Ausgabe 
17.11.1939
 
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Schiffahrtsminister wurde ernannt, der nichts an» deres darstellt als den Diktator der englischen Handelsflotte!

Welchem Engländer mag sich bei dieser Fesselung des überlieferten und heiligen Freihandels nicht das Herz im Leibe umgedreht haben? Indessen tröstete man sich in England damit, daß man ja nunmehr alle jene Maßnahmen ergriffen hätte, die den autoritären Staaten zu neuer Wirffchafts- blute verhalfen hatten. Doch bis auf den heutigen Tag wartet England auf ein Wiederaufblühen feines Handels. Und so kommt es zu den lauten und aufbegehrenden Klagen der englischen Wirt- schaftswelt, wie sie tagtäglich aus den englischen Zeitungen zu uns herüberklingen.

Woran liegt es nun, daß die Wirtfchaftsmaß- nahmen, die den autoritären Staaten zum Segen gereichen, in England so jäh versagen? Die Ant­wort ist leicht zu geben: England verwech­selt Zwangswirtschaft mit Wirt- schaftslenkung! Wenn sich England über die deutscheZwangswirtschaft" lustig gemacht hat, so hat es eben nie den Sinn einer organisch ge­wachsenen, auf weltanschaulicher Grundlage be­ruhenden Wirtschaftslenkung und Marktordnung begriffen. Das bekannte Wort:Oft kopiert nie erreicht!" muß daher auf alle englischen Maß­nahmen so lange zutreffen, als England nicht von einem festen Führerwillen regiert wird und in sich ein geschlossenes Volk darstellt. Wie weit England davon entfernt ist, bedarf nicht der Ausführung.

Nun wird Englands Wirtschaft gewiß nicht auf einen Schlag wie ein angeschossener Fesselballon zusammenbrechen. Dennoch gleicht der höher und höher steigende Dollar einem Warnsignal, das den kommenden Sturm ankündigt, der auch überOld England" dahinbrausen wird: der Sturmwind der neuen Zeit, vor der England wie der Vogel Strauß den Kopf hartnäckig unnb verbissen in den Sand steckt. D. S.

Oie Selbstverwaltung der gewerblichen Wirtschaft.

Tagung der Handwerkskammerpräsidenten

Berlin, 16. Nov. (DNB.) Auf der Arbeits- tagung der Handwerkskammerpräsidenten gab Reichshandwerksmeister Schramm einen Heber- blick über die Leistungen und die Entwicklung des Handwerks und umriß die Grundlagen und Gegen­wartsfragen der handwerklichen Selbstverwaltung. Ergänzt wurden seine Ausführungen durch Arbeits­berichte eines Landeshandwerkmeisters, eines Kam­merpräsidenten und eines Reichsinnungsmeisters (Samer« Frankfurt a. M., Michel» Hannover, Feuerbaum - Dortmund). Staatssekretär Dr. Land fried bekannte sich restlos zum Gedanken der Selbstverwaltung in der gewerblichen Wirt­schaft, und zwar zu einer richtig verstandenen Selbst­verwaltung, die im großen Rahmen verantwortlich wirkt und sich für das ganze einfetzt, wobei sie vom zuständigen Reichsminister geführt und betreut wird. Die Krieasaufträge müßten so weit wie möglich gestreut werden; der handwerkliche Be­trieb würde dabei nicht zu kurz kommen, zumal das Handwerk in vorbildlicher Weise schon in den Jahren vor Kriegsausbruch den Weg der Bildung von Gemeinschaftseinrichtungen beschritten habe. Niemand dürfe Aufträge übernehmen, deren Er- fullung er nicht gewachsen fei; wo sich ein Ver­mittlerunwesen oei Kriegsaufträgen zeigt, werde es entsprechend den eindeutigen Befehlen des General-Feldmarfchalls Göring mit Stumpf und Stiel aus gerottet werden. Bei der Rohstoff­verteilung habe die Organisation der gewerblichen Wirtschaft mit aller Sorgfalt und Umsicht dafür zu sorgen, daß stets der dringlich st e Bedarf bevorzugt berücksichtigt werde.

