Oer Führer 25 Jahre Soldat.
Die Glückwünsche des Traditionsregiments List. - Zahlreiche Gratulanten auf dem Obersalzberg.
Reichskriegsflagge. Die Gedenktafel vor der Kaserne ist mit Eichenlaub umkränzt. Vor der Tafel ist em Doppelposten aufgezogen. Im Rahmen eines Appells wurde vom Regimentskommandeur Oberst Zorn ein Tagesbefehl an die Truppe verlesen, in dem es heißt: „Am heutigen Tage sind es 26 Jahre, fett der Führer in unserer Kaserne als Kriegsfreiwilliger in die Reihen des 16. Bayerischen Infanterie- Regimentes „List" eintrat, um für Deutschland zu kämpfen. Als Traditionsregiment gedenken wir in besonderer Verbundenheit dieses Tages und jenes unbekannten Soldaten, der auszog und uns alle Kriegsjahre hindurch beispielhaft Tapferkeit, Opferbereitschaft und Treue vorlebte, den das Schicksal bewährte in Tod und Gefahr, damit er sein geltet), tes deutsches Vaterland aus tiefster Rot wieder emporführe zu Macht und Ansehen. Wir sind stolz daraus, daß er in unserem Regiment kämpfte. Wir wissen, daß uns das dazu verpflichtet, es ihm in allen Soldatentugenden gleich zu tun. So erneuern wir an diesem erinnerungsreichen Tage, da sich wieder aller Augen auf unseren Führer richten, das Gelöbnis, ihm treu zu folgen und uns voll einzusetzen für Großdeutschlanos Zukunft"
Der Führer empfing am Mittwochnachmittag im Berghof eine Ab ordnung des Regiments, bestehend aus dem Kommandeur Oberst Zorn sowie Oberleutnant Euen, Hauptfeldwebel Pirngruber und Gefreiten Reichenberger. Oberst Zorn überreichte dem Führer eine Glückwunsch- adresse, die von Hauptfeldwebel Pirngruber fünft- lerisch gestaltet worden war. Der Führer dankte mit herzlichen Worten und überreichte jedem Mitglied der Abordnung zur Erinnerung an diesen Tag sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift.
Berchtesgaden, 16. August. Aus Anlaß ber 25. Wiederkehr des Tages, an dem d e r Führer als Kriegsfreiwillige 'r in das 16 Bayerische Reserve - Infanterie- Regiment eintrat, sprach heute mittag der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Generalfeldmar- chall Göring, dem Führer auf dem Berghos eine persönlichen und die Glückwünsche der »eutschen Wehrmacht aus. Die Oberbefehlshaber des Heeres und der Kriegsmarine sowie der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht gedachten des Tages durch Glückwunschschreiben an den Führer. Der Reichs- ührer ff Himmler erschien in Begleitung der ^.Führer Heydrich und Wolfs auf dem Berghof, um dem Führer die Glückwünsche der nationalsozialistischen Schutzstaffeln zu übermitteln. Dem Führer prachen ferner Reichsaußenminister von R i b - b e n t r o p, Reichspressechef Dr. Dietrich, Reicks- [eiter Bohrmann, Generalbauinspektor Professor Speer und Reichsbildberichterftatter Professor Hoffmann ihre Glückwünsche aus. Am Mittwochabend stattete der Stellvertreter des Führers der NSDAP, Reichsminister Rudolf Heß, dem Führer einen Besuch ab, um ihm zugleich im Namen der Partei seine Glückwünsche zu übermitteln. Der Stabschef der SA., Viktor L u tz e, hat an den Führer im Namen der Sturmabteilungen ein Glückwunschtelegramm gerichtet.
Mit einer kurzen militärischen Feier wurde die- er Tag in der „Ad olf - Hitler -Kaierne" les I. - R. 19 in München begangen, des Regimentes, das die stolze Tradition des 16. Bayeri-- chen Reserve-Jnfanterie-Regimentes ,List" fort« ührt. Don der Kaserne am Dimyplatz flattert die
Vor 25 Lahre«.
Oie Kette der Sommer-Schlachten im Westen.
