustellen. Großadmiral von K o e st e r hat in die­ser Hinsicht bahnbrechende Arbeit geleistet, und er wurde unterstützt durch die frische und unverbrauchte Kraft des Kapitäns Tirpitz. Damals begann man zum ersten Mal die Kriegsschiffe zu großen Uebun­gen zusammenzuziehen. Diese Uebungen gaben als­dann die Möglichkeit, ein Exerzierreglement auf­zustellen und alle die Fragen zu klären, die mit dem modernen Arttllerieschießen in Zusammenhang stan­den.

Im Jahre 1896 vertauschte Tirpitz den Schreib­tisch im Admiralsstab wieder mit einem Flotten- kommando. Er wurde Chefder Kreuzerdivi- sion im Osten. Aber dieses Kommando war ihm nur em Jahr vergönnt, dann harrten neue Auf­gaben der Lösung. Im Jahre 1897 wurde der Ad­miral Tirpitz Staatssekretär de-r Marine, und nun begann für ihn die Hauptarbeit seines Lebens. Jetzt konnte er sich als genialer Organi­sator betätigen. Jetzt schuf er die Flottengesetze, die Sinn und Regel in die Aufbauarbeiten brachten. Es mußte darauf gesehen werden, daß die Werften gleichmäßig belastet wurden und daß alle Arbeiten so verteilt wurden, daß in verhältnismäßig kurzer Zeit von der Kriegsmarine Höchstleistungen verlangt werden konnten. Wenn damals die deutsche Vorkriegs­flotte im verstärkten Tempo gebaut wurde, so war dieser Bau, das muß hier noch einmal gesagt werden, nicht gegen irgendeine bestimmte Macht gerichtet. Es handelte sich darum, eine Flotte zu bauen, die in der Lage war, unsere Seeinteressen und unsere kolonialen Interessen wirksam zu verteidigen. Im übrigen aber ist durch diesen Flottenbau bewiesen, daß wir 1914 keinerlei Angriffswillen hatten, denn nach den Flottengesetzen wäre unsere Kriegsmarine er st im Jahre 19 20 programmgemäß vollendet gewesen. Es ergibt sich also, daß der Krieg vom Standpunkt der Kriegsmarine aus ge­sehen, mindestens sechs Jahre zu früh gekommen ist. Außer dem Bauprogramm hat aber der Groß­admiral von Tirpitz besonderen Wert auf die Aus­bildung seiner Männer gelegt. Sommer und Winter, Tag und Nacht wurde geübt. Kein Wetter war zu schlecht, keine See zu stürmisch, an der es nicht hinausging auf die graue Nl^dfee, wenn der Dienst es befahl.

In jenen Jahren vor dem Kriege war das Großkampfschiff durch Englands Initiative in den Vordergrund gestellt worden. Gewiß ist auch Tirpitz damals den Weg vom großen Kreuzer zum Schlachtkreuzer mitgegangen. Aber er wußte, daß die Tonnage nicht den Kampfwert des Schiffes allein bestimmt. Tirpitz legte besonderen Wert auf S i n k s i ch e r h e i t und Standfestigkeit. Das bedeutet also, daß er die Bedeutung des Pan­zers im Unterwasserschutz gegen Torpedoangriffe und U-Boote voll erkannte. Auch dem Minenwesen hat er seine Aufmerksamkeit zugewandt, und im Jahre 1911 ging er auch daran, die Marine­

luftwaffe auszubauen. Daß zu Beginn des Weltkrieges bei uns wie auch bei den anderen Kriegsmarinen die Marineluftwaffe noch nicht stär­ker ein greifen konnte, lag eben daran, daß die tech­nischen Möglichkeiten noch nicht so weit waren, daß sie sich kriegsmäßig verwerten ließen. Man hat von gewisser Seite dem Großadmiral von Tirpitz zum Vorwurf gemacht, daß er dck e U - B o o t e zu wenig berücksichtigt habe. Aber auch dieser Vorwurf ist unberechtigt, denn einmal darf nicht vergessen wer­

den, daß wir zu jener Zeit den Dieselmotor, die Voraussetzung eigentlich für jedes brauchbare U-Boot, noch nicht'hatten und zweitens muß gesagt werden, daß unsere U-Boote zu Kriegsbeginn öen englischen sicherlich überlegen waren, wie ja die Er­folge, von U 9 angefangen, genügend klar gezeigt haben. Wenn jetzt durch Führerbefehl eine neue Kriegsmarine im Werden ist, so darf man sicher sein, daß, getreu der alten Tradition, der Tirpitz- Geist von einst auch in ihr stets lebendig sein wird.

