Nr. 191 Erstes vlatt
189. Jahrgang
Donnerstag, ir. August 1939
Gießener Anzeiger
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Danzig zwischen gestern und morgen.
Zwischen den Begriffen „vorher" und „nachher" spielt sich überhaupt heute das Leben der Danziger ab.
Don unserem
Danzig, Mitte August 1939.
Heber Danzig spricht die ganze Welt. Auslands berichter st atter kommen zu jedem Wochenende eilig hierher, in der Befürchtung, sonst vielleicht irgendeine sensationelle Phase der Entwicklung zu verpassen. Sie sprechen mit den maßgebenden Danziger Persönlichkeiten und mit den Polen, klopfen beim Bölkerbundskommissar an, [fragen diesen und jenen um seine Meinung, machen ["sich Notizen über Notizen — und wenn sie genug Der widerspruchsvollsten Einzelaussagen beieinander Haben, geben sie einen je nach Temperament aufregenden oder beschaulichen Bericht, schreiben dazu noch eine amüsante „story", die in den seltensten Zöllen ganz wahr ist, und reisen wieder ab. So 'An>a, wie die Kriegsberichterstatter im Weltkrieg mach dem Besuch eines Frontabschnitts alles ungeheuer interessant fanden, was man ihnen zeigte, sich vieles ganz anders vorgestellt hatten, vielleicht rin wenig ärmer an Illusionen geworden waren, wenn sie den Schützengraben wieder verlassen hatten, alles dann viel besser wußten als die Front- ioldaten selbst — und sich doch nicht ganz zurecht- nnden konnten in dem, was an der Front wirklich ws war.
Genau so ist es jetzt hier in Danzig, einem Brennpunkt der unsichtbaren Front, an der um die Revision unhaltbarer Zustände in Europa gekämpft wird. Die Danziger bekommen Briefe von Bekann- sen aus dem Reich, die noch im Juni fest entschlos- sn waren, Danzig einen Besuch abzustatten, hier I in paar sonnige Ferientaae zu verleben, und die un im August plötzlich Bedenken bekommen haben, l'b die Schiffe des Seedienstes Ostpreußen noch »oppot anlaufen, und ob man auch wieder aus I Ranzig herauskommen würde. Fragen, die gegenwärtig ein belustigtes Lächeln auf die Züge der mpfdnger dieser Briefe zaubern, die für eine wei- : re Zukunft gestellt, aber nur von Propheten be- mtwortet werden könnten. Und Propheten sind Isute noch seltener als früher. Man prophezeit da- rir am besten gar nicht, sondern erzählt nur vom |Z t s ä ch l i ch e n Leben dieser wunderschönen ur- isutschen und gana gegen ihren Willen in die welt- plitischen Ereignisse hineingestellten Stadt.
Reden wir nicht viel herum, geben wir gleich ,u: Hauptperson dieser Sommersaison ist der iöoldat. Bisher hat Danzig ja — trotz der hoch- "abenben Bezeichnung Freie Stadt an allen Ecken Md Enden gefesselt durch die Beftimmungen ihm Liufgenötigter Verträge — auf eigenes Militär verachten müssen. Auch jede Anlage von Befestigungen war der Freien Stadt untersagt. Am Danziger »tranb im Dünensand stehen heute noch die zerstören Batteriestände der Küstenartillerie aus der Vorkriegszeit. Schutzlos war bisher Danzig dem sogenannten Schutz der Genfer Liga preisgegeben, und riese Liga hatte es fertigbekommen, Polen im Ernst- mll als „besonders geeignet zur Betreuung Danzigs" -u bezeichnen. Heute aber ist das anders. Die jungen ;&ute brauchen nicht mehr mit Neid auf ihre Altersgenossen im Reich zu schauen, die das Ehrenkleid ; es Soldaten tragen dürfen. Sie stehen jetzt genau ■® in den Reihen der Danziger Heimwehr,
•e 1tar* UM ist, um etwaigen polnischen Gelüsten, ie nach Wilnaer Muster in Danzig vollendete üEat= □djen zu schaffen suchen könnten, die Suppe gründlich zu versalzen.
