Ausgabe 
18.1.1939
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 15 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch!8.Zanuar 1939

Aus dem Reiche der Krau.

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

INDEM FASCHING!

Mit Windstärke 13" segeln wir in den Fa­sching 1 9 3 9, und wo wir landen können, zeigt unsere heutige Modeskizze.

DerLeichtmatrose" (Fig. 1) trägt zu seinem weißen Wollsweater die Hose seines Haus­anzuges, eine weiße Baskenmütze mit großem, rotem Wollpompon; ein großer, blauer Anker (mit rotem Herz aus Filz) vervollständigt den einfachen und flotten Anzug.

Mit ein wenig Geschick ist aus dem sommerlichen Dirndlkleid leicht dasMädel von der Waterkant" (Fig. 2) herzustellen, wenn man zur Ergänzung eine schwarze Samttaille mit bunten Seidenbändern und großen, goldenen Fili­granknöpfen besetzt. Dem Rock wird eine Blende aus .buntgestreifter Kunstseide angesetzt, die Keulenärmel wie das gefältelte Brusttuch und das kleine Häubchen sind aus weißem G l a s b a t i st.

fugend, durchzuhalten und ihre Mütter nicht im Stich zu lassen. Aber auch die Stadtfrau muß im anderen Maße als bisher Verständnis aufbringen für die Dolksgenoffin auf dem Lande. Wenn ihre Tochter im Arbeitsdienst, im Pflichtjahr oder im Landdienst das Leben der Bäuerin in seiner rauhen Wirklichkeit kennenlernt, dann soll sie nicht deswegen dasarme Kind" bedauern Im Gegen­teil, sie sollte stolz darauf sein, daß ihre Tochter an der Stätte mitwirken durfte, wo die Ernährung des deutschen Volkes durch harte Arbeit täglich neu errungen wird. Dadurch wird sie eine andere Ach­tung vor den Erzeugnissen der deutschen Scholle bekommen und den Begriff von der ..Heiligkeit des Brotes" in seinem wahren Sinn erkennen.

Aus dieser Erkenntnis heraus wird sie von selbst in ihrem Haushalt nichts mehr umkommen lassen und die AktionKampf dem Verderb" zu würdigen wissen. Das junge Mädchen, das mit eingespannt war in die tägliche Arbeit und teil­haben konnte an den morgen und Nöten, das das Zusammenhörigkeitsgefühl aller auf einem Hofe

Auch das Kostüm derM e x i k a n e r i n" (Fig. 3) ist einfach aus einem geschickt geschlungenen, Hunt- gemusterten Schal mit Seidenfransen und einem sehr weiten, roten T ü l l r o ck zusammenzu­stellen, wenn man es durch den großen Hut aus grobem Stroh und den paffenden Phantasieschmuck ergänzt.

Für das Gewand derC h i n e s i n" (Fig. 4) kann ebenfalls ein, am besten schwarzer oder blauer Hausanzug dienen. Nun werden die Applika­tionen aus Gold, Gelb und Rot aufgesetzt, ebenso die (an Hose und Aermeln) breiten Seidenblendcn.

DasMädchen aus H a w a i" (Fig. 5) trägt zu einer Taille aus glänzender, roter Seide und einem roten Bast rock Blütenketten aus gro­ßen, weißen Blumen, einen Blütenkranz mit langen, roten Seidenbändern und viel Phantasie­schmuck in Gold und Rot. H.

Beschäftigten und eine «.Gemeinschaftsar­beit im wahrsten Sinne des Wortes erleben konnte, wird später, wenn sie selbst Hausfrau sein wird, die Leistungen der Landfrau richtig beur­teilen können. Wenn heute viele Mädchen frei­willig auf dem Lande bleiben, dann ist das ein Beweis dafür, daß sie sich dort wohlgefühlt haben. Wenn zum Beispiel von 10 Landdienstmädeln nur 2 sich entschließen, auf dem Lande zu bleiben und davon nur eine wieder in einen Hof hineinheiratet, dann sind das bei 100 Landdienstmädeln bereits 20 auf das Land zurückgeführte weibliche Arbeits­kräfte und 10 gesicherte Ehen.

