Ausgabe 
17.6.1939
 
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Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen.

Wanderfahrten

Reste einer stauflichen Kaiserpfalz

Kapelle,

Die

der der

Die hohe Gisel.

Von Or. Karl Neurath.

Lstpreutzen-Reisen unbehindert.

Bei allen Reiseauskunftsstellen zeigt sich erfreulich reges Interesse für Reisen nach Ostpreußen. Es wer­den jedoch hin und wieder Besorgnisse geäußert, ob die Durchfahrt durch den Korridor durch die poli­tische Lage nicht irgendwie erschwert oder gefährdet sei. Demgegenüber ist festzustellen, daß Klagen über unfreundliche Behandlung von reichsdeutschen Rei­senden durch polnische Grenz- oder Zollbeamte nicht vorliegen. Es soll sich daher niemand von dem Be­suche Ostpreußens, dieses herrlichen deutschen Lan­des, abhalten lassen. _____________________________

Privat-Sommerfrische in sckwn.Lage d.Vogels- bergs, Höhenlage 460 Mtr., eig.Landwirtschaft, gut einger. Fremdenz.m.fl.Wass.,el.Licht u Bad, 8 Min. vom Hause eig. Badestelle mit Liegeplatz am großen See, gute Verpfleg, bei 4 Mahlz., 3.50 und 4.- Mk. Friedrich Jöckel, Nieder-Moos. Bildvrosp.aufWunsch.

Grtinberg. Die Sommerfrische an Wald und Wasser, malerisch am Fuße des Vogelsberges gelegen. Herrliche Spaziergänge in den Tälern, in prächtigen Tannen- und Laubwäldern, Ausflüge nach dem hohen Vogelsberg. Eisenbahnknotenpunkt. Gute Gaststätten. Großes Waldschwimmbad. Prospekt durch die Stadtverwaltung.

Den auch nicht weit entfernten und unberühr­teren Ammersee in Ehren aber seinen See schlechthin muß der Münchener den Starn­berger nennen, der ihm noch eigentlicher vor den Toren seiner Stadt zu liegen scheint.

Ein leichtes Auto, ein Zweisitzer, trägt mich aus der Stadt heraus. Auf der Forstenriederstraße geht es über fahrtglatte Bahn zwischen den zurücktreten­den Rändern des Forstes, und schon hebt uns das Gelände über die Seeniederung. Wir sinken nicht zu ihr hinab, wir bleiben oben. Der Bismarckturm, kurz seitab vom Wege und dem Wagen erreichbar, ist der erste Aufenthalt. Wie die Halle oder der Söller einer Burg nehmen die offenen Steinbögen seines Umgangs die Landschaft in sich auf, parkartig kommt der Wald bis heran, weitere Wälder und Wiesen fließen mit dem duftigen Zug der fernen Berge ineinander, der See fließt wie ein Fjord hinein, und Land und Wasser sind von Sommer­wolken überbaut. Zwischen Gärten und durch Wiesen geht es nach Ammerland hinunter. Schloß Ämm erlaub stößt. zweitürmig und park- umbauscht vom Ufer ab: das Pocci-Schloßchen.

So habe ich nun den See erreicht, der bisher nur aus der Tiefe winkte, und ich bleibe ihm in einer Uferwanderung für den Rest des Tages treu. Die Straße von hier über Ambach kann auch der Wanderer noch lieben, sie blieb verkehrsarm, schmal und ländlich, nur vereinzelte, meist ältere Landsitze liegen an ihr. Diese Straße mit ihren Wiesen und Anwesen ist noch sichtlich aus dem Walde herausgehauen, in einem Streifen blieb er längs des Strandes stehen, meist ist es nur ein Schleiersaum, aus Weiden gestickt, oder eine Birken­reihe, hinter denen das Wasser anbrandend mitgeht, von den fernen Bergen übertanzt. Und wenn diese Promenade schließlich in die breitere Wagenbahn übergeht, die von den Münsinger Moränen herab­kommt und die wir auf ihrer ersten Strecke ja auch gern mit dem Auto befuhren, dann rettet uns ein Fußpfad vor ihr in breiter werdendem Gehölz­rand, in echten Uferbusch und Auenwald.

