am 5. Dezember seine Armee verlassen hatte, um
Stollen trugen, und mit Hilfe aller Mannschaften, eine steile, mit Glatteis überzogene Höhe zu überschreiten, während rechts und links von ihnen die Kosaken bereits, über das Eis des Niemen ritten. Die Märsche der nächsten Tage verliefen unter fortgesetzten Verlusten bei kleineren Nachhutgefechten, aber das schlimmste war überstanden, lieber Scrande ging der Marsch nach Wirballen, das am 15. Dezember erreicht wurde. Dort hatten die hessischen Truppen eine „Parade" vor König Murat, der nach der Abreise des Kaisers Napoleon, der
kau bis Wilna mitgemächt hatten. Mit tiefer Erschütterung empfing der Prinz den Oberst von Schönberg und ließ sich die Schicksale' des leichten Infanterie-Regiments schildern. Er faßte auch sofort, trotz des Widerstandes der französischen Führer, alle Hessen wieder unter sein Kommando zusammen und setzte durch, daß sie der „alten Garde", die noch feste Verbände aufwies, angegliedert wurden. Das hatte ben großen Vorteil, daß sie an der bevorzugten Belieferung für diese Elite-Truppe teilnahm, die allerdings nach dem Bericht des Prinzen Emil
hauptsächlich in einer Plünderung der Magazine mit am 5. Dezember seine Armee verlassen hatte, um roher Indisziplin bestand. Der großen Masse gegen- ^nach Paris vorauszueilen, die Trümmer der Armee
über hielt man unbegreiflicherweise die Vorratshäuser streng verschlossen, was das Elend und dje Verzweiflung der halbverhungerten und erfrorenen Soldaten natürlich aufs äußerste steigerte'
Dicht aufaeschlossen setzten am 10. Dezember die Hessen mit der alten Garde den Rückzug auf Somno fort. Die Kälte erreichte 28 Grad, die Leiden wurden immer furchtbarer. Das 6. Korps des Grafen Wrede hatte sich völlig aufgelöst, eine Nachhut gab es überhaupt nicht mehr. Lediglich der Marschall Ney konnte mit der Macht seiner Persönlichkeit bei Kowno ein paar hundert Mann sammeln, mit denen er den nachdrängenden Feind einige Stunden zurückhielt. Dadurch gelang es, die hessische Artillerie zu retten. Die Tatkraft des Kapitäns von Karlsen ermöglichte es, mit den sechs Geschützen unter den unsäglichsten Anstrengungen der Pferde, die ja sämtlich nur glatte Eisen ohne
mit wenig Geschick befehligt hatte. Die Stärke der hessischen Truppen war (nach dem Tagebuch des Prinzen Emil) folgende:
Leib-Garde-Regiment 5 Offiziere 12 Mann
Leib-Regiment 8 „ 13 „
Prov. Leichtes Inf.-Rgt. 26 „ 206 „
Artillerie 1 „ 44 „
Der Rest von 6800 Mann.
König Murat wunderte sich über die gute Haltung der Brigade (zusammen 40 Offiziere, 275 Mann). Er hatte allen Grund dazu. Denn was da vor ihm stand, das war eine Heldenschar ohnegleichen, der Mann für Mann der Lorbeerkranz gebührte, eine Schar, die in Tapferkeit und Treue, in Ausdauer und Manneszucht die schrecklichsten Leiden der Kälte und des Hungers überstanden, ein soldatisches Vorbild für alle Zeiten. (Fortsetzung folgt.)
Wann beginnt die Erinnerung?
„Oer Taubenschlag des Gedächtnisses." — Aufschlußreiche Experimente eines deutschen Forschers. — Wie viele Lebensdaten bleiben hasten?
23on Dr. $. Kaden.
Die Wissenschaft hat sich in letzter Zeit eingehend mit der Frage beschäftigt, wie groß unser Erinnerungsvermögen ist, und wie es überhaupt mit dieser in vieler Beziehung noch recht geheimnisvollen Fähigkeiten des Menschen steht. Besonders aufschlußreich war ein großangelegter Selbstversuch des bekannten deutschen Forschers Pros. R. Hennig, der erstmalig die Frage geklärt hat, an wieviele datenmäßig festgelegte Ereignisse aus unserem Leben mir uns erinnern können. Die Ergebnisse dieses Versuchs waren außerordentlich interessant; der nachstehende Artikel berichtet darüber.
