Ausgabe 
17.5.1939
 
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Auf einemweißen Schiff" durch den Meingau.

Am gestrigen Dienstagnachmittag in Mainz. Am Rhein versammeln sich an einer Landebrücke der Köln-Düsseldorfer Rheindampfschiffahrt zahl­reiche Leiter von Reise- und Verkehrsbüros, sowie eine Anzahl Männer der Presse des Rhein-Main- Gebiets. An der Landebrücke hat einer der schönen weißen Dampfer" der Köln-Düsseldorfer, der Großherzog Ernst Ludwig", festgemacht, mit dem die Männer des Verkehrswesens und der Presse auf Einladung der Direktion der Köln-Düsseldorfer Rheindampfschiffahrt die seit einer Reihe von Jah­ren bereits zur Tradition gewordene Frühsommer­fahrt zur Eröffnung des Sommerdienstes dieser Linie unternehmen.

Bei schönem Wetter und fast während der ganzen Fahrtdauer leuchtendem Sonnenschein gleitet das herrliche Schiff, auf dem rund 2000 Personen Platz finden könen, in wunderbar ruhiger Fahrt von Mainz aus den gewaltigen Strom hinab bis Aßmannshausen. Hier wendet der Dampfer inmitten des Stromes mit einem ausgezeichneten Manöver und nimmt nunmehr wieder Kurs nach Mainz zurück. Die Fahrt des Schiffes zeichnet sich, trotz der großen Stärke der Maschine, durch wun­derbar ruhigen Gang aus, so daß man selbst am Wein im Glas keinerlei Erschütterung bemerken kann. Zu dieser Annehmlichkeit, die bei dem etwas bewegten Wasser besonders beachtenswert ist, kommt die schöne und bequeme Ausstattung des Schiffes hinzu, die eine Fahrt mit diesemschwimmenden Hotel" zur schönsten Erholung werden läßt.

Im Verlaufe der Fahrt erzählt der Leiter der Köln-Düsseldorfer, Generaldirektor Thiele, aller­lei Interessantes aus dem Betrieb, den Erfahrun­gen und den Plänen seiner Linie. Man erfährt bei dieser Gelegenheit, daß der Ausländer-Reiseverkehr auf den Schiffen der Köln-Düsseldorfer nach wie vor als besonders bedeutsam angesehen wird und der Betrieb in diesem Verkehrszweig als wichtige Verpflichtung gegenüber dem Auslandsdienst, aber auch im Hinblick auf die Werbung für unser schönes Vaterland als Reise- und Gastland gilt. Daneben wird dem innerdeutschen Reisendenoerkehr auf den Schiffen der Linie selbstverständlich unablässig größte Beachtung und stärkste Förderung zuteil. Diese Einstellung gilt nicht nur gegenüber den schnellen Expreßschiffen, die auch dem verwöhnten Reisenden die Fahrt auf dem Rhein zu einem Er­lebnis machen können, ebenso hat sie Gültigkeit für den preiswerten Reiseverkehr der breitesten Bevöl­kerungsschichten, denen durch günstige Fahrgelegen­

heiten die schöne Erholung einer Rheinfahrt ge­boten werden soll. Die bisherige starke Steigerung der KdF.-Fahrten ist hierfür schon ein überzeugender Beweis.

Als neue Einrichtung zur weiteren Förderung des innerdeutschen Reisendenverkehrs hat man nun­mehr wahlweise Sonntagskarten für die Haupt­strecke MainzKöln geschaffen. Diese wahlweisen Sonntagskarten gelten auch für die Fahrt in der umgekehrten Richtung, also von Köln nach Mainz, mit Aussteigemöglichkeiten in Rüdesheim oder in Wiesbaden-Biebrich. Selbstverständlich kann man damit auch von Mainz bis Koblenz fahren.Wahl­weise Sonntagskarten" heißt, daß man diese Fahr­karten ganz nach Belieben zur Fahrt mit der Bahn oder mit dem Schiff, ebenso umgekehrt benutzen kann. Diese Karten werden künftighin auch in Frankfurt a. M. zu haben sein; man kann also dann mit einer solchen Karte auf der Bahn von Frankfurt nach Mainz fahren und dort auf das Schiff übersteigen, bei gewissen Schiffen kann man aber auch schon in Frankfurt an Bord gehen. Un­terwegs kann man, ganz nach Wunsch, vom Schiff erneut auf die Bahn und von dort wieder auf das Schiff hinüberwechseln, je nach der Laune des Einzelnen.