Wo am Ende der dichte Wald auf der einen Seite zur Bucht, auf der anderen zum Dorfrand und wirtshäuslichen Hain sich lichtet, schläft in sei­nem Kirchlein St. Heinrich der Klausner. Hier kann man, hinausrudernd, den Tag ausklingen lassen. Kaum stößt du. in die ruhige Abendfläche hinaus, und alles Menschenwerk versinkt, der See ist wieder, was er vor und seit Jahrtausenden war: ein Schöpfungsdreiklang von Flut, Urwald und Alpen- gebirg. Du scheinst selbst der heilige Waldbruder zu sein, der den ersten Rodungsstreich in die Wild­nis legte, denn der Wald biegt noch immer seinen ungeheuren geschlossenen Ring um den weiten lebenden, atmend gedehnten Spiegel. Er und das Wasser wären allein, wenn südwärts über den Wald nicht fast schreckhaft die Wucht der himmeltragenden Mauer aufspränge, vom Land her die Bogenzinnen der Benediktenwand und Nachbarwände, weiter die langgezogenen Joche vom Herzogstand und Heimgarten, der Ammergau er Berge bis wieder landein zur auszipfelnden Vor­warte des Preißenbergs, und dahinter die weißen

Oder der Tag mag noch weiter, am letzten Ende des Sees, sein Ende finden. Seeshaupt, unser Ziel, überragt die ganze Länge des Sees, und doch lockt unwiderstehlich noch ein Blick hinter das Ziel, ein Blick aus die nahen Osterseen, diese verlanden­den Abschnitzel des großen Wassers, die aus Wald und Filz herüber nah an den Ort unö seine Wiesen und eFlder dringen. Und gehen wir auch nur bis zu dem Hügelsaum des Seeshaupter Rückens, der sich über jener Niederung geheimnisvoller Was­seraugen erhebt, so ist doch wieder einmal der Vor­hang aufgezogen vor dieser neuen und altvertrau­ten Welt. Die unvergeßliche Eichengruppe festigt und schirmt ihren feuchten Rand; wild und gewaltig ineinandergewunden, umarmt sie die Weiher der Tiefe und den Himmel und die Berge der Höhe.

Dann bleibt die letzte Schiffsverbindung zur Heimkehr. Im Zug der verlöschenden Berge wird der See mehrfach überquert von Brücke zu Brücke, von Ufer zu Ufer, von Ort zu Ort. Heber Leoni und Schloß Berg sinkt schon die Nacht, das Starnberger Ufer wächst heran im zitternd gespie­gelten Lichterschw^ll, und über dem Halteplatz des Bootes

Gießen Rödgen Eiche am Bergwald Blinkturm Großen-Bufeck.

Eine hübsche Wanderung in nächster Nähe Gie­ßens, die höchstens drei Stunden beansprucht, ist die folgende: Wir g-ehen am Trieb, hierauf am Flug­hafengelände vorüber nach unserem Nachbardorfe Rödgen. Vor den ersten Häusern treffen wir bei einem Laufbruniren rote Ringe, die uns nach rechts in die Höhe leiten. Nach einiger Zeit erreichen wir den Wald, wo sich uns bei einer Jagdhütte eine schöne Aussicht bietet. Wir sind hier auf der Straße RödgenAnnerod, die wir bis an das Ende des Waldes verfolgen. Hier steht eine mächtige, viel- hundertjährige naturgeschützte Eiche, die von dem Rödgener Gemeindeförster in dankenswerter Weife mit einer Umzäunung und Sitzgelegenheit sowie einem sinnigen Spruch versehen worden ist. Wir gehen jetzt, die Zeichen verlassend, den Waldrand in nordöstlicher Richtung aufwärts und gelangen im Verlaufe des Weges nach dem hochliegenden Blink­turm, vor dem die Gemeinde Rödgen einige Ruhe­bänke angebracht hat. Von dieser Stelle erschließt sich uns eine prachvolle Aussicht auf einige Dörfer des Busecker Tals mit dem Hangelstein, über das Lahntal mit den Burgen und dem Dünsberg, über einen Teil von Gießen und den Stoppelberg im Hintergrund. Unser Weg führt uns alsbald an den

