Frauenwerks, um eine Vermittlung in einem für das Pflichtjahr anerkannten Haushalt zu erwirken. Die Kreissachbearbeiterin hat den Vorsitz im Kreis- cmsschuß für das hauswirtschaftliche Pflichtjahr und ist über die Kreisgeschäftsstellen der NS.-Frauen- schaft zu erreichen.
Oie Tuberkulose
bei der Fleischuntersuchung.
Die Veterinärmedizinische Gesellschaft Gießen hielt ihre erste Sitzung des Sommerhalbjahres ab. Der Vorsitzende, Professor Dr. C. Krause, begrüßte die zahlreich Erschienenen und gab zunächst einen kurzen Ueberblick über die Aufgaben der Gesellschaft. Sodann ergriff er das Wort zu seinem Vortrag „Einiges über die Grundlagen des Tuberkuloseprozesses", der vom geschichtlichen und pathologisch- anatomischen Standpunkt aus die Einführung bildete, zum Hauptvortrag der Sitzung, den der hiesige Schlachthofdirektor, Dozent Dr. med. vet. habil. Keller über „Beurteilung der Tuberkulose bei der Fleischuntersuchung — Gegenwärtiges und Zukünftiges" hielt. Die wirtschaftliche und sanitäre Bedeutung der Tuberkulose einerseits und die Ernährungsgrundlage des deutschen Volkes anderseits erfordern Maßnahmen sowohl zum Schutze der Volksgesundheit, als auch zur Erhaltung von wertvollem Fleisch. Das in Deutschland seit Jahrzehnten gültige Reichsfleischbeschaugesetz ist vorbildlich und anerkannt in der ganzen Kulturwelt. Die in ihm der Tuberkulose gegenüber festgelegten Bestimmunaen haben sich bisher gut bewährt; indessen haben die Forschungen der letzten Jahre eine Reihe von Erkenntnissen gezeitigt, die in einer bevorstehenden Neubearbeitung des Gesetzes einige verfahrenstechnische Aenderungen bringen dürften, die den in der Fleischbeschau tätigen Tierarzt schon heute interessieren. Den beiden. Vorträgen schloß sich eine lebhafte Aussprache an.
Keine Grashalme und Mehren in hen Mund nehmen.
Manche Menschen haben die Unsitte, bei Spaziergängen im Freien Aehren von den Feldern abzurupfen und in den Mund zu nehmen. Auch Grashalme werden oft von den Spaziergängern zwischen die Zähne genommen und die Stengel wegen des erfrischenden Geschmacks zerkaut. Diese anscheinend ganz harmlose Sache ist aber nicht ganz gefahrlos. Abgesehen davon, daß manchmal Grannen mit ihren Widerhacken oder Fasern im Halse und zwischen den Zähnen stecken bleiben und reizen können, besteht die Gefahr, die Strahlenpilzkrankheit zu bekommen. Diese Krankheit wird im allgemeinen nur bei Personen beobachtet, die viel im Stall oder in der Scheune arbeiten. Auch bei diesen Leuten ist der Mund der Ausgangspunkt des Leidens, Es äußert sich in brettharten Schwellungen des Unter- und Oberkiefers, über welchem die Gesichtshaut blaurot wird. Nach einiger Zeit bricht die Haut auf, und es bilden sich Fisteln. Auch Zunge, Lunge und Darm können befallen werden. Die Heilung ist schwierig, und die Krankheit wird bedenklich, wenn sie die Lunge erfaßt. Es besteht also aller Grund» die viel verbreitete Unsitte, Aehren oder Grashalme in den Mund zu nehmen, zu unterlassen. Man ermahne vor allem auch die Kinder und halte ihnen die Gefahren vor Augen, die ihnen drohen können.
Spielzeug — ein Erziehungsmittel.