Die sog. Pauschalreisen, d. h. die Schiffsfahrten über zwei bis drei Tage, ferner die Abendfahrten von Mainz aus durch den Rheingau und zurück sollen im Dienste des innerdeutschen Reiseverkehrs immer weiter ausgebaut werden, um damit unfern herrlichen deutschen Strom immer mehr in den Vordergrund des Reiseinteresses zu bringen. Die Stabilität des Fahrplans gestattet es, den Dienst nach allen Erwartungen der Reisenden durchzu­führen.

Da die Reiselust unserer deutschen Volksgenossen noch ständig im Wachsen begriffen ist, wobei wie­derum die Tätigkeit der NSG.Kraft durch Freude" im Vordergrund steht, erachtet es diese größte deut­sche Binnenschiffahrtslinie > als ihre besondere Auf­gabe, mit allen ihren Mitteln und Schiffen sich in den Dienst unserer Volksgemeinschaft zu stellen und an ihrem Teile nach Kräften beizutragen zur Hebung der deutschen Wirtschaft.

Die Gäste verlebten mit den Vertretern der Schif­fahrtslinie einige frohe Stunden, die erfüllt waren von dem Geiste des kameradschaftlichen Dienstes auf dem Gebiete des Verkehrswesens für unsere Volks­gemeinschaft. B.

möglich war, daß in diesem Jahre zum ersten Male die HI. Träger dieser Kundgebung wurde. Nach­dem er alle Volksgenossen zu tatkräftiger Mitarbeit aufgerufen hatte, gab er seinen Amtsträgern und -trägerinnen bekannt, daß der Führer die Arbeit des Reichsluftsckutzbundes dadurch anerkannt hat, daß er für die Amtsträger das Tragen der Kampf- binde, der NSDAP, angeordnet hat, eine Auszeich­nung, die eine neue Verpflichtung in sich schließt.

Der HJ.-Standortführer, Oberstammführer Dr. Schneider, brachte dann den Treugruß an den Führer aus und gab das Kommando zum Beginn der Hebungen.

Oie Hebungen.

Hierauf zeigten Hitlerjungen, daß sie eifrige Schüler waren. Hitlerjungen der 1. Gefolgschaft führten in den vorgeschriebenen Schutzanzügen des Selbstschutzes mit Stahlhelm und Dolksgasmaske einige Hebungen vor. Nach einem Aufmarsch führ­ten sie Laufübungen aus und bewiesen, daß sie auch den Anstrengungen eines Marsches mit Gelang voll­auf gewachsen sind. Der Trupp wurde dann zur Löschung von Brandsätzen eingesetzt. Zu diesem Zwecke waren Holzfeuer angezündet worden, die sie mit Klatschen ausschlugen. Bei einer anderen Hebung waren Brandbomben auf den Platz gewor­fen worden, die mit Handspritzen aus Wasser­eimern, mittels Handpumpen gespeist, bekämpft werden mußten. Auch hier zeigten sich die Jungen sehr anstellig und flink. Schwieriger war dann die Aufgabe, mit den gleichen Spritzen einen Lösch­angriff auf ein in Brand gestecktes Holzhaus aus­zuführen, ein Vorhaben, das durch verständnisvolles Zusammenarbeiten zur vollsten Zufriedenheit aus- geführt wurde.

In der Zwischenzeit zeigten Mädels vom BDM. den Erfolg ihrer Ausbildung als Vaienhelferinnen. Sie stellten mit einer Decke und zwei Stangen eine primitive, aber sichere Tragbahre her, legten Ver­bände an und nahmen Wiederbelebungsversuche Gasvergifteter vor.

Kreisleiter Backhaus,

der während der Hebungen eingetroffen war, sprach HJ.-Standortführer Dr. Schneider seine Aner­kennung für die bewiesene Hinsicht und Einsatz­bereitschaft der HI. aus. Die Feuerloschpolizei unter­stützte die HI. bei den Vorbereitungen.

Die Hebung hatte zahlreiche Volksgenossen an­gelockt, die interessiert die einzelnen Abschnitte ver­folgten.

