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M.15 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch, 18.Zanuar 1959

aufwärts führte und wie er für Deutschland den «Gruß starken Schul; durch unsere Wehrmacht schuf, wandte I

wei-

die privaten Rundfunksender in den anderen Län-

Jm Mittelpunkt des Appells stand die» Ansprache

öes Gauinspekteurs und Gauredners Pg. David die es vor allem anging, die Sudetendeutschen, gleich- menhang auch

Großer Beifall.

Hans Thyriot.

ein.

mir

Der Vision, strigcn

dern als Nachrichtenmittel und damit als Instru­ment zur Gestaltung der öffentlichen Meinung in Erscheinung getreten sind. Besonders erinnerte er daran, daß in jenen Krisentagen nur diejenigen,

Müller. Der Redner beschäftigte sich zunächst ein­gehend mit der Stellung Deutschlands und des deutschen Volkes in der Welt, jenes deutschen Vol­kes, das jetzt in einem beispiellosen Aufstieg begrif­fen sei, Mie ihn die Welt nach einem verlorenen Kriege und nach den schweren Jahren der Nach- kriegszejt nie erwartet, aber auch nie gewünscht habe. Deutschland sei, so betonte der Redner, kein Spielball anderer Mächte mehr, sondern bestimme selbst sein Geschick, ja, heute könne in Europa, viel­leicht in der ganzen Welt keine Politik mehr ohne Deutschland gem-acht werden. Deutschland, das jetzt einen fest zusammengeschmiedeten Block von 80 Mil­lionen klar und einheitlich ousgerichteter Menschen darstelle, sei allen anderen Nationen in dieser Hin­sicht überlegen und berge damit in sich eine unge­heure Stoßkraft. Dem deutschen Volke sei gegen­wärtig in der Weltpolitik eine große Chance'ge­geben. Es müsse mit aller Energie darauf bedacht fein, den gewonnenen Vorsprung auf allen Gebieten zu bewahren, die Leistungen insgesamt steigern und unnachgiebig die Linie halten, die der Führer vor- gezeichnet habe.

er sich der deutschen Wirtschaft und der Leistungs- gemeinschaft des deutschen Volkes zu. Er erinnerte an das Wort eines französischen Politikers, der da­von sprach, daß es in Deutschland 20 Millionen, Menschen zuviel gebe, und stellte diesem Ausspruch die Tatsache gegenüber, daß es heute und nach den! großen Aufgaben für unser Volk gesehen, in Deutsch­land 20 Millionen Menschen zu wenig gebe. (Er* wies barauf hin, daß gerade deshalb für jeden Be­trieb die Forderung unabdingbar sei, höhere Lei­stungen zu vollbringen, als je bisher. Dafür müßten: onderfeits aber auch die Voraussetzungen geschaffen/ werden. Es gelte, dafür Sorge zu tragen, daß bett Gefolgsmann freudig und gerne an seinen Arbeits­platz gehe, daß er eine seiner gesteigerten Leistung entsprechende Anerkennung finde und daß sein Ar­beitsplatz so gestaltet sei, wie es eines deutschen Menschen würdig sei. In seinen abschließenden Aus­führungen sprach der Redner an Hand zahlreicher Gegenüberstellungen über das erstrebenswerte Ver­hältnis zwischen Betriebsführung und Gefolgschaft, die in unverbrüchlicher Betriebsgemeinschoft zusam­menstehen müssen. Dem Redner wurde dankbarer Beifall zuteil.

Er wischte mit dem Staubtuch sorgfältig über die polierten Verzierungen des Regulatorgehauses. Die­ses dunkelbraune Uhrgehäuse war mir aus meinen Kindertagen wohloertraut. Den geschnitzten Adler, der mit ausgebreiteten Schwingen dies phantasie­volle Werk eines Drechslers krönte, hatte ich einst erfolgreich mit Pfeilen beschossen. Für mich hatte das damals Schmerzen an einer bestimmten Körper­stelle, für den Adler einen aufgeleimten Kopf zur Folge. Und nun schaute ich nachdenklich zu, wie eines alten Uhrmachers zarte Hand diesen Miß­handelten Vogel meiner Kindheit liebevoll ab» staubte.

