Ausgabe 
18.2.1939
 
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Ur. 42 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

IMO.gebnwr 1930

t

Kies" ein (Roggen-)Brötchen mit Käs ist und außer- zähtten Kostbarkeiten, die hier geborgen sind und

eigentlich bei jedem Besuch neu genossen werden

Glas. Das hth.

dem dasselbe wiene halwe Hahn", über dessen ge­ringen Preis der Zugereiste, der nicht ohne Grund Geflügel erwartet, baß erstaunt ist, bis er gewahr

Ein Weilchen weiter gewandert, da steht man wahrhaftig vor einem Standbilde mit der römischen Wölfin, Romulus und Remus säugend, und der Kreis ist aufs neue geschlossen, die schweifenden Ge­danken des Spaziergängers sind wieder beim Wun­der jener Glasflasche aus dem Jahre 180 nach Chri­stus angelangt, die unversehrt im Bauschutt gefun­den wurde. Nächstes und Fernstes Mischen sich und begegnen sich im brausenden Rhythmus der Welt­stadt am Rhein auf eine merkwürdige, immer wie- der zu Betrachtungen und Träumereien verführende Weise. Der Karneval mit dem T^nen Husaren, dem Klatschmarsch und der Donkey-Serenade verklingt, und man besinnt sich wieder einmal auf die mige-

hrdienst r durch erlichen ebun« würden 1 Tätig- Zukunft Jung ewesen mehr t, um ' ober nahe- t tttan- ppe an en atti< inb des :er wert ierbe ba­ren, den nmen- der Sol- i und zu

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n Be­ll. und irischen Mar« eres in rmititä« wesent« :perlid), t und tann in den zur ch und baten

müßten.

Diesmal hat wahrhaftig die Zeit nicht gereicht für die Madonna mit der Wlckenbtüte und jene andere, nicht minder lieblich-mütterlichemit dem Veilchen" von Lochner -r des berühmten Rosenhag-Bildes zu schweigen. Keinen Mick auf die geschnitzten Holztür­flügel der Kirche Maria im Kapitol, keinen Blick in den Leibl-Saal, in die Wunderwelt der Oft- asiaten, ayf das erschütternde, letzte Selbstbildnis des Rembrandt, in dieses abgründige, zerklüftete, rätselhaft lächelnde Gesicht eines alten, einsamen, ge­schlagenen Menschen ...

Es sind hier nur wenige Namen genannt, die einem so einsallen, durch den Kopf gehen und aus der Erinnerung emportauchen auf dem späten Heim­weg durch die unwahrscheinlich milde Föhnluft, die vom Rhein über den nächtlichen Domplgtz hin­streicht. Man könnte diese Namen leicht vermehren, und man nimmt sich schon jetzt allerlei vor für das

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nächste Mal.

Daheim, im Hotel-Zimmer, liegt auf dem Tisch unter dem Kölnisch-Wasser-Fläschchen ein ausgezeich­net gedrucktes, stattliches Werbeheft: das Umschlag­bild zeigt den Blick vom Deutzer Ufer über die Hängebrücke hinüber auf das alte vertraute Stadt­bild; das Ganze wird überblendet von der gewaltig onste.genden, doppeltürmigen Domfassade und von den schattenhaft durchscheinenden Umrissen eines steinern verwitterten Jmperatorenhauptes: in diesem Bilde umfaßt man mit einem Blick das römische, dos mittelalterliche, das gegenwärttge Köln ... Die schmale Randleiste aber weist, unter den drei Kro­nen des Stadtwappens, arabeskenhaft schnörklige Figuren des Karnevals samt Rebstock und Rao- dampfer, Nixe und Zecher, Flasche und Bilderbuch der Stadt ist unerschöpflich.

Jungen und Mädel vor der Berufswahl.

3300 Jungen und 3300 Mädchen in Oberhefsen verlassen in diesem Jahre die Schule

ne Unterredung des Gießener Anzeigers beim Arbeitsamt Gießen

wird, worum es sich handelt.

