Nr. 269 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Donnerstag. 16. November 1959
Schöne Serien aus der Sammlung Winterhilfs-Abzeichen. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
über
Einsamen eine feste Gemeinschaft bilden, wollen
Meta Brix
Roman von
CARL DUNCKER VERLAG • BERLIN
(Nachdruck verboten.)
3. Fortsetzung.
Gesunde Zähne
Gesunde, blendend weiße Zähne durch storkwirksame Zahnpflege mit
Spiegel der Opserbereitschast.
Sehenswerte Sammlung sämtlicher Winterhilfe-Abzeichen
i^4Opr
die große Tube die kleine Tube
25M
Er stieg die hochstusigen Treppen des alten Hauses empor. Hier befanden sich die Arbeits- und ^Lagerräume seines Geschäftes. Hier in diesem alten Hause, nahe dem Burgtheater, hatten zeitweise berühmte Schauspieler gewohnt. Hier wehte Theaterluft. Jäckel hätte sein Geschäft längst in ein modernes Haus verlegen können, aber das wollte er nicht. Hier hing die alte Ueberlieferung in allen Winkeln. Hier fühlte er sich wohl.
Oben im Kontor kam ihm die junge Stenotypistin entgegen. Sie meldete, der Herr Doktor Heit- feld aus Berlin sei da, schon sett einer halben Stunde.
„Nanu — Doktor Heitfeld? Wieso denn der Junior und nicht der alte Herr —?" fragte Jäckel und hängte seinen Hut auf.
Das Mädchen lachte ein bißchen albern und meinte, ja, das wüßte sie auch nicht.
Aber Jäckel war schon in den kleinen Empfangs- T<rum gegangen. Dort erhob sich aus dem Sessel ein breitschultriger, blonder und außerordentlich gut aussehender Mann.
Der Maskenbildner streckte dem Sohn seines alten Geschäftsfreundes die Hand entgegen: „Grüß »Sie Gott, Herr Doktor! Freut mich, Sie bei mir ^u sehen! Der Herr Vater ist doch gesund?"
Mit dem alten Matthias Heitfeld, dem Seniorchef Der bekannten Berliner Parfümerie Heitfeld, war man sich im Laufe langer Jahre auch menschlich näher gekommen.
Doktor Heitfeld erwiderte, daß es seinem Vater durchaus gut gehe. „Doch Vaters langiährige Sekretärin — unsere Frau Witte — ist vor einiger Lett bei einem Autounfall tödlich verunglückt."
Das tat Jäckel leid. Er kannte natürlich die Witte auch.
Waldemar Heitfeld erzählte weiter, daß sein alter .Syerr sich nur schwer an eine neue Kraft gewöhnen könne „Umbauten, die wir haben, kamen hinzu aind veranlaßten meinen Vater, zu Hause zu blel- Len und mich auf die Tour zu schicken."
.Kann ich verstehen", nickte Jäckel.
Doktor Heitfeld kam auf die geschäftlichen Dmge
ner Pg. August Kramer, MdR., Karlsruhe. — Gloria-Palast (Seltersweg): „Hochgeitsreise zu Dritt". — Lichtspielhans (Bahnhofstraße): „Gern hab ich die Frau'n geküßt". — Gießener Cisverein: 20.30 Uhr, im Vereinsheim, Schlageteranlage, Iah re s - Ha uptve r s am m l u ng.
W-r erhält die Lang- und Nachtarbeiterzulaaen?
Bei Anwendung der neuen Bestimmungen Lebensmittelzulagen für Lang- und Nachtarbeiter sind Zweifel entstanden, ob kaufmännische und technische Büroangestellte unter diese Regelung fallen. Hierzu wird amtlich mitgeteilt, daß die Zulagen nur für Arbeiter im üblichen Sinne, insbesondere also für gewerbliche Arbeiter ,vorgesehen sind. Angestellte- jur Büros fallen nicht hierunter.
zu sprechen. Er sagte, daß er diese Reise jetzt über Budapest bis nach Konstantinopel weiterführen wolle. Auch Jugoslawien wollte er besuchen. „Und was Ihre Abschlüsse betrifft, Herr Jäckel — erneuern wie immer, nicht wahr?"
„Nicht ganz in der alten Weise, Herr Doktor. Ich habe da ein paar neue Schattierungen aus« probiert, nach denen Sie mir Schminken Herstellen sollen." .. „
„Das wollen wir gerne machen, Herr Jäckel."