Sagen aus längst vergangenen Tagen, da Mensch noch abergläubisch und furchtsam vor Natur stand, sind lebendig geblieben durch alle Zei­ten und haben auch die schöne Eifel in den Ruf gebracht, daß sie unwirtlich wäre und finster, rauh und gefährlich. In den hohen rauschenden Wäldern, so ging die Rede, hausten unheimliche Druden, über die wuchtigen Basaltkuppen geisterten die wilden Jagden der vertriebenen Götter, in den einsamen Hochmooren lauere die böse Muhme und in den

Lauterbach (Oberhessen), das idyllische Landstadtchen im lieblichen Tal der Lauter, am Hang des Vogelsberges, umgeben von weiten, stillen Buchen- und Tannenwäldern und von sanften Höhenzügen. Sommerfrische. Malerisches M-Lau^rbach,. Heimat­museum. Großer Stadtpark (30 Morgen). Mod. Freischwimmbad.

Frequenz des bewährten Heilbades für Katarrhe, Asthma und Herzleiden hat sich in diesem Jahre gegenüber dem Stande des Vorjahres um die gleiche Zeit um rund 24 v. H. gesteigert. Der neuerbohrte Warmsolsprudel (34 Grad Celsius) wird bereits für die Bereitung der herzheilenden, natür­lichen kohlensauren Sprudelbäder dienstbar gemacht.

schließt. Kähne liegen am Ufer, Netze hängen zum Trocknen da, denn der See ist reich an Fischen. Weiterhin, nach Sonnenaufgang, bas Puloer­maar, zwischen 70 Meter hohen Wänden eingeschlos­sen und gerade so tief. Die alten Sagen erwachen und greifen ans Herz, daß es leise zuckt. In grau­siger Tiefe leuchtet der See dunkel und drohend. Grabesruhe schwebt darüber, keine Welle lebt darin, wie erstarrt liegt er zwischen den Schründen; heute seitdem die Urfttalsperre mit ihren riesigen Aus­maßen errichtet wurde ein schroffer Gegensatz zum Gemündener Maar, wo ehedam die Welt auch in Einsamkeit und Stille versunken war ...

Nicht sehr weit davon verläuft der Nürburg­ring. Stäubende Wagen blitzen dahin, jubelnde Fanfaren gellen herüber. Urzeit und Gegenwart rücken dicht zusammen, dazwischen steht der Mensch, erschüttert und klein zwischen unbändigen Gewalten, und doch stolz und erhoben von all der Schönheit rundum, von dem unendlichen Zauber der Ein­samkeit und von dem Siegesgeschmetter einer neuen, einer köstlichen Zeit ...

Der Starnberger See

Von Hans Brandenburg.

Rand des Waldes, wo wir nochmals einen reizvollen Blick auf Großen-Buseck und die umliegenden Höhen haben, und das wir bald darauf auf einem Feldweg erreichen, um von hier heimzufahren.

Sinn Rennweg Bellersdorf Groh-Atten- städlen Hohensolms Bieder.

Wir fahren nach dem industriereichen Städtchen Sinn. Von hier verfolgen wir die Straße nach Bal­lersbach, die steil ansteigt, aber prächtige Rückblicke bietet in dos Dilltal mit Sinn, (Ebingen und Fleiß­bach, auf Burg Greifenstein, den Hinstein und die Hirschbergkoppe. Bald erreichen wir den Wald, wo wir auf das gelbe Kreuz des Rennwegs stoßen. Dem Zeichen folgen wir nach rechts auf alten Waldwegen durch den großen Forst, Hörre genannt. Wiederholt bietet unser Weg reizvolle Ausblicke in Aar- und Lemptol. Nach geraumer Zeit erreichen wir Bel­lersdorf, wo wir gute Unterkunft finden. Unser Zeichen leitet uns weiter nach Bermoll. Vor dem Ort jedoch verlassen wir die Zeichen, wenden uns links und kommen durch Groß-Altenstädten in kräf­tigem Anstieg hinauf nach dem hochgelegenen Hohen­solms, wo sich uns wiederum hübsche Fernblicke auf­tun. Der Weg zum Endziel Bieber geht durch Königsberg, dessen Ruine wir noch einen Besuch ab- ftatten können. Wanderzeit 5 Stunden.

