hat auch die Deutschen Galiziens schwer getroffen, viele sind verschleppt worden, ihre Gehöfte nieder- gebrannt, aber ihre ungeheure Doltskraft, die sich in einem außerordentlich hohen Geburtenüberschuß kundgibt, Hal auch diesen vasiag überwunden und selbst den Verfolgungen der Polen, die nach dem Spruch von Versailles Galizien wieder in Besitz nahmen, zäh widerstanden.
Einst waren die deutschen Ansiedler vorwiegend in Westgalizien angesetzt worden, sie hatten sich aber hier nur solange behaupten können, wie der österreichische Staat seine schützende Hand über sie hielt. Dann rückte der Schwerpunkt der deutschen Siedlung immer mehr nach Often. In Gemengelage mit Ruthenen, Polen und Juden, mit katholischen, griechisch-unierten und armenischen Christen haben sich die deutschen Bauern in Gemeinden, die oft dreißig und vierzig Kilometer voneinander entfernt lagen, behauptet. Wer keine eigene Wirtschaft hatte, wurde Handwerker, die deutschen Schmiede und Wagner waren gesucht. Auch das kulturelle Zentrum der galizischen Deutschen schob sich mehr und mehr nach Osten. In der Großstadt Lemberg bedeuteten die 3000 Deutschen nur ein unbedeutendes Einsprengsel, wenn es auch immer noch eine deutsche evangelische Kirche, Prediger- und Diakonissenheim, Gymnasium und Volksschule, ein deutsches Alumnat und eine deutsche Zeitung gab. Aber der Mittelpunkt des Deutschtums in Ostgalizien war S t a n i s l a u geworden dank der zielbewußten Arbeit des Pfarrers D. Theodor Zoeckler, der vor etwa vierzig Jahren als Prädikant der dänischen Judenmission hier- her verschlagen worden war und aus dem Juden- missionar zum Erwecker und Sammler des eigenen Volkstums geworden ist. Die zahlreichen von ihm in unermüdlicher Arbeit ins Leben gerufenen deutschen Wohlfahrtsanstalten wurden zum Halt des Deutschtums in Ostgalizien, zumal in der Zeit des Wiederaufbaus nach den Verheerungen des Weltkrieges. So sind es trotz aller wirtschaftlichen und politischen Bedrückung unter der Polenherrschast noch etwa 50—60 000 Galiziendeutsche, an die nun der Ruf des Führers erging zur Heimkehr in das neue Großdeutsche Reich, das alle feine Söhne braucht.
Etwa gleich stark an Kopfzahl, aber an Volks- kraft ihren galizischen Brüdern noch überlegen ist die Gruppe der Wolhyniendeutschen, zu 90 v. H. Bauern, die vor etwa hundert Jahren in dies damals russische Grenzgouvernement gekommen waren, als die russische Regieruna deutsche Dauern und Handwerker in den verschiedensten Gegenden des weiten Reiches ansiedelte. Vor dem Weltkrieg mögen es mehr als 250 000 Deutsche gewesen, sein, die in 500 Kolonien weit über das Land zerstreut waren. Auf gerodetem Waldboden errichteten sie ihre Musterwirtschaften und brachten es zu erfreulichem Wohlstand. Wie ihre schmucken Dörfer und Einzelhöse, so zeigte ihr kulturelles Leben ganz deutsches Gepräge. Alle Kolonien wiesen eine deutsche Schule auf, die von den Kolonisten mit eigenen Mitteln erbaut worden war und auch von ihnen unterhalten wurde. Ein eigenes Lehrerseminar sorgte für den Nachwuchs. Wolhynien ist das Grenzgebiet zwischen Wald und Steppe. Im Norden stößt es an das große westrussische Sumpfland der Polesje, das der Pripet durchfließt, im Süden an die politische Steppenregion. Hierhin kamen die ersten deutschen Kolonisten zu Anfang des 19. Jahrhunderts, meist