Eigentlich ist ja nichts daran abzustauben ge­wesen", sagte meine Mutter lächelnd, als Herr Unruh wieder gegangen war,aber er verlangt eben jedesmal ein Staubtuch. Ja, das ist noch einer pom alten Schlag. Du hättest sehen sollen, wie sorgsam er das Uhrwerk in Seidenpapier wickelte, als er es mitnahm zur Reparatur. Wie etwas krankes Lebendiges trug er es fort. Und als der Regulator wieder ging und ich bezahlen wollte, wehrte er entschieden ab. Er könne erst etwas nehmen, wenn die Uhr sicher und genau gehe, und das müsse er erst eine Zeitlang prüfen. Nun war er fchon zum fünften Male hier. Das letzte Mal fragte er mich gar, ob ich Witwe sei. Ich fürchte schon, er will mir einen Heiratsantrag machen."

Zch sah Herrn Unruh nicht mehr, weil ich tags darauf wieder heimfahren mußte. Aber einige Wo­chen später schrieb mir meine Mutter in einem Brief:

Du erinnerst Dich wohl noch an den sonder­lichen Uhrendoktor. Denke Dir, er verlangte für die Reparatur nur zwei Mark! Auf einen Zehnmark­schein konnte er nicht Herausgebern da sagte er, es eile nicht, er komme in den nächsten Tagen wieder vorbei. Einmal dann ließ er sich einfach nicht mehr sehen. Einmal begegnete ich ihm auf der Straße und wollte ihm sein Geld geben, da wehrte er fast brüsk ab. Er habe jetzt keine Zeit, sagte er, und ging eilig weiter. Ich dachte schon daran, ihm das Geld mit der Post zu schicken, da kam er end­lich doch. Als einer Witwe fiele es mir am Monats­anfang bestimmt am leichtesten, etwas zu bezahlen, sagte er. Das ist doch wirklich ein sehr netter altmodischer Herr!"

sam wie auf einer Insel lebten, denn ihnen waren ja von der Regierung des berüchtigten Benesch die Rundfunkgeräte beschlagnahmt und das Abhören ausländischer Sender verboten worden.

Nachdem der Redner eindeutig dargelegt hatte, in welcher Form die Judenfrage für Deutschland gelöst werde, nachdem er ferner bargetan hatte, wie die geniale Politik bes Führers Deutschsanb roieber

Betriebsobmann Ernst Bötz bankte bem Rebner für seine von tiefem nationalsozialistischen Geiste getragenen Worte unb schloß ben Appell mit bem m'\ an ben Führer.

hinter die Kulissen tun. Herr Schlick spielte still, menschlich, verhalten unb taktvoll ben gescheiterten Star aus ber Zeit des stummen Films, trauriges U ed erb leib sel' einstigen Ruhms.

orts Gießen und zahlreiche Gäste zu einem Vor­tragsabend im Offiziersheim aufgefordert, der ebenso wie die früheren Abende dieser Art zahlreich besucht war.

Nach den Begrüßungsworten des Standortältesten sprach Schriftleiter Dr. W a g e n f ü h r aus Berlin über das ThemaInternationale Rund-

Standortälteste und Kommandeur der 9. Di- Generalleutnant von A p e l l, hatte am ge- Dienstagabend das Offizierkorps des Stand-

Auf Veranlassung der Partei wurden in diesen Tagen große Appelle in den Betrieben unserer Heimat abgehalten. Der gestrige Mittwoch brachte eine Reihe von Betriebsappellen in den Industrie­betrieben und den größeren Gewerbebetrieben in unserer Stadt und im benachbarten Heuchelheim.

