Rr. U5 Erstes Via«
189. Jahrgang
Dienstag, lb.MaijyZ9
Lrschetnr täglich, außer Sonntags und Feiertags Betlogen: Die Illustrierte Ließ euer Familienblatter Heimat im Bild • DieScholle Monatr-Vezugrpreir:
Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen son einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Zernsprechanschlüffe
enter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Sietze»'
11688
pastscheSkonto:
Sranftnrl am Main
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrShlsche UnIverfitStrdruckerel 8. Lange in Sichen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schukftrahe 7
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Dormittags
Grundpreise für l mm höhe für Anzeigen von 22 mm
Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von 70mm Breite 5ORpf.,Platzvorschrist nach vorh. Dereinbg. 25°/0 mehr.
Ermäßigte Grundpreise:
Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie ein. spaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzei. gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B
Der Führer prüft den Westwall in der Eifel, im Moselial und an der Gaar.
Zahllose Bunker und schwere Panzerwerke schützen das deutsche Grenzland.
Eine Gefechtsübung in der ersten Sperrstellung. — Die Bevölkerung bereitet dem Führer im ganzen Grenzland jubelnde Kundgebungen.
Trier, 15. Mai. (DNB.) Der Führer und berste Befehlshaber hat am zweiten Tage l ner Inspektionsreise durch das Gebiet des deut- pen Westwalles den Raum der Eifel und rs Moseltales geprüft. Der Eindruck, daß les nur Mögliche für die Sicherheit der deutschen ^estbrenze jedem Angreifer gegenüber geschehen ist, erstarkt und vertieft sich. Betonwerk reiht sich an etonwerk, in halber Rufweite folgen die schweren lannschaftsstände und die ausgedehnten Gefechts- mker. Unvorstellbar, wie hier ein Gegner je >rchzubrechen vermöchte. Obwohl der Ausbau der tellungen schon vollendet erscheint, wird doch noch ^.unterbrochen an ihrer Verbesserung, Verstär- ing und Verdichtung gearbeitet. Unter der sach- ndigen Leitung der Festungs-Pionierstäbe schaffen richsarbeitsdienst und Westwallarbeiter, nun schon pezialisten ihres besonderen Berufes, unermüdlich. Unmittelbar innerhalb der Befestigungslinien er- hrben sich in nahen Abständen die einheitlich hoch- nt gestrichenen Arbeits- und Gemeinschaftslager. Le Bevölkerung bereitet dem Führer überall begeisterte Kundgebungen. Don Mikher sind die Bewohner der Eifeldörfer gekom- Mn, um dem Führer auf seiner Fahrt zuzujubeln irö ihm ihren Dank zu sagen dafür, daß er sie und ifr Hab und Gut unter den Schutz des größten modernen Derteidiaungswalles der Welt genommen hct. Auf allen Baustellen vereinen sich die Arbeiter u ergreifenden Kundgebungen für den Führer. Die Al-beit, die diese Männer hier für Deutschland verrichten, hat sie zu einer einzigen Kameradschaft [ui" ammengeschrveißt.
Weiter geht die Fahrt, der luxemburgischen @r e n 3 e zu. Der Festungswerke werden immer ir hr. An einer strategisch wichtigen Hügelstellung choen sich ganze Bunkerfamilien versammelt. Ein 3: rf des deutschen Schutzes ist hier in die Erde hneingewachsen. Aufmerksam prüft der Führer w-der jede Einzelheit. In kurzen Abständen läßt er hr!ten, besichtigt er die wichtigsten Anlagen, prüft H Werke innen und außen. Auf welche Weise ist
Li« Munitionszuführung gesichert, wie vile Lebensmittel können in jedem Bunker zetapelt werden, wie ist die W a s s e r v e r s o r - 5 < n g geregelt, kann auch bei schwerem Feuer len Gas in die Bunker eindringen, welche Tem- peratur herrscht unter ungünstigsten Verhältnissen in den Mannschaftsräumen, wie ist die fehlerlose Ausführung der Betonarbeiten nachgeprüft worden, oie weit kann ein Angriff äußersten Falles an das (irgelne Werk herangetragen werden, bis wann sind die einzelnen Bauten völlig mit dem Gelände Ul wachsen und damit unsichtbar geworden — das olles sind Fragen, die der Führer immer wieder lis in alle Einzelheiten nachprüft. Schwere Stra- feifperren werden passiert, Tankfallen, Tanksper- ie?, Höckerlinien, Drahthindernisse werden besich- hp:, Zufahrtsstraßen und unterirdische Zugangs- folen besucht, das Gelände von hervorragenden Punkten aus immer wieder einer eingehenden
Prüfung unterzogen.