Und nachdem schon vor Monaten die Polen es ür zweckmäßig gehalten haben, ihrem tiefgrün- igen Mißtrauen gegen die Danziger durch Anlage aon Tanksperren und ähnlichen schönen Dingen auf .2raPe von Zoppot nach Gdingen Ausdruck zu «^rlelhen, haben die Danziger auch eine solche c. -LSl--e r c tief in den Boden eingelassenen .i^aumftammen bis an den Zoppoter Badestrand iimuntergeführt. Da stehen die Stämme in unreael- maßlger Höhe hintereinander gestaffelt und sind tun in den Danziger Alltag hineingehörendes kleines, aber vielsagendes Zeichen dafür, daß wir uns jm der europäischen R e o i s i o n s f r o n t l finden. Ein paar hundert Schritt weiter nach ^orbwesten geht an der Mündung des Menzelbachs kre polnische Grenze ins Meer hinaus. Dort mlten in zwei nur durch den Bach getrennten iüuschen die Danziger und die polnischen Grenz- riachter ihres Amtes, und wie ein „Stein des An- st'ßes" ragt der Grenzstein neben dem Prome- niibenweg empor mit einer Inschrift, die an das Lgrsailler Diktat mahnt. Um die Revision dieses Oktats geht das Ringen.
wie Zahl der Spaziergänger, die zwischen Zoppot stid dem polnisch gewordenen Adlershorst hin und h-rwechseln, ist in den letzten Wochen noch erheblich giTinger geworden. Aber ein paar hundert Schritt vriter nach Südosten und der Zoppoter Kur- zirten bildet den eleganten Rahmen für ein »^gesprochen internationales Babe- ' ' Idb e n. Gute Konzerte, sportliche und gesellschaft- li?oe Veranstaltungen lösen einander ab. Hin und vLder wagt sich auch ein ausländischer Ozeandamp- ie: auf die Reede, um die auf einer Fahrt rund IM die Ostsee befindlichen Passagiere schnell einmal iiszubooten, schnell einmal durch Danzig zu füh- ! feu, und dann im Zoppoter Spielkasina ihr Glück ^suchen zu lassen, ehe der Dampfer abends ebenso Iiknell wieder die Anker lichtet. Die Augen der Aus- ! Iridspassagiere aber strahlen. Sie haben „eine bmsation" erlebt Sie können daheim in London (t:r Paris oder Oslo oder USA. begeistert erlitten: „Denken sie sich — wir waren sogar in Lnnzig".
I| Oie Danziger selbst gehen inzwischen jeden Tag ih'isn, unter internationalem Druck immer schwieri- j «e: werdenden Geschäften nach und warfen. Wo-
Wi.-Korrespondenien.
rauf? Auf die Vernunft. Die Welt kann nun wirflid) nicht mchr vorschützen, sie wüßte nicht, was die Danziger wollen, und sie sei sich über das hier ZU lösende Problem nicht klar. Die Danziger haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie Wiedergutmachung des Versailler Unrechts und Heimkehr ins Reich verlangen. Sie haben ebenso klar zum Ausdruck gebracht, daß die wirtschaftliche Verbindung zwischen dem polnischen Hinterland und den Ländern in Ueberfee über den Danziger Hafen durch ein zum Reich gehörendes Danzig genau so, wenn nicht noch besser gewährleistet werden würde, als die im Schnittpunkt widerstrebender politischer Interessen stehende „Freie Stadt". Sie warten auf öie Entscheidung und sind sicher, daß-sie nur im deutschen Sinne fallen kann. Darauf ist ihr ganzes Denken und Tun jetzt eingestellt. Zum Tagesgesprächsstoff gehört etwa die Frage, zu welchem Kurse wohl der Gulden gegen Reichsmark eingewechselt werden würde, wenn es soweit wäre. Denn bei der Heimkehr Oesterreichs und des Sudetenlandes und des Memelgebietes gab es ja Unterschiede. So werden auch manche Käufe zurück- gestellt, die sich „nachher" wohl besser tätigen lassen dürften — auch das ein Zeichen für die unbedingte Zuversicht der Danziger in ihre deutsche Zukunft.