Schneeburgen des Karwendels und dann des W e 11 e rst e i n s , der in der Mitte unseres Beckens mit dem alles beherrschenden gewaltigen Sockel­sturze der Zugspitze seinen Thron errichtet. Das Licht zerrinnt in Scharten und verblüht auf Firn- kissen.

Die Landung führt in golddämmernde Hafenruhe. Der rasige Strandplatz ist fast als Viereck ausge- reutet, die Luftdecke darüber hängt die ersten silber­nen Sternbilder hinein. Vor unseren Bänken haben wir Netzpflöcke stehen, kleine Stege laufen über einmündende Bäche, der Auenwald verdeckt mit dunkler Wand das Dorf, Weiden vergittern den See, der glucksend unter die Hütten schlägt und leis die Boote gegen die Planken stößt.

Reckarsahrt.

Von Ernst Wilhelm Saltzwedel.

Der Neckar ist ein Kind des Schwarzwaldes, dessen südöstlichen Ausläufern er entspringt, um zu­nächst dem Rande der Schwäbischen Alb zu folgen, sich bann nordwärts zu wenden und endlich vor den Hängen des Odenwaldes scharf nach Westen, dem Rhein zu, abzubiegen. Er ist nur ein Fluß kein Strom. Aber wo in Deutschland gibt es einen Fluß, der sich an Lieblichkeit der Ufer, zugleich an ge­schichtlichen Erinnerungen mit ihm messen könnte!

Heilbronn hier begegnet das Schwaben der Väter dem der Heutigen. Um den vom Renais­sancebau des Rathauses gezierten Marktplatz drän­gen sich die Gassen mit Erinnerungsstätten an die Deutschherren, an Karl V., an den gefangenen Götz von Berlichingen. Außerhalb des Stadtkerns, der in feiner ganzen Anlage getreu das Leben ver­gangener Jahrhunderte widerspiegelt, dehnen sich die Stätten modernen Gewerbefleißes. Hier schwei­gen die holzgeschnitzten Altarfiguren der Kilians­kirche als edelste Zeugen einer weltüberwindenden Geistigkeit, dort tönt aus dem Räderwerk der Fabriken das Lied der Arbeit und des Fortschritts.

Flußabwärts, wo Kocher und Jag st chre Wasser einströmen lassen, liegt in dem sich weiten­den Tale das Solbad Friedrichshall- Jagst- f e I b hingebreitet. Jenseits am Ufer lugt die früh- gottsche Stiftskirche aus dem Flecken Wimpfen im Tal, während auf den nähen Höhen das türme­reiche Wimpfen am Berg als mächtige Silhouette in den Himmel ragt. Dieses Wimpfen ist eine lange Reife wert. Steil über dem Neckar erheben sich die

