Hauptversammlung des VHC-Zweigvereins Gießen.
Der Vogelsberger Hohen-Club, Zweigverem Gießen, der im verflossenen Jahre seinen dreißigjährigen Gründungstag begehen konnte, hielt — wie man uns berichtet — am Samstagabend bei gutem Besuch im Vereinsheim, Hotel Hopfeld, seine ordentliche Hauptversammlung ab.
Fernsehen, mit in den Vordergrund der Betrachtungen und gab einen interessanten Ausblick auf die Zeit, in der man durch Rundfunk und Fernsehen den jeweiligen Sprecher nicht nur hören, sondern ihn auch am Rednerplatz sehen kann. Rundfunk und Fernsehen werden dann noch mehr eine große politische Waffe sein, deren überragende Bedeutung gewaltig sein wird.
Nach den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Darlegungen unterstrich der Standortälteste, Generalleutnant von Apell, einige Gesichtspunkte des fesselnden Vortrages noch in eindrucksvoller Weife. Ein kameradschaftliches Beisammensein beschloß den interessanten Abend.
Dornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
Stadttheater: 19.30 bis 22.30 Uhr „Die lustige Witwe". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Lauter Lügen". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Menschen, Tiere, Sensationen". — Oberhesfischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand.
Stadltheater Gießen.
Heute abend Wiederholung „Die luftige Witwe", Operette in drei Akten von Franz Lehar. Musikalische Leitung Heinz Markwardt, Spielleitung Gert Buchheim, Leitung und Einstudierung der Tanze: Thea Maaß. Bühnenbilder: Karl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 16. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Anfang 19.30 Uhr, Ende gegen 22.30 Uhr.
HL., Bann und Lungbann 116.
Uttfergou u. Lungmädeluntergau 116.
Arn 28. Januar 1939, vormittags 11 Uhr, läuft im Lichtspielhaus Gießen der Film „Volksfeind" zur Jugendfilmftunde. Die Karten für diese Vorstellung sind sofort von den Geldverwaltern und den Geldverwalterinnen der Gießener Einheiten bei der Verwaltungsstelle abzuholen. Der Eintrittspreis be-
Die ^Verwaltungsstelle befindet sich jetzt: Seltersweg 52, Mittelbau, Part., Zimmer 1.
Hitler-Lugend Bann 116.
Betr.: Annahme Unlersuchung der --.Bewerber.
Die nächste Annahme-Untersuchung findet am 22 d M um 9 Uhr in der Landes-Heil- und Pflegeanstalt, Gießen, Licher Straße 106, statt. Alle noch nicht gemusterten und noch nicht untersuchten ---Bewerber sind zu diesem Zeitpunkt zu bestellen. , ...
Die fertig ausgefüllten Erbgesundheitsbogen stnd gleich mitzubringen, da diese dann sofort vom --- Arzt unterschrieben werden.
BOM.-llntergau 116 Gießen.
Am Donnerstag, 19. Januar, kommen alle Mä- del-Gruppen- und Scharführerinnen des Standorts Gießen zu einer Besprechung auf die Dienststelle des Untergaues (Seltersweg 52, Hinterhaus links).
Am Sonntag, 22. Januar, ist die erste Wochenendschulung dieses Jahres. Es beteiligen sich außer den Ringführerinnen alle Schar- und Schaftsführerinnen. Die Schulung findet in den^bekann- ten Schulungsorten statt. Lediglich die Schulung des Ringes Bad-Nauheim findet diesmal in Bad- Nauheim selbst statt. Mitzubringen ist Turnzeug und Schreibzeug. Für den Ring Gießen ist die Schulung wieder in der Schillerschule. Beginn der Schulungen 8.15 Uhr.
IM.-tlntergan 116 Gießen.
