Ausgabe 
15.10.1939
 
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glaubt, einen Unschuldigen herauspauken zu können. Ein weichherziger, gütiger und zartfühlender Mensch ist dieser Koloß zu seiner Tochter (Jutta Freybe), die ihm wacker zur Seite steht in sei­nem Kampf für das Recht, und im Verkehr mit dem Angeklagten, dessen Motive er so gut versteht, den er aber immer wieder von törichten und übereilten Bekenntnissen zurückhalten muß. Aber im Gerichts­saal wird er zum aalglatten, ganz konzentrierten Anwalt, der jede schwache Seite der Anklage haar- scharf erspäht und blitzschnell zuschlägt, wenn seine Kombination die Zeugenaussage erschüttert hat. Eben noch von einschmeichelnder, verwirrender Lie­benswürdigkeit, wie zum Sprung geduckt, jeder Muskel gespannt, so wartet er auf die Blöße, die sein Opfer im Kreuzverhör sich gibt, um dann mit ungeheurer Wucht das Schuldgeständnis heraus­zuholen und im nächsten Augenblick schon wieder sich lächelnd abzuwenden. Dagny Servaes ist seine Gegenspielerin, die eiskalt, verschlagen, mit rui­nierter Koketterie alle Register einer großen Ver­brecherin zu ziehen versteht. Richard Häußler gibt von dem öffentlichen Ankläger ein sehr anderes Bild, wie wir es uns von einem Staatsanwalt machen. Man muß an seine Charakterstudie ameri­kanische Maße anlegen und wird ihr dann eher ge­recht werden können. A l b e r t H e h n ist der An­geklagte, ein junger Deutscher, gutherzig und im­pulsiv, dessen Temperamentsausbrüche seiner Sache schlecht dienen. Hans Mierendorf thront als Richter mit souveräner Würde über den Dingen. Im trefflichen Ensemblespiel seien noch genannt Erich Fiedler als junger Rechtsanwalt, Leo P e u k e r t als Filmherrscher von amerikanischer Betriebsamkeit und Alice Treff als Sekretärin. (Ufa.) Fr. W. Lange.

Zeitschriften.

Die Jllustrirte Zeitung vom 14. Sep­tember steht ganz im Zeichen der letzten politischen und militärischen Ereignisse. Aus dem Innentitel wird ein Bild vom Einzug der deutschen Truppen in Danzig gebracht. Es folgt der BeitragEin zweites Versailles wird es nie geben", der an Hand eindrucksvoller graphischer Darstellungen die Ziele der deutschen Außenpolitik aufzeigt. Der ebenfalls mit aufschlußreichen graphischen Erläuterungen ver­sehene ArtikelPolen nie ohne Deutschland" be­weist eindeutig die Berechtigung der deutschen For­derungen. Wir finden auch einen Bildbericht vom Vormarsch der deutschen Truppen in Polen.

dem

scheuen dürste, wenn er damit dem Feinde schaden könnte. Hierfür besitzen wir einwandfreie Unter­lagen. Wir können Ihnen z. B. einen Fall nach­weisen, in dem Sie direkt davon gesprochen haben, daß im Falle eines Krieges Englands gegen Deutsch­land Amerika bald nach Kriegsaus­bruch auf Englands Seite treten würde. Die Mittel und Wege, um dieses durchzuführen, würde die englische Admiralität schon zu find e n w iss e n.

Herr Churchill, alle, die mit Ihnen zu tun hatten, kennen Ihre Ansichten hierüber sehr genau. Auf Grund dieser klaren Indizien, die ausschließlich gegen Sie als dem Ersten Lord der britischen Ad­miralität sprechen, wiederholen wir daher unsere Anklage, daß Sie allein den Befehl zur Versenkung dieses Schiffes gegeben haben, aber diesmal, Herr Churchill, hat Sie A m e r i k a e r k a n n t, und es ist heute bereits All­gemeingut der Weltöffentlichkeit, daß Sie selbst in die Grube, die Sie anderen graben wollten, hinein­gefallen sind. Die Oeffentlichkeit selbst wird sich dies merken, und wenn Sie gar auf den Gedanken kom­men sollten, einen zweitenAchenia"-Fall zu kon­struieren, wird Ihnen das Gelächter der Welt ant­worten.