BHemeinMt M krall onufi Srenöe

Sporkamt.

Beginn der Tennis-Kurse. Für nachstehende Ten- nis-Kurse werden auf der Kartenverkaufsstelle, Sel- tersweg 60, nach Anmeldungen entgegengenommen.

Sonntag ..... 8 bis 9 Hhr

Sonntag..... 9 10

Donnerstag ... 18 19

Donnerstag ... 19 20

Gebühr: 5 Hnterrichtsstunden 6 Mark. In der Gebühr ist die Benutzung des Platzes, Schläger und Bälle unter Anleitung eines Tennislehrers enthalten. Beginn der Kurse: Sonntag, den 21. Mai, und Don­nerstag, den 25. Mai 1939. 3604D

Mutter-Feier

ver Ortsgruppe Gießen-Süd.

Die Ortsgruppe Gießen-Süd der NS.-Frauen- schaft und des Deutschen Frauenwerkes hatte zahl­reiche ältere und alleinstehende Mütter am gestrigen Dienstagnachmittag zu einer Mutter-Feier in den Saalbau" Liebigstraße eingeladen. An weißgeLeck. ten, mit frischen Frühlingsblumen geschmückten Tischen fanden sie einen Ehrenplatz.

Mit dem FrauenschaftsliedUns ward das Los ge­geben" wurde die schlichte Feierstunde, die zugleich einen vorläufigen Abschluß der Arbeit der Frauenschaftsfüh- rerin Frau Schön bedeutete, die aus gesundheitlichen Rücksichten um eine Beurlaubung eingekommen ist, eröffnet. Die Frauenschaftsleiterin Frau Schön be­grüßte dann die Mütter als Gäste der Ortsgruppe

Hine Frau mit Herz

Roman von Hedda Lindner

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlln

29 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Mit einer Hast, durch die sie sich selbst den Rück­zug abschnitt, ergriff sie den Hörer und verlangte die Verbindung mit demClaridge". Merkwürdig, dachte sie als sie Mikenys Stimme hörte, gestern um diese Zeit bekam ich Herzklopfen, wenn ich mit chm sprach, und heute ist er für mich nur noch eine Angelegenheit, die möglichst rasch erledigt werden muß; das ist fast wie ein Wunder.

Ja, ich bin es, Dmo!" sagte sie. Nicht Claudette, nicht den Namen, den er ihr gegeben hatte; es gab keine Claudette mehr, es gab nur noch Dina.

.«Ich hatte dir versprochen, dich vor meiner Ab- reife nochmals zu treffen. Ist es dir recht, wenn ich in einer knappen Stunde dort im Rauchzimmer bin?"

"Du willst wirklich reifen?" kam es fassungslos zurück.

Das kann dich kaum überraschen, da du es seit Montag weißt!" Es war eine sehr klare und entschiedene Stimme, die aus dem Hörer kam.Also tn^einer Stunde im Rauchzimmer."

Sie legte auf und verlangte dann sofort eine neue Verbindung: Luzern.

"Herr Dr. Stoecklin? Es ist mir leider unmög­lich. bis heute nachmittag dort zu sein. Wie? Heute abend in Zürich? Aber gewiß! Das paßt aus­gezeichnet! Auf Wiedersehen!"

Als sie später die Halle durchschritt, um sich in Claridge" zu begeben, traf sie ein Berliner Che- paar, das ebenfalls zu ihrem Kreis gehörte, am gestrigen Abend aber nicht dabei gewesen war. Man Begrüßte sich freundlich. Ist Frau von Roeder schon auf?" fragte Frau Bender.Ich wollte ihr ein paar Bilder zeigen."

Ich glaube nicht", sagte Dina lächelnd.Wir haben gestern Geburtstag gefeiert, und das hat ein bißchen lange gedauert. Aber es war sehr nett. Schade, daß Sie nicht dabei waren."

Wir trafen Bekannte in Chur und sind erst jetzt wieder heraufgekommen, sonst wären wir gern dabei gewesen", bedauerte Frau Bender.Frau von Roeder versteht solche Sachen zu arrangieren. Sie erzählte neulich, an ihrem eigenen Geburtstag stände immer das ganze Haus Kopf, trotz der Erntearbett."