$5 ist Mittag geworden. Wieder kommt eine c: o B e Sperrstellung in Sicht, die einer drtschaft in weitem Halbrund vorgelagert ist. Tau- lerbe halten die Zufahrtsstraße besetzt B rau- len b e Ovationen empfangen den Führer.
Uls bet Führet nach eingehender Besichtigung Nie Vetleidigungswerke wieder verläßt, bricht abermals tausendfaches Heilrufen los. Langsam zeht der Führet auf die freudig bewegte Menge m. Er winkt mit der Hand, es wird sogleich skill. Dann spricht der Führet. Er sagt nur einen Sah: „Ermessen Sie an diesen Bau- üerten“ — und er deutet auf die Festungswerke rundum — „den Unterschied, meine Solksgenossen. zwischen heute und srüher." Frenetischer Jubel antwortet dem Führer. Gerade die Menschen hier an der Grenze wissen am besten, was für das deutsche Volk der Aufbau des Westwalles bedeutet.
lln einer anderen Stelle geraten wir mitten firein in eine Gefechtsübung der st an bi- $eti Grenztruppe. Rot will die Bunkerstel- bug überrennen, den stählernen Sperriegel zerbre- tei und einen Durchstoß erzwingen. Drei Tage hat rch dem Gefechtsplan schwerstes Verrilchtungsfeuer der Stellung gelegen. Jetzt tritt Rot zum Sturm ca, Schwere MGs. hämmern ununterbrochen, Re- Granaten lassen das Kampfgelände m einem un- luchdringlichen weißen Dunst verschwinden, m des- h Schutz der Gegner nun vorgeht. Handgranaten kochen, die Panzerabwehrkanonen beginnen zu!bei« in Es dröhnt und zittert und rauscht Das MG.- feter hämmert immer rasender. Nur hm und mie- W taucht für Sekunden ein Mann aus Dampf und $e»el empor, der in raschem Sprung sich nach Dorn ft arbeiten versucht. Aber schon ha ihn eine tarbe aus einem der Werke erfaßt. Er bricht im K^er zusammen. Pioniere sollen nun den autzer- h Bunker mit geballten Ladungen unb unter Em»
von Flammenwerfern außer Gefecht setzen. !b>r alle Tapferkeit nutzte den Roten nichts. Im
Sperrfeuer der Abwehrwerke bricht auch der letzte heroische Durchbruchsversuch zusammen.
Der Westwall schwingt sich unmittelbar an bie deutsch-luxemburgische Grenze heran. Die Fahrt des Führers führt nun am Grenzfluß entlang. Immer lieblicher wird jetzt das Land, und plötzlich öffnet sich der Blick auf das herrliche M o - s e l t a l, das im Schmuck der blühenden Obstbäume und unzähligen Fliedersträuchern prangt. Hell schimmert das erste Grün der Weinberge auf rotbrauner Sandsteinerde. Wie schön ist dies Land! Wie teuer ist es dem deutschen Herzen! Schutzlos lag es einst — noch vor wenigen Jahren war es von fremden Truppen besetzt.
Jetzt schienen gewaltige panzetwetke das Tal. wer eines dieser Werke betritt, ver- flammt vor Erstaunen. Da gibt es. geschützt von vielen Metern stahlharten Betons, tief im Innern der Erde große freundliche Aufenthaltsräume, die für ganze Truppen verbände aus- reichen. Schlafräume schließen sich an, überall sind Heizungen eingebaut, eine erstklassige Küche zeigt sich dem Beschauer blitzend und blinkend, die jedem Hotel zur Ehre gereichen würde. Gekachelte Bad- und Duschräume sind vorhanden, und alles das ist gas- und befchußsicher, und auch ochenlanges schwerstes Feuer kann diesen Festungen nichts anhaben. Lange mannshohe Gänge führen tief unter der Erde zu zahlreichen vo geschobenen Panzertürmen, die mit schweren MGs, Panzerabwehrkanonen und
sonstigen Geschützen armiert find. Abermals ein Stockwerk tiefer liegen ausgedehnte Maschinen- räume, Munitions- und Vorratskammern. Werkstätten und was sonst noch alles zu einem solchen Meisterwerk moderner Festungsbaukunst gehört. Von oben aber, im Gelände, sieht man von dieser ganzen Anlage nicht das geringste. Die Tarnung ist vollkommen.
