Ausgabe 
16.9.1939
 
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über einen neutralen Hafen und dann auf dem Landwege in das Gebiet des feindlichen Staates befördert werden soll. Das ist ein sehr wesentlicher Unterschied zur Behandlung der absoluten Konter­bande, die auch in diesem Fall der Beschlagnahme verfällt.

Das Deutsche Reich hat ebenso wie zu Beginn des Weltkrieges auch diesmal durch Erlaß einer Prisenordnung vom 28.August 1939 bekundet, daß es gewillt ist, sich an die eben erläuterten Grundsätze des Seekriegsrechts zu hal­ten und vor allem auf die unterschiedliche Behänd' lung von absoluter und relativer Konterbande zu achten. Deutschland hat damit seinen aufrichtigen Willen bezeugt, auch den Seekrieg nach den Regeln einer humanen Kriegführung zu führen, die in der bewaffneten Macht des feindlichen Staates ihren Gegner sieht und bestrebt ist, nicht auch die Zivil­bevölkerung in den Krieg hineinzuziehen und vor allem nicht Frauen und Kinder den Folgen eines hemmungslosen Handelskrieges auszufetzen. Ganz anders England. So wenig es gewillt ist, die für die Blockade geltenden völkerrechtlichen Grund­sätze zu achten, so wenig kehrt es sich an die Be­schränkung des Begriffs der Konterbande, wie wir ihn soeben erläutert haben. Die durch königliche Proklamation verkündete Liste der Waren, die Eng­land als Konterbande behandeln will, bedeutet nichts anderes als die Verkündung desHunger­krieges" gegen Deutschland, die Wiederholung des gleichen Verbrechens, dem im Weltkriege Hundert­tausende Frauen und Kinder zum Opfer gefallen sind. Aber diesmal ist die Situation eine ganz andere. Die englische Methode unmenschlicher Kriegführung trifft kein unvorbereitetes Deutsch­land und auch die neutralen Länder, deren Handel die britische Seeräuberei im Weltkrieg vernichtet hatte, haben daraus ihre Lehre gezogen. England wird bald am eigenen Leibe spüren, daß die von ihm rechtswidrig gegen uns erhobene Waffe des Kaperkrieges auf das eigene Land zurückschnellen wird.

Deutschland hat die britische Herausforderung mit einer Aenderung seiner Prisenordnung beantwortet, die den Begriff der Konterbande der englischen Auslegung angleicht. Wenn dadurch der Seekrieg eine erhebliche Verschärfung erfahren wird, so kann Deutschland mit gutem Gewissen von sich sagen, daß es das nicht beabsichtigt hatte und erst die englische Praxis das Reich gezwungen hat, in Ver­teidigung seiner Lebensrechte gleiches mit gleichem zu vergelten. England hat mit dieser deutschen Antwort rechnen müssen, denn die am 28. August erlassene deutsche Prisenordnung setzte voraus, daß auch der Gegner sich eine gleichartige Unterschei­dung von absoluter und relativer Konterbande zu eigen machen würde. England mag überzeugt sein, daß Deutschland auch jedes weitere Verlassen völ­kerrechtlicher Grundsätze auf ähnliche Weise quit­tieren wird. Die Neutralen aber, deren Handel weit mehr noch als die deutsche Kriegswirtschaft unter den Folgen der brutalen rechtswidrigen See­kriegführung Englands zu leiden haben wird, wissen, daß es nicht in Deutschlands Absicht gelegen hatte, den neutralen Handel in den Krieg Hinern- zuziehen. Dafür ist ein schlüssiger Beweis das Zu- fatzprotokoll zum deutsch-dänischen Nichtsangriffs­pakt, in dem beide Vertragspartner ausdrücklich feststellen, daß im Kriegsfälle die Fortsetzung des dänischen Handels mit kriegführenden Staaten nicht als Verletzung des Grundsatzes der Neutralität an­gesehen werden solle. Zu Beginn des Krieges hat Deutschland diese gleiche Auffassung noch einmal den skandinavischen Staaten, Holland und Belgien durch einen besonderen diplomatischen Schritt be­kräftigt und den Wunsch nach unveränderter Fort­setzung der wirtschaftlichen Beziehungen Ausdruck gegeben. Die deutsche Aktton hat überall ein freund­schaftliches Echo gesunden als Beweis dafür, daß Deutschland die Neutralität dieser Länder auch in ihrem Handel mit dem Gegner zu achten gewillt war. England allein war es, das diese Absicht durchkreuzt hat und dieFreiheit der Meere" wiederum zu einem Phantom macht.