Süd der Frauenschaft und des Frauenwerkes und sagte ihnen, daß nach dem Wunsche des Führers keine Mutter anläßlich des Ehrentages der Mutter allein sein, sondern die Gemeinschaft erleben soll, der sie durch die Erziehung ihrer Kinder gedient hat.

In einem von der Frauenschaftsleiterin verfaßten Stegreifzwiegespräch zwischen zwei Landfrauen in oberhessischer Tracht aus Homberg und Wetterauer Tracht aus Gambach sowie einer Stadtfrau wurde ein Heberblick über die vielseitige Arbeit der deut- schen Frau in Frauenschaft und Frauenwerk ge­geben und zum Schluß die Aufmunterung an alle Mädchen unb Frauen ausgesprochen, tatkräftig ntit- zuhelfen.

Dor und während einer Kaffeepause, bei der die Frauen ihre Gäste mit Kuchen und Kaffee be- wirteten, erfreuten eine Gruppe des BDM. durch Schargesänge und Buben und Mädel der Kinder­gruppen durch einige tm Zusammenspiel von Kla­vier und Mockflöte vorgetragene Maienlieder die statttiche Festgemeinde. (Großen Beifall fand dann ein schlichtes,Putzteufelchen" überschriebenes Spiel der Kindergruppe der Frauenschast, zu dem kleine Mädchen mit Besen, Handfeger, Bürste, Putztuch, Eimer und anderen für den Stubenputz erforder- licken Htensilien aufmarschierten und zur Freude aller in Wechselreimen von der großen Arbeit der Hausftau sprachen. Zum Schluß setzten sie ihren lustigen Marsch mitten durch den Saal fort. Der BDM. erfreute mit weiteren Schargesängen, so daß die Feier in allen Teilen einen sehr schönen Verlauf nahm.

Einen Augenblick war Dina still.Wann hat meine Kusine eigentlich Geburtstag?" fragte sie langsam. ,Lch vergesse es leider immer wieder."

Genau weiß ich es auch nicht", antwortete Frau Bender arglos,irgendwie Anfang August. Wer hatte denn gestern?^ fetzte sie neugierig hinzu.

Dina warf einen Blick auf ihre Hhr. ,T>h. ich bin schon verspätet", sagte sie hastig, ohne die Frage zu beantworten.Sie entschuldigen mich. Auf nachher."

Sie war sehr hellsichtig geworden, diese neue ver­wandelte Dina; sie brauchte noch nicht einmal die zehn Minuten, die der Weg von Kulm zumCla­ridge" dauerte, um die Komödie zu durchschauen, die Margit mit ihr gespielt hatte ihre einzige Verwandte. Sie verspürte einen bitteren Geschmack auf der Zunge, als sie an diese so oft gebrauchte Redewendung dachte. DasWas" hatte sie be­griffen, aber unverständlich blieb ihr dasWarum". Dieses Rätsel würde Mikeny lösen müssen; das Wissen um seine Verschwörung mit Margit tarn zur rechten Zeit, es erleichterte wesentlich die bevor­stehende Aussprache.

Das Rauchzimmer desClaridge" war um diese Zeit leer, wie Dina vermutet hatte. Mikeny wartete bereits; er sah blaß und erregt aus.Ich hätte doch zu dir ins Hotel ..." begann er.

Mit Hilfestellung meiner lieben Kusine, nicht wahr?" unterbrach sie ihn ironisch.

Er wurde sichtlich verlegen.Wie kommst du dar­auf?" murmelte er.

Das ist nebensächlich. Aber ich glaube nicht, daß du gestern von dem Portier meinen Zimmerschlüssel gefordert hast!"

Willst du dich nicht setzen?" fragte er ablenkend und schob einen Sessel heran.

Danke!" Dina wartete, bis er ebenfalls Platz genommen hatte.Ich bin mir über die Rolle, die Margit spielt, völlig klar", fuhr sie unbeirrt fort. "Was ich nicht begreife, ist: welches Interesse hat sie daran, mich wieder mit dir verkuppeln zu wollen?"

Er zuckte zusammen.Ein sehr häßliches Wort!" stammelte er.

Für eine ebenso häßliche Sache!" kam es ver­ächtlich zurück.

