Ausgabe 
17.6.1939
 
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Der Gesundheilsappell der deulschen Tugend.

Fischsilber zu gewinnen. Mähend die entschuppten Fische in den Fischmehlfabriken zu Düngemehl ver­arbeitet werden, werden die Schuppen getrocknet In einem chemischen Verfahren wird den Schuppen das Silber entzogen und dieses dann mit allen mög­lichen Flüssigkeiten gemischt. In einem langen Ver­fahren ist die gläserne Kornblume entstanden. Die Kornblumen, die mit dem Fischsilber überzogen werden sollen, wandern in die Spritzerei der Fa­brik, wo sie in einem mehrmaligen Spritzverfahren allmählich mit dem Fischsilber, das stark und scharf riecht, und mit dem Kremserweiß gespritzt werden. Ist das geschehen, dann ist die Kornblume -mit dem Silberglanz der Ukelei fertig.

Naiionalpoliiische Erziehungsanstatten.

Gegenwärtig finden in Naumbura a. d. Saale die Sommersonnwend-Kampfspiele der Na- tionalpolitischen Erziehungsanstalten für 1939 statt, an denen 500 Jungmannen und ihre Erzieher teil­nehmen. Diese Veranstaltung gibt Veranlassung zu einem Ueberblick über den gegenwärtigen Stand der Nationalpolitischen Erziehungsanstalten. Ihr Schirm­herr ist Reichsminister R u st, der Inspekteur der Nationalpolitischen Erziehungsanstalten ist ^-Ober­gruppenführer Heißmeyer. Dieser hat vor kur­zem über die Geschichte der Anstalten folgendes aus­gesagt:

Die Gründung der ersten drei Institute in P 0 ts- d am, Köslin und Plön erfolgte durch Reichs­minister Rust am Geburtstag des Führers 1933. Diese drei Anstalten waren früher preußische Ka­dettenhäuser, später staatliche Erziehungsanstalten. In den folgenden Jahren wurden weitere Anstalten errichtet, und zwar in Preußen: in Wahlstatt in

Schlesien, in Naumburg a. d. S., in Berlin-Span­dau, in Oranienstein a. d. Lahn, in Densberg bei Köln, in Ilfeld im Hirz, in Stuhm (Westpr.) und m Neuzelle bei ben. W a h l st a t t mußte wegen ungeeigneter bauricher Verhältnisse wieder auf­gelöst werden. Naumburg, Oranienstein und Densberg waren früher Kadettenanstalten. S ch u l p f o r t a kann sich an Alter und Ehrwürdig­keit mit den ältesten englischen Anstalten messen Ilfeld war eine alle Klosterschule, Stuhm, das sein Gesicht nach Osten wendet, entstand aus frühe­ren Kasernenbauten. Hier wirkt der Olympiasieger S t ö ck als Lehrer. Die S p a n d a u e r Anstalt ging aus dem Lichterfelder Kadettenhaus hervor und ist in der ehemaligen Hochschule für Leibesübungen untergebracht. , , .

In Sachsen ist eine Anstalt in Klatsche bei Dresden, Württemberg hat Anstalten in Back­nang und in Rottweil und Anhalt in B al­le nstedt und Köthen. Vier frühere öster­reichische Staatserziehungsanstalten werden .ebenfalls zu Nationalpolitischen Erziehungsanstalten umgewandelt, darunter eine solche für Mädchen. Im Sudetenland wird auf Schloß P l o s ch k o - witz bei Leitmeritz eine Nationalpolitische Erzie­hungsanstalt neu eingerichtet. Neugründungen sind geplant in Hirschberg in Schlesien, in Trier und für den B ü ck e b e r g bei Hameln, in Erwä­gung gezogen sind Neubauten für Salzburg und Kärnten. Bei der Auswahl der Jungen spielt das Geld und der Stand der Eltern keine Rolle.

Der Stand ihres Wissens ist nicht entscheidend, sondern ihr geistiger, körperlicher und charakterlicher Gesamtzustand. Zur Zeit werden etwa 400 Jung­männer jährlich entlassen, ein großer Teil von ihnen sucht die Offizierslaufbahn in der Wehrmacht. Un­terhaltsträger der Anstalten sind die einzelnen deut­schen Staaten, bei den österreichischen und sudeten­deutschen Anstalten in Zukunft das Reich.