Zahllose Einzelerinnerungen trägt der Mensch mit sich herum. Fortwährend vervielfachen sie sich durch neue Eindrücke und Erlebnisse, die in der unsichtbaren Vorratskammer, dem Erinne- rungsgut, aufbewahrt werden. Lange Zeit hindurch scheinen sie vergessen zu sein — aber dann tauchen sie blitzartig wieder im Bewußtsein auf. Irgendein Zufall kann den Anlaß dazu geben: ein belangloses Wort, ein Name oder eine Zahl, eine Melodie, der Anblick eines Gegenstandes, das Erleben einer Landschaft, irgendeine Stimmung ... Und wer wüßte nicht um jenen merkwürdigen Vorgang, der sich beim bewußten Suchen nach einer Erinnerung abspielt? Angestrengt denken wir nach: wann, wo, wie war es?' Wie war der Name, die Zahl, die Melodie? Es will uns nicht gelingen, darauf zu kommen, und wir geben unsere Bemühungen auf. Und dann, nach kürzerer oder längerer Zeit ist das Gesuchte plötzlich ,,ba". Es ist uns, wie wi^ zu sagen pflegen, „eingefallen". Wie auf ein Klingelzeichen hatte die Erinnerung den Wunsch des Bewußtseins vernommen und unbemerkt das Material ihres Speichers gesichtet. Nichts wirklich Eindrucksvolles geht völlig verloren. So gleicht das Gedächtnis, wie Plato vor mehr als 2000 Jahren sagte, „einem Taubenschlag, in den Tauben einziehen, in dem sie zeitweilig unsichtbar bleiben, und aus dem sie später wieder zum Vorschein kommen."
Die Erinnerung birgt also unsere Erlebnisse, unser Werden und Wissen, unser Wünschen und Hoffen, die glücklichen und leidvollen Erfahrungen. Sie ist unser eigener Lebensinhalt. Die moderne Psycho- logie bezeichnet daher die Erinnerung im Unter
schied zum Gedächtnis als das „Lebensgedacht- n i s". In ihm gestaltet sich die Geschichte unseres Daseins. Aber wie steht es nun mit der Exaktheit dex Erinnerung über lange Zeiträume — an wieviele Daten aus unserem Leben können wir uns erinnern? Der bekannte deutsche Forscher Professor Richard Hennig (Düsseldorf) hat sich in mühsamen, ins Einzelne gehenden Selbstoersuchen der Aufgabe unterzogen, diese Frage zu klären. Ueber sechs Jahrzehnte eines langen Lebens standen ihm dafür zü Gebote. Schon geraume Zeit war es feine Gewohnheit, in seinen Mußestunden zu prüfen, was er am jeweiligen Kalendertag des betreffenden Tages in früheren Jahren erlebt hatte. Allmählich zeichnete er die Zahl der Erinnerungen von Tag zu Tag auf, und er ergänzte die Liste von Fall zu Fall, wenn ihm nachträglich noch weitere Erlebnisse früherer Jahre zu diesem oder jenem Datum einfielen. Nach und nach entstand eine Tabelle, aus der er ersehen konnte, wie hoch die Gesamtzahl seiner datterbaren Lebenserinnerungen sei.
Auf ganz verschiedenen Wegen gelangten die Erinnerungsbilder und ihre Daten während des Selbstversuchs ins Bewußtsein — keineswegs immer „auf Anhieb", wie wir sehen werden. Oftmals tauchten sie in der bereits erwähnten Weise blitzartig durch irgendwelchen Anlaß auf oder sie erschienen auf Anruf des Bewußtseins, das ihnen grübelnd nachgegangen war. Manchmal weckte ein bestimmtes Datum eine andersartige Erinnerung, für die aber der genaue Zeitpunkt erst gefunden werden mußte. Ungeheure Schwierigkeiten erwuchsen, wenn das Jahr seststand, nicht aber Monat und Tag, oder wenn Wochentag nnd Datum gegeben waren, nicht aber Monat und Jahr. In solchen Fällen bedurfte es eines zähen Nachsinnens, rechnerischer Fähigkeiten, Kunstgriffe und, wie Hennig sagt, der „sonderbarsten Akrobatenkunststückchen des Datengedächt- nisses". Aber der Erfolg stellte sich überraschend häufig ein. Was längst vergessen gewähnt, erstand in neuer Klarheit. Jeweils vorgenommene Nachforschungen und nachträgliche Ueberprü- f u n g e n der Einzelfunde an Hand von brieflichen Aufzeichnungen und Tagebuchnotizen bestätigten die Richtigkeit der „erinnerten" Daten.