Die Wiederholungsschulung der Jungmädelführe- rinnen am Sonntag, 22. Januar, findet in den Standorten Gießen und Friedberg statt. Die Fuhrerinnen, die in Gießen geschult werden, treten um 8.30 Uhr am Brandplatz an, die anderen um 9 Uhr in. Friedberg am1 Bilsteintürmchen.
Verkehrskontroll-Aktion auch im Kreis Gießen.
Durch die Gendarmerie wurden auch im Kreise Gießen umfangreiche Verkehrskontrollen durchgeführt. Die Aktion erwies sich auch im Kreise Gießen als sehr notwendig. Insbesondere mußte beanftan-
Nach dem vom Dereinsführer erstatteten Jahresbericht ist erfreulicherweise die Mitgliederzahl gegen das Vorjahr etwas gestiegen, so daß der VHC. Gießen nunmehr als zweitgrößter Zweigverein des Gesamt-VHE. fungiert. Der beiden durch Tod abgegangenen Vereinsmitglieder wurde ehrend gedacht. Die Wandertätigkeit war recht lebhaft und Überstieg mit durchfchnitllich 65 Teilnehmern die der Vorjahre beträchtlich. Recht rege war auch, nach dem Bericht des Wandermeisters, die Arbeit des Wegebezeichnungsausschusses (WBA.), der im Vorjahre auf eine 25jährige Tätigkeit im Dienste der Allgemeinheit zurü^blicken konnte.
Der Kassenbericht ergab ein günstiges Bild der Vereinsfinanzen.
Der satzungsgemäß ausscheidende Vereinsführer, Oberjustizinspektor W. H a r d t, dem für seine seitherige ersprießliche Tätigkeit herzlicher Dank ausgesprochen wurde, wurde einstimmig wiedergewählt.
NSG. Die Arbeit des Mütterdienstes im Deutschen Frauenwerk beschränkt sich schon seit langer Zeit nicht mehr allein auf Einzelkurse, die in Stadt und Land gehalten werden. Daneben wird fortlaufend in Mütterschulen und Mütterschulstätten geschult. Die neue Gauheimmütterschule, die ab 1. März 1939 in Weilburg in Betrieb genommen wird, bietet nun auch die Gelegenheit, in geschlossenen sechswöchigen Kursen das Diplom des Mütterdienstes zu erwerben. Es gibt aber noch eine dritte Art der Mütterschule, die im Gau Hessen- Nassau bereits seit langer Zeit besteht, nun aber viel stärker durchgeführt werden soll. Diese dritte Art ist die W e r"k m ü t t e r s ch u l e.
Die erste Werkmütterschule des Gaues Hessen- Nassau besteht seit längerer Zeit bei der Firma Heyl-AG. in Worms. Andere große Werke sind dem Beispiel gefolgt und haben in vorbildlich eingerichteten Räumen eine Mütterschule erstellt, deren Kurse laufend durch die weiblichen Gefolg- schaftsmitglieder besucht werden. Je nach Vereinbarung trägt das Werk die Kosten der Schulung ganz oder zum Teil. Jedenfalls wird der Besuch der Lehrgänge den weiblichen Gefolgschaftsmitgliedern so leicht wie möglich gemacht. Oft ist es so, daß die Werkmütterschule, in der für jede Kursart ein besonderer Raum bereitsteht, Mittelpunkt und Heim
det werden, daß zahlreiche Fahrzeuge noch nicht mit dem zusätzlich notwendigen Rückstrahler versehen waren; mehrere Fahrzeuge wurden anaetrof- sen, an denen die Lichtanlagen nicht in Ordnung waren. Zahlreiche Radfahrer fuhren ohne Licht. Auch an den Kennzeichen wurden mancherlei Mängel festgestellt. In einigen Fällen mußten sich die Beamten dazu entschließen, Fahrzeuge dadurch dem Verkehr zu entziehen, indem die Luft aus den Reifen entlassen wurde. Zahlreiche gebührenpflichtige Verwarnungen wurden verhängt. Darüber hinaus wurden mehrere Fahrzeuge zur Vorführung bei der zuständigen Stelle beordert. Außerdem mußte zu einigen Anzeigen geschritten werden. In leichteren Fällen ließen es die Beamten bei Belehrungen bewenden.