Daß einLotterbov" ungefähr das ist, was man in Berlin liebevollRotzneefe" und in Frankfurt Läuszippel" nennt, muß ebenfalls erst durch Sprachvergleichung erworben werden. Schlechter­dings fundamentale Mißverständnisse konnten be­seitigt werden, als im Verlaufe mehrerer Karnevals- stunden einer kleinen Berlinerin der Unterschied zwischenBütz" undBotz" erklärt wurde. Wie leicht kann der Ahnungslose in redlichem Bemühen es verwechseln, aber Bütz ist ein Kuß, und Botz ist die Hose ... wer hätte das gedacht.

Schaffung eines leistungsfähigen Bauerntums durch Zuführung neuer Kräfte konsequent begangen. In diesem Zusammenhang wird auch das Pflicht- jahrderMädchen, das in erster Linie auf b*m Lande oder bei kinderreichen Familien abzuleisten ist, für manche Mädchen einen besonderen Ausblick auf spätere Möglichkeiten als Bäuerin und wichtiges Glied der Gemeinschaft eröffnen.

Wer sich im Handwerk nach Fortkommensmög­lichkeiten umblickt, wird auch hier für junge Men­schen allerlei Chancen finden. Als Beispiele seien hier nur erwähnt, daß in dem schönen und gesunden Gärtnerberuf eine ganze Anzahl Lehrlinge unter­kommen können. Im Buchdruckergewerbe ist auch für eine Reihe von Schriftsetzer- und Buchdrucker­lehrlingen Platz. Das Holzgewerbe (Schreinerei, Wagnerei und Küferei) ist ebenfalls zur Aufnahme von Lehrlingen bereit und besonders aussichtsvoll. Das Metzger- und das Bäckerhandwerk bietet zahl­reichen Jungen Gelegenheit zu guter Lehre und auch zu schönem Fortkommen, wobei u. a. an die

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. Hans Schrader, der im inuye- stand lebende Vertreter der Archäologie an der Universität Frankfurt, beging dieser Tage seinen 7 0. Geburtstag. Schrader, der früher in Innsbruck, Graz und Wien wirkte, hat sich vor allem durch sein Werk über Phidias einen vorzüglichen Namen gemacht. In seiner Jugend hat er mit Geh. Rat Theodor Wiegand die Stadt Priene ausgegraben. Als Leiter des Deutschen Ar­chäologischen Instituts in Athen erwarb er sich große Verdienste um die Restaurierung der archa­ischen Plasttken auf der Akropolis,

In wenigen Wochen werden wieder viele Jungen und Mädel in Stadt und Land mit dem Ende ihres Schulbesuches in einen neuen Lebensabschnitt eintreten. Die Frage, was aus dem Jungen oder dem Mädel werden soll, beschäftigt schon seit Wo» chen die Eltern und den jungen Menschen selbst in hohem Maße. Es ist ja auch eine Entscheidung von größter Tragweite, die in der Berufswahl zu treffen ist. Eltern und Kinder, die bei dieser Auf­gabe in früheren Jahren meist allein standen und mit ihrer Auswahl des Berufes für den Jun­gen oder das Mädel nicht selten in die Irre gingen, haben schon seit etlichen Jahren einen guten Helfer zur Seite: die Berufsberatung. Die Männer und Frauen, die diese Tätigkeit im Rahmen der Aufgaben des Arbeitsamtes ausüben, haben einen weiten Ueberblick über die Verhältnisse in den ver­schiedenen Berufen und über die Möglichkeiten der späteren Entwicklung des Heranwachsenden jungen Menschenkindes in den mannigfaltigen Zweigen des Wirtschaftslebens. Sie können als sachkundige Beurteiler, die auf Grund von sorgfältigen Unter­lagen den Jungen oder das Mädel mit ungetrüb­tem Blick für die späteren Entfaltungsmöglichkeiten betrachten, ein objektiv besseres Urteil fällen als manche Eltern, bei denen Wünsche und Neigungen und Elternliebe nicht immer ein sicherer Wegbe­gleiter bei der Berufswahl des Kindes find. Diese große Bedeutung der Berufsberatung für den einzelnen und für die Gesamtheit-kommt denn auch in der öffentlichen Geltung dieser Dienststelle des Arbeitsamtes gebührend zum Ausdruck inso­fern, als der Berufsberatung eine maßgebliche Rolle bei der Einschaltung des jungen Nachwuchses in das Erwerbsleben zuerkannt ist.