Wenn die Ernährungssicherung des deutschen Volkes in den kommenden Jahren noch weiter aus­gebaut werden soll, dann muß vor allem der Bäuerin eine fühlbare Entlastung zuteil werden. Die Stadtfrau muß dieses aber klar erkennen und durch eine entsprechende Erziehung ihrer Tochter zu ihrem Teil zu einer Lösung der Frage bei­tragen. z.

weiter zum Braten des nächsten Gerichtes verwendet wird. Aber wie häufig ist das nicht mehr zu ver­wenden. Haben wir deutsches Beefsteak gebraten, dann vertragen im restlichen Fett gebackene kleine Kuchen aus nahrhaftem Quarg den Geschmack des vorigen Gerichtes bestimmt nicht. Und die nach ge­bratenem Fisch gebratenen Kartoffeln schmecken auch nicht nach sehr liebevoller und sorgsamer Zuberei­tung! Also muß die Pfanne abgewaschen oder besser mit Salz ausgestreut, erhitzt und ausgerieben wer­den! Unserer klugen Hausfrau kam nun ein rettender Einfall, den wir alle eifrig nachmachen sollen. Sie gibt nach dem Braten von Kartoffeln, Fisch, Fleisch ganz gleich welcher Art, immer ein wenig unseres, neben Kartoffelmehl zum Dicken der Tunken ver wendeten, sogenannten Braunmehles in die Pfanne. Dann erhitzt sie die Pfanne nochmals und rührt das Mehl fleißig darin um! Das ist wichtig sonst passiert's eben wieder, daß die ganze Küche voll Qualm von angebranntem Mehl ist, wie vorhin, als ich zu ihr in die Küche ging. Das so erhitzte Mehl saugt das restliche Fett vollkommen in sich auf! Dann wird es auf Papier oder einen Porzellan­teller geschüttet und muß erkalten und gewissermaßen trocknen". Dann wird es in Tüten, nicht in Blech­dosen, aufgehoben, weil das im Mehl vorhandene Fett ein luftdichtes Verschließen nicht verträgt. Dieses Mehl muß man nun für die jeweils benötigten Ein­brennen benutzen und wird dabei erstaunt fein, wie­viel Fett gespart wird! Aber nicht vergessen, auf die Tüten zu schreiben, ob Mehl aus Fisch-, Fleisch-, Pfannkuchen- oder Kartoffelfett darin ist, sonst ge- schieht's doch, daß eine hellgelbe Einbrenne für die goldgelbe Tunke zum Gemüseauflauf sehr stark an eine Fischtunke erinnert und das wäre doch wirk­lich schade, nicht wahr? Z.

ES raucht in der Küche!

Die Hausfrau steht mit hochrotem Kops vor ihrem Herd. Das muß ich mir einmal näher ansehen! Was ist denn da nur passiert? Es raucht ganz schlimm, und die ganze Küche ist voll Schwaden! Aha, sie will eine Mehlschwitze bereiten und dabei hat sie das Mehl zu sehr bräunen, sagen wir ruhig, anbrennen lassen! Nein? Ja, was ist denn dann passiert? Nach­dem ich ihr zugehört habe, muß ich feststellen, sie hat einen glänzenden Einfall gehabt und menp er ihr ein wenig mißlungen ist, so schadet es nichts, denn beim nächsten Male geht's besser! Sie hat sich nämlich als äußerst sparsame und besonders verant­wortungsbewußte deutsche Hausfrau einmal ein­gehend mit der Frage beschäftigt:.Wie kann ich mög­lichst viel Fett sparen und trotzdem ausreichend und fetthaltig genug kochen? Und dabei ist sie zu dem Resultat gekommen, daß sie nicht nur ungenügend spart, sondern sogar verschwendet! Oft ist nach dem Geschirrspülen das Abspülwasser von vielen glänzen­den Fettäugelein besät! Wie kommt das? Als erstes fällt ihr ein, daß sie nach allerdings ordentlichem Auskratzen" der einzelnen Gerichte die Schüsseln und Platten eben nach dem Abspülen des fett­freien Geschirrs einfach in das Wasser gibt! Da kommt sie endlich auf den Gedanken, dieses Geschirr in Zukunft erst mit etwas heißem Wasser auszu­spülen und dieses Wasser zu dem betreffenden Ge­müse, der Suppe oder anderen Speisen dazu zu gießen. Dadurch wird das Gericht nicht mehr ver­dünnt als es vertragen kann und kann außerdem ja wieder etwas eingedickt werden.