3um alten Eisen werfen ...
Lpd. Man war früher leicht damit bei der Hand, alles mögliche „zum alten Eisen" zu werfen. Ob es sich nun um abgenützte oder ausgediente Eisenge-
Die übrigen Vorstandsämter blieben in den Händen der seitherigen Inhaber.
Die erste Vereinswanderung im neuen Jahr, die am Sonntag unternommen wurde, verlies in sehr schöner Weise. Die Regentage der vorigen Woche hatten wohl manchen Wanderer abgeschreckt, so daß die Beteiligung geringer als gewöhnlich war. Der Wettergott hatte jedoch ein Einsehen und bescherte den 32 Unentwegten überaus günstiges Wanderwetter. Die Wanderung ging zunächst die Krofdor- fer Straße entlang, hierauf an den Hängen des Wettenbergs her über Launsbach und Wißmar zur Einkehr nach Ruttershausen. Unterwegs boten sich prächtige Blicke nach der Badenburg, dem Hangel- stein, Lollarer Kopf und Staufenberg. Namentlich fesselte der Blick auf das Flußbett der Lahn, die zu einem reißenden Strom angeschwollen war und mit ihren gelben Fluten große Wiesenflächen überschwemmt hatte. Der Weitermarsch führte am Fuße des Altenbergs her über das Tal der sonst so friedlich fließenden Salzböde, die ebenfalls sehr wild und ungebärdig war und das liebliche Tal stellenweise in eine Seenlandschaft verwandelt hatte. Auf guter Straße war bald das Endziel Fronhausen erreicht, von wo nach einer Schlußrast bei guter Zeit die Heimfahrt erfolgte.
der weiblichen Gefolgschaftsmitglieder wird. Hier kann man sich jederzeit guten Rat holen, und die hellen, einfach eingerichteten Räume geben manche Anregung zur Gestaltung des künftigen Haushaltes, oder auch zur Umstellung des bereits bestehenden Heimes.
Es ist fast als eine notwendige Maßnahme zur Erlangung des Leistungsabzeichens zu betrachten, daß jedes größere Werk eine Werkmütterschule einrichtet. Gerade die berufstätige Frau hat es oft nicht leicht, nach einem anstrengenden Arbeitstag noch einen weiten Weg zurückzulegen, um vielleicht in einem ganz anderen Stadtteil einen Lehrgang des Mütterdienstes zu besuchen. Heiratet das berufstätige Mädel eines Tages, soll sie nicht ohne jegliche Kenntnisse in ihren neuen Beruf als Hausfrau eintreten. In richtiger Erkenntnis, daß die Mütterschulung notwendig ist für jedes Mädel und jede junge Frau, machen viele Werke den Besuch der Werkmütterschule sogar zur Pflicht.
Nachdem einige Werke des Gaues Hessen-Nassau Werkmütterschulen eingerichtet haben, mit anderen Verhandlungen über die Neuerrichtung von Mütterschulen bestehen, ist zu hoffen, daß sich in diesem Jahr weitere Betriebsführer für diese schöne Einrichtung bereitfinden.
rate, Menschen oder sonst etwas handelte. War etwas zum alten Eisen geworfen, fo kümmerte man sich nicht weiter darum, ließ es verrosten, verkommen. So entstanden die alten Rumpelkammern für tausend Dinge, die Ecke hinter dem Ofen für alte Menschen, der Müllhaufen, aus dem „Fundsammler" mit dem Haken noch dies imd jenes Brauchbare herausangelten. Mancher soll dabei sogar zum Schatzgräber geworden sein und ein kleines Vermögen auf die hohe Kante gelegt haben.
Jedenfalls sprach man immer geringschätzig vom „alten Eisen". Die Zeit der Vierjahresplanös hat uns wie in mancher Hinsicht so auch in diesem belehrt.