Arbeitstagung der Hochschulrektoren.

Berlin, 16. Nov. (DNB.) Reichsminister R u st hatte die Rektoren der wissenschaftlichen Hoch­schulen des Großdeutschen Reiches zu einer Arbeits­tagung nach Berlin zusammengerufen, die unter der Leitung von ^-Oberführer Ministerialdirektor Pro­fessor Dr. Mentzel stand. Sie hatte u. a. die Aus­gaben zum Gegenstand, die sich aus der Fortsetzung

des Unterrichts- und des ForschPigsbetriebes wSH- rend des Krieges ergeben. Hierbei wurden die not­wendigen Maßnahmen, die in der Zwischenzeit ge­troffen worden waren, eingehend besprochen. Reichs­minister R u st gedachte zunächst des an Der Ostfront gefallenen Rektors der Technischen Hochschule Han­nover, Simons, und der anderen an der Front gefallenen Hochschullehrer und begrüßte erstmalig als Teilnehmer dieser Arbeitstagung den Rektor der Technischen Hochschule und Dekan der Medizinischen

Akademie in Danzig. Mit packenden Worten gab der Minister sodann einen Ueberblid über die poli­tische Lage, wobei er die Aufgaben betonte, die der Rektor heute als verantwortlicher Führer feiner Hochschule hat. Anhand einer Rückschau in die deutsche Geschichte wies er als ihr entscheidendes Problem das treue Verhältnis zwischen Führer und Gefolgschaft nach. Am Schluß der Arbeitstagung wurden ihre wesentlichen Ergebnisse in einigen Leitsätzen zusammengefaßt.

Kleine politische Nachrichten.

Der sozialistische Abgeordnete Barthe hat einen Gesetzentwurf eingebracht, in dem verlangt wird, daß alle Ausländer, die in Frankreich seit drei Monaten vor dem Kriegsbeginn ansässig waren, zum Militärdienst herangezo« g e n werden sollen. Im Falle der Weigerung hätten diese Ausländer Frankreich innerhalb eines Monats zu verlassen. *

Wie Associated Preß aus Honolulu (Hawai) tnek bet, fuhren sechs neue U-Boote der USA. am Mitd woch nach Manila (Philippinen) ab, um das Ost- asiengefchwader zu verstärken. Ein U-Boottender ging bereits in der vorigen Woche ab. Die Ver­legung der U-Boote nach Manila mar seit langem geplant.

Wie das ägyptische BlattMisri" meldet, soll der türkische Staatspräsident Ismet Jnönü die Ab­sicht haben, Bagdad, der Hauptstadt des Irak, einen Besuch abzustatten. Auf der Rückreise soll er auch die Libanonrepublik^besuchen.

Nach Meldungen aus Addis Abeba sind in bei Gegend von Dfchimma 50 Kleinbauernsied­lungen fertiggestellt worden. Man erwartet in Kürze die Ankunft von 50 Bauernfcrmilien mit insgesamt 500 Köpfen aus Italien, die den Kern der Kolonisation in diesem Gebiet bilden sollen.

Brasilien beging heute in zahlreichen Fest­lichkeiten die 50-Iahr-Feier der Grün« düng der Republik. In Rio de Janeiro wur­den die Feiern durch eine große Militärparade vor Präsident Vargas, dem Diplomatischen Korps und Sonderdelegationen der Heere Chiles und Co­lumbiens eingeleitet. Zur Teilnahme an dieser Parade hatte USA. sieben Großkampfflugzeuge mit einer USA.-Militärmission an Bord schicken wollen. Diese Flugzeuge wurden aber durch Regenwetter in Assuncion zurückgehalten.

In Kürze werden in Czernowitz Vertreter der Deutschen Reichsbahn, der sowjetrufsischen Staats­eisenbahn und der rumänischen Eisenbahnverwal« tuna zusammentreten, um über die Wieder- erof f nun g des Eisenbahnverkehrs auf der Strecke CzernowitzLembergKrakau zu ver­handeln. Ferner soll über Erleichterung für den rumänischen Export gesprochen werden.

