Wichtiges von der Ileischkarte.
Rinderknochen, Fleck und Schwarten.
Oltsgruppen der ASOÄP. Gießen-Nord und Gießen-Mitte.
Am Donnerstag, 16. November, 20.30 Uhr, findet für die Ortsgruppen Gießen-Nord und Gießen« Mitte im „Klubhaus", Sonnenstraße 19, eine öffentliche Versammlung statt, in welcher der Reichsredner Pg. Aug. Kramer, MdR., Karlsruhe, spricht. Alle Parteigenossen und Volksgenossen der beiden Ortsgruppen werden hierzu eingeladen. Vollzähliges Erscheinen wird erwartet. Die Kundgebung wird von Musikvorträgen der Kapelle Krengel umrahmt.
gehend unter Verwendung von Roggenmehl und Blut hergestellt werden und naturgemäß nicht so viel Fleisch enthalten, wie andere Wurstsorten.
Im Gebiet der Landesbauernschaft Hessen-Nassau
er Schönheit, die uns im Frühling, im Sommer und im Herbst erfreute. Stumm und unscheinbar deckt nun den Boden, was im Glanze goldenen Sonnenleuchtens der Natur den strahlenden Rahmen
so viel herbstlicher. Aber die Bäume behüten die Wege. Und gehst du von dannen, so winken sie im Herbstwind — bis der graue Nebel sie allmählich
stellung der Mittwoch-Miete.
Liederabend TNoja Pelrikorvski.
Die NS.-Gerneinschaft ,^raft durch Freude" veranstaltet am kommenden Montag, 20. November, in der Neuen Aula der Universität einen Liederabend, bei dem die Sängerin Moja Petrikowski eine Reihe deutscher und nordischer Lieder zum Vortrag bringen wird. Die Sängerin, die schon in vielen deutschen Städten gesungen hat, fand allenthalben ein freundliches Echo. In kritischen Würdigungen, die uns zur Einsicht vorliegen, wird von einer „großen, ausgiebigen und ausgeglichenen Stimme, die auch zu zarter Lyrik befähigt ist", von einer „klangvollen, schönen und wohlgeschulten Altstimme" gesprochen. „Ganz von innen heraus und mit außergewöhnlicher stimmlicher Schönheit gestaltete sie ein paar freundliche Lieder des Steiermärkers Walter Kainz", heißt es in einer anderen Kritik. Die Künstlerin läßt also einen erlebnisreichen Abend erhoffen.
INusikabend der krelsmusikerschaft Gießen.
Aus Anlaß des Tages der deutschen Hausmusik veranstaltet die Kreismusikerschaft Gießen in der RMK. in Verbindung mit der NS.-Gemeinschast
ihrer Wunder lieh.
Aber auch sterbendes Laub erfüllt noch seinen Dienst an der Schönheit der Natur. Es gibt den Bäumen und Sträuchern ihre ursprüngliche, ihre nackte Gestalt, die sie monatelang verhüllt und verborgen hatten, wieder zurück. Und diese Gestalt ist oftmals eigenartig schön! Da steht eine entlaubte, schlanke Birke mit dem Filigrannetz ihrer Aeste, Zweige und Zweiglein vor dem Himmelsgrunde! Dort ist die knorrige Gestalt eines uralten Eichenriesen mit den mächtig ausholenden, hierhin und
Aus der Stadt Gießen.
Räume okne Riätier I „Kraft durch Freude" am Dienstag 21. November,
aDaUmC vyne Oiauer. | 2q nfjr, jn der neuen Universitatsaula einen Musik-
Wenn die grauen Novembernebel in der Luft abend, dessen Vortragsfolge von Schülern hiesiger hängen und die ersten leichten Nachtfröste eintreten, i Musikerzieher und dem Schättler-Quartett bestritten fallen die letzten Reste der gelben und braunen wird. Auf die Bedeutung des Tages der heuigen Blätter von Baum und Strauch und immer dunkler Cäcilia, die im nationalsozialistischen Deutschland reckt sich kahles Geäst ins Himmelsgrau. eine stehende Einrichtung geworden ist, fei beson-
Blätter auf nebelnassen Straßen und Wegen, ders hingewiesen. Der Reinertrag des Konzertes Blätter im Winde. Wohin der Fuß tritt, begräbt fließt dem Winterhilfswerk zu.