Es gibt kein altes Eisen mehr, es gibt nur noch Eisen, ganz gleich, wo man daraus stößt. Das alte, in der Rumpelkammer vergessene Eisen ist gutes, brauchbares Eisen, das nur nutzbringend verwendet werden muß. Der „alte" Mann, den man oft genug vorzeitig durch „Pensionierung" aus dem Arbeitsprozeß ausgeschaltet hat und der nicht weiß, wie
er feine langen Tage hinbringen soll, steht wieder seinen Mann mit Kenntnissen, Erfahrungen und Lei- stunq. Alte Stoffe, ob nun Bindfaden, Altpapier, alte Säcke oder sonstwas, alles wird neuer Aufbereitung und Wiederverwendung zugeführt. Was „zum alten Eisen geworfen" ist, man hat es wieder in seinem Werte erkannt. Alles hat seinen Wert, es muß nur am richtigen Platze fein.
Umwertung aller Werte im besten Sinne, das hat uns der Dierjahresplan gelehrt.
„Oie Woche der Schule" im Gau Hessen-Nassau.
NSG. Die nationalsozialistische Erziehungsarbeit der Schule tritt nicht in gleichem Maße wie bei anderen Erziehungsorganisationen sichtbar in Er- scheinungr, weil sie sich im Schulzimmer und nicht in der Oeftentlichkeit abspielt. Reichswalter Wächtler war von Anfang an bemüht, die führenden Männer der Partei, des Staates und der Wehrmacht über die nationalsozialistische Arbeit und Leistung der Schule aufzuklären. In Schulungslehrgängen, in Ausstellungen, Schullandheimen, in Wettbewerben', in Werkkursen und bei allen größeren Tagungen des NSLB. hatten alle interessierten Stellen Gelegenheit, sich von den neuen Erziehungsgrundsätzen und von dem Einsatz der Schule für das nationalsozialistische Deutschland zu überzeugen.
Die Gauwaltung Hessen-Nassau des N«LB. beabsichtigt nun, in absehbarer Zeit die Führerschaft der Partei und die Pressevertreter im Einverständnis mit den Schulbehörden aufzufordern, den Unterricht in den Schulen zu besuchen. Wir sehen in all diesen Maßnahmen ein ausgezeichnetes Mittel, den Verunglimpfungen der Schule und des Lehre^ ftandes zum Teil Einhalt zu gebieten und durch die Anerkennung der schulischen Arbeit auch die Berufsfreudigkeit des Lehrers zu heben.
Diehpotizeiliche Anordnung über Impfstoffe und Sera.
Der Reichsstatthalter -jn Hessen — Landesregierung — bestimmt, daß Sera aus Einhuferblut und Impfstoffe, die ohne Abtötung lebender Kranbheits» erreger aus Organen von Einhufern gewonnen find, wenn fie. zum Schutz gegen Viehseuchen oder zu deren Heilung bestimmt sind, in verkaufsfertigen Verpackungen erst ab gefüllt werden dürfen, nachdem sie mindestens drei Monate lang nach der Herstellung unter der Einwirkung von 0,5 v. H. Karbolsäure gelagert worden sind. Für Sera, die aus verschiedenen Teilen (Blutentnahmen) zusammengesetzt sind, gilt der Tag der letzten Blutentnahme als Herstellungstag. Soweit diese Erzeugnisse nicht dem staatlichen Prüfungszwang unterliegen, sind sie bis zur Absüllung ebenso wie die dem staatlichen Prüfungszwang unterliegenden Erzeugnisse unter Mitverschluß des staatlichen Konttollbeamten zu lagern. Diese Anordnung tritt mit dem 1. Januar 1939 in Kraft. Gleichzeitig wird die viehfeuchen-pollzelllche Anordnung vom 22. Januar 1938 aufgehoben.
Keine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch Privatärzte.