Starker Andrang zur vormilitärischen Ausbildung der SA.

Berlin, 16. Nov. (DNB.) Auf Befehl bei Stabschefs haben die Hauptämter, Führung und Verwaltung der Obersten SA.-Fährung, in den letz­ten Tagen Besprechungen mit den SA.« Gruppen abgehalten, wobei alle Fragen des Einsatzes der SA. an der inneren Front und vor allem die Richtlinien für die vormilitärische Aus­bildung eingehend erläutert wurden. In allen Grup­pen konnte festgestellt werden, daß die Bereitwillig­keit der militärisch noch nicht ausgebil­deten Männer über 18 Jahr, sich neben ihrer beruflichen Arbeit bei der SA. auf den Waffen gang vor zu bereiten, außerordent­lich groß ist.

Neutrale Verkehrsflugzeuge erhalten orangefarbenen Anstrich.

Amsterdam, 17.Noo. (DNB.) Wie derTe- legraaf" berichtet, werden ab 1. Dezember die hol­ländische Luftfahrtgesellschaft K. L. M., die b e l- gische LuftfahrtgesellschaftSabena" und die schwedische Gesellschaft AETA ihre Flugzeuge, um sie als neutrale Verkehrsflugzeuge zu kenn­zeichnen, mit Orangeanstrich versehen. E§ wird angenommen, daß auch die dänische Luft­fahrtgesellschaft dieselbe Regelung treffen wird.

Das holländische Kabinett prüft die internationale Lage.

Amsterdam, 16. Nov. (Europapreß.) Das hol­ländische Kabinett trat zu einer Sitzung zusammen, um die internationale Lage, insbesondere im Hin-

Ausgezeichnete Hackfruchternte.

Ein neuer Erfolg im Abwehrkampf gegen die Aushungerung.

Berlin, 16. Nov. (DNB.) Das Reichsministe­rium für Ernährung und Landwirtschaft teilt mit:

In dem Abwehrkampf gegen den englischen Aus- hungerungswillen ist ein neuer großer Erfolg er­rungen worden. Nach den Ermittlungen des Sta­tistischen Reichsamtes hat die Hackfruchternte 1939 in Großdeutschland ein ausgezeichnetes Ergebnis. Die gesamte Kartoffelernte 1939 wird nach den vorliegenden Schätzungen 56,3 Millionen Tonnen betragen, d. h. ebensoviel wie die sehr gute Ernte 1938, obwohl die diesjährige Anbaufläche um 113 000 Hektar ober 3,5 v. H. kleiner war als im Jahre 1938. Bei den Zucker­rüben wird in diesem Jahr mit insgesamt 17,4 Millionen Tonnen ein Rekordertrag erwartet, obwohl auch fyber die Anbaufläche aus Mangel an Arbeitkräften etwas zurückging. Die Vorjahrsernte belief sich auf 17,2 Millionen Tonnen. Die Fut­terrübenernte 1939 ist ebenfalls gut aus­gefallen, erreicht allerdings mit 39,5 Millionen Tonnen nicht ganz die besonders gute Ernte 1938.

Gegenüber der Zeit vor der Erzeugungsschlacht, die in den Jahren 1928/35 im Altreich einen Durch­schnittsertrag von 42,1 Millionen Tonnen aufwies, bedeutet die diesjährige Kartoffelernte mit 51,5 Millionen Tonnen Mtreich) eine Ertrags­steigerung um 9,4 Millionen Tonnen. Die Zuckerrübenernte 1939 übertrifft im Altreich mit 15,6 Millionen Tonnen die Durchschnittsernten der Zeit vor der Erzeugungsschlacht (1928/35) von

10,2 Millionen Tonnen um 5,4 Millionen Tonnen. Die F u 11 e r r ü b e n e r n t e 1939 liegt im Alt- reich mit 36,5 Millionen Tonnen um über 4,6 Millionen Tonnen über dem Durchschnitt (1928/35) der Ernten vor der Erzeugungsschlacht.

