Göring im Militärwaisenhaus Potsdam.
Als Chef des großen Militärwaisenhauses Potsdam besuchte Generalfeldmarschall Göring die Junqrnannen und Jungmädel, um ihnen persönlich für ihre Glückwünsche zu seinem Geburtstag zu danken. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
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in Westindien.
einer deutschen Fangexpedition.
Auf Haifischjagd
Die ersten Ergebnisse
Am 4. Juni 1938 ist von Hamburg aus das Haifisch-Fangschiff „Aequator" zu seiner ersten großen Fahrt in die Weltmeere ausgelaufen. Eine Offenbacher Lederfabrik, der es schon vor vier Jahren gelungen war, die Haifischhaut zu gerben, hatte die Anregung gegeben. Kapitän, Reeder und Lederfabrikanten fanden sich im vergangenen Jahr zusammen zu gemeinsamer Tat. Es gibt über hundert verschiedene Arten von Haifischen, die alle je nach ihrer Beschaffenheit verschiedenartige Häute und damit auch verschiedenartiges Leder liefern konnten. Der Korallenhai hat zum Beispiel eine faltige Haut, die sich ganz besonders zu eleganten Handtaschen verarbeiten läßt. Andere Haifischarten ergeben ein so hartes Leder, daß es sich sogar als Sohlleder und Riemenleder verwenden läßt. Vor allem aber hat die Haifischhaut einen Vorteil vor allen anderen, das ist ihre Größe. Alle diese Vorteile gaben den Ausschlag, den Plan zu verwirklichen und eine Haifisch-Fangexpedition auszurüsten. Außerdem wurden durch den Haifischfang der deutschen Wirtschaft auch noch Fischmehl, Tran und Oel zugeführt. Die „Versuchsgesellschaft für Haifisch- und Hochseefang", die zur Durchführung des Planes gegründet wurde, ging nun an den Ausbau des ersten Fangschiffes. Rach fast einjähriger Bauzeit war der „Aequator" Mitte vorigen Jahres fertig und lief am 4. Juni aus dem Hamburger Hafen. Nunmehr liegen die ersten Berichte über die bisherigen Ergebnisse des Unternehmens vor.
Der „Aequator" hatte im August sein erstes Fanggebiet bei Westindien erreicht und betreibt nun seit vier Monaten das Fanggeschäft. Das Schiff selbst ist gewissermaßen die schwimmende Fabrik, die bei Westindien vor Anker gegangen ist. Der Fang wird mit vier großen Fangbooten betrieben, die der „Aequator" mit sich führt. Haifische werden mit Angeln und Netzen gefangen. Die Fangboote haben einen doppelten Boden, der dazu dient, die gefangenen Haie aufzunehmen. Die Fangboote sind jeweils einen ganzen Tag unterwegs. Es erwies sich als notwendig, die gefangenen Haie vor der
Sonne zu schützen, was ebenfalls durch den doppelten Boden in wirksamer Weise möglich ist. Am Abend eines jeden Tages kehren die Fangboote wieder zum „Aequator" zurück und liefern die Beute ab. Nun kommt es darauf an, die Häute sofort zu verarbeiten. Denn wenn die Häute längere Zeit liegen, ergeben sie kein brauchbares Leder mehr. Ein Betriebsleiter des Offenbacher Werkes, der ein anerkannter Fachmann für Haifischhaut- Gerbung ist, nimmt an der Expedition teil. Sobald die Fangboote ihre Tagesbeute abgeliefert haben, werden die Haie enthäutet. Auch das hat wieder feine Schwierigkeiten, denn die Haifischhaut trägt auf der Außenseite kleine Dornen, die entfernt werden müssen, ohne daß die Haut beschädigt wird. Die Offenbacher Fachmänner haben einen besonderen Kniff dabei, so daß es heute auf dem Schiff möglich ist, auch eine größere Anzahl Haie in kürzester Zeit einwandfrei zu enthäuten. Sofort nach dem Enthäuten werden die Haifischhäute präpariert und gerbfertig gemacht. Schon noch 24 Stunden ist dieser Prozeß beendigt und die Häute können dann mit der nächsten Transportgelegenheit nach Offenbach geschickt werden, wo sie gegerbt werden. Bis jetzt wurden bereits einige Hundert Haie gefangen, die in Offenbach gut angekommen und gegerbt, ja größtenteils schon verarbeitet sind. Manche Dame trägt vielleicht schon Schuhe oder eine Handtasche, die aus den Ergebnissen dieser ersten Haifisch-Fongexpedition stammen. Gefangen wurden überwiegend die sogenannten „Tropenhaie".