Es waren heiße Augusttage im Jahre 1914. In Ostpreußen brachten die Bauern mit eisernem Fleiß die letzte Getreideernte herein, während schon der Kanonendonner der Kämpfe von Stallupö- nen hörbar wurde. Im Westen hatte sich der Handstreich gegen Lüttich in finsterer Nacht bei strömendem Gewitterregen abgespielt, die Verbindung war oftmals abgerissen, niemand wußte, wie das Gefecht stand, und doch gab es nur die Losung: vorwärts! Kaum war die mächtige Sperre von Lüttich gefallen, fo schweifte schon dieHeeres- Kavallerie unter General von der Marrn i tz weit durch das Land. Sie fand den Gegner abwehrbereit am Flußlaus der Gelte, wo er eine neue Linie bezog, um die Verstärkungen der Franzosen und Belgier abzuwarten und Brüssel zu chützen. Bei Haelen ritten deutsche Reiter die eindlichen Schützen in wilder Attacke nieder, am 15. August stießen sie weiter südlich bei D i n a n t auf den Gegner, bei dem sich nun auch Franzosen befanden. Die Engländer aoer waren noch nicht im Lande, so daß es für die Belgier unsicher wurde, ob ihnen die Verbindung mit ihrer Festung Antwerpen noch erhalten bleiben werde. Am 18. August erschien die 1. deutsche Armee (v. Kluck), „wie aus dem Boden gewachsen" ander Gettelinie und warf die Verteidiger zurück. Die Umfassung drohte den Belgiern, und so blieb ihnen, von den Verbündeten allein gelassen, nichts anderes übrig, als der Rückzug nach Antwerpen. Am 20. August befand sich die belgische Feldarmee im Schutz ihrer Landesfestung, am gleichen Tage zogen die deutschen Truppen um Mitternacht in Brüssel ein. Der Weg des rechten deutschen Flügels, der sich von Brüssel nach Mons zur Umklammerung des feindlichen Aufmarsches erstrecken sollte, war frei. Allerdings sollte dieser Weg von einer ganzen Schlachtenfolge begleitet sein.
Die französische Armee unter Marschall Ioffre war in ihren Hauptkräften zwischen Mons, Verdun und den Vogesen aufmarschiert. 9m südlichen Sektor, bei Belfort, standen hauptsächlich Divisionen der Alpenkorps, die Anfang August einen Vorstoß gegen Mülhausen machten, der von den Badenern abgeschlagen, aber am 17. August wiederholt wurde. Deutsche Landwehr brachte auch diesen Angriff zum Stehen. Jahrelang sollte dieser Teil des Kriegsschauplatzes erbitterte Einzelkämpfe sehen.
Gegenüber dem deutschen Vordringen in Belgien und Nordfrankreich muhte sich General Ioffrezum Gegenschlage entschließen. Er begann ihn Mitte August an der Lothringer Front, so daß sich seine Offensive in den Raum zwischen Metz und Sttaßdurg richten mußte, um das Saargebiet und die Pfalz zu erreichen. Acht französische Anneekorps, die sich in die Armeen Castelnau und Dubai! gliederten, stießen auf die deutsche 6. und 7. Armee unter dem Kronprinzen von Bayern und dem
Berliner Brief.
3m tönenden Spielkabinett. — Von der Sandwüste zum Mussolini-Platz. Häuser für einen Tag. — Oas tödliche Plätteisen.
General von Heeringen. Der deutsche Plan bestand darin, die Gegner aus ihren befestigten Stellungen herauszulocken und ihnen womöglich im^freien Felde eine entscheidende Schlacht, ein Cannä, zu liefern. Die deutschen Vorttuppen zogen sich daher langsam auf das Gros zurück, und die Franzosen konnten in Saarburg einziehen.
Nur mit Widerwillen folgten die Bauern der 6. Armee dieser Taktik. Zudem entstand her Eindruck, daß es der feindlichen Seite mehr darauf ankam, die Deutschen zu beschäftigen, als einen entscheidenden Waffengang zu wagen. Daher ging der deutsche strategische Rückzug am 19. und 20. August zum Angriff über, und es kam zur Schlacht in Lothringen (Saarburg-Mör- chingen). Mit ungestümer Tapferkeit warfen sich unsere Truppen auf den Feind, der mit schwersten Verlusten geschlagen wurde und sich wieder unter den Schutz seiner Fettungen zurückzog. Die 7. Armee, Schwaben und Baoener, kämpften währenddessen am linken Flügel in den Vogesen und am Donon. Auch hier trat der Franzose den Rückzug an, er räumte sogar das abseits im Süden der Front gelegene Mülhausen, ein Zeichen, daß seine offensiven Absichten gescheitert waren. Die Franzosen lernten die überlegene Feuerkraft unterer schweren Artillerie kennen? während die deutschen Infanteristen mit den leichten französischen Geschützen fertig werden mußten.
