Ausgabe 
17.7.1939
 
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England sucht den Polen den Rücken zu stärken.

Besuch General Zronsides in Warschau.

General Gamelin als Oberbefehlshaber der Einkreisungsmächte vorgesehen.

zu zerstören. Ein japanischer Protest bi| Moskau und llrga warnt vor weiteren Uebergriffen und kündigt andernfalls Gegenmaßnah­men an.

Oer Offiziersnachwuchs besucht die Schlachtfelder Ostpreußens.

Königsberg, 15. Juli. Es ist Tradition ge­worden, das der Offiziersnachwuchs des deutschen Heeres, der auf den Kriegsschulen Dresden, Hannover, München, Potsdam und Wiener-Neu­stadt seine Ausbildung erhält, alljährlich mit den ausbildenden Offizieren eine Schlachtfeldreise nach Ostpreußen unternimmt. An den verschie­denen Brennpunkten der Schlacht von Tannenberg erhalten die Kriegsschüler durch Vorträge ihrer Offi­ziere und von Offizieren, die an der Schlacht selbst teilgenommen haben, einen lebendigen Eindruck. Am 20. Juli wird auf dem Kriegsschulenappell im Reichsehrenmal Tannenberg der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst v. Brauchst sch, der seinen Erholungsurlaub für diesen Tag unterbricht, zu den Fähnrichen sprechen.

Kleine politische Nachrichten.

Der Führer hat an den Reichsorgamsations- leiter der NSDAP. Reichsleiter Dr. Ley folgendes Schreiben gerichtet:Ich berufe Sie hiermit in dos Ehrenpräsidium des Hauses der Deutschen Kun st." Diese Berufung erfolgt im Hinblick auf die großzügige Förderung, die Reichsorganisationsleiter Dr. Ley der weiteren Ausgestaltung des Hauses der Deut­schen K u n st zuteil werden ließ.

Generalfeldmarschall Göring hot auf seiner Fahrt durch den Mittellandkanal Rheine erreicht. Er wird sich vom Zustand des Dortmund-Ems- Kanols überzeugen und seine Fahrt dann in den westlichen Wasserstraßen fortsetzen. Auf den Bö­schungen des Kanals brachte die Bevölkerung dem Feldmarschall begeisterte Kundgebungen dar.

Der 17. Internationale Kongreß für Wohnungs­wesen und Städtebau hat in Stockholm seinen Ab­schluß gefunden. Der nächste Kongreß findet 1941 in Los Angeles statt.

In Belgrad traf eine Gruppe von 50 deut­schen Austauschschülcrn ein, die vier Wo­chen in jugoslawischen Familien leben und dann mit den Söhnen und Töchtern ihrer Gastgeber nach Deutschland zurückreisen werden, die dort ebenfalls vier Wochen in verschiedenen Familien untergebracht werden.

Großadmiral Sir Roger Back House, der bis zum Mai Erster SeelorV der britischen Admiralität gewesen war. ist in London . im 60. Lebensjahre gestorben.

Am Samstag ist der erste Schub der neuen britischen Miliz, 34 000 Mann, zur Ab­leistung des neuen Wehrdienstes eingezogen worden. Insgesamt sollen in regelmäßigen Abständen im ersten Jahre 200 000 Zwanzigjährige unter die Fahnen gerufen werden. Die Ausbildungszeit be­trägt sechs Monate.

In I st o n b u l ist eine französische Mili­tärmission unter Führung des Generals Hut-

London, 16. Juli. (DNB.)Sunday Chronicle" berichtet aus Paris, daß das britische und franzo- ische Kriegsministerium und die beiden Generalstäbe nach eingehenden Beratungen zu dem Entschluß ge­kommen seien, daß die britische und fran­zösische Armee im Kriegsfälle unter dem ge­meinsamen Kommando des Generals Gamelin als Oberkommandierendem stehen solle. Im Rahmen dieses gemeinsamen Oberkommandos würde der bri­tische General I r o n s i d e den Befehl über die britische Expeditionsormee erhalten. General Jronside, der Inspektor der britischen Ueberseestreitkräfte, wird Montag nach War- ch a u fliegen, um mit dem polnischen Generalstab Besprechungen aufzunehmen zur Herstellung einer möglichst umfassenden Zusammenarbeit zwi­schen der französischen, britischen und polnischen Luftwaffe, und zwar derart, daß in praktischer Hinsicht eine Einheit des Kommandos sichergestellt werden solle. Wie der PariserJntran- sigeant" mitteilt, habe den Oberbefehl über die pol­nische Arme in einem Kriegsfall ursprünglich Gene­ral Gamelin übernehmen sollen. Man sei aber hier­von obgekommen, da im Falle militärischer Verwick-