Danzig, 16. Aua. (DRV.) Ein Danziger Grenzbeamter erblickte an der Danziger Grenzsperre etwa 350 Meter von der Danzig-polnischen Grenze a u f Danziger Gebiet einen polnischen Soldaten. In einer Entfernung von etwa acht Meter rief er den Polen an, der sofort sein Gewehr von der Schulter riß. Auf einen nochmaligen Anruf des deutschen Beamten, der sofort einen Warnungsschuß in die Erde abgab, feuerte der Pole auf den Danziger, in dessen Begleitung sich zwei weitere Grenzbeamten befanden, einen Schuß ab. Daraufhin schoß einer der beiden anderen Beamten auf den Polen. Der Pole wurde in die Brust getroffen und war sofort tot.
Am gleichen Tage, gegen 19 Uhr, wurde von polnischer Seite auf einen deutschen Kraft- wagen in Liessau in der Nähe der Dirschauer Brücke, also auf Danziger Gebiet, scharfgeschos- s e n. In dem Wagen, der vor einer Tankstelle Halt gemacht hatte, befanden sich reichsdeutsche und englische Pressevertreter. Der Danziger Senat hat sofort gegen diese erneue polnische Herausforderung schärfsten P r o t e st bei der polnischen Regierung erhoben und darauf hingewiesen, daß die Tatsache, daß an einem Tage von polnischer Seite zwei schwere Grenzzwischenfälle hervorgerufen wurden, als unerträglich angesehen wird.
Lächerliche Erfindungen.
Berlin, 16. August. Ein ausländisches Gerücht besagt, jemand habe gehört ober erfahren ober gelesen, daß beutsche Reservisten sich am zweiten Mobilmachungstag (ober am britten bzw. vierten Tag) in Gnesen ober Graubenz bzw. Thorn zu melben hätten. Da biefe beutschen Stäbte zur Zeit auf polnischem Staatsgebiet liegen, so wäre also in ben Augen bes Auslandes erwiesen, wie rasch und bestimmt der deutsche Apparat jenseits der Grenze tätig fein will. Natürlich ist ein solcher Befehl keinem Menschen im Reich zugegangen, ganz einfach, weil er nicht existiert. Dieses Gerücht steht auf derselben Linie wie der bekannte Scherz von dem Gespräch zwischen beutschen unb tschechischen Grenzsoldaten gegen Ende der Benesch-Republik. Da erzählte der
Ka tto wi tz, 16. Aug. (DNB.) Nach Meldungen aus Ostoberschlesien hielt den ganzen Mittwoch über der Terror der Polen gegen das Deutschtum weiter an. Die Massenoerhaftungen nehmen zu. Ununterbrochen ist die polnische Polizei unterwegs, um Haussuchungen unb Verhaftungen vorzunehmen. In verschiedenen Ortschaften finb f a st alle jungen Deutschen verhaftet worden. Die Zahl der in die Gefängnisse verbrachten Volksdeutschen beträgt am Mittwochabend 900 bis 1000. Unter ihnen befinden sich sämtliche Funktionäre b er Jungdeutschen Partei unb ber volks- beutschen Organisationen, bereu Arbeit jetzt völlig lahmgelegt ist. Im polnischen Kerker befinden sich u. a. ber Führer ber Jungdeutschen Partei in Polen, ber frühere Senator Wiesner, und ber Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Arbeiter in Polen, der frühere Abgeordnete Jankowski. Mit dem heutigen Tage ist von den Polen der kleine Grenzverkehr vollkommen g e sch l o s s e n worden. Auf verschiedenen Straßengrenzübergängen ist der Verkehr überhaupt -licht zugelassen. Die Ein- unb Ausreise nach Ostoberschlesien ist noch an ben Hauptbahnstrecken möglich. Die Durchsuchung ber Zuge erfolgt mit einem Massenaufgebot von Polizei, bie oft in rigorosester Weise vorgeht. Viele Deutsche sind m