hatten sie schon eine oder zwei Generationen an der unteren Weichsel oder im Netze- und Warthetal gesessen und waren dann, soweit sie nicht im Cholmer Land östlich von Lublin eine neue Heimat fanden, auf der großen Heer- ftrafje südlich der Sumpfregion über Kowel nach Wolhynien gezogen. Nachkommen dieser Siedler sind vielfach noch weiter nach Osten gewandert und finden sich in Westsibirien, in der Kirgisensteppe und nördlich des Kaukasus. Nach dem erften polnischen Aufstand, zu Beginn der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts, verließen wiederum viele deutsche Dauern Kongreßvolen, wo sie sich durch ihr Beiseitestehen bei den Polen unbeliebt gemacht hatten, und zogen nach Wolhynien, wo sie sich zwischen Kowel und Luzk an- siedelten. Nach Aufhebung der Leibeigenschaft in Rußland im Jahre 1861 verpachteten viele russische Gutsbesitzer, die ihre bäuerliche Arbeitsbilfe verloren hatten, Teile ihres Landes an deutsche Kolonisten. Sie wurden die Lehrmeister des umwohnenden russischen Volkes, das sie erft mit dem eisernen Pflug und der Bodendüngung bekannt machten. Aber schon unter dem deutschfeindlicken Kurs Alexanders III. zu Ende des vorigen Jahrhunderts wurden viele von ihnen verdrängt. Von der 2Igrar= reform Stolypins nach der ersten russischen Revolution im Jahre 1905 blieben sie ausgeschlossen, unb im Wettkriege wurde ihr Gebiet durch die Kämpfe schwer in Mitleidenschaft gezogen. Damals wurden schon viele Tausende wolhynische Flüchtlinge von der deutschen Heeresleitung nach Deutschland übergeführt. Die hinter den russischen Stellungen verbliebenen deutschen Kolonisten wurden vielfach ausgewiesen und nach Sibirien vertrieben, von wo sie erst nach Fried en sschluß zurückkehren durften. Nach dem russisch-polnischen Krieg wurde Wolhynien im Vertrag von Riga 1921 zwischen Polen und Rußland geteilt, Ost-Wolhynien rouroe mit der Sowjetukraine vereinigt. Nach dem Zerfall LTs polnischen Staates hat Rußland nun wieder ganz Wolhynien in Besitz genommen.
Dor einigen Tagen trafen die Unterkommissionen der deutschen Delegation zur Umsiedlung der Deutschen aus Weißrußland und der Westukraine, zu der Ostgalizien und Wolhynien nach der Trennung der deutschen und russischen Interessensphären im 'Gebiet des ehemaligen polnischen Staates gehören, in ihren Bestimmungsorten ein, um hier ihre Arbeit nach den Richtlinien des deutsch-russischen Umsiedlungsabkommens aufzunehmen. Damit werden die deutschen Kolonisten, die hier ohne Zusammenhang mit der alten Heimt als Inseln inmitten fremden Volkstums in hartem Ringen um chr Dasein in einer Zeit, die auch hier im Osten das völkische Bewußtsein weckte uno den Nationalitätenkampf neu entfachte, auf verlorenem Posten standen, vor eine neue fruchtbarere Aufgabe gestellt. Sie werden Träger einer neuen deutschen Ostkolonisation, die aus den wiedergewonnenen deutschen Provinzen Posen und Westpreußen, den heutigen Reichsgauen Danzig-Westpreußen und Warthegau ein Bollwerk des Deutschtums machen soll, eine wahre deutsche Ostmark. Aus der alten Kornkammer des Reiches soll deutsches Bauernland werden, und das zähe, harte Geschlecht der im Kamp um Scholle und Volkstum gestählten deutschen Kolonisten aus Ostgalizien uni) Wolhynien wird hier eine neue Heimat finden. F. W. Lange.
Bei den volksdeutschen Rückwanderern.