Außer der Haut liefert der Haifisch auch noch andere verwertbare Materialien. Im Zwischendeck des Dampfers ist eine Fabrikanlage untergebracht, die es ermöglicht, den Haifisch sofort nach dem Fang an Ort und Stelle zu verarbeiten. Die Haie werden zu Fischmehl verarbeitet, Tran und Oel werden gewonnen und geeignetes Fischfleisch wird sofort zu Konserven verarbeitet, denn sogar eine kleine Konservenfabrik birgt der Schiffsleib. Die Haifischflossen werden in besonderen Trockenapparaten getrocknet und verkauft. In den Häfen werden
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach« mittag geschlossen.
sie als Delikatesse für den fernen Osten hoch bezahlt. Fischmehl, Tran, Oel, Konserven nnd die anderen Produkte des Haies werden, wenn eine genügende Menge vorhanden ist, in Behältern und Kisten verpackt und mit einem anderen regelmäßigen Schiff nach Hamburg geschickt, von wo die Produkte dann der deutschen Wirtschaft zugeführt werden. Das erste Haifisch-Fangschiff „Aequator" wird noch
ein halbes Jahr in den westindischen Gewässern bleiben und den Haifischfang betreiben, dann wird es nach Hamburg zurückkehren. Wenn auch über die wirtschaftlichen Ergebnisse dieser ersten Haffisch- Fangexpedition noch kein abschließendes Urteil möglich ist, so darf man doch schon sagen, daß auch hier in der Lederfabrikation und Verarbeitung deutscher Unternehmergeist eine Bresche geschlagen hat. r.
Rohstoffbeschaffung der Seifensieder.
13,6
12,6
237,9
9,1
21,4
4,4
14,9
2,3
12,6
59,7
9,3
33,9
17,1
14,9
2,3
3,3
6,2
Premier jus und Speise rind ertalg Technischer Talg und Preßtalg . Schweinefett......
Abfallfette
Rohtran . v b » e a 6
Harttran »»»*»; Palmkernöl * » a a s s
Kokosöl . b b i a a b
Palmöl . • a • a a a
Sojaöl .
Leinöl .«.,3.8 Rizinusöl Baumwollsaatöl .
Sonstige Pflanzenöle und Fette . Spaltungsfettsäuren und Destil-
Von dem großen Liebig stammt das Wort: „Die Seife ist das Maß der Kultur". Wahrscheinlich ist sie eine Erfindung der Germanen oder Kelten, die FettundPflanzenasche zusammentaten und damit ein Reinigungsmittel erfunden hatten, das besser war, als das bisher von den Mittelmeervölkern verwandte Oel. Später, als mit der steigenden Textilerzeugung die Anforderungen auch an die Waschmittel immer größer wurden, als man vor allem das lästige Bleichen auf den Rasenflächen ausschalten wollte, kam man dazu, die Pflanzenasche zu ersetzen und fand in dem damals von Leblanc und Solvay hergestellten Soda ein geeignetes Erzeugnis. Leblanc, der Erfinder der Soda, nahm sich noch als ein Nichtverstandener im Armenhause das Leben, und der Chemiker L a o o i - sier, auf dessen wissenschaftlichen Erkenntnissen er ausaebaut hatte, wurde 1794 hingerichtet. Trotzdem aber trat ihre Erfindung vor allem nach dem wirtschaftlichen Verfahren des Belgiers Solvay ihren Siegeslauf an und ermöglichte eine gewaltige Ausdehnung der Seifenerzeugung.
Schwieriger war die Beschaffung des zweiten wichtigen Rohstoffes, des Fettes, an das verschiedene Anforderungen gestellt werden. Vor allem muß, wie der Seifensieder sagt, „das Unverseifbare ausgeschieden werden". Die verschiedensten Fette und Oele hat man für die Seifenerzeugung genommen. Dor dem Beginn der deutschen Rohstoffschlacht im Jahre 1933 verbrauchte die deutsche Seifenindustrie folgende Rohstoffe:
In 1000 Tonnen
Horten Mark ermittelt.
