Nr 65 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
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Stadt
Die Viehversteigerungshalle Rhein-Main.
Blick in die gemütliche Bauernschenke. — (Äufn. |2]: Neuner, Gieß. Anz.)
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Der nördliche Seitenflügel stellt die Unterstellhalle für mehr als 100 Stück Großvieh bar. Diese Halle ist 20X30 -Meter groß und in .eine Reihe von Ständen eingeteilt. Hier befindet sich auch ein Ueber- nachtungsraum für einen Tierwärter, der zur Stelle sein muß, wenn Tiere zur Uebernachtung verbleiben.
Die Halle besteht einem Mittelbau zwei Seitenflügeln, der Mitte befindet
Wohnzwecken ist untersagt. Bauten für andere Zwecke bedürfen der besonderen Genehmigung. Kraftwagenhallen können nur an der für sie vorgesehenen Stelle genehmigt werden. Die Entfernung der Gebäudeblocks von der Nachbargrenze hat mindestens fünf Meter zu betragen. Die Bebauung der gesamten Ningallee ist nach einheitlichen Gesichtspunkten durchzuführen. Es ist die offene Blockbauweise in Form von Doppelhäusern vorgeschrieben. Die Wohngebäude sind dreigeschossig zu errichten, d. h. außer dem Kellergeschoß sind drei Vollgeschosse vorzusehen. Der Ausbau des Kellergeschosses zu Wohnzwecken ist verboten. Die Gebäude müssen in ihren Grund-
Oberbürgermeister Ritter hatte am gestrigen Donnerstagnachmittag die Ratsherren der Stadt Gießen zu einer Sitzung einqeladen. Mit Oberbürgermeister Ritter waren von der Verwaltung Bürgermeister Professor Dr. Hamm und Beigeordneter Nicolaus erschienen.
terrassenförmigem Aufbau die Plätze für etwa
600 bis 700 Besucher angeordnet sind. Dem
Vorführungsraum und den Besucherplätzen vorgelagert ist ein zweigeschossiger, nach außen durch einen zweiten Giebel kenntlicher Gebäudeteil, in dem die Räume für Kasse, Bankgeschäfte, Aerzte usw. untergebracht sind. Die Halle ist in vollkommen freitragender Holzkonstruktion ausgeführt.
Nach der gestrigen Ratsherren-Sitzung statteten Oberbürgermeister Ritter, die Beigeordneten, die Ratsherren, Vertreter der Landesbauernschaft und eine Reihe von Gästen der Dieh-Ver steigerungshalle Rhein-Main und der daneben gelegenen Bauernschenke auf dem Gelände unseres großen Viehmarktplatzes einen Besuch ab, um die Anlagen der Viehversteigerungshalle zu besichtigen und die Bauernschenke einzuweihen.
Die Viehverstei- gerungshalle steht inmitten eines großen Platzes, der vor dem Haupteingang zu der Halle als Anfahrtsplatz für Autos und als Zugang für Fußgänger dient. Auf der Rückseite der Halle befindet sich die neuangelegte große Eisenbahnrampe zum Abladen des Viehs aus den Güterwagen und aus den Lastautos. Anschließend daran befindet sich der Parkplatz für Lastkraftwagen, atj dem später noch die Desinfektionsanlage errichtet werden soll.
Bürgermeisterversammlung in Giehen.
Die Kreisabteilung Gießen desDeut- schen Gemeindetages veranstaltet am kommenden Dienstag, 21. März, im Sitzungssaal des Landratsamtes am Landgraf-Philipp-Platz eine Bürgermeister - Versammlung. Ortsgruppenleiter Link (Haarheim) spricht über das Thema „Unser Dorfbuch", und ein Referent des. Rassepolitischen Amtes der NSDAP, wird über die „Förderung rasse- und bevölkerungspolitischer Aufgaben" sprechen.
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Gießener Viehmarkt wird Mittelmarkt.
Ratsherren und Vertreter der Landesbauernschast besichtigen unsere Viehversteigerungs hatte Rhein-Main. — Einweihung der Bauernschenke.
rissen und Ansichten allseitig gut durchgebildet und architektonisch einwandfrei'sein. Die Einfriedigungen der Grundstücke sind nach den Anordnungen der Baubehörden einheitlich zu gestalten. Die Bepflanzung der Vorgartenflächen ist so durchzuführen, daß die Verkehrsübersicht in jeder Weise gewährleistet wird.
Zweiter Rachkragshaushallsplan für 1938.