„Wje lange werden Sie in Wien bleiben, Herr Doktor? Ich hätte nämlich gern verschiedenes mit Ihnen besprochen. Wollte eigentlich deshalb mal nach Berlin kommen, aber die Verpflichtungen für Bühne und Film ließen mich nicht fort."
„Ich denke zwei oder drei Tage in Wien zu bleiben und stehe natürlich ganz zu Ihrer Verfügung."
„Ausgezeichnet. Ich möchte Ihnen nämlich em paar Versuche zeigen, die ich im Hinblick auf den kommenden Farbensilm gemacht habe."
„Damit beschäfttgen Sie sich auch?"
„Aber sehr!" erwiderte Jäckel. „Und diese Versuche werden Ihnen einen neuen Einblick in meine Arbeit geben. Ich hatte übrigens gedacht, Sie würden in Berlin das Laboratorium übernehmen. Nun aber kümmern Sie sich auch um bad Verkaufs- geschäft?" _ ,
„Sie kennen meinen Vater, Herr Jäckel. Er verlangt von allen seinen Mitarbeiter die Anwendung aller Zeit, allen Wissens und allen Könnens für unser Haus. Und mir geht es jetzt bei dieser Reise nicht allein um den Verkauf. Ich will mir mal Den ganzen Handel hier unten mit Artikeln unserer Art änsehen. Will mich über Nachfrage und über das Angebot der Konkurrenz unterrichten.
Wir bauen übrigens jetzt unsere Niederlage m Neuyork aus. Und vielleicht werde ich das Gefchaft drüben übernehmen. Die Neuorganisation auf jeden ^<Das Telephon schrillte. Ein bekannter Schauspieler meldete sich bei Jäckel an. Er wollte gleich kommen und die Maske für eine neue Rolle besprechen. „Ja", sagte der Maskenbildner, „ich bin jetzt hier. Gut ... ich erwarte Sie also ..."
Doktor Heitfeld erhob sich- Paßte es morgen, über diese neuen Versuche zu sprechen?
,Uebermorgen, Herr Doktor. Und wir machen das bei mir zu Hause. Ich werde mich freuen. Sie als meinen Gast bei mir zu sehen."
Heitfeld nahm die Einladung gerne an. Er wußte von seinem Vater, daß der Maskenbildner als Sammler alter wertvoller Bücher und alter Mas- : ten bekannt war.
Lesgaben erleichtern.
Wenn man täglich Hunderte solcher Briefe lieft, idann empfindet man sie nicht mehr als d?n Wunsch Einzelner Frauen und Mädchen, sondern man spürt daraus das Gemeinfchaftsbewußtfein des ganzen Volkes. „Kein Soldat soll einsam sein!" Alle Biefe Menschen, die hier schreiben, wollen um den
Als sie schon zur Tür gingen, zog Jäckel eine Karte aus der Tasche und reichte sie seinem Besucher. Er lachte: „Wenn Sie Lust verspüren sollten, sich in den Strudel des Vergnügens zu stürzen — die Filmschaffenden feiern die „Lusttge Nacht der Künstler." ,,
„Danke —", sagte Heitfeld. „Vielleicht sehe ich wirklich einmal hinein —"
*
In dem Flügel, tn dem sich die Garderoben der Schauspieler befanden, klangen erregte Stimmen bis auf den schmalen Korridor hinaus. Die Garderobiere ging über den Gang blieb einen Augenblick stehen und sagte zu dem neben ihr gehenden männlichen Kollegen: „Der Moravitzky ist bei ihr drin!"
In dem hellen, freundlichen Garderoberaum, der für die Drehzeit dieses Films Luise Domkats Reich war, sah die Schauspielerin vor dem breiten Spiegeltisch und schob in nervöser Unrast die Gegenstände — Puderdosen und Fläschchen — hin und her.
An der seitlichen Wand, den Blick auf die junge Frau gerichtet, lehnte der Schauspieler Franz von Moravitzky. Er war im Gesellschaftsanzug, das Gesicht schon geschminkt für die Aufnahme. Er war mittelgroß und schlank, der Kops mit dem dunklen, leicht gewellten Haar war schmal und edel geformt. Die graublauen, zwingenden Augen sahen Luise zornig an. Der Rest der Zigarette flog mit hastiger Bewegung in die kleine, schwarze Aschenschale, Aschenreste verfehlten die Schale und legten sich auf Luisens Hände. Sie blies den grauen Staub mit verächtlichen Lippen fort.
