M.M Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Mittwoch,!?. Mai (959
Aus der Stadi Gießen.
Himmelfahrt — Tag geselliger Freude
Dies ist der Tag, auf den seit Wochen die Aufmerksamkeit gerichtet ist. Seit Jahrzehnten versteht es fid) geradezu von selber, daß der Himmelfahrtslag draußen im Grünen verbracht wird. Ob es die verschiedensten Vereine, oder auch nur die für diesen Tag gemeinsam aufgerufenen Familienmitglieder sind: Pläne haben sie alle gründlich gemacht. Es gibt kein Ausflugsziel im näheren und weiteren Umkreis, das nicht in Erwägung gezogen worden wäre. Ziele, die fick) zu Fuß, per Rad oder auch im Auto oder Omnibus erreichen lassen, auf alle Fälle lohnende Ziele, auf dercm Weg and) einladende Einkehrsmöglichkeiten winken.
Zu verwundern ist es nicht, daß sich diese Eigenart des Himmelfahrtstages im Laufe der Fähre fo herausgebildct hat. Was liegt näher, als die freien Stunden, die uns in dieser köstlichen Zeit des Blühens und des Werdens zur Verfügung stehen, draußen in Wald und Feld zu verbringen? Jeder Sonntag, erscheint jetzt geradezu wie ein Geschenk, das weidlich ausgekostet werden muß. Kommt aber ganz und gar ein Feiertag in der Woche, wie dieser Himmclfahrtstag, dann ist der Drang ins Grüne mächtiger als jede andere Regung, so daß die Losung Viktor von Scheffels beinahe magische Kraft gewinnt: „Wohlauf, die Luft geht frisch und rein, wer lange sitzt, muß rosten!"
Also geht es hinaus — sofern der Wettergott keinen Strich durch die Rechnung macht. Dieser mögliche Strich burd) die Rechnung ist allerdings das Problem, das bis zum letzten Augenblick alle Ausflugsbegeisterten in Spannung hält. Wird es regnen? Wird die Sonne scheinen? Es gibt Pessimisten, für die cs als eine ausgemachte Sache gilt, daß es am Himmelfahrtstag in Strömen gießen muß. Ihnen gegenüber steht die größere Zahl der Optimisten, die sich in ihrer Hoffnungsfreudigkeit nicht beirren läßt und recht daran tut. Denn jo erträglich wird das Wetter allemal fein, daß der Ausflug doch unternommen werden kann, selbst wenn er 'später durch eine längere Pause in einer Gastwirtschaft unterbrochen werden muß (was der Begeisterung für den Ausflug keineswegs besonderen Abbruch tut).
Denn wie es bei allen Ausflügen, Picknicks und gemeinsamen Veranstaltungen ist, so zeigt es fid) insbesondere auch am Himmelfahrtstage: es handelt sich ausschließlich um eine Angelegenheit geselliger Freude. Alle, die wir Tag für Tag an den Arbeitsstätten unsere Pflicht erfüllen, find für jede Gelegenheit dankbar, in Gemeinschaft fröhlich zu fein. Daß uns der Himmelfahrtstag auch in diesem Jahr dazu verhelfen wird, wer möchte es bestreiten?
H. W. Sch.
Vornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
Stadttheater: 19.30 bis 22 Uhr „Meine Schwester und ich". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Der Gouverneur". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Salonwagen E 417".
Tageskatender für Donnerstag (Himmelfahrt):
Großes Luftwaften-Konzert auf der Burg Gleiberg, Beginn 15.30 Uhr. — Gloria-Palast (Seltersweg): „Der Gouverneur". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Die Hochzeitsreise". — Himibelsahrts- Ausflüge: TV. von 1846 Abfahrt 8.20 Uhr, MTV. Abfahrt 9.57 Uhr; 1900: Treffpunkt 7 Uhr Lahnbrücke.
Sladtlhealer Gießen.