Die Berufsberatung verschafft sich die Unterlagen für die Beurteilung der aus der Schule ausscheiden­den jungen Menschen schon etwa ein Jahr vorher. Dazu werden von der Berufsberatung des Arbeits­amtes an alle Schulleitungen Schülerkarten versandt, auf denen die Schulleitung und der Schul­arzt eine Reihe von Fragen über den zur Ent­lassung kommenden Jungen bzw. das Mädel be­antworten. Hierbei handelt es sich um Auskünfte über den Gesundheitszustand und die körperlichen und geistigen Kräfte des Kindes, dessen besondere Eigenschaften oder Fähigkeiten usw. Diese Schüler­karten werden der Berufsberatung als Hilfsmittel für die Beratungstätigkeit zugeleitet. Der Berufs­berater bzw. die Berufsberaterin führt dann im Zusammenwirken mit der Schulleitung innerhalb der Schule auf dem Lande meist für einige Schulen gemeinsam Beratungstage durch, die den Zweck haben, an Hand der Unterlagen einen persönlichen Eindruck und ein möglichst siche­res Urteil über den Jungen oder das Mädel $u gewinnen. Danach trifft die Berufsberatung in großen Umrissen ihre Planung für den Ein­satz der jungen Menschen unter dem Gesichts­winkel des arbeitseinsatzmäßigen Interesses.

Dann kommen immer mehr Eltern mit ihrem Kinde zu der Berufsberatung, um Aufschluß über alle Fragen der Berufswahl zu erlangen. Daß dabei in weitgehendem Maße auf die Wünsche der Eltern und des Kindes Rücksicht genommen wird, versteht sich von selbst. Jedoch wird es auch vor- kommen, daß der Wunsch des einzelnen, angesichts der Gesamtlage in einem Berufszweig, oder im Hinblick auf die geistigen und körperlichen Kräfte des Kindes, beim besten Willen nicht erfüllt wer­den kann, sondern hier das stärkere Interesse und der größere Gesichtspunkt des Gemeinwohls den Vorrang verdienen. Es ist auch ein maßgeblicher Grundsatz, daß bei der Berufsberatung und der Zuweisung von Lehrstellen, unter der Voraussetzung der völligen Gleichwertigkeit der Wettbewerber, ein Junge oder ein Mädel aus einer kinderreichen oder

hinaus am anderen Morgen umfaßt die gewaltige Masse. Der erste Blick beim Eintritt ins Hotel­zimmer fiel auf ein zierliches Fläschchen Kölnisch Wasser, das dem Gast zur Begrüßung auf den Tisch gestellt ist' als eine wirklich beziehungs­volle Aufmerksamkeit. Kölner Dom, Kölnisch Wasser, Kölner Karneval jedes bei völliger Unvergleich­barkeit ein vollkommen festgefügter Begriff.

Jetzt in diesen Februar-Wochen zumal regiert der Karneval das Bild, die Stimmung, den Rhythmus der Stadt. Der Kölner Karneval ist ein Ding für sich, weder mit dem Münchener Fasching noch mit der Meenzer Fassenächt ganz vergleichbar: er ist kein mehr oder minder zufälliges, mehr oder minder begrenztes Kalenber-Ereianis, sondern ein unver­äußerlicher Bestandteil rheinisch-kölnischen Lebens- gefühls. Der Kölner Karneval ist eine Sache des Volkes, und zwar des ganzen Volkes von Köln ohne Ausnahme. Wer nicht in Köln und mit dem Karneval gleichsam groß geworden ist, wird ihn wohl nie in seinen tiefsten Ursprüngen ergründen und nachempsinden können.

Die Berliner Kollegen, die zum Presse-Empfang und zur Grundsteinlegung des Hauses der Reichs­bahn auf dem I VA«(9eIänbe nach Köln gekommen waren und am ersten Abend in der Karnevals­revueDat singende, klingende Kölle" saßen, haben wohl nicht besonders viel von den Gesangs- und Dialog-Texten mitgekriegt. Die Einheimischen jubel­ten; sie füllen den Riesensaal Abend für Abend, und bis zum Rosenmontag wird das so werter­gehen. Die Gestalten da auf der Bühne sind alle irgendwie ihresgleichen, mit ihnen verwandt, aus ihrer Stadt gebürtig. Diese kleinen Bürger, Hand­werksmeister, Rheinmatrosen sind ebenso boden­ständige Charakterfiguren wie der Prinz Karneval, wie die Kölsche Jungfrau, der Kölsche Bauer, der Tünnes und das Hännesche ...