Sehr interessant war zunächst die Beantwortung der Frage, wann die ersten Erinnerungen einsetzen. Die Psychologie hat durch zahlreiche Un-
Ankunst auf dem Lande.
' Von Hans Brandenburg
Der Stadt entflohen —: das erste Ferienwort aller derer, die das übrige Jahr in künstlerischer Steinflut behaust sind. Und glücklich, wer die Stadtwohnung nicht nur mit Hotels, Gasthäusern und Pensionen vertauscht, sondern wer den Sommer in einem Bauernhause verleben darf. Wenngleich er aUe gewohnten Bequemlichkeiten dabei vermißt, was auch schon Erholung bedeutet — er ist eine Weile mitaufgenommen und doch angerührt von dem Kreisläufe naturgewollten, erdnahen Lebens.
Grüne, gewachsene Flut spült bis an den kleinen fcHgen Jnselstrand deines offenen Gartenhäuschens oder umschmeichelt deine Füße unter dem Tisch im Schatten der Obstbäume. Gleich vor der Schwelle wandern diese fruchtenden Böpme hinaus, in lockerer Versammlung ein Stückchen in den offenen Grasplatz hinein. Und dieser Orasgarten geht unmittelbar in die Wiesen über, in schlichtes Gemüseland, in das blaugrüne Wellenbeben des Kornes. Das Haus steht auf einer Kuppe, die nur so viel gehoben ist, daß die Welt um dich schwebt und du selber schwebst. Wenn du zurückblickst, hast du unten das Dorf. Wenn du vorwärtsblickst, hast du oben die Berge; und mit der Front des Hauses spielt dein Blick auf der Verbindung von beiden, schweifend über die Brücken und Bögen eines geschwungenen Landes.
Das klösterliche Dorf, gegen das die blühenden Lindenwipfel der Straße anmarschieren, würfelt wie Spielzeug Tor, Schloß und Häuser, Satteldächer und Kirchenschiff in den grünen Geländeteppich. Sein weißer Turm und seine Haube, ein Ritterhelm mit Obelisk, ruhen auf dem Hintergrund eines Hügels, auf Weidenblößen und Fichten- ketten, ein zweiter höherer Hügel mit Wallfahrtskirche schließt sich an; wie Glieder eines Leibes lagert sich dieser Doppelbug, durch die Zäsur einer bezaubernden Senke getrennt. Außer dem Dorf und feiner Umgebung gibt unsere Kuppe keine Tiefe frei, sie rollt ihren Rand so ein, daß Straße und Bergflußtal in unsichtbarer, blau dunstender Falte versinken. Aber jenseits kommen hinziehende Wald- lehnen hoch, überschnitten von einem herrlichen Sattel, auf dem ein Dorf mit spitzem Turme reitet und von dem die Felder und Aecker wie Schabracken heradhängen. An ihm vorbei werden die Blicke wie Bälle vom Zug und Gegenzug grünen Wogenganges zum Gebirge emporgeworfen. Der Abend spannt die Pyramidenzelte der Dorberge aus, er stürzt Lichtkaskaden durch die Scharten zackiger
Felsburgen und haucht die höchste Wand wie Schaum aus Glas sand rosig auf. Wenn sie zu Schlacke erbleicht, legt ein einzelnes Dach in der Nähe noch kaminroten Brand davor.
Du wirst erwachen von jenen Vogelstimmen, die auch im Sommer nicht verstummen, vom Lerchenlied, vom Schnalzen der Rotschwänzchen, vom Schwalbengezwitscher über der Treppe neben deiner Zimmertür. Und in den nächsten Wochen werden deine gefangenen mauer- und bücherbegrenzten Augen fliegend, horizontfrei, raumbeherrschend wie Adler.
Oer historische Grünewald.