Heute abend findet eine Wiederholung des musikalischen Lustspiels „Meine Schwester und ich" von R. Benatzky statt. Spielleitung Gert Buchheun, am Flügel Joachim Popelka. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 31. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Ende nach 22 Uhr. _________
anderer Fragen besprochen wurden, regte der Kreisleiter die Instandsetzungen der Ortsdurchfahrten an.
In einem zweiten Vortrag sprach der Leiter des Arbeitsamtes Gießen
Oöerregierungsrat Nr. List
über „A r b e i t s e i n s a tz f r a g e 'n". Er schilderte den Arbeitsprozeß, der zur Zeit auf Hochtouren läuft und für den auf weite Sicht eine Entspannung nicht zu erwarten ist. Da für diese großen Arbeitsvorgänge keine ausreichenden Arbeitskräfte mehr zur Verfügung sind, mußte die Bewirtschaftung der Arbeitskräfte aud) auf solche Personen zurückgreifen, die in Arbeit stehen. Nachdem eine Rangordnung der Dringlichkeit für die Arbeitsaufführung geschaffen ist, wird auch in diesem Jahre in noch höherem Maße von dieser Herausnahme der
Man kann auf 2 Arten braun werden:
l Allmählich on die Sonne gewöhnen, was das vernünftigste ist. Dann nimmt man die re»
bewährte NIVEA-CREMEI
2 Vom erstenTagon lange in der Sonne bleiben und - schnell braun werden! Dann braucht /öjffV-wr man NIVEA-ULTRA.Ol m,t dem verstärkten Uchtschut^.
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Bürgermeisteriagung in Gießen.
Die Kreisabteilung Gießen des Deutschen Gemeindetages hielt am gestrigen Dienstag im Landratsamt eine Bürgermeisterversammlung ab, bei der zunächst der von seinem Amt als Vorsitzender der Kreisabteilung zurückgetretene Bürgermeister Euler infolge Eingemeindung der von ihm geführten Gemeinde Wieseck in den Stadtkreis Gießen verabschiedet wurde. Nach den Begrüßungsworten des Vorsitzenden, Bürgermeister E u - ler, sagte der Hoheitsträger der Bewegung im Kreise Wetterau, Kreisleiter Backhaus, dem scheidenden Vorsitzenden den Dank der Partei für die von ihm geleistete Arbeit und für die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Bewegung. Als Nachfolger führte er den Kreisschulungsleiter und Leiter der Kreisschule Wetterau, Bürgermeister Michel (Großen-Linden), in das Amt des Vorsitzenden der Kreisabteilung ein. Dabei sprach er dic Hoffnung aus, daß er die Nachfolge in der gleichen Weise zum Wohle des Kreises führen möge.
Der Landrat des Landkreises Gießen, Dr. Lotz, würdigte die Arbeit des Bürgermeisters Euler, deren Bedeutung er durch die Herausstellung der Aufgaben der Kreisabteilung als eines Gliedes der alle Gemeinden und Verbände umfassenden Organisation des Deutschen Gemeindetages unterstrich. In diesem Zusammenhang erkannte er an, daß Bürgermeister Euler sich die vordringlichste Aufgabe, seine Kameraden weltanschaulich auszurichten, damit sie ihrx Pflicht im gleichen Sinne in den Gemeinden erfüllen konnten, sehr angelegen sein ließ, und durd; die verschiedenen Bürgermeisterversammlungen seine Kameraden in ihrer Arbeit wesentlich unterstützte. Mit dem Dank dafür verband er den Dank für die vertrauensvolle und harmonische Zusammenarbeit mit den Beamten des Landratsamtes. Indem er den Amtslütthfolger, Bürgermeister Michel, begrüßte, sprach er die Erwartung aus, daß auch unter seinem Vorsitz das vertrauensvolle Verhältnis unter den Kameraden und zwischen Vorsitzenden und Landratsamt fortbestehen möge.