Wir wußten, als diese Inspektionsreise begann, daß der Westwall Deutschland schützt, daß er aber unüberwindlich ist, das haben wir jetzt erfahren. So ist der brausende Jubel, mit dem Trier den Führer empfängt, die Freude einer Stadt, deren Leben wieder in Sicherheit sich vollziehen kann. Die Stadt prangt im schönsten Schmuck jungen Grüns, in das sich das dunkle Rot der Hakenkreuzfahnen mischt. Zehntausende säumen die Anfahrtsstraßen des Führers, und es ist des Jubels kein Ende, eines Jubels, der den unendlichen Dank des Volkes ausdrückt für den Mann, der Deutschland nicht nur feine Stärke, sondern auch Frieden und Sicherheit vor jedem Angriff roiebergab.
©er Führer prüft den Westwall an der Gaar.
Trier, 16. IHai. <DN». Funkspruch.) Der Züh. rer unb Oberste Befehlshaber bet Wehrmacht setzte am 16. 5. die Inspektionsreise an der wesigrenze imRaumeber Saar fort.
Das pMche Wrerkorps besichtigt die Westbesefligungen. Generaloberst von Brauchitsch begrüßt seine Gäste in Saarbrücken.
Saarbrücken, 15. Mai. (DRV.) Saarbrücken stand im Zeichen des Besuches des politischen Führerkorps am deutschen Grenzwall. Der Oberbefehls- baber des Heeres Generaloberst v. Brauchitsch empfing die Reichsleiter und Gauleiter der NSDAP, im Hotel Meßmer. Es wäre seine Absicht, sagte er, ihnen einen persönlichen Eindruck von dem gewaltigsten militärischen Bauwerk des Deutschen Reiches zu geben. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht selbst habe am 1. Mai d. I. das Wort geprägt, daß die deutschen Westbefestigungen der zuverlässigste Garant unserer Freiheit seien. Der Generaloberst betonte, daß das deutsche Heer nicht nur den unüberwindlichen Wgll von Stahl und Eisen, sondern die unzerstörbare Mauer harten, zuverlässigen, treuen deutschen Soldatengeistes errichten wolle. In diesem Ziele begegneten sich aufs neue die Aufgaben von Partei und Heer.
Generaloberst von Brauchitsch berührte auch die Frage der Schaffung eines geeigneten Unteroffizierkorps. Er betonte, daß für
den aktiven Unteroffizier die Möglichkeit bestehe, aktiver Offizier oder nach dem Ausscheiden Reserveoffizier zu werden. „Die Möglichkeit ist nicht etwa nur vorübergehend, sondern sie hat für fähige und geeignete Unteroffiziere unbeschränkte Geltungsdauer. Wir sind ein Dolksheer, und ich gehe bewußt diesen neuen Weg. Niemand weiß heute besser als das deutsche Offizierkorps, was es an dem deutschen Unteroffizierkorps besitzt."
Der Oberbefehlshaber sprach dann über die verschiedenen Probleme der Westbefestigungen, wobei er auch zwischen der Anlage der Maginotlinie und der ^deutschen Westbefestigung Vergleiche zog. Energisch trat er der Auffassung entgegen, daß Befestigungsbauten die Gefahr in sich trügen, den deutschen Soldaten in einer seiner Geisteshaltung nicht entsprechenden Kampfesweise festzulegen. Generaloberst von Brauchitsch schloß mit der Feststellung, daß das Heer dem Führer stets zur Verfügung steht. „Sein Weg ist der unfricje, und feine Fahne wird da aufgepflanzt, wo es befohlen wird."
Moskau und die Einkreisung.
Englands Gegenvorschläge von Stalin abgelehnt. - London hofft auf die französische Vermittlung in Gent.