In den letzten Wochen wurde in allen Gebieten der große Gesundheitsappell der Hitler-Jugend durchgeführt. Die Durchführung ist in diesem W)re aus organisatorischen Gründen noch örtlich verschie­den, sowohl nach Zeit und Ort der Veranstaltung, der Appell soll aber in Zukunft nach Möglichkeit alljährlich in einem bestimmten Monat einheitlich abgehalten werden. Mit Turnhose oder Turnhemd bekleidet treten die Jugendlichen zu dieser großen ärztlichen Musterung an, für die der Hitler-Jugend neben den HJ.-Aerzten alle Aerzte des Hauptamtes für Volksgesundheit zur Verfügung stehen. Natür­lich kann es sich hier nicht um eine gründliche Un­tersuchung handeln, denn dann würde der Gesund­heitsappell über fünf Millionen Arztstunden er­fordern. Sie ist auch nicht allgemein nötig, da die deutsche Jugend überwiegend gesund ist.

Nur diejenigen werden zur Nachuntersuchung aus­gesiebt, die Beschwerden beim Dienst haben, die ernstere Krankheiten überstanden haben oder die sonst dem geschulten Blick des Arztes als besonders anfällig erscheinen. Neben dem Führer der Einheit, der jeden einzelnen kennt, steht hierbei dem Arzt die Elternschaft zur Seite. Dank dieser lebendigen Zusammenarbeit zwischen Arzt, Jugendführer und Elternhaus ist ein genaues Bild vom Leistungszustand der Ju­gendlichen möglich. In den zur Nachunter­suchung bestimmten Fällen erfolgt eine Unter­suchung mit allen fachärztlichen Methoden, und alle notwendigen Fälle werden Heilmaßnahmen zuge- sührt, wie ärztlicher -Behandlung, Heilverschickung usw. Der Arzt teilt schriftlich den Eltern den Be­fund der Untersuchung und die notwendigen Maß­nahmen zur weiteren Veranlassung mit. Die Durch­führung wird sorgfältig kontrolliert und zu diesem

Zweck eine -besondere Nachuntersuchungs« kartei geführt. Soweit andere Kostenträger nicht in Frage kommen, wird die Beseitigung der Schä­den durch öffentliche Fürsorgemaßnahmen oder tue NSV. sichergestellt. Mit dem Gesundheitsappell ist in diesem Jahre erstmalig ein Zahngesund­heitsappell verbunden, um die Gebißschäden sestzustellen und entsprechende Behandlung zu ver­anlassen.

Das Ziel dieser in Deutschland einzigartigen Ge­sundheitsfürsorge ist eine gesunde deutsche Jugend. Daß die deutsche Jugend im wesentlichen gesund ist, hat bereits der Gesundheitsappell des vorigen Jah­res gezeigt. Es wurde dabei, wie Bannführer Dr. med. Kitzing, der stellvertretende Chef des Amtes für Gesundhettssührung der Reichsjugendführung, erklärte, im wesentlichen nur die allgemeinen Zioi- lisationsschäden festgestellt, wie sie bei anderen Völ­kern noch viel stärker auftreten, Zahnschäden, Hal­tungsfehler, Fußschäden usw. Nur neun bis zehn v. H. aller vom Gesundheitsappell erfaßten Jugend­lichen wurden nachuntersucht oder für gesundheits­führende Maßnahmen vorgesehen, was aber nicht bedeutet, daß bei allen Nachuntersuchten nun auch wirklich Heilmaßnahmen notwendig waren. Das Er­gebnis des diesjährigen Gesundheitsappells, das erst nach Monaten zu übersehen ist, wird dank der fort­schreitenden Gesundheitserziehung der Jugend viel­leicht noch günstiger sein, und einen weiteren Fort­schritt erhofft das Amt für Gesundheitsführyng von dem in der Jugend begonnenen Kampf gegen die Genußgi'fte Alkohol und Nikotin, von der Förderung der Leibesübungen und der Durchführung einer vollwertigen Er näh- rung.