Die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung deutschen Spielzeugs will aufklärend wirken für die Bedeutung des deutschen Spielzeugs, um zu erreichen, daß das Spielzeug den Einsatz erfährt, den es auf Grund seiner Entwicklung und Güte beanspruchen kann. Auch auf dem Gebiete des Spielzeugs hat die hinter uns liegende Zeit sinnverwirrend gewirkt. Spielzeug wurde als Geschenkartikel betrachtet, der gut genug war, einmal an Wechnachten gegeben zu werden. Vielfach wurde sinnlos hergestellt, abgegeben und vor allem vom Publikum gekauft. Der Entwicklung des Kindes und seiner Beeinflussung wurde weniger Aufmerksamkeit geschenkt, und doch ist es gerade das Spielzeug, das für das Kind bis zum 6. Lebensjahr das einzige Bikdungs- und Erziehungsmittel ist, und auch später
im Schulalter durch die eigene Art, Wissen zu vermitteln, einen guten Ausgleich zum schulmaßlgen Denken und Lernen bietet. Mit Spielzeug lebt sich das Kind in seine Umwelt ein. Das war vor Jahrhunderten so und ist es auch heute. So betrachtet ist Spielzeug ein Erziehungsmittel und nebenher auch ein wichtiger Kulturträger.
Die Welt jeder Zeitepoche wird für das Kind im Spielzeug als Welt im Kleinen gefertigt. Die Welt des 20. Jahrhunderts mit ihrem kulturellen und zivilisatorischen Hochstand erfordert ein eben>o vielgestaUetes Spielzeug, das nicht nur dem Lebenskreis, sondern auch der Altersstufe angepaßt sein muß. Dem Kind muß im Interesse einer ruhigen und gleichmäßigen Entwicklung das jeweils für seine Anlage, Entwicklung und sein Alter entsprechende Spielzeug gegeben werden. Es soll nicht primittv gehalten, aber auch nicht überzüchtet werden. lieber alle diese Dinge will die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des deutschen Spielzeugs aufklären und
NSG. Der Kartoffelkäfer, der seit einigen Jahren von Westen her in Deutschland einzudringen versucht, wird auch in diesem Jahre wieder durch den Kartoffelkäferabwehrdienst des Reichsnährstandes planmäßig bekämpft. Zur wirksamen Abwehr ist die Mitarbeit der gesamten Bevölkerung erforderlich, damit der gefährliche Schädling durch wiederholtes Absuchen und Spritzen der Kartoffelfelder vernichtet wird.
Ganz Westdeutschland überzieht ein weitverzweigtes Netz des Kartoffelkäferaby>ehrdienstes des Reichs- nährstandes, der unter Einsatz erheblicher Mittel des Reiches die Aufgabe hat, den Kartoffelkäfer am Vordringen in Deutschland zu hindern und auf Frank- reich zu beschränken, wo zu seiner Bekämpfung nichts getan wird. Die Gefährlichkeit des Kartoffel- käfers — eines gelben Käfers mit schwarzen Streifen — liegt in seiner starken Fortpflanzung und großen Gefräßigkeit seiner roten, sechsfüßigen Larven. Ein Weibchen bringt es im Laufe eines Sommers auf etwa 31 Millionen Nachkommen. Da die Larven des Kartoffelkäfers sehr gefräßig sind, vernichten die Nachkommen eines einzigen Weibchens in einem Sommer etwa 10 Morgen Kartoffelpflanzen.
Diesem gefährlichen Schädling hat der Reichsnährstand eine große Abwehrorganisation entgegengestellt, die in unserem Gau jeweils mehrere Kreise zu einer Außenstelle zusammenfaßt. Die Leiter der« Außenstelle sind Zoologen oder Diplomlandwirte, denen eine Anzahl von Technikern und eine Spritzkolonne zur Verfügung stehen. Im Winter klären die Außenstellen die Bevölkerung über den Kartoffel- oder Coloradokäfer auf, während im Frühjahr mit dem Aufgehen der Kartoffeln bis zur Ernte die praktische Bekämpfung beginnt. In allen Ortschaften wird einmal wöchentlich eine Suchaktion durchgeführt, an der sich die gesamte Bevölkerung, nach
LPD. Frankfurt a. M., 15. Juni. Die Arbeitseinsatzlage mar auch im Monat Mai äußerst angespannt. Durch Erschließung neuer Arbeitskraftreseroen gelang es dennoch, die Beschäftigung im Landesarbeitsamtsbezirk Hessen nochmals um rund 1 6 0 0 0 z u erhöhen. Hieran sind in erster Linie die restlichen, im Monat April noch nicht vermittelten Schulentlassenen beteiligt — darunter 3400 Pflichtjahrmädel —, ferner einige tausend ausländische Arbeitskräfte und Arbeiter aus dem Protektorat, die teils in der Landwirtschaft, teils in gewerblichen Betrieben eingesetzt wurden, weiter eine größere Anzahl von beurlaubten Arbeitsmännern, die der Landwirtschaft zur Verfügung gestellt wurden, zahlreiche bisher oder zuletzt nicht erwerbstätige Frauen und auch noch
anderseits sich täglich für die Schaffung von gutem und erzieherisch wertvollen Spielzeug einsetzen, unter gleichzeitiger Schulung der in der Spielzeugwirtschaft tätigen Personen. Für die Eltern ist es eine Selbstverständlichkeit daß sie dem Kinde alle Jahre neue Schulbücher geben. Ebenso wie das Schulbuch das ganze Jahr über planmäßig eingesetzt wird, soll es bei dem Spielzeug geschehen.