*

Das mit der Mundart ist ein schwieriges Kapitel. Hier herrschen noch in der täglichen Rede ein Ge­sangston und eine Lautverschiebung, die den Gast aus München, aus Dresden oder aus Königsberg verwirren müssen. Was jene Revue betrifft und manche der Büttenreden, so wird gewiß vieles durch drastische Gebärden oder den Handlungszusammen- hanq wenigstens dem Sinne nach auch dem Fremd­ling verständlich. DaßAlaaf!" ein ähnlicher Schlachtruf ist wie ,Helau!" in unseren Breiten, ein Erkennungszeichen auch von Landsmann zu Landsmann in den Stürmen der weiten Welt wie dasHummel-Hummel!" der Hamburger, ist ziem­lich bekannt. Aber wer von den auswärtigen Gasten kann ahnen, daß beispielsweisee Röggelche met

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spätere Arbeit als selbständiger Meister oder als guter Handwerker in Wehrmachtsschlächtereien oder -Bäckereien zu denken wäre. Schneider- und Schuh­macherhandwerk sind auch als aussichtsreich Zu be­zeichnen, nicht minder das Frifeurhandwerk. Be­sondere Beachtung schenke man ferner dem Weiß- binberberuf unb dem Zimmeret-, Dachdecker-, Glaser- unb Pflasterergewerbe, ebenso den Gerber- und Polstererberufen. Nachfrage nach Lehrlingen besteht auch aus dem Drogistenfach, wobei hier als beson­ders günstig in Betracht kommt, daß zur Weiter­bildung eine Drogistenfachschule in Gießen besteht, die den jungen Menschen die schulmäßige Ausbil­dung gegenüber den Verhältnissen vor einigen Jah­ren wesentlich erleichtert. Alles in allem kann man jedenfalls die Feststellung machen, daß für junge Menschen in unseren mannigfachen Handwerksbe­rufen noch gute Gelegenheit zur Lehre und günstige Aussichten für das spätere Fortkommen bestehen, so baß es also nickt notwenbig ist, sich unter allen Umftänben nur auf den sog. Modeberuf der Metalle zu stürzen. Wer tüchtig ist, kommt in jedem Beruf vorwärts!

Eltern und Lehrlinge mögen den von besten Ab­sichten geleiteten Ratschlägen der Berufsberatung heim Arbeitsamt Folge leisten und sich von man­chem falschen Vorurteil freimachen. Sie werden bann für den in bas Erwerbsleben eintretenben Jungen unb auch für die Mädels eine gute Ent­scheidung treffen und ihnen damit eine verheißungs­volle Grundlage für das spätere Leben schaffen. B.

Dornotizen.

Tageskalender für Samstag.

Stadttheater: 20 bis 22 Uhr Ballettabend der Tanzgruppe. Gloria-Palast (Seltersweg):Der .Edelweißkönig". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): Im Namen des Volkes". Bauerscher Gesang« verein: 20.07 Uhr: Maskenball in sämtlichen Räu­men des Gesellschafts-Vereins.

Tageskalender für Sonntag.

Stadttheater: 19 bis 22 UhrDie luftige Witwe". Gloria-Palast (Seltersweg):Der Edelweiß­könig". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Im Na­men des Volkes".

Zum ersten MalBallettabend der Tanzgruppe".

Heute abend findet ein Ballettabend der Tanz­gruppe statt. Das Programm sieht vor:Des Kai-

aus einer Schwerkriegsbeschädigten-Famille den Vorrang erhält. Daß die berechtigten Erjorder- nisse der Volksgemeinschaft in der Gegenwart so­wohl, als auch' für die Zukunft beim Einsatz der jungen Kräfte nicht an letzter Stelle stehen, son­dern eine hervorragende Rolle spielen, ist ebenso selbstverständlich. Um einer Uebersteigerung des Lehrlingseinsatzes in einem bestimmten Berus vor­zubeugen, ist seit April 1938 die Anordnung in Kraft, daß die Bestimmungen über die Verteilung von Arbeitskräften sich auch auf die Besetzung der Lehrstellen beziehen und die Vergebung solcher Stellen der Genehmigung des Arbeitsamtes be­darf.