Zunächst brachte Oberbürgermeister Ritter den Ratsherren einen II. Nachtragshaushaltsplan für bas R,. 1938 zur Kenntnis, ber im ordentlichen Haushalt in Einnahme unb Ausgabe mit 86 200 NM. und im außerordentlichen Haushalt mit 203 900 NM. in Einnahme und Ausgabe abschließt. Damit wird der Nachtragshaushaltsplan im ordentlichen Nachtragshaushalt in den Einnahmen auf 6 815 721,77 RM., gegenüber 6 729 521,77 RM. im ordentlichen Haushalt, in Einnahme und Ausgabe, und im außerordentlichen Haushaltsplan in den Einnahmen auf 2 508 429 RM., gegenüber 2 304 529 RM. im außerordentlichen Haushaltsplan, in Einnahme und Ausgabe festgesetzt.
In dem II. Nachtragshaushaltsplan ist für Zwecke des Sicherheits- und Hilfsdienstes im Rahmen der Ausgaben der Polizei als einmalige Anschaffung eine Mehrausgabe von 35 000 RM. vorgesehen. An die 'Gemeinnützige Wohnung s b a u - G. m. b. H. sollen als nicht rückzahlbarer Zuschuß zur Finanzierung des Projektes der Altstadtsanierung I (Ülndenplatz, Kirchenplatz, Schloßgasse) 51 200 NM. gezahlt werden. Für die Erweiterung des Wasserwerks in Queck- b o r n, wo zur weiteren Sicherstellung der Wasserversorgung unserer Stadt drei neue Brunnen er- bohrt worden sind, und für feinen Anschluß an das Stromnetz unteres Elektrizitätswerks sowie für die Umstellung der Maschinenanlage auf Elektrizität ist neben dem bereits vorgesehenen Betrag von 70 000 NM. eine weitere Ausgabe von 178 900 RM. erforderlich. Die V e r - legung der Straßenbahngleise in der Kaiserallee sowie der Einbau einer neuen Weiche in der Licher Straße macht neben dem vor- aesehenen Betrag von 50 000 RM eine weitere Ausgabe von 25 000 RM. erforderlich.
Auf der Einnahmeseite sind Deckungsmittel in der gleichen Höhe wie diese Ausgaben in den Nachtrags- Haushalt eingestellt, wobei als Einnahmequellen eine Rücklage, ferner die Konzessionsabgaben vom Elektrizitätswerk und vom Wasserwerk' sowie die Erneuerung und Erweiterunqsrücklagen des Wasserwerks und ber Straßenbahn in Betracht kommen.
Nach einigen Erläuterungen von Oberbürgermeister Ritter setzte er diesen Nachtragshaushalt in Kraft.
Erlaß einer neuen Wert;uwachssteuer-Satzung.
Wie Oberbürgermeister Ritter mitteilte, handelte es sich hierbei um die Anwendung einer vom Reich herausgegebenen Mustersatzung, die für alle Städte künftighin Gültigkeit haben muß. Als Neuerung kommt dabei in Betracht, daß bei der Veranlagung der Einheitswert und nicht mehr der gemeine Wert zu Grunde gelegt werden muß, die Veranlagung der Steuer nach den Vorschriften dieser neuen Satzung vom Finanzamt vorzunehmen ist. Da die Stadt Gießen diese Steuer bisher schon vom Finanzamt hat veranlagen lassen, ändert sich in unserer Stadt hinsichtlich der Veranlagunqsbehörde nichts. Die Neuordnung gilt ab 1. April 1938.
Randstrahe am Sporlgelande.
Sodann beschäftigten sich die Ratsherren mit dem Fluchtlinienplan für die Durchführung der Rand- itraße am Sportgelände, für das die großen Wiesenflächen hinter dem Gericht unb ber Moltkestraße vorgesehen sind, im Zuge der Wolf- Straße bis zur Straße „Am Sandfeld". Die Rats- Herren nahmen von dem Bebauungsplan und der entsprechenden Ortssatzung Kenntnis.
Der größte Teil des Geländes befindet sich be-
| Die in ber Mitte bes Raumes aufgestellten Futter- | krippen sind transportabel hergeftellt unb können entfernt werben, so baß die Halle auch für andere Zwecke nutzbar gemacht werden kann. Der südliche Seitenflügel ist ber Unterstellraum für Schweine. In dieser 20X20 Meter großen Halle können 100 bis 140 Schweine in Buchten untergebracht werben. Die Fenster in ben Dächern ber beiden Unterstellhallen finb mit blauer Farbe angestrichen, um bic Wirkung bes grellen Sonnenlichtes auf bic Tiere möglichst abzuschwächen.