Die ausgezeichnete Hackfruchternte des Jahres sichert demnach nicht nur bie Versor­gung Deutschlands mit Eßkartoffeln und Zucker, fonbern schafft über die Siche­rung der Futterversorgung unserer Vieh- unb vor allemSchweine bestände auch bie Voraussetzungen für eine befriegenbe Versorgung mit Fleisch unb Schweine­fett im Winter 1940/41. Allein ber Kartoffelmehr- ertrag von 9,4 Millionen Tonnen im Jahre 1939 gegenüber ber Zeit vor der Erzeugungsschlacht macht bie Einfuhr von 2,37 Millionen Tonnen Futtergetreide entbehrlich. In dem gleichen Sinne stärkt auch neben der Sicherung unserer Zucker- versorgung die ausgezeichnete Zuckerrübenernte unsere Futterversorgung. Besonders zu würdigen ist bie Tatsache, daß bie Kartoffelernte trotz u n - günstig st er Witterung im Oktober und trotz des Mangels an Arbeitskräften und Gespannen jetzt praktisch, von kleinen Resten abgesehen, als beendet betrachtet werden kann. Diese außerordentliche Leistung ist neben den zahl- reichen Hilfskräften vor allem dem unermüdlichen Einsatz unseres Landvolkes zu danken.

Einheitliche Regelung der Pflichtversicherung für Kraftfahrer.

Berlin, 16. Nov. (DNB.) Ein neues Gesetz über die Haftpflichtversicherung bestimmt, baß vom l.Juli 1940 ab jeher Halter eines Kraft­fahrzeuges Kraftwagen, Motorrad ober eines Anhängers gegen Haftpflicht versichert sein muß. Die Versicherung muß auch die Haftung des berechtigten Fahrers mit umfassen. Es wird nicht eine öff entliche Zw an gs Versicherung-- anftalt geschaffen, die Versicherung wickelt sich vielmehr auf privatrechtlicher Grundlage zwischen dem Versicherungsnehmer und dem Versicherer ab Die Mindestoersicherungssumme wird in einer Durchführungsverordnung geregelt werden. Dabei werden die einzelnen Fahrzeugarten verschieden be­handelt werden. Die Benutzung eines nichtversicher­ten Fahrzeuges wird strafrechtlich geahndet werden.

Künftig muß jeder Haftpflichtversichei^e ein Scha­den ser ei gnis, das Ansprüche eines Dritten jur Folge haben kann, binnen einer Woche seiner Versicherungsgesellschaft anzeigen. Er darf also wie nach bisherigem Recht abwarten, bis der Geschädigte an ihn herangetreten ist.

Ohne Zustimmung des Geschädigten kann die Haftpflichtversicherungssumme nicht mehr an den Schädiger gezahlt werden, sie verbleibt also immer dem Geschädigten. In allen Fällen, in denen der Versicherer an sich an den Versicherungsnehmer nach dem Vertrage nichts zu leisten vrauchte, bleibt er in Ansehung des Geschädigten zur Leistung ver­pflichtet. Dafür kann der Versicherer sich aber an den Versicherungsnehmern schadlos halten. Der G e schädigte muß im Falle der Pflichtversicherung künftig ebenfalls dem Versicherer Anzeige machen, wenn er den Schädiger in Anspruch nimmt.

Den Versicherer kann der Geschädigte bei den zu­ständigen Behörden leicht feststellen. Außerdem muh ber Geschädigte dem Versicherer Auskünfte über den Unfallhergang und bie Höhe seines Scha­bens erteilen. Wenn der Geschädigte den Schädiger gerichtlich in Anspruch nimmt, oder einen Vergleich mit ihm schließen will, wird er den Versicherer hiervon zu verständigen haben, damit er nicht die Gefahr eines doppelten Prozesses läuft.