England hat ja auch schon in den neutralen Län­dern Schritte unternommen, um unter Androhung der Ausfuhrsperre für englische Waren die Neu­tralen zum Verzicht auf ihren Handel mit Deutsch­land zu veranlassen. Die Neutralen werden sich noch vom Weltkrieg her dieser brittschen Erpressermetho­den erinnern, die mittels Schwarzer Listen alle Handelsunternehmungen in neutralen Ländern vom Bezug ausländischer Waren ausschloß, die es wag­ten, ihre Handelsbeziehungen zu Deutschland auf­recht zu erhalten. Damals standen die Neutralen, die zu einem großen Teil auf die Versorgung aus Uebersee angewiesen waren, jeder für sich der an­maßenden und gewalttätigen Seeräuberpraxis Eng­lands machtlos gegenüber. Heute ist nach den furchtbaren Erfahrungen des Weltkrieges der Wille zur Neutralität so scharf ausgeprägt, daß schon im Frieden sich eine Reihe von neutralen Mächten jur Wahrung ihrer Interessen . zusammengeschlossen hatte unt) nun enge Tuchfühlung miteinander hält. Eine Konferenz der Oslo-Staaten in Brüssel hat oeben sich zur Abwehr des frechen brittschen An- innens auf eine gemeinsame Linie geeinigt und die ur Montag angekündigte Konferenz der skandina­vischen Staaten in Kopenhagen wird ebenfalls die Frage der Sicherung des neutralen Handels in den Mittelpunkt ihrer Beratungen stellen. Die Stellung der Neutralen ist aber auch wirtschaftlich heute England gegenüber erheblich stärker als im Welt­krieg. Während damals die skandinavischen Länder z. B. auf die Zufuhr englischer Kohle angewiesen waren und England daran seine Bedingungen knüpfen konnte, ist England heute, um die Ver­sorgung seiner eigenen Industrie sicherzustellen, gar- nicht in der Lage zu liefern. Deutschland hingegen hat schon wenige Tage nach Kriegsbeginn seine regelmäßigen Kohlentransporte nach den skandina­vischen Märkten unverändert wiederaufgenommen und wird in Bälde auch imstande sein, aus dem ostoberschlesischen und polnischen Kohlenrevier, das von jeher ein Hauptlieferant der skandinavischen Länder war, deren Bedarf voll zu decken.

Wir sagten schon, daß die deutsche Kriegs­wirtschaft von der englischen Blockade und dem englischen Kaperkrieg auf die neutrale Schiffahrt weit weniger zu besorgen haben wird, als die Wirtschaft der Neutralen. Generalfeldmarschall- rina hat das in seiner großen Rede mit durchaus einleuchtenden Argumenten nachgewiesen. Abge­sehen davon, daß es uns nun zugute kommt, daß die deutsche'industrielle Wirtschaft schon zu Kriegs­beginn durch den Vierjahresplan weitgehend auf Selbstversorgung eingestellt war und sich dies erst in den kommenden Jahren voll auswirken wird, abgesehen davon, daß die deutsche Landwirtschaft durch die Arbeit des Reichsnährstandes in die Lage versetzt worden ist, die Ernährung des deutschen Vol­kes auf eigenem Boden zumindest was Brot und Kartoffel, die beiden Hauptnahrungsmittel, anlangt, sicherzustellen, abgesehen davon steht heute anders wie im Weltkrieg, wo Deutschland und seine we-

Oie innere Krönt tut ihre Pflicht".

Or. Ley über den kriegsmäßigen Einsatz der Partei.