Die obitze Liste läßt den Beschauer nun schon einwandfrei erkennen, daß unter den dort aufgeführten Hilfsstoffen der Seifenerzeugung viele Stoffe zu finden sind, die devisengebunden sind und eine Ueberprüfung ihres Einsatzes notwendig machten. Bekanntlich hat ja die Fettfrage unseren Männern von der Vierjahresplandienststelle und vom Reichsnährstand besondere Kopfschmerzen gemacht. Nach einer Berechnung von Staatssekretär Backe im „Vierjahresplan" stellte sich die deutsche „Fettbilanz" im Jahre 1936, als also schon recht beachtliche Erfolge errungen werden konnten, etwa folgendermaßen dar:
Verbrauch an Ernährungsfetten 16000001 Verbrauch an technischen Fetten 3680001
Gesamter Fettverbrnuch 1968000 t
Eigenerzeugung 943 0001 = 48 o. H.
Der Devisenbedarf für die Fetteinfuhr stellt sich auf rund 400 Millionen Mark. Don dem Verbrauch von 368 000 Tonnen für technische Zwecke gingen etwa 70 v. H. an die Seifenindustrie.
lationsfettsäuren . ....
Raffinattons- und Abfallfettsäuren
Oele, Fette und Fettsäuren zus.:
Hinzu kommen noch einige andere Hilfsstoffe, darunter Harze, Grundseifen u. a. Der Gesamtwert der Roh- und Hilfsstoffe der deutschen Seifenerzeugung betrug im Jayre 1933 116,4 Millionen Mark, der Gesamtwert des Absatzes würde mit 262,5 Mil-
Man hat nun auf die verschiedenste Weise versucht, eine völlig neue Rohstoffgrundlage für die Seifenerzeugung zu schaffen und damit auch schon recht schöne Erfolge gehabt. Am Rande sei vorweg bemerkt, daß man die für die Seifenher- stellung benötigten Harze heute schon zum Teil durch neuartige Harzgewinnungsmethoden aus den deutschen Wäldern gewinnt. Schwieriger war schon die Frage der F e t t b e s ch a f f u n g. Man hat hier Versuche gemacht, das bei dem steigenden Hanfanbau anfallende Hanföl zu verwerten, man hat aus den Roßkastanien das Saponin gewonnen, man hat die Knochensammelaktton eingeleitet, um das wertvolle Knochenfett stärker auszunutzen, und man hat schließlich sogar Versuche unternommen, ein Seifenfett aus Kaffeegrund herzustellen. So lobenswert all diese Versuche auch sind, sie vermochten doch nicht die Fettfrage für die Seifenindustrie endgültig zu lösen. Gewiß mag manch einer dieser so gewonnenen Stoffe für gewisse feine Seifen oder Spezialerzeugnisse von hervorragender Eignung sein, die Aussicht auf eine endgültige Klärung der Rohstoff-Frage brachten aber erst zwei andere Maßnahmen. Das eine war der Aufbau einer deutschen Walfangflotte, die im letzten Fangjahr schon 94 000 t Walöl heimbrachte, das vor allem von der Margarine- und SeifeN- industrie verbraucht werden wird.
Beinahe noch interessanter ist es, daß es.deutschen Chemikern gelungen ist, aus Kohle Seife herzustellen. Bei der Herstellung synthetischen Benzins nach dem Fischer-Tropsch-Derfahren fällt Paraffin als Abfallstoff an. Dabei ist es bemerkenswert, daß man durch die Wahl der bei der Erzeugung eingesetzten Drücke die Höhe des Paraffinanfalls steuern kann. Nach verschiedenen Verfahren, die von den IG.-Chemikern im Werk Ludwigshafen-Oppau, von den Deutschen Fettsäure-Werken in Witten und von einem Magdeburger Werk ausgearbeitet wurden, ist es gelungen, aus dem Paraffin in langwierigem Prozeß eine Fettsäure zu gewinnen, die für die Seifenerzeugung zu gebrauchen ist. Auf Anregung von Staatssekretär Keppler wurde in Witten an der Ruhr die erste Anlage zur jährlichen Erzeugung von 20 000 Tonnen Fettsäure aus Kohle im Jahre 1937 in Betrieb genommen. Man plant die Erzeugungsstätten soweit auszubauen, daß ab 1939 mit einer jährlichen Erzeugung von 60 000 Tonnen zu rechnen ist.
