Deutsches Rotes Kreuz Gießen in vaterländischem Dienst.
In den entscheidungsschweren ersten September- ^en dieses Jahres erließ die Ortsgemeinschast des Deutschen Roten Kreuzes einen Aufruf an Frauen und Mädchen, sich in den Dienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK.) zu stellen. Diesem Aufrus blieb der Erfolg nicht versagt: 16 0 Frauen und
He "meldeten sich, und zwar Hausfrauen und berufstätige Mädchen, die sich in ihrer Freizeit der edlen Sache des DRK. zur Verfügung stellen wollten, um auf diese Weise in schwerer Zeit dem Baterlande zu dienen.
Die Ortsgemeinschaft Gießen nahm nach diesem erfreulichen Meldeergebnis sofort die Ausbildungsarbeit vor, die zunächst in Kurzkursen erfolgte. Es mußten, um die große Zahl der Frauen und Mädchen in den Dienst des Deutschen Roten Kreuzes einzuweihen, drei Paralellkurse abgehalten werden, in denen eine lebhafte Schulungsarbeit betrieben wurde. In acht Doppelstunden wurden in theoretischer und praktischer Hinsicht die ersten Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt. Für den theoretischen Unterricht stellte sich Regierungs- Medizinalrat Dr. T r a u t m a n n zur Verfügung, für die praktische Ausbildung wurden die schon in längerem Dienst erfahrenen Unterführerinnen und Helferinnen herangezogen. Für die Schulungsarbeit hatte das Arbeitsamt Gießen in entgegenkommender Weise den Sitzungssaal zur Verfügung gestellt, der an vielen Abenden in Anspruch genommen wurde und Schauplatz einer eifrigen Lehr- und Uebungstätigkeit war. Ein Teil der jungen Mädchen, die sich für die Arbeit im Dienste des Roten Kreuzes gemeldet hatten, mußten noch zurückgestellt werden, da sie das notwendige Alter nicht erreicht hatten.
Für etwa 50 Kursusteilnehmerinnen wurde im Anschluß daran eine weitere und tiefgründigere Aus- bikdung (die Grundausbildung) angesetzt, in der alle Fälle in lehrmäßiger Darstellung theoretisch und praktisch Gehandelt wurden, die zum Auf- gadengediet des Deutschen Roten Kreuzes gehören. Diese zusätzliche Ausbildung wurde mit einer Prüfung Abgeschlossen, die Regierungs-Medizinalrat Dr. Trautmann vornahm. Die Prüfung wurde von
allen Teilnehmerinnen (auch 5 Männer nahmen teil) gut bestanden. Die Anwärterinnen bzw. Anwärter sind bereits so weit geschult, daß sie jetzt zur tätigen Mithilfe herangezogen werden können. Die gesamte Ausbildung forderte von den angehenden Helferinnen des Deutschen Roten Kreuzes erhebliche persönliche Opfer an Zeit und viele Wege in nächtlicher Dunkelheit, denn die Kursus- stunden mußten durchweg abends abgehalten werden. Nach einer Bewährungszeit von einem Vierteljahr werden die Anwärterinnen als Helfevinnen des DRK. verpflichtet.
Neben den Kursen, die in der Stadt Gießen innerhalb der Ortsgemeinschast Gießen des Deutschen Roten Kreuzes abgehalten wurden, werden gegenwärtig auch zahlreiche Kurse in den Orten des Landkreises Gießen durchgeführt und auch in ihnen eine stattliche Anzahl von zukünftigen Helferinnen und Helfern erfaßt. Bei diesen Kursen handelt es sich um die umfassende Grundausbildung für den Dienst des DRK., die alle wesentlichen Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln muß.
