Ausgabe 
17.5.1939
 
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Mittwoch,ir.Mai 1939

M. 114 Zweites Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Wehr und Waffen.

SPITZENLEISTUNG

OPEL

Krasiradschiitzen.

Die Kraftradschützen, die ihren Dienst auf Kraft­rädern versehen und Schützen und Maschinenge­wehre im Beiwagen mitfuhren können, find von allen Landstreitkräften die raschesten und haben die größte Reichweite. Sie bieten während des Mar­sches infolge ihrer hohen Geschwindigkeit und Wen­digkeit und bei ihrer kleinen Zielfläche keine lohnen­den Ziese für die Flieger, und sie verfügen felber über starke Feuerkraft durch ihre Maschinenwaffen, die sie zur Lösung selbständiger Aufgaben befähigen.

Die Krastradsvldaten vereinen den Vorteil größter Schnelligkeit mit allen Eigenschaften des vollwer­tigen Infanteristen. In sausender Fahrt rücken sie

und bereits am 18. Oktober verließ er die brennende Stadt, um den Rückzua des Todes auf Wilna an­zutreten. Mangel und Kälte, unausgesetzte Angriffe der rings umherschwärmenden Kosaken richteten bald so große Verheerungen an, daß kaum etwas mehr-als 40 000 Mann in den Tagen vom 9. bis 12. November Smolensk erreichten. Nur unter schrecklichen Leiden und Verlusten gelang es diesen Trümmern der einst so stolzen, ehemaligenGroßen Armee" den Rückzug hinter die Beresina zu bewerk­stelligen.

Und dies war gerade der Zeitpunkt, in dem das provisorische leichte Regiment" auf dieser Stätte des Grauens eintraf. Es hotte am 9. November in Wilna den Befehl erhalten, den Marsch zum 6. französischen Korps anzutreten, das nördlich der Beresina zur Deckung der rechten Flanke des Rückzuges stand, traf am 13. November dort ein und wurde der Brigade Coutard zugeteilt. Das 6. Armeekorps, nur zwei Brigaden und im

sack.

Die stete Verschlechterung der Beziehungen zwi­schen dem Kaiser Alexander von Rußland und Napoleon, die ihren Hauptgrund in der abge­wiesenen Werbung Napoleons um eine russische Großfürstin und im Nichteinhalten der Kontinental­sperre gegen englische Waren hatte, ließ den baldi­gen Ausbruch neuer Feindseligkeiten erwarten. Das treibende Element war auch hier England das auf diese Weise hoffte, endlich fernen Todfeind Na­poleon zu Boden zu ringen. Der Haß war gegen­seitig. Denn Napoleon hatte langst klar erkannt, daß England nicht allein sein, sondern der Feind der ganzen Welt war, die es wagte, sich seinen egoisti­schen Herrschergelüsten zu widersetzen. Genau wie heute! So kam es zu dem gewaltigen Kriege, Der für Napoleon trotz des Aufgebots von halb Europa das Grab feiner Hoffnungen und Plane wetten ^Bereits Anfang 1812 fetzten sich seine gewaltigen Heersäulen gegen die russische Grenze in Bewegung. Auch Oesterreich mußte em Hilsskorps von 30 000, Preußen ein solches von 20 000 Mann tdlen.^djon vorher, im Mai 1811, waren zwei WW Batail­lone des Leib-Regiments mit zwei Geschützen v o n Gießenzur sog. Beobachtungsarmee nach £an = 3 i q entsandt worden. Mitte Januar 1812 erfolgte die Mobilmachung sämtlicher hessischen Truppen, die am 17. Februar nach Magdeburg abruckten. Den Oberbefehl über sie hatte der Großherzog seinem jüngsten Sohn Emil übertragen, um, wie es m der bett. Ordre heißt,den Truppen aufs Neue einen Beweis Höchstseiner gnädigen Gesinnung und Liebe zu geben". Um es vorweg zu nehmen, Der sunge Prinz machte den ganzen Feldzug und auch ben9 Rückmarsch aus Moskau mit seinen Truppen mit ertrug mit ihnen alle Leiden in tapferster Weise und war in Wirklichkeit der Mittelpunkt und die Sorge seiner treuen Hessen. Es waren iw, gan- 3Cn 7322 Mann, die das Großherzogtum Hessen Napoleon zur Verfügung stellen mußte. Don ihnen befanden sich 1500 Mann (Regiment Groß- und Erbprinz, später 118) in Spanien, unsere beidm Stamm-Bataillone, Garde-Füsilier-Bataillon und Leib-Füsilier-Bataillon, waren je 757 Mann stark unö traten zum letzten Male als einzelne Bataillone