Posen, 15. Dez. (DNB.) Der Reichsführer f Und Chef der Deutschen Polizei Himmler über*
zeugte sich in den letzten Tagen im Wart Hegau persönlich, daß alles getan wird, um die Rückwanderung schnell und reibungslos durchzuführen. Er besuchte mehrere der wohnlich ausgestatteten Durchgangslager in Posen, in denen unsere volksdeutschen Kameraden solange Unterkunft finden, bis ein geeigneter Arbeitsplatz für sie ermittelt ist. Auch der Einwandererzentrale in Posen stattete der Reichsführer ff einen Besuch ab. Durch persönliche Aussprache mit Rückwanderern, die bereits Arbeit und Wohnung gefunden haben, konnte sich der Reichssührer ff davon überzeugen,
daß selbst bei schwierigen Verhältnissen alles ge- schieht, um den Rückwanderern bald eine neue Hei- mat im Großdeutschen Reich zu geben. Schließlich besichtigte der Reichsführer ff die großen Sammellager in Lod sch, die zur Aufnahme unterer Volksgenossen aus Wolhynien und Galizien bestimmt sind. Die Volksdeutschen aus diesen Gebieten werden in den nächsten Tagen eintreffen und hier eine vorläufige Aufnahme finden, bis auch sie in den Arbeitsprozeß organisch eingegliedert werden können.
Oer Krieg im nordischen Winter.
Russische Erfolge am nördlichsten Frontabschnitt. — Große Brände bezeichnen die finnische Rückzugslinie. - Gesamtmobilmachung in Finnland.
Helsinki, 15. Dezember. (Europapreß.) Sal- mijärvi und die Nickelstadt Kolasjoski im nördlichen finnischen Frontabschnitt sind nun endgültig von d e n Russen eingenommen worden, nachdem die Mutigen Kämpfe am Donnerstag durchdenEinsatzrussischerLuft- treitkräfte bestimmt wurden. Die Finnen zogen sich langsam auf neue Stellungen weiter südlich zurück. Als die Nacht hereinbrach, standen die vordersten russischen Truppenkolonnen auf dem Eismeerwege nördlich von Svanvik, hart an der norwegischen Grenze. Dor ihrem Rückzug, der in geordneter Weise geschah, steckten die Finnen die Ortschaften in Brand, die sie zu verlassen gezwungen waren.
Bereits in der Nacht zum Donnerstag war die russische Offensive gegen Salmij ärvi und den Nickelgrubenbezirk eingeleitet worden. Die russischen Infanteriekolonnen wurden Mit großem Erfolg von den russischen Fliegern unterstützt, die von Kriegsschiffen aus — die in der Petsamo- bucht vor Anker lagen operierten. Eine große Rolle piette auch das umfangreiche Aufgebot von Panzerwagen, die eine besondere Dorrichtung besaßen, um Hindernisse — wie Schneewehen — leicht überwinden zu können. Diese leichten Pan- zerwagenabteil'ungen waren in der Lage, f i n n i • ch e Schitruppen davon abzuhallen, den vorderen russischen Kolonnen in die Flanke zu fallen, da sie das Gelände in weitem Umkreis durch ihre Maschinengewehre beherrschten. Der russische Angriff entartet ette sich mit großer Schnelligkeit. Alles deutet darauf hin, daß es ein wvhlvvrbreite- ter Vorstoß war, den die Russen mit gut ausgerüsteten und schlagkräftigen Truppen durchführten. Salmijärvi wurde in den Abendstunden des Donnerstags in Brand gesteckt, der bis Frei- tagvormittag noch nicht gelöscht werden konnte. Auch Kolasjoski und die Ortschaften Töllevi, Koivalata und Koivoranta stehen in Flammen.
Die Russen sollen östlich von Gvvernoerikorski kaum 20 Kilometer von der norwegischen Grenze Artillerie in Stellung gebracht haben. Das Gros der finnischen Truppen zieht sich in guter Ordnung zurück und läßt kleine Abteilungen
zurück, um den Vormarsch der Russen aufzuhatten. Sowjetrussische Tanks sollen die Straße Boris — ©leb erreicht haben, die nördlich von Svanvik ganz nahe an der norwegischen Grenze verläuft, während die sowjetrussische Infanterie die Stadt Kaulotunturi (westtich von Kuutsjärvi 15 Kilometer von Svanvik entfernt) stark bedrängt. Bei Kirkenes drängen die Russen östlich von Ge- vernoerikorski sehr hart vorwärts. Die Finnen ziehen sich südwärts zurück.