Solche Kurse laufen in Allendorf (Lahn), Großen- Linden, Lang-Göns, Annerod, Rödgen, Weickartshain, Grünberg, Gonterskirchen, Beltershain, Allendorf a. d. Lda., Lollar, Hungen und Lich. Für die Ausbildungsarbeit haben sich Regierungs-Medizinalrat Dr. Trautmann, Dr. Neumann- Spengel, Dr. Kühtz (sämtlich Gießen), Dr. Fuldat (Grünberg), Dr. Schmidt (Hungen), Dr. Schäfer (Lang-Göns), Dr. Speck (Großen- Linden), Dr. S t a n g i e r (Dutenhofen) und Dr. M a f f i n g (Laubach) zur Verfügung gestellt.
lieber die Schulungsarbeit und über die Arbeit der Helferinnen hinaus wird von den Frauenmitgliedern der Ortsgemeinschast Gießen des Deutschen Roten Kreuzes in Gemeinschaft mit dem Deutschen Frauenwerk noch wertvolle Arbeit an drei Nähabenden der Woche geleistet. Dazu finden sich die Frauen in einem Raum der Schillerschule ein und bereiten Wäsche und Helferinnenkleidung vor, die durch das DRK. auf Lager genommen werden, um dort für den Fall einer Notwendigkeit bereitzuliegen. N.
Dfr.1!9
'V-
»•i» H 9b
)ejn k JonfL 3efeith ®°n N
Lange,
N, k “unbK 2,05 3$ rtensg Septemjj
Aus der Stad« Gießen.
Bunt sind die Wälder.
§s ist noch viel auf den Aeckern zu tun Hier inb da stecken noch Kartoffeln in der Erde, überall sehen wir noch die grünen Blätter der Futter- und Zuckerrüben. Auch das Winterobst konnte noch nicht Inständig geborgen werden.
Die kalten Nächte, die die letzten Regentage ein- lkteten, taten aber ihre Arbeit. Sie färbten die Uätter der Bäume. Der Wald kommt nun zu [cnem herbstlichen Festschmuck, zu seinem goldenen leibe. Der Wind weht schon die bunten Blätter ö:n den Zweigen.
An den Hecken winken die roten Hagebutten aus bm dunklen Laub, tief zur Erde geneigt locken die (egten reifen Brombeeren. Im Laub der Wald- N biume aber leuchten rote und gelbe Blätter. Zur I hrbstfeier legt der Wald — ttotz Regen und g:urm — sein schönstes Kleid an. Wenn die Sonne fir einige Stunden Siegerin über die Wolken blüht, schauen mir den herbstlich schönen Wald in jenem Festgewand. Das Laub der Buchen glänzt birnfteingelb und blutrot, dahinter ragen schmale, hche Tannen auf, die wie schwarzgrüne Schatten bk Landschaft abschließen. Der Waldbach rieselt md schäumt. Auf den Wiesen blühen nach Herbst- Mosen, die letzten Blumen im Tale. Leicht be= Vgen sie sich im Winde. Es ist, als ob sie frören. Fre violetten Blüten fügen sich harmonisch in das lunt des Herbstes ein.
Behutsam wandern wir auf weichen, regennassen Dldwegen dahin. Ein Abschiednehmen geht durch bi: Natur. Nur dann und wann hören wir den Shrei eines Eichelhähers, sonst herrscht Stille. Die ttfen Eicheln fallen zur Erde. Helle Sonnenflecken Vchseln auf dem Boden mit den langen Schatten bc Bäume. Dann wieder blitzen die roten Beeren | dr Ebereschen auf...
Wir wünschen nur, daß noch einige sonnige, , Wrme Herbsttage kommen mögen, damtt'wir hinaus- Wndern können in den schönen deutschen Wald. E ist ein Gesundbrunnen, aus dem wir neue Stifte schöpfen. Und jeder Mensch hat in seinem Hrzen noch Raum für den Zauber des deutschen Baldes im Herbst. Er hat schon so vielen ge- ht.sen. Der deutsche Wald ist der ewig Schenkende, ‘ de Unerschöpfliche ... —h—.
Dorrwtizen.
r
Lieder„DeutscheundOesterreichische
I Notwendigkeiten ihn zwangen, nach Möglichkeit inüeb. Erst mit dem Erwachen des neuzeitlichen
C. K.
arbeit geleistet.
:-£inben baßev
_
Wiederum war Mojsisovics an der endgülttgen Gestaltung des „Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein", wie er sich nun nannte, führend mitbeteiligt.