Aus der Geschichte des alten Regiments 116.

Oie Schlacht bei Wagram am 5./6.1.1809.

Von Geneialmajor a. O. Rudolf Mohr, Gießen.

Die Schlacht bei Aspern am 21./22. 5. 1809 hatte, wenn auch nicht mit einer direkten Nieder­lage Napoleons, so doch mit einem unbestreitbaren Mißerfolg für ihn geendet. Er hatte zwar, trotz aller sich ihm entgegenstemmender Hindernisse seinen ZweckRan an den Feind, koste es was es wolle" erreicht, aber nicht das Ziel, die Zertrümmerung des feindlichen Heeres. Der unbewohnte Widerstand des österreichischen Heeres, der in einem geschlosse­nen Angriff seinen Gipfelpunkt gefunden hatte, so­wie der seinen wagehalsigen Plänen feindliche Strom, der seine Brücken zerriß, und die furcht­baren Verluste, die er erlitten hatte, hatten ihn, den bisher Unbesiegten zum Rückzug auf b i ex Insel ßobau gezwungen. Daß dieser ihm ge­lungen ttfar, ohne daß der Feind nachdrängte, kann schon beinahe als ein Wunder bezeichnet werden.

Aber ein noch viel größeres und unverständliches ist das zweite, daß auch an den dem Rückzug fol­genden lagen, an denen Napoleon von jeder Hilfe abgeschnitten auf dem eng begrenzten Raume der Insel Lobau wie in einer Mausefalle saß, nicht das Geringste geschah, um ihm das Dasein zu erschwe­ren. Nicht einmal die starke österreichische Artillerie (etwa 300 Geschütze) trat in Erscheinung, obgleich sie selbst bei der damaligen geringen Schußweite der Geschütze die französischen Lager im Halbkreis überall hätte mit Feuer zudecken können. Es war, als ob die Furcht vor Napoleon alles zur Erstar­rung gebracht hätte. Die Oesterreicher blieben wie festgebannt in den jetzt von ihnen besetzten Dörfern Aspern, Eßlingen und Groß-Enzersdorf stehen, in Erwartung eines neuen Angriffs. Kein Versuch wurde von ihnen gemacht, die Donau, wenn auch nur zur Demonstration an einer anderen Stelle zu überschreiten, selbst dann nicht, als die Heeresabtei- lung des Erzherzogs Johann Preßburg besetzt hatte und somit einen Tagesmarsch entfernt bedrohlich in Napoleons rechter Flanke stand.

Napoleon dachte nicht daran, den Angriff so­fort zu wiederholen. Er ließ starke Verschanzungen am Nordrande der Lobau aufwerfen und die Brücken über die Donau, was mehrere Tage dauerte, wiederherstellen. Dann zog er alle Kräfte seines Heeres heran und bereitete sorgfältig einen neuen Uebergang und eine neue Schlacht vor. Auch unsere beiden Stamm-Batail­lone, die, wie wir wissen, inzwischen bei Engerau und Raab gefochten hatten, trafen am 4. Juli abends auf der Insel Lobau ein und traten zu ihren Truppenteilen zurück (Korps dG Marschalls Massena, Division St. Cpr) und fanden sofort Ver­wendung in der am anderen Morgen beginnenden Schlacht.

Sechs Wochen lang hatten sich die beiden feind­lichen Heere, nur durch einen etwa 100 Meter breiten Donauarm getrennt, gegenübergestanden, Napoleon stets auf dem Sprunge, die Oesterreicher untätig und abwartend. In der Nacht zum 4. Juli brach der Sturm los. Napoleon hatte alles zu einem Uebergang weiter unterhalb vorbereitet und ließ zu­nächst eine Vorhut auf Kähnen übersetzen. Unter

ihrem Schutze wurden südlich von Enzersdorf drei Brücken gebaut und auf ihnen ging sofort die ganze französische Armee über, ohne daß die Oesterreicher im Stande gewesen wären, es zu verhindern. Das Korps Massena ging als erstes über die Brücken und gegen Groß-Enzersdorf vor, das nach hartnäckiger Gegenwehr genom men wurde. Die hessische Brigade bildete hier die Reserve und kam nicht ins Feuer. Bis zum Nach­mittag blieb das ganze Korps dann untätig stehen, während die Massen der übrigen Korps links von ihnen in die Gefechtslinie rückten. Die Oesterreicher räumten vor ihnen Eßlingen und Aspern und gingen auf den Höhenzug zwischen Adlerklaa, Wag­ram und Markgraf-Neusiedl zurück. Nachmittags trat auch das Korps Massena wieder an, um vom rechten nach dem linken Flügel zu marschieren.