Mikeny sah sie forschend an. Sie war verwandelt, er hatte es schon am Telefon gemerkt. Sollte ihre plötzliche Abwehr gestern doch mehr bedeuten, als fein Selbstbewußtsein vermutet hatte? Am besten kam er sofort zur Sache.

Willst du tatsächlich ab reifen?"

"Ich habe keine Veranlassung, meinen Entschluß zu andern", sagte Dina kühler als beabsichtigt.

Schulfrei am Freitag wegen der Volkszählung.

DNB. Mit Rücksicht auf die Inanspruchnahme der Lehrer und Schüler bei der Durchführung der Volks-, Berufs- und Betriebszählung 1939 fällt am Freitag, 19. Mai, in allen öffentlichen und privaten Schulen und Bildungsanstalten einschließlich der Hochschulen der Hnterricht aus.

Gietzener Dochenmarktpreiie.

* Gießen, 17. Mai. Aus dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 Mark, Matte 25 bis 50 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, deutsche Eier, Klasse B 10, Schnittkahl, % kg 20, Wirsing 22 bis 28, Karotten 15 bis 16, Spinat 15 bis 20, Spargel 1. Sorte 82 bis 90, 2. Sorte 70 bis 74, 3. Sorte 62 bis 64, 4. Sorte 38, Hnterkohlrabi 8 bis 9, Erbsen 20 bis 25, Tomaten 38 bis 45, Zwiebeln 16 bis 18, Schwarzwurzeln 40 bis 50, Rhabarber 15 bis 20, Kartoffeln, neue, % kg 18 Pf., alte, A kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,40 bis 4 Mark, Suppenhühner 1 Mark, Tauben, das Stück 60 Pf., Blumenkohl 20 bis 50, Salat 20 bis 35, Salatgurken 35 bis 80, Oberkohlrabi 15, Lauch, 5 bis 15, Sellerie 10 bis 50, Rettich 10 bis 20, das Bündel 20 bis 30, Radieschen 10 bis 20 Pf.

* * Maienblasen. Bei dem Maienblasen am heutigen Mittwoch, 17. Mai, vom Turm der Stadt­kirche wird folgendes dargeboten: 1.Wie groß ist des Allmächt'gen Güte"; 2.Die Nacht" (Fr. Abt); 3.Das Moilüfterl".

Du ließest mir gestern glauben, daß die Er­innerung an unsere Liebe dir noch etwas bedeutet", sagte er vorwurfsvoll.

Sie griff das Wort sofort auf:Die Erinnerung, ganz richtig! Aber auch nur die ..."

Das verstehe ich nicht!." sagte er verwirrt.

Dina holte tief Atem; es war doch schwer, so etwas klarzumachen.

Sieh mal", begann sie in versöhnlichem Tone, du warst meine ganz große Liebe, und meine erste dazu. Ein paar kleine Backfischverliebtheiten zählen nicht. Zuerst bin ich sehr glücklich mit dir gewesen, darin hattest du gestern recht. Ich mußte mich von dir scheiden lassen, weil mein Verstand und mein Stolz es forderten; mein Herz das war eine andere Sache."

Aber dann ist doch alles in Ordnung. Wir hei­raten. Sofort, wann du willst! Ich habe mich wirk­lich geändert!" beteuerte er eindringlich.

Möglich! Aber darum handelt es sich nicht mehr. Ich werde niemals wieder deine Frau."

Seine anfängliche Bestürzung wich der Erbitte­rung.Hnd diese Erkenntnis kam dir ausgerechnet gestern nacht?" fragte er höhnisch.

Ja!" sagte Dina einfach.

Ein häßliches Auf lachen. ,Hch verstehe: die Quit­tung für damals. Man bringt mich dahin, um Ver­gebung zu flehen, und zeigt mir dann triumphierend die kalte Schulter. Der ,Rache der Verlassenen' zwei­ter Akt. Ue-brigens großartig gespielt; soviel Talent hätte ich dir gar nicht zugetraut."

Dina starrte ihn fassungslos an. Wie konnte er behaupten, eine Frau zu lieben, die er so niedriger Gesinnung für fähig hielt?