Ein wirklich brüderliches Zusammenleben entfaltete sich nun in dem Verein. Von hüben und drüben der Grenzpfähle fanden sich deutschstämmige Bergsteiger zusammen, jene eigene Klasse von Menschen, in denen die besten männlichen Tugenden, Mut, Charakterstärke, Selbstüberwindung, Kameradschaftlichkeit, Idealismus in besonderer Weise hochgehalten werden, und über alle Schranken von Parteiung und Politik hinaus erkannten sie sich als Menschen gleichen Blutes und gleichen Geistes. So hat, zwei volle Menschenalter, bevor es Deutschen und Oesterreichern vergönnt war, sich im großen Daterlande zusammenzufinden, der Deutsche und Oesterreichische Alpenverein wertvolle Einigungs-
Lis zum Ende des 18. Jahrhunderts galt die ^ygebirgswett als Ort des Schreckens, und Grau- ti£, die der Mensch, wenn nicht gerade höhere
ui
i[nP ’eÄ
Alpenverein" gegründet wurde.
Zum 100. Geburtstag tzdmunds von Mojsisovics am 18.Oktober.
Wahres Jägerlatein.
Unter allen Berufen, denen man einen Hang zum Ausschneiden nachsagt, steht der des Jägers obenan. Man hat dafür die sprichwörtliche Bezeichnung „Jägerlatein" geprägt. Aber häufig tut man damit den Söhnen Nimrods Unrecht, und nur dem Laien erscheint oft phantastische und unglaubwürdig, was durchaus der Wahrheit entspricht. Es gibt manchmal merkwürdige Schußwirkungen, und das Verhalten des Wildes und des Hundes ist zuweilen so überraschend, daß es aüch den erfahrensten Jäger in Erstaunen setzen kann. Einer der größten Reize der Jagd liegt ja gerade darin, daß dabei meistens „alles anders kommt als man denkt". So erlebte es einmal ein Jäger, daß während eines Gewitters ein Rehbock auf einen Büchsenschuß durchaus nicht zeichnete, sondern ruhig äsend etwa zwanzig Schritt auf der Wiese weiterzog und dann erst stürzte. Beim Aufbrechen stellte sich heraus, daß der untere Teil des Herzens glatt durchschossen war. Ein andermal, bei einem Waldtreiben, blieb ein Reh, das ein Jäger beschossen hatte, in voller Flucht mit gespreizten Läufen stehen. Als sich nach Beendigung des Treibens die Schützen dem noch immer stocksteif dastehenden Stück näherten, zeigte es sich, daß es längst verendet war. Solche Fälle, von denen gerade der Jäger weiß, daß sie Vorkommen und für die auch die medizinische Wissenschaft ausreichende Erklärungen zur Verfügung hat, begegnen beim Laien meistens Unglauben und werden ohne weiteres für typisches „Jägerlatein" gehalten.
Aber eigentlich wird die Bezeichnung „Jägerlatein" überhaupt meistens falsch angewendet. Es bandelt sich ja hierbei im Grunde nicht um eine Aufschneiderei mit dem Zweck, den anderen hinters
. dasalfb®* linera^ g,deM iken'/j1
Ausgabe her neuen Lebensmittelkarten in Gießen.
Der Oberbürgermeister macht heute die Termine zur Ausgabe der neuen Lebensmittelkarten bekannt, die vom 23. Oktober ab gültig sind. Die Ausgabe erfolgt vom morgigen Mittwoch ab bis einschließlich Samstag, wobei an jedem Tage nach dem Alphabet eine Gruppe Bezieher die Karten abholen kann. Die neuen Karten werden vormittags und nachmittags aus-gegeben. Alle Volksgenossen seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen.
Wehrmachttarif bei her Straßenbahn.
Die Straßenbahnen der Bezirksgruppe West, der auch unsere Gießener Straßenbahn angehört, haben mit sofortiger Wirkung für die Dauer des Krieges einen besonderen Wehrmachttarif eingeführt, als der der jeweils bei den Straßenbahnen geltende Tarif für den ermäßigten Kinderfahrpreis gilt. Als Mindest fahr preis ist der Betrag von 10 Rpf. festgesetzt worden. Der Kreis der für den ermäßigten Fahrpreis in Betracht kommenden Angehörigen der Wehrmacht ist aus der heutigen Bekanntmachung der Stadtwerke Gießen zu ersehen. Für die Verwundeten und Kriegskranken, soweit sie in Wehrmachtuniform sind und einen vom Lazarett ausae- stellten Ausweis vorzeigen können, ist Freifahrt auf der Straßenbahn vorgesehen.
vorgesehen und werden vorher durch die Presse bekanntgegeben.