Mathis Gothardt-Neidhardi
Die Persönlichkeit des Meisters des Jsenheimer Altares ist trotz der tiefen und nachhaltenden Wirkung, die das gewaltige Werk ausübte, bis in die letzte Zeit fast völlig im Dunkel geblieben, und als fein Name wurde immer Matthias Grünewald angegeben, seitdem Sandrart 1675 diesen, ohne daß eine Begründung dafür vorlag, für den Künstler überliefert hat. Erst seit dem Weltkriege ist es der Forschung gelungen, erstaunlich viel zur Aufhellung des Lebensganges und der Lebensumstände des unvergleichlichen Malers zu ermitteln. In einem großen Werk „Der historische Grünewald: Mathis Gothardt-Neithardt" hat Walter Karl Zülch, der vor allem den Spuren des äußeren Daseins des Künstlers in unermüdlicher Forscherarbeit nach- gegangen ist, seine Ergebnisse zusammengefaßt; über diese berichtet Otto H. F ö r st e r im Aprilheft Der bei F. Bruckmann in München erscheinenden Monatsschrift „Pantheon".
Zunächst der Name. Daß Matthias Grünewald der richtige Name des Meisters sei, wurde im Laufe os.r Forschung immer stärker bezweifelt. Die eigenhändigen Monogramme weisen neben „M. G." mehr- fach ein unerklärliches „N" auf, und der Nams Grünewald kommt in keiner Quelle vor, wo vielmehr stets ein „Meister Mathis der Maler von Aschaffenburg" genannt wird. Als „Mathis ? e 14 " .'st der spätere Schöpfer des Jsen-
heimer Altars in Würzburg geboren, und er hat anscheinend kurz vor 1516, während der Arbeit an seinem Hauptwerk, feinen Namen in „Gothardt" geändert. Mit Rücksicht auf bestehende Rechtsbräuche mußte er aber auch den Geburtsnamen beibehalten ünd trug so einen Doppelnamen: dies erklärt das Monogramm „M. G.N.". Wenn cs auch schwer scheint, den Namen Grünewald aufzugeben, der uns so lange Höchstes bezeichnet hat, so treten die For-
Der Hinweis - ein Blick in die Zeitschriften.
Moderne Musik.
Leben mir heute in Deutschland von der großen Musikkultur der Vergangenheit oder besitzt unsere Zeit eine eigene schöpferische Musikkultur? Mit dieser Frage beschäftigt sich Walther Abendroth in einer Betrachtung „Vom Lebens- und Entwicklungsrecht des jungen Musikschaffens", im Maiheft der „M o natsschrift für das deutsche Geistes- leben". Der Verfasser bemerkt: „Es fehlt unserer Gegenwart durchaus nicht an großen und bemerkenswerten schöpferischen Begabungen. Allein nachdem viele Jahre hindurch das künstlerische Wollen und Wirken in der Tat starke Kennzeichen der Entwurzelung und Entartung getragen hatte und infolge mancher Zumutungen aller Art das Publikum aus Sälen und Theatern entflohen war, ist es nun dahin gekommen, daß bald alles in der Musik für Bolschewismus erklärt wird, was nicht dem entspricht, woran sich zu Anfang dieses Jahrhunderts Normalohren und Durchschnittsgemüter eben gerade gewöhnt hatten. Was dem Hörer, der nicht Musik erleben will, um am Geistesleben und am Gestaltungstrieb feiner Mit- und Umwelt teilzunehmen, sondern lediglich, um seine Gefühle und Gefühlchen hochzuschrauben und aufzublähen, — was diesem Hörer nicht auf den ersten Anhieb gefällt, das wirft er jetzt einfach schnell und bequem auf den Schutthaufen des Kulturbolschewismus." Solche Hörer hätten einst auch die Größten der deutschen Musik abgelehnt. „Bach, Mozart, Beethoven, Wagner — er vor allem — erschienen in ihren entscheidenden Werken den Zeitgenossen nicht nur maßlos kühn, ohrenbeleidigend, häßlich und mißtönend, sondern auch überkompliziert und allzu schwer verständlich. Und das mit Recht — von der Ebene der jeweils gewohnten Norm aus, in welche die neue Substanz — zunächst ein Fremdkörper — ja erst eingehen sollte. Niemals vermag die Gegenwart ein gültiges Urteil zu sprechen über Wert und Bestand des Werkes, das mit neuem Stil und neuem Ausdruck in die Zeit tritt; denn sie kann durchaus nicht mit Sicherheit unterscheiden zwischen relativer Unverständlichkeit (die durch den Zusammenprall des Ungewohnten mit dem Gewohnten bedingt ist) und
absoluter (die als Schwäche, Unvermögen oder Entartung im Werke selbst begründet liegt)."