Die Erfolge der sowjetrusfischen Truppen in Nordfinnland .werd en von amtlicher finnischer Seite nicht bestritten'. Sie haben am Freitag zu einer G e - samtmobilisierung Finnlands geführt. Alle wehrfähigen Altersklassen wurden zu den Fahnen gerufen, so daß jetzt etwa 10 v. H. der gesamten finnischen Bevölkerung für die akttve Verteidigung des Landes eingesetzt sind. Außerdem wurden durch ein Dekret weitere Gebiete Finnlands als Gefahrenzone erklärt, was mit sich bringt, daß die Zivilbevölkerung ihre Wohnsitze in den nächsten 48 Stunden verlassen muß. Am bedeutendsten ist die Tatsache, daß sich die Regierung zur Evakuierung der Aalands-Jnsel- Gruppe entschlossen hat, die eine Bevölkerung von etwa 30 000 Personen zählt. Die südsinnische Stadt W i b o r g wird in den nächsten Tagen vollkommen von der Zivilbevölkerung geräumt werden. Die verschärfte Zwangs-Evakuierung muß vorgenommen werden, nachdem es sich gezeigt hat, daß ein Teil der Bevölkerung die Stadt freiwillig noch immer nickt verlassen will. Die Maßnahmen werden mit aller Schärfe durchgeführt. In drei Tagen darf sich keine Zivilversvn mehr ohne besondere Genehmigung in Wiborg aufhalten. Wiborg soll bei russiscAn Luftangriffen besonders gefährdet sein. Die Tatsache, daß Helsinki in den letzten 14 Tagen nicht ein einziges Mal von russischen Flugzeugen bombardiert wurde, hat dazu geführt, daß ein Teil der Einwohner aus den Wäldern wieder in die Hauptstadt zurückgekehrt ist. Die Behörden sind machtlos gegen den Strom der Zurückkehrenden. Alle Ausfallstraßen Helsinkis sind mit Pattvuillen besetzt, die die Zurückkehrercken aufzuhalten suchen.
Innenpolitische Schwierigkeiten Daladiers.
Paris, 16. Dez. (Europapreß.) In der französi- chen Innenpolitik herrscht neuerlich Bewegung. Die Sozialdemokraten haben es anscheinend nicht verwinden können, daß ihr Vorstoß gegen die Regierung Daladier anläßlich der Beratung des Vollmachtengesetzes am 30. November, wo sie geschlossen gegen die Regierung gestimmt hatten, ohne Erfolg geblieben ist. Sie verlangen jetzt die Abhaltung- einer Geheimsitzung der K a m m e r, und ^war benutzen sie als Anlaß hierzu das in der kommenden Woche zur Beratung gelangende Gesetz über die Militärausgaben für das erste Vierteljahr 1940. Das Zivilbudget für bas kommende Jahr ist in erster Lesung von der Kammer bereits genehmigt. Es weist in Einnahmen und Ausgaben 79 Milliarden Franken auf,während die Kriegsausgaben sicherlch um ein Vielfaches höher fein werden.
Gleichzeitig sieht sich die Regierung Daladier jedoch auch gewissen Schwierigkeiten takttscher und persönlicher Natur von feiten der Rechten ausgesetzt. Die Schwierigkeiten taktischer Natur beziehen sich aus das Verhalten in dem russisch-finnischen Konflikt. Große Teile der Rechten verlangen eine aktive Unterstützung Finn
lands mit Kriegsmaterial und Entsendung englisch-französischer Kriegsschiffe nach der Murman- Küste. Hand in Hand damit äußert sich die Unzufriedenheit bei der französischen Rechten mit der Haltung Norwegens und Schwedens.