August Hinrichs lieft in Gießen.
Der Goethe-Bund und Kaufmännische Verein eröffnen in Arbeitsgemeinschaft mit der Volksbildungsstätte Gießen der NS.-Gemeinschaft KdF. am Montag, 23. Oktober, mit einer Lesung des bekannten Dichters August Hinrichs das Vortragsprogramm des Winters 1939/40.
Spendet Bücher für untere Soldaten!
NSG. In Befolgung des bereits veröffentlichten Aufrufs des Reichsleiters Rosenberg zur Büchersammlung der NSDAP, für unsere Soldaten führt das Gauschulungsamt im Gau Hessen-Nassau ab sofort diese Aktion durch.
Alle Volksgenossen werden aufgefordert, aus ihren Bücherbeständen entsprechende Spenden bereitzuhalten, um sie den in den nächsten Tagen vorsprechenden Blockleitern der Partei auszuhändigen.
Jeder spendet mit der Absicht und in der Gewißheit, einem Frontsoldaten mit dem abgegebenen Buch ein stärkendes Erlebnis als Krgftguell für seinen Einsatz vermittelt zu haben. Daher ist es nur eine Selbstverständlichkeit, daß die besten Bucher zur Spende gerade gut genug sind. Jeder bringe auch hier ein wirkliches Opfer und beweise damit seinen Willen, der Front des Soldaten zu helfen, wo immer ein Ruf zu dieser Hilfe ergeht.
rti
er Volk Jem. Kdf. unj!
19, (dl 1939/40 ichs k.beiCbati
LebeW iii*"'';, i"wSi Jj«**
Tageskalender für Dienstag.
Stadttheater: 20 bis 22.15 Uhr „Bezauberndes Ftiulein". Gloria-Palast (Seltersweg): „Hei- mtland". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Zwi- schn Haß und Liebe".
Stadttheater Gießen.
heute abend kommt die Operette „Bezauberndes Ftiulein" von Ralph Benatzky zur Wiederholung. Spielleitung: Harry Grüneke. Musikalische Leitung: Achard Boeck. Bühnenbilder: Karl Löffler. Die Tiielrolle singt Friedel Fornallaz. 3. Vorstellung k Dienstag-Miete.
Deutsches Volksbildungswerk.
Wie im vergangenen Jahre, so wird von der ^.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" auch in lidem Jahre die Volksbildungsarbeit. auf breiter Randlage durchgeführt. Gerade in dieser Zeit, wo o gilt, die Nervenkraft des deutschen Volkes zu er- laten, ist es notwendig, daß die Organisation die (dimte Feierabendgestaltung übernommen hat und in verstärktem Maße in Erscheinung treten läßt. Ü13 diesem Grunde ist von der Kreisdienststelle 6iifien neben den Feierabendveranstaltungen be- soiders die Volksbildungsarbeit in den Vordergrund Bellt. So entnehmen wir dem Veranstaltungsplan, ta bereits am heutigen Dienstag der Eröffnungs- rolrag mit Dr. Falke ftattfinbet. Dr. Falke ist ein hrworragender Kenner des Ostraumes. Seine Aus- fÜbungen über das aktuelle Thema Polen dürften toer stärkste Beachtung finden. Weitere Vorträge inierhalb des Deutschen Volksbildungswerkes sind
sd®
M
ito Menschen auch die Äugen für die erhabene Wnheit des einsamen Hochgebirges auf, unö nun Nirm auch die Eroberung der großen Gipset, N Ringen der Menschenkräfte gegen die Wlder- fhrbe und wilden Gewalten der Natur, das, los- c'./it von aller Zweckhaftigkeit des Alltags, den wqer so hoch über das eigene kleine begrenzte Ä) emporreißt. Nachdem einige kühne Pioniere N Anfang gemacht hatten, wuchs vom Beginn N 19. Jahrhunderts an die kleine Schar der A.pi- Mn, der Bergverschworenen. Die Zeit von 1859 b- 1865, in der 68 Gipfel und 40 Hochpasse zum Ai'nm al betreten wurden, galt als die „Goldene ffil" der Erstbesteigungen.