Die Betriebsappelle standen thematisch unter großen Gesichtspunkten. Es galt, Betriebsführungen und Gefolgschaften auf eine Reihe von Forderungen unserer Zeit erneut und nachdrücklich hin;uweisen und vor allem die Notwendigkeiten der Leistungs­steigerung in allen wirtschaftlichen Betrieben in Öen Vordergrund zu stellen. Ferner sprachen die Redner über die Judenfrage und die Notwendigkeit ihrer kompromißlosen Lösung. In großen Zügen wurden ferner die hohe Bedeutung des deutschen Bauerntums und die Gefahren der Landflucht auf­gezeigt und damit auch in den Kreisen der Gefolg­schaften der Industriebetriebe manches tiefere Ver­ständnis wachgerufen. In gründlichen Darlegungen wurden außerdem die großen Aufgaben besprochen, die sich durch den Vierjahresplan für die Werks­gemeinschaft des gesamten schaffenden deutschen Volkes ergeben. Fragen des Arbeitseinsatzes und der Arbeitsschulung, wie auch der organischen Be­triebsgestaltung wurden ebenfalls erörtert und den Zuhörern ihre Bedeutung vor Augen gestellt.

Den Gaurednern, die gestern für die Gießener Betriebe eingesetzt waren, war keine Mühe zu viel, den arbeitenden Volksgenossen die großen Fragen und Notwendigkeiten unserer Gegenwart nahe- zuringen. Gauinspekteur und Gauredner David Müller sprach in drei Appellen, und zwar beim Fi n a n z a m t, in den Gail sch en Tonwer­ter und im* Betrieb desGießener An­zeigers" unb ber Brühlschen Universitäts-Buch- brurferei.

Vor ben Angehörigen ber Städtischen Be­triebe (im Cafe Leib), vor ben Gefolgschaften ber Gummiwarenfabrik Poppe unb bei Schafs- ft a e b t sprach ber Gaurebner von ber Osten. Gaurebner Fischer sprach vor ben Gefolgschaften ber Heil - unb Pflegeanstalt sowie ber Zigarrenfäbriken Gail und Schirmer. Gau­rebner Dr. Scholz sprach zu ben Appellen der Universitätskliniken unb ber Fittings­fabrik Bänninger.

Der Gaufchulungswalter ber Deutschen Arbeits­front, Pg. W a ch s m u t h , weilte in Heuchelheim unb hielt Ansprachen im Betriebe von S ch u n k & Ebe, wie auch ber Zigarrenfabrik Rinn & C l o o s.

Die beiden Glückskinder, Pechvögel, Anfänger, Talente, Himmelsstürmer oder Marionetten (es fällt einem schwer, ben richtigen Namen zu finden) wür­ben von Giefela Vollert unb Erich Weiland gegeben: sie ergänzten einander sehr, spürten die Uebergänge, Möglichkeiten, Steigerungen ihrer Nol­len auf unb den verwirrenden, eben in ber Ver­wirrung reizvollen Wechsel von Scheinwelt unb Realität. Herr H a ars hatte die Bombenrolle des Managers Tompfon und begnügte sich nicht damit, die Beine im amerikanischen Stil auf den Tisch zu tun: er entfaltete das ganze höllische Repertoire des fmarfen, betriebsamen, verlogenen unb kaltschnäu- jfgen Menschenhänblers, Talentverkäufers unb Reklamechefs; ex ließ uns ben gründlichste^ Blick.

J^nunb, einen Niemanb, ein Nichts? Sie kann es nicht, sie barf es nicht, bas Publikum will es nicht, unb ber Manager erlaubt es nicht.