und gute Verpflegung

I l/UIUliy in den Sommerfrischen und Gaststätten der Heimat

totstillen Maaren der böse Feind ... War aber alles nur Menschentreiben, was den Wanderer schreckte, waren Räuber und Schmuggler, Diebe und manchmal auch Mörder, wie der Schinderhannes, die sich hier bargen in unzugänglichen Schlupfwin­keln fern der Welt, wo auf steilen Waldsteigen des Menschen Fuß kaum noch einen Halt finden kann am jähen Hang, auf bröckeligem Basalt ... Lautlos wird der Schritt auf den dichten Polstern der Tan­nennadeln, der duftenden Thymianstauden, der rosig blühenden Heidekrautbüschel. Einsamkeit ist hier, er­greifende Stille weit und breit, nur der Ruf eines Hähers schrillt manchmal durch die Dämmerung der Wipfel, das Knurren eines hungrigen Fuchses, das tiefe Gurren eines verliebten Täubers ... Und das Singen des Wassers, das unter Brombeer- ranken und Farnfahnen traumhaft durch das Schweigen riefelt. Es ist ein Klingen in der Luft wie von silbernen Glöckchen, so tönen die Steine, die Felsplatten, die schimmernden Kiesel im Spiel der strömenden Wellen ... Immerzu, immerzu. Und dann wieder plätscherts und fullerte und gischtets irgendwo im Gesträuch, und zwischen gefallenen Stämmen und Felsgewirr springt die Flut kopf­über in die Tiefe und zerstäubt im Sprung zu perl­mutternem Dunst, aus dem glasklare Tröpfchen" wie Demanten funkelnd, in die Luft spritzen. Und dann wieder gleitet es leicht und lustig dahin, das liebe lebendige Wasser, und wird Nette genannt ober Kyll oder Elz ober Ahr oder Gott weiß wie sonst.

Köstlich die Aussicht von den hohen Kuppen der sanftgeschwungenen Berge. Sie heißen Hochkelberg oder Erresberg, Nürburg oder Hochsimmer ober Gänsehals und erreichen in der Hohen Acht mit 746 Meter ihre höchste Erhebung. Weithinaus über Wälder und Berge und Täler und Dörfer geht der Blick, schaut tiefe Schluchten und hochragende Kreuze bis fernhin zu den Höhen des Siebengebirges ober in die Ardennen hinein, die in blauen Fernen ver­dämmern.

Da ist Mayen, die Stadt, die sich einer Geno- vefaburg rühmt, voll aller deutscher Romantik, nicht weit davon Monreal, das sich unter den wuchtigen Trümmern des Schlosses der Dirneburger scheu an den Felsen drückt, dessen Fuß die Elz mit dünnem Wässerlein umschmeichelt.

Da ist G e r o l st e i n , das sich inmitten seiner Gottesschönheit behaglich des Lebens freut. Basalt­kegel und Schlackenvufkane umgeben es mit ihren schroffen Zacken, dahinter dehnt sich unendliche Heide; über dem Städtchen prunken die großartigen Reste des Schlosses, auf einem mächtigen Kalkfelsen, jenseits der Kyll die wilden Dolomitentürme der Auburg und der Munterlei. Es war schon zu Zeiten der Romer gut sein in diesen Gauen. Die Reste eines Landhauses, die man zu Anfang des Jahr­hunderts im Garten des evangelischen Pfarrhauses ausgrub, sind dessen tteuliche Zeugen ...

Da ist Daun, der Mittelpunkt der vulkanischen Eifel, lieblich gelagert im freien Talgrund, mit dem Stammschloß des Feldmarschalls von Daun, der die Oesterreicher gegen den Alten Fritz führte. Heilkräf- tige Quellen entspringen hier wie mancherorts in der Eifel und finden viel Zuspruch von Einheimi­schen und Fremden, Daun ist ein sehr besuchtes Bad ... Im Jahre 1352 haben es die Erzbischöfe von Trier und Köln zerstört, denn damals waren die geistlichen Herren im Sattel eben so fest wie im Schwertschlag und Becherlupf ... Ein kleines Stück weiter an der Lieser, mit Basteien und Burgen und Felsen und Hängen, Manderscheid. Hoch darüber Belvedere, eine Felsbrüstung, auf der einst Kaiser Friedrich gern verweilte. Unweit davon die Reste des Klosters Himmenrod, heute von einem stattlichen Neubau umzogen ... Friedeinsamkeit in herrlicher Waldesstille. Und da ist vor allem, in dem 90 Kilometer langen herrlichen Ahrtal, das die hohe Eifel im Norden mit seinen zahlreichen Weinbergen reizvoll begrenzt, das schone und viel besuchte Bad Neuenahr, ein weltbekannter Kurort, in sehr schöner und sehr geschützter Lage, ein ausgesproche­nes Heilbad mit vorzüglichen, ganz neuzeitlichen Einrichtungen und hervorragenden Kurerfolgen.