Um diese Zeit tauchte auch zuerst der Gedanke pü, die Jünger des Alpinismus in Vereinen zu mein. Verwirklicht wurde dieser Gedanke zuerst v-n England, dem Lande der „Klubs". Aber der -Alpine C l u b", der 1857 von englischen Berglern gegründet wurde, war zu exklusiv, um eine Mikung nach außen zu gewinnen. Wer nichts einen £p;el von mindestens 4000 Meter Höhe bestiegen jftb ober sich auf andere Weife als rolp**^e,r "iner der Alpen erwies, durfte nicht au. Aus- Mme hoffen. So vereinte der Alpine Club Mar 5 Blute der englischen Bergsteiger in sich, biente |wenig der Sache, den Bergsteigern Helfer Psd Berater zu fein und der Alpinistik neue Bernde zu gewinnen. Um diese Ziele bemühte vg) fciFt der „O e st e rreichische Alpenver- der am 19. November 1862 ins Leben trat. «iite Begründer waren drei junge Wiener Rechts- std-nten,' alle drei eifrige und glänzende Berg- Edmund von Mojsisovics, Paul i i) m a n n und Guido von Sommaruga, "akisovics, von Beruf Geologe und Paläontologe, Suhtt vor allem der Ruhm, als einer der ersten Ortlergebirge erschlaffen zu ^ben. Zu fernen ° chmtesten Erstbesteigungen gehören derftttbem H ghegangenene Eisseepaß, die Hintere Schontauf- W und der Monte Confinale. Für die geolo- W- Erforschung der Dolomiten wirkte er bayn-
M--96' ...... ............. ......- dalurgesiihls, das nach Rousseau einsetzte, gingen
brechend durch sein Buch „Die Dolomitriffe-von Südtirol und Venetten".
Ein Aufruf, mit dem im Marz 1862 die drei jungen Freunde für ihren geplanten Verein werbend vor die Oeffentlichkeit traten, bezeichnete als Ziel „die Kenntnis der Alpen, mit besonderer Berücksichtigung der österreichischen, zu verbreiten und zu erweitern, die Liebe zu ihnen zu fordern und ihre Bereisung zu erleichtern." Dieses Programm sollte durch „Vorträge, Herausgabe von Publikationen, Organisation des Führerwesens und der Transport- und Unterkunftsmittel" verwirklicht werden. Den ersten, den literarischen Test dieser Aufgabe loste der Verein aufs glücklichste, hauptsächlich durch die rege Tätigkeit von Mojsisovics, der das „Jahrbuch des Oe. A. V." herausgab. Dagegen blieb die pra-ktische Seite des Programms in recht kläglichen Anfängen stecken. Während fernes zwölfjährigen Bestehens erbaute der Verein nur eine einzige Unterkunftshütte, und für die Verbesserung des Führerwesens gab er m den ganzen Jahren nur 30 Gulden aus. Auch war er alt ausschließlich auf Wien beschrankt die erhoffte Anhängerschaft in den österreichischen Alpenlandern blieb beinahe ganz aus. , .
Es war ein Glück für den deutschen Alpinismus, daß am 9. Mai 1869 in München der -Deutsche A l p e n ü e r e i n" gegründet wurde, der sich ber praktischen Vereinsaufgaben tatkräftig annahm. Von vornherein war er nicht wie der österrelchllche zentralisttsch organisiert, sondern gliederte sich m Ortsgruppen, die ihrerseits überaus rührig waren, und so faßte er rasch im Herzen der deutschen wie auch der österreichischen Alpenlander Wurzeln griff aber andererseits auch nach Norddeutschland hinüber Er betonte, daß er keine polittschen Grenzen k°nne und „alle Verehrer der erhabenen Alpenwelt in sich vereinigen" wolle, „mögen sie die deutschen Alpen selbst bewohnen oder möge es ihnen., auch nur zeltweilig vergönnt sein, sie ,u besuchen.