In weit ausholenden Bewegungen stürzte die 1. Armee (Kluck) durch Belgien nach Nordfrankreich, durch einen starken Schleier von Kavallerie in ihren Zielen verdeckt. Am 22. August stieß sie bei Mons auf die Engländer unter French und die Franzosen unter Lanrezac. Der Feind wurde völlig geschlagen, ein Teil der Franzosen warf sich in die Festung Maubeuge. Zur gleichen Zeit entwickelten sich die französischen Heere links und rechts der Maas zum Angriff gegen die 2. Armee (Bülow), die 3. Armee (o. Hausch), die 4. Armee (Herzog o. Württembera) und die 5. Armee (Kronprinz v. Preußen). Bei Char-- leroi. Longwy und Neufchateau wurden alle Angriffe zurückgeschlagen. Unsere Truppen find die Nächte hindurch marschiert, hatten am Tage durch hohe Getreidefelder den Sturm siegreich vorgetragen und jedes Schlachfeld behauptet. Nie- mals hat eine Armee stolzer und tapferer gekämpft als bas Feldheer von 19141 Zu einer Umfaffungs- schlacht war es aber wieder nicht gekommen. Am 24. August fiel Namur. Fraglich schien, ob in Lochringen der Durchbruch bei Toul und (Spinal gelingen und bann die Vereinigung mit dem äußersten Flügel Kluck, das strategische Ziel erreichen könne. Inzwischen bahnte sich bei der 1. Armee eine neue Entscheidung an, während die Nachrich. ten über den Russeneinfall in Ostpreußen alarmie- rend wirkten.
wie England und Frankreich, muß und wird ein Ende finden.
Damit erledigen sich auch die Satze, welche die in diesem Falle wohl als Sprachrohr der britischen Regierung anzusehende „Time s" sich abgerungen hat und die mit ihrer Mischung aus trampfiger Nervosität, Beschränktheit und unverhüllten Drohungen aeradezu lächerlich anmuten. Der „K r i e g ohne Kanonen" so meint die „Times" könne nicht endlos weitergehen. Die Einkreifunasmächte würden dann einen gemeinsamen Kodex ober eine Doktrin für die internationale Praxis aufstellen. Es würde ein katastrophales Schauspiel geben, wenn die Deutschen durch eine massive und „monopolistische" Propaganda in einen Krieg getrieben würden mit Völkern, die keinen Streit mit ihnen wünschten und die weder Neigung noch Interesse daran hätten, dem deutschen Volke einen vollen und wachsenden Anteil an allen Eroberungen, die der Zivilisation noch beschieden seien, zu versagen. Die nächste Ausgabe der Friedensmächte sei daher, die Essenz eines positiven Friedensprogramms feftzulegen und der Welt zu präfentie- ren. Unter gewissen Bedingungen könnte dadurch der Weg zu Verhandlungen eröffnet wer- den. Verhandlungen seien aber nichts wert, wenn mit ihnen nicht eine Rüstu n g sb e gr e n zu n g einhergehe. Verhandlungen könnten auch zu nichts führen, wenn Deutschland nicht . seine Idee vom Lebensraum aufgebe. Die deutsche Auslegung dieses Wortes bedeute, daß 80 Millionen Deutsche nur ganz sicher und auskömmlich leben könnten, wenn sie ihre Nachbarn unterdrückten und ihnen sogar ihr Hab und Gut und ihr Heim rJJüberi könnten. Das Blatt erklärt abschließend: „Wenn Fortschritte zu einem ehrenhaft organisierten Frieden gemacht werden sollen, so muß die Ab- stung kommen. Den Tschechen muß die freie Ausübung ihres Selbstverwaltungsrechtes gegeben werden. Darüber hinaus müssen berechtigte Forderungen auf kolonialem Gebiet befriedigt werden, ohne daß von einer Rückkehr zu der alten Vorstellung, daß Völker und Länder Austauschgüter seien, die Rede sein kann. Unter den modernen Treuhänderprinzipien ist eine weit umfassendere Gleichheit in der Tat erreichbar, als sie durch irgend einen Handel mit „Besitzungen" erzielt werden könnte. Dies sind die nackten Bedingunaen, die durch niemand und nichts anderes als Erfordernisse des Friedens diktiert werden. Wenn sie angenommen werden, so gibt es keinen Grund, an einer Lösung der politischen, finanziellen und wirtschaftlichen Forderungen, die Europa auf den Verhandlungstisch au legen hat, zu verzweifeln."