SPITZENLEISTUNG

OPEL

Hauptmann v. Bouchenröder führte hierbei sämtliche Schützen der hessischen Brigade. Der Marsch ging bis Leopoldau ohne weiteres Ereignis für das Korps, das bei hereinbrechender Nacht dort biwakierte.

Unterdessen hatte rechts von ihnen die Schlacht getobt. Vergeblich hatte Napoleon versucht, mit sei­nen Hauptkräften die feindliche Stellung hinter dem sumpfigen Ruß-Bach bei Wagram und Parbasdorf zu erstürmen, er war stets an der Tapferkeit der österreichischen Infanterie und dem starken Geschütz­feuer, das ihm von den Höhen entgegensehlug, ge­scheitert. Der Eindruck, den diese gewaltigen Sturm­oersuche machten, muß ein ungeheuerer gewesen sein. Ein Augenzeuge schildert das Verhalten eines österreichischen Regiments dabei Die Schilderung, die zugleich ein überaus anschauliches Bild von der damaligen Exerzier- und Schießausbildung gibt, ist so interessant, daß ich sie (gekürzt) miebergebe:

Unten in der Niederung tauchten die erstell feindlichen Plänkler auf. .Habt acht! Eine Salo«' zu geben! Das ganze Bataillon macht euch fertig! Das ganze Bataillon chargieren! Durch Die weißen Mauern ging ein Beben. Aufstampfend trat das erste Glied 3 kleine Schritte vor und kniete nieder. Das zweite Glied nun trat vor, das dritte seitwärts. In immer dichteren Gruppen kam der Feind unten über den Bach. In die Reihen der Weißen (Oester- reicher) oben schlugen immer mehr Kugeln ein. .Setzt anr Ein einziges Eisenklirren durchläuft die ganze lange Front, die Gewehre fliegen hoch. .Feuer!' Ein einziges Aufblitzen, Krachen und Rauchen, ein einziges Zurückstoßen, eine runde Salve schlägt in die Franzosen im Bachgrund und legt blaue neben weiße Soldaten. Hinter einer fast undurchdringlichen Rauchwolke, den Pulvergeschmack auf der Zunge, erhebt sich das erste Glied, die beiden'anderen Glie-

Menbienfl der Fliegertruppe.

Von Hermann Adler, Major

Im Frühjahr und im Herbst jeden Jahres rücken Die jungen Männer zu den Fliegerersatzabteilungen -in, um den aktiven Wehrdienst bei der Flieger­ruppe abzuleisten. Von diesen vielen Rekruten wird nur eine beschränkte Anzahl Flugzeugführer oder Fliegerschütze werden, während der größte Teil i m Bodendienst verwendet wird. Wie kommt es, yiafo trotzdem sich die Fliegertruppe fast ausschließ­lich aus Freiwilligen ergänzt? Und wozu »raucht man so vieleFlieger", die nicht fliegen?

Es ist bekannt, daß die Kriegsmarine für die Flotte umfangreichere Einrichtungen an Land -raucht, wie Häfen, Werften, Docks, Leuchtfeuer und -ieles andere. In gleicher Weife sind für dieLuft- lotte" entsprechende Einrichtungen auf d em B o - 1 e n notwendig. Dazu gehören die Flieger- I o r ft e mit Rollfeld und Unterkünften, Werft. Flug- ,-eughatten, Tankanlagen, Werkstätten (Funkmeiste- ii>i, Waffenmeisterei, Kraftwagenwerkstatt), Flug- Htung,* Wetterstelle, Nachrichtenstelle, Bildstelle, Bewachung, Verwaltung, Horstfeuerwehr und man- cyes andere.

Aus dieser durchaus nicht vollständigen Aufzäh­lung geht schon hervor, daß die Aufgaben des Bo- r-ndienstes der Fliegertruppe sehr vielseitig sind. Es ist aber auch verständlich, daß der Dienst nur von Soldaten versehen werden kann, die eine iurer Verwendung entsprechende Son o er aus» Hlbung erhalten haben. Die Fliegertruppe besteht l'Iso nicht nur aus demfliegenden Personal, näm- lch Flugzeugführer, Beobachter, Fli^gerlchützen (Bordfunker und Bordmechaniker). Den zahlenmäßig c-ößeren Teil bilden vielmehr dasfliegertech- r i s ch e P e r s o n a l" und dasallgemeine * ersonal".