in die Erscheinung. Denn bereits am 22. Februar befahl ein Erlaß des Großherzogs die Vereini­gung der beiden Bataillone zu einemPrnot­orischen leichten I n f a n t e r i e - R e g i - ment", das unter dem Befehl des Oberst von S ch o e n b e r g trat und 31 Offiziere, 96 Unter­offiziere und 1280 Gemeine, im ganzen mit Unter­stab und Train so ldaten 1514 Köpfe zählte.

Während des Marsches nach Magdeburg erhielt das neue Regiment einen Sonderauftrag, der es aus dem hessischen Verband herausführte und ihm zunächst die großen Anstrengungen, die blutigen Schlachten und die entsetzlichen Leiden des Rück­zuges von Moskau ersparte, um es dann schließlich doch noch, bis an die Beresina nachgezogen, in die Trümmer der französischen Armee zu verwickeln und größtenteils zu vernichten. Auch die übrigen hessi­schen Truppen rückten, mit Ausnahme des bereits in Danzig befindlichen Leib-Regiments, nicht mit dergroßen Armee" in Rußland ein, sondern folg­ten ihr erst später; sie teilten restlos ihr grausiges Schicksal.

Das provisorische leichte Infanterie-Regiment blieb bis 1. Juni in Stettin und erhielt hier den Be­fehl, die Sicherung der Insel Rügen und der vorpommerschen Küste gegen Landeversuche der Engländer und der mit diesen verbündeten Schwe­den zu übernehmen. Es kam auf diese Weise wieder in die Gegend, die es schon einmal vom 16. August bis 11. November 1807 besetzt gehalten hatte. Das I. Bataillon brach sofort auf, traf am 6. Juni in Stralsund ein und am 7. Juni auf der Insel Rü­gen. Das II. Bataillon folgte einige Tage später. Die Bewachung der Insel erfolgte in weit auseinander­gezogenen Abteilungen. Mehrere Landungsversuche der Engländer und Schweden wurden rechtzeitig entdeckt und abgewiesen. Zu einem kurzen Gefecht kam es nur am 15. August 1812 bei der Halbinsel Mönchgut, wo mehrere schwedische Kanonenboote zu landen versuchten und die das Ufer besetzt haltende 8. Kompanie des Hauptmanns von Karlsen auf 400 Schritt lebhaft mit Kartätschen beschossen.

Am 19. September verließ das Regiment die In­sel Rügen. Es hatte den Befehl, der in Rußland eingerücktenGroßen Armee" nachzurücken. In Greifswald vereinigte es sich mit der hessischen Artillerie, die von nun an während des ganzen Feldzuges bei ihm verblieb und ihm die Rettung ihrer Geschütze verdankte, was um so ehrenvoller war, als die hessische Artillerie fast die einzige war, die von der gesamten Geschützzahl derGroßen Ar­mee" aus Rußland zurückkam. Von Greifswald marschierte das Regiment über Anklam, Stettin, Köslin nach Danzig und von da am 14. Oktober weiter nach dem befohlenen Ziele Smolensk über Elbing, Königsberg, Tilsit, Kowno nach Wilna, wo es am 2. November ankam und bis 9. November verblieb. Es war ein Riesenmarsch von etwa 850 Kilometer Luftlinie gewesen, den das Regiment in guter Verfassung zurücklegte, ahnungs­los von dem Zustande derGroßen Armee", von der jede Nachricht fehlte. Von Tilsit aus hatte der Marsch fast ununterbrochen über Stätten des Bran­des, des Raubes und der Plünderung geführt, so daß eine geordnete Verpflegung bald unmöglich wurde.