Bisher konnten die Insassen eines Kraft­wagens im Falle eines Unfalles nur dann An­sprüche gegen den Wagenhalter erheben, wenn sie ein Verschulden des Fahrers nachweisen konn­ten. Das wird jetzt für diesenigen öffentlichen Ver­kehrsmittel, die Fahrgäste entgeltlich befördern, geändert, d.h. Unternehmer von Kraftfahrdroschken, Autobussen usw. haften ihren Insassen gegenüber auch ohne Verschulden, wie dies bereits bisher bei Eisenbahn und Straßenbahn ber Fall ist. Für Schwarzfahrten des angestellten Chauffeurs oder solcher Personen, denen er den Wagen über­lassen hat, soll der Halter stets haften. Das bisherige Recht, nach dem auch in solchen Fäl­len nur der Schwarzfahrer haftete, erschien un­billig, da es die Interessen der Verkehrsopfer nicht berücksichtigte, die hiernach nur Ansprüche gegen den regelmäßig mittellosen Schwarzfahrer hatten, d. h. p r af tisch völlig unentschädigt blie­ben.

Die Frage, ob stillgelegte Fahrzeuge dem Dersicherungszwang unterliegen, wird aus An­laß der Durchführungsvorschriften mitgeregelt wer­den.

Oas Echo.

Von Hans Stistegger.

Was ein Echo ist? Die Wissenschaft erklärt es leicht und geschwind. Zumal einem, der es ohne­dies schon weiß. Aber es einem zu erklären, der es noch nicht weiß und es noch niemals selber aus- probiert hat, dieses Beginnen kann einen einfachen, nicht mit den Waffen der Wissenschaft ausgerüste­ten Menschen schon arg in Bedrängnis bringen. Man sollte das nicht für möglich halten. Ich aber habe es an einem heißen Sommertag mit eigenen Ohren gehört.

Das war in einer kleinen Bahnstation, die ein­sam zwischen Feldbreiten daliegt, möglichst weit weg von der Orffchaft, deren Namen sie trägt. Der Schienensttang, der von dort aus nach entgegen­gesetzten Himmelsrichtungen auseinanderläuft und zwischen dem schönes Gras in üppigen Büscheln wächst, macht bie kleine Station nur noch einsamer, obwohl er vorgibt, sie mit ber großen Welt zu verbinden. Genauer gesagt ist die Sta­tion nur eine Haltestelle, ohneBahnamt", nur mit einer Bretterhütte, nach drei Seiten geschlossen, gegen den Bahnkörver offen. Sie ist mit einem Sommerfahrplvn geschmückt, der an der Holzwand klebt. Während mein 3eiae finger auf diesem Fahr­plan die mutmaßliche Ankunftszeit des nächsten ber drei täglichen Züge suchte, stieß mein Blick auf einen an den weißen Rand geschriebenen Vers. Eine Kinderhand hatte ihn in eckigen Buchstaben mit Bleistift hergekritzelt, und er verdient festgehal­ten zu werden, auch wenn jener Sommerfahrplan inzwischen bereits vom Winterfahrplan zugedeckt sein sollte:

Anna Matz ist hier gesessen

Und hat ein Mugl Brot gegessen."

Da sage noch jemand, es gäbe keine Volkspoesie mehr! Ich verbrachte die erste Viertelstunde der Wartezeit damit, mir Anna Matz vorzustellen. Sie ist ein Schulmädchen mit einer Stubsnase unb mit steifgeflochtenen weizengoldenen Zöpfchen. Zwar fährt sie nur eine einzige Station weit, nur nach Zintcing, um nach^uschauen, wie es der Groß­mutter geht. Nichtsdestoweniger ist sie mit einem ordentlichen Keil Brot als Wegzehrung ausgerüstet worden. Jetzt wartet sie auf den Zua, und bie Zeit wirb ihr lang. Da beginnt sie aus Langeweile ihr Brot zu essen, und es schmeckt ihr, und sie hofft, daß derweil, bis sie schön langsam fertig wird, der Zug kommt. Dies erweist sich aber\ als eine trügerische Hoffnung, und so sitzt sie wieder lang­weilig da. Nun entdeckt sie in ihrem Schämen- täschchen ein kleinwinziges Stück Bleistift. Mit dem

könnte man etwas schreiben. Wohin? Ci, hier klebt ein weißer Papierstreifen an der Wand. Was? Nun, das nächstliegende Ereignis: Daß Anna Matz hier gesessen ist und ein Mugl Brot gegessen hat. Der tausend, das reimt sich gar! Siehe da, Anna Matz ist eine Volksdichterin geworden.