Unter all diesen Gesichtspunkten ist die Berufs­beratung des Arbeitsamtes Gießen aegenroärtig da­bei, die Wünsche der jungen Menschen hinsichtlich der Lehrstellen und die Erfordernisse einer plan­vollen Nutzbarmachung der Kräfte für die Gegen­wart und für die Zukunft miteinander in Ein­klang zu bringen. Zu Ostern dieses Jahres kom­men im Bereich des Arbeitsamtes Gießen rund 3300Jungenundrunb3300Mädchen zur Enttassung. In diesen Zahlen sind rund je 300 Jungen und Mädel der höheren Schulen einge­rechnet. Diesen Zuwachs an Arbeitskräften aus allen Teilen Oberhessens die zum Bereich des Arbeitsamts Gießen gehören in der bestmöglichen Weise unterzubringen, ist eine schwierige Ausgabe.

Der größte Andrang der Jungen gilt den M e - tall-Berufen. Dabei spielen Erwägungen über den späteren Arbeitseinsatz, ferner Gedanken hin­sichtlich des Dienstes bei der Wehrmacht eine beson­dere Rolle, nicht selten tritt auch der Gesichtspunkt des sog. Modeberufs hier zutage. Etwa 75 bis 80 v. H. aller Jungen möchten ihre Lehre in einem Metallberuf durchmachen. Dieser Prozentsatz ist an« gesichts. der ganzen Verhältnisse so außerordentlich groß, daß sich die Berufswünsche der Jungen beim besten Willen nicht alle erfüllen lassen. Hier geht es auch nicht nur um die Fähigkeiten und die kör­perliche Geeignetheit des einzelnen Jungen, sondern ebenso um die außerordentlich wichtigen Zukunfts­erfordernisse des arbeitsmäßigen Einsatzes für die Volksgemeinschaft. Nach Lage der Verhältnisse wer­den etwa 30 v. H. der Jungen mit ihrer Unter­bringung in Metall-Berufen rechnen können, wobei natürlich ein ziemlich strenger Maßstab bei der Aus­wahl ber geeigneten Kräfte angelegt werden muh.

Ein großer Teil der ,Jungen und der Mädels wirb aber auch anderweitig gute Ausbilbungsmög-- lichkeiten unb verheißungsvolle Grundlagen für das Leben finden. Vor allem sei hier darauf hingewie- sen, daß unser Bauerntum vielen jungen Men­schen gute Existenzmöglichkeit bietet. Der Reichs­nährstand hat durch die Einrichtung bes ßanb« a r b e i t s l e h r l i n g s mit ordnungsmäßiger Lehr­zeit unb Gehilfenprüfung schon seit langem eine gute Grundlage für den Nachwuchs im bäuerlichen Be­ruf geschaffen. Der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, hat erst vor wenigen Tagen in seinem eindringlichen und überzeugenden Appell an unsere Jugend die Wichtigkeit unb die Entwicklungsmöglichkeiten des Arbeitseinsatzes auf dem Lande heroorgehoben. Der Reichsführer ff und der Reichsjugendführer Haden durch ihre Ver­einbarung über die N e u b a u ern s i e d l u n g jungen deutschen Männern und Frauen sehr beach­tenswerte Chancen für die Zukunft eröffnet. Jeder tüchtige und für die Volksgemeinschaft wertvolle junge deutsche Mensch kann jetzt aus dem Beruf des Landarbeiters zur sei d st änbiaen Bauern» wirtschaft auf eigenem Grund unb Boben kommen. Die Frage ber kapitalmäßigen Fundierung dieses Neubauernsitzes ist keiner Hem­mung mehr unterworfen, Wege zur befrtebigpnben Lösung dieser Frage sind erschlossen und werden zur