Kopenhagen, 13. September. (Europapreß.) Die englische Wirtschaft übt einen immer stärker werdenden Druck auf die Handelsfteiheit Däne­marks aus. Am Dienstag wurde führenden Wirt­schafts- und Handelsunternehmen von ihrer eng- lichen Verbindung der Bescheid übermittelt, daß in Zukunft englische Waren oder solche, die in eng­lischen Häfen umgeschlagen werden, nur nach Abgabe einer Erklärung der däni­schen Importeure, die in Frage kommen­den Waren nicht nach Deutschland weiter- zUsenden, aus England freigegeben werden wür­den. Dieser Bescheid hat hier bereits zu einem Protest schritt bei dem englischen Ge­neralkonsulat geführt. Man ist sich in däni­schen Handelskreisen im klaren darüber, daß die neue Forderung die ohnehin langen Lieferzeiten für englische Waren noch verschlechtert.

Als das Außergewöhnliche an der am nächsten Montag in Kopenhagen zusammentretenden Kon­ferenz der vier nordischen. Staaten bezeichnet man in amtlichen Kreisen die Teilnahme aller vier Regierungschefs, die bisher keine Regel war, und von den außergewöhnlichen Um­ständen diktier ist. Den Vorsitz der Interskandina- vischen Konferenz wird der dänische Staatsminister

insofern es nicht im Stande ist, ein wirksames Be­gleitschiffsystem durchzuführen. England steht somit vor der Frage, ob seine Zufuhren von außereuro­päischen Ländern so viele Vorteile in sich bergen, daß diese die Verluste aufwiegen, die man Deutsch­land durch eine Abriegelung nach außen zuzufügen vermöchte. Das Problem ist für die neutralen Län­der von lebenswichtiger Bedeutung. Wenn ein tota­ler Blockadekrieg durchgeführt wird, muß unser Handel mit dem Ausland zu einem Bruchteil des normalen Umfangs absinken und die Wirt­schaftsgrundlage fük das Leben der neutralen Län- der muß sich in einem Umfang verschieben, den wir uns noch garnicht vorstellen können. Sie Sitzung der kommenden Woche wird daher schon auf diesem Gebiet mit einem Derhandlungsthema zu tun haben, das unter allen Umständen und auf dem schnellsten Weg geklärt werden muß."

Makelloses Verhalten

deutscher!l-Boot-Kommandanten.

R e u y o r k, 14. Sept. (DRB. Funkspruch.) An Bord des holländischen Dampfers Stadendam traf in Neuyork d e r Kapitän des kürzlich torpedier­ten britischen Frachters Winleigh ein, der in einem Presseinterview das rnakellose Verhalten des deutschen U-Boot-Kommandanten pries. Rach der Entgegennahme der Schiffspapiere fragte der U-Boot-Kommandant, ob die englischen Rettungsboote genügend Nahrung und Wasser hätten, um ungefährdet Land zu erreichen. Obwohl der Kapitän dies bejahte, übergab der U-Boot-Kommandant den englischen Matrosen noch vier Brotlaibe, sowie Zigaretten.

Oer Schutz der deutschen Interessen.

Berlin, 14. Sept. (DNB.) Der Schutz der deutschen Interessen wird in Polen, Marokko, Tanger und der Union von Südafrika von den Niederlanden, in Frankreich und den Be­sitzungen (mit Ausnahme von Marokko und Tanger) und in Aegypten von Schweden, in Groß­britannien (mit Ausnahme der Südafrikanischen Union) von der Schweiz und im Irak von Iran wahrgenommen. In Deutschland wer-

Die Neutralen wehren sich gegen England

Oie Kopenhagener Konferenz der skandinavischen Staaten.

Aniworien Sie, Herr Churchill!

Deutschland wiederholt seineAthenia"-Fragen. - Ein Fall, der für uns noch nicht abgeschloffen ist.

klm die Neutralität der USA. Kampf gegen eine Aufhebung der Waffen­ausfuhrsperre.