K

irtschastsprobleme -es Ruhrgebiets.

Neue Industrien für Frauenarbeit.-Bevölkerungsaufbau und Gteuerleistung.

Von unserem B. G.-Miiarbeiier.

Essen, im Juni 1939.

Zunächst eine auf den ersten Blick merkwürdig anmutende Zahlenangabe: Während im Reichs­durchschnitt auf je 100 Einwohner 49,5 erwerbs­tätige Personen entfallen, sind es im Bezirk des Landesarbeitsamtes Westfalen nur 45, in Städten wie Herne, Castrop-Rauxel oder Wanne-Eickel, also an den einseitig auf den Bergbau und die Groß­eisenindustrie eingestellten Plätzen sogar'nur 37,7 bzw. 36,8 bzw. 36,4. Wird also imRevier" weniger gearbeitet als in anderen Gegenden Deutschlands? Oder sind hier besonders viele Rent­ner, Invaliden oder noch nicht erwerbsfähige Kinder vorhanden, die von ihren verdienenden Familien­mitgliedern unterhalten werden müssen? In ge­wissem Umfange trifft dies in der Tat zu. Aber bei näherer Bettachtung der Sachlage ergeben sich Ursachen, Zusammenhänge und Schlußfolgerungen, die nicht nur für das Ruhrgebiet selbst, das doch geradezu als eine Verkörperung des Begriffs, der Arbeit (und sogar der Schwerarbeit!) gilt, sondern für Has Verhältnis von Bevölkerungsauf- bou und Arbeitsleistung im ganzen Reich sehr aufschlußreich sind.

Die Frage nach dem Kinderreichtum bringt bereits eine erste, wenn auch noch unzulängliche Erklärung für den relativ geringen Anteil der Er­werbstätigen an der Gesamtbeoölkerung im Revier. Nach den Ergebnissen der Volkszählung von 1933 hatte jede Familie im Ruhrgebiet eine durchschnitt­liche Größe von 3,61 Personen, in den übrigen Groß- und'Mittelstädten dagegen nur 3,23. Berlins Familien waren damals im Durchschnitt sogar nur 2,88 Personen groß. Es kommt hinzu, daß die Berg­leute aus ihrem anstrengenden Beruf früh­zeitiger ausscheiden, als dies in anderen Berufszweigen der Fall ist, so daß beim Bergbau das Verhältnis der in Arbeit Stehenden zu den Pensionären und Invaliden besonders ungünstig ist. Aus den Berichten der Ruhrknappschaft, die die aus-

geschiedenen Bergleute zu versorgen hat, ergab sich, daß auf zwei in Arbeit Stehende fast genau ein Versorgungsberechttgter kommt. Aber auch diese Er- ttärung genügt noch nicht.

Des Rätsels Lösung ist vielmehr der geringe Anteil der Frauenarbeit. Von 100 weib­lichen Einwohnern waren nämlich zur Zeit der am 25. Juni 1938 durchgeführten Arbeitsbuch­erhebung in der Provinz Westfalen nur 16,8 und im Gau Essen 17,8 berufstätig. Besonders deutlich wird das Bild, wenn man typische Schwerindüstrie- städte solchen gegenüberstellt, in denen beispielsweise die Textilindustrie vorherrschend ist. So kamen auf 100 weibliche Einwohner in einer Stadt wie Herne nur 9,6 berufstätige Frauen, in Krefeld, der Seidenstadt, dagegen 25,1 oder in Bielefeld mit seiner bekannten Textilfabrikatton sogar 36,5! Man mußte ganz neue Wege suchen, um die im Industrie­gebiet in recht beträchtlichem Maße vorhandenen Reserven an weiblichen Arbeitskräften zu mobili­sieren. Das geschieht dadurch, daß man Betriebe anderer Industriezweige hier ansiedelte, um den im Industriegebiet doch gewiß nicht weniger arbeits­bereiten Frauen und Mädchen Beschäftigungsmög­lichkeiten zu bieten.