Berlin, 14. September. (DNB.) Reichsorgani- sattonsleiter Dr. Ley veröftenüicht imAngrift" einen AufsatzDie innere Front tut ihre Pflicht", in dem er die Mob-Organisation der Partei und ihrer Gliederungen schildert.

Für die Zeit schwerer und schwerster Belastung habe die Partei vorsorgliche Maßnahmen getroffen, damit auch die innere Front ehern stehe; sie sei mit der gleichen Präzision wie die militärische Front mobilisiert. Der Grundsatz all dieser Maßnahmen und all dieser Arbetten war: die Heimat muß innerlich so fest bleiben, daß die Front draußen nie wieder durch verbrecherische Elemente von hinten erdolcht werden kann. Ebenso selbstver­ständlich ist es, daß der Front alle wehr­fähigen Männer, foweit irgend mög­lich, zur Verfügung gestellt werden müssen.

Die Aufgaben feien bis in die letzten Einzelheiten festgelegt worden:

1. Der Hoheitsträger ist für die polttische Führung und Betreuung der Bevölkerung seines Hoheitsgebietes verantwortlich. Zur Durchführung dieser Ausgabe ist er berechttgt, den im Mob-Dienst der NSDAP, stehenden Hoheitsträgern, Politischen Leitern und Hilfskräften seines Hoheitsgebietes A n - ordnungen, Weisungen und Aufträge zu erteilen. Diese sind verpflichtet, den Anordnungen und Weisungen zu folgen sowie die Aufttäge zu er­füllen. Die Nichtbefolgung wird nach den Kriegsgesetzen bestraft.

2. Die der Partei zufallestden Aufgaben machen einheitlichen Einsatz und straffe Zu­sammenfassung aller der Partei zur Ver­fügung stehenden Kräfte und Sachmittel notwendig. Der Gesamteinsatz wird geleitet-nach den Weisun­gen des Stellvertreters des Führers.

3. Die Reichsdienststellen der Partei, ihrer Gliederungen und angeschlossenen Verbände sind für den einheitlichen Einsatz und die Durchfüh­rung der ihnen übertragenen Aufgaben verantwort­lich. Sie haben in enger Fühlungnahme mit dem Stabe des Stellvertreters des Führers zu handeln.

4. Um ein Höchstmaß sachlicher Leistungen zu er­

reichen, ist folgendes zu beachten: a) die einmal ge­troffene Arbeitseinteilung und Aufgabenverteilung darf nicht ohne besonderen Grund geändert werden; b) es sind im Ernstfall nur solche Arbeiten durch­zuführen bzw. Anweisungen herauszugeben, die mit den Kriegsaufgaben der Dienststelle ursächlich zu­sammenhängen. Alle anderen bisher durchgeführten Arbeiten müssen beschleunigt abgeschlossen und ein­stellt werden.

5. Sonderausgaben des Hoheitstra­ge r s: a) das gesamte Mob-Personal der Partei, ihrer Gliederungen und angeschlossenen Verbände wird nacheinander ausge­tauscht gegen geeignete Parteigenossen, die 6 e reits militäris ch eingesetzt sind oder a l s Verwundete zurückkehren. Außerdem er­folgt ständige Ueberprüfung des Mob-Personals in bezug auf seine Entbehrlichkeit;

b) Einsatz der Partei zur Unterstützung der durch Luftangriff betroffenen Kreise;

c) Einsatz bei Sonderaufgaben zum Schutz der Bevölkerung in gefährdeten Grenzgebieten;

d) Höchstmögliche Hilfeleistung und Beratung der Bevölkerung durch Zusammenlegung der Beratungs­stellen, so daß den Hilfesuchenden schnell und ohne große Umstände geholfen werden kann.