Aber dann fällt ihr noch etwas ganz Wichtiges ein: die Bratpfanne! Die Bratpfanne wird ja öfter nicht abgewaschen, weil der oft bleibende Fettrest noch

Alte Spitzen.

23on $rit)a Aisch.

Die Feiertagsarbeit mit ihren Sorgen für die an­dern ist vorüber, und aufatmend kehren mir zum Alltag zurück. Jetzt ist es Zeit, auch ein bißchen an uns selber zu denken und ans Auffrischen der schad­haften Kleidungsstücke zu gehen. Da fällt mir ein, daß auf dem Boden noch ein ganzer Sack voll alter Spitzen ist. Wohl wurden sie ob und zu betrachtet, aber immer wieder als ungeeignet fortgestellt. Sie waren wohl teilweise auch gewaschen, aber es hatte nicht viel genutzt. Ich will doch gleich einmal nach­sehen. Gesagt, getan: Sie sahen wirklich recht al­tersgrau aus. Aber wenn ichs mit dem Reinigen noch einmal versuchte?

Was kam 'aus dem alten Sack alles zum Vor­schein! Altes Valencienne, eine echte Brüsseler Kante hatte sich hinein verirrt, die der Großvater aus Brüssel mitgebracht hatte. Handstickerei von dem Ausstattungsfrisiermantel der Großmutter, Schwei­zer Stickereien, Klöppelspitzen, die ich vor 40 Jahren gemacht hatte, dicke Guipure-Kragen, die meine Kinderkleider geziert hatten, hauchdünne Tullspitzen, ja, eine ganze Bluse. Dicke Zwirnspitzen, feine Stnck- deckchen, Seidenstickereien. Echte Biederrneiertüll- ärrnel der Urgroßtante, grobe handgearbeitete Lei­nenspitzen: sie zierten vor achtzig Jahren den weißen Leinenstaiibmantel bei Wagenfahrten in Rußland. Auch feine Filetdeckchen fanden sich, Handarbeiten der Kinder. Schmale und breite Spitzen, kleine End­chen und große Stücke, teils weiß gewesen, teils gelblich angehaucht, manches mit dem zartgrauen Ton echter alter Spitzen. Sie erzählten ein Jahr­hundert Familiengeschichte. Aber es hatte auch ein Vermögen darin gesteckt, in diesem Zustand wertlos.