Vor kurzem konnten die ersten Betriebe dieser Art mit Hilfe von Stadtverwaltungen, die Grund und Boden oder leerstehende Fabrikräume zur Ver­fügung stellten, um mit Hilfe der Arbeitsämter, die sich um die Beschaffung der erforderlichen weiblichen Arbeitskräfte bemühten, in Gang gebracht werden. So siedelte sich beispielsweise in Reckling­hausen unter der Leitung eines erfahrenen Fach­mannes ein Fabrikattonsunternehmen größeren Ausmaßes an, das Herrenwäsche, Schürzen und Berufskleidung herstellt. Aber nicht nur Betriebe der Textilindustrie, auch solche der Schwach- st r o m i n d u st r i e, die weitgehend auf Maschinen­fertigung eingestellt ist, Betriebe der Papier- verarbeitung und Leder verarbeitende

Unternehmungen sind solche, die in starkem Maße weibliche Gefolgschaftsmitglieder beschäftigen können und die daher für eine Ansiedlung im Ruhrgebiet in Betracht kommen.

Die Städte erhoffen sich von dieser,,natürlich nur ganz allmählich fortschreitenden Entwicklung noch einen anderen Erfolg. Die Steuererträge stehen im großindustriellen Bezirk Hes Ruhrgebiets vielfach im umgekehrten Verhältnis zu den Anfor­derungen, die an die Städte z. B. im Schulwesen gestellt werden. Bekanntlich bezahlen gewerbliche Unternehmungen, die städtischen Steuern nicht dort, wo sich der Betrieb, sondern dort, wo sich die Ver­waltung befindet. Dieser Umstand war es ja auch, der in der Systemzeit zu den bekannten Kämpfen einzelner Stadtverwaltungen untereinander führte, die einander den Sitz dieses, ober jenes Konzerns streitig machten. Auch das Einkommen je Kopf der Bevölkerung wird natürlich in einer überwiegend von Arbeiterbevölkerung besie­delten Gegend sehr viel geringer fein als in einer Stadt mit zahlreichen Klein- und Mittelbettieben gewerblicher Unternehmer. Das Einkommen je Ein­wohner beträgt im Ruhrgebiet 475 RM. gegenüber fast 700 RM. in den übrigen deutschen Groß- und Mittelstädten und 874 RM. in Berlin. Im Ruhr­gebiet gibt es nur 195 Steuerzahler je 1000 Ein­wohner, in Berlin dagegen 313. Auch diese Gegen­sätze würden sich etwas ausgleichen lassen, wenn es gelingt, im Ruhrgebiet mehr und mehr Betriebe mittel st änd le rischen Charakters anzu­siedeln.

Es wird abzuwarten sein, welche Erfolge diese Bemühungen haben werden. Daß mit sofortigen, großen Ueberraschungen keineswegs zu rechnen ist, braucht wohl kaum gesagt zu werden. Einmal weisen nämlich solche Städte, die wie Bielefeld oder Krefeld oder Aachen seit langem stark nach der Texttl- industrie orientiert sind, einen ganz erheblichen Frauenüberschuß auf (so hat beispielsweise Krefeld 11 000 Frauen mehr als Männer), während in einigen Städten des Reviers Frauenmangel besteht. Daraus geht hervor, daß Frauen und Mäd­chen sich ihren Arbeitsplatz auch bisher schon zu suchen pflegten, auch wenn sie sich dabei von Heimat und Familie ttennen muhten. Ferner lassen sich

die Gewohnheiten der Bevölkerung nicht von heute auf morgen ändern. Auch die Verkehrsmög» lichkeiten spielen eine Rolle, denn eine ver­heiratete Frau, die ihren Haushalt zu versorgen hat, kann nicht neben der eigentlichen Arbeitszeit noch mehrere Stunden auf der Eisenbahn oder Straßenbahn verbringen. Für die Kleinkinder müs­sen Unterkünfte geschaffen werden. Für die Männer, die durchweg in Wechselschicht arbeiten und einmal zu dieser, einmal zu jener Tages- oder Nachtzeit versorgt werden müssen, würden sich ebenfalls ganz andere Notwendigkeiten ergeben als etwa für Büro­angestellte, die regelmäßig um eine bestimmte Zeit kommen und gehen. Kurz, die Dinge liegen nicht ganz so einfach. Immerhin ist das, was sich augen­blicklich im Ruhrgebiet anzubahnen scheint, ein neuer, interessanter und aussichtsreicher Weg, um möglichst viele noch nicht voll ausgewertete Arbeits­kräfte für die gesamtdeutsche Erzeugung zu ge­winnen.