^5erü
Sie meinen, eine Glatze sei wie die andere? Und weil die Haare ausgefallen seien, so stecke nichts dahinter? Welch ein Irrtum! Zumindest allen denen, die eine Glatze haben oder voraussichtlich eine bekommen werde, sei die Lektüre einer kulturhistorischen - physiognomischen Plauderei in der „neuen 1 i n i e" empfohlen, wo Hans Erman unter dem Titel „Des Mannes Glatze sei ein Glanz" ebenso Erbauliches wie Tröstliches über den fehlenden Haarschmuck zu lagen weiß, wobei er auf nicht wenige berühmte Glatzen Hinweisen kann: „Man bedauert, daß unsere Physiognomiker sich nicht ausführlicher gerade mit den Glatzen beschäftigt haben, und man ist versucht, auf eigene Weise sie auszudeuten und zu typisieren. Breit aus der hohen Stirn, die der Kupferstich von Johann Heinrich Lips uns zeigt, steigt Goethes Glatze auf dem Bild Stielers empor, noch ein Büschel Haar in der Mitte, tief ausgebuchtete Geheimratsecken, alles zusammen umrahmt vom lockigen Randhaar. Wie anders die entzückende Glatze Schopenhauers; dicht über die Schläfen bringt das Haar, es deckt auch die Höhe des Hauptes, aber weit zog es sich vom Schädelansatz zurück, der Kopf ist zur hoch- geschwungenen Stirn geworden ... Eigenwillig floh Jean Pauls Lockenhaar längs des Scheitels rechts zurück, halb liegt der Kopf frei, halb decken ihn Locken. Breit, in mächtigen Ouerfalten fast stufenartig ansteigend wölbt sich Berlichingens Haupt zwischen seitlich fallenden Locken empor; in glatter, fast nackter Stirn wölbt sich Grabbes Kopf; schmal zusammen fließt das Haupt Hegels, genau so eng und hoch steht eines Walter von Plettenberg kahler Scheitel über dem seitlichen Haar, das fast in den Bart hinabwächst. Adolph Menzel wieder — was das Haar sonst verborgen hätte, diese stark nach vorn sich weitende Stirn zieht in flachem Gewölbe sich nach hinten zurück, breit und starrsinnig, gewiß auch selbstsüchttg, und doch durch die Falten der Stirn als Kopf des Künstlers gezeichnet."
tersuchungen festgestellt, daß die früheste Einzel- erinnerung des Menschen bestenfalls im zweiten, spätestens im neunten Lebensjahre möglich ist. Normalerweise stammen unsere ersten Erinnerungen aus dem Ende des vierten Lebensjahres. Prof. Hennig ist nun der erste Forscher, der seine früheste datierbare Erinnerung festgestellt hat. Sie liegt bei ihm drei Tage vor seinem dritten Geburtstage. Zu berücksichtigen ist hierbei, daß unser Gedächtnis erst im Alter von 10 Jahren voll entwickelt ist und sich von da ab in zunehmendem Umfange betätigt. Diese Tatsache hat in der Tabelle Prof. Hennigs ihren sichtbaren Niederschlag gefunden. Verhältnismäßig gering ist die Anzahl der frühen datterbaren Erinnerungen: bis zum 11. Jahre sind es nicht mehr als 32, von denen 24 auf die ersten vier Schuljahre entfallen. Erst mit den Entwicklungsjahren, zugleich also mit der vollen Entfaltung der Gedächtniskraft, werden sie häufiger und steigern sich beträchtlich. Außerordentlich aufschlußreich ist auch die zeitliche Verteilung der Erinnerungen. Bestimmte Monate erscheinen in der Tabelle häufiger als andere, die Sommerhalbjahre beleben die Statistik weitaus stärker als die Winterhalbjahre. Vom Standpunkt eines 60jährigen gibt es lange Strecken, für die sich die Erinnerung ungemein Leb- haft erhalten hat, während andere spurlos dahin- gegangen zu sein scheinen: jede Erinnerung an sie ist erloschen. Auch die Erinnerung der Menschen scheint also ihre „Gezeiten" zu haben, ihre Ebbe und Flut.