Die Bedingungen, welche die „Times" nach vollendetem Wiederaufbau der Versailler Front in Aussicht stellt, kennen wir aus den diesbezüglichen Diktaten von 1919. Den Kodex für internationale Praxis haben wir Deutsche zu einer Zeit, da eine schwache Staatsführung sich englisch-amerikanischer Großmut anoertraute, ebenfalls gründlich kennengelernt. Daß unsere einhellige „monopolistische" Meinung sich gegen Leute richte, die keinen Streit mit uns wünschen, ist eine dumme Lüge. Denn wer das Deutsche Reich, das Menschlichkeit, Geschicklichkeit und Einsicht in heikelsten Dingen tagtäglich beweist, hindern will, Kernfragen seines Lebens und seiner Ehre zu ordnen, will Streit mit uns. Es ist eitel Geschwätz, daß Lebensraumsicherung in Unterdrückung der anderen bestehe. Wir unrerdrücken weder die Tschechen — Indien und Palästina würden Gott auf den Knien danken für eine Protektoratspolitik, wie die unfolge sie ist — noch beabsichtigen wir, die Polen zu unterdrücken. Wir beabsichtigen lediglich, keinesfalls Deutsche von ihnen kulturell unterlegenen und von England ange- stacheltenDölkern unterdrücken zu lassen. Daß wir den Anspruch auf den deutschen Lebensraum aufgeben und die Zustände im Protektorat wieder auf die Benesckart zurückschrauben sollen, heißt doch von Deutschland Selbstmord verlangen. Und nach diesem Selbstmord würde Deutschland eingeladen, an einer „Friedenskonferenz" teilzunehmen, auf der nickt die deutschen Kolonien zurückgegeben, sondern ode englischen Treuhänderprinzipien angenommen werden sollen, die sich überall in der Welt ja so „vorteilhaft" für England bewährt habe. Mit solchen Narreteien aber haben wir nichts gemein. Unser Wea ist uns durch die Gebote von Ehre und Recht eindeutig vorgezeichnet. Vernebelung durch Lleberfülle.
Vor uns liegt die „Time s" vom 14. August. Die Berichterstatter in allen europäischen Hauptstädten sind auf Trab gebracht. Wichtiges und Nebensächliches geht wirr durcheinander, nach dem deutschen Sprichwort: „Wie Kraut und Rüden". Zwischendurch ein Leitartikel, in dessen erstem Absatz ein Friedensfähnchen hochgezoHen wird und in dessen weiteren Absätzen eine mäßige Bosheit verspritzt wird. All diese Aufregung und diese lieber« fülle sich oft überschneidender, für den kritischen Leser im Werte sehr unterschiedlicher Nachrichten machen es schon zu einer Anstrenaung, überhaupt das Wesentliche vom Zufälligen zü unterscheiden. Eine geschlossene Linie ist auf weiter Flur nicht zu entdecken. Und das große „Times"-Format ist nun wirklich eine weite Flur, was wohl niemand bestreiten mag. Aber wie soll die „Times" erst auf den Normalleser wirken, der nicht hauptberuflich als gewissenhafter Zeitchronist gezwungen ist, jebe Meldung und manchmal auch jedes Wort zweimal umzudrehen, ehe er darüber ein Urteil abgibt. Und dabei handelt es sich immer noch um die „Times", also um ein Blatt, das für Englands ,/große Politik" auf das Ausland repräsentativ wirken soll. Wie sieht es erst in den anderen Zeitungen aus?!