Auch in Wilna war noch nichts von dem trauri­gen Zustande der großen Armee und ihrem Rück­zug aus Moskau bekannt. Man wußte nur, daß sie tief in Rußland eingedrungen und zwei große blu­tige Schlachten bei Smolensk und Borodino geschla­gen hatte, bevor sie in Moskau einzog. Man wußte aber nicht, welche Opfer bereits der Vormarsch und welch größere Opfer die beiden Schlachten gefordert hatten, die nicht einmal volle Siege gewesen waren. Immer waren die Russen ausgewichen und hatten sich in ihr unermeßliches Land zurückgezogen, wäh­rend Napoleon gegen seinen Willen denn er wollte eigentlich nicht über Smolensk vorgehen, wie sein treuer Begleiter, der Oberstallmeister Graf , Caulaincourt, in seinen Memoiren nachweist mit fast magischer Gewalt angezogen, immer weiter folgte, um sie endlich zu fassen und zu vernichten. Es -mar ihm nicht gelungen! Alles hatte er aufs : Spiel gesetzt, aber die Möglichkeit, Borodino durch : den Einsatz seiner letzten Reserve, der alten ®arbet i in einen vollen Sieg zu verwandeln, hatte er nicht i auszunutzen gewagt. Die Hauptstadt Moskau, wo i er den Frieden diktieren wollte, lockte zu sehr, und ) so rannte er, eigentlich gegen seine bessere lieber« ! zeugung, in sein Verderben. Mit knapp 100 000 * Mann war er dort am 14. September eingezogen,

Aus der Geschichte des alten Regiments 116

Don Generalmajor a. D. Rudolf Mohr, Gießen.

Kolonnen Usw.

i-rkamvfflieger sind im allgemeinen bestimmt zum Kampf gegen kleine aber sehr wich­tige Ziele, sogenanntePunktziele, f nur ein Bombenwurf aus niedrigen Hohen Aussicht auf Erfola hat z B. Brücken, Dämme und sonstige Kunstbauten. Die dabei verwendeten. sind

einmotoriae Maschinen, die mit schweren und mittleren Bomben, Torpedos und Mnschmew gewehren ausgerüstet sind. Die Flieger stürz sch aus großen Höhen wie Raubvogel herab und werfen ihre Bomben aus einer Hohe von Meter oder tiefer auf das Ziel ab um dann schnellsten Steilfluge wieder hochzuftelgen. Bei D großen Wehrmachtsmanöpern 1937 wurden am 1 tz^ ten Tnae Sturzkampfflieger in größerer Anzahl zur Unterstiitzuna eines Durchbruchangriffs gegen die KKAe <Stellung an gesetzt. Als ein größerer zum LjchLnden an'geWer

die feindliche Stellung embrach, da stießen immer non nenem Stur,Vampfflieger auf die 6 d^r^ne und die ^°"en deo Leidig- Kampf Mengen. W sammenwirken von Lund- und , s wird der Durchbruchsschlacht der Zukunft y sonderes Gepräge verleihen. .. hie

Die Hauptaufgabe der ^agd flieg;

Abwehr feindlicher gJcq,nffiegen

ossenlw zu lösen sind, nämlich durchi Entgegenl g und Anariff möalichst von oben. Bei der h g glänzenden Bewaffnung der Bombe n fl ug^uge un ihren erhöhten fliegerischen Lerstungen werden die Jagdflugzeuge nur dann Ausstchtauf f

Kampf haben, wenn sie a n Sch n e l N g W e n d i g k e i t u n d S t e i g l e i st u n g den Born

sammengefaßt.