6. Aufgabender angeschlossenen Ver­bände und der Gliederungen:

a) Zu den Arbeitsgebieten der Deutschen Ar­beitsfront gehören u. a. soziale Betreuung, der Schaffenden, Sicherung des sozialen Friedens, Ein­schaltung bei den staatlichen Maßnahmen zur Er­haltung und Erhöhung der Arbeitsleistung, Einsatz von KdF. in der Heimat und bei der Truppe, Be­treuung und Beratung der durch die Umstellung auf Kriegswirtschaft zeitweilig freigewordenen und zu­sätzlich herangezogenen Arbeitskräfte.

b) Zu den bisherigen Aufgaben der NSV. treten u. a. hinzu Betreuung der obdachlos Gewor­denen, der Flüchtlinge und der durch Luftangriffe betroffenen Volksgenossen.

c) Die NS. -Frauenschaft hat die deutschen Frauen zur höchsten seelischen Leistungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft zu erziehen, die NSV. zu unter­

stützen und die Familien zu betreuen. Sie soll sich um has Schicksal der Frauen und deren Familien bekümmern und deren Lage erleichtern helfen.

d) Die NSKOV. führt ihre Friedensaufgaben weiter und betreut nach besonderen Anweisungen die Kriegsbeschädigten des jetzigen Krieges.

e) Die Gliederungen S A., NSKK. und HI. stellen ihre Angehörigen den Hoheitsträaern zur Verfügung, soweit sie nicht bereits für andere Zwecke der Verwaltung oder der Wehrmacht erfaßt und verpflichtet sind. ,

f) Der Einsatz d e s B D M. erfolgt durch die zuständige Frauenschaftsleiterin. .

7. Die Organisation der Porter, ihrer Gliederungen und angeschlossenen Verbände bleibt grundsätzlich bestehen; sie wird aber den besonderen Anforderungen angepaßt. Bei der Aufstellung der Mob-Organisation der Partei ist der strengste Maßstab angelegt worden. Der Einsatz der vor­gesehenen hauptamtlichen Mitarbeiter beträgt noch nicht einmal ein Siebentel des Friedensapparates. Dem Anspruch der Wehrmacht auf die Wehrfähigen ist dabei in jeder Beziehung Rechnung getragen worden. Nur bei etwas mehr als 2 v. H. der männlichen Mitarbeiter des Friedensbestandes war eine kurzfristige Befreiung vom Wehrdienst nötig.

Dr. Ley schließt:Niemand möge die Belastung der Nerven und die seelischen Konflikte unter­schätzen, die der Dienst in der inneren Front er­fordert. Jetzt muß man sein Herz in. die Hand nehmen und alle Vernunft und alle Einsicht müssen mithelfen, der Pflicht, daheim zu bleiben, gerecht zu werden. Nur der bedingungslose Gehorsam, dem Befehl des Führers unbedingt zu entsprechen, wird manchen davon abhalten, sich als Freiwilliger in die kämpfende Front der Soldaten einzureihen. Die äußere Front der kämpfenden Soldaten soll in diesem schicksalhaften Ringen die Gewißheit haben, daß ihr die innere Front, die NSDAP., unter allen Umständen den Rücken deckt ipid alle Kräfte mobilisiert, um den end» gülttgen Sieg an unsere Waffen zu heften. Wir gehorchen dem Führer und wir marschieren!"

die

einer über das ganze

Das Gallup-Institut, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die öffentliche Meinung der Vereinigten Staaten durch Rundfragen in allen Kreisen der Bevölkerun " *" '

Wachsende Erbitterung gegen das englische Piratentum.

Brüssel, 15. Sept. (Europapreß). Um

gestapelt sind, nur noch zwei Monate für die Ernährung des belgischen Volkes. Die belgische Wirtschaft werde durch England aufs schwerste be­droht. Zur Zeit würden über 170 Schiffe in den englischen K o n tr o l l h ä f e n zurück- gehalten. England gehe nach dem Grundsatz Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt äußerst rücksichtslos gegen alle neutralen Schiffe vor. Der gegenwärtige Zustand fei vollkommen unmöglich. Seit mehr als acht Tagen fei in Antwerpen nicht ein einziges Schiff mit Weizen mehr angekommen. Der Ant­werpener Gewährsmann brauchte bann Ausdrücke gegen England, die, wie das Blatt schreibt,aus Liebe zur belgischen Neutralitätspolitik nicht wieder- gegeben werden konnten". In einem Falle hätten die Engländer mitgeteilt, daß sie den mit dem DampferBridge Pool" aus La Plata eingetroffe» nen Weizen für ihre eigenen Bedürf­nisse beschlagnahm hätten.