Kunst und Wissenschaft.
„Sehnsucht nach Afrika", ein Naturfilm von Bengt Berg.
In Anwesenheit des Forschers Bengt Berg fand in Frankfurt eine Vorführung eines neuen Films „Sehnsucht nach Afrika" statt. Bengt Berg betonte bei dieser Gelegenheit, daß ihn der künstlerische und wissenschaftliche Wert des Filmes erst in zweiter Linie interessiere. Viel wichtiger sei es ihm, den Millionen naturliebender Menschen einen Einblick zu verschaffen in die Wunder der Natur an den Gestaden des Nils. Er habe nicht die-Absicht gehabt, einen Kulturfilm zu schaffen, sondern einen Naturfilm, denn die Menschheit in den Industriestaaten sehne sich nach etwas Lebendigem, nach etwas Natürliche'in, sei es auch nur ein kleiner Vogel oder eine kleine Pflanze. Der Film veranschaulicht einen Ausschnitt aus der Tropenpracht des Nils, aus dem Tierleben in ihm und an seinen Ufern, und schildert in überaus gelungener Weise den Zug der Vögel aus den kälteren Regionen nach den wärmeren Ländern, besonders nach dem Lande der Pharaonen.
DerBaukünsilerAibertSpeer
Von Martin Richard Moebius.
Die Lage war heillos, als sich der Baukünstler Albert Speer 1933 mit den Voraussetzungen und Bedingungen des öffentlichen Neubaus beschäftigte. Die Tradition aus den Epochen großer Stile war unterbrochen. Die sogenannte Moderne liquidierte die Reste eines entarteten Kunst- und Vernunftwillens. Auf der einen Seite wuchsen die Sttlungeheuer formalistischen Ueberschwangs, auf der anderen waltete nüchterne Sachlichkeit, pedantische Vorsicht. Doch Albert Speer machte daraufhin keine trostlose Philosophie, sondern entschloß sich, im Vertrauen auf die eigene Kraft, die nächste Stunde schon, den nächsten Tag damit anzufüllen, aus den Notwendigkeiten, Zweckmäßigkeiten und Ansprüchen des Augenblicks heraus die Elemente eines Stils zu schaffen, der gleich der preußischen Prägung durch Schinkel d i e deutsche Prägung einst ermöglichen könnte. Ihn begeisterte der Wunsch, daß die noch unsicheren Künstler, die vielleicht ihr besseres Können dem Dernunftwitz fremder Völker opferten, durch die neue, dem Dritten Reich entschlossen dienende Baukunst den Takt der deutschen Epopöe, der Epopöe des Enthusiasmus hindurchhören und dem stillen Geheiß irgendwie, jedoch nach deutscher Art bald folgen würden.
Wer dieser fünf Jahre aufblitzende Wunder erlebt hat, möchte es nicht für Zufall halten, daß der Führer und Reichskanzler den jungen Baumeister Albert Speer zur Gesamtplanung des Reichsparteitaggeländes, zur Planarbeit der Reichskanzlei, zur Neugestaltung Berlins herangezogen yat. Hier glühte Enthusiasmus, hier harrte Kraft, Entschlossenheit und Ausdauer der höchsten Aufgaben, hier war der Einsatz ein ganzer Mann, ein ganzer Künstler. Die heillose Lage wurde über Nacht die hoffnungsvollste. Die Frage nach dem Stil war absurd. Es gab keine Wahl, kein Bedenken dieser und auch jener Möglichkeiten auf Grund überlieferter Formenschatzes, — es gab nur den einen, gewissen Weg zur Verewigung des neuen Reiches, den Umsatz der Notwendigkeiten, die Ordnung in Stein.