Für die zweite Viertelstunde der Wartezeit war mir eine noch köstlichere Unterhaltung beschieden. Da hörte ich oas Gespräch über das Echo.

Ein Mann näherte sich auf einem Feldwege der Haltestelle, überschritt ohne jegliche Achtung auf den Zug" die Schienen und setzte sich neben mich auf die Bank. Er dachte eben nach, ob er mit mir ein Gespräch über das Wetter oder lieber eines über die Eisenbahn beginnen sollte, als von der anderen Seite gleichfalls ein Mann eintraf, so daß die Haltestelle überfüllt ausschaute. Sie grüßten sich mit schallender Freude als alte Bekannte, Deren Lebenswege sich vor etlichen Jahren getrennt hat­ten. Der Erstgekommene war nämlich in eine an­dere Gegend ausgewandert und hatte nun der alten Heimat einen kurzen Besuch abgestattet, um eine Erbschaftssache zu regeln.

Hast es schön dort, wo du jetzt bist?" fragt der einheimische Freund.

3a, alles voller Wald und Gebirg. Net so brettel- eben wie da."

Pfui Teuxel, bös roaar nix für mi, so a buglate Gegend, allweil auf und ab."

Red net! Mei Liaba, überall bös guate Wasser! Gl ei bei mein Häusl hiebei kimrnt a Quell'n ausn Stvan."

Dank schö. Wann koa Wein außarinnt ..

Und an Echo glei vor'n Häusel."

Wer?"

An Echo."

Wer is Denn bös?"

Woaßt du net, was an Echo is? Hast du no nia foan Echo g'hört?"

A so, a Vogl. Woaßt, i los net auf so Viecher auf. ©ingan ma lang guat."

Na. An Echo is koa Vogl. An Echo is ... an Echo ist, wann ma zum Berg hinschreit. Da kimmt an Echo z'ruck."

Wer schreit denn hin?"

I. Oder du. Wer halt grab mag."

I mag g'wiß net."

Also guat. Aber i schrei alte Tag a paarmal." So? Warum?"

No, daß an Echo z'ruckkimmt. Verstehst?" Na. Dös versteh i gar net."

I schrei hin und 's Echo schreit z'ruck." Was schreit er dir denn z ruck, der Echo?" Was ich hingschrian hab." «Allerweu dös gleiche?^

Freili. I schrei ja selber z'ruck. Neamt anderer." Ma denn dös? Du schreist hin und schreist Dir selber z'ruck?"

Akkurat a so."

Hörst, mei Alte rebt a mit ihr selber bei ber Nacht. Aber sie braucht foan Echo bazua."

Dös is ganz was anders. Da kimmt nix z'ruck. Sie Horts nur oanmai. I hör's AmoamaL"

Sie hört's gar net, weil's schlaft."

,^I schrei oanmai und hör mi zwoamal. Dös haßt ma an Echo."

Zu was horst di denn zwoamal, mann's allweil dös nämliche is?"

No, z' wegen an Echo,s zweitemal hör i ja nimmer mi selber, da hör i jas Echo."

Na, na, mei Liaba, du hast g'fagt, du schreist Dir selber z'ruck."

Wia kann Denn i mir von Berg z'ruckschrei'n, wann i bei mein Häusl hiebei steh?"

Was woaß Denn i? Aber gfagt hast es."

Nun standen schon Schweißperlen auf der Stirne Des Echo freundes, und in seinen Zügen malte sich eine tiefe Kümmernis. Er sah ein, daß alle feine Mühe vergeblich gewesen war, daß er sich mit seinen Erklärungen in ein stacheliges Gestrüpp ver­wirrt hatte, das ihn nicht mehr loslassen wollte. Plötzlich fiel ihm noch eine letzte Möglichkeit ein.

Paß auf!" sagte er. schrei jetzt und Du schreist mir z'ruck."

I? Warum Denn i?"

Weil da foan Echo ist. Wann da an Echo war, müassast Du net schrein."