Menschenökonomie

in Wirtschaft und Verwaltung.

Düsseldorf, 16. Juni (DNB.) Reichsfinanz­minister Graf Schwerin von Krosigk er­öffnete in Düsseldorf den Neubau des Oberfinanz­präsidiums. Der Minister betonte, daß eine wirt­schaftliche Arbeit nur möglich sei, wenn eine räum­liche Zusammenfassung erfolge. Dieser diene der neue Bau. Die Frage einer wirklichen Men­schenökonomie in Wirtschaft und Verwaltung sei bei der heute immer stärker werdenden Men­schenknappheit eine sehr wichtige. Man höre ost, man solle die Menschen dort abbauen, wo sie nicht genügend zu tun hätten. Dieses Gerede sei aber falsch, denn heute gebe es kaum noch solche Leute. Die Aufgabe heiße nicht, einfach Menschen weg- nehmen, sondern den überlasteten Menschen und Stellen die Aufgaben zu vereinfachen und abzunehmen. Dieser Satz gelte auch für die Steuerverwaltung. Schließlich unterstrich der Minister, daß bei allem Tun des Steuerbeamten unbedingte Gerechtigkeit und wirtschaft­liches Verständnis wichtige Erfordernisse seien.

Geschichten ans aller Welt

Ndz. Neuyork.

Es ist kein Wunder, daß in dem großen Neuyork die Ansichten auch über Erziehungsfragen weit aus- einandergehen. Hier ist in Gestatt einer kleinen Tragikomödie wieder einmal ein Beispiel dafür, daß derSchmelzttegel" nicht so ohne weiteres die nationalen Temperamente in ein USA.-Einheits- temperament umzuformen vermag. Auf dem Kampf­platz, einer Neuyorker Straße, platzten ein natura­lisierter Franzose, Hubert, und ein zufällig in Zivil befindlicher Polizeibeamter irländischer Herkunft, na­mens John, aufeinander. Den Anlaß hatte Joachim

war, daß der Junge am nächsten Tag den Schul­weg antrat mit einem Plakat auf Brust und Rücken, auf dem zu lesen stand:Ich bin ein Dieb, ich habe Mutters Geld gestohlen!" Der Junge war noch nicht weit gekommen, als der Schutzmann Johnes ihn be­merkte. Er hatte wieder ganz andere Auffassungen über Kindererziehung, und er empfand die Tafeln als unwürdig und riß sie dem Jungen herunter. Vater Hubert jedoch, der seinen Sprößling begleitet hatte, um die Bestrafung zu überwachen, ging ohne wei­teres mit feinen Fäusten auf den fremden Zivilisten los, und ehe auch nur wenige Minuten vergangen waren, hatte Schutzmann Jones drei Zähne auf dem Kampfplatz gelassen. Das ganze endete vor dem Polizeirichter, vor dem indessen alles ein verhältnis­mäßig gutes Ende nahm. Der Polizeibeamte bat selbst um Milde für Vater Joachim, der ihn in Zivil ja nicht als Polizeimann erkannt hatte: Vater Joachim wiederum versprach, die häßlichen Plakate zu zerstören, und Joachim jr. gelobte feierlich, in Zukunft ein anständiger Junge zu fein. Da blieb dem Richter nichts anderes übrig, als den hitzigen Hubert mit Bewährungsfrist heimzuschicken.

Das Lhr als Hochzeitsgeschenk.

Ndz. Stockholm.