Nun aber zu dem Gesamtergebnis der datierten Erinnerungsbilder. Auf den Zeitraum von 621/2 Jahren entfallen insgesamt 5126 datierbare Erinnerungen. Im Durchschnitt ist also s a st ein Viertel aller von ihm durchlebten Tage für die Erinnerung lebendig geblieben. Prof. Hennig weist allerdings darauf hin, daß sein Versuch nicht eindeutig ist. Unternehmen ihn andere, dann ist
scher doch dafür ein, daß man auch in der Literatur dem Meister seinen echten Namen wisdergibt, nur noch von Mathis Gothardt-Neithardt spricht.
Ueber den Lebensgang des Künstlers hat Zülch ermittelt, daß er wahrscheinlich früher als man bisher dachte, vielleicht um 1460, geboren ist. In einem köstlichen, M. N. gezeichneten Bildnis eines jungen Malergesellen, dessen Auftauchen vor einigen Jahren die Kunstwelt erregte, hat er sich selbst dargestellt. Von 1486 bis mindestens 1490 hatte er als Meister in Aschaffenburg gearbeitet. Von den ersten zwanzig und vielleicht fast dreißig Jahren feines Schaffens wissen wir nichts, die 1503 einsetzende Reihe seiner erhaltenen Schöpfungen gibt nur von den letzten 20 Jahren seines Schaffens Kunde. Von 1501 an bis zum Tode am 31. August 1528 ist das mannigfaltige Hin und Her im Leben des großen Einsamen gut zu verfolgen.
25 Jahre lang „Maler und Bürger zu Seligenstadt", ist er zugleich Hofmaler des Mainzer Kurfürsten und mehr als das, künstlerischer Intendant von dessen vielseitigen Bau- und Kunstschöpfungen gewesen. Das Nachlaßverzeichnis führt noch die prachtvollen roten Hofgewänder an. Dazwischen hat er 1515 den Jsenheimer Altar vollendet. Es folgt der Maria-Schnee-Altar für die Stiftskirche zu Aschaffenburg, für Halle wird die Tafel nut Eraqmus und Mauritius geschaffen, die heute der Mittelpunkt des großen altdeutschen Saales der Münchner Pinakothek ist. Für das letzte große Werk, den Altar von Tauberbischofsheim, fehlen die unmittelbaren urkundlichen Nachweise. Ueber ihn fällt schon der blutige Feuerschein des Bauernkrieges von 1525, der Meister Gothardts Tätigkeit für den Mainzer Hof und feinen Aufenthalt in Seligenstadt ein Ende bereitete. Wie fein Büchernachlaß bartut, war er Anhänger Luthers und scheint, wie die ganze Stadt, mit den Aufständischen sympathisiert zu haben.
Vor der Rache des Fürsten mußte Meister Mathis mit allen, die ihr Leben retten konnten, aus der Heimat fliehen. Wir begegnen ihm erst in Frankfurt, dann feit 1526 in Halle, und am 1. September desselben Jahres, in dem auch Dürer, starb, wird zu Halle fein Tod beurkundet. Als „Wafferkunst- macher" hatte er feine letzten Jahre zugebracht. So rundet sich das Bild eines geistig, technisch und künstlerisch die Fülle des Lebens und der Erkenntnisse seiner Zeit in sich vereinenden, von der unerbittlichen Leidenschaft zur Wahrheit bis zur Aufopferung und Zerstörung seines Daseins besessenen Genies, das alle Höhen überschaut und überflogen, das Grauen der tiefften Abgründe durchlitten hat."
C. K.
damit zu rechnen, daß die „registrierbare Tätigkeit" des Gedächtnisses bei jedem Menschen etwas anders ist. Die Ergebnisse müßten auch nach dem jeweiligen Lebensalter, nach dem Gesundheitszustand usw. schwanken. Die Erfahrung lehrt, daß die meisten Menschen nur eine verhältnismäßig recht kleine Zahl ihrer persönlichen Erlebnisse zuverlässig da- tiereu können. Eingehende Versuche haben erwiesen, daß die Zahl 100 von vielen Menschen nicht über» schritten wird. Bei manchen Versuchspersonen waren sogar nur einige Dutzend Geschehnisse aus der Erin» nerung datierbar.