Schweden hat kein Vertrauen zum Pfund

Der bisher tiefste Kursstand } der englischen Währung.

Stockholm, 15. Sept. (DNB.) Das Mißtrauen gegenüber der Sicherheit der englischen Währung, bas bereits seit längerer Zeit festzustellen ist, fand am Freitag in Stockholm in einem neuen ft a r «= ken 21b gleiten des Pfundkurses an der Stockholmer Börse feinen Ausdruck. Das Pfund stürzte um nicht weniger als 70 Oere von 16,95 auf 16,25. Es ist dies der bisher tiefste Stand des Pfundes an der hiesigen Börse. Be­merkenswert ist, daß sich auch für das wertgesenkte Pfund kein Käufer fand. Der französische Frank ist ebenfalls.'wenn auck nicht in gleichem Maße, gefallen. Der Kurs sank von 975 auf 930.

Amerika wahrt feine neutralen Rechte.

Berlin, 15. Sept. (DNB.) In einer amtlichen Erklärung stellte der Staatssekretär für die auswär­tigen Angelegenheiten, Hüll, in Washington fest, daß die Regierung der Vereinigten Staaten k e i - nes ihrer Rechte als neutrales Land unter internationalem Gesetz auf gegeben habe. Sie habe jedoch durch amerikanische Gesetze ihren Bürgern gewisse Beschränkungen auf- erlegt, x. B. hinsichtlich der Benutzung von Schiffen Kriegführender. Sie bemühe sich, bei dem Schutz von Leben und (Eigentum der USA.'iBürger größte Sorgfalt walten zu lassen, und erwarte, daß sich USA.»Sürger aus mög­lichen Gefahrenzonen heraushalten. Wenn die Rechte der Vereinigten Staaten und ihrer Bürger, die nach internationalem Recht be­stehen, von irgendeinem der Kriegführenden verletzt werden sollten, so behalte sich die Regierung solche Maßnahmen vor, die am praktischsten und weisesten erschienen. Der amerikanische Staatssekretär für die Flotte erklärte, daß er nicht bie Absicht habe, die amerikanischen Schiffe in Form eines Conwoy-Systems bei Fahrten über den Atlantik zusammenzufassen. Die amerikanischen Schiffe, so sagte er, werden so sorgfältig gekenn­zeichnet werden, daß ein Versehen ausge­schlossen ist. Das sei der sicherste Weg, sie zu schützen.

la zu ergründen, will in Land verbreiteten Umfrage ermittelt haben, daß 8 2 v. H. aller Ameri-

schädlichen Folgen der von England eingeleiteten Vlockade herabzumindern, beabsichtigt die belgische Regierung, Missionen nach London, Paris, Berlin, den Haag sowie nach Neuyork zu entsenden, denen Persönlichkeiten aus Industrie- und Handels- freifen angehören sollen. Belgien und Hol­land wollen infolge ihrer ähnlichen Jnteressen- anlage gemeinsam in London verhandeln. Die skandinavischen Staaten werden eine Note überreichen, deren Inhalt der belgischen Auf­fassung weitgehend angeglichen ist. Die Schweiz, Die auf der letzten Tagung des Ständigen Aus­schusses der Oslo-Staaten in Brüssel durch zwei Beobachter vertreten war, beabsichtigt. geson­dert vorzugehen, sie soll jedoch jetzt entschlossen sein, dem Oslo-Block beizutreten, um durch ihre strikte und traditionelle Neutralität die Politik des Blocks der neuttalen Oslo-Länder zu verstärken.