Der Engländer selbst unterscheidet ja zwischen den Massenzeitungen und der „ernsten" Presse. Aber wo läuft der Trennungsstrich? Das Blatt, das nächst der „Times" vor allen als „ernst" gilt, nämlich der „Daily T e I e g r a p h", ist m den letzten Monaten auf heftigen Abonnentenfang und hat sich eine „Schauseite" zugelegt, die ganz und gar diesem Zwecke dient. Hier verwischt sich also schon der Unterschied zwischen Massenzeitung und „ernster" Presse uno dem Gotte der sensationellen Anreißerei wird auf der Schauseite reichlich gehuldigt. Das Ergebnis ist jedenfalls ein Tohuwabohu, das den Leser durch die Ueberfülle reichlich zusammenhangloser und jedenfalls nicht sinngemäß abge- stufter Nachrichten einnebelt und ein nebeln foll. Jenseits der augenblicklichen politischen Lage muß feftgefteHt werden, daß die französische Presse nicht allgemein, aber doch in mancher auch für den Mafsenabsatz gedruckten Zeitung eine klarere Linie und ein bedächtigeres Abwägen der einzelnen Meldungen zeigt, als die englische. Der aufmerksame Leser wird auch bald den Grund des Unterschiedes merken: die Franzosen haben eben erst das Dolksfrontexperiment hinter sich, das ihnen noch mit merklicher Schwere in den Knochen liegt; die englischen Zeitungen turnen an den Strickleitern ihrer schönen Gefühle und merken gar nicht, daß sie sich dabei affig genug ausnehmen.
Unweit des ehemaligen Berliner Ghettos, an das heute noch der Jüdenhof und die vom Rathaus abzweigende Iüdenfttaße mahnen, erhebt sich die Parochialkirche, die in den Jahren 1695 bis 1703 erbaut wurde. Wer das Glück hat, just zur vollen Stunde an ihr vorüber zu gehen, der hört das klingende Spiel der größten und schönsten „Sing- uhr Deutschlands. Hält der eilige Fußgänger seine Schritte an, begibt er sich in das Innere der Kirche und ersteigt er den Turm, fo gewahrt er, daß der Turm vor kurzem einem durchgreifenden und verschönernden Umbau unterzogen wurde. Der Besucher kann sich im zweiten Stockwerk des Turmes an einer mit Liebe und großem Sachverstand zusammengetragenen Historischen Sammlung erfreuen, die ihm viel von Alt-Berlin zu erzählen vermag. Steigt der Wißbegierige noch höher, bis in den kunstvoll gezimmerten Holzdachstuhl hinein, so gewinnt er Einblick in das Räderwerk der Singuhr. Ueberrafdjt wird er die große Walze mit ihren 4800 Spielftiften betrachten, die allmonatlich um- gesteckt werden, damit immer wieder neue Melodien ertönen. Der schönste Raum dieses 66 Meter hohen Turmes ist aber das Spielkabinett, das mit bunten holländischen Kacheln ausgelegt ist, die daran erinnern sollen, daß 35 der insgesamt 37 Spielglocken, die über zwei Jahrhunderte alt sind, aus Amster
dam stammen. In diesem Spielkabinett waltet der Glockenmeister von Berlin, nachdem er das Walzwerk ausgeschaltet hat, an einem mit Holzstäben und Pedalen versehenen „Spieltisch" an jedem Sonntag und Mittwoch seines Amtes. Dann schwingt noch wundersamer als sonst ein Glockenlied über die Dächer der Berliner Altstadt, das völlig vergessen läßt, daß tief unten eine eilige, hastende, brausende Diermillionenstadt liegt...