In der südlichen Eifel liegt das ebenfalls welt­bekannte Bad Bertrich mit feinen warmen Na­tronquellen im lieblichen Ueßbachtal, das milde Karlsbad genannt, viel besucht und viel gepriesen, natürlich auch mit allen neuzeitlichen Einrichtungen versehen ...

Weniger bekannt ist das kleine Bad Tönnis- st e i n am Brohltal, das über die einzige Natron- Lithionquelle in Deutschland verfügt und nur aus einigen wenigen Häusern mit ein paar Zehnern von Einwohnern besteht ...

Zur Eifel und zum Rhein zugleich aehoren Bad Godesberg, ein beliebter, vornehmer Kurort, bann Remagen mit seiner berühmten Apollinaris- kirche, Rolandseck mit dem viel befangenen Ro- landsbogen, Namedy, schon auf einer Rheininsel gelegen, mit dem gewaltigsten, mehrmals am Tage aufaeigenben Geyser Europas, dann die schöne Stadt Andernach am Fuße des Krahnenbergs, den eine Zahnradbahn erklimmt, Niedermendig mit feiner großartigen, tief in die Erde hineingetriebe- nen Sana grub en, die als bewährte Bierkeller die­nen ... Und wie sie alle heißen, die Städtchen und Dörfer, die heute, wo man nicht mehr an den Spuk der Vorzeit glaubt, alle fehr befuchte und gepriefene Sommerfrischen geworden sind ...

Und die Schlosser all und die Burgen; darunter Bürresheim an der Nette und Burg 'Elz, die schönste von allen, auf hoher Kuppe, unweit der

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Wirtschaftsh aus, roter und blauer Turm und, ein- gezwängt und beeinträchtigt durch neuere Bau­werke, zwei Reihen byzanttscher Arkaden als letzte Zeugen des Palastes. Glanz und Untergang des deutschen Kaisertums sprechen aus den bröckelnden Mauern zu dem, der hier mit offenen Sinnen ver­weilt und, des Abends etwa, ins dämmernde Tal hinabblickt, aus dem verwehende Geräusche herauf­dringen. Die Stadt, eng an die Pfalz gelehnt, ist eine hessische Exklave auf . der Grenze zwischen Württemberg und Baden. Die verschlungenen Gassen mit ihren Giebelhäusern, die raunenden Brunnen, metallen schlagende Uhren und nicht weniger das Schweigen im Kreuzgang des ehemaligen Domini­kanerklosters scheinen die Zeit auszuschalten.

Die Hügel schließen sich enger um den Fluß. Links Ehrenberg und Guttenberg, zwei ehrwürdige Burgen, rechts das Städtchen Gundelsheim mit der Deutschherrenfeste Hc> rneck. Dem sauberen Schif- ferborf Haßmersheim gegenüber eine ragende Ruine: Homberg, der Sitz Götz von Berli- ch i n g e n s. Schon war das Land feines Namens voll, als er zum väterlichen Jagsthausen diese Burg kaufte. Hier heiratete er, ruhte von seinen KrieAb­zügen, hier schrieb er fein Leben auf, hier starb er. Noch steht der Bergfried nebst allen Mauern und redet eine eindringliche Sprache von der Be- festtgungskunst und Lebensweise seiner reisigen Be­sitzer. Rebenhänge umspinnen den Berg. Am jen­seitigen Ufer aber ragt ein anderer Turm, aus besten Zinne schwarzer Rauch quillt. Hier blicken alle und neue Zeit einander an und werfen ihr Bild auf die Wellen des gleichen Flusses.