So sammelten alle Wpenfreunde die über die engen Stammesgrenzen hinaus deutsch ruhlten und dachten, sich unter der Fahne des D. A. V., und eine Derlcbmelrunq beider Vereine schien von vorii- herem das Gegebene. Aber im De. 21. D. widersetzte partikularistischer Sondergeist sich Zunächst dieser Verschmelzung, zur Entrüstung seiner Gründer die daraufhin ihrer eigenen Schöpfung den Rucken kehrten und zum D. 21. V. übergingen. W'- immer, o gehörte auch hier dem stärkeren, lebenskraf igeren Gedanken dem frischeren Geist die Aukunft, der ganz von selbst das überalterte, ängstliche Sonderten überwand. Schon nach wenigen Jshren hatte der D A B den älteren Bruder so stark überflügelt daß die Verschmelzung unvermeidlich war und 1874 denn auch endgültig vollzogen wurde.
Oie Illustrierte des GießenerAnzeigers zum 14. Oktober wird heute zugestellt. Für die Folg- dürfte die rechtzeitige Ausgabe am Samstag wieder gesichert sein.
Verlag des Gießener Anzeigers.
Guter Auftakt des WHW. in Gießen.
Die Straßensammlung der Deutschen Arbeitsfront für bas Kriegswinterhilfswerk hat ein ausgezeichnetes Ergebnis gebracht. Schon jetzt wurde als Ertrag aus dem Kreis Wetterau der Betrag von 23 000 Mark gezählt, obwohl die Meldungen'von 36 Ortsgruppen noch ausstehen. Das beste Ergebnis aller bisherigen Sammlungen in früheren Jahren lag bei 23 000 Mark. Es wird also diesmal erheblich übertroffen werden. Innerhalb der Ortsgruppen der Stadt Gießen, einschließlich Klein-Linden (eine Meldung aus Gießen-Wieseck liegt noch nicht vor), wurde der Betrag von 4240,04 Reichsmark gesammelt.
Das Treudieust-Ehrenzeichen verliehen
Dem Kulturinspektor Franz Sauer beim Wasser« Wirtschaftsamt Gießen (früher Kulturbauamt Oberhessen in Gießen) rourb> in Anerkennung feiner langjährigen treuen Dienste vom Führer das silberne Treudienst-Ehrenzeichen für 25jährige treue Dienstzeit verliehen. Kulturinspektor S a u e r ist durch sein Wirken beim Bau und der Einrichtung von Schwimmbädern in zahlreichen Gemeinden Ober- Hessens, wie auch durch seine langjährige Tätigkeit auf dem Gebiete des Rettungsschwimmens in weiten Bevölkerungskreifen bekannt geworden.
Oie Kulturarbeit her Gesangvereine.
Der Aufforderung des Sängergaues Hessen- Darmstadt zur Wiederaufnahme der Singstunden und Proben sind, abgesehen von wenigen rein bäuerlichen Bezirken, überall die Gesangvereine gerne nachgekommen. Der Sängergau hat gleichzeitig angeordnet, daß die jetzt im Herbst üblichen Kreissängertage und auch die Jahreskonzerte der Vereine ourchzuführen sind. Der für Oktober nach Bensheim an der Bergstraße einberufene Gausängertag mußte allerdings auf unbestimmte Zett verschoben werden.
KhI.-Abenh her großen Aarietekunst.
Das Gastspiel des ReichslHealerzuges.
Der NSG. „Kraft durch Freude" war am gestrigen Montagabend mit dem Gastspiel des Reichstheaterzuges mit einem Varietekunstabend in Caft Leib ein überragender Erfolg befchieden. Die Veranstaltung war so gut besucht, daß viele Gäste keinen Sitzplatz mehr fanden und sich mit Stehplätzen begnügen mußten. Trotzdem sich hinter verdunkelten Fenstern und verschlossenen Türen durch die Anwesenheit der vielen Menschen eine hohe Temperatur im Saale entwkckelte, hielt doch jeder Besucher tapfer aus. Dio Künstler taten ein Uebriges, um die äußeren Umstände vergessen zu lassen, und fesselten die Aufmerksamkeit der Besucher von der ersten bis zur letzten Minute. Unter den Zuschauern befanden sich auch viele Soldaten der verschiedenen Wehrmachtteile.