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Zu den vielen Arbeitsstätten, die der Reichshauptstadt eine neue und würdige Gestalt verleihen sollen, hat sich eine weitere gesellt. Sie liegt, wenige hundert Meter vom Funkturm entfernt, auf dem Adolf-Hitler-Platz und dient seinem Ausbau und seiner Verschöneruna. Noch kurz vor der Jahrhundertwende war hier eine Sandwüste, aus der sich in Richtung Westend der rote Kasernenbau des Königin-Elifabeth-Garderegiments erhob. Die „Eli- sabether" waren es denn auch, die als einzige diese Sandwüste belebten, indem sie auf ihr eifrig exerzierten, zielten und Sturmangriff übten. Balo nach der Jahrhundertwende schob sich aber das Häusermeer Charlottenburgs immer näher an diese Einöde heran. Im Jahre 1906 wurde die Heerstraße nach Döberitz angelegt, die sich hier zu einem rechteckigen Platz, dem Reichskanzlerplatz, srwefterte. Und schon
zwei Jahre später hielt unter ihm die Untergrund« bahn. Im Februar 1933 erhielt der Platz den Namen des Führers. Den immer stärker anschwellenden Ausfallverkehr nach dem Westen war aber die wenig glückliche Anlage des Adolf-Hitler-Platzes nicht mehr gewachsen, besonders nicht, seitdem die Ost-West-Achse bis zu diesem Platz hin ausgebaut worden ist. Aus diesem Grunde hat man jetzt die Neugestaltung des Platzes in Angriff genommen, der nach dem Willen des Führers ein Ehrenplatz ür den italienischen Regierungschef und Duce, Benito Mussolini, werden foll. In der Mitte des künftigen Mussolini-Platzes wird ein hohes Monument errichtet, ein runder Säulengang an den Seiten des Platzes wird zum Kreisverkehr über- leiten und die Verbindung zu der westlich des Platzes ebenfalls im Ausbau begriffenen Mussolini- Allee Herstellen. Diese wird bis zum 8-Bahnhos Heerstraße" führen, neben dem sich ein imposanter Fernbahnhof erheben wird, auf dem der Führer in Zukunft seine hohen Gäste empfangen wird. Welch ein stolzer Weg von der Sandwüste bis zum Mussolini-Platz!
In seltsamem Gegensatz zu den großen Bauten der Neugestaltung der Reichshauptstadt stehen jene Plätze, Straßen und Häuser Berlins, die nur für einen Tag, oft sogar nur für eine Stunde gebaut werden. Es sind die Filmbauten in Babelsberg- Ufastadt. Einerlei, ob man das weite Freigelände durchwandert oder ob man sich in den Riesenhallen der Ateliers umsieht, ständig stößt man auf mehrere Trupps von Bauarbeitern und Handwerkern, die in emsigster Arbeit begriffen sind. Da wird gemauert, gezimmert, gehämmert, gestrichen, gekalkt und gepinselt; da werden Defen und Kamine gesetzt, Fußböden und Treppenstufen gelegt, elektrische Leitung gen montiert, Gardinen aufgeftetft, Teppiche entrollt und ausgebreitet, kurzum: Da wird gebaut und gebastelt, daß es eine wahre Lust ist, diesem Treiben zuzusehen. Niemals wird Pfuscharbeit getan. Im Gegenteil! Alles geht nach einem wohlgeordneten Plan, nein — nach unzähligen Plänen! Wer entwirft sie? Es sind die Architekten, bereit Namen wir im Vorspann hinter dem Wort „Bauten" lesen. Nicht weniger als 16 Architekten sind für das Ufa-Produktionsprogramm 1939/40 tätig. Und ein jeder von ihnen ist ein große? Künstler feines Faches! Muß es fein! Denn oft ist ein Architekt nicht nur für die Bauten eines Filmes, wie zum Beispiel Karl Böhm für „Kennwort: Machin", Hanns H. Kuhnert für „Waldrausch", Franz Schroedter für „Sommer, Sonne, Erika", sondern gleich für zwei Filme tätig, wie etwa Herbert Froberg für „Drei Väter um Anna" und „12 Minuten nach 12" oder Walter Röhrig für Kadetten" und „Legion Condor". Bereits diese kleine Aufzählung verrät, welches baukünstlerifche Wissen, welches stilistische Einfühlungsvermögen und welches technische Können die Filmarchitekten jederzeit bereit haben müssen. Nicht zu vergessen, welche Entsagung von ihnen gefordert wird, stellen doch ihre mühevollen Werke oftmals nur Häuser für einen Tag dar, für jenen einen Tag nämlich, an dem die Kamera sie als Hintergrund für eine Spielhandlung abtastet oder aufnimmt.