Lpd. Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt: In den letzten Monaten sind bei dem verstärkten Arbeitseinsatz, insbesondere im Rahmen des Vierjahresplanes und der Arbeit an der Westgrenze, eine Reihe von Zeugnissen über Arbeitsfähigkeit, Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitsbeschränktheit Arbeitsuchender von Privatärzten ausgestellt worden. Das Ausstellen eines solchen Zeugnisses setzt voraus, daß der Arzt die Arbeitsaufgaben, für die der Untersuchte eingesetzt werden soll, genau kennt. Da die Voraussetzungen für ein gerechtes Urteil in vielen Fällen einfach nicht gegeben sein können, insbesondere der beabsichtigte'Arbeitseinsatz den Untersuchten selbst oft gar nicht bekannt war, wurden die Untersuchungszeugnisse in sehr vielen Fällen sehr allgemein gehalten, so daß sie nicht nur zum Teil für die Arbeitsämter wertlos waren, sondern zum Teil sogar entgegen den Bestrebungen der Arbeitsämter mißbraucht wurden. Der stellvertretende Reichsärzteführer Dr. Bartels hat deshalb angeordnet, daß die Ausstellung privatärztlicher Zeugnisse über die Arbeitsfähigkeit Arbeitsuchender unzulässig ist und zu unterbleiben hat. Sind Mitteilungen über Art
Ausbildung zur guten Hausfrau.
Werkmütterschulen sind ein gutes Hilfsmittel.
MW MUMM?
Noman von Hubert Nausse.
Copyright by Albert ßangen/QeoVg Müller, München.
Schluß. Nachdruck verboten.
„Aber nein!" sagte sie. „Heimat ist etwas anderes! Du stammst von den Hügeln und Waldern von Ottakring und ich von den Ufern des Schweriner Sees. Aber Jago? Seine Väter waren West- jalen, seine Mutter ist eine Rheinländerin. Was soll die Zusälligkeit seiner spanischen Geburt? Seine Heimat ist Deutschland!" Sie sann in den grauenden Tag. Sie sah gar nicht die fremde Landschaft, die an ihren Augen vorüberflog. Sie ging 1 mit Jago durch die Straßen Münchens, sie spürte ihn an ihrer Seite, indes sie in Gedanken durch den Tiergarten ging, sie fühlte die Berührung seiner Hand, wenn er ihr sorgend den Mantel umgelegt hatte. Warum hatte sie seine sorgende Liebe so spät empfunden?
Zu ihm, zu ihm! ,
Die Kathedrale von Burgos stand weiß und fast gespenstisch in dem winterlichen Sonnenlicht dieses Januartages. Jte plauderte draußen mit dem Vertreter der Firma, der sich wieder gemeldet hatte. Auch die Schaffner wußten längst Bescheid und waren von vollendeter Höflichkeit.
Die Nachrichten seien gut, sagte Jte. Die Herrin, die Diuda de Schmid, werde die Damen am Bahnhof in Madrid erwarten.
Seine Mutter! Elisabeth klopfte das Herz. Warum hatte sie seine sorgende Liebe so spät empfunden? War sie nicht undankbar gewesen? Hatte sie nicht unendlich viel nachzuholen?
Oh, sie wollte ihm alles vergelten! Ein Strom sorgender Liebe drängte sich aus ihrem Herzen empor.
So unendlich langsam kroch der Zug, viel zu langsam für ihre Sehnsucht und ihre Liebe. Ihre Gedanken flogen voraus nach Madrid.
Sie fahren, sie fahren!
Jte plauderte und erzählte, was sie aus dem Vertreter herausgeholt hatte.
„Ein Riesenunternehmen! Mit eigenen Erzgruben in Burgos. Stell dir vor: Erzgruben! Du weißt noch gar nicht, in welche reiche Familie du hineinheiraten wirst."
Elisabeth winkte ab. Ihr war nicht zum Scherzen zumut.