„Verzeihung ...", sagte der Mann. Er schob die Hände in die Hosentaschen und fragte: „Muschi, was soll das heißen? Ich rufe gestern zweimal bei dir an ... in der Frühe und am Nachmittag. Die Melanie sagt beide Male, du wärst nicht da. Noch nicht zurück aus Magdeburg. Ein Telegramm hast du auch nicht geschickt. Ich fahre abends vom Atelier noch ins Variete, wo die Magret tanzt. Ich treffe da die Odilä. Das erste, was sie fragt ... wo du seist. Sie sagt, sie hätte dich doch gesehen, wie du vom Bahnhof nach Hause gefahren wärst. Da warst du also am Mittag schon in Wien ..."
Luise zuckt die Schultern: „Na ... und ... ? Habe ich mich etwa bei dir zurückzumelden?"
„3a!"
„Werde bitte nicht unverschämt!"
Moravitzky erwiderte nichts darauf. Er ging ein paarmal durch den schmalen Raum, zündete sich nervös eine neue Zigarette an, dann blieb er hinter der Frau stehen. Er stützte die linke Hand auf die Lehne ihres Sessels. Ihre Blicke begegneten sich im Spiegel.
Ortsgruppen der NSDAP. Giehen-Nort) und Gießen-Mitte.
Am Donnerstag, 16. November, 20.30 Uhr, findet ür die Ortsgruppen Gießen-Nord und Gießen- Mitte im .Klubhaus", Sonnenstraße 19, eine öffentt liche Versammlung statt, in welcher der Reichsredner Pg. Aug. Kramer, MdR., Karlsruhe, spricht. Alle Parteigenossen und Volksgenossen der beiden Ortsgruppen werden hierzu eingeladen. Vollzähliges Erscheinen wird erwartet. Die Kundgebung wird von Musikvorttägen der Kapelle Krengel umrahmt.
Ergebnis des zweiten Opterionntogs.
Bei der Listensammlung am zweiten Dpferfonn- tag wurde im Bereich des Kreises Wetterau der NSDAP, für das Kriegswinterhilsswerk des deut- chen Volkes der Betrag von 2 4 4 0 9,65 R M. aufgebracht. Auch dieses Ergebnis ist ein schönes Zeichen der anhaltenden Opferfreudigkeit unserer Bevölkerung in Stadt und^and.
Für den Monat DezernM und für das Weih- nachtsfest wird auch in diesem Jahre wieder erhofft, daß die Reichssttaßensammlung und die Listen- ammlung des Dpferfonntags besonders gute Ergebnisse bringen. Für die Reichsstraßensammlung gelangen auch in diesem Jahre wieder die hübschen buntbemalten Holzabzeichen zum Verkauf.
Kein IBcafall von Rabatt
FWD. Amtlich wird mitgeteilt: Nach den feit Kriegsbeginn gemachten Beobachtungen sind Einzelhändler (Kleinoerteiler) vielfach der Meinung, daß sie nicht mehr verpflichtet seien, bisher ihren Kunden eingeräumte Rabatte weiter zu gewähren. Diese Auffassung ist nicht zutreffend. Der Einzelhändler, der Rabatt ohne Genehmigung der Preisbildungsstelle stteicht, macht sich nach der Preis-Stop-Der- orbnung vom 26. November 1936 strafbar, da die eigenmächtige Streichung der Rabatte eine unzulässige Preiserhöhung ' infolge Verschlechterung der Lieferbedingungen darstellt. Der Einzelhändler wird hierauf ausdrücklich hingewiesen. Bemerkt wird noch, daß etwaige Anträge auf Bewilligung des Wegfalls von Rabatten keine Aussicht auf Erfolg haben und von vornherein mit ihrer Ablehnung gerechnet werden müßte.
©iehener öodjenmarftprdfe.
♦ Gießen, 16. Noo. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 RM., Matte 25 bis 50 Rpf., Käse, das Stück 5 bis 10, ausländische Eier 11, Wirsing, % kg 6 bis 8 Rpf., 50 kg 6 RM., Weißkraut, kg 5 bis 6 Rpf., 50 kg 4 RM., Rotkraut, kg 8 bis 10 Rpf., 50 kg 7 RM., gelbe Rüben, kg 7 bis 8 Rpf., rote Rüben 9 bis 10, Spinat 15, Unterkohlrabi 5 bis 8 Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 30 bis 45, Feldsalat, ‘/io 10 bis 15, Zwiebeln, % kg 10, Meerrettich 35 bis 60, Kürbis 6 bis 8, Kartoffeln, % kg 4 Rpf., 5 kg 40 Rpf., Aepfel, % kg 15 bis 25 Rpf., Birnen 10 bis 20, Salat, das Stück 8 bis 12, Endivien 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich 10 bis 15, Radieschen, das Bündel 10 Rpf.