Prof. Hennig, der auf diesem Gebiet zweifellos ganz besonders befähigt ist, gibt mit seinem Selbstversuch einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der menschlichen Gedächtniskraft. Vielleicht werden sich diejenigen unserer Leser, die über ein besonders gutes Daten- und Zahlengedächtnis verfügen, dadurch angeregt fühlen, gelegentlich die datterbaren Erinnerungen aus ihrem Leden aufzuzeichnen. Der Gewinn einer solchen „amateurwissenschaftlichen" Arbeit ist nicht gering; blicken wir doch hierbei tiefer in unsere „persönliche Geschichte" und verbessern den Ueberblicf über unser von Tausenden von Erfahrungen und Erlebnissen durcb- wirktes Dasein.
Das Grab der bei den Thermopylen gefallenen Spartaner gefunden?
Im Laufe der Nachforschungen nach dem berühmten Schlachtfelde von Marathon ist man bei Ausgrabungen in der Gegend, in der man das Schlachtfeld vermutete, auf Skelette und auf antike Helme und Waffen gestoßen, die spartanischer Herkunft sind. Die Ausgrabungen werden von den Fachleuten mit größtem Interesse verfolgt und fortgesetzt. Man glaubt auf Grund der Funde das Grab der in der Schlacht bei den Thermopylen im August 480 v. Ehr. gefallenen Spartaner gefunden zu haben.
Zeitschriften.
•— "D a s Innere R e i ch". (Herausgeber: Paul Alverdes. Verlag Albert Langen/Georg Müller Verlag, München). — Der Herausgeber bat einen hervorragenden Kenner der italienischen Literatur, den verdienstvollen Förderer der deutschen Literatur m Italien, Professor Gabetti, ihm anhand von Droben einen Querschnitt durch die moderne ita» uemsche Literatur für deutsche Leser Herstellen zu helfen. So ist das erste Italien-Sonderheft der Zeitschrift entftanben. Zwanzig der bekanntesten Dichter des modernen Italien künden in Lyrik und Prosa vom Leben ihres Volkes in Geschichte und Gegenwart, in Zeiten des Krieges und des Frie* dens, in der Vielfalt und Eigentümlichkeit von Gestalten und Begebenheiten mit einem Instinkt für die (Situation des Dichterischen, mit einem Gefühl für das spannend Lebendige, mit einem Reichtum des Ausdrucks und mit einer Ehrlichkeit der Haltung, daß es erstaunlich ist, daß diese Dichter mcht langst bei uns heimisch sind. Elf Tafeln nach Werken verschiedener Maler und Bildhauer befestigen die Eindrücke, die die Dichter geben.
77. Für die Fußgesundheit der Kinder ist es wichtig, daß nicht erst gewartet werden darf, bis Jj® ihren Dienst versagen und schwer geschädigt sind, sondern daß schon auf die Fußgesund- heit geachtet werden muß, bevor stärkere Beschwerden auftreten — schon beim Kleinkind. Im Mai- Heft der Zeitschrift „Mutter und K i n d", (Der- lag Elwin Staude KG., Berlin W30 und Oster- wieck) findet die interessierte Mutter wertvolle Anregungen; Abbildungen erläutern den Text. Ebenso lehrreich sind für alle jungen Mütter auch die weiteren Beiträge wie z. B.:' „Hygiene des Schulkindes", „An der Wiege des Lebens", „Abenteuer zweier Maikäfer", „Mutti, sag mal, warum" usw.
„Der Bergsteiger" (Älpenverlag F. Bruck» mann KG. & Holzhausen, München'— Wien) bringt in feiner Aprilfolge für den Schiläufer, der im Frühling noch das winterliche Hochgebirge auf* suchen will, lohnende Fahrten um die Berliner Hütte, sowie Touren im Krottenkopfgebiet. Weitere Beiträge behandeln die Frage der Ernährung des Bergsteigers (von Professor Dr. Durig) sowie die des Wassertrinkens auf Bergfahrten. Schließlich lesen wir ein von feinem Verständnis für die kraftvolle Eigenart eines der bedeutendsten künstlerischen Gestalter der grandiosen Gebirgswelt diktiertes Gedenk» wort für den vor 20 Jahren verstorbenen Münchner Maler Fritz Baer aus der Feder Dr. Anton Schmids.