London, 15. Mai. (Europapreß.) Die Sowjetregierung hat dem englischen Botschafter in Moskau ihre Antwort auf die letzten Londoner Pakt- vorschläge übermittelt. Moskau lehnt die englischen Gegenvorschläge ab und fordert einen gegenseitigen Bei ft anb ft patt zwischen England, Frankreich und der Sowjetunion. Als praktische Untermauerung dieses Paktes werden m i l i t ä r i - che Abmachungen gefordert, die in Generaltabsbesprechungen im einzelnen festgelegt werden ollen. Schließlich verlangt Moskau eine irgendwie geartete Garantie d e r drei baltischen Randstaaten, da sonst dieser Teil der sowjet- russischen Grenze nicht geschützt sein würde. In London ist man der Auffassung, daß die Besprechungen erst in Genf unter Mitwirkung des franzüsischen Außenministers Bonnet ausgenommen werden. Lord Halifax werde am Samstagmittag in Paris mit Daladier und Bonnet zu Mittag essen.
„Times" meint, daß die Antwortnote der Sowjets die Verhandlungen im augenblicklichen Stadium nicht fördere. Die sowjetrussische Regierung sei anscheinend nicht zufriedengestellt. Ihr Wunsch nach völliger Gegenseitigkeit in den Verpflichtungen, die sie als Vorbedingung für die Annahme weiterer Verpflichtungen mache, sei durch die jüngsten Vorschläge nicht voll erfüllt worden. Nach sowjetrussischer Ansicht sei ein Dreimächtepakt zur gegenseitigen Verteidigung gegen einen
Angriff zwischen Frankreich, Sowjetrußland und Großbritannien die Mindest Voraussetzung, ehe Sowjetrußland neue Verpflichtungen zur Verteidigung des Friedens in Europa auf sich nehmen könne. „News Chronicle" sagt, daß franzö
sische Vorschläge für einen Dreierpakt zur gegenseitigen Verteidigung sich schon seit einigen Tagen in den Händen der englischen und sowjet- russischen Regierung befänden. Dieser Plan komme den Moskauer Wünschen mehr entgegen als der englische.
Das englisch-türkische Abkommen und der Valkanbund
Belgrad, 15. Mai. (Europapreß.) Zu dem englisch-türkischen Abkommen stellt „Politika" in einem offenbar von maßgeblicher Seite beeinflußten Artikel fest, die englisch-türkische Verbindung habe insofern überrascht, als die Türkei bisher eine neutrale Haltung gegenüber den beiden großen Mächteblocks eingenommen habe Die Balkanstaaten, deren Interessen räumlich begrenzt seien, hätten bisher mitsamt der Türkei nur das eine Ziel der Erhaltung des Friedens auf dem Balkan und der Erhaltung freundschaftlicher Beziehungen zu allen Mächten verfolgt. Gerade die Türkei, die diesen Standpunkt bis zuletzt am entschiedensten öffentlich vertreten habe, habe durch die
9ie englische Königsreise.
Von Dr. Paul Rohrbach.
Am 15. Mai wird nach siebentägiger Fahrt die „Empreß of Australia" mit dem engli chen Königs- paar an Bord auf dem St.-Lorenz-Strom vor Quebec ankern. Damit ist die er te der sechs Reisewochen beendet. Es ist das erstemal, daß von der Jahrhunderte lang befolgten Sitte abgewichen wird, daß ein englischer König niemals anders zur See fährt, als an Bord eines Kriegsschifis. Die „Empreß of Australia", das luxuriöseste Schiff der englischen Handelsmarine, wird von drei Kriegsschiffen begleitet, dem bewältigen Schlachtkreuzer „Re- pulse" und den beiden kleineren Kreuzern „Southampton" und „Glasgow". Ursprünglich war die „Repulse" dazu bestimmt, den König" und die Königin nach Kanada zu bringen, aber sie hat, nachdem sie dem Königsschiff zwei Tage das Geleit gegeben hatte, mit wehenden Abschiedssignalen ihren Kurs wieder in die heimischen Gewässer zurückgelenkt. Die englische Presse begleitet das mit der Wendung, bei der heutigen Weltlage, „beklagenswert wie sie nun einmal ist", müsse das Reich auf alle Fälle seine volle Verteidigungsbereitschaft behalten; ein Schiff von der Gefechtskraft der „Re- pulse" sei im gegenwärtigen Augenblick im Verbände der englischen Schlachtflotte nicht zu entbehren!