Hnd die schöne Kusine war mit im Komplott!" machten sich seine Wut und Enttäuschung weiter Luft.Daher dies Gezwitscher über die Millionen, die mir die Sache mundgerecht machen sollten. Hast du überhaupt Millionen?" fuhr er sie an.

Nein!" sagte sie, völlig verblüfft über diese letzte Wendung.

Also auch das Schwindel, wie das ganze Affen- theater! Eine Hnverschämtheit, eine ..."

Halt!" sagte Dina, und es lag so viel Würde in ihrem Ausdruck, daß er zur Besinnung kam. Er sah sie scheu an und murmelte etwas, bas wohl eine EntschuDigung sein sollte. Sie wischte mit einer Handbewegung darüber hinweg.

Du wirst mir eine derartige Gemeinheit bei ruhiger Heberlegung nicht zutrauen, abgesehen da- von, daß du dich mir genähert hast und nicht um« gekehrt. Aber etwas anderes will ich jetzt von dir wissen: war meine Kusine die Veranlassung dazu? Ich bitte dich, sei einmal wahr zu mir."

** D i e städtiscben Büros am kommen, den Freitag geschlossen. Wegen der Volks- zählung, bet der die städtischen Beamten und An­gestellten voll eingesetzt sind, bleiben die städtischen Büros am kommenden Freitag geschlossen.

Große Strafkammer Gießen.

H. K. in Reichelsheim wurde durch Urteil des Bezirksschöffengerichts Gießen vom 4. April 1939 wegen falscher Anschuldigung und übler Nachrede gegenüber dem Bürgermeister in Reichelsheim zu einer Gefängnisstrafe von 6 Wochen verurteilt.

Gegen das Urteil legte er Berufung ein. In der gestrigen Berufungsoerhandlung wurde wiederum die Schuld des Angeklagten festgestellt. Daher wurde der Angeklagte wegen falscher Anschuldigung in Tateinheit mit übler Nachrede zu einer Gefäng- n i 5 ft r a f e von 6 Wochen verurteilt. Dem Be- leibiflten wurde die Publikationsbefugnis zuge­sprochen.

*

Der O. G. in Ottweiler war durch Urteil der Großen Strafkammer Gießen wegen Amtsunter. fchlagung in 22 Fällen, die er seinerzeit in Fried- berg begangen hatte, zu einer Gesamtgefängnis­strafe von 9 Monaten verurteilt worden.

Gegen das Urteil legte er Revision ein. In der gestrigen Hauptverhandlung wurde der Angeklagte des Vergehens der Untreue in 16 Fällen schuldig befunden und unter Einstellung des Verfahrens auf Gl^nd des Straffreiheitsgesetzes vom 7. August 1934 in drei Fällen zu einer Gesamtgefäng­nis st r a f e von 10 Monaten, sowie zu sech­zehn Geldstrafen von je 20 Mark, ersatzweise ein Tag Gefängnis für je 10 Mark, verurteilt.

dezirksschöffeligericht Gießen.

Der H. G. aus Schophoven, wiederholt und ein­schlägig vorbestraft, hat am 24. 2.1939 im Strafoer. schärfenden Rückfall im Alsfelder Arbeitslager das Spint eines Kameraden erbrochen und daraus eine Geldtasche mit 17 Mark entwendet. Der Angeklagte war geständig.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft betonte, daß es sich im vorliegenden Fall um ein besonders verwerfliches Delikt, den Kameradendiebstahl, han­dele. Mit Rücksicht auf die Juaend, das Geständ­nis und die gute Führung des Angeklagten im Ar« beitslaaer und um ihm nicht jetzt schon den Lebens- weg abzuschneiden, wurde, trotz schwerster Beden­ken, eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten beantragt.

Das Gericht schloß sich den Ausführungen des Anklagevertreters an und verurteilte den Anaeklag- ten zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und neun Monaten.