Ich stopfe also Den ganzen Kram in einen Kissen­bezug. Die allerzartesten Spitzen wurden um Fla­schen gewickelt und die Enden leicht festgenäht. Aber ohne Knoten, denn es durfte nichts zerrissen wer­den, wenn der Faden herausgezogen wurde. Alles wurde nun in leichter Seifenbrühe eingeweicht. Wir find ja so glücklich, eine ganze Reihe einwandfreier moderner Waschmittel zu kennen. Nach kurzer Zeit war das Wasser schwarz. Dann wurde es noch einige Male erneuert. Nach einigen Stunden entfernte ich das Einweichwasser und kochte alles in Seifenflocken­wasser, dem ich einige frische, rohe Eierschalen zu- gesetzt hatte. Zuunterst kam das Kissen mit den Spitzen, daraus die bewickelten Flaschen. Die Eier­schalen waren in ein Läppchen gewickelt, damit sie das teilweis sehr feine Gewebe nicht zerreißen konn­ten. Die Waschbrühe stand reichlich über. Langsam ließ ich alles zum Kochen kommen, zog dann den Topf beiseite und ließ die Wäsche handwarm ab- kühlen. Dann rolle ich die Flaschen so lange hin und her, bis die Spitzen klar erschienen. Die andere Wäsche im Beutel wurde nur gedrückt. Nach tüch­tigem Spülen stärkte ich mit ganz dünner Kartoffel­mehlstärke und hängte die Spitzen auf. Ich paßte die richtige Trockenheit zum Plätten ab. Dabei mußte meine Nachbarin helfen, glatt ziehn, denn es war eine ganz ansehnliche Menge. Die Spitzen auf den Flaschen wurden erst abgewickelt, als sie ganz trocken waren. Sie brauchten nicht geplättet zu werden. Wohl hatte ich damit gerechnet, daß von den alten Sachen ein ansehnlicher Teil zerrissen und unbrauch­bar sein würde, aber es war nicht ein einziges Löchelchen darin neu entstanden. Es waren Stücke darunter, die über hundert Jahre alt waren. Die neuzeitlichen Waschmittel hatten nur den Schmutz gelöst, aber nicht das Gewebe angegriffen.

Da war die Freude groß. Die Spitzen waren wunderschön weiß geworden. Die alten Muster, neu erstanden, entzücken alle, die sie sehen. Ich kann für lange Zeit Freundschaft, Kinder und Enkel m mich selbst damitverzieren".

Alte Spitzen finden sich in jedem Haushalt. W>-. will noch den Kampf gegen den Verderb versuchen?

Landsrau und Landflucht.

Die großen Leistungen des Bauerntums für die Sicherung der Nahrungsfreiheit des deutschen Volkes hat der Reichsbauernführer R. Walther Darre in seiner Rede zum Abschluß des 6. Reichsbauerntages in Goslar eindeutig aufge­zeigt. An dem stolzen Ergebnis der Steigerung des Selbstversorgungsgrades von 75 v. H. 1932 auf 82 v. H. 1937 trotz aller Schwierigkeiten ist nicht zuletzt auch die deutsche Landfrau erheb­lich beteiligt. In unermüdlicher Kleinarbeit in Haus und Hof trug sie zu ihrem Teil zum Gelingen des großen Werkes bei. Sie ist aber heute bereits so mit Arbeit überlastet, daß sie ihrer eigentlichen Aufgabe, Mutter einer zahlreichen Kinderschar zu fein, kaum mehr gerecht werden kann. Der Reichs­bauernführer würdigte chre Tätigkeit sehr deutlich und umfassend, indem er sagte:Was unsere Bauersfrauen in den vergangenen Jahren an Ar­beit und seelischer Belastung, an Mühe und Not haben durchhalten müssen, ist wahrhaftig das Hohe­lied eines wahren Heldentums"

Untersucht man die Gründe dieser Ueberlastung, so muß man feststellen, daß es die Abwanderung vom flachen Lande in die Städte, dieL a n d - flucht" ist die der Bäuerin die mithelfenden Arbeitskräfte entzieht. Don dieser Abwanderung werden nicht nur die Landarbeiter, sondern ebenfo die Kinder der Bauern, also die familieneigenen Arbeitskräfte betroffen. Da eine Auffüllung der so entstehenden Lücken nicht möglich ist, weil einer­seits überhaupt die Arbeitskräfte fehlen und an­dererseits keine Mittel zu ihrer Einstellung zur Verfügung stehen, fällt der Bäuerin die Mehr­arbeit zu. Durch diese Abwanderung ist aber die weitere Durchführung der Erzeugungsschlacht sehr erschwert. Zum anderen ist diese Entwicklung für den Bestand unseres Volkes eine nicht zu unter­schätzende Gefahr, da das Bauerntum unter diesen Umständen seine große Ausgabe, Blutsquell der Motion zu fein, kaum mehr erfüllen kann. Die Arbeitsüberlastung auf dem Bauernhof ist heute derart daß die Arbeitskraft der Landfrau nicht ausfallen Darf. Die werdende Mutter kann also nicht von schwerer körperlicher Arbeit befreit werden. ,, ... ,