Die ursprünglichste Aufgabe der Fliegertruppe ist die A.u f k l ä r u n a , bei der man wiederum die operative, die taktische und die Gefechtsaufklärung unterscheidet. Die operative, auf sehr große Entfernungen und in großen Höhen geflogene Auf­klärung untersteht den obersten Führungsstellen und erfordert MugZeuge von größter Reichweite, Ge­schwindigkeit und Steigfähigkeit. Sie soll ein mög­lichst umfassendes Bild vom Aufmarsch des Feindes liefern und 'bedient sich dazu der Ka­mera oder desRe i h e n b il d g e r ä t e s". Die taktische Aufklärung wird Aufklärungsstaffeln im Rahmen der Armeen, Armeekorps und Divi­sionen übertragen und soll nähere Feststellungen über Versammlung oder Anmarsch, Gliederung und Stärke des Gegners erbringen. Sie wird in mitt­leren Höhen geflogen, die Augenaufklärung wird durch die Kamera ergänzt. Mit der Ent­faltung zum Gefecht wird die taktische Luftauf­klärung zur Gefechts luftaufklärung, die in geringer Höhe und, falls es auf Feststellung von Einzelheiten ankommt, in niedrigsten Höhen geflo­gen wird. Die Gefechtsluftaufklärung ist sehr ab­hängig von der allgemeinen Kampflage in der Luft, sie wird häufig nur durch die Unterstützung der eigenen Flakartillerie und durch Einsatz von Jagd­fliegern erzwungen werden können. Kämpfe sollen Auftlärungsflieger nach Möglichkeit vermeiden, zur Selbstverteidigung gegen Jagdflieger sind sie aber mit Maschinengewehren ausgerüstet.

Die Kampfflieger sind heute etwas an­deres als im Weltkriege, als man diese Bezeichnung mitunter für Jagdflugzeuge anwandte. Sie ent­sprechen den Bombenfliegern des Weltkrieges, sind eine ausgesprochene Angriffswaffe und bilden den Kern deroperativen Luftwaffe", die im Kriegsfall unmittelbar dem Oberbefehlshaber der Luftwaffe unterstellt bleibt und nach feinen Wei­sungen zu selbständigen Kriegshandlungen oder auch zur Unterstützung entscheidender Heeresoperationen an der Front eingesetzt wird. Da die Kampfflug­zeuge schwere Bombenlasten schnell über weite Strecken tragen müssen, sind es mehr­motorige Flugzeuge mit großer Reich­weite Auch ihre Schnelligkeit und Steigfähigkeit hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Die Kampfflieger fliegen bei Tage meist im Ber= bände und in sehr großen Hohen, weshalb sie auch mit Sauerstoffgeräten ausgerüstet sind, nachts meist einzeln und in niedriger Hohe. Zur Abweh feindlicher Jagdflugzeuge sind die heutigen schweren Kampfflugzeuge mit fünf bis sechs Mann besetzt und mit mehreren Maschinengewehren bzw. klein­kalibrigen Schnellfeuerkanonen ausgerüstet, die so angeoänet sind, daß ohne toten Winkel nach allen Seiten geschossen werden kann. Ebenso rote man nach einem alten Sprichwortmd)t nut Kanonen nach Spatzen schießt", wird man auch Kampfflieger nur gegen wichtige Ziele emsetzen deren Zerstörung von erheblicher Bedeutung für bie all­gemeine Kampftage ist. Zuml Beispiel anurj Wer der feindlichen Front gegen Eisenbahnausladepunkt., Hafenanlagen, Munitionsdepots, Artilleriestellungen oder Stützpunkte, die von der eigenen Artillerie nicht erfaßt werden können, eng belegte Massen­quartiere, Truppenoersammlungen, anmarschierende

ganzen etwa 5000 Mann stark, kommandierte der bayrische General Graf Wrede. Bei ihm befand sich die hessische Artillerie, vier 6pfündige Kanonen und zwei 7pfündige Haubitzen. Das provisorische leichte Regiment war noch 1168 Mann stark und bildete bald den einzigen Truppenteil, der noch Hal­tung und Widerstandskraft besaß. Und es gereicht dem Regiment zum höchsten Ruhm, daß in der ganzen Zeit des entsetzlichen Rückzuges die Ord­nung und der militärische Geist erhalten blieb und auch in den unausgesetzten Rückzugsgefechten nicht verlorenging. Und an solchen fehlte es wirklich nicht! Denn dem 6. Korps war die Sicherung des Rück- <zuges von der Beresina ab übertragen worden, bei feiner Schwäche eine geradezu unlösbare Aufgabe. Da unser leichtes Regiment der an Zahl stärkste Truppenteil des Korps war, bildete es fast immer die Nachhut und stand fortgesetzt im Kampfe mit den nachdrängenden Russen. Es ist unmöglich, all die Gefechte zu nennen, die täglich stattfanden. Ich will nur einige erwähnen, so das vom 4. Dezember bei Wileiko, wo die 6. Kompanie unter Kapitän Meyer sich besonders auszeichnete, so das vom 5. Dezember, wo der Leutnant v. Rabenau vom I. Bataillon den verfolgenden Kosaken mit dem Ba­jonett zu Leibe ging und sie weit zurückwarf, und vom 6. Dezember bei Slobotka, wo das Regiment die eigentliche Rückzugsstraße der großen Armee erreichte.