zinger eingetroffen, dem langjährigen Befehlshaber der französischen Levante-Armee in Syrien, Mit­glied des Obersten Kriegsrates. Die Mission wird in Ankara Besprechungen über die türkisch-franzö­sische militärische Zusammenarbeit im Sinne des Hilfeleistungsabkommens aufnehmen. Die gemein­same Sicherung Syriens und die Durchfahrt fran­zösischer Kriegsschiffe durch die türkischen Meerengen noch dem Schwarzen Meer stehen zur Diskussion.

Aus aller Wett.

Der jüngste Segelflieger Deutschlands.

Dieser Tage legte der elfjährige R o l f M i n k aus E sch w ege, Sohn des NSKK.-Sturmbannführers Mink, der selbst das von der Internationalen Stu­dienkommission für Segelflug verliehene silberne Lei­stungsabzeichen besitzt, auf dem Gelände der Segel­flugschule Harsberg seine 8 - P r ü f u n g ab. Der Elfjährige ist nicht nur der jüngste Segelflieger im Bereich der Gruppe 8 des NS.-Fliegerkorps, sondern auch der jüngste Segelflieger Deutschlands.

7Nit dem Kraftwagen in die Oder gefahren.

In der Nacht fuhr ein mit drei Männern besetzter Kraftwagen aus Pyritz in der Fahrstraße von Greifenhagen bei Stettin über das Bollwerk hinweg in d i e Oder. Zwei Insassen konnten sich aus dem Wasser retten. Das Unglück ist auf eine Straßenverwechslung zurückzuführen. Der Fahrer hatte geglaubt, in die Brückenstraße zu fah­ren, doch war er bei dem nebligen Wetter eine Straße vorher abgebogen und bemerkte seinen Irr­tum zu spät.

Auto mit Zug zusammengestoßen.

Beim Ucbergang der Diedelsheimer Reichsstraße zwischen Gondelsheim und Bretten in Baden stieß ein Personensonderzug von Griesheim bei Darm­stadt, der nach Stuttgart fuhr, mit einem Personen­auto zusammen, das vollständig zertrümmert wurde.

langendie Sicherheit her Verkehrsverbin­dungen mit Polen nicht gewährleistet fei und die Befehlsübermittlung sich zu schwierig gestalten würde." General Jronside habe deshalb den Auf­trag erhalten, in Warschau mit dem polnischen Ge­neralstabschef Rydz-Smigly einen genauen Plan für die militärische Zusammenarbeit auszu­arbeiten. General Jronside werde außerdem die wichtigsten polnischen Rüstungsfabriken und die Be­festigungen an der polnischen Westgrenze besichtigen. Der englische General werde dann am besten beur­teilen können, auf welche Weise Frankreich und England sich zur Verstärkung der polnischen Wehr­kraft einschalten könnten. Es sei bereits jetzt vor­gesehen, ein englisches Flugzeugmutter­schiff nachGdingenzu entsenden, dessen Flug­zeuge der' polnischen Armee zur Verfügung stehen würden. Englische Piloten würden die polnischen Flieger in der Handhabung der britischen Apparate ausbilden. Die beiden polnischen Flieger Oberst Barjan und Major Orlinski seien zur Vor­bereitung dieser Maßnahmen bereits seit vierzehn Tagen in London.

Die vier Insassen, zwei Männer und zwei Frauen, wurden dabei getötet. Der Kraftwagen, der auf der Reichsstraße neben dem Personenzug die Bahnstrecke entlang fuhr, beachtete nicht die S t o p st e l l e bei der Anfahrt am Wegüber­gang. Der Wärter, der die Schranke nicht geschlos­sen hatte, wurde in Haft genommen. Bei den In­sassen des Autos handelt es sich um junge Leute aus Neu-Isenburg.

Zwei Ausflüglerzüge bei Warschau zufanimeugestotzen.