Die Ueberwindung der Landflucht ist somit zu einem Problem geworden, das vordringlich gelost werden muß. Mit materiellen Mitteln allem ist es allerdings nicht getan, sondern hier ist die see­lische Bereitschaft eine wesentliche Voraus­setzung. Es liegt einmal an Der weiblichen Land-

Mn, meine Suvve ess'ichmcht!"

Wie oft mag wohl der Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann diesen Ausruf aus einem Kinder- mund gehört haben, ehe er den kleinen Nichtessern die bekannten Verse in feinemStruwwelpeter" widmete. Aber allen Struwwelpeterbilderbiichern zum Trotz gibt es noch immer viele Suppenkaspers in der Welt!

Es ist unrichtig, die mangelnde Eßlust zu ve- strafen oder als Nörgelei anzufehen. Die körper­liche Beschaffenheit dieser Kinder, die oft mit be­sonders leichter Erregbarkeit und Hang zum vie­len Weinen verbunden ist, bedarf besonderer Er­nährung. Diese Kinder müssen seelisch und körperlich abgehärtet werden und zwar in überlegter und folgerichtiger Art. Man soll Die Empfindlichkeit nicht durch Rührseligkeit unter­stützen, sondern alle übermäßig gefühlvollen Ein­drücke auswägen und andererseits die körperliche Empfindsamkeit durch gesunde Kost beeinflussen. Andere Abhärtungsmethoden, wie Wechsel- oder Kaltbäder, Sonnen- und Luftbäder, Höhensonne und Medikamente, darf man nur nach ärztlicher Verordnung anwenden.

Bei der Ernährung Der Kinder ist es gut, Fleisch ganz klein unD Fisch sehr groß auf den Küchenzettel zu schreiben. Ab und zu etwas Blut- oder Leberwurst, ein Stück Leber Das genügt vollkommen, hingegen Fischgerichte mindestens zweimal und recht viel Heringsspeisen außerdem Alle Fischgerichte find sehr leicht ver­daulich und von besonders hohem Nährwert! Ein sehr billiges und nahrreiches Lebensmittel ist Milch, die aber oft nicht gut vertragen wird. Be­sonders bei kleineren Kindern stößt man oft auf hartnäckige Weigerung, ein Glas Milch zu trinken. Die Lust am Milchtrinken kann einfach hervvr- gerufen werden, wenn man etwas Himbeer-, Zitronen- oder einen anderen Obstsaft Dazuquirlt und noch ein Trinkröhrchen spendiert. Das macht unseren Kindern besondere Freude und schmeckt ihnen gut. Die Verdaulichkeit der Milch, die sehr grobflockig im Magen gerinnt und Daher etwas belastet, erreichen wir durch ein kalk- und eiweiß­reiches Hilfsmittel: Gelatine. Ein Blatt für einen Liter Milch verquirlt, genügt, sie feinflockig im Magen gerinnen zu lassen und sie restlos ver­daulich zu machen.

Außerdem können wir Die Lust aller KinDer an Geleespeisen ausnutzen und ihnen mit Hilfe der Gelatine viele nötige Speisen zuführen. Die sie sonst nicht gerne essen wollen. Außer rohen Mohrrüben, die von den meisten Kindern gern geknabbert werden, können wir die verschie­densten Gemüse feingeschnitten roh in kleinen For­men oder auch in einer Schüssel anrichten und mit einer mit Zitrone, etwas Salz und Zuck"r abqe- schmeckten Gelatinebrühe übergießen. So eine Blubberspeise essen sie gern zu Pellkartoffeln oder auch Kartoffelbrei und nehmen durch diese Roh­kostspeisen viel Vitamine zu sich, Die in gekochten Gemüsen nicht mehr in gleichem Maße vorhanden find.