Seitlich von der großen Versteigerungshalle in ber Achse des gesamten Nutzoiehmarktes liegt bas Haus ber Bauernschenke, bas breigeschossig errichtet wurde. Im Kellergeschoß befinden sich die Aufbewahrungsräume für Futteroorräte unb die Räume zum Futterkochen, ferner die Abortanlagen. Das Erdgeschoß enthält die gemütlich ausgestattete Bauernschenke, in der 100 bis 120 Besucher Platz finden; anschließend an den Hauptraum befindet sich ein Nebenzimmer, bas für Sitzungszwecke vorgesehen ist. Im Obergeschoß ist die geräumige Wohnung des Hallenmeisters eingerichtet. Die Bauern- schenke ist mit hübschen unb zweckmäßigen Holzmöbeln nach bäuerlicher Art ausgestattet. Die Möbel würben von einer Firma in Alsfeld hergestellt. Der Gastraum ist so beschaffen, baß er auch von solchen
ber Vorführungs- Versteigerungsraum, zu besten beiden Seiten in
290000 RM. für neue wichtige Arbeiten der Gtadt
Die Randsiraße zum Gießener Sportfeld im Entwurf vorgelegt.
reits in städtischem Besitz. Es sind nur noch einige private Grundeiaentümer an dieser Stelle vorhanden, mit denen die erforderliche Regelung zu treffen ist. Zur Vorbereitung der Grundlage für das Sportgelände ist u. a. vorgesehen, einen Kanal zu legen, der das Wasser der Wieseck aufnimmt und ableitet.
Für die Randstraße am Sportgelände sind Gewerbebetriebe, die durch Gase, Dämpfe, Gerüche, Rauch, Ruß, Wärme, Staub, Geräusche, Erschütterungen usw. Gefahren oder Belästigungen für die Anwohner herbeiführen, grundsätzlich verboten. Die Einrichtung von Seiten- und Hintergebäuden zu
Leben im Böhmer Wald.
Von Adalbert Stifter.
Großvater und ich waren zu einer Mauer aus I losen Steinen gelangt, jenseits welcher eine grüne I Wiese mit dem weißen Fußpfade war. Der Groß- »ater stieg über den Steigstein, indem er seinen l Stock unb feinen Rock nach sich zog und mir, der j ich zu klein war, hinüberhalf, und wir gingen dann Qiuf dem reinen Pfade weiter. Ungefähr in der Mitte der Wiese blieb er stehen und zeigte auf die Erde, wo unter einem flachen Steine em klares Wässerlein hervorquoll und durch die Wiese fort-
nann.
„Das ist das Behringer Brünnlein", sagte er, .nvelches das beste Wasser in der Gegend hat, ausgenommen das wundertätige Wasser, welches auf iiem Brunnberge in dem überbauten Brünnlein ist, in dessen Nähe die Gnadenkapelle zum guten Wasser sieht. Manche Menschen holen sich aus diesem 8»rünnlein da ihr Trinkwassir, mancher Feldarbeiter Eht weit herzu, um da zu trinken, und mancher S ranke hat schon aus entfernten Gegenden mit einem S rüge hierher geschickt, damit man ihm Wasser (ringe. Merke dir den Brunnen recht gut!"
„Ja, Großvater!" sagte ich.
Nach diesen Worten gingen wir wieder weiter. Vir gingen auf dem Fußpfade durch die Wiese, bnnn auf einem Wege zwischen Feldern empor unb fernen zu einem Grunbe, ber mit bichtem, kurzem, fast grauem Rasen beberft war, unb auf bem nach ; allen Richtungen hin in gewissen Entfernungen von- ! emanber Föhren standen.
„Das, worauf mir jetzt gehen", sagte der Groß- Diter, „finb die Dürrfchnäbel. Es ist ein seltsamer ! Warne. Entweder kommt er von dem trockenen,
bnrren Boden ober von bem mageren Kräutlein, I bes taufenbfältig auf bem Boben sitzt, unb besten
Uüte ein weißes Schnäblein hat mit einem gelben - ' Zünglein darin Siehe, bie mächtigen Föhren! Sie
hc ben bie Nabeln nicht in zwei Zeilen, fonbern in Scheiden wie grüne Borstbüfchel. Sie haben das gißchmeidige, fette Holz; sie haben das gelbe Pech;
। (ii streuen sparsamen Schatten, und wenn ein schwaches Lüstchen geht, so hört man bie Nadeln ;riQ)ig und langsam sausen!"