Washington, 14. Sept. (Europapreß. Funk- spruch.) In politischen Kreisen der Hauptstadt hat sich angesichts der überraschend früh oMgesetzten Kongreßeinberufung die Ueberzeugung verstärkt, daß die bevorstehende Entscheidung über die Revision des Neutralitätsaesetzes für das Leben eines jeden Bürgers der USA. von ausschlaggebender Bedeutung" sein wird. In jedem Fall zeigt sich der Isolationsblock entschlossen, unter Aufbietung aller Mittel den von Roosevelt gefor­derten Verzicht auf das Waffenembargo zu be­kämpfen. Der Führer dieses Blocks, Senator B o r a h , wird am Donnerstag in einer Rundfunk­ansprache die Richtlinien für den Neutralitätskampf der Isolationisten geben. Der Kampf gegen Roose­velts Interventionspolitik soll unter der Parole ge­führt werden:Wer für die Abschaffung der Waf­fenausfuhrsperre stimmt, stimmt für Ameri­ka s Teilnahme am Kriege!" Die in ihrer Ablehnung einer Revision der Neutralitätspolitik geeinten Kongreßmitglieder haben die Bezeichnung Friedensblock" gewählt. Aus der Regierung nahestehenden Kreisen wird betont, daß die am 23. September, also zwei Tage nach Eröffnung des Kongresses, in Panama zusammentretende Pan­amerikanische Konferenz der Regierung der USA. eine willkommene Gelegenheit bieten werde, ihren Neutralitätswillen durch konstruktive Maß­nahmen zu beweisen.

S t a u n i n g führen.

Die Kopenhagener Presse weist am Mittwoch mit seltener Deutlichkeit darauf hin, man habe esEng - land zu verdanken, wenn in Zukunft die neutralen Staaten in eine Lage versetzt würden, die selbst in den Weltkriegsjahren nicht ihresgleichen hatte.Extrabladet" schreibt in diesem Sinne:So­fern England durch eine Blockade versuchen will, Deutschland auszuhungern, oder Deutschland, wie im Weltkrieg, als letzten Ausweg gezwungen wird, jede Zufuhr nach England zu unterbinden, so würde dies in einem schmerzlichen Ausmaß nicht nur Dänemark, sondern alle anderen neutralen Länder berühren, deren Handel mit England abhängig ist von einer unbehinderten Nord­seepassage. Im wesentlichen würden wir in der Lage sein, unseren Handel mit Deutschland a u f _____ Lande aufrechtzuerhalten. England würde sich daher s e l b st bei einem totalen Blockadekrieg und der sich daraus ergebenden Gegenblockade von deutscher Seite härter treffen als Deutschland,

logen werden! Der Führer ordnet an: Handelt nach den Bestimmungen des Völkerrechtes! Churchill aber lügt: der Führer habe befohlen, Schiffe ohne Warnung zu versenken. Glaubt Herr Churchill wirklich, daß irgend jemand in der Welt auf derart plumpe Verdrehungen hereinfällt?

Doch nicht genug damit. Es wird eine zweite Meldung fabriziert, diesmal von Havas aus Neuyork datiert, in der davon die Rede ist, daß der Kapitän eines deutschen U-Bootes, das ein ameri­kanisches Schiff vor der englischen Küste angehalten hätte, erklärt habe, man werde nunmehr das Feuer auf alle amerikanischen Schisse, die das Anhalten verweigern, eröff­nen. Auch an dieser Meldung ist natürlich erst recht kein wahres Wort.

Herr Churchill irrt, wenn er glaubt, auf diese Art von den Fragen ablenken zu können, die ihm die deutsche Oeffentlichkeit seit Tagen stellt und auf die zu antworten er bis heute wohlweislich unter­lassen hat.

Wir wiederholen die Fragen. Antworten Sie, Herr Churchill:

1. Warum wurde dieAthenia" in der Nähe der englischen und nicht der deutschen K ü st e torpediert?

2. Worauf ist es zurückzuführen, daß die Athenia" ausgerechnet zur Zeit ihres Unterganges von einer ganzen Reihe von Schiffen umgeben war, die sofort die Rettungs­arbeiten übernehmen konnten?

3. Wie kommt es, daß, trotzdem angeblich die Athenia" durch ein Torpedo nütschiffs getroffen wurde, alle Passagiere mühelos geret­tet werden konnten?

4. Wie kommt es, daß dieAthenia" gerade das einzige P a s sa gi e r f ch i f f ist, das bisher un­terging und daß sich gerade auf diesem Schiff so viele Amerikaner befanden?

Man könnte Ihnen, Herr Churchill, in diesem Zusammenhang eine ganze Reihe weiterer Fragen stellen. Diese vier Fragen aber genügen schon, um klar zu sehen, bei wem das Interesse an dem Untergang gerade derAthenia" lag, und die merkwürdigen Begleitumstände lassen keinen Zweifel an der wahren Ur­heberschaft dieses Schiffsunterganges.