*

Aber das konnte nun auch Niewiarowicz wieder nicht mit ansehen. Er hatte es immerhin auf eine Komödie angelegt und wollte kein Trauerspiel schreiben. (Wird auch vom Publikum bei weitem nicht so gern gesehen.) Zu einem richtigen Film ge­hört das happy end mit Umarmung unb Kuß in Großaufnahme. Also: nachdem der Manager, ber wahrhaftig ein schuftiger Götzendiener ist, unb ber, wo bei anbern bas Herz sitzt, bloß eine Brieftasche hat, sein Möglichstes getan hat, bie Liebendendis­kret" auseinanderzubringen, wenn im Parkett schon die ersten Taschentücher gezückt werben kommt ihm und uns ein herrlicher Zufall zu Hilfe, welcher den männlichen Partner des eben entdeckten Stars verunglücken läßt (der Kerl ist ja immer viel zu schnell gefahren) so baß der verschmähte unb namenlose Geliebte, auf ben bie neue Diva schon mit stillen Tränen zu verzichten bereit war, für jenen einspringen unb an ihrer Seite bie Leiter bes Ruhmes besteigen barf. Die Großaufnahme ist gerettet.

*

Dr. Hannes Razum hat bas Stück geschickt in Szene gesetzt, alles herausgeholt, was es an echter Stimmung unb unechtem Gefühl hergibt, auch bie stellenweise fast gerissene Theaterwirkung, auch bas Durcheinander von Spiel und Realität, von Ku- lifsenzauber, Verlogenheit, Betrieb ... von echter Angst und echtem Ehrgeiz. (Die letzte Szene ist ein Zugeständnis,'das sich das Publikum sehr gern gefallen läßt.) Herr Löffler hatte sich ein Ver­gnügen daraus gemacht, ber Konkurrenz mit aller­lei Projektionen nah und fern ein wenig Konkur­renz zu machen.

Hochschulnachrichten.

Dem ao. Professor Dr. Georg P s e i l s ch i f t e r in D i l l i n g e n wurde unter Ernennung zum Ordi­narius in der Theologischen Fakultät der Universität Würzburg der Lehrstuhl für Kirchengeschichttz Ertragen.

Herr Unruh verbeugte sich nochmals und gab ..... bie Hand^ Sie war zart und schmal. Bebächtig legte er Hut, Stock unb Mantel ab. Die Joppe seines grauen, etwas abgeschabten, aber gut ge­bügelten Anzugs war sorgfältig zugeknöpft. Ein silberweißer Spitzbart unb freundliche blaue Augen hinter einer scharfen golbumronbeten Brille ver-

Weitere Betriebsappelle finben am morgigen Donnerstag unb am Freitag in Betrieben ber teren Umgebung von Gießen statt.

Herr Unruh.

Von Joseph Baur.

Es läutete. Ich war bei meiner Mutter zu Besuch unb öffnete die Tür. Ein schmächtiger alter Mann stand draußen, er hatte einen steifen Hut auf unb trug einen dünnen Spazierstock mit silbernem Griff am Arm.

Ich möchte nur kurz nach dem Pattenten sehen", sagte er unb lüftete mit einer leichten Verbeugung ben Hut.

Patient? dachte ich verwundert. Ich wußte meine Mutter wohlauf und gesund. Sie war Witwe und lebte hier ganz allein. In ber Wohnung befand sich außer dem Kanarienvogel weiter nichts Leben­diges.

Ah, Herr Unruh", griff nun meine Mutter c.., ^kommen Sie nur herein. Das ist mein Sohn aus

Internationale Rundfnnkarßeit in politischen Krisenzeiten.

Dortrag im Offiziersheim Gießen.

Gießener Stadttheater.

Roman Niewiarowicz:Hollywood".

Niewiarowicz ist hier nicht mehr unbekannt: er hat sich vor einiger Zeit mit dem Zwei-Personen- StückIch liebe dich!" vorgestellt, das hernach mit Glück und Geschick verfilmt wurde. Der Autor, statt dem Film Dank zu wissen, gibt es dem Film ge­hörte zwar nicht bem deutschen, aber bem ameri­kanischen, der in bem Zauberwort Hollywood sym­bolisiert ist.

*

Sein neues Stück heißtHollywood", und der Untertitel sagt ganz deutlich, wie es gemeint ist: Glanz und Elend hinter den Kulissen. Es gibt, alles in allem, mehr Elend als Glanz. Niewiarowicz ver­kündet: die Götter von Hollywood heißen Geschäft, Publikum, Reklame, Karriere, Ruhm, Verlogenheit es gibt noch ein paar andere liebenswürdige Namen in dieser modernen Mythologie, wir können sie nicht alle aufzählen.