3 muaß a so a net."

Freili net. I bitt Di aber drum.

Alsdann guat. Was soll i denn schrei'n?"

Was i schrei. Grad Dös gleiche. Paß auf! ... Hollero!"

Höllero", sagte ber Freund ohne Begeisterung.

Sixt, was jetzt Du g'macht hast, Dös macht bei mir Dahoams Echo. Da braucht ma foan Men­schen dazua.

No weg'n den! Wann ma dös will, findt ma allaweil leicht oan, Der nachischreit. I reiß mi net Drum. Mei Alte, Die hätt alleweil gern 's letzte Wurt. I leiDs aber net."

In diesem Augenblicke meldete sich ber Zug mit einem Dumpfen Pfiff.

Sixt", sagte ber Echofreund,wann jetzt da a Berg mit an Echo war, so pfeifat's jetzt no oamal."

Mir hört's aufs erschte Mal guat gnua", ant­wortete ablehnend der Echofeind.

Mr fliegen alle drei ein.

Ade, Anna Matz, Du kleine Dolksdichterin! Ade, echolose Haltestelle, die du tief in deine alte Feld- einsam feit versankest. ,

»Hochzeitsreise zu Drift*

Paul Hörbiger tröstet in diesem Film sich unb andere mit Dem Chanson: ,/pir wird im Leben nichts geschenkt, und oft erscheint ber Wea unend­lich weit, doch wer am Ziel ist, Der wird sehen: Ein bisserl Warten macht das Glück erst schön!" Das ist bas Motto dieser Hochzeitsreise, die ein junges Frauchen allein antritt, weil der für sie ausersehene Mann nicht zur rechten Zeit das Büro mit dem Standesamt vertauschen kann. Zum Glück findet die so schnöd Behandelte auf dem Schiff nach Dal­matien einen charmanten jungen Herrn, der es un­ternimmt, sie zu trösten und im weiteren Verfolg Der Reise ihr Die 3nftitution der Ehe wieder schmackhaft zu machen. Daß Dies nicht ohne einige Schwierigkeiten und Verwickelungen vor sich geht, ist selbstverständlich, zumal in Dubrovnik, Dem Ziel derHochzeitsreise", eine Tante die jungen Leut­chen erwartet, die feinen Sfandal wünscht und des­halb eifern an Der Fiktion des Hochzeitspaares fest­hält, bis bann schließlich alles in die beste DrDnung kommt und Das Auftauchen des einst verhinderten Bräutigams den letzten Anstoß dazu gibt, daß die rechten Paare sich finden. Heiter und unbeschwert wie der Himmel Der Adria, dessen Mondschein- romantif im Hintergrund steht, hat Hubert Ma­ri schka nach einem Roman von F. B. Cortan diese Hochzeitsreise zu Dritt arrangiert. So voll witziger Einfälle wie die wirklich hübsche, ganz vom üblichen banalen Schema abweichende Programm- anfünbigung ist auch das Spiel. Begeistert gehen die Darsteller auf die heitere Beschwingtheit der Regie ein. 3ohannes Riemann verwandelt sich mit Draufgängerischem Elan aus einer burschikosen Reisebekanntschaft in einen charmanten jungen Ehemann, Maria Andergast ist das energische junge Frauchen, deren Resolutheit aber in Rie­manns Kur schnell dahinschmilzt, Grethe Weiser, zwischen Lachen und Weinen die Tante, deren Ber­liner Esprit und dazugehöriges Mundwerk schließ­lich alles zurechtrückt, freilich nicht ohne die un­eigennützige Hilfe Theo Lingens, der mit un­widerstehlicher Komik als Hotelportier den Amok spielt. Paul Hörbiger, ein herzensguter, gefühl­voller Professor, selbstverständlich aus Men, Gün­ther Lüders, ein Trottel, dem zu Recht die Braut Davonläuft, Leo P e u k e r t ein höchst be­weglicher fturbireftor und Minni Shorp als liebesdurstige Chansonette, tun das ihrige, das Spiel zu einem Wirbel ausgelassener Fröhlichkeit zu machen. Fr. W. Lange.