20 Kilometer südlich von Warschau stießen Zwei mit heimkehrenden Ausflüglern überfüllte Vorort­züge infolge falscher Weichenstellung bei voller Fahrt zusammen. Wenige Minuten nach dem Zu­sammenstoß gerieten die Trümmer der Waggons i n Flammen'. A ch t lote, 50 Schwer- und über 200 Leichtverletzte sind bis jetzt festgestellt. Mehrere Eisenbahnbeamte der benachbarten Station sind ver­haftet worden.

Kohlenstaubexplosion in Kentucky.

Durch eine Kohlenstaubexplosion wurden in Providence im nordamerikanischen Staate Kentucky 31 'Bergarbeiter verschüttet. Trotz der sofort aufgenommenen Rettungsarbeiten konnten bisher nur drei Bergarbeiter lebend geborgen werden. Neunzehn Arbeiter konnten nur noch als Leichen geborgen werden. Heber das Schicksal der letzten neun Bergarbeiter ist man noch im unklaren.

Brand auf einem englischen Passagierdampfer.

Auf dem britischen DampferN a r c u n b a", der mit 150 Passagieren an Bord auf der Fahrt nach Colombo auf der Insel Ceylon ist, brach Feuer aus. Fünf Mitglieder der Besatzung wur­den getötet und 26 verletzt. Das Feuer ist auf eine geheimnisvolle Explosion zurückzuführen in einem Schott, das direkt hinter dem lag, in dem

ine Post für Ceylon gestapelt war. Die Polizei ist sich noch nicht schlüssig, ob ein Bombenattentat vor. gelegen hat.

Lin Todesurteil vollstreckt.

Am 15. Juli 1939 wurde der am 1. Januar 1913 in Solde geborene Fritz Osth 0 ff hingerichtet, der vom Sondergericht in Dortmund wegen Der. brechens gegen das Gesetz zur Gewährleistung des Rechtsfriedens und versuchten Mordes zum Tode verurteilt worden war. Osthoff, ein vielfach oorbe« ftrafter und gefährlicher Berufs- und Gewohnheits. Verbrecher, der durch feine Raubzüge zum Schrecken der Bevölkerung des Münsterlandes geworden war, hat am 13. Mai 1939 in Drensteinfurt einen Gendarmeriebeamten, der ihn festnehmen wollte, niedergeschossen. Der Beamte hat schwere Verletzungen erlitten, die aber glücklicher­weise nicht zu seinem Tode führten.

Mazedonisches Tabaklager niedergebrannl.

In der mazedonischen Stadt K a w a l l a wurde das Tabaklager einer amerikanischen Zigaretten- fabrif durch ein Großfeuer zerstört. Der Schaden beträgt 55 Millionen Drachmen (etwa 1,25 Mll- lionen Reichsmark).

Bergsteiger-Unglück auf dem Groh Glöckner.

Auf dem Groß-Glockner stürzten die Innsbrucker Bergsteiger Erich Fuchs und Konrad Franz bei einer Klettertour in der Pallavicini- Rinne über 500 Meter in die Tiefe und blieben auf einer schwer zugänglichen Stelle tot liegen. Die Bergungsmannschaft mußte ihre Arbeit wegen starker Schneestürme vorübergehend aufgeben. Die Bergungsmaßnahmen wurden jedoch am anderen Morgen fortgesetzt.

Wetterbericht

Die allgemeine Zunahme der Wirbeltätigkeit über Europa ist mit der Zufuhr kühlerer Meeresluft­massen verbunden und wird zu wechselhaftem Wetter mit Schauertätigkeit führen. Die lebhafte westliche Luftzufuhr wird zunächst erhalten bleiben und keine Beständigkeit aufkommen lassen.

Vorhersage für Dienstag: Vielfach stärker bewölkt mit einzelnen Schauerniederschlägen, Temperaturen um 20 Grad.

VorherfagefürMittwoch:Bei westlicher Luftzufuhr unbeständig.

Lufttemperaturen am 16. Juli: mittags 20,5 Grad Celsius, abends 15,8 Grad -, am 17. Juli: morgens 15 Grad. Maximum 20,6 Grad, Minimum heute nacht 13,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 16. Juli: abends 21,2 Grad; am 17. Juli: mor- gens 17,6 Grad. Niederschläge 0,4 mm. Son- nenscheindauer 4 Stunden

Hauptschriftleiter vr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und die Bilder: vr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Or. Hans Thyriot (beurlaubt), i. V.: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. 2). 21. VI. 1939: über 9000. Druck und Verlag: Brühlsche Hnioersitätsdruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs- preis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufs- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illu­strierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.

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