*

Glanz: bas ist ber namenlose Anfänger aus der finsteren Provinz, ber über Nacht entdeckt, mit Hilfe bes betriebsam brüllenden Managersgemacht" und ein Liebling des Publikums wird. Elend: das ist der große Star aus der Zeit des stummen Films, der über Nacht erledigt war, weil er nicht sprechen kann (stottert nämlich).

Glanz und Elend auf einmal: zwei junge An­sänger aus der Provinz. Der eine hat Glück, der andere Pech. Weniger Sache der Begabung als des blöden Zufalls. Der eine steigt aufwärts, ber an­dere abwärts auf der von Jupiterlampen ange­strahlten Leiter des Ruhms. Und den meisten gelingt es weder mit Talent noch mit Glück noch durch Zufall, auch nur die aüerunterfte Sprosse der Lei­ter zu erklimmen.

*

Ganz schlimm wird es erst, wenn diese beiden Jungen, nach Glück, Ruhm, Geld und Vertrag Gie­rigen aus bem Niemanbslanb ber hunderttausend- fättigen Anonymität sich Heben. Ihr Glück, ihr Ruhm würbe nur vollkommen sein, wenn sie die Leiter gemeinsam erklimmen könnten. Wie aber, wenn sie die Prüfung und bas Fegefeuer ber Probe­aufnahme besteht, er aber durchfällt? Unb wenn sie alle beide auf das Geschrei, auf bas Gelb, auf bie Gunst unb bie Skrupellosigkeit ihres Managers an­gewiesen sind? Dann ist es fürchterlich. Denn bann ift es aus mit der Liebe und mit bem Glück zu zweien. Kann eine neue, eine 150prozentige Greta Garbo einen unbekannten Jüngling lieben, einen

Sauinspekteur David Müller im Gießener Anzeiger.

Auch im Betrieb des Gießener Anzeigers unb ber Brühlschen Universitätsbuch- b r u cf e r e i mürbe ein Appell abgehalten. In einem großen mit ben Fahnen ber Bewegung, geschmückten Raum bes Werkgebäubes fanb sich bie gesamte Be­legschaft ein. Die Werkschar bes Betriebes war on- getreten unb würbe burch ben Stoßtruppführer Siegfried Hardt dem Gauinspekteur Pg. David Müller gemeldet. Als Vertreter der Kreiswaltung Gießen ber DAF. nahm Verwaltungsstellenleiter Pg. Schmidt, außerdem der Kreispropaganba- walter ber DAF. Pg. Römer teil. Be'triebs-

voUstänbigten bas Bild eines altmodischen Märchen- boftors.

Er ließ sich eine alte Zeitung, ein Staubtuch und einen Küchenstuhl geben. Damit ging er in bie Wohnstube.

Herr Unruh hat den alten Regulator repariert", erklärte meine Mutter,und er kommt nun jeden Zweiten Tag, um den Gang der Uhr zu prüfen. Er nimmt es sehr genau." Sie lächelte. Auch Herr Unruh lächelte.

Ich tu nur meine Pflicht", wehrte er ab. Er stand auf bem Küchenstuhl, auf den er zuvor die Zeitung gelegt hatte, und verglich bie Zeit des Regulators mit der feiner Taschenuhr.

Eineinviertel Minuten Differenz", murmelte er, es klang wie ein leiser Tadel. Er hielt ben Perpen- bikel an und drehte an einem Schräubchen. Dann, nachdem^die Uhr wieder in Gang gebracht und die Glastüre geschlossen war, tat er etwas, das meine Mutter mit stillvergnügtem Schnmnzeln beobachtete.

Aus der Stadt Gießen.

Warten ohne Ende ...