Für diese Personalgruppen werden bevorzugt emgestellt Freiwillige mit ab g e s ch l o s s e - ne r Berufsausbildung, also mit Gelellen- z ugnis oder Jndustriefacharbeiterprufung Nach der riilitärischen Grundausbildung bei einer iv|eger= eisatzabteilung werden diese Soldaten entsprechend iirer Eignung und beruflichen Vorbildung in einem btr technischen Dienstzweige verwendet und fach- l.ch weitergebildet. Das geschieht sowohl bei

im Reichsluftfahrlmimsierium.

den Verbchiden (Staffeln usw.) als auch in Lehr­gängen auf einer der zahlreichen Schulen der Luft­waffe. Der Soldat im Bodendienst der Fliegertruppe hat also den Vorteil, sich während der aktiven Dienstzeit Kenntnisse und Fähigkeiten anzueignen, die für seine spätere berufliche Tätigkeit ungemein wertvoll sind.

Die Dienstzeit dauert 2 ober 4*/2 Jahre. Freiwil­lige, bie aus beruflichen Gründen nicht länger bie­nen können, haben also die Möglichkeit, den zwei­jährigen Wehrdienst bei der Flieger­truppe abzuleisten. Dafür ist Voraussetzung, daß sie für bie Fliegertruppe wertvoll sind. Das trifft zu für die Angehörigen derfliegerischen Bevölkerun g". Dies sind die Angehörigen des NSFK. (Nationalsozialistisches Fliegerkorps), der Fliegereinheiten der HI. und Inhaber von Auswei­sen über fliegerische Betätigung. Ferner gehört dazu das im Dienst der Luftwaffe beschäftigte Zivilperso­nal, soweit es mit dem Betrieb oder der Instand­setzung von Flugzeugen oder im Nachrichtenverbin- dungswesen beschäftigt ist. Schließlich zghlt zur fliegerischen Bevölkerung" das Personal der Luft­fahrtindustrie, soweit es eine Bescheinigung als Flug­zeugfacharbeiter oder über eine erfolgreiche Ausbil­dung in Ausbildungswerkstätten der Luftfahrtindu­strie nachweist: ferner Facharbeiter, Fhchangestellte und Fachbeamte, die bei der Herstellung und In­standsetzung von Flugzeugen und Flugzeugzubehör, Flugmotoren ynb Flugmotorenzubehör, Flugzeug­ausrüstungsgegenständen, Flugzugwaffen, Flugzeug- munition und den dazu erforderlichen Halbzeugen beteiligt sind Bevorzugt werden diejenigen Frei­willigen eingestellt, die 4/z Jahre dienen wollen. Wer aber die militärische und fachliche Eignung zum Unteroffizier nachgewiesen hat und eine der aus­sichtsreichsten Laufbahnen erwählt, wird sich auf insgesamt 12 Jahre verpflichten.

Die Art der Verwendung technisch vorge- bildeter Soldaten ergibt sich auch aus den Bezeich­nungen der Dienstlaufbahnen. Das sind im flie­gertechnischen Personal: Flugzeugmecha­niker, Flugzeughandwerker (Flugzeugschlosser, Flug­zeugmetaller, Flugzeugtischler, Flugzeugmaler, Flug­

zeugsattler), Flugmotorenschlosser, Flugzeugelektriker, Flugzeugfeinmechaniker, Flugzeugbombenpersonal, Fliegerwaffenpersonal, Flugzeugbildpersonal, Flug­zeugfunkpersonal, Fallschirm- und Sicherheitsgerät­personal. Beim allgemeinen Personal wer­den Soldaten aus technischen Berufen verwendet im Truppennachrichtenpersonal, Kraftfahrpersonal, La­gerpersonal und als Feuerwerker.

Für die fachliche Aus- und Weiterbil­dung steht eine große Anzahl' von Schulen zur Verfügung. Da sind z. B. die fliegertechnischen Schu­len, Luftnachrichtenschulen, Waffenmeister- und Feuerwerkerschulen, Kraftfahrschulen, Fliegerbild- schulen und viele andere. Alle diese Schulen besitzen Lehrwerkstätten, die mit neuzeitlichen Maschinen ausgestattet sind und von besonders geeigneten Fach­kräften geleitet werden. Dem erfolgreich abgeschlos­senen Lehrgang folgt jeweils die entsprechende Ver­wendung des Soldaten im technischen Dienst bei einem Verband (Staffel usw.) Hier werden dann die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten praktisch verwertet und unter Anleitung und Aufsicht von erfahrenen Unteroffizieren des technischen Dienstes vertieft. Die länger dienenden Soldaten erhalten in einem Unteroffizier- und später in einem Feldwebel­lehrgang eine weitere Fortbildung auf den Schulen.