Jetzt erst zeigte sich das erschütternde Bild der ganzen Auflösung. 3040 000 Soldaten aller Grade und Waffen, vom Marschall bis zum Gemeinen herab, sah man in einer endlosen, dicht gedrängten Kolonne, fast durchweg unbewaffnet und in halbver­brannte Lumpen und Pelze gehüllt, einherziehen. Teil­nahmslosigkeit malte sich auf den Gesichtern..Keines Eindrucks mehr fähig, hatten die Flüchtenden nur noch Sinn und Gefühl für den einen angsttollen Wunsch, weiter von diesem entsetzlichen Boden fortzukommen. Solange es die Kräfte erlaubten, drängte alles un­aufhaltsam diesem Ziele zu. Auch einzelne Hessen der anderen Regimenter, die mit in Moskau ge­wesen, befanden sich unter ihnen. Der Major v o n Bunter, früher Kapitän im Garde-Füsilier- Bataillon, wurde schwer krank in Decken von zwei seiner Leute vorbeigeschleppt. Leutnant Kempf vom Leib-Regiment wurde erkannt und mitgenom­men, starb aber schon nach einigen Tagen infolge der erlittenen Entbehrungen. Am Abend des 6./7. Dezember mußte das leichte Regiment in Slobotka auf den Straßen bei unerhörter Kälte biwakieren und verlor in einer Nacht 65 Mann durch Erfrie­ren.

Es kam noch weit schlimmer! Am 8. Dezember überfielen starke Kosakenschwärme die aus Slobotka ausrückenden Truppen des 6. Korps, und wieder war es das leichte Regiment, das zum Angriff überging, die Kosaken verjagte und aus ihren Händen sogar noch die Leutnants Westerwel- I e r und Hanesfe befreite, die gefangen waren. Es war so kalt, daß den Leuten die Haut der Hand an den Eisenteilen des Gewehrs hängenblieb. Und trotzdem hielt das Regiment eifern zusammen, ja, es wurden noch Einzeltaten vollbracht, die als hohes Lied der Tapferkeit auch heute noch hell erklingen. So sprengten die Unteroffiziere Licher und Bauer mitten .in den anreitenben Kosaken einen stehengebliebenen Munitionswagen in die Lust, so verteidigte sich der Füsilier Bender aus Beftun- gen ganz allein gegen 10 bis 12 Kosaken, schoß einen nieder, lief ladend zurück, schoß einen zwei­ten ab, stach einen dritten mit dem Bajonett vom Pferde und gelangte schließlich, mit 17 Wunden be­deckt, wieder zu seiner Kompanie. Leider starb der Brave in Wilna im Lazarett. Besonders gefähr­lich waren die Nachhutgefechte des Regiments am 9. Dezember vor Wilna, da die Russen von allen Seiten angriffen. Aber wieder gelang es der Ent­schlossenheit des Regiments, alle Angriffe abzu­schlagen, wobei sich besonders die Schützen unter Kapitän Fresenius auszeichneten. Es wurden Bataillons-Kolonnen formiert und in solchen weiter marschiert und schließlich nach Wilna durchgebrochen. Noch war das Regiment an diesem Tage einschl. der Artillerie 1067 Köpfe stark gewesen, was ge­radezu als Wunder bezeichnet werden kann, aber die Auflösung aller Verbände, die es nun in Wilna antraf, brachte auch ihm harte Einbußen. Alle Stta- ßen der Vorstädte waren derartig mit Wagen und Geschützen verstovst, in heilloser Verwirrung drängte sich eine wilde Menge von Flüchtenden, Verwunde­ten und Plünderern, Haufen von Toten waren zu übersteigen, so daß es nicht möglich war, eine ; Marschkolonne beizubehalten, sondern jeder einzelne : sich durchwinden mußte, so gut es ging. Im Innern der Stadt wurde es besser, und die Offiziere versuch- . ten, ihre Mannschaften wieder zu sammeln. Aber i am anderen Morgen zählte man nur noch 600 i Mann, über 400 Mann waren abhanden gekommen i ober gefallen.