** Ehr en kreuz für österreichische und sudetendeutsche Frontkämpfer. Wie aus einer Bekanntmachung des Polizeidirektors her- vorgeht, werden — entsprechend einer Regelung des Reichsministers des Innern — auch die österreichischen und sudetendeutschen Teilnehmer am Weltkrieg mit dem Ehrenkreuz für Frontkämpfer und Kriegsteilnehmer bedacht. Alle österreichischen und sudeten- deutschen Kriegsteilnehmer können Anträge auf die Verleihung des Ehrenkreuzes bei dem für ihren Wohnort zuständigen Polizeirevier stellen.
einer Verordnung des Reichsministers für Landwirtschaft und Ernährung, pflichtmäßig zu beteiligen hat. Zum Suchen werden außerdem auch die Schulen herangezogen. Bei dieser Aktion werden die Kartoffelfelder sorgfältig nach den leichterkennbaren Käfern und den Larven abgesucht. Außerdem werden zweimal im Jahr die Kartoffelfelder mit Kalkarsen, welches das Reich einschließlich der Spritzgeräte zur Verfügung stellt, gespritzt. Zum ersten Mal wird Ende Juni gespritzt. Das Spritzen hat den Zweck, die Larven des Kartoffelkäfers, die die Blätter der Kartoffelstauden fressen, abzutöten.
Wenn auf einem Kartoffelacker Käfer oder Larven gefunden werden, hat der Finder sofort die Käfer abzutöten und die zuständige Bürgermeisterei zu benachrichtigen. Die Bürgermeisterei sperrt den Acker und benachrichtigt die nächste Landwirtschafts- schule, die nachprüft, ob es sich tatsächlich um Kartoffelkäfer handelt. Zur Bekämpfung wird dann der Kartoffelkäfer-Abwehrdienst zugezogen, der über mehrere Kraftwagen verfügt, die mit allen Bekämpfungsmitteln ausgerüstet sind. Das befallene Grundstück wird mit Kalkarsenlösung gespritzt. Finden sich Larven, so wird die Erde im näheren Umkreis durchgesiebt, um die Larven, die zum Verpuppen in die Erde gekrochen sind, aufzufinden. Der Boden kann an dieser Stelle aber auch mit Schwefelkohlenstoff vergast werden, um die hier vorhandenen Larven, Puppen oder jungen Käfer zu vernichten.
In unserem Gebiet wurde in diesem Jahr der erste Herd am 9. Mai in Rheinhessen festgestellt; seitdem wurde der Kartoffelkäfer in weiteren 36 Ortschaften angetroffen. Um den gefährlichen Schädling wirksam zu bekämpfen, ist die Mitarbeit der gesamten Bevölkerung notwendig, vor allem dürfen auf keinen Fall die Suchaktionen vernachlässigt werden. Je früher der Käfer festgestellt wird, desto besser kann er vernichtet werden.
knapp 1500 Arbeitslose, die jetzt bei dem aufs äußerste gestiegenen Kräftebedarf trotz vielfach nur beschränkter Elnsatzfähigkeit in die Betriebe übernommen wurden. Die Beschäftigung hat damit Ende Mai einen neuen Höhepunkt (rund 1 079 000) erreicht, der den an sich schon hohen Stand des Vorjahres noch um rund 62 000 übersteigt. Kennzeichnend für die neue Arbeitseinsatzentwicklung ist dabei, daß die Zunahme der Beschäftigung bei den Frauen (rund 10 v. H. gegenüber dem Vorjahre) mehr als doppelt so groß ist wie der Beschäftigungszuwachs der Männer (4- 4,4 v. H.). Der Rückgriff auf weibliche Arbeitskräfte, die gegenwärtig die wichtigste Arbeits- kraftreseroe darstellen, war auch im Monat Mai wieder besonders stark, wobei zu berücksich
tigen ist, daß immer noch eine große Anzahl von männlichen Arbeitskräften aus dem ßanbesarbeits- amtsbezirk Hessen außerhalb des Gebietes bei vorübergehenden dringlichen Bauarbeiten beschäftigt ist, insbesondere bei den Westbauten.