Wir warten alle. Kein Tag vergeht o-hne War­ten. Am Morgen ist es da5 Warten "auf den Om­nibus ober auf die Straßenbahn. Dann warten wir auf die Frühstückspause. Der Bürovorsteher wartet inzwischen auf die Post, und der Werkstatt­leiter wartet auf die neuen Muster. Es ist ein Warten, von dem kein Mensch verschont bleibt. Der Betriebsführer will seine Kunden befriedigen und wartet deshalb auf die Fertigstellung der Auf­träge. Der Kassierer wartet auf den Eingang ver­sprochener Zahlungen, der Lehrling wartet darauf, daß ihm ein neues Arbeitsgebiet zuoeteilt wird. Es ist ein Warten ohne Ende ...

Am Morgen warten wir auf den Abend, und am Wochenanfang warten wir auf das Wochen­ende. Zwischendurch warten wir noch im Warte­zimmer bes Arztes ober des Anwaltes, und wenn wir auf der Post zu tun haben, warten wir. vor dem Schalter. Mit jedem neuen Tag beginnt eine neue Spanne des Wartens, ben Sonntag nicht ausgenommen, wo wir auf Gäste warten, auf das Mittagessen, auf das Fußballspiel ober auf ben Be­ginn ber Theatervorstellung.

Unterbessen zieht ber Uhrzeiger seinen gleichmäßi­gen Kreise, teilt die Zeit in Sekunden, in Minuten und Stunden. Er ist unermüdlich. Die Zeit des Wartens wird von ihm genau so objektiv gemessen wie die Zeit des Ausruhens und des Vergnügens. Und doch erscheint es uns, als sei es anders^ als vergingen die fröhlichen Augenblicke viel rascher als diejenigen, in denen zum Beispiel gewartet werden muß.

Dabei gehört das Warten zum Dasein wie jede andere Lebensfunktion. Gut Ding will Weile ha­ben, und wer da glaubt, etwas zwingen zu kön­nen, weil ihm das Warten nicht gefällt, wird feinen Reinfall erleben müssen. Ohne Warten geht es nun einmal nicht. Und außerdem wartet jeder im stil­len auch noch auf etwas Besonderes, auch wenn er es nicht zugeben will. Er wartet auf das große Glück feines Lebens, auf rasche Beförderung, auf eine sagenhafte Erbschaft, kurz: auf eine erfreuliche Wendung in seinem Dasein. Und dabei merkt er kaum, wie er mit dieser wartenden Hoffnung von einem Jahr zum anderen älter und schließlich im­mer mehr aus dem Möglichkeitsbereich der Er­füllung gerückt wird. Und eines Tages sieht er ein, daß ein wesentlicher Teil seines Lebens aus dem Warten bestanden hat, daß aber gerade dieses Warten, dieses Nichterfülltsein geheimer Wünsche, erst das Leben lebenswert machte.

Deshalb sollten wir ein wenig geduldiger das Warten ertragen. Denn im Warten erfüllt sich die Zeit ynd damit ein gewichtiger Teil des Lebens. Selbst wenn es ein Warten ist, bas uns im Augenblick nicht wichtig erscheinen mag.

H. W. Sch.

Keine Zwischenvermittlung bei Liquidierung jüdischen Grundbesitzes.

NSG. In Maklerkreisen wird Klage geführt, daß ehemalige j ü b i s ch e Makler immer noch die Tätigkeit fortsetzen, indem sie durch Benennung von Grundstücken unb andere Zuträge­reien aus dem Kreise ihrer Rassegenossen, die ihren Grundbesitz jetzt abstoßen wollen, Beteiligungen oder Unterbeteiligungen am Vermittlungsgeschäft zu erhalten suchen. In einem, bem AmtHaus und Heim" in der Deutschen Arbeitsfront bekannt ge­worbenen Falle sind babei zwecks Umgehung bes GesetzesGeschenk e" an Stelle von Honoraren in Aussicht gestellt worben. Solche Fälle müssen rücksichtslos zur Anzeige gebracht werden. Denn auch diese Tätigkeit ist den jüdi­schen Maklern verboten und wird bestraft. Deutsche Makler, die sich auf solche Geschäfte mit Juden ein­lassen, machen sich ebenfalls strafbar.