„Doch! Doch!" sagte Jte. „Auch das zu wissen ist gut. Das überlaß du ruhig mir. Wir armen Mädels haben in diesen Dingen den richtigen Verstand."
Sie puderte sich nach spanischer Sitte. Mit ihrem dunklen Haar und den schwarzen Augen sah sie fast wie eine Einheimische aus.
„Weißt du, Elisabeth. Es ist in vielem wie beim Engagement. Und wenn ich jetzt am Burgtheater gastiere, werde ich genau so denken!"
„Wie wirst du denken?"
Daß es nicht nur auf die Rollen ankommt, die man spielen soll, sondern auch ein bissel auf die (Sage!"
Jte kniete auf dem Polster vor dem Spiegel des Abteils und legte ihre Haare nach spanischer Art. „Du bist das reinste Theaterblut!" sagte Elisabeth.
„Weißt du", entgegnete Jte, „das beste Engagement hast du ja erreicht. Verpflichtet auf Lebenszeit. Vielleicht heiratest du sofort in Madrid!"
„Aber Jte!"
„Warum nicht! Wenn ich Jago wäre, ich würde dich nicht eher wieder fortlaisen, als bis du meine Frau wärest. Ich würde dir nicht trauen! Weißt du noch, wie du ihm ausgebrannt bist nach Schwerin?"
„Ader Jte!" sagte Elisabeth.
„Was heißt hier: Aber Jte? War es denn nicht so? Ist dir denn Jago nicht etwa nachgereist quer durch ganz Deutschland? Mir hat er doch immer von seiner Verliebtheit erzählt! Damals mit dem Wagen nach Bamberg, dann die Fahrt nach Schwerin und zu der Insel mit den vielen Möven?"
„Das weißt du auch?"
„Ja, was weiß ich nicht? Ich war doch sein Vertrauter und sein Beichtvater! Mir hat er von hem beabsichtigten Kauf eines Jagd gutes am Schweriner See schon erzählt, bevor du nur leise ahntest, daß seine Liebe nur dich kannte, Elisabeth, nur dich!"
Sie legte ihre kleine braune Hand auf die von Elisabeth.
„Sprich weiter, Jte!"
„Deinetwegen, um dir nahe zu sein, um für dich sorgen zu können, hat er Plöhne gekauft; deinetwegen zog er mit nach Berlin; er war es, der dein Engagement mit Brasky vermittelte und dir jetzt die' Lösung wieder ermöglichte. Er war wie dein Schutzengel, Elisabeth!"
Elisabeth nickte. Sie trank das Lob ihres Liebsten wie berauschenden Wein. Wie lieb Jte war und wie unendlich gut erst ihr Jago!
Und wie herzlos war sie selbst gewesen!
„Sprich weiter, Jte!"
„Weiter? Du würdest zu stolz werden, Elisabeth! Zu hochmütig, wie es die schönen Frauen gerne sind, denen in jungen Jahren schon die Aufmerksamkeit der Männer eine Selbstverständlichkeit ist. Und dann kommt die Strafe auf dem Fuß. Hochmut kommt vor den Fall. Darum ließ Gott dieses Unglück zu. Um dich besser zu machen und dir die Augen zu öffnen!"
Sie fahren, sie fahren!
Elisabeth dachte an Jago. Sie sah ihn verwundet, leidend, mit Schmerzen in seinem Bett. Sie sehnte sich danach, bei ihm zu sein, ihm zu helfen, ihn zu pflegen, ihm ihre Liebe, ihre Hilfsbereitschaft, ihre Demut zu zeigen.
Tränen standen in ihren Augen.
„Elisabeth!" sagte Jte, „ist es nicht wie eine seltsame Fügung des Schicksals: erst ist Jago dir nachgereist, deinen Spuren gefolgt, hat er sein Leben nach dem deinen gerichtet. Bis alles reif war zur Erfüllung. Und nun hat sich das Schicksal gewendet: nun zwingt es dich zu ihm, nun folgst du seinem Ruf in ein fernes Land, nun opferst du Theater und Heimat und kennst nur noch das einp; Zu ihm, zu ihm!"