Der Kräftemangel war trotz der Zuführung vieler neuer Arbeitskräfte in fast allen Wirtschaftszweigen nach wie vor stark spürbar. Die Landwirtschaft, der im Monat Mai italienische, slowakische und polnische Landarbeiter sowie reichlich 1000 Arbeitsmänner zugeführt wurden und die nochmals rund 2000 Pflichtjahrmädel zugewiesen erhielt, benötigte dennoch abermals eine größere Anzahl von Kräften, die nunmehr — zum Teil im Wege der Dienstverpflichtung — aus gewerblichen Betrieben herausgezogen werden; es handelt sich hierbei um Arbeitskräfte, die bereits früher in der Landwirtschaft tätig waren und abgewandert sind. Auch die Ziegeleien und Bergbaubetriebe leiden unter starkem Kräftemangel, dem durch die Rückführung berufsfremd beschäftigter Ziegelei- und Bergarbeiter und durch Bereifftellung sonstiger Arbeitskräfte entgegengemirft wird. Der Mangel in der Bauwirtschaft hat sich weiter verschärft; die Fach- und Hilfskräfte können nur noch nach der Dringlichkeit der Bauarbeiten zugeteilt werden.
Wie angespannt die Lage im Arbeitseinsatz auf allen Gebieten der Wirffchaft ist, geht auch aus den Dermittlungsanaaben hervor, nach denen im Monat Moi 3 5 6 0 0 Arbeitsplätze für Dauerbeschäftigung bei den Arbeitsämtern neu gemeldet, aber nur 25 000 durch Vermittlung und 3800 durch Zuweisung namentlich benannter Kräfte besetzt worden sind. Gut 2 5 0 0 0 offene Stellen (einschl. der aus dem Vormonat übernommenen) mären am Monatsende noch unerledigt, weil es an geeigneten Arbeitskräften fehlte ((im Vorjahre betrug die entsprechende Zahl nur 11000); besonders groß ist die Zahl der gemeldeten, unbesetzten Arbeitsplätze für Landarbeiter (5800), Hilfsarbeiter (5000), Hausgehilfen (3400), Bauarbeiter (2100) und Metallarbeiter (1300). Auf einigen Gebieten ist durch die jüngsten Arbeitseinsatzmaß. nahmen eine gewisse Entlastung eingetreten, so u. a. durch die Zuführung von nunmehr über 14 000 Pflichtjahrmädel während des Frühjahrs in Land- unb Hauswirtschaft und durch die Eindämmung des Arbeitsplatzwechsels. Die hierdurch bereitgestellten Arbeitskräfte reichen jedoch bei weitem nicht für die Durchführung aller gegenwärtigen Arbeitsaufgaben aus.
JRunbfunfprogramm
Samstag, 17. Juni.
5 Uhr: Frühmusik. Es spielt das kleine Orchester des Reichssenders Breslau. 5.50: Bauer, merk' auf! 6: Morgenlied. Morgenspruch. Nachrichten. Gym- nastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.25: Deutschland — Kinderland: O diese Schulaufgaben. Eine kleine Szene. 8.40: Froher Klang zur Werkpause. (Musikkorps der Schutzpolizei der Freien Stadt Danzig.) 9.30: Gaunachrichten. 10: Schulfunk. Traum aus Steinen. Eine Hörfolge von Dr. Berthold Karl Weis. 11.40: Ruf ins Land. 12: Mittagskonzert. Ausführung: das kleine Orchester des Reichssenders Wien. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. Ausführung: der Gaumusikzug Wien. 14: Nachrichten. 14.10: „Das Schönste an dem lieben guten Sommer ist doch das Badengehn!" (Jndustrie- Schallplatten und Eigenaufnahmen.) 15: Bilderbuch der Woche. 15.15: Am Rande des alltäglichen Geschehens. 15.30: Pimpfe und Jungmädel fingen, spielen und erzählen allerlei Lustiges. 16: Lasset uns das Leben genießen! Der Reichssender Frankfurt auf seiner fröhlichen Landpartie nach Oberhessen mit den Freudenspendern. 18: Wir sind Kameraden, die alten und jungen Soldaten. Anläßlich des Treffens der chemaligen Angehörigen der Nachrichtentruppe fingen und spielen der Soldatenchor der Nachrichtenabteilung 34 und das Musikkorps des Jnf.-Regts. 80 unter Leitung von Heinz Hölzer. Einlage: 1. Die Nachrichtentruppe einst und heute. 2. Kamerad, wo bist du? 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Bühne und Film im Rundfunk. 20: Nachrichten. 20.15: Juble, mein Herz! Zwei Stunden — Ein Melodienzauber. (Jndustrie-Schallplatten und Eigenaufnahmen.) 22: Nachrichten. 22.20 bis 24: Wir tanzen in den Sonntag.