Sanft gleiten die Wasser von einem Stauwehr zum anderen. Schifte drängen sich in den Schleusen. Jede Windung erschließt neue Reize. An Neckarelz und Neckargerach, am wohlerhaltenen und herrlich gelegenen Schloß Zwingenberg vorüber er­reichen Fluß, Landstraße und Schienenweg das an den Fuß des Odenwaldes sich schmiegende Eber- bad). Hier biegt der Fluß im rechten Winkel nach Westen ab, von Osten her mündet eine wichtige Straße ein, ein Schienenstrang windet sich durch Felsengänge und über Abgründe zu den roman­tischen Tälern des Odenwaldes hinauf. Stiller als dieser vielbesuchte Ort, der das unverdorbene Ab­bild einer mittelalterlichen Bürgersiedlung ist, zwängt sich das Städtchen Hirschhorn zwischen Fluß und Berg. Ein Gang durch die wunderliche Hauptstraße, mehr noch ein Aufstieg zur Hohe des anderen Ufers, von der Blick über die Giebel hinweg auch Schloß, Kloster und grüne Hohe um­faßt, macht einem die Bildhaftigkeit dieses (Erben» Winkels zum unvermeßlichen Erlebnis. In Hirsch­horn spielt Schrnitthenners RomanDas deutsche Herz", in dem westlich davon gelegenen Neckar­steinach Julius WolfsRecht der Hagestolze". Hier erheben sich über dem Tal die vier Burgen des gleichen Rittergeschlechtes, von denen die am kühn­sten gebaute, dasSchwalbennest", den inttmsten Charakter bewahrt hat. Auch gegenüber, auf dem Dilsberg, faßen mächtige Grafen. Don ihrem fett famerroeife kreisrunden Schloß find noch die Außen­wände, der Turm und der mehr als hundert Meter tiefe Brunnen erhallen, und heute noch hat das eng gebaute und von einer Ringmauer umgebene Dorf den Charakter einer Festung. Tilly bestürmte sie einst vergebens, fpäter war sie Gefängnis und auch Karzer für die Heidelberger Musensöhne.

Don Neckarsteinach abwärts wird die Land­schaft immer mehr zum Garten, immer dichter be­decken Landhäuser die Ufer und Hänge. Buntsand- ftein und Granit werden aus den Bergen gebrochen. Neckargemünd, Ziegelhausen mit ihrem Kem alter­tümlicher Häuser und dem Kranz behaglicher Neu­bauten schmiegen sich an die letzte große Schleife des Flusses, bann spiegelt er vor dem Ausfall in die Rheinebene die letzten Berge und mit ihnen Schloß und Türme von Heidelberg. An dieser Stelle findet das Neckartal in mehr als einem Sinne feine Vollendung, hier verschmelzen Natur und Geist zu einer einzigartigen Begegnung. Konig- stuhl, Philosophenweg, Schloß, Kirchen und andere Erscheinungen sind Merkmale des Charakters dieser vielbesungenen deutschen Stadt.

Mosel; Burg Kochern, schwer und wuchttg über dem stillen Fluß und doch lieblich und anheimelnd, und viele, viele andere, deren Reste von vergange­nen großen Zeiten künden ...

Das ergreifendste Wunder der Eifel aber sind die Maare, die großen Seen in erloschenen Kratern, von denen es weit über 200 in diesen Bergen gibt.. Das größte ist der L a a ch e r See, nicht weit von Andernach. Rings umschließen ihn vulkanische Berg- kegel, tiefes Schilfgehege umfängt feine weiten Ufer. Daraus wächst die romantische Klosterabtei gewaltig heraus, kernhaft und urdeutsch ... Die anderen Maare liegen in der Umgebung Dauns. Das Wein­felder Maar, das einsamste und stillste, das die Leute dort auch Totenmaar nennen. Aus dem schmalen Stteisen Landes zwischen Vulkangestein und See wogt spärlicher Hafer; über den hohen steilen Uferroänbern trauert das einfame Kirchlein mit seinem stillen Friedhof und seinen ärmlichen Kreuzen ...

Ein paar Schritte über die Straße hinaus und man steht erstaunt vor dem Sch alten mehrer Maar, das ein Kranz fruchtbarer gelber um-

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hält der Münchener Zug.

Reisewinke.

Bad Soden am Taunus.