Der scheidende Vorsitzende, Bürgermeister E u - ler, dankte dem Kreisleiter und dem Landrat für das Vertrauen, durch dos sie seine Arbeit gefördert haben. Er erinnerte an feine vor fast sechs Jahren erfolgte Berufung durch den Leiter des Hessischen Gemeindetages, Oberbürgermeister Ritter, und rief mand) trübe Erinnerung, so an die Arbeitslosigkeit, die Wirtschaftsdepression und Hoffnungslosigkeit jener Tage wach. Mit Stolz konnte er nun darauf Hinweisen, daß die Kreisabteilung große Arbeiten getan hat und daß sie in der Durchführung der erforderlichen Maßnahmen mit an erster Stelle stand. Bürgermeister Euler dankte Kreisleiter Backhaus für bas rege Interesse, das er den Arbeiten der Kreisabteilung entgegengebracht hatte, Landrat Dr. Lotz für die gedeihliche Zusammenarbeit und tatkräftige Unterstützung und seinen Kameraden für das harmonische Einvernehmen, durch das dem Kreise Gießen am besten gedient war. Er sagte weiterhin der Presse seinen Dank dafür, daß sie durch die verständnisvolle Mitarbeit mitgeholfen habe, die Durchführung der Maßnahmen 3U erleichtern. Zum Schluß wandte er sich mit der Bitte an feine Kameraden, ihre Arbeiten zum Wohle der Gemeinden und des Kreises als eme Verpflichtung gegenüber dem Manne zu tun, der uns einer besseren Zukunft entgegenführt.
Bürgermeister Michel übernahm den Vorsitz mit dem Versprechen, ihn im Sinne der Idee des Führers fortzuführen, und indem er seinem Vorgänger namens der Bürgermeister ^dankte, bat er diese, ihm ihr Vertrauen entgegenzubringen.
Kreisleiter Backhaus,
der über „D i e Aufgaben des Bürgermeister s" sprach, gab zunächst bekannt, daß Bürgermeister Euler für seine Verdienste um den Kreis Gießen eine Erinnerungsgabe Überreicht wird. Hierauf legte er die Art der Zusammenarbeit zwischen Bürgermeister und Ortsgruppenleiter und
für die überwiegend bäuerlichen Gemeinden auch die mit dem Ortsbauernführer bar. Dabei stellte er heraus, baß bie Amtsführung des Bürgermeisters ebenso wie die des Ortsgruppenleiters getragen sein muß von der weltanschaulichen Grundhaltung, aus der heraus er die Sicherheit und die Energie für die Durchführung der erforderlichen Maßnahmen erhält und burd) bie er auch bas rechte Verstänbnis für seine Dorfinsassen finden wird, und sachlich und korrekt das zu tun, was notwendig ist.
Im Verlaufe seiner Ausführungen hob er weiter die vordringlichen Aufgaben der HI.-Heimbeschaf- fung, der Anlage von Schwimmbädern und NSV- Kinbergärten hervor, und zeigte Wege, wie sie zusätzlich Geldmittel für die Förderung dieser Maßnahmen frei machen können. Der Kreisleiter sprach den Wunsch aus, daß überall wenigstens in den Sommermonaten NSV.-Kindergärten' errichtet werden sollen, damit die Mutter auf dem Lande eine Erleichterung in ihrer Arbeit erhalten kann. Weiterhin teilte der Kreisleiter mit, daß zum 1. Juli in einer Anzahl von Gemeinden selbständige Ortsgruppen der Partei eingerichtet werden, und er bat die Bürgermeister um die entsprechende Unterstützung für die in Kürze zu ernennenden Ortsgruppenleiter.