: Eine große Freube würbe bem tapferen Häuflein > zuteil. Bei ihm fand sich plötzlich der Prinz i Emil mit dem jammervollen Rest seiner drei hes- - fischen Regimenter ein. Es waren im ganzen noch I 55 Offiziere und Mannschaften, alle halb verhungert , und erfroren, die den ganzen Rückmarsch von Mos-

V0N1810 -1812.

Aus bem Kriege 1809 gegen Oesterreich waren die hessischen Truppen, begeistert von der Bevölkerung empfangen, am 21. 1. 1810 nach dreimonatigen Märschen in die Heimat zurückgekehrt. Das Garde- Füsilier-Bataillon (späteres 1/116) blieb in Darm­stadt, das I. Leib-Füsilier-Bataillon (späteres 11/116) kam nach Homburg v. d. H. Sämtliche Mannschaf­ten wurden bis auf 50 je Kompanie beurlaubt, der Friedensdienst trat wieder in seine Rechte. Die ganze polittsche Lage ließ klar erkennen, daß die Truppen bald wieder zur kriegerischen Tätigkeit würden gerufen werden. Eine gesteigerte Tätigkeit trat ein, aber so ganz im Zeichen der damaligen Anschauungen beschränkte sie sich lediglich auf Exer­zierübungen nach dem französischen Reglement und den Garnisonwachtdienst. Don Felddienstübungen war gar nicht die Rede, und außerhalb der Garni­sonen bewegte man sich höchstens im Monat Juni zur großen Exerzierzeit, zu der die Kompanien bis zu 80 Urlauber einzogen. Auch das Scharfschießen sand wenig Förderung. Nach der Scherbe wurde nur einigemal geschossen, 15 Patronen von jedem Mann. Nichts geschah, was als unmittelbare Vor­bereitung für den Krieg gelten konnte.

Dagegen traten in der Bekleidung, Aus­rüstung und Bewaffnung wiederum Aende- rungen ein. Unsere beiden Füsilier-Bataillone erhiel­ten statt der grünen fortan blaue Röcke mit einem Waldhorn auf dem Umschlag der Rockschöße, und an Stelle der weißen Leinenhosen blauwollene mit grauleinenen Gamaschen, wiesolches altes in der französischen Armee gebräuchlich". Säbel und Pa­tronentasche wurden von jetzt ab kreuzweise über die Brust an Riemen getragen. Die gesamte hessi­sche Infanterie bekam anstatt der Hüte Tschakos mit versilberten Kinnbändern (Schuppenketten) und 1811 nach mehrfachen Versuchen neue Gewehre österreichischen Modells. Der Sollstand der Kom­panien wurde auf 160 bis 180 Mann erhöht. Auch neue Feldgerätschaften wurden eingeführt, deren Fehlen bisher sehr schmerzlich empfunden worden war. Je 12 Mann erhielten 1 Kochkessel und 1 Kas­serole je 5 Mann eine große Feldflasche und an Stelle von Brotbeuteln je 12 Mann einen Mantel-

dem Gegner auf den Leid und durchstoßen seine Derschleierungslinie, sie eilen der Armee weit vor­aus, decken ihre Front und besetzen wichtige Ge­ländeabschnitte, die für die Operation von Bedeu­tung sind. Sie sind die er st en am Feind. Durch den Wechsel zwischen Gefecht zu Fuß und Bewegung auf Krafträdern sind sie besonders ge­eignet, blitzschnell den Kampf zu eröffnen, ihn rasch abzubrechen und an anderer Stelle wieder aufzu- nehmen.