Der Wunsch, oft etwas Saures zu essen, kann getrost erfüllt werden. 'Ein Stück Gurke, ein saurer Hering, eine Zitronenscheibe, säuerlich ein­gelegte Fischkonserven usw. schaden chnen nichts und regen den Appetit an. Verschiedene Aufläufe, Gerichte von Teigwaren (Makkaroni werden be­sonders gern gegessen), süße Suppen aus Gries, Haferflocken, Kartoffelmehl ufw. alles soll mög­lichst verschieden und immer liebevoll abgeschmeckt zubereitet werden. Auch ist es gut, Kindern nicht vollgehäufte Teller vorzusetzen; je weniger auf einem Teller liegt, desto größer wird die Eßlust sein, und je mehr mir uns bemühen, dem Kind ein hübsch aussehendes, gut abgeschmecktes und nahrhaftes Gericht vorzufetzen, um so mehr werden wir auch feinen Appetit anregen und um fo weni­ger werden wir hören:Nein, meine Suppe ess' ich nicht!" Das wird's barm wirklich nur noch imStruwwelpeter" geben! S. Fr.

Enae Schube - böse Folgen!

Da hat man zufällig irgendwo ein Paar beson­ders hübscher Schuhe gesehen, nur drücken sie ein wenig bei der Anprobe. Aber bei dem Preis! wird sich das Drücken sicher geben.

Jedoch, es gibt sich nicht, sondern eines Tages man will ja schließlich Die neuen Schuhe zeigen bekommt man Die bösen Folgen zu spüren. Man ist schon kaum noch vor Brennen und Drücken die Treppen heraufgekommen, das Ausziehen Der Schuhe bedeutet eine unendliche Wohltat und Dann sieht man Die Bescherung: Blasen?

Neue Schuhe soll man immer erst im Haus mehr­mals kurze ZeitProbe tragen", bevor man Den ersten Ausgang wagt. Denn neue Schuhe müssen sich erst Der Fuß form anpassen. Drückt Der Schuh, Dann ziehe man ihn auf etwas größere Leisten ober lasse ihn beim Schuhmacher weiten. Das ist besser als sich so unerträglichen Qualen auszusetzen.

Und was macht man mit ber bösen Blase? Das Beste ist, sie austrocknen zu lassen, b. h. wenig lau­fen unb Dann in bequemen Schuhen. Leiber wird Die anbere Behandlung des Aufstechens meist be­vorzugt. Dann aber immer die Nähnadel ausglühen. Dieser Einstich bringt zwar Erleichterung, man kann auch gut unb angenehm laufen, aber er ist gefährlich, beim nun ist bem Einbringen von Krank­heitserregern, Entzündungen unb Eiterbildungen die Tür geöffnet. Darum muß man die geöffnete Blase sorgfältig behandeln, niemals einen farbigen Strumpf in direkte Berührung bringen. Ein mit Vaseline getränkter Leinenlappen ist Der beste Schutz.

Eine viel ernstere Folge derzu engen" Schuhe sind die Druckstellen, die zu den berüchtigten Hühner­augen führen, die erstens unschön sind unb zweitens eine lange und schmerzhafte Behandlung erfordern. Noch viel schlimmer aber ist, baß man sich mit schlecht sitzenben unb namentlich engen Schuhen bie Füße richtig verderben kann. Erst, wer kranke Füße hat, weiß, daß gefunbe Füße ein wichtiger Bestand­teil bes allgemeinen Wohlbesinbens finb unb rät allen zu einer sachgemäßen Fußpflege.

Zu bieser Pflege gehört auch unbebingt das Tra­gen von hohen Stiefeln bei kleinen Kinbern. Es ist zwar viel hübscher, sein Mäbel in einem zierlichen Halbschuh zu sehen, aber denkt an die Zukunft!