Ferner forderte der Kreisleiter die Bürgermeister auf, durch Zusammenarbeit mit den Genossenschaften für die Errichtung von Gemeindewaschküchen, die Beschaffung von Geräten für die Landwirtschaft und für die Gemeinschaft Sorge zu tragen. Nach einer Schilderung des Gaumusterdorfes Holzhausen gab er den Wunsch bekannt, daß auch im Kreise Gießen mit derartiger Gemeinschaftsarbeit begonnen werden möge. Diejenigen Ortsgruppen, die sich in diesem Sinne betätigen, werden herausgestellt werden. Die Gemeinden müssen burd) die Erneuerung ihrer Rathäuser, wie es Großen-Buseck bereits getan hat, den Gemeindebewohnern ein Beispiel geben. Schließlich empfahl er den Bürgermeistern die Anlage eines Dorfbuches und bas Zusammentragen aller kulturhistorischen Erinnerungsstücke und Funde für eine Ausstellung „Deutsches Ahnenerbe". Namentlich durch Farbaufnahmen aus dem Dorfe soll in der Jugend der Sinn für bie Schönheit ber Heimat geweckt werben. Nachbem noch eine Reihe
Arbeitskräfte aus ben weniger wichtigen Betrieben im Wege der „Verpflichtung" Gebraud) gemacht werden. Der Vortragende gab ben Bürgermeistern Richtlinien für biese Maßnahmen und ersuchte die Bürgermeister, burd) Aufklärung in ihren Gemein- ben bas Verständnis hierfür zu wecken. Die Sicher« heit bcs Reiches macht solche Maßnahmen uner- läßlich. Auf der anderen Seite sind Anordnungen getroffen, um Härten auszugleichen.
Weiterhin sprach er über die Beschränkung der Freizügigkeit und die Kündigungsbeschränkung, die Beschaffung von Arbeitskräften für die Landwirtschaft aus dem Pflichtjahr, dem Arbeitsdienst und dem Ausland, wobei er ersuchte, sich mit diesen Hilfskräften einstweilen zu bescheiden, bis das Reich, das die Not kennt, weitere Hilfsmaßnahmen getroffen haben wird.
Schließlich machte er noch interessante Ausführungen über die Nachwuchslenkung und über die Zuteilung von Baumaterialien.
Lugend im Lustschuh.
Eine HI.-Lufischuhübung in Gießen.
Am gestrigen Dienstagabend fand auf Oswalds- garten eine HJ.-Luftschutzübung statt. Auf der Seite nach der Kirchstraße zu war durch Fahnen der Partei, der HI. und des Reichsluftschutzbundes ein schöner Hintergrund geschaffen. Im großen Viereck waren die Gefolgschaften des Standortes Gießen der HI., der BDM. und die Amtsträger und Amtsträgerinnen bcs Reichsluftschutzbunbes aufmarschiert. Ferner hatten sich der Vertreter des Kreisleiters, Äreispropaganbaleiter Heß, Standortoffizier Major Krehan, Major der Schutzpolizei Hellwege- Emden, ber Sachbearbeiter des Lanbratsamtes, Reg.-Rat Dr. Krüger, Beigeorbneter V o g t, ber Abjutcmt ber Kreisstelle bes Deutschen Roten Kreuzes, die die Ausbildung der HI. im Bereitschaftsdienst vornimmt, DRK.-Hauptführer Röhr, sowie der LS.-Führer Schmidt cingefundcn.
Der Leiter der Veranstaltung HI.-Standortführer Oberstammführer Dr. Schneider entbot den Willkommensgruß und würdigte die Zusammenarbeit von HI. und Luftschutzbund. Im Auftrage des auf einer Dienstreise befindlichen Kreisleiters überbrachte
KreiSümtsleiter e. h. Heß
die Grüße. Er versicherte HI. und Lüftschutzbund die Unterstützung ber Partei unb unterstrich die Bedeutung dieser Ausbildungsarbeit. Dabei hob er hervor, daß im Ernstfälle den Frauen und der Ju
gend die Hauptarbeit für den Schutz der Heimat zufallen wird, und daher begrüßte er diese Vorbildung als eine Selbsterhaltungsmahnahme. Im weiteren Verlauf feiner Ausführungen würdigte er die ersprießliche Zusammenarbeit zwischen Hitler- Jugend und Luftschutzbund und sprach der HI. im Auftrage ber Kreisleitung Anerkennung für beit Eifer aus, mit dem sie sich biefen Aufgaben unter« Zieht.
Nach einem Ueberblick über bie politische Lage stellte Pg. Heß fest, baß die Rüstung für bas beutsche Volk ber Garant bafür ist, baß bie Nachbarvölker bes Reiches, ob sie wollen ober nicht, ben Frieden wahren müssen. Zum Schluß forderte er alle Volksgenossen unb befonbers die Jugend zur Mitarbeit am Luftschutz auf.