Eine angenehme Ueberraschung bildete schon zu Beginn der Ansager Heinz Fürstenberg, der mit hübschen Erzählungen und Scherzen zu unter« batten wußte und dann mit Geschicklichkeit auf dis Darbietungen des Abends aufmerksam machte. Fünf Geschwister Ahrens zeigten sich (mehrmals im Laufe des Abends) mit effektvollen Tänzen, die sie zum Teil selbst mit Akkordeonmusik auf neuartige Weife begleiteten. Erstaunliche Kraftleistungen, die von zäher Uebungsarbeit zeugten, zeigten die drei Kartons, die mehrmals Stürme des Beifalls auslösten. Dann hatte man Gelegenheit, Herta Hischers virtuose Technik auf dem Akkordeon zu bewundern: die Künstlerin mußte sich zu einer Zugabe entschließen. Stürme herzlichen Gelächters lösten die beiden Akvarez mit ihrem Trapezakt aus, der ganz auf Komik abgestellt war und doch ein Stück ernstester artistischer Arbeit darstellte. Hohe
Licht zu führen, sondern um ein ganz bewußtes Spiel der Phantasie, dessen Spielcharakter dem Erzähler wie dem Hörer gleicherweise bekannt ist, etwa wie bei den tollen Geschichten des berühmten „Lügenbarons" Münchhausen. Das echte Jägerlatein ist eine Art Wettkampf in der Kunst des Lügens, zu der genaueste Kenntnis des Wildes und der Jagdtechnik sowie ein hohes Maß von Geistesgegenwart und Selbstbeherrschung gehören. Zum Jägerlatein in seiner höchsten Form gehören eigentlich zwei gleichwertige Meister in dieser Kunst, und solche sitzen sich natürlich nur selten gegenüber. Bei einem solchen „lateinischen" Redeturnier muß der eine der beiden Partner ein Jagdx.rlebnis mit verblüffender Pointe zum besten geben, die natürlich frei erfunden ist, bei der aber alle jagdtechnischen Einzelheiten durchaus korrekt behandelt sein müssen. Der andere muß beim Anhören dieser Münchhausiaden ebenso ernst bleiben wie der Erzähler und so tun, als zweifle er keinen Augenblick an der Wahrheit des Gehörten. Kaum aber hat der Gegner geendet, so muß er ihn mit einem ähnlichen, doch noch viel unglaublicherem Erlebnis übertrumpfen. Dann kommt wieder der erste an die Reihe, der an die Erzählung des Partners anknüpft und eine noch tollere Geschichte auftischt» und so geht es weiter. Der Reiz eines solchen Lügenduells für die Zuhörer ist sehr groß und um so größer, je mehr, trotz aller Lachsalven der Zuhörerschaft, die beiden Meister bei ihren Aufschneidereien unerschütterlichen Ernst bewahren.
Der Zaun.
Mark Twain war einmal gerade beim Frühstück in einer kleinen Sommerfrische, als sich ihm eine Delegation des betreffenden Ortes nahte und ihn um eine Beisteuer zur Errichtung eines Zaunes um den Friedhof bat. So förmlich ihm dieser Antrag vorgebracht wurde, so förmlich lehnte Mark Twain ab.
Aber damit war die Angelegenheit noch nicht erledigt. Die Delegation war der Ueberzeugung, daß ein zweiter Besuch vermutlich doch zum Ziele führen müsse. Darum ließ sie sich beim Frühstück des nächsten Tages von neuem melden. Wieder brachten die Herren in langer Rede ihren Antrag vor. Als sie zu Ende waren, blickte sie Mark Twain der Reihe nach fteundlich an und meinte schließlich:
„Meine Herren, warum wollen Sie überhaupt einen Zaun um Ihren Friedhof machen? Ich sehe keinerlei Grund, ihn einzuzäunen. Denn wer einmal dort liegt, kommt sowieso nicht mehk herunter, und die noch nicht dort sind, wollen bestimmt nicht hinein."