Die Unzufriedenheit personeller Natur, die auf der Rechten herrscht, richtet sich gegen den Innenminister Sarraut, der in der radikalen Partei sehr mächtig ist. In der Kammersitzung vom Donnerstag ließ der baskische Abgeordnete Pb am6« g a r a y , Vorsitzender der Sozialpartei, über eine Stunde lang das Trommelfeuer seiner Beredsamkeit auf Sarraut niedergehen, weil dieser nach seiner Ansicht nichtenergischgenug gegen die fron- zösischen Geheimsender und ähnliche Dinge vorgehe, die der Kriegsbereitschaft Frankreichs ab- träglid) sein könnten und weil er überhaupt nicht für eine genügende Kriegsbegeisterung der Franzosen sorge. Dieser Sturm ist noch nicht abgeschlagen. Pbarnegaray wird im Januar die Einberufung einer Geheimsitzung der Kammer verlangen, wenn bis dahin nicht tatkräftige Maßnahmen ergriffen worden sein sollten.
Die erste Sitzung des deutschen Prisengerichtshofes.
Hamburg, 15. Dez. (DNB.) Am Donnerstag, wurde im Hamburger Strafjustizgebäude die erste: öffentliche Sitzung des zu Ausbruch des Krieges! errichteten Prisengerichtshofes in Hamburg eröffnet. Die Verhandlung beschäftigte sich mit der Ausbringung mehrerer ausländischer Schiffe.
Der Präsident des Prisenhofes Oberlandesgerichtspräsident Dr. R o t h e n b e r g e r, der zugleich deutsches Mitglied des Ständigen Internationalen Schiedshofes im Haag ist, eröffnete die Sitzung. Neben ihm hatten als Beisitzer die Prisenrichter Oberlandesgerichtsrat Dr. Segelten, Legationsrat Dr. Lohmann und Konteradmiral K l aa f e n, an der Querfeite des Richtertisches der Reichskommissar beim Prisenhof Hamburg Vizeadmiral Werth Platz genommen.
Präsident Dr. Rothenberger machte vor Eintritt in die Verhandlung einige grundsätzliche Ausführungen über die deutsche Prisengerichtsbarkeit. Eine deutsche Prisenrechtssprechung, so sagte er, hat es in den letzten 20 Jahren nach Beendigung des Weltkrieges nicht mehr gegeben. Das freie Meer ist nicht nur eine allen Mitgliedern der Völkergemeinschaft zugängliche Verkehrssttaße, sondern ebenso ein allgemeiner, allen zugänglichen Kriegsschauplatz, ja, zur Zeit der Kriegsschauplatz. Durch prisenrechtliche Maßnahmen auf dem Meer wird daher ebenso wie der Feind auch der Neutrale getroffen. Gegenstand der Prisengerichtsbarkeit ist nun die N a ch - Prüfung der Rechtmäßigkeit dieser Maßnahmen. In Deutschland liegt diese Aufgabe nicht wie in vielen anderen Ländern pvlittschen Verwaltungsbehörden ob, sondern einem mit allen Garantien eines Gerichts ausgestatteten Prisenhofe. Der Prisenhof hat vier Mitglieder. Drei Prisenrichter — darunter der Vorsitzende — müssen die Befähigung zum Richteramt haben, ein Prisenrichter ist Seeoffizier. Alle haben die Rechte und Pflichten richterlicher Beamter. Sie urteilen unabhängig und genießen den besonderen Schutz der Mitglieder des Reichsgerichts.
Schiff und Ladung werden von einem deutschen Kriegsschiff auf hoher See angehalten, durchsucht und in einen deutschen Hafen eingebracht. Der Reichskommissar sorgt dann für sachgemäße Aufbewahrung der Prise und für Unterkunft und Verpflegung der zurückgehaltenen Personen, die zur Klärung des Sachverhaltes erforderlich sind. Ergibt sich, daß die Beschlagnahme der Prise nicht den Voraussetzungen der Prisenordnung entspricht, so kann der Reichskommissar sie freigeben. Er kann aber Anträge beim Prisenhof stellen. Der Vorsitzende des Prisenhofes macht die Einleitung des Verfahrens bekannt, so daß alle Beteiligten ihre Anträge beim Prisenhof einreichen können. Das Urteil des Prifenhofes wird in öffentlicher Sitzung verkündet. Sowohl der Reichskommissar als auch die Beteiligten können Berufung an den Oberprisenhof in Berlin einlegen.