LS.-Oberführer Cloh
erinnerte an den 6. Gründungstag des Reichsluftschutzbundes, ber — wie alljährlich — burd) diese Hebung begangen wird. In einem Rückblick auf die Arbeit in dieser Zeitspanne stellte er die drei Aufgaben, ber Aufklärung, ber Ausbildung unb ber Werbung heraus, bie in Gießen eine guten Fortschritt genommen haben, so daß mit bestem Erfolg zuerst bie Marine-HI. und jetzt aud) bie anderen Gefolgschaften ber HI. im Selbstschutz ausgebilbet werben konnten. Er bankte ben HI.-Führern für bie verständnisvolle Zusammenarbeit, durch die es
6250 verlorene Bräute.
Don Peter Barnni.
Gefühle täuschen nicht immer. Im allgemeinen hat man bas Gefühl, daß zwei, die sich lieben, nebeneinander durchs Leben gehen sollten. Man kann zwar keine Vorschriften darüber machen wie lange sie bas tun sollen. Denn bie Liede ist ebenso -unvollkommen wie die Menschen, die an ihr leiden, fo daß Menschen, bie sich lieben, ebensooft gegeneinander- ober auseinanbergehen wie nebeneinander. Aber niemand würde wohl einen Einwand erheben, mpnn man bie Vorschrift machte, baß Leute, bie sich lieben, nicht hintereinander durchs Leben gehen sollten.
In der Tat, wenn man sich vorstellte, daß an einem schönen Maienabend im Tiergarten bie Liebespaare alle hintereinander herg'ingen, wobei sie Zimmer mit beiden Händen fein en Gürtel s e) thielte, ■fo würde man bas wohl ziemlich komisch finden. Es gibt aber Tausende von Liebespaaren die so durch bie Natur schweben, wenn sie nämlich außer durch die Bande ber Liebe noch durch bas Gestell bes Motorrads miteinander verbunden sind.
Man hat beim Anblick von Liebespaaren in dieser merkwürdigen stereometrischen Anordnungl immer das Gefühl gehabt, baß ba etwas nicht w Ordnung fei. Unb bieses Gefühl ist burd) eine statistische Untersuchung aufs glänzenbste gerechtsertiat worbem Eine polizeiliche Untersuchung m ben Bereinigten Staaten hat ergeben, baß im letzten Jahre im ganzen 6250 Mädchen vom Kameradschaftssitz gefallen unb verlorengegangen sind.
man müßt- üi°s° 6250 h-runt-rg-fall-nen M«d- chen in einer hübschen Herbe auf ber einen oeite eines Stadions versammeln Auf der anderen Seite müßte man die 6250 Jünglinge aufstellen, bie jeber eine Liebe fürs Leben auf bie Straße geworfen haben. Dann müßte man fünf
gebieten, unb man fönnte fidjer fern, baß an feiner Stelle der menschlichen Geschichte eme solche Fülle uon Einsicht in die Nutzlosigkeit von Seschrvmblgkeit n der Liebe stattgehabt hatte wie in diesem Cta- bion ber verlorenen Bräute. Dann kann e man ei 'urzes Trompetensignal ertönen lassen, unb die von der Geschwindigkeit auseinanbergerissenen Herzen dürften sich in stürmischer Weise wieder miteinander ^NMu/lich würden dabei eine ganze Reche von Verwechslungen vorkommen, ba eine Motorbraut hren Liebsten natürlich besser von hinten a born kennt, und ein Liebster feine Motorbraut mei- tens überhaupt noch nicht richtig angesehen Y
Aber zum Schluß wird die Rechnung aufgehen, und nur ber Trompeter und ber Chronist werden übrig- bleiben.