Es verdient besondere Betonung, daß 1933 weder saturierte Macht noch gesicherter Reichtum Bauaufträge gaben, — der Auftrag kam von dem im Augenblick vom Nationalsozialismus erkannten Notwendigkeiten. Es war notwendig, in Nürnberg für des Aufmarsch des geeinten, uniformierten Deutschlands den Raum, auch den Rahmen zu schaffen. Es war notwendig, im Zwang der neuen Daseinsfor
men die Reichskanzlei erheblich zu erweitern, notwendig, der Stadt Berlin endlich das Gesicht zu geben. Albert Speer, den Takt der Zeit im Innern, das Bild der breit und tief gegliederten Kolonnen auf dem Zeppelinf^ld, dem Märzfeld vor dem Auge, die Notwendigkeiten, Forderungen und Bedingungen des Bauschaffens genau erkennend, schuf aus diesen Elementen erlebter Zeit, erlebter Rhythmen, in großer schwingender Linie die gewaltige Runde der LuitpoldMrena mit den beiden Emblemen auf den seitlichen Podesten, stellte die ungeheure pfeilerstrebende Front der Haupttribüne auf dem Zeppelinfeld gegen oen Himmel, legte um das Märzfeld das Rechteck gereihter Pylonen, zwischen denen die Fahnen hängen, entwarf den großartigen Bogen des Deutschen Stadions, der notwendigen Karnpfftätte des neuen Deutschlands.
Wer da von Klassizismus sprechen wollte, von Antike oder gar von Renaissance, sähe nicht das Wesentliche, den Kern. Gewiß, die durch Last und Stütze seit Jahrtausenden entwickelten Formen kehren wieder, die Säule, der Pfeiler, fast alle Grundformen sind sichtbar erhalten, — aber was ist aus diesem uralten Formenschatz unter dem Druck unserer Zeit, unter dem Anspruch der heutigen Notwendigkeiten geworden! Es ist Albert Speer hoch anzurechnen, daß er als Baukünstler nirgends, niemals ein Experiment gemacht hat, daß er trotz feiner Jugend keinem in phantasievollen Bildern ausschweifenden Genie gefolgt ist, sondern das allein verwirklicht hat, was als Verewigung unserer Zeit vor den Jahrhunderten bestehen könnte.
Dieses Vertrauen des Führers und Reichskanzlers hat der Erweiterungsbau der Reichskanzlei in Berlin bestätigt. Albert Speer ist innen und außen eine restlos geglückte, höchsten Ansprüchen und Zwecken völlig genügende Raumgestaltung gelungen. Die häufige Reihung der Durchbrüche der Außenwände, die Serien der Fenster, Türen, Säulen und Pfeiler ist hier nicht nur praktische Konsequenz der Raumkonzeptton, sondern zeitgemäßer Ausdruck des Reihenerlebnisses der aufmarschierenden Natton. Zeitgemäß ist auch die Zurückhaltung im Schmuck, die Sparsamkeit des Ornaments. Großartig, wuchtig, würdig verkündet diese Form noch einmal den Willen des'Nationalsozialismus, die diesseitige Wirklichkeit vollkommen zu ordnen und den im Führer und Reichskanzler großgewordenen Impuls steinern auszuprägen. Der Schöpfer der Bewegung verewigt sich in der Schöpfung aus Stein. Der Name Albert Speer wird sich für immer mit diesem Vorgang verknüpfen; heute schon dankt ihm das Volk für seinen Einsatz, für sein Dasein, seinen Enthusiasmus im Dienst am Neubau des Deutschen Reiches,
polar-Abenteuer auf Tod und Leben.
Von O. p. Brandt.
Eine kleine Gastwirtschaft in einem der Vororte der Industriestadt Bochum. Fünf alte Männer sitzen um den Stammtisch. Der einzige Gast außer diesen fünf Alten hört Bruchstücke einer tollen Erzählung. Die Wirtin gibt nicht nur rasche Aufklärung, sondern schafft Atlanten, Tagebücher und amerikanische Zeitungen herbei. Der Held der Erzählungen der fünf Kameraden am Stammtisch ist ihr vor kurzem gestorbener Vater Friedrich Bruch.