In Antwerpener Handels- und Schiftahrts- kreisen ist man außerordentlich empört über das Verhalten Englands, durch das der Ant­werpener Hafen aufs schwerste bedroht wird. Der flämischeStandaard" veröffentlicht eine bemer­kenswerte Erklärung einer führenden Persönlichkeit des Antwerpener Hafens. Danach reichen die Ge- treidevorräte, die zur Zeit noch in Belgien auf»

nigen Verbündeten wirklich ringsum vom Ausland und damit vom Welthandel abgeschlossen waren, ganz Südosteuropa mit feinen reichen Schätzen an industriellen Rohstoffen und landwirtschaftlichen Gütern in regem Warenaustausch mit dem Reich, wogegen Deutschlands Handel mit Uebersee, vor allem mit den Vereinigten Staaten, ohnehin eine weit geringere Rolle spielt als 1914. Drei Welt­mächte, Italien, Rußland und Japan, sind dem Reich freundschaftlich verbunden und keine von ihnen wird eine rechtswidrige Einschränkung ihres Han­dels mit Deutschland durch britische Blockade ohne schärfste Gegenmaßnahmen lassen. Rußland, dessen ungeheures Reservoir an industriellen Rohstoffen und Agrarprodukten in der hochentwickelten In­dustrie Deutschlands seine natürliche Ergänzung findet, hat seiner Abneigung gegen die willkürliche britische Handelspolitik bereits durch Stoppen seiner Holzlieferungen nach England unmißverständlich Ausdruck gegeben. Schließlich bedeutet noch, wie schon kurz gestreift, die Besetzung Polens, industriell wie agrarisch eine wertvolle Erweiterung der wirt­schaftlichen Basis Deutschlands. Der Ausgangspunkt für den Deutschland aufgezwungenen Handels- und Wirtschaftskrieg ift also diesmal ein sehr viel an­derer als 1914.

Aber nicht nur in der Defensive steht Deutschland heute ganz anders da als 1914, auch in der Offensive wird es zeigen, daß es feinen Gegner mit dessen eigenen Waffen zu treffen versteht, und zwar dort, wo England am empfindlichsten ist, in seiner Lebensmittelversorgung, in der es bei dem weiteren Rückgang der eigenen Landwirtschaft heute noch weit mehr als 1914 auf die Zufuhr aus Uebersee ange­wiesen ist. Ueber drei Viertel an Weizen, Zucker, Käse und Obst müssen aus dem Ausland eingeführt werden, 50 v. H. der Fleifchverforgung Englands deckten die Zufuhren aus Dänemark, Argentinien, Australien und Kanada, ohne die Einfuhr aus­ländischer Futtermittel ist Englands Milchversorgung in Frage gestellt. Es ist also schwer verständlich, daß England uns den Fehdehandschuh auf einem Gebiet hinwirft, auf dem es selbst so verwundbar ist. Es muß sich seiner überseeischen Verbindungen sehr sicher fühlen, aber vielleicht entsinnt man sich in London noch der Tatsache, daß im Weltkrieg rund 7,7 Millionen Tonnen Schiffsraum, etwa ein Drittel der britischen Gesamttonnage versenkt wur­den, und das, obwohl der uneingeschränkte U-Boot- Trieg erst am 1. Februar 1917, also 30 Monate nach Kriegsbeginn, einsetzte. Wenn Deutschland sich mit den gleichen Waffen, die England gebraucht, gegen den englischen Angriff auf die Freiheit der Meere zur Wehr fetzt, so kämpft es auch für die Rechte der Neutralen, die England brutal mit Füßen tritt. Fr. W. Lange.

Oie neutralen Lander gegen die englische Blockade

taner eine Maßnahme der amerikanischen Re­gierung begrüßen würden, die den Bürgern der Vereinigten Staaten die Benutzung von Schiffen kriegführender Nationen u n t er f a g t und ferner, daß ebenfalls 84 v. H. gegen di e Entsendung amerikanischer Handelsschiffe in Kriegsgebiete sind. Das (Ergebnis der Umfrage zeigt deutlich, daß sich das wahre amerikanische Volk trotz aller Be­mühungen der jüdisch-plutokratischen Kriegshetzer­clique in seiner Überwältigenden Mehrheit für ft r e n g ft 6 Neutralität einsetzt.