Oie Bekämpfung ves Kartoffelkäfers.
Oie gesamte Bevölkerung zur Mitarbeit aufgerufen.
Großer Mangel an Arbeitskräften.
Oie Entwicklung des Arbeitseinsatzes im Mai.
Fasanen.
Von Karl Scherer.
Der Wald ist tief verschneit. An dem weiten, sacht steigenden Hang, der sich von der Feldmark gegen die Höhe ausbreitet, schauen die Spitzen der jungen Fichten und Buchenheister kaum über die Schneedecke; dazwischen eingesprengte Drossel- eschen und schlanke Wacholderbüsche, deren rote und schwarze Beeren hungrige Schwarzamseln und Nuß- hcrher aus den Dolden rupfen. Wo die weiße Halde in die Berglehne übergeht, steht ein Horst kräftiger Rottannen, so dicht, daß die matte Wintersonne die Schneelast der Zweige nicht durchbricht.
Unter dem dunkel schattenden Nadelgehölz öffnet sich ein von der Holzaxt geschaffner lichter Raum. Eine mannshohe, sauber aus Fichtenstangen gerüstete Hütte steht zwischen den Stämmen, nach drei Seiten durch doppelte Strohwände geschlossen, nur gegen Mittag offen, und darüber wölbt sich ein schneedichtes Schilfdach. Schlehen- und Hagebuttenbüsche mit leuchtendroten Scheinfrüchten umrahmen das Häuschen. Der moosige Boden ist schneefrei; geröstete Maiskolben, dicke Hafer- und Gerstebüschel, fußhoch zwischen die Strohseile gesteckt, lassen ihre fruchffchweren Samenträger herabhängen, darunter ein flacher Kasten mit Sonnenrosen- und Hanfkernen — die Fasanenhüttel
Im Herbst hat sie der Förster errichtet; denn im letzten Sommer hat der Forstmeister im Revier, das viel Heidelbeerkraut und dichte buschige Weichhölzer, niedriges Jungholz, Mischbestände und auch klare Wasserrinnen aufweist, zwei Fasanenvölker ausgesetzt, um die farbenschönen Fremdlinge in dem günstigen Waldgelände heimisch zu machen. Die Sorge, sie durch den Winter zu bringen, ist begründet; denn wenn auch das prächtige Wiwgeflügel schon vor vielen Jahrhunderten eingeführt 'worden ist und sich gut eingebürgert hat — ein Ausländer aus dem warmen Orient, der den Witterungsunbilden des Nordens leichter erliegt als die heimischen Waldhühner, bleibt er doch. Das verrät schon sein prunkendes, buntes Kleid. Kein anderes WiDhuhn zeigt so schöne Farben wie der Fasan, unb diese Farbenpracht ist allen Spielarten gleichmäßig eigen, freilich nur den Höhnen: silberblau, kupferrot, goldgrün, ein feines Edelbraun, überhaucht von Purpurschiller, der im wechselnden Sonnenlicht wie Goldbronze oder metallblau wie polierter Stahl glänzt.
Ein stattlicher Vogel mit meterlangem, sanft ge
schwungenem Sichelschwanz. Zu den eigentlichen
Waldvögeln, die, wie Auer- und Haselwild, Tiefe und Verborgenheit des Waldes lieben, zählt er nicht. Hochwald und Gebirge meidet er; am heimischsten fühlt er sich in leichtaewelltem Niederholz mit grasreichen Lichtungen um) dichtem, deckenden Buschwerk. Wo junger Mischwald mit BroMbeer- horsten und anderen beerentragenten Sträuchern an Kornbreiten und Aehrenfeldern entlang zieht, das Dorngestrüpp des Feldsaums ihm Schutz gewährt gegen seine zahlreichen Feinde ober stille, von Bächen durchrieselten Wiesen zwischen grünen Buckeln liegt, dort haust der Fasan gern.