Inzwischen geht de r normale lageslauf weiter. Die Danziger fahren wie immer an die See hinaus zürn Baden, sie machen ihren Herzen erregt Luft, wenn einmal der Sonntag verregnet, und sie freuen sich, baß die Zoppoter Waldoper in diesem Jahre so besonders vom Wetter begünstigt war. Wenn nicht die Männer der He im wehr im Danziger Straßenbild wären, denen die Herzen der kleinen Mädchen besonders freudig entgegen* schlagen, wenn auf der Reede vor Gdingen, vom Zoppoter Strand aus ausgezeichnet zu sehen, nicht die polnischen Kriegsschiffe ostentativ aufgereiht liegen würden, um „Polens Seemacht" zu demonstrieren, wenn nicht nachts die Scheinwerfer der polnischen Luftabwehr über den dunklen Wäldern rings um Gdingen spielen würden — fein Mensch würde, ehe er nicht über die Tanksperre auf der Zoppoter Strandpromenade stolpert, rein äußerlich spüren, daß er sich hier am Brennpunkt der politischen Reoisionsfront befindet. Und doch leben die Danziger in diesem Brennpunkt, unb die Auslanbs- berichterstatter haben schon Grund, zu uns zu kommen. Denn jeder Tag bringt Neues, und wer einen Blick hinter die Kulissen werfen kann, ber wird sich bewußt: Hier geht ein nervenaufreibendes Ringen nicht nur um Danzig vor sich, sondern um den Grundsatz friedlicher Revision unmöglicher Verhältnisse.
Tscheche dem deutschen Gegenüber, baß er am zweiten Mobilmachungstag in Pilsen fein müsse. Worauf der Deutsche prompt antwortet: „Und ich in Prag!" Danzigs Kamps, ein Kamps
des deutschen Rechts.
Tagung deutscher Rechtswahrer in Zoppot.
Vorn 21. bis 25. August veranstaltet das R ei ch s- rechtsamt der NSDAP, in Zoppot eine Tagung, um in klarer und wissenschaftlicher Weise die rechtlichen und politischer) Probleme bes Ostens, insbesondere ber Freien Stadt Danzig, durch führende Männer aus Politik, Wissenschaft unb Rechtsleben zu behandeln und die Rechtmäßigkeit ber Stellungnahme Danzigs unb des Reiches zu den gegenwärtigen aktuellen politischen Problemen zu beweisen.
Das Treffen wird eröffnet durch eine Rebe des Gauleiters Forster (Danzig), an die sich ein Vortrag des Leiters ber Auslandsorganisation, Gauleiter Bohle, anschließt. Zum Thema „Der Kampf Danzigs, ein Rechtskampf" wird Reichsleiter Dr. Frank Stellung nehmen. Weiterhin werden der Chef der Kanzlei des Führers, Reichsleiter Bouh - I er, zum Thema „Kampf des Führers um die Schaffung eines einigen Großdeutschlands" und Reichsminister Dr. Seyß-Jnquart über bie Rückgliederung der Ostmark sprechen. Als weitere Redner kommen Staatssekretär Dr. S t u tf a r t über Rechtsfragen ber heimgekehrten Gebiete, Staatssekretär Karl Hermann Frank über das Zusammenleben von Deutschen und Tschechen im Protektorat unb Staatssekretär Karmasin (Preßburg) über ben verfassungsrechtlichen Schutz des frentben Volkstums in ber Slowakei zu Worte. Eine Reihe von weiteren rechtspolitischen unb historischen Themen, die für den deutschen Osten von Bedeutung sind, werden durch Staatssekretär Dr. Freister, Gauschulungsleiter L o e b s a ck (Danzig), Professor Dr. Recke (Danzig), Oberbürgermeister Dr. Markmann (Magdeburg) und Professor Müller (Danzig) behandelt werden.