I; Ich hatte Gelegenheit, als wir weitergingen, die llohrheit dessen zu beobachten, was der Großvater qdfagt hatte. Ich sah eine Menge der weißgelben Z ümlein auf dem Boden: ich sah den grauen Rasen;
>ä sah auf manchem Stamme das Pech wie goldene Topfen stehen; ich sah bie unzähligen Nadelbüfche
auf ben unzähligen Zweigen gleichsam aus winzigen, bunflen Stieselchen herausragen, unb ich hörte, obgleich kaum ein Lüstchen zu verspüren war, bas ruhige Sausen in ben Nabeln.
Wir gingen immer weiter, unb ber Weg würbe ziemlich steil.
Aus einer etwas höheren und freieren Stelle blieb ber Großvater stehen unb sagte: „Sv, ba warten wir ein wenig!"
Er wandte sich um, und nachdem wir uns von der Bewegung des Aufwärtsgehens ein wenig ausgeatmet hatten, hob er feinen Stock empor und zeigte auf einen entfernten, mächtigen Waldrücken in der Richtung, aus der wir gekommen waren, und fragte: „Kannst du mir sagen, was das dort ist?"
„Ja, Großvater", antwortete ich, „bas ist bie Alpe, auf welcher sich im Sommer eine Viehherde befindet, die im Herbste wieder herabqetriebev wird!"
„Und was ist das, das sich weiter abwärts von der Alpe befindet?" fragte er wieder.
„Das ist der Hüttenwald", antwortete ich.
„Und rechts von der Alpe und dem Hüttenwalde?"
„Das ist der Philippsgeorgsberg."
„Und rechts von dem Philippsgeorgsberg?"
„Das ist der Seewald, in welchem sich das dunkle unb tiefe Seewaffer befindet."
„Unb roieber rechts von bem Seewalbe?"
„Das ist ber Plöckenstein unb der Sefselwald."
„Und wieder rechts?"
„Das ist der Tuffetwald."
„Und weiter kannst du sie nicht kennen. Aber da ist noch mancher Waldrücken mit manchem Namen Sie gehen viele Meilen weit in die Länder fort. Einst waren die Wälder noch viel größer als jetzt. Da ich ein Knabe war, reichten sie bis Spitzenberg unb an die vorderen Stiftshäuser. Es gab noch Wölfe darin, und die Hirsche konnten wir in ber Nacht, wenn eben die Zeit war, bis in unser Bett hinein brüllen hören. Siehst du die Rauchsäule dort, die aus dem Hüttenwalde aufsteigt"
„Ja, Großvater."
„Und weiter zurück wieder eine aus dem Walde der Alpe?"
„Ja!"
„Und aus den Niederungen des Philippsgevrgs- berges wieder eine?"
„Ich sehe sie, Großvater!"
„Und weit hinten im Kessel des Seewaldes, den man kaum erblicken kann, noch eine, bie so schwach ist, als wäre sie nur ein blaues Wölklein?"
„Ich sehe sie auch, Großvater!"
„Siehst bu, diese Rauchsäulen kommen alle von den Menschen, die in dem Walde ihre Geschäfte
treiben. Da finb zuerst die Holzknechte, bie an Stellen bie Bäume bes Walbes umsägen, baß nichts übrig ist als Strünke unb Strauchwerk. Sie zünden ein Feuer an, um ihre Speisen daran zu kochen unb um auch bas unnötige Reisig unb bie Aefte zu verbrennen. Dann finb bie Kohlenbrenner, bie einen großen Meiler türmen, ihn mit Erbe unb Reisern bebecken unb in ihm aus Scheitern die Kohlen brennen, bie bu oft in großen Säcken an unserem Hause vorbei in bie ferneren Gegenden hinausführen siehst, bie nichts zu brennen haben. Dann sind bie Heusucher, bie in ben kleinen Wiesen unb in ben von Walb entblößten Stellen bas Heu machen ober es auch mit Sicheln zwischen bem Gesteine schneiden. Sie machen ein Feuer, um ebenfalls baran zu kochen ober baß sich ihr Zugvieh in ben Rauch lege unb bort weniger von den Fliegen geplagt werde. Dann sind die Sammler, welche Holzschwämme, Arzneidinge, Beeren und andere Sachen fuchen und auch gern ein Feuer machen, sich daran zu laben. Endlich sind die Pechbrenner, die sich aus Walderde Defen bauen ober Löcher mit Lehm überwölben unb daneben sich Hütten aus Waldbäumen aufrichten, um in den Hütten zu wohnen und in den Oefen und Löchern bie Wagenschmiere zu brennen, aber auch ben Teer, ben Terpentin unb anbere Geister. Wo ein ganz dünnes Rauch^ädlein aussteigt, mag es auch ein Jäger sein, ber sich fein Stücklein Fleisch! bratet ober ber Ruhe pflegt Alle biefe Leute haben keine bleibenbe Stätte in bem Walde, denn sie gehen bald hierin, bald dorthin, je nachdem sie ihre Arbeit verrichtet haben ober ihre Gegenstände nicht mehr finden. Darum haben auch bie Rauchsäulen keine bleibende Stelle, und heute siehst du sie hier und ein anderes Mal an einem andern Platze.