Jahreshauptversammlung der Gießener Ziudergeseltschast 1877.
Die GRG. hatte dieser Tage ihre Mtglieder zur Jahreshauptversammlung in ihr Bootshaus geladen. Trotz der Kriegszeit hatte sich eine stattliche Anzahl Kameraden, darunter auch einige Urlauber, eingefunden. Nach Begrüßung durch den Dereinssiihrer Scharmann erstattete Kamerad Werner den Iah- resbericht. Aus diesem ging hervor, daß das abge= laufene Jahr für die GRG. wiederum erfolgreich war. Wenn auch die sportlichen Erfolge hinsichtlich des Rennruderns nicht an die des Vorjahres heranreichten, so machte doch der weitere Ausbau der Jugendabteklung unter ihrem Leiter Kamerad R ü b s a m e n , sowie auch der der Frauenubtei- hing erhebliche Fortschritte. Hierdurch gelang es der GRG. auf der hiesigen Bannregatta der HI. vier Siege, darunter den Ersten Achter, zu erringen. Leider muht« die geplante diesjährige Gießener Ruder-Regatta wegen ungenügender Meldungen ausfallen. Der Bootspark erhielt durch die Beschaffung eines neuen Gigvierers weiteren Zuwachs.
Auch die finanzielle Lage hat sich nach dem Bericht des Kassenwarts Kamerad Becker bedeutend verbessert. Nachdem der Vereinsführung für ihre aufopfernde Tätigkeit der Dank der Versammlung ausgesprochen war und sich gegen die Entlastung kein Widerspruch erhoben hatte, teilte der Vereinsführer mit, daß den ostdeutschen Rudervereinen für
werden derarttge Wurstsorten jedoch nicht herge- stellt. Hier hat die für das ganze Reich getroffene Regelung Gültigkeit, wonach lediglich Freibankfleisch nicht bezugscheinpflichtig ist. Es werden jedoch aus die Fleischkarte die doppelte Menge abgegeben von Schweinsköpfen, Fleischsalat, Ochsen- Imaulsalat, Rinderschwänzen, Konsumsülze, Inne- _ , ... w x. u reiensülze, Lungen und Eutern. Das Vierfache
Crftauffflfjrung „Die lustigen Weiber von Windsor ber auf b,ie Abschnitte der Fleischkarten aujgebrucf. im Gießener Sladttheater. | ten Mengen gibt es bei Schweinskammknochen,
Heute abend wird zum ersten Male die komische Speerknochen und Bauchrippen; Rinderköpfen und Oper „Die lustigen Weiber von Windsor" von Otto Schafköpfen; Svitzbeinen und Schweineschwanzen; Nicolai aufgeführt. Musikalische Leitung: Paul "Mh
Walter. Spielleitung: Harry Grüneke. Es wirken mit: Anni Assion, Friedel Fornallaz, Ilse Winhold, Gustav Bley, Gustav Brunn, Harry Grünet«, Christoph Reuland, Bernhard Schmitz, Max Schneider- Oest. Bühnenbild: Karl Löffler. Chör«: Richard Boeck. Tänze: Thea Maaß und bi« Tanzgruppe.
Anfang 19.30 Uhr, End« gegen 22 Uhr. 7. Dor
ganz verhüllt.
Dornotizen.
Tageskalender für Mttwoch.