*

Wegen Schlachtsteuerhinterziehung hatte sich der G. H. aus Ober-Erlenbach zu verantworten. Am 2.9.1938 ober um diese Zeit hat er in Ober-Erlen- bad) ein Kalb geschlachtet, ohne die Schlachtung vorher anzuzeigen und die Steuer zu zahlen, mei- terhin fyat er die Schlachtung ausgeführt, ohne das Kalb vorher zu betäuben. Der Angeklagte gab zu, ein Kalb schwarzgeschlachtet zu haben, er will aber das Kalb vor der Schlachtung vorschriftsmäßig be­täubt haben. Letzteres wurde von einem Zeugen bestätigt.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft führte aus, daß nach der Vorstrafliste die strafbaren Handlungen des Angeklagten (Autosteuer- und Schlachtsteuer. Hinterziehung, sowie Heberschreitung des Arbeits- zeitgesetzes) auf einer Linie liegen und beantragte, auf eine Gefängnisstrafe von drei Wochen, eine Geldstrafe von 100 Mark, Einziehung des Wertes des geschlachteten Kalbs in Höhe von 50 Mark und Einziehung des zum Transport benutzten Wagens zu erkennen.

Der Angeklagte wurde unter Freisprechung im übrigen wegen Steu e rh i nterz iehung zu einer Geldstrafe von 250 Mark und zum Ersatz des Wertes des Kalbes in Höhe von 50 Mark ver­urteilt. Ferner wurde auf Einziehung des zum Transport benutzten Handwagens erkannt.

O. K. in Steinberg, Kreis Büdingen, hat im Jahre 1938 in fortgesetzter Begangenschast Urfunben ge« fälscht und Lohngelder unterschlagen. Er hatte den

Sei einmal wahr zu mir! Mikeny senkte den Kopf, um die aufsteigende Röte zu verbergen. Er hatte so viel, gelogen und so viele Vorwürfe darüber gehört und alle hatten ihn kalt gelassen. Dieser einfache kleine Satz beschämte ihn tief.

Ursprünglich wohl. Nachher hatte ich selbst den Wunsch", sagte er leise.

Also meine vermeintlichen Millionen waren die Ursache deiner wiedererwachten Liebe! Nein, laß, das ist nun auch egal!" schnitt sie seinen Versuch der Hnterbrechung ab.Aber was hatte Margit für ein Interesse daran, für mich Vorsehung spielen zu wollen? frage ich dich nochmals."

Er sah sie an, sein Zorn sank kraftlos zusammen. Sie hatte nicht gespielt, sie nicht! Aber die andere! Die andere hatte die Fäden gezogen und ihn als Hampelmann tanzen lassen, diese... Er dachte an ein Wort im Budapester Straßenjargon. Hnd wenn seine frühere Frau wissen wollte, was sie von ihrer lieben Kusine zu halten hatte, das Vergnügen konnte sie haben!

,/Sie fühlte sich benachteiligt bei deiner Erbschaft!" Fünfhunderttaufend Franken!" fiel Dina ein.

Er lachte kurz auf und fuhr fort:Sie jedenfalls sprach von Millionen, um die du sie gebracht hättest, und der sicherste Weg, dich wiederum darum zu bringen, schien ihr die Heirat mit mir. Es war mir ja schon einmal gelungen, dich zu ruinieren", fügte er mit bitterer Selbstverspottung hinzu.

Dina faß unbeweglich und mühte sich, das Gehörte zu erfassen. So etwas gab es! So tief konnte der Neid eine Frau sinken lassen, die sie von Kind auf kannte, die immer wieder ihre Verwandtschaft be­tonte! Unb- die außerdem reich war und niemals etwas entbehrt hatte. In einer Aufwallung von Scham über die andere verbarg sie ihr Gesicht in den Händen.Pfui Teufel!" stöhnte sie auf und dann noch einmal:Pfui Teufel!"

Er sah ihre Erschütterung, und sie tat ihm leid. Nimms nicht tragisch, Claudette, das ist sie nicht wert. Hnd im Grunde ist sie sich über ihre Gemein­heit auch gar nicht klar. Sie wollte hauptsächlich ein bißchen Intrige, so zur Abwechslung, weißt du? Es gibt solche Frauenwesen, es gibt sie in allen Ländern, aber sie sind Gott sei Dank selten und immer mehr im Aussterben begriffen. Es lohnt ein­fach nicht, sie ernst zu nehmen."

Du hast sie doch auch ernst genommen", sagte Dina müde.

Er lächelte geringschätzig.Sie nicht, aber dich, dich immer, trotz allem! Hnd du hast mich doch hoffen lassen und wenn es nicht mar, um dich zu rächen, bann verstehe ich dich wirklich nicht."

(Fortsetzung folgt.)