Das ist das Leben ber Wälber. Aber laß uns nun auch das außerhalb betrachten? Kannst bu mir sagen, was bas für weiße Gebäube finb, die wir da burch die Doppelföhre hin sehen?"
„Das sind die Pranghöfe!"
„Unb weiter von ben Pranghöfen links?"
„Das finb bie Häuser von Vorher- und Hinter- stift."
„Unb wieder weiter links?"
„Das ist der Glöckelberg."
„Und weiter gegen uns her am Wasser?"
„Das ist bie Hammermühle und der Bauer David."
„Und die vielen Häuser ganz in unserer Nähe, aus denen die Kirche emporragt und hinter denen ein Berg ist, auf welchem wieder ein Kirchlein steht?"
„Aber, Großvater, das ist ja unser Marktflecken Oberplan, unb bas Kirchlein auf bem Berge ist das Kirchen zum guten Wasser."
„Unb wenn bie Berge nicht wären unb bie Anhöhen, bie uns umgeben, so würbest bu noch viel mehr Häuser unb Ortschaften sehen: bie Karlshöfe, Stuben, Schwarzbach, Langenbruck, Melm, Hvnnet- schlag unb auf ber entgegengesetzten Seite Pichlern, Perneck, Salngu unb mehrere anbere. Das wirst bu einsehen, baß in diesen Ortschaften viel Leben ist, und daß dort viele Menschen Tag und Nacht um ihren Lebensunterhalt sich abmühen und die Freude genießen, die uns hiemeden gegeben ist.
(Aus Adalbert Stifters „Granit".)
Zeitschriften.
— Das Märzheft der im Verlag F. Bruckmann, München, erscheinenden Monatsschrift „D i e K u n ft" zeigt in hervorragenden Reproduktionen alter unb neuer Meisterwerke bas künstlerische Gesicht Oesterreichs. Heinrich Leporinis Aufsatz: „Alte Kunst in Oesterreich" schmücken Wiebergaben besonbers em- brucksvoller Kunstwerke: bie Abmonter Mabonna (steierisch, um 1320), das urdeutsche Haupt des hl. Michael vom Grieser Altar des Michael Pacher, ein Bildnis Kaiser Sigismunds von einem unbekannten Meister um 1430 sowie „Kreuzigung" 6on Hans von Tübingen, lieber „Oesterreichs bildende Kunst im 19. und 20 Jahrhundert" hören wir Kurt Blauen- steiner zu Bildern von Waldmüller, Canon, Romako, Mader, Dobrowfky. Zu einer Abbildung des berühmten Kefermarkter Altars lesen wir von Adalbert Stifter eine seinem Werk „Nachsommer" entnommene Deutung. Oskar Schülers Essay: „Das künstlerische Gesicht der deutschen Ostmark" würdigt Oesterreichs Anteil an der Deutschen Kunst. Der zweite Teil des Heftes steht unter dem Motto: ,33 Einfamilienhäuser von 10 000 bis 40 000 RM." unb vermittelt Bauherren unb Bauausführenben mannigfache Anregung.
— Auch heute noch hört man im Ausland den Vorwurf, Deutschland sei kolonial-untüchtig. Es habe z. B. den Weltkrieg auf die Kolonien ausgedehnt und so für alle Zeiten das Ansehen des weißen Mannes geschädigt. Das neueste Heft der „Sirene" geht dieser Frage auf den Grund. Ein aufschlußreicher Bildbericht schildert, wie schon Bismarck einem Kolonialkrieg vorbeugte, wer 1914 in Afrika losschlug, wie sich Lettow-Vorbeck verteidigte und warum er unbesiegt blieb. Außerdem bringt „Die Sirene" einen interessanten Artikel über die Ausbildung der RLB.- Amtsträger unb über weitere Verwendungsmöglichkeiten des Dreiecktuches; daneben interessante Bildberichte über Luftschutz in ejner Haushaltsschule und über Amerikas Luststrcitkräste.