Die deutsche Prilengerichtsbarkeit ist also nach Form und Wesen kein Stück der Kriegführung, sondern eine wahre Gerichtsbarkeit. Wir sind uns bewußt,' daß eine Prisenrechtsprechung anders als jede andere Rechtsprechung weit in die Rechte der Neutralen eingreift. Wir befinden uns aber in der glücklichen Lage, in der deutschen Prisenordnung eine Grundlage unserer Rechtsprechung vor uns zu haben, die in einer klaren übersichtlichen und sicheren Form die internationale Vertrags- und Staatenpraxis zusammenfaßt. Die deutsche Prisenordnung stellt nichts anderes dar eine Kodifikation des völkerrechtlichen allgemein anerkannten Seekriegsrechtes.
Das ttmsiedlungswerk der deutschen Volksgruppe Lettland« abgeschlossen.
Riga, 15. Dez. (DNB.) Am 15. Dezember bestiegen die letzten volksdeutschen Siedler aus Lettland, rund 1Ö00 Personen, den deutschen Dampfer „Sierra Cordoba", um in bas Reich heimzukehren. Mit diesem letzten Transport schließt das große
Umsiedlungswerk der deutschen Volksgruppe Lettlands ab. In 45 Tagen sind rund 50 000 Volks» deutsche aus Lettland mit ihrer gesamten bemea- liehen Habe umgesiedelt worden, eine Leistung, die nur dank der vorbildlichen Zusammenarbeit zwi- chen reichsdeutschen und volksdeutschen Organisationen und der korrekten Haltung der lettischen Behörden möglich ryar.
Wer kann Bauer im deutschen Osten werden? Zu der Frage, wer in denheimgekehrten Provinzen Posen und Westpreußen, also in den Reichsgauen Danzig-Westpreußen und Warthegau, in erster Linie als Dauer angesetzt wer- den soll, nimmt Staatssekretär Willi kens vom Reichsernährungsministeri'mn im „Völkischen Beobachter" bas Wort. Ein Raum, der früher als die Kornkammer des Deutschen Reiches bekannt mar, der dann durch die Polenwirtschaft in seinen Er- trägnissen erheblich zurückging, stehe nun wieder dem deutschen Bauern zur Bearbeitung zur Verfügung. Dieses deutsche Land solle, sobald es die Umstände erlauben, wieder die Existenzgrundlage für Zehntausende tüchtiger deutscher Bauern« samilien werden, zur Klärung müsse aber mit allem Nachdruck gesagt werden, daß selbstverständlich auch hier die Grundsätze der nationalsozialistischen Agrar- Politik durchgeführt werden. Nur der könne Eigentümer des wieder errungenen Bodens werden, der dessen würdig ist. Der deutsche Boden sei keine Ware und nicht dazu da, Kapitalsanlage für irgendwelche interessierten Kreise zu bilden. In erster Linie sei der deutsche Soldat, der diesen Boden mit der Waffe in der Hand und mit seinem Witte zu- rückgewonnen hat, berechtigt, Ansprüche anzumelden. Daraus folge, daß, solange der uns im Westen auf« gezwungene Kampf nicht siegreich beendet ist, an eine Ansetzung deutscher Dauern als Eigentümer in den neuen Provinzen nicht gedacht werden könne. Dis batym müsse also die bisherige treuhänderische Bewirtschaftung des Bodens beibe- halten werden. Lediglich den bäuerlichen Fanrilien unter den auf den Ruf des Führers zurückkommen, den Volksdeutschen müsse schon vorher in diesem Raum eine neue Heimat und neue Existenz gegeben werden.
Dr. Goebbels spricht am 22. Dezember zu den Rückwanderern.