Unb wenn diese beiden dann eines Tages zur allgemeinen Verblüffung ihren neunzigsten Geburtstag feiern werden, wird die Menschheit wieder ein Stück weitergekommen sein, und die beiden Ehrengreife werden darüber manche bemerkenswerte Weisheit von sich geben, wovon der Chronist bann zu angemessener Zeit dem geneigten Leser gebüh- renbe Kenntnis geben wirb.
Der Erste.
(Sin Auio-(§rlebnis von HansIoachini Müller.
„Er ist nicht mehr ganz jung", sagte Marion, „aber wie bie Leute ihn finben, kann einem dock) gleichgültig sein, nicht währ?"
„Gewiß", pflichtete ich ihr bei, „danach soll man sich nicht richten." ,
„Ick) bin ja so glücklich, daß ich ihn habe, ich möchte ihn gar nicht mehr allein lassen. Stell dir vor, mein erster Wagen!"
Hiermit traten wir vor die Haustür, und ich erblickte eine hochbeinige, lehmgelbe Limousine. Der Lack war blind, und die Kotflügel zeugten von vergangenen Kämpfen.
„Fein, was?" sagte Marion erwartungsvoll. „Sieht doch noch anständig aus, meinst du nicht?"
Ich versicherte, daß sie sehr gut gekauft habe. Dann wurde ich aufgefordert, einzusteigen.
„Gas weg, auskuppeln, ausschalten, zweiter Gang, einkuppeln, Gas geben", murmelte Marion halblaut und angestrengt vor sich hin. „Aber was ist denn? Er bleibt ja stehen?"
Sie überlegte einen Augenblick.
„Bitte, sag nichts. Ich muß selbst drauf kommen. Ick) habe ihn doch nicht abgewürgt? Was könnte ich denn falsch gemacht haben?"
Sie startete wieder, aber im zweiten Gang oc- gann er zu stottern unb stanb still. Nach dem dritten Versuch gab sie es auf. .
„Sieh nur", rief sie aufgeregt, „er raucht ja ^In der Tat zeigten sich Spuren von Rauch. Er rauchte nicht nur, es roh auch danach.
Nun sitz doch nicht so unbeweglich ba Du kannst doch auch mal den Mund auftun. über wahrscheinlich weißt du ja selbst nicht, woran es ^/Vielleicht", sagte ich, „kommt es durch die ungezogene Handbremse?"
„Hab ich das schon wieder vergessen? Natürlich! Na, ich hätte es auch ohne dich gemerkt. Jetzt geht er richtig. Hoppla, ein Radfahrer. War ein bißchen knapp aber du brauchst keine Angst zu haben. Ich hatte einen sehr guten Fahrlehrer."
Das Tachometer zeigt nach kurzer Zeit auf sünf- undbreißig, unb ich muß sagen, bas kam mir schnell vor. Ich dachte daran, daß ich jetzt irgendwo sitzen konnte unb in Ruhe meinen Kaffee trinken.
„So, jetzt kannst bu ein bißchen den Gang festhalten, der geht nämlich bei vierzig raus. Komisch, was, wie kommt das? Der einzige Fehler, ben ber Wagen hat."
Ich hielt den Schalthebel fest, der nach vorne zu rucken begann.
„Ich bin ja froh, daß ich es geschafft habe mit ber Fahrprüfung. Ich hatte solche Angst bavor. Alle hätten mich bock; ausgelacht, wenn ich durchgefallen märe. Wochenlang habe ich vor bem Schlafengehen gepaukt, was man beim Vergaserbrand macht und was eine Hauptverkehrsstraße ist."
Fünfzig, unb lauter belebte Querstraßen!
„Als ich bann morgens zur Prüfung gegangen bin, habe ich keinem Menschen ein Sterbenswörtchen gesagt."
Sechzig. Wenn sie rebet, kann sie doch unmöglich aufpassen.
„Von der reinsten Mordkommission finb wir geprüft worden. Mich hat er gleich gefragt, wieviel Umdrehungen macht die Pleuelstange auf eine Umdrehung ber Kurbelwelle? Ich habe gesagt: ,Zweip Aber das hatten wir von ber Nockenwelle gelernt. Im Vertrauen gesagt, ich weiß gar nicht, was Nockenwelle unb Pleuelstange eigentlich finb."