♦
** Ein Achtzigjähriger. Am morgigen Freitag, 17. November, vollendet der Städt. Wie- senmeifter i. R., Wilhelm B e l l o f, Wolfftraße 25, in körperlicher und geistiger Frische sein 80. Lebens- ' jahr. Aus der Nachbargemeinde Rödgen stammend, war er sett dem Jahre 1873 bei der Stadtverwal- . hing Gießen beschäftigt und verwaltete dann vom Jahre 1882 bis zu feiner Versetzung in den Ruhe- ' stand im Jahre 1924 als Städt. Wiesenmeister den Grundbesitz Der Stadt Gießen. Wir wünschen dem in weiten Kreisen der Gießener Bevölkerung hochgeschätzten Jubilar einen gesegneten Lebensabend.
Papier. Da begegnete uns das aus Eisen gegossene Bildnis des Alten Fritz, dann wieder in lebhaftem Gegensatz dazu die entzückenden Holzsiauren, die für Die Weihnachtstage geschaffen waren, ferner jene Holzfigürchen, die die Jahreszeiten veranschaulichten, die belehrenden Verkehrszeichen, Schmetterlinge aus Porzellan, die mattschimmernden Tierkreiszeichen mit dem Halbedelstein, die Schmuck- broscyen aus Metall, die aussahen, als seien sie aus altem Silber getrieben, die Miniaturwerkzeuge der deutschen Handwerker und die Tierdarstellungen mit den Halbedelsteinaugen. Schließlich waren auch schon die kleinen Bildhefte und die germanischen Schwerter der jüngsten Opfertage des Kriegswinterhilfswerkes in der Sammlung vertreten.
Wer sich für eine Stunde in diese Sammlung vertiefen kann, dem offenbart sich auch, daß an der Schaffung dieser Abzeichen fast alle deutschen Landschaften mit ihrer Volkskunst und Heimarbeit beteiligt gewesen sind. Aus dem Protektorat Böhmen und Mähren stammen gläserne Abzeichen, aus dem Erzgebirge, der Rhön und Thüringen kamen die buntbemalten Holzschnitzereien, die Kinderfiguren, die bäuerlichen Charakterköpfe, aus den EDelsteinschleifereien im Taunus und aus den Elfenbeinschnitzereien im Odenwald kam manches Abzeichen, von Samlands Küste kam Bernstein, und die keramische Industrie steuerte auch ihre Ergebnisse bei.
Neben den Abzeichen, die ausschließlich für das WinterWfswerk geschaffen wurden, begegnet man in Herrn Hoffmanns Sammlung auch den symbolischen Plakettenschöpfungen für die Reichspartettage, für den 1. Mai, fiir Das Hilfswerk Mutter und Kind, für Gauparteitage, Treffen der Gliederungen der Partei usw.
Die überaus sehenswerte Sammlung wird demnächst im Schaufenster eines Geschäftshauses im Seltersweg der breiten Öffentlichkeit gezeigt werden und sicherlich lebhaftem allgemeinem Interesse begegnen. N.
Es bestand feit der Zeit, da das Winterhttsswerk die deutsche Volksgemeinschaft zum Opfer auftust, chon mancher Anlaß, darüber erstaunt zu sein, wie inbige Köpfe immer neue Gedanken für die Form der Winterhilfeabzeichen aufbrachten. Fast war man von Monat zu Monat neugierig, welche Abzeichen zur nächsten Sammlung zum Verkauf kommen würden. Wie reizvoll ist es nun, einmal sämtliche bisher ausgegebenen Winterhilfeabzeichen beieinanderzusehen!
Bei Herrn Hoffmann in der Stephanstraße, der im Ruhestand lebt und den Ereignissen der Gegenwart mit lebhafter Aufmerksamkeit gegenübersteht, hatten mir Gelegenheit, eine lückenlose Sammlung sämtlicher bisher ausgegebener Winter- Hilfeabzeichen zu sehen, die mit Sorgfalt zusammengetragen ist, zum großen Teil aber auch aus eigenen Opfern erreicht wurde.