Lindberah warnt vor der englischen Agitation.

Neuyork, 16. Sept. (DNB.-Funkspruch.) In einer Rundfunkansprache, die über das ganze Land verbreitet wurde, warnte Oder st Lindberg h, der bekannte Flieger, das amerikanische Volk vor einer Verwicklung der Vereinigten Staaten in den Krieg in (Europa. Amerikas Sicherheit liege nicht in einer Beteiligung an den überlieferten Konflikten der europäischen Nationen, sondern in der in­neren Haltung des amerikanischen Volkes. Wenn Amerika in (Europa für die De« mo.tr atie kämpfe, fo laufe es Gefahr, bie eigene Demokratie zu verlieren.

Wir dürfen uns nicht durch die fremde Propaganda irreführen lassen, die da behauptet, unsere Grenzen lägen in (Europa. Lind- bergh erklärte:Ein Blick auf die Landkarte zeigt klar, wo Amerikas wahre Grenzen liegen. Der Ozean ist selbst für eine .moderne Luftmacht ein er­hebliches Hindernis." Amerika stehe jetzt vor der Entscheidung, sich entweder von den europäischen Fragen völlig fernzuhalten, ober aber dauernd und bann energisch si ch an ihrer Lö­sung zu beteiligen. Im letzteren Falle aber würben etliche Tausenbe von Flugzeu­gen unb Kanonen zu einem Siege nicht a u s r e i d) e n. Auch müßten bann Millionen der besten amerikanischen Jugend ge­opfert werben. Gerade zur Zeit bes Europa- Krieges habe Amerika eine Friedensaufgabe.

Deutlich spielt Lindbergh auf bie deutsch- seinbliche Agitation in Amerika an, als er am Schluß feiner Ansprache vor berheim­tückischen Propaganda" warnte, die ver­suche, bas amerikanische Volk zu einem Kurs zu ver­leiten, ben bie heutige unb noch bie f o tu­rn e n b e Generation bezahlen müßte. Die Rede Lindberghs findet in ganz Amerika starke Beachtung, da der Ozean-Bezwinger kein Berufs- polittker ift, selten im Rundfunk das Wort nimmt unb in Fragen ber Landesverteidigung als eine Autorität gilt.

Vei der Lebernahme von Mnen in Casablanca in die Lust gefloßen

Rom, 16. Sept. (DRB.-Funkfpr.) Rach einer Mel- düng ber Agentur Sfefani aus 5t. Louis (Sene­gal) haben aus Casablanca eingetroffene Reifende berichtet, daß ber französische IHinenfteu­rerplulon" (4773 Tonnen) am Rlittwoch- oormiftag im dortigen Hafen in die Luft ge­flogen sei.

Den Rettungsmannschaften sei es nach sechsstün- digem Arbeiten gelungen, über 400 Tote und Verwundete, die der Besatzung desJJIuton und ber Zivilbevölkerung angehörten, zu bergen. Die Behörden von Casablanca versuchten, die Be­deutung der Katastrophe, die die Bevölkerung tief erschüttert habe, herabzumindern.

Während der ,/pluton feine Kriegsladung ein­schiffte, sei eine der großen RNnen an Bord explodiert und habe das Schiff ent­zwei gerissen und zum Sinken ge­bracht. Nachdem derpluton bereits gesunken war, hätten sich unter Wasser weitere Ex­plosionen ereignet, die in ber ganzen Stabt erbbebenartig gewirkt unb in dem am Hafen gelegenen Stadtviertel großen Schaden ungerichtet hätten.

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bes Haupftchriftleiters: Ernst Slum- schein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton unb bie Silber: Dr. Fr. W. Lange; für Stabt Gießen, Pro­vinz, Sport unb Wirtschaft: Ernst Slumschein. An­zeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für ben In­halt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. Druck unb Ver­lag: Brühlsche Universitätsdruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illu­strierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. unb Samstags 15 Pf., mit ber Illustrierten 5 Vf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. Septemoer * 1Ö22 Mtz.