Glauben Sie, Herr Churchill, daß ausgerechnet Deutschland sich ein Passagierschiff mit Ame­rikanern zur Torpedierung auSfuchen würde, in der Hoffnung, hierdurch seine guten Beziehungen zu Amerika weiter zu fördern? Nein, Herr Chur­chill, der einzige, der ein Interesse an dem Untergang eines solchen Schiffes mit Amerikanern an Bord haben konnte, sind Sie selber. Sie hatten sich das sehr fein gedacht und glauben, durch einen solchen neu konstruiertenLusitania"-Fall Ame­rika gegen Deutschland in den Krieg zu hetzen.

DerAthenia"-Fall ist für uns noch m feiner Weise abgeschlossen., Man ist zur Zeit dabei, auch deutscherseits Vernehmungen vorzunehmen. So weit diese bisher schon durchgesührt wurden, stellte sich immer mehr heraus, daß dieAthenia" über­haupt nicht durch ein U-Boot torpe­diert wurde, sondern daß das Schiff durch einen Sabotageakt zum Sinken kam. Eine bisher gemachte Aussage ist in diesem Zusam­menhang besonders wichtig, nämlich, daß bereits vor Abgang des Schiffes von England über die Möglich­keit einer Sabotage auf diesem Schiff gesprochen wurde.

Alle Indizien deuten also darauf hin, daß die Versenkung derAthenia" b e w u ß t- i n s z e n i e r t wurde, um hieraus gegen Deutschland Kapital zu schlagen. Sie selbst, Herr Churchill, haben oft ge­nug in privaten Unterhaltungen in London Ihren Gedanken freien Lauf gelassen, daß im Falle eines Krieges auf Leben und Tod jedes Mittel recht wäre und daß ein echter Brite vor keiner Infamie zurück­

Berlin, 14.Sept. (DNB.) Das Deutsche Reich führt den ihm aufgezwungenen Krieg im vollen Einklang mit allen völkerrechtlich anerkannten Grundsätzen mit jener Kor­rektheit, die zu allen Zeiten für die deutsche Kriegs­führung eine Selbstverständlichkeit war. Nichts geht dem Urheber des britischen Lügenfeldzuges gegen Deutschland mehr wider den Strich als die Tatsache, daß die neutralen Staaten von der beispielhaften Form der deutschen Kriegsfüh­rung in zunehmendem Maße beein­druckt werden. Daher werden immer neue Lügen erfunden, um, wenn schon die überwäl­tigenden deutschen militärischen Erfolge nicht ge­leugnet werden können, den Deutschen auf an­derem Wege einiges am Zeuge zu flicken.

Jedoch zeichnet sich der britische Lügenfeldzug gegen Deutschland durch eine bemerkenswerte Ideen­armut aus. Noch ist kaum eine Woche vergangen, daß die im Zusammenhang mit der Versenkung derAthenia" gestartete Greuelpropaganda die tollsten Blüten getrieben hat. Wenige Tage erst ist es her, daß die Urheber dieser Kampagne eine vernichtende Abfuhr erlebten und ihre Aktion mit einem katastrophalen Zusammenbruch endete. Verschiedene in der Zwischenzeit unternommene andere Versuche, die öffentliche Meinung der neutralen Länder durch weitere Lügen im Sinne der Westmächte zu beeinflussen, sind fehlgeschlagen, zumal es an neuen Argumenten durchaus fehlte.

Also wird nun begonnen, trotz des oder viel­leicht gerade wegen des soeben erlebten Fiaskos, denÄthe nia"-Fall von neuem wieder aufzugreifen. Die Herren an der Themse haben es offenbar nicht verwinden können, daß die so ungeschickt inszenierte Wiederholung des Lusitania"-Falles nicht nur fehlgeschlagen ist, son­dern sich gegen die Urheber selbst aus­zuwirken begann. Man ist sich in London der £at= fache nur zu gut bewußt, wie systemlos der vom Zaune gebrochene Kriegszustand für die Gegner des Deutschen Reiches sein muß, wenn es ihnen nicht gelingt, andere, neutrale Länder für ihre Zwecke einzuspannen.

Und darum wird gelogen, gelogen und wieder gelogen. Herrn Churchill läßt die erste Blamage keine Ruhe. Er will die Scharte auswetzen und blamiert sich doppelt und dreifach. Es wird eine Meldung in die Welt gesetzt, wonach angeblich Großadmiral Raeder darauf hingewiesen hätte, daß die letzte deutsche Hoffnung zur Brechung der englischen Blockade im