Mtt verständlichem Stolz öffnet Herr Hoffmann seine selbstgefertigten Kästen, zeigte Tafel um Tafel, auf denen die Abzeichen in geschickter Anordnung auf rostrotes Tuch aufgesteckt sind. In der Ueber- schau wird dem Bettachter dieser Sammlung bewußt, wie viele Gedanken, wieviel Formgefühl, wieviel Empfinden für Harmonie der Farben, welche Fülle handwerklichen Könnens und volkstümlicher Techniken und welch verschiedenartiges Material für die Schaffung dieser Abzeichen aufgewandt wurden. Und hinter 'all diesen Abzeichen steht die ernste, friedliche Arbeit Taufender geschickter Hände von Männern, Frauen und Kindern, die Stichel und Schnitzmefser, Prägeplättchen und Weberschiffchen, Nadel und Schere, Stift und Pinsel handhabten und so die schönen Abzeichen schufen, die in chrer Gesamtheit ein Denkmal der Opferbereitschaft unseres deutschen Volkes sind.
In einer hübschen Parade stellten sich uns in der Sammlung Soldaten aus Porzellan und in bunter Stickerei vor, man sah die schönen gestickten Trachtenbilder, die Wappenschilder deuffcher Städte, die Wappenschilder aus Leder, die vielen Abzeichen aus Elfenbein, Blumen aus Bernstein und Rosetten aus
Der Mann tat, als wäre fein Groll verflogen. Er nickte dem schönen Frauengesicht zu, sein Mund lachte. „Also lassen wir das, Muschi ... heute abend jedenfalls werden wir zusammen auf der ,Lustigen Nacht der Künstler' sein!"
„Ich gehe nicht hin."
Franz von Moravitzky griff hart nach der Schulter der Frau: „Du wirst hingehen! Noch kannst du dir das nicht leisten, einer solchen Veranstaltung ern zu bleiben!"
,Laß mich gefälligst los!" Luise streifte heftig die Hand von ihrer Schulter. „Ich lege keinen Weift darauf, zu meiner eigenen Reklame herumzulaufen."
Moravitzky zwang sich noch einmal zu einem Spiel der Freundlichkeit. „Sei lieb, Muschi! Was ist los mit dir?"
Aber als er das starre Gesicht vor sich sah, konnte er sich nicht länger beherrschen, und fein Zorn brach aus: „Was frage ich denn so viel ... Dieser verfluchte Prozeß ist es! Deine auf einmal erwachten Muttergefühle ..."
Er wich zurück, denn Luise war aufgesprungen.
Sie warf den Kopf mit dem leuchtenden Haar zurück, es sah aus, als wollte sie zuschlagen. Sie zitterte am ganzen Körper. „Sei sttll! Sage das nicht noch einmal! Welche Rechte maßt du dir überhaupt an?"
Der Mann wollte einlenken, er legte seine Hände von hinten auf die Lehne ihres Sessels, beugte sich herab und bat: „Verzeih mir, Muschi ... aber du verstehst es manchmal, einen Menschen ganz durcheinander zu bringen. Brehm hat neue Pläne. Es handelt sich scheinbar um günstige Abschlüsse, auch für uns beide."
Luise antwortete nicht. Sie lehnte sich ganz nach vorn, so daß der Mann sie nicht mehr berührte. So — den Kopf in die Hand gestützt — saß sie unbeweglich.
Hinter ihr sprach Moravitzky weiter: „Unsere beiden letzten Filme waren Erfolge. Das wissen die Produzenten genau. Wir werden das Liebespaar der kommenden Filme sein. Brehm verhandelt mtt der deutsch-italienischen Produktionsgemeinschaft."
Die Schauspielerin hob den Kopf. Sie sah im Spiegel vor sich noch immer das schön lächelnde Männergesicht ...
„Wir haben ausgezeichnete Chancen, Muschi ..
Sie empfand schmerzhaft, daß sie diesen Mann da hinter sich nicht mehr ertragen konnte und sagte: „Verhandelt so viel ihr wollt ... aber laß mich jetzt allein!"
Sie war einfach nicht imstande, Moravitzky noch länger anzuhören.
(Fortsetzung folgt.)
Aus her Stadt Gießen.
Kein Soldat soll einsam sein.
Der Rundfunks hat nun auch zwischen Front und Heimat eine Brücke geschlagen. Aus Berichten über t)as Leben der Soldaten, die alle guter Stimmung sind, von denen aber manche niemals Post aus der Heimat erhalten und bei jeder Postverteilung ab- setts stehen müssen, ergab sich die Anregung, auch diesen einsamen Soldaten durch ein paar Zeilen oder ein Päckchen aus der Heimat Freude zu bereiten, auch ihnen das Gefühl der Verbundenheit von Front und Heimat zu geben.