Da, ber Lastwagen! Bremsen — Bremsen! Gott fei Dank, bas war reines Glück. Hinter uns Tumult.
„Laß bie ruhig schimpfen, ich hatte ja Vorfahrtsrecht. Ich glaube wenigstens. Du mußt nicht fo ängstlich fein. Uebrigens, Kurbelwelle und Pleuelstange brauchten sie meinetwegen nicht einzübauen, Hauptsache, der Wagen läuft."
„Da hast bu recht."
„Hier wird bie Straße frei. Da können wir mal aufdrehen."
Der alte Kasten kommt fast auf achtzig. Soll ich ben Schalthebel loslassen. Die Vorsehung. hat mir diese Chance in die Hand gegeben. Ich bin in ben besten Jahren, schließlich.
„Nanu, warum hast bu losgelassen?" fragte sie, als ber Motor leer aufheulte. „Jetzt muß ich halten, sonst kriege idj ben Gang nicht wieber rein."
Mein Puls würbe ruhiger.
„Uebrigens bei ber Prüfung hat er noch gefragt, was ich machen würbe, wenn ich im Winter beim
Starten merke, baß das Benzin gefroren ist. Das haben wir nicht gehabt im theoretischen Unterricht, aber ich wußte mir sofort zu helfen.
Ja, habe ich gesagt, ein Streichholz darf man nicht unter den Tank halten wegen Explosionsgefahr. Dann würbe ich mir eben einen Eimer mit heißem Wasser holen und feud)te Tücher auf den Tank legen. Ich finde, bas ist boch nicht zum Lachen, ba soll erst mal einer drauf kommen, nicht? Der Prüfer hat gesagt, er würbe es auch so machen, und ich hätte bie Prüfung bestanden."
Leiber blieb der Wagen jetzt auf einer Kreuzung von Straßenbahnschienen stehen. Sie trat auf ben Starter, fuhr an und blieb wieder stehen. Sie jagte, ich solle nichts sagen, sie müsse es allein schaffen.
Hinter uns hupte es unausgesetzt, unb mehrere Straßenbahnen klingelten. Nach geraumer Zeit erhielt ich Sprecherlaubnis: Sie hatte versucht, mit dem dritten statt bem ersten Gang anzufahren.
„Wenn es bir recht ist, hole ich dich morgen wieder ab", sagte sie, als wir uns verabschiedeten.
„Hör mal, Kind, morgen muß ich bis abends arbeiten."
„Du Aermster. Na, bann übermorgen." „Uebermorgen habe ich eine Einladung." „Dann werbe ich anrufen, bamit wir bie nächste Fahrt ausmachen."
„Gewiß", sagte ich, „ruf mich am besten mal an. Vielleicht paßt es in ber nächsten Woche. Wenn nicht, bann später. Ich werde schon mal wieder in deinem Wagen fahren."
„Später", dachte ich, „später, wenn sie den zweiten ober ben dritten hat ..."
Hochschulnachnchien.
Professor Dr. Erhard Riecke, ber frühere Dr« binarius für Haut- unb Geschlechtskrankheiten an ber Universität Göttingen, beging seinen 70. Geburtstag. Riecke, ber früher in Leipzig wirkte, kam 1917 nach Göttingen unb erhielt hier 1920 bas Orbinariat, bas er bis zu seiner (Emeritierung (1935) innehatte. Neben verschiedenen ber» matologischen Abhanblungen in Fachzeitschriften hat er vor allem ein Lehrbuch ber Haut- unb Geschlechtskrankheiten veröffentlicht, bas ein unentbehrliches Hilfsmittel für Stubierende und Aerzte ist.
Professor Dr. Wilhelm Haberling, Ordinarius für Geschichte der Medizin an der Medizinischen Akademie Düsseldorf, mürbe zum orbentlidjen Mitglied ber Kaiserlid) Leopolbinisch-Carolinisch Deutschen Akabemie der Naturforscher in Halle ernannt.