Ueberall, wo es daranf ankommt, den Gegner von verschiedenen Seiten überfallartig zu packen, sind sie in ihrem Element. Denn die bewegliche Kampf­führung befähigt zu Unternehmungen in der Flanke und im Rücken des Gegners. Ob es gilt, den fliehen­den Feind weiter zurückzuschlagen ober die Deckung des eigenen Rückzuges zu übernehmen, in allen Fällen ist die Kraftradttuppe zur entfcheidenden Mitwirkung berufen.

So vielseitig und interessant der Dienst bei der Kraftradtruppe ist, er stellt doch außerordentlich hohe Anforderungen an die moralischen, körperlichen und geistigen Fähigkeiten des einzelnen Mannes. Die jungen Rekruten bekommen zunächst die Waffe in die Hand gedrückt; denn strafte Einzelschulung soll eine feste militärische Grundlage schaffen. Sobald die Handhabung der Waffe einigermaßen geläufig geworden ist, beginnt die Fahrausbildung. Es ist Grundsatz, daß jeder Schütze Fahrer und jeder Fahrer ein Schütze sein muß. Das Fahren wiederum verlangt Geistesgegenwart und technische Kenntnisse. Aber nicht die Fertigkeit im Fahren ist das letzte Ziel der Ausbildung, sondern die Anwendung der Fahrkunst beim Kampfeinsatz.

F. Kronberger.

Moderner Lufikamps. I

Lange Jahre hindurch war Deuftchland ohn­mächtig in der Luft. Heute verfügt es dank dem Führer und dem Luftorganisator Hermann Göring wieder über eine Fliegertruppe zu Lande und zur See, die an Stärke, Angriffsgeist und fliegerischer Tüchtigkeit jedem möglichen Gegner gewachsen ist. Zusammen mit der Flakartillerie und der Lustnach­richtentruppe sichert die Fliegertruppe den Luftraum des Deutschen Reiches gegen alle etwaigen Luft­angriffe der fremden Mächte, deren heutige Ein­kreisungspolitik in erster Linie auf ein konzen­trisches Lustbündnis gegen das deutsche Volk hin­zielt. Die enge Zusammenarbeit mit dem erfb= klüftigen Luftheer des befreundeten und verbündeten italienischen Volkes verleiht der deutschen Flieger­truppe darüber hinaus einen Rückhalt, der sie zu vernichtenden Gegenschlägen befähigen würde.

Die Fliegertruppe, eine der drei Waffen­gattungen der Luftwaffe, zu erkennen an ihrer goldgelben Waffenfarbe, hat den Kampf in der Luft und aus der Luft zu führen. Die Staffel ist die kleinste, aus einer Reihe von Flugzeugen bestehenden Kampfeinheit. Mehrere Staffeln bilden eine Gruppe, und zwar unterscheidet man je nach der verschiedenartigen Ausrüstung mit Flug­zeugen Aufklärungsgruppen, Kampfgruppen, Sturz- fampfgruppen und Jagdgruppen. Mehrere Gruppen werden organisatorisch zu Geschwadern zu-

benflugzeugen erheblich überlegen sind. Um diese Überlegenheit voll zur Geltung zu bringen, müssen die Jagdflieger im fliegerischen Können, im Derbandsfluge und im Kunstfluge meisterhaft aus­gebildet sein. Sie sind mit mehreren Maschinen­gewehren, teilweise auch mit Flugzeugkanonen aus­gerüstet. Ihr Vorteil im Kampf gegen die Bomber besteht außer der oben erwähnten fliegerischen Ueberlegenheit in ihrer Kleinheit, die den Bombern ein wohlgezieltes Feuern erschwert, während der Jagdflieger schon auf größerer Entfernung, vor allem ntit der Kanone, Aussicht auf entscheidende Treffer gegen den Motor ober das Leitwerk des Bombers hat. Außer zur Abwehr der feindlichen Bomber werden Jagdflugzeuge auch zum Tief­angriff gegen lebende Ziele auf der Erde, z. B. Schützen, Reserven, anmarschierende Kolonnen usw. verwendet.