die naheliegenden Wälder geflüchtet unb halten sich dort vor den polnischen Häschern verborgen. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, ist der Auf- ständischenverbanb in den letzten zwei Tagen bewaffnet worden, so daß mit einem furchtbaren Terror gegenüber wehrlosen Deutschen zu rechnen ist. Die Tatsache, daß alle Nachrichtenverbindungen schon jetzt so gut wie abgeschnitten sind, wirft ein eindeutiges Licht auf das Vorhaben der Polen.
General Haller sammelt ein Freikorps.
HerarrsforderndeSPrachegegenDeutschland
Warschab, 16. Aug. (Europapreß.) Der polnische General Haller, der durch bie Aufstellung seiner Polnischen Legion in Frankreich während bes Weltkrieges bekannt geworben ist, hat bie Wiederkehr des Jahrestages ber polnischen Kämpfe gegen Sowjetrußland im Jahre 1920 zum Anlaß genommen, um erneut von sich reben zu machen. Haller erklärt in einem wortreichen Au stuf, er habe in Pornerellen ein „blaues Freiwilligen- r cgi ment für den Krieg mit Deutsch-,
Der Danziger Senat protestiert gegen erneute polnische Grenzverletzungen.
Wachsender poleaterror in Ostoberschlesien.
Scharfes Vorgehen gegen die Zungdeutsche Partei. — Auch Senator Wiesner verhaftet. - Oer Grenzverkehr unterbunden.
Am Kompromiffe kein Raum.
Don unserer Berliner Schristleitung
In seiner großen Reichstagsrebe vorn 28. April gab ber Führer ber Welt Kenntnis von einem Vorschlag an bie polnische Regierung, ber barauf hin» auslief, baß Danzig zum Deutschen Reiche zurückkehre, unb baß eine Straße unb eine Eisenbahnlinie mit exterritorialem Charakter burch ben Korribor geschaffen werbe. Als Gegenleistung hatte ber Führer bas Angebot gemacht, sämtliche wirtschaftlichen Rechte ber Polen in Danzig anzuerkennen, ihnen einen Freihafen beliebiger Größe bei völlig freiem Zugang zu sichern, die bestehenben Grenzen zwischen Deutschland unb Polen zu akzeptieren unb einen 25 Jahre bauernben Nichtangriffspakt mit Polen abzuschließen. Darauf ging bie polnische Regierung überhaupt nicht ein, sie wollte nur „erwägen", wie Erleichterungen für ben Durchgangsverkehr burch ben Korribor möglich seien. Die Tatsache bieser Ablehnung würbe vom Führer mit der Feststellung beantwortet, daß das zwischen ihm und dem verstorbenen Marschall Pilsudski geschlossene Abkommen hinfällig geworden und daß sein Angebot nur „einmalig" gewesen sei. Denn mittlerweile hatte sich Polen der Einkreisungsfront angeschlossen und damit gegen Sinn unb Wort bes Abkommens verstoßen.
Die wahnwitzige Kriegshetze Englands unb Frankreichs, die babei immer roieber ben polnischen Vasallenstaat vorschickten, hat nun zu ben deutsch- italienischen Besprechungen in Salzburg unb Berch- tesgaben geführt. Die demokratische Presse entwickelte darauf mangels anderer Unterlagen bie tollsten und ausschweifendsten Phantasien. Seit Sonntag sind in dieser Geistesverwirrung immerhin zwei Richtungen wahrnehmbar, die beide natürlich gänzlich falsch und verlogen sind. Zunächst wurde U n - g a r n vor Deutschland „gewarnt" und ebenso wie die Balkanstaaten Bulgarien und Jugoslawien mit einem englischen „Garantieangevot" bedacht. Die Antwort aus Budapest, Sofia und Belgrad lautete geradezu vernichtend. Dann wurden allerlei Kombinationen aufgetischt, in Salzburg ober in Berchtesgaden sei man zu Kompromissen geneigt und erstrebe eine Konferenz über Danzig.