Berlin, 15. Dez. (DNB.) In allen Gauen inden Feierstunden für diejenigen Volksgenossen tatt, die um des Vaterlandes willen ihre Hei. nat verließen. Es sind die Volksgenossen, die aus den gefährdeten West gebieten in andere deutsche Gaue übergeführt wurden und die Volksdeutschen aus den B altenlan- b e r n , aus Wolhynien und Galizien, die dem Rufe des Vaterlandes folgend im Gau Danzig, Westpreußen und im Warthegau eine neue Heimat finden sollen. Zu ihnen spricht Reichsminister Dr. Goebbels am 22. Dezember im Rahmen einer Feierstunde. *
Eine noch innigere Beziehung zur Familie erhält die Feier für d i e vom WH W. betreuten Volksgenossen in diesem Jahre dadurch, daß die Hoyeitsträger der Partei gemeinsam mit den Beauftragten des WHW. diese Familien besuchen. Sie bringen ihnen dabei die Geschenke des deutschen Volkes, in der Hauptsache Spielzeug und Lebkuchen für die Kinder, so daß die Bescherung in diesem Jahre im engsten Famllien- kreis stattfindet. Darüber hinaus hat das Kriegs- winterhilsswerk schon seit Anfang Dezember durch eine verstärkte Zuteilung von Wert- scheinen, die im Rahmen der allgemeinen Kontingente zu Käufen berechtigen, dafür gesorgt, daß auch im Kriegswinter 1939/40 kein deutscher Volksgenosse hungert oder stiert.
Zuchthaus für Abhören ausländischer Sender. Berlin, 15. Dez. (DNB.) Vom Sondergericht in Düsseldorf wurde der Johann Dorbert aus Leverkusen-Rheindorf auf Grund des Verbotes des Abhörens fremder Sender zu 1 Jahr Zuchchaus verurteilt, weil er wiederholt den Nachrichtendienst ausländischer Sender eingestellt und abgehört hatte. Weiter beschäftigte sich das hanseatische Sondergericht in Bremen mit einem Angeklagten, der am 7. September Öen Strasburger Sender abhörte, der damals das Lügenmärchen verbreitete, daß der Westwall durchstoßen sei und französische Truppen sich bereits am Rhein und an der Mosel befänden. Der Angeklagte erzählte diese Schauergeschichte am nächsten Tage in seinem Betrieb. Nun war das Gesetz, welches das Abhören ausländischer Sender verbietet, am 7. September, also dem lag, an dem der Angeklagte Straßburg abhörte, verkündet worden. Er wurde deshalb auch nicht wegen des Abhörens verurteilt, wohl aber wegen der Verbreitung dieser gefährlichen Lügen, und zwar wurde gegen ihn eine Zuchthausstrafe von 1/4 Jahren erkannt. Die von den Sondergerichten verhängten Zuchthausstrafen stellen eine eindringliche Warnung an die Unbelehrbaren dar, die immer noch glauben, den propagandistischen Einflüsterungen des feindlichen Auslandes aus Neu? gierde oder Verständnislosigkeit ihr williges Ohr leihen zu müssen.
Kleine politische Nachrichten.
Ministerpräsident Chamberlain ist am Frei' tagmorgen in Frankreich angekommen. Er wirb sich einige Tage in Frankreich aushalten und den britischen Truppen an der Front einen Besuch ab- statten.
Die Vettern des Königs von Italien, derHerzog von P i st o j a und der Herzog von Der- g a m o , sind zu Armeekommandanten ernannt uno zur Verfügung des Generalstabschefs des Heeres gestellt worden.
Das Schwesterschiff des „Pilsudski", der polnische Ueberfeebampfer „Batho r y", ist in einen kanadischen Hasen geflüchtet. Der Dampfer ist auf Veranlassung des Erbauers, der Cantieri Riunti dell- Adriatieo, wegen einer Restschuld von 400 000 Dollar von den kanadischen Behörden beschlagnahmt worden. Die italienische Schiffswerft fordert die so' fertige Bezahlung der auf dem Dampfer lastenden Hypothek oder die Versteigerung dieses Uebersee' dampfers.