Im Kaiserhof ging es bei der luftigen Revue Presse und Verkehr zwar im äußeren Zuschnitt mondäner unb weltstübtischer zu als imfingenbe, klingenbe Kölle", aber bie Stimmung stieg auch hier, je später es würbe... Den nächtlichen Heim­kehrer, ber hernach burch bie stilleren Straßen man» bert, verfolgt noch immer ber gleichsam mit kleinen Eselshufen klappernbe Rhythmus der Donkey- Serenade, welche sich aus nie erforschten Grunben in wenigen Wochen über die ganze mehr ober min- ber zivilisierte Welt verbreitete... Aber auf einmal finbet man sich, völlig unvorgesehen, vor jenem Marchendrunnen, ber roieber eine andere Kölner Spezialität verherrlicht, bie Heinzelmännchen näm­lich, und ber stille Spazierer kann bei dem unge­wissen, aber aus Kinderzeiten vertrauten Anblick nicht umhin, in nachdenkliche Betrachtungen über die schlimmen Folgen weiblicher Neugier zu ver­sinken unb mit gemischten Gefühlen jener kölschen Hanbwerkersgattin zu gebenfen, bie burch bösartig auf bie Treppe gestreute Erbsen bamals ben ganzen Zauber für immer zunichte gemacht hat.

Aufruf zur Teilnahme am Sporlwettkampf im Rahmen des Reichsbernfsweittampfes. 11020 Für alle Teilnehmer am RBWK., die am Samstag wrb Sonntag, bem 11. unb 12., nicht zur Sport» iiüfung im Rahmen bes RBWK. angetreten finb, je ben am Sonntag, dem 19. Februar, 10 Uhr, volks- it Ue, letztmalig Gelegenheit, ihre sporlliche Prüfung tu Rahmen bes RBWK. abzulegen. Wir machen d. rauf aufmerksam, daß bei Nichterscheinen eine nsitere Auswertung ber praktischen unb theoretischen Arbeiten zum Zwecke ber Siegerermittlung nicht er- fCgen kann. Außerbem werben für bie Wettkampf­ti Inehmer, bie nicht zum Sport antreten (ohne Ent- sc ulbigung) keine Beteiligungsurkunben bzw. keine ll kunben für befonbers gute Leistungen ausgegeben.

Aus der Stadt Gießen.

Oer verflixte Aerger.

Wer sich ärgern will, hat jeden Tag Gelegenheit tazu. Es gibt Leute, die sich schon ärgern, wenn cm frühen Morgen der Kaffee zu heiß ist. Oder zu lait, je nachdem. Andere wieder geraten in Wal- 1mg, wenn der Wecker pünktlich seine Pflicht er» sillt. Am liebsten möchten sie ihn zum Fenster tinauswerfen. Dann gibt es auch solche, bei denen ts kocht, wenn sie sich in ihrer Nachtruhe gestört -ihlen. Sie selber liegen im molligen Bett unb oben es unerhört rücksichtslos, wenn in der Nach- arwohnung sich einer regt, der frühmorgens pünkt- ch zum Dienst erscheinen muß. Dor Aerger werden e so wach, daß sie nicht weiterschlasen können. !s fehlt nur noch, daß sie sich wütend erheben unb ibet mit dem linken Fuß zuerst auf den Boden bmmen. Der Tag hat bann gerabe richtig begon« ITH.

Doch auch weniger Empfindsame schlagen sich mit iem Aerger herum, so oft sie können. Da reißt ausgerechnet beim eiligen Schuhanziehen bas Schnür- lanb entzwei. Ratsch! ba hast bu es ifi ber Hand. $ er flirte Geschichte, ein neues Banb ist natürlich l.cht im Kasten. Wie ost soll man es noch sagen, laß auch diese Kleinigkeiten eingekauft werden Hüften. Aber keiner kümmert sich darum, das ist t* eben. Die Zornesadern schwellen, es wäre i richt, in diesem Augenblick Widerworte zu geben. Jiderworte reizen nur zu neuen Wutausbrüchen, Inb schon ist bas Familiendrama fertig.