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Es ist fünf Uhr morgens. Dicke Rauchschwaden bringen aus dem Dachstuhl des vierstöckigen Hauses Habsburger Straße 10 in Schöneberg. Gleich darauf schlagen helle, züngelnde Flammen zum fahlen Morgenhimmel empor. Großfeuerk Die Hausbewohner werden geweckt. Eine Panik droht auszubrechen. Aber da raffeln schon fünf Züge bet Feuerlöschpolizei auf die Brandstätte zu. den Dächern der Nebenhäuser, von hohen Magirus- leitern ergießen sich Wasserstrome in die toten Gluten. Ein Trupp beherzter Feuerwehrmänner bringt bis zum Brandherd vor. Plötzlich schießt ihnen eine meterlange Stichflamme entgegen. Der Feuerwehrmann Wilhelm Schultze, erst fünfundzwanzigjährig, sinkt um. Man trägt ihn fort. Doch schon auf dem Wege nach unten stirbt er an den schweren Brandwunden. Die Ursache des Brandes? Die Kriminalpolizei deckt die Spur auf: In einem Plättraum des Dachgeschosses war ein elektrisches Plätteisen nicht ausgeschaltet worden. Ein mutiger Volksgenosse mußte sein Leben opfern, nur weil aus lästiger Unachtsamkeit ein kleiner Handgriff zu wenig getan wurde! Sollte nicht diese erschütternde Tragik des Alltags uns allen ein Fingerzeig fein? — Kampf der Gefahr? „Ach, es kommt ja nicht fo genau darauf an!" Und bann wölbt sich eines Tages ein Grabhügel über einem Toten, dem es doch darauf ankam — feine Pflicht zu tun..-
Studentischer Ernteeinsatz an der deutschen Ostgrenze.
Nahezu 50 000 deutsche Studierende leisten auch in diesem Jahre wieder Erntehilfe in den deutschen Ostprovinzen. Nachdem Reichsstudentenführer Dr. Scheel vor einigen Tagen eine Bettchttgunasreift in den Einsatzgebieten des studentischen Lanvdien« stes, in den deutschen Sprachinseln des Protektorates und in Oberfchlesien durchgeführt hatte, veranstaltete am Ende der verganaenen Woche die Reichsstudentenführung eine Presserundfahrt durch einzelne ^Grenzkreise Oberschlesiens. Schriftleitern aus allen Teilen des Reiches wurde dabei Gelegenheit geboten, den studentischen Ernteeinsatz im Grenzgebiet aus eigener Anschauung kennenzulernen. Die Fahrt führte von Oppeln durch die Grenzkreise Grotz-Sttehlitz und Rosenberg und endete auf dem Annaberg. Sie gab einen umfassenden Einblick in die Organisation und die praktische Arbeit des studenttschen Ernteeinsatzes.
Die freudige Mitarbeit der studentischen Iugeno gibt der Bevölkerung, die so lange Jahrzehnte Der- nachlässigt und verkannt worden ist, das Vertraut" zur großen deutschen Volksgemeinschaft zurück. F Bauern und Bäuerinnen, deren Hofe auf btt Presse fahrt besucht wurden, erklärten einstimmig ihre Freude und ihre Zufriedenheit über den studentischen Ernteeinsatz. Mit Lust und Liebe pack' ten diese jungen Menschen die ihnen unaewcchnte Arbeit an und scheuten sich vor keiner Tätigkeit. Beim Einbringen der Ernte, bei der Feldarbeit, im Stall und bei der Betreuung der ftinber sino sie für den Bauern und für die Bäuerin gleich wertvolle Hilfskräfte.
Neben diesem praktischen Ernteeinsatz ist &ie Dolkstumsarveit der Studentenschaft tm Grenzgebiet von großer Bedeutung. Sing- und Dolkstanzabende, Kindernachmittage und Märchenstunden gehören zu den ständigen Veranstaltungen jeder studentischen Dorf gruppe. Den Höhepunkt bubet jedesmal der Dorfgemeinschaftsabenv. In mehreren Orten hatten die Teilnehmer der Pressefahrt Gelegenheit, diesen Volksfesten beizu- wohnen. Hier zeigt sich so recht, wir ftarr Die studentischen Erntehelfer mit ihrer Freizeitgestaltung in her Dorfgemeinschaft der Einsatzorte Fuß gefavl haben und welch gutes Einvernehmen Zwischen Landdienst und Bauernschaft herrscht.