Im Serafinerlazarett in Stockholm hat der Chirurg Dr. Allan Ragnell einen jun an Mann, der seit seiner Geburt nur eine Ohrmusä el hat, die zweite Ohrmuschel angesetzt. Ragnell -at bereits einmal eine solche Ohren-Uebertragung mit Erfolg durchgeführt. Unter Hinweis auf diese Fall fyatte nun eine ältere Frau den Arzt geb etc , ihre eigene Ohrmuschel abzuschneiden und dami: den Schön­heitsfehler ihres Sohnes auszugleich n. Der Sohn steht nämlich vor der Heirat, und die Mutter wollte ihm ihr Ohr als Hochzeitsgeschenk opfern.

Der Spatz als Verkehrshindernis.

C.K. Kopenhagen.

Auf den Spuren einer untergegangenen Tierwelt.

AS. Adelaide.

In die Simpson-Wüste ist kürzlich unter Leitung von Dr. Cecil Madigan eine wissenschaftliche Expeditton aufgebrochen. In diesem aus 400 Kilo­meter wasserlosen Wüstengebiet, das in Südaustta- lien liegt, kam im Jahre 1848 der deutsche Natur­forscher Ludwig Leich Hardt um, der die erste Durchquerung des australischen Erdteils versucht hatte. Im vergangenen August wurden in einem Teil der Simpson-Wüste die Skelette von acht Män­nern gefunden, wahrscheinlich die Ueberrefte der Leichhardt-Expedition, nach der alle Nachforschungen jahrzehntelang vergeblich gebfieben waren. Dr. Ma­digans Forschungsreise dient wissenschaftlichen Un­tersuchungen darüber, ob sich die Wüste zurückzieht oder ausdehnt. Ferner soll nach Spuren einer un­tergegangenen Tierwelt geforscht werden, nament­lich nach dem Dipttodoton, dem Riesenkänguruh, und einer wahrscheinlich ehemals in Australien be­heimateten Krokodilart. Die Forschungsgesellschaft besteht aus einem Geologen, einem Biologen, einem Botaniker, einem Bodenspezialisten, einem Funker und einem Fotografen. Um die wasserlose Wüste zu durchqueren, wird sich die Expeditton der Hilfe von siebzehn Kamelen bedienen.

Gegen übertriebenen Aufwand bei Hochzeiten.

B. Istanbul.

Der türkische Innenminister hat die Provinzbe­

hörden angewiesen, einGesetz über überflüssige Ausgaben bei Hochzeiten" streng durchzuführen. Die Bestimmungen lauten im einzelnen: 1. Es sollen feine Hochzeitsfestlichkeiten mehr stattfinden. 2. Es sollen nicht mehr als fünf Wagen der Brautkutsche folgen. 3. Es soll keine Verlobungsfeier im Hause der Braut stattfinden. 4. Mitgiften und Hochzeits­geschenke sind verboten. 5. Die Hochzeitsfeiern dür- ... , ..____

fen nur einen Tag dauern. 6. Alle, die sich diesem Hubert jr. gegeben. Der Junge hatte feiner Mutter Gesetz nicht unterwerfen, sollen bestraft werden. In einen kleinen Geldbettag entwendet. Sein Vater, den letzten Tagen wurden in Istanbul drei Hoch- der darüber sehr aufgebracht war, v ' '' zeitsfestessen kurzerhand von der Polizei beendet, seinen Erziehungsprinzipien zu strafen.

Die strengen Gesetz- gegen die Hochzeitsfeiem schie­nen notwendig, weil bei diesen ein immer größerer Aufwand getrieben wurde. In manchen Fällen ahen sich Eltern gezwungen, fast ihren ganzen Be­ zu verpfänden und sogar zu Geldleihern Zu­lucht zu nehmen, um die Hochzeit in einer Weise auszurüsten, die zwar nicht mit ihrem Lebens­standard üb er einstimmte, in letzter Zeit jedoch all­gemein üblich wurde. Die Hochzeitsfeier war so kostspielig geworden, daß in vielen Familien die Pflicht, eine Hochzeit ausrüsten zu müssen, als ein Unglück angesehen wurde, das kaum weniger ernst als eine Feuersbrunst oder ein Erdbeben war.

Giraffenjagd auf hoher See.