Elisqbeth nickte und wiederholte:
„Zu ihm!"
Am späten Nachmittag erreichte der Zug Madrid. Als Elisabeth der Mutter Jagos in die Augen sah, wußte sie: es ist alles gut.
„Und Jago?" flüsterte sie in der Umarmung,
,'Die Lebensgefahr ist vorüber, und in deinen Armen wird er gesunden!"
In deinen Armen — hatte sie gesagt. Das Herz schlug Elisabeth hoch bis zum Hals. Das Glück, das Glück!
„Komm", sagte die Mutter. „Er wartet voller Ungeduld!"
Än der Seite der Diuda de Schmid schritt Elisabeth zum Wagen. Die beiden Frauen, alt und jung, gingen Arm in Arm. Zu ihm!
Der Ring hatte sich geschlossen!
*
' Zwei Monate dauerte Jagos Genesung. Es ging langsam und mit Stocken. Es gab Rückschläge böser Art. Elisabeth fand Gelegenheit, ihm ihre Liebe, ihre Tatkraft, ihre Geduld reichlich zu beweisen. Der ungeduldige Jago war kein leichter Kranker.
„Er wird auch kein leichter Ehemann sein".
sagte die Mutter. „Er ähnelt am meisten seinem Vater!"
Elisabeth lächelte. Dann lief ihr eine helle Rote in Wangen und Hals.
„So werde ich von dir lernen, Mutter!" Und dann fügte sie schalkhaft hinzu: „Ich selbst bin auch keine leichte Braut gewesen, wenn man so sagen darf."
Die Witwe Schmid nickte und lachte.
„Schwierig —, das hat mir Jago schon erzählt, aber schön. Und alles, was lange währt, wird gut!"
Nach den Faschingstagen zog die ganze Familie, wie seit Jahren, nach Toledo. Dort kam der Frühling früher. Dort lag hoch über dem Tajoufer das kleine Haus mit dem. großen Garten, in dem Jago feine frühen Studienjahre verbracht hatte.
Sie war voller Wunder, diese alte Stadt! Die beiden Liebenden waren immer unterwegs. Der März war wie aus Silber.
„Bist du fertig?" Er fragte voller Ungeduld. Es gab so unendlich viel zu sehen, und es gab so unendlich viel (Erinnerungen aufzufrischen. Und was war ihm Toledo ohne Elisabeth? Er stand in ihrem Zimmer und wartete.
Sie tupfte noch rasch etwas Puder in ihr braunes, gesundes Gesicht.
„Fertig! Du Ungeduld!" Sie gab ihm einen Kuß.
Er hielt sie umfangen. Wie schön sie war! Wie so ganz anders als alle die Modepuppen aus Madrid! Und wie herrlich das leise Blau ihrer Augen leuchtete in dem gesunden Gesicht.
„Was schaust du denn?"
„Daß du schön bist, Elisabeth, schöner als alle Frauen, die ich kenne!"
Sie errötete: „Das ist das Blonde", sagte sie, ,,das hier natürlich auffällt. Wirst du das in Deutschland auch noch sagen?"
Er zog sie an sich und küßte sie auf den Mund. Sie hielt ihr Gesicht zu ihm empor und sah ihm in die Augen.
„Wirst du?"
„Ich hab dich lieb, Elisabeth!" sagte Jago.
„Ich dich auch!" sagte Elisabeth. Aber bann fragte sie weiter: „Wirst du?"
Da lachte Jago Schmid, wie er in seinen besten Tagen gelacht hatte, laut und lang und hielt sie im Arm und küßte sie: „Was fragst du denn, Elisabeth! Ich habe doch in Deutschland nur eine einzige gekannt. Dich! Dich! Du bist die Schönste allezeit, und in der Heimat erst recht!"