Demgegenüber können wir versichern, baß solche Konferenzpläne mir in der Phantasie ber Londoner und Pariser Skribenten bestehen, aber in Wirklichkeit einfach deshalb unmöglich sind, weil Deutschland und Italien eine Konferenz über Danzig unb ben Korridor gar nicht benötigen. Jetzt spricht allein bas unbezweifelbare deutsche Recht auf Danzig unb ben uns geraubten Korridor. Die deutsche Ehre erfordert, baß ben unhaltbaren Zustänben ein Ende gemacht werben muß. Und in Ehrenfragen gibt es für uns keinen Kuhhandel. Der jetzige absurde Zustand, daß über das deutsche Danzig und den geraubten Korridor andere Mächte mitzubestim- men hätten oder gar sich als Vormünder aufspielen.
l a n d" organisiert und die polnischen Militärbehörden bereits um dessen Bestätigung ersucht. Außerdem habe er innerhalb bes sog. Verbandes ber Haller-Soldaten (in diesem Verband sind die Angehörigen der im Weltkrieg von Haller aufgestellten Legion zusammengefaßt) die A u f st e l - lung von zwei Bürgerwehren unb einem Freikorps in Pommerellen in Angriff genommen. In seinem Aufruf heißt es großsprecherisch, heute droht uns nichts mehr vom Osten, sondern ber do m SB eft e n entfesselte „Teutonis - m u s", ber sich gegen unsere Freiheit und die Unabhängigkeit bes polnischen Volkes auf ewig pol» nischer Erde richtet. Aber wir sind bereit, bis zum vollständigen und „für immer entscheidenden Sieg" zu kämpfen.
Mlten warnt die Polen.
R. G. Rom, 16. August.
In Rom beachtet man vor allem die Haltung Polens und der hinter der Warschauer Regierung stehenden westlichen Demokratien. Obwohl bas Echo der polnischen Presse wenig ermutigend klingt, hegt man in Rom immer noch die Hoffnung, daß sich die Polen angesichts ber Entschlossenheit des deutsch- italienischen Blocks zu einer vernünftigen Lösung des Danziger Problems bereit finden werden. Das halbamtliche „ Giornale d' Italia " redet den Polen noch einmal eindringlich ins Gewissen. Mit schonungsloser Deutlichkeit legt das Blatt die Gründe dar, bie bie Warschauer Regierung trotz ber englisch-französischen Aufstachelungsbemühungen zu einer entgegenkommenderen Einstellung gegenüber Deutschland veranlassen sollten. Die Polen hätten anscheinend als einzige noch nicht die Warnung begriffen, bie in den Besprechungen Cianos mit dem Führer und Ribbentrop liege; denn sie setzten ihre Beleidigungen und Herausforderungen gegen Deutschland fort. Bon deutscher Seite seien weder die Unabhängigkeit noch die Wirtschaftsinteressen Polens bedroht, aber es sei undenkbar, baß ein Volk wie das deutsche die Provokattonen und Beteiligungen durch Polen weiterhin ertrage. Es gebe Rechtsansprüche, die ganz einfach befriedigt werden müßten. Zu diesen Rechtsansprüchen gehörten bie Ansprüche Deutschlands auf Danzig und die Italiens im Mittelmeer und in Afrika. „Dribuna" erklärt, ber Wiederaufbau Europas mache bie Lösung ber Danziger Frage unerläßlich. Da ber Fortschritt Europas nicht vor einer Sonberfrage Hott machen könne, sei nicht baran zu zweifeln, baß unwiderstehliche Kräfte bie Lösung bes Konflikts zwischen Deutschlanb unb Polen auf ber Grunblage ber Ehre und des Rechtes herbeiführen werben.