Dabei soll man sich bekanntlich nicht ärgern. Der lierger hat mancherlei Nachteile. Er frißt am Ner- rmsystern, er treibt die Galle ins Blut unb er ver- i chtet jede Gemütlichkeit.Mensch ärgere bich nicht!" üßt beshalb ein verbreitetes Spiel, aber durch cf es Spiel ist auch noch niemanb vom Aerger ge­lten. Man ärgert sich vielmehr erst recht. Und rauche scheinen sogar ben Aerger nötiger zu haben Ls Essen unb Trinken. Sie fühlen sich nur bann chtig wohl, wenn sie sich aus tiefstem Grunde rgern können. Mit solchen Menschen ist nichts an- Zangen, sie ärgern sich auch noch, wenn ihr letztes iünblein schlägt.

Aber:Wer lacht, hat mehr vom Leben." Unb tz^shalb sollte man versuchen, immer dort zu lachen, ro sich ber Aerger gallenbitter regt. Lachen ist ejunb. Nicht jeder Versuch gelingt, auch Lachen rill gelernt sein. Cs ist jeboch eine ausgezeichnete Aebizin, soviel sicht fest. Unb erst einmal richtig t nassen, verspürt man auch gleich bie Wirkung. Senn bann ist der Aerger wirklich zum Lachen, teil er meist nur eine geringfügige Ursache hat. Voraus sich ergibt, baß nicht nur bie Narren, son- t- rn daß auch die Weisen lachen. Und im übrigen hit Lessing das Wort geprägt, daß man lachend sihr ernsthaft (ein tann. Sch.

Wunder und Narren am Rhein

Träumerischer Kölner Bilderbogen

Es gibt in Deutschland nicht viele Städte, in Lilien sich Vergangenes unb Gegenwärtiges so nah dirühren wie hier in Köln, wo sich über Jcchr- ijiitberte und Jahrtausende hinweg so sinnfällig unb Mfältig ber Bogen ber Entwicklung aus hämmern» W Frühe bis in unsere Zeit hinein und an bie schwelle ber Zukunft spannt.

Man empfinbet. berreichen ganz unmittelbar, d nn im spitzbogigen, wappengeschmückten Hansa- 5»ale des Rathauses ber Oberbürgermeister am Ifcbe feiner Rebe über die kommende große 23er- lei.rsausstellung beiläufig bemerkt: in eben diesem -aale hier habe im Jahre des Herrn breizehn- hunbertundsoundsoviel die Hanse ben Krieg gegen knemarf beschlossen. i

Dber kann man sich ein zarteres und ubermal- iictenheres Sinnbild solcher Entwicklung denken als jer e in Form und Farbe überaus edle ronnsche Sl^sflasche, bie rounberbarermetfe völlig unversehrt be ben Erbarbeiten zur stäbtebaullchen Neugestal- hng von Köln ans Licht aeförbert würbe? Diese Ihfftbarfeit steht jetzt im Wallraf^Rlchartz-Museum. !>« Ausgrabungen, Erbbewegungen. Durchbruche dauern noch an, unb fast jeden Tag, so wird be- riqjtet, steigt aus kölnischer Erde in kostbaren Fun­den die antife Welt.

Großartiger Blickpunkt und bezauberndes Herz- silck ber Stabt, bei jeher neuen Begegnung aUfs nene erfahren unb erlebt, ist ber Dom. Bei her Ibfunft war es biesmal schon so abenblich und segnerisch bunfel, baß man beim ersten erwartunas- Men Schritt aus ber Bahnhofshalle hinaus bie gewaltige Masse des Bauwerkes im Ungewissen nur fb- n zu ahnen vermochte.

An einem anbern Abenb, als wir auf einem 1 nbacmqe durch bie lichtsprühenbe Stabt vom hckiptportal her für ein paar Augenblicke eintraten, Dar ber riesige Jnnenraum nur von einer aus her Z-rung nieberhängenben Lamp^ erhellt: völlig

teuer wie aus Traurndilbern auffteigenber Smbrua lern Blick in bie Hohe bes Mittelschiffes in die lihnmernbe Tiefe bes Chores; hier wirb bas Den -rt genö fischen Betrachter immer wieder bestürzende ÜiLim-Erlebnis der Gotik fast noch unheimlicher im glühenden. Farbenspiel unb Wiberschem her nmenburchfluteten Glasmalereien am Hellen Tage.

Nos fällt uns zuerst ein, wenn wir an Köln iken? Der Dom. Der erste Blick zum Fenster