Stadttheater: 19.30 bis gegen 22 Uhr „Die luftigen Weiber von Windsor . — Gloria-Palast, Seltersweg: „Es war eine rauschende Ballnacht". —- Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Gern hab' ich die Frau'n geküßt".
dorthin gereckten dicken Armen! Dann die ersten An- Welche Fleischarten oder Fleischwaren
sätze der neuen, nächstjährigen Knospen am Flieder bürfen oi)n,e Bezugschein abgegeben werden? Das und die jungen, starren und spitzigen Blutenkätzchen - eine grage, bie öfter auftaucht, zumal die Ab- an Haselnuß, Erlen und Birken! I qabe mancher Waren hier und da verschieden ge-
Kahles Geäst reckt sich grau-braun in den Himmel!» (t manchen Teilen Deutschlands gibt es und macht einen Weg durchs Novembergrau noch : ^lich Wurstarten, wie Grützwurst usw., die roeit« f A nlnf kni-kfMirkn»- 9f kni- htö 'KniltTtO hohlllort hlO . ' 'n.» ' nx . . ______.1.* ____V
den ihnen durch die polnischen Mordbrennerbanden zugefügten Schaden aus dem Bootsbestand der GRG. ein Vierer nebst Riemen zur Derfüaung ge- stellt werden soll. Diese Mitteilung rief lebhaften Beifall hervor. Weiterhin wurden noch die nächsten größeren Veranstaltungen bekanntgegeben und zwar die Ehrung verdienter Mtglieder, voraussichtlich am 2. Dezember und das nächstjährige Anrudern am 7. April 1940. Anschließend fand noch ein kurzes kameradschaftliches Beisammensein statt, bei dem besonders der im Felde stehenden Kameraden durch Kartengrüße gedacht wurde.
(5*Me en Klein-tinden.
Nachdem schon in den Sommermonaten die Schüler der Volksschule sich eifrig mit dem Sammeln von Heilpflanzen befaßten, sammelten sie in den letzten Tagen rund 90 Kilogramm Hagebutten, um sie der Sammelstelle in Groß- Gerau zuzuführen.
** Die Ueberprüfung der Dolksgas- masten. Jn Ergänzung unserer Notiz vom Samstag/Sonntag 11./12. November hinsichtlich der Ueberprüfung der Volksgasmasken sei darauf hm- gewiesen, daß die Prüfung der Masken durch die Amtsträger des Reichsluftschutzbundes jeweils m der Wohnung der Besitzer der Gasmasken erfolgt. Die Besitzer der Volksgasmaske brauchen sich also nicht zur Geschäftsstelle des Reichsluftschutzbundes zu begeben.
Strafkammer Gießen.
Der H. M. in Bettenhausen hatte sich wegen Urkundenfälschung und Betrugs zu verantworten. Er hat in der Zett von August 1934 bis Ende Januar 1938 für feine Kunden Brot hergestellt und ge- liefert. Hierbei hat er Brotbücher von 18 Kunden, die von ihm über die Herstellung und Lieferung von Brot in doppelter Ausfertigung geführt wurden und von denen er und jeder Kunde eines besaß, verfälscht und mehr Brot eingetragen, als er tatsächlich hergestellt bzw. geliefert hatte Auf der Grundlage dieser falschen Eintragungen hat er die Abrechnungen mit den Kunden, die teils jährlich, teils monatlich erfolgten, vorgenommen und die hiernach errechneten Geldbeträge eingezogen. Hier- durch sind di« Kunden um rund 3000 RM. geschädigt worden. Der Angeklagte hat weiterhin für zwei Kunden Geld für mehr Brot kassiert, als er hergestellt und geliefert hatte.
Der Angeklagte wurde der Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug in 16 Fällen schuldig erkannt und dem Antrag des Anklagevertreters ent- sprechend zu einer Gesamtgefängnis st rafe von fünf Monaten, abzüglich 19 Tage Untersuchungshaft, verurteilt. Der grobe Vertrauensmiß. brauch des Angeklagten gegenüber seinen Kunden wurde strlrferschwerend berücksichtigt.
Amtsgericht Gießen
Der H. Sch. in Lauterbach war beschuldigt, im Oktober 1938 bei einem Elektrohändler in Lauterbach ein Rundfunkgerät für 35 —,RM. unter Eigentumsvorbehalt gekauft, darauf eine Anzahlung von 5,— RM. geleistet und, obwohl er weitere Abzahlungen nicht leistete, über das Gerät verfügt zu haben. Jn der Hauptverhandlung wurde festgestellt, daß der Angeklagte das Gerät durcb Vorspiegelung falscher Tatsachen erlangt, er sich also eines Betrugs schuldig gemacht hat.