Der Frühling hat blauen Himmel und warme Tage und mit ihnen die Zeit der Liebe in der Natur gebracht. Stolz und kampflustig schreitet der Fasanenhahn durchs Heidekraut. Er ist jetzt ein eifersüchtiger, streitbarer Geselle, der manchen harten Sttauß besteht; mit Krallen, Sporen und Schnäbeln wird gerauft, bis der Unterlegene mit schleppendem Sichelschwanz eiligen Schritts zwischen Farnen und Stauden untertaucht, von dem mihtönigen Triumph- geschrei des Siegers verfolgt. Auerhahn und Birkhahn haben ihre festen Balzplätze, der Fasan nicht. Beim ersten Sonnenstrahl verliert er sich mit seinen Weibern im dichtgrünen Unterholz des Waldes oder im halbhohen Roggenfeld, dis die Mittagshitze sie in den Schatten der jungen Birken und Buchen treibt; dann zerstreuen sie sich, erst gegen Abend finden sie sich wieder zusammen.
Die Verborgenheit und Anpassung des Nistplatzes ist für den Fasan kennzeichnend geworden. Die Henne baut kein eigentliches Nest; unter einem dichten Farnbüschel oder deckenden Schwarzdorn- bujch scharrt sie eine flache Mulde, polstert sie mit Altlaub und dürren Grashalmen und legt dahinein ein Dutzend schmucker harffchaliger Eier. Eine Woche nach der Geburt werden die schnell wachsenden Daunenbällchen zur Suche von Ameiseneiern und Käferlarven von der Mutter ausgeführt; schon im Frühherbst gleichen sie den Alten.
Der Tag ist vorgerückt, die Sonne steht schon über dem Horizont. Violette und zartgrüne Farbenbänder laufen über den Himmel, und die dunklen Abendwolken vor dem Sonnenball zeigen goldrote Säume. Auf den Aeckern liegt noch warmer Glanz und vergoldet Feld und Busch, doch unter den Stämmen steht steht schon der Dämmer. Im dichten Rohr des Fischteichs im Wiesengrund singen die Frosche. Rehe ziehen durch Hochholz dem Kleestück zu, das sich zwischen reisenden Roggenkoppeln heranschiebt. Jetzt ein Lockruf aus der nahen Frucht- ।breite; „Gock Gack" kommt es aus den dichten ^Halmen: der alte Fasanenhahn sammelt sein Volk für die Nacht. Denn als echter Artgenosse des Haus
hahns, dem Sinnbild der Morgenröte und des Tages, steht er mit der Sonne auf und geht mit ihr schlafen. Die starke Buche am Randweg ist fein Schlafbaum. Das Aufbäumen kostet ihn allabendlich einen Entschluß — er ist kein Flieger, und der Dürrast in halber Höhe des silbergrauen Schafts ist im Steilflug nicht leicht zu erreichen. Doch nun fußt er sicher auf feinem Stammsitz und ruft, noch etwas außer Atem von der ungewohnten An- ftrengung, unermüdlich lockend und warnend fein Völkchen zusammen, denn schon schleicht der Fuchs durch die Ginsterbüsche, und die Uhlenflucht beginnt. Von allen Seiten laufen die Hennen herzu, nehmen da und dort noch einen Käfer, eine Grille oder Made auf und schwingen sich in den Nachbar- bäumen zur Nachtruhe ein ...
Die Urheimat des schönen Exoten liegt zwischen dem Schwarzen Meer und dem Pamirhochland. Die Argonauten Jollen ihn bei ihrer Rückkehr von ihrem Zuge nach Kolchis von den Ufern des Phasis — daher der Name — nach Griechenland verpflanzt haben. Im Rom der Kaiserstadt war er als Leckerbissen sehr geschätzt. Schon im frühen Mittelalter wurde er von Italien nach Deutschland eingesührt; die Karolinger pflegten seine Zucht auf ihren Landgütern und Pfalzen. Heute ist er in manchen deutschen Landschaften eingebürgert, sonderlich aber in England heimisch, wo er mit dem Damwild die schönen gepflegten Parks der reichen Stande Sherren belebt und in großen Fasanerien gezüchtet wird.