Zehntausende von Zuschriften, die alle um die Anschrift eines einsamen Soldaten bitten, sind inzwischen eingegangen. Da es meist Frauen ober Mädchen sind, die diese Briefe schreiben, übernahm die Rrichsstette des Deutschen Frauenwerks ihre Be° arbeituna. Immer größer werden dort die Berge von Zuschriften. Sie kommen aus allen Gauen und aus allen Schichten der Bevölkerung. Briefe, die von ungelenker Kinderhand geschrieben sind und •fo herzlich um die Anschrift eines verwundeten oder einsamen Soldaten bitten; von dem ersparten Taschengeld liege schon ein Päckchen für den Soldaten bereit, — „aber bitte, laßt mich nicht so lange warten!" Andere Briefe verraten schon äußerlich die ältere, im Leben stehende Frau, und man ist immer wieder tief gerührt von der warmen, echten Mütterlichkeit, die aus diesen Briefen spricht: „Ich möchte einem Soldaten die Mutter ersetzen!" »der „Wir wollen einem elternlosen Soldaten eine meue Heimat geben, mit allen seinen Sorgen soll «r zu uns kommen können!" Wie reich sind wir Loch, solange die Quelle dieser mütterlicher Wärme nicht versiegt. Da ist kein Opfer zu groß: ,Zch habe felber vier Buben, aber ich würde gern noch für «inen fünften, einen Soldaten, sorgen; wo vier satt Werden, reicht es auch für den fünften"; ober wenn «ine 65jährige Witwe schreibt: „Ich habe nur wenig, •aber bas möchte ich gern mit einem unserer jungen, tapferen Kämpfer teilen!"
Einen großen Teil ber Briefe schrieben junge Mädchen. Hausangestellte Arbeitsmaiden, Arbeite- rinnen, Büroangestellte, alle Berufe sind vertteten. Ob sie noch sehr jung ober schon etwas älter sind, fte erzählen, wie erfreut sie über bie Anregung waren, einsamen Soldaten zu schreiben. Die Berichte von den Kämpfen und von dem Leben der Soldaten hatten sie immer mit größter Spannung Der- folgt. Da konnte es für sie keinen größeren Wunsch geben, als irgendeinem unbekannten Soldaten für den tapferen Einsatz und die großen Opfer danken zu können. „Wir haben zwar selbst durch unseren Verns und durch ehrenamtliche Arbeit allerei zu tun, aber um einem Soldaten mit ein paar frohen Zeilen eine Freude zu bereiten, reicht die Zeit noch lange; und wir haben Urnen doch soviel zu bautenr
Am liebsten möchte man alle aufzählen, weil jeder Bries auf eine andere schöne Weise Zeugnis dafür ablegt, wie eng verbunden die Heimat mit der Front lebt. Aber man kann es hier nur andeuten. Natürlich haben sich sofort auch unzählige <9nippen der HI. und des BDM. gemeldet, ferner Schulklassen, Kindergruppen und Juaendgruppen des Deutschen Frauenwerkes, NSV.-Kindergärten, Land- und Arbeitsdienstlager, die den Soldaten gemeinsam ein Päckchen schicken wollen. Auch Fir- Wen und Belegschaften von Betrieben haben um I Soldatenanschriften gebeten. Nicht einmal die Men- ßchen aus dem Protektorat Böhmen und Mähren wollen zurückstehen, und selbst Volksdeutsche aus den ehemals polnischen Gebieten und Baltendeutsche, die in diesen Tagen im Großdeutschen Reich eine neue Heimat gefunden hoben, möchten ihren Befreiern bas Leben an der Front mit kleinen Lie-
helfen, sein Schicksal zu ttagen, und ihm Trost bringen in verlassenen Stunden.
Es ist nur schade, daß vorläufig noch so viel guter Wille brachliegen muß, weil die Zahl der Soldatenanschriften weit geringer ist, als Die Zahl der Zuschriften aus der Heimat. Diele müssen sich deshalb noch ein wenig gedulden. Immerhin wurden bereits über 3000 Soldatenanschriften an Briefpartner aus der Heimat vermittelt, und wir hoffen, daß auch den vielen anderen ihre Bitte noch erfüllt werden kann.
Dornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Ortsgruppen der NSDAP. Gießen-Nord und Gießen-Mitte: 20.30 Uhr, im .Klubhaus", Sonnen- straße 19, öffentliche Versammlung mit Reichsred-
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