Weiterhin berichtete der Vortagende über den Einsatz und den Verlauf der Rundfunkarbeit in den Tagen der Heimkehr der Ostmark in das Reich, wobei die Hörer einige interessante Erlebnisse aus der Rundfunktätigkeit in der Schuschnigg-Zeit des früheren Oesterreich kennen lernten. Wie groß und bedeutsam der Einfluß des Rundfunks in politischen Krisenzeiten werden kann, machte Dr. Wagenführ auch durch Berichte über die Tätigkeit des italie­nischen Senders Bari während bes Abestinien-Feld- 3u9es Italiens unb des damaligen Ringens des Duce gegen England unb besten Helfer deutlich. . Mussolini hat in jener Zeit ben Sender Bari zu einer stärkstens beachteten Stimme Italiens, zu einem außenpolitischen Instrument von größter Be­deutung gemacht, um das sich sogar ein Rundfunk­krieg entspann. In diesem Zusammenhang gab ber Vortragende ein aufschlußreiches Bild von, der außerordentlich wichtigen Rolle dieses Senders für ben ganzen Mittelmeer-Raum. Ferner erfuhr man burch eine Reihe von Beispielen, welche Bedeutung der Rundfunk als geistige Waffe namentlich auch in ber Auswirkung auf bie mohammedanische Welt in den für England besonders wichtigen Ländern am Mittelmeer erlangt hat, so daß es nicht, ver­wunderlich ist, daß' England darauf stark reagierte, neuerdings aber auch von Aegypten her dem Rund­funk besondere Beachtung zuteil wird.

Abschließend gab der Redner noch einen lieber« blick über bie hervorragende Rolle des Rundfunks in Jbero-Amerika unb namentlich über bie wirt­schaftlichen Gesichtspunkte, bie für Amerika und für Europa, auch für Deutschland unb England, dabei in Betracht kommen. Er rückte in diesem Zusam- tzie neueste Errungenschaft, bas

fünf arbeit in politischen Krisenzei - t e n". Der Vortragenbe gab zunächst einen Ueber- blick über die Rundfunkeinrichtungen der verschie- bpnen Länder und mies darauf hin, daß es beim Rundfunk drei Arten von Sendern gibt: den Mit- telwellenfender, den L-angwellensender und den Kurzwellensender. Dann berichtete er über bie Rund- sunk-Erfahrungen währenb ber September-Krise im vorigen Jahre. Im Vordergrund des aufschlußrei­chen Rundfunk-Erlebens stand damals zunächst die Rede des Generalfeldmarschalls Göring auf dem Reichsparteitag, dann kam als bedeutsamster und unvergeßlicher Höhepunkt bes Reichsparteitags bie große Rede des Führers, bie beibe dein deut­schen Rundfunk große Aufgaben seines Nachrichten­dienstes stellten. An Hand des weiteren Verlaufs der Ereignisse jener Krisentage, bie burch bie Begegnun­gen ber Staatsmänner in Berchtesgaden, Godesberg und München gewaltige Meilensteine der Welt­geschichte aufwiesen, machte der Redner seinen Hö­rern deutlich, welche großen Aufgaben der deutsche Rundfunk damals zu erfüllen hatte; er berichtete

Leistungssteigerung sm die Zukunst des deutschen Bolles

Gauredner sprechen in Gießener Betriebsappellen.

sichrer Dr. Erich Hamann eröffnete den Appell, uiunuium uumuiä zu erpmen gurre; er oencgteie b' ben Rebner unb bie Kameraden ber Arbeite- aber auch, wie in jenen Tagen die staatlichen unb front willkommen unb sprach kurz über die großen -

Aufgaben, die unserem Volke im Kampf um feine politische unb wirtschaftliche Freiheit zy erfüllen aufgegeben sind.