Friedrich Bruch hielt es in jungen Jahren nicht zu Hause in der väterlichen Kneipe. Ihn lockte die Weite, das Abenteuer. Als Schiffsjunge setzte er über nach Amerika. Jahrelang hörte man kein Lebenszeichen von ihm, er galt als verschollen. Dann berichteten eines Tages die Zeitungen von seinen abenteuerlichen Fahrten und von seinem Forscherglück. *
Bruch war einer der ersten, die sich im Jahre 1881 bei der amerikanischen Marine meldeten, als der Aufruf erging, eine Such-Expedition für die auf einer Polarexpedition verschollene „Jeanette" auszurüsten. Für 100000 Dollar erstand die amerikanische Regierung den in San Franzisko liegenden Dampf-Walfischfänger „Mary und Helen". Proviant wurde für drei Ähre an Bord genommen. Das Schiff erhielt den Namen „Rodger". Am 16. Juni 1881 ging die Fahrt ins Ungewisse los.,
Am 27. Juli fuhr man cm den schneebedeckten Gipfeln der Behringstraße vorbei nach St. Michaels in Alaska. Die Fleischvorräte waren inzwischen zur Neige gegangen, und die getrockneten Fische voller Maden machten das Leben an Bord sehr unangenehm. Nach weiterer vierwöchiger Fahrt war dann am 28. August die Wrangelinsel erreicht. Das Schiff warf Anker, um von einem gesicherten Stützpunkt aus, dem der Name Rodgerhafen gegeben wurde, umfangreiche Untersuchungen nach dem Verbleib der Besatzung der „Jeanette" anzustellen.
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Die schwersten Strapazen standen der Besatzung noch bevor. Nachdem man 16 Tage vergeblich gekreuzt hatte, ahne eine Spur von der „Jeanette" zu finden, wurden zwei kleine Boote ausgerüstet, welche die Aufgabe hatten, die Spitze zu umfahren. Der Deutsche Bruch steuerte das in östlicher Richtung ab fahrende Boot, das nach drei Tagen jo
fest im Eise saß, daß an ein Weiterkommen nicht mehr zu denken war. Wiederum war es Bruch, der die schwierige und unlösbar scheinende Aufgabe übernahm, das Land zu erforschen. Bei Schnee und Eis machte er sich mit zwei Kameraden auf den Weg, der durch tiefe Schluchten, Gletscherspalten und zahlreiche eisbedeckte Höhen führte. Nur mühsam bahnte sich die kleine Expeditton Schritt für Schritt den Weg durch das unwirtliche Klima. Nach unermeßlichen Anstrengungen, halbtot vor Ermüdung, wurde eine Höhe erreicht. Man stieß ein Freudengeheul aus. Entgegen den Aussagen der Walfischsänger gab es hier Land von beträchtlicher Ausdehnung.
Bei der Rückkehr zum Boot wurden die drei tapfe« ren Auskundschafter mit lautem Hallo empfangen. Man hatte sie schon fast aufgegeben gehabt. Unter Führung von Bruch kehrte nun die gesamte Bootsbesatzung durch die Eisfelder zur „Rodger" zurück. Hier traf dann auch ein wenig später das in westlicher Richtung abgegangene Boot ein. Beide hatten von der Besatzung der Jeanette" keine Spur finden können. Am 15. September 1881 ließ Kapitän Berry Bruch zu sich rufen und teilte ihm mit, daß er, als Anerkennung für seine große Leistung, den langen Streifen Land, den der Deutsche an der Nordküste festgestellt hatte, Bruchspitze benannt hätte.
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Auf der Rückfahrt bezog die „Rodger" in der Lawrence-Bucht, vollkommen vom Eis eingeschlossen, Winterquartier. Am 30. November brach plötzlich Feuer auf dem Schiff aus, das völlig vernichtet wurde. Mit Mühe und Not konnte die Mannschaft über die Eisfelder an Land kommen und wenigstens das nackte Leben retten. 5Vs Monate verlebte Bruch mit seinen Kameraden, die ausgezogen waren, Schiffbrüchige zu retten und nun selbst schiffbrüchig geworden waren, bei den Tschukisten, wo man eine gastliche Aufnahme fand. Nur mit der Hauptmahlzeit, hie aus ungekochtem, rohem Fleisch bestand, hatte es seine Schwierigkeiten.
Erst Ende April 1882 konnte die tapfere Besatzung von einem Eisbrecher aus ihrer Weltabgeschiedenheit befreit werden. In Amerika gab es, obwohl der eigentliche Zweck der Fahrt nicht erreicht worden war, einen großen Empfang. Bruchs Bild ging durch fast alle Zeitungen. Sein kühnes Vorgehen beherrschte tagelang die Spalten der Presse.
„Wenn die Fahrt auch auf Leben und Tod ging", hat er in seinem Tagebuch aufgezeichnet, so sie mir doch den größten Erfolg meines Lebens eingebracht. Wir Deuffchen find auch auf diesem entlegenen Erdteil für ewig in das Buch der Geschichte eingetragen"