Die Auswahl der Freiwilligen aus technischen Berufen und die gründliche Weiterbildung der Sol­daten des Bodendienstes ist wichtig und notwendig, denn die Tätigkeit des technischen Personals ist von besonderer Bedeutung. Das fliegende Per­sonal führt den Kampf, das technische Personal sorgt durch Wartung, Pflege und Jnstandhaltuya des Ge­rätes dafür, daß das Flugzeug als Kampf­mittel jederzeit einsatzbereit ist. Das technische Personal schafft also erst die Voraussetzun­gen für den Erfolg der Flugzeugbesatzungen. Um seine Aufgabe erfüllen zu können, muß deshalb der Soldat des technischen Personals Fachmann aus feinem Arbeitsgebiet fein. Unerläßliche Charaktereigenschaften aber sind Pflichttreue und Ver­antwortungsbewußtsein. Keine Arbeit darf zu ge­ringfügig und nebensächlicb sein, denn selbst schein­bar unbedeutende Dinge sind für das zuverlässige Arbeiten aller einzelnen Teile und Geräte während des Fluges lebenswichtig für das Flugzeug und da­mit auch für die Besatzung. In der Tätigkeit des technischen Personals findet der dazu berufene Sol­dat seinen Stolz und seine volle Befriedigung. Er ist der Fachmann, er steht persönlich dafür ein, daß

l die von ihm betreute Maschine einwandfrei und zu- | verlässig arbeitet. Ihm zollt Dank und Anerkennung das Pertrauen, das ihmseine" Flugzeugbesatzung entgegenbringt.

Dank der vorzüglichen Fachausbildung oes Sol­daten im Bodendienst der Fliegertruppe ist die*-- live Dienstzeit nicht nur die Erfüllung der Ehren­pflicht jedes jungen Deutschen, sondern gleichzeitig eine Bereicherung an Wissen und Kön­nen. Das ist auch der Grund dafür, daß sich so viele Soldaten der Fliegertruppe freiwillig für eine Dienstzeit von 4*/? Jahren verpflichten. Dazu kommt, daß der nach 4V2jähriger Dienstzeit in Ehren aus­scheidende Soldat am Tage der Entlassung eine Uebergangsbeihilfe in Höhe von 525 Mark und einen Berechtigungsschein für eine be­vorzugte Arbeitsvermittlung erhält. Dieser Berech­tigungsschein gewährleistet dem Ausgeschiedenen eine Fürsorge in erhöhtem Maße, die durch die Ver- sorgungs- und Fürsorgedienststellen der Wehrmacht in Verbindung mit den Arbeitsämtern und anderen Stellen ausgeübt wird. Eicke der Hauptaufgaben der Fürsorgedienststellen ist die Vermittlüng von geeigneten Arbeitsplätzen, zunächst selbstverständlich in der Luftwaffe. Sämtliche Dienststellen der Luftwaffe decken daher ihren Bedarf an Angestell­ten und Arbeitern in erster Linie aus den ausge­schiedenen Soldaten der Luftwaffe. Technische Ange­stellte und Arbeiter werden z. B. eingestellt auf Den Fliegerhorsten für Werft, Werkstätten, Horstfeuer- wehr, in Munitionsanstalten, bei Zeugämtern, Be­kleidungsämtern, auf Schieß- und Uebungsplätzen, bei der Reichsflugsicherung, im Reichswetterdienst usw.

Darüber hinaus hat jeder Soldat der Flieger­truppe die Möglichkeit, sich auf i n s g e \ a m t' 1 2 Dienstjahre zu verpflichten, um sich die An­wartschaft auf Anstellung als Beamter eines technischen oder nichttechnifchen Dienstes in der Luft­waffe zu erwerben. Für die Verpflichtung zu län­gerer Dienstzeit ist Voraussetzung die Bewährung im militärischen und fachlichen Dienst, Denn bestim­mend für fein Vorwärtskommen sind für den Sol­daten der Fliegertruppe immer wieder die erwiesene Eignung, Können und Leistung.

Vielseitig ist der Dienst in der Fliegertruppe- viel­fältig sind die Möglichkeiten des Aufstiegs. Das (£r? reichen des Zieles aber ist nur abhängig von der Tüchtigkeit.