A. S. Kapstadt.

Eine aufregende Giraffenjagd fand an Bord eines englischen Frachtdampfers zwischen Kapstadt und Neuyork statt. Das Schiff brachte einen größeren Tiertransport nach USA. und geriet dabei in einen schweren Sturm. Während des Unwetters brachen die Giraffen aus ihren Käfigen aus und rannten erschreckt auf dem Deck des Schiffes umher. Die Mannschaft war stundenlang bemüht, die Tiere wie­der einzufangen, doch gelang ihr dies erst, nachdem sich das Unwetter gelegt hatte. Allerdings wurden nur zwei Tiere lebend gefangen, während das dritte bei der Jagdan einem Nervenschock" einging.

Schutzmann John mußte drei Zähne lassen.

wurden auf feine Not aufmerksam und riefen zu­nächst den Tierschutz an, aber da dessen Leute keine genügend lange Leiter hatten, um bis zu dem Vogel hinaufzukommen, mußte eine Abteilung Feuerwehr alarmiert werden, die ihre Leiter so hoch schrauben konnte, so daß ein Feuerwehrmann den gefangenen Spatz befreien und fliegen lassen konnte, worauf der Verkehr wieder ausgenommen wurde.

Abenteuer eines Ehepaares int Urwald.

C. K. Melbourne.

Eine abenteuerliche Reise, die beinahe übel ge­endet hätte, hatte ein englisches Ehepaar zu über­stehen, das von So er ab a ja auf der Insel Java auf einem Zweimastkutter mit Hilfsmotor nach Port Darwin in Australien segeln wollte. Drei Tage lang befand sich das leichte Fahrzeug in der Gewalt eines furchtbaren Zyklons, so daß die Segler von ihrem Kurs abgetrieben wurden. Da ihnen das Ben­zin ausging, kamen die beiden nur wie durch ein Wunder bis zu der oben Westküste Australiens, wo sie an Land gingen. Fünf Tage lang irrten die bei­den Schiffbrüchigen in einem dichten Urwald, viele Kilometer von dem nächsten Wohnort entfernt, um­her. Der geringe Wasseroorrat, den sie aus ihrem Schiffbruch noch gerettet hatten, war bald erschöpft. Daß sie überhaupt gerettet wurden, verdanken sie nur dem Umstande, oaß ein eingeborener Bote zu­fällig das verlassene Boot an der Küste entdeckte.

Auf dem Deck bemerkte der Austtalier eine Kreide­inschrift, die besagte:Wir sind ohne Lebensmittel, helft uns." Der Eingeborene konnte zwar nicht lesen und schreiben, aber er war intelligent, und er malte geduldig mit einem Bleistift die aeheimnisvollen Zeichen auf der Rückseite eines Umschlags ab. Auf diese Weise erhielten die Behörden von Broome, dem nächsten Ort, die aufregende Botschaft, und sie sandten sofort eine Polizeistreife ab, die bei einer Nachprüfung an Bord des Bootes eine Angabe der Richtung fand, die die Schiffbrüchigen eingeschlagen hatten. Als man weiter suchte, fand man zunächst die Frau, die auf dem Marsch aus Erschöpfung ohnmächtig zusammengebrochen war. Der Mann hatte sich, um Hilfe zu holen, in das Innere ge­wandt, und als er auf eine Telegraphenlinie stieß, hatte er die Leitung durchschnitten, um die nächste Station aufmerksam zu machen. Auch er konnte am nächsten Tage auf gefunden und in Sicherheit ge­bracht werden.

In Kopenhagen hat ein einzelner Sperling den Verkehr im Mittelpunkt der Stadt aufgehalten, eine gute halbe Stunde lang Leute vom Tierschutz mobilisiert, eine ganze Abteilung Feuerwehr be­schäftigt und Hunderte von Personen ausgehälten, ganz abgesehen von dem unfreiwilligen Halten der Kraftwagen und der Straßenbahn. Der Sperling ouici, batte sich in eine Schnur verwickelt, die zwischen gedachte ihn nach den Zweigen eines hohen Baumes gespannt war, strafen. Die Folge | und konnte nicht wieder freifommen; einige Bürger