Dem Antrag des Anklagevertreters entsprechend wurde der Angeklagte zu einer Gefängnis- strafe von fünf Monaten verurteilt. Straferschwerend wurden die erheblichen, zum Teil auch einschlägigen Vorstrafen und das Verhalten des Angeklagten in der Hauptverhandlung berücksichtigt.
SchwererDerkehrSunfollbeiGteinbach
* Steinb ach, 15. Nov. Am gestrigen Dienstag gegen 22.30 Uhr ereignete sich am Ortsausgang
nach Gießen zu ein schwerer Verkehrsun. fall mit einem Personenkraftwagen. Der Fahrer erlitt erhebliche Verletzungen im Ge« sicht und eine Gehirnerschütterung, der Beifahrer einen Oberschenkelbruch und einen Armbruch. Beiden Verunglückten wurde durch einen Oberarzt der Wehrmacht, der gerade mit einer Fahrzeugkolonne die Unfallstelle passierte, erste Hilfe zuteil. Die Der- letzten wurden in Krankenhausbehandlung nach Gie- ßen gebracht. Die Ermittlungen über die Ursache des Unfalles sind noch nicht abgeschlossen.
Oanöireis (öicver
♦ Großen-Linden, 15. Nov. Am heutigen Mittwoch, 15. November, können der Bahnschaffner Karl Klaum und Frau, geb. Fink, das Fest der silbernen Hochzeit feiern. Wir beglückwünschen herzlich.
Wirtschaft.
Gießener Schlachtviehmarkt.
Zum gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtviehverteilungsmarkt) in der Viehversteige- rungshalle Rhein-Main in Gießen wurden sechs Ochsen, 57 Kühe, 20 Färsen, 94 Kälber, 219 Schweine und 54 Schafe aufgetrieben. ..
Preise: Ochsen 44 bis 45,5 Rpf., Kühe 16 bis 43,5 Rpf., Färsen 20 bis 44.5 Rpf., Kälber 42 bis 65 Rpf., Schafe 20 bis 46 Rpf. je Kilogramm Le- bendgewicht. Für Schweine wurden je Kilogramm Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,10 RM., bl (135 bis 149,5 kg) 1,10 RM., b2 (120 bis 134,5 kg) 1,10 RM., c (100 bis 119,5 kg) 1,08 RM., d (unter 100 kg) 1,02 RM., c—f (unter 80 kg) 0,98 RM., gl (fette Specksauen) 1,10 RM., i (Altschneider) 1,10 RM., g2 (andere Sauen) 1,10 RM., h (Eber) 1,06 RM.
Marktverlauf: Alles ausverkauft.
Rbein-Maimkbe Börse.
Still, aber etwas fester.
Frankfurt a. M., 14. Nov. Die Börse blieb im Grundton fest. Jedoch war di« Unternehmungslust der Kundschaft nicht besonders lebhaft, wenn auch weiterhin klein« Kaufaufträge in der Mehrzahl waren.
Am Aktienmarkt entwickelten sich die Kurse bei meist sehr kleinen Umsätzen wetterhin unein- heitkich, wobei aber meist Erhöhungen um Prozent- bruchteile vorlagen. Ausgesprochen fest verkehrten Zellstoffwerte, Waldhof 114,50 (111,50), Aschaffen- burger 97,50 (96), Feldmühle 107,25 (106,65). Bei Maschinenaktien betrugen di« Schwankungen etwa 0,50 v. Sv, während von Montanaktien Der. Stahl auf 95 (94,25) anzogen und Mannesmann 0,25 o. H. nachgaben auf 103,25.
Am Rentenmarkt wirkte sich die Geldflüssigkeit in weiterer Nachfrage, insbesondere nach Steuergutscheinen und Pfandbriefen, aus. Auch auf den übrigen Gebieten Überwog leichte Kaufneigung. Don Auslosungsanlethen Dekosama I 140,25 (140), do. II 159,40 (158,90), Mannheimer Altbesih 133,50 (133), Reichsaltbesitz unverändert 135,90. Industrie- Obligationen wiesen Abweichungen von 0,25 bis 0,65 v. H. auf, während Liqui-Psandbriefe und Stadtanleihen meist unverändert lagen. Goldpfandbriefe waren z. T. weiter gestrichen.
Schweinewarkt in Dnhbach.
* Butzbach, 14. November. Auf dem heutigen Schweinemarkt waren 421 Ferkel zum Berkaus aufgetrieben. Es kosteten bis 8 Wochen alte Ferkel bis 10 RM., 8 bis 10 Wochen alte Tiere 10 bis 15 RM., ältere Tiere bis 20 RM. pro Stück. Das Geschäft war etwas lebhafter als am vorigen Markt, es verblieb geringer Ueberstand.
Frankfurter Schlachtviehmarri
Frankfurt a.M., 14. Nov. Aus technischen Gründen wird die amtliche Notierung für Kälber, Schafe und Schweine, die bisher Dienstags statt- fand, zukünsttg bis aus weiteres auf den Mittwoch verlegt.
CARL DUNCKER VERLAG•BERLIN
2. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Die vorsichtige Stimme war noch karger an Entgegenkommen. „Was ich Ihnen sagen wollte, fit dies: stören Sie nicht die Entwicklungszeit des Kindes. Stellen Sie die Entscheidung der Zeit und Johann-Christian selbst anheim. Hat das Blut seiner Mutter die stärkere Macht, so wird er den Weg zu Ihnen finden. Ist er aber ein Rückstein —" ein rätselhaftes Lächeln ging um den schmalen Mund der alten Frau — „ist er ein Rückstein, so werden Sie ein harmonisches Verhältnis niemals erzwingen können."
Luise stand auf. Sie bebte vor Erregung. „Genug, Frau Rückstein — was Sie mir da sagen, sind Spitzfindigkeiten. Jn der Zeit kann viel geschehen — in ber Zeit haben sie alle .Gelegenheit, Johann-Christtan ganz und gar zu einem Rückstein zu erziehen!"
Aus chren schönen braunen Augen war nun alle Wärm« verschwunden. „Ich kam, am Ihr mütterliches Verständnis zu erbitten." Sie sprach die letzten Worte, die sie dieser harten, alten Frau noch zu sagen hatte, ganz leise. „Ich werde den Kamps um mein Kind niemals aufgeben!"
Sie neigte den Kopf und verließ rasch das Zimmer.
Die alte Frau machte eine undeutliche Geste. Es sah beinahe aus, als wollte sie die Jüngere noch einmal zurückhalten. Dann sank die Hand. Ein müder Ausdruck lag auf dem feinen, schmalen Gesicht.
Als Luis« in Wien ihre Wohnung betrat, kam ihr das Mädchen sofort mit vielerlei Nachrichten entgegen. Aber die Schauspielerin schnitt den Wortschwall ab: „Lassen Sie, Melanie — ich will jetzt nichts hören —"
„Aber vom Atelier aus —"
„Hat man Sturm geläutet. Ich kann es mir denken. Sagen Sie also draußen Bescheid. Ich käme morgen. Man kann mich morgen ab holen, wann immer man will."
„Ja, gnädige Frau —"
„Und sonst bin ich nicht zu sprechen, für keinen Menschen!"
„Aber Herr von Moravitzky hat auch schon zweimal angeläutet und gefragt —"
„Ich bin auch für Herrn von Moravitzky nicht da!"
Etwas später lag Luise auf der Couch. Melanie hatte ein Tischchen mit Brötchen und Tee daneben gerollt, aber Luise trank nur durstig einen Schluck des goldgelben Trankes. Ihr« Mattigkeit war so groß, daß sie nicht einen Bissen zu essen vermochte.
Dämmerung war im Zimmer. Die Schatten vertieften sich, wuchsen aus Ecken und Nischen.
Es klopfte leise. Melanie kam noch einmal. Sie kam ganz leise und enttchuldigte sich wegen der Störung, aber da wäre auch Post angekommen. Und die gnädige Frau wäre wohl gar nicht zum Schreibtisch gegangen —
Luise seufzte ungeduldig. Die Post interessierte sie nicht. „Wirklich gar nicht, Melanie. Legen Sie nur hin — ja, meinetwegen dort drüben —"
Luise zog die seidene Decke hoch. Sie fror. Ihre Gedanken kreisten immer um den Prozeß. Sie । hatte nun diese Klage angestrengt und gewartet — Zähne zusammengebissen vor Ungeduld und Sehnsucht — und immer gewartet, daß man ihr eines Tages recht geben würde und damit einen Anteil am Leben ihres Sohnes. Und bis es soweit war, bis man endlich diesen Termin ansetzte, hatte sie draußen im Atelier ihre Rolle gespielt. Natürlich, sie war ja verpflichtet zu spielen
Aber sie war sich in der ganzen Zeit wie traumwandlerisch vorgekommen. Merkwürdig, baß Könnt Brehm trotzdem immer zusrieben war —
Als sie bas dacht«, sprangen ihre Gedanken wieder zu dem Gespräch mit der alten Frau Rückstein zurück. Sie sah wieder den Blick der harten, grauen Augen, der bis auf den Grund der Seele bringen wollte, diesen kalten und mitleiblosen Blick.
Luise richtete sich auf und warf die Decke beiseite. Aber als sie dann durch bas Zimmer ging — mit schnellen Schritten auf und ab — wie auf der Flucht — gelang es ihr doch nicht, dem Bereich dieser kalten grauen Augen zu entfliehen.
©ie drehte den Lichtschalter an. Das Licht blendete einen Augenblick.
Luise sah sich um, als wäre sie hier zu Besuch — als wäre sie in einer fremden Wohnung —
Aus einem breiten, niedrigen Seidenhocker sitzen vier, fünf Puppen. Sie hatten bunte, grotesk geschminkte Gesichter.
Luise hob den Fuß und fegte die ganze Puppen-
Sie sah wieder das Haus vor sich, in das sie heute gegangen war — nach vielen Jahren wieder. Alles in jenem Haus« hatte Beständigkeit, alles war gediegen. Und ebenso war es auch in jenem Haus«, in dem sie selbst einige Jahre als die Frau des Magdeburger Großkaufmanns Johannes Rückstein gelebt hatte. Alles in diesen Häusern war in selbstverständlicher Ordnung — die Menschen, die Zimmer — alles —
Luise öffnete mit einer raschen und heftigen Be- roegung die Tür zum Nebenzimmer und ging hinein. Es war ein kleiner Salon — mit einem weichen, verspielten Luxus eingerichtet.
Weiter — das Speisezimmer. Möbel in modernsten Formen, gut, schön. Aber ©o ist hier eigentlich eine Beziehung zum Menschen? Buder an den Wänden, was für Bilder eigentlich, Luise...? Wer hat sie ausgesucht? Der Architekt? Moravitzky? Konni Brehm?
Was weiß ich —
Wieder sprangen die Gedanken. Wie lange wird ber ärztliche Sachverständige eigentlich brauchen, um sein Urteil abzugeben? Morgen früh wollte sie Doktor Kemmrich anrufen. Vielleicht wird es zwei, drei Tage dauern... Immer wieder dieses Warten —
Luise lehnte am Türpfosten. Sie kräuselte spöt- ttsch die Lippen. Sie dachte wieder an die alte Frau. Aber ber Spott galt nicht der Gegnerin, sonbern bem eigenen Leben. Die quälenbe, kaum zu ertragende Unruhe konnte man vielleicht am besten bannen, wenn man sich gar keiner Selbsttäuschung hingab. Die Überlegenheit war auf alle Fälle auf feiten der Rücksteins. Dagegen kam wahrscheinlich auch ber gewiegteste Jurist nicht an. Niemals hätte sie vor fünf Jahren diesen Vertrag unterzeichnen bürfen. Aber damals wollte sie frei sein — nur frei... Damals war ja ihr Leben wie abgeschnürt, und sie hatte nur den einen Wunsch, aus dieser Gebundenheit herauszukommen.
Sie ging in das Wohnzimmer zurück und kauerte sich auf einen Hocker.
Wenn man mit ehrlichem Herzen, dachte sie, i Schritt für Schritt das eigene Leben überschaut, sieht man genau alle Hintergründe. Dann weiß man, daß —
„Nein!" sagte Luise laut und fest. Ihr Leben war bunt und nicht immer ganz einfach gewesen. Sie hatte gespielt und Menschen betört — aber niemand konnte sagen, daß er sie ganz gewonnen hätte —
Bisher war also das Leben ein Spiel, in dem die Hauptrolle, die Luise übergeben wurde, eine
gesellschast zu Boden. Verspielter Krimskram!
höchst flatterhafte Rolle war —
War es so?
Nein! Es war nicht ganz so. Sie wollte nicht nachgeben. Sie wollt« sich zur Wehr setzen. Aber anders, ganz anders, als die Leute da in Magdeburg in ihren festgefügten Häusern vermuten würden. Nichts mehr von Bitten; kein Wort mehr zu denen dort von der Sehnsucht, die man fühlte —
Aber vielleicht würde sie den Prozeß nicht einmal verlieren! Kemmrich wird anrufen — vielleicht schon morgen — und er wird ihr sagen, daß Johann-Christian von jetzt ab einen Monat oder auch zwei im Jahr bei seiner Mutter fein darf.
Nicht in Hoffnungen verrennen, Luise, di« Aussichten sind gleich null.
Sie schüttelte den Kops und sprach weiter mit sich selbst. Dabei faltet« sie unwillkürlich die Hände wie zum Schwur ober auch zu einem heimlichen Gebet. Jetzt, so meinte sie, kann ich wohl nur abwarten, wie man entscheiben wirb. Aber wenn man gegen mich ist, so werbe ich mich nicht beugen. Und ich werde nicht vergessen. Ich habe ja schon lange genug vergessen —
War denn das Leben jetzt wirklich so herrlich, der Aufitieg — der Ruhm — ?
Luise lachte. Es war kein gutes Lachen. Wo war denn eigentlich das leuchtend« Ziel, von dem Moravitzky immer tebete? Wenn man einen Weg ab- schieblos verlassen farm — ohne Schmerz — ohne Bebauern, um einen anberen zu begehen, so wirb der erste Weg sicher nicht der richtige gewesen fein.
Luise saß mit gesenktem Kopf. Sie vergrub die Hände in dem dichten kupferbraunen Haar. Wie oft werde ich noch den richttgen Weg sucheü? dachte sie. Ihre Züge bekamen einen erloschenen Aus- ' druck. Sie saß lange so. Bangen, Sehnsucht, und ! bann eine leise auffommenbe Zuversicht bekämpften sich in ihr. Die Zuversicht siegte.
Galt das Bangen der Vergangenheit?, Sie war da — ganz gewiß. Man konnte sie beuten' m Leichtsinn, Lässigkeit, Trotz — aber man mußte auch ben Willen zum Aufitieg sehen. Jetzt wußte Luise, was sie erftreiten wollte.
Balthasar Jäckel, der in Wien bekannteste und meistbeschäftigte Maskenbildner, kam aus bem Theater, ben Kopf noch voll von der Arbeit. Eine Erstaufführung ftanb bevor, außerdem war «r für verschiedene Filme verpflichtet. Man mußte zufeben, daß alles gut eingeteilt wurde. Er hatte eine Anzahl tüchtiger Leute einzufetzen für dies« Arbeiten hinter ben Kulissen von Bühne unb Film.
(Fortsetzung folgt.)
Bei Nieren-, Blasen- und Stoffwechselkrankheiten Frequenz 1938: 26800
Haupt-Niederlage in Gießen: Jean Weisel, Sonnenstr. 6 Tel.3883. Schriften kostenlos
1716V