Vielleicht soll das mehr eine „moralische" Demonstration sein, als eine Folge wirklicher militärischer Erwägungen. Der Endruck in England ist jedenfalls stark, vermutlich stärker als im Auslande. „Southampton" und „Glasgow" setzen übrigens das Geleit dis Amerika fort. Soweit geht die Markierung der Sorge nicht, um auch diese beiden Kriegsschiffe zurückzuoe halten. Dor der Einschiffung wurden dem König nach alter Sitte die Schlüssel der Festung Portsmouth überreicht, des Hafens, in dem die Reife begann. Das letztemal geschah es, als die Königin Victoria 1890 Portsmouth besuchte. Die Ozeanfahrt war in den ersten Tagen von so starkem Nebel behindert, daß die Schiffe nur mit halber Kraft, 12 Seemeilen stündlich, fahren konnten. Die letzten 24 Stunden der Fahrt führen durch den St. Lorenz- golf und den meeresähnlich geweiteten Unterlauf des St. Lorenzstromes. An der Grenze der Ozeanschiffahrt auf dem Fluß liegt Quebec. Unter« Kanada, das Lorenzland, ist nicht von englischen, sondern von französischen Kolonisten bewohnt, den Nachkommen jener 30 000 Franzosen, die Kanada zählte, als es 1763 im Frieden von Versailles von Frankreich on England abgetreten werden mußte. „Was liegt an den paar Quadratmeilen Eis und Schnee!" sagte Ludwig XV., als er den Frieden unterzeichnete. Heute wohnen im kanadischen Dominium fast 3 Millionen Franco-Kanadier, katholisch-kirchliche, äußerst konservative Menschen, die wenig Liebe für das „atheistische" einstige Mutterland Frankreich empfinden. Die meisten sind Farmer; ihre Grundstücke liegen als lange, schmale Streifen („Handtücher") auf beiden Seiten des Stroms, und während der nächtlichen Fahrt der „Empreß of Australia" wird auf jeder Farm ein Holzstoß zur Begrüßung des Königspaares brennen — eine endlose Reihe von Freudenfeuern franco« kanadischer Loyalität.
Quebec bietet in seinen alten Stadtteilen noch heute das Bild einer bescheidenen französischen Pro
letzten Erklärungen des türkischen Ministerpräsidenten klar bewiesen, daß die Türkei ihre bisherige Haltung, die auch die Haltung ihrer Verbündeten im Balkanbunde gewesen sei, geändert und sich endgültig für den einen Mächteblock entschlossen habe. Das Blatt stellt schließlich die vom Standpunkt des Balkanbundes aus wichtige Frage, ob der Abschluß des englisch-türkischen Abkommens bedeute, daß das Schwergewicht der türkischen Interessen sich ins Mittelmeer verschoben habe.
Oie Haltung Griechenlands.
Rom, 15. Mai. (DNB.) Einer hier eingetrof- enen Meldung über eine teilweise Einberu - ung von drei Jahresklassen griechi- cher Reservisten wird in italienischen Kreien keine besondere Beachtung geschenkt. Man sieht darin lediglich einen Beweis für die allzu bekannten Manöver der englischen Einkreisungspolitik, denen sich nach der Türkei auch Griechenland nur allzu willfährig zur Verfügung stellt. „Giornale d'Jtalia" richtet an Griechenland die Frage, v o n w e m es sich bedroht fühle oder wen es auf Geheiß seiner Freunde bedrohen wolle. „Tribuna" betont, daß nach der Turiner Reise Mussolinis die Demokratien sich nicht mehr irgendwelchen Täuschungen über die Widerstandsfähigkeit und die Wider st andsent- schlossenheit der Achsenmächte gegenüber diesen dunklen Machenschaften hingeben dürfen. Letzten Endes würden für die letzte verbrecherische Geste Englands Frankreich, Polen unddieTürkei dieKosten tragen müssen. Der polnische Kriegsminister in Paris.
Paris, 15. Mai. (Europapreß.) Der polnische Kriegsminister Kasprzycki ist i p Paris eingetroffen. Er wurde auf dem Nordbahnhof von dem französischen Generalstabschef, General G a m e l i n, empfangen. Kasprzycki soll Besprechungen mit dem französischen Generalstab und dem Ministerpräsidenten Daladier in seiner Eigenschaft als Kriegsminister haben. Am Quai d'Orsay wird trotzdem erklärt, die Reise des polnischen Ministers sei rein „privater" Natur.