Oochschulnachrichten.
Dem Professor Dr. Hans Wolfgang K o h l s ch ü t- t e r wurde der Lehrstuhl für anorganische und analytische Chemie an der Technischen Hochschule Darmstadt übertragen.
Der Vorbereitungsausschuß des VII. Internationalen Botaniker-Kongresses in Stockholm 1940 hat den Professor für Botank an der Technischen Hochschule Darmstadt Dr. Stocker zum Vizepräsidenten der Sektion für experimentelle Oekologie ernannt. — Minsterialrat a. D. Dr.-Jng. Heinrich Müller wurde beauftragt, an der Technischen Hochschule D a r m ft a b t die Kartenkunde und Reproduktionstechnik zu vertreten.
Der planmäßige Assistent bei dem Zahnärztlichen Institut der Unioerfität Marburg, Dozent Dr. med. habil. Hans Heuser, ist mit Wirkung vom 1. Juni zum Oberassistenten ernannt worden. — Dem Dr. med. habil. Klaus Conrad in Marburg wurde die Lehrbefugnis für Psychiatrie und Neurologie verliehen; er wurde unter Berufung in das Beamten- verhältnis zum Dozenten ernannt
Oie Bärenfalle des Urmenschen.
Seit 14 Jahren werden in einer Höhle im Salzofenstock des Toten Gebirges, einer Gruppe der Salzburger Kalkalpen, Ausgrabungen veranstaltet, die eine fast unerschöpfliche Fülle von paläontologischen Funden brachten und besonders wegen der aufgedeckten Kulturschätze des Altsteinzeitmenschen für die Urgeschichte des Menschengeschlechtes wertvoll waren, lieber die Ergebnisse erstattet der Leiter der Ausgrabungen, Schulrat Otto Körber von der Station für Eiszeit- und Höhlenforschung in Bad Aussee, in den „Forschungen und Fortschritten" einen Bericht, in dem auch Licht auf eine Hagdform der Urzeit geworfen wird.
Der Salzofen ist eine Etagenhöhle mit vielen Stockwerken, großen Hallen und tiefen, auch senkrechten Schächten; der Haupteingang liegt in 2000 Meter Meereshöhe. Die Funde zeigen eine reiche Fauna, in der die Bären am stärksten vertreten sind. Die Salzofenhöhle wurde jedoch auch vom Urmenschen als Höhlenbärjäger vorübergehend ausgesucht. Es ist bisher die höchstgelegene Siedlungsstätte des Altsteinzeitmenschen im Deutschen Reiche, in der eine ältere und eine jüngere Kulturstufe zu unterscheiden ist. Die jüngere weist auf primitive Anfänge der paläolithischen Kunst auf. Nach Geh. Rat Penk ist diese Siedlung dem Riß-Würm- Jnterglacial einzugliedern, das' man um 150 000 v. Chr. ansetzt.
Wie der Urmensch die eigenartigen Formen der Höhlenräume für seine Jagdzwecke ausnützte, läßt sich noch im einzelnen erkennen. Die Kulturstätten in der Höhle lagen an äußerst geschützten Plätzen, da wo der Zwangwechsel des Höhlenbären stattfand. In den Schichten des Dorraums waren die Funde von Bärenknochen sehr spärlich, dagegen fanden sich Anhäufungen in einem anderen Raum. Zu diesem führt vom Vorraum aus eine Röhre von 0,50:0,60 Meter Weite und 6,80 Meter Länge und sehr flachem Gefälle. Die kleine Kammer, in die die Röhre mündet, ist nur 2,75 Meter lang, 2,35 Meter breit, und 0,75 Meter hoch. In entgegengesetzter Richtung zur Röhre führt von der Basis dieser Kammer eine Felsenöffnung in eine kleinere Kammer; in beiden war das Erdreich des Bodens mit Höhlenbärenknochen durchzogen. Diesen Schlupf benutzten nun der Braune Bär und der Höhlenbär, um zum Winterquartier zu gelangen. Zwängte sich habet der Bär durch die engen Röhren hindurch, so konnte er leicht vom Urmenschen, der durch einen zweiten Eingang zu der Stelle kam, durch einen Schlag auf die Schnauze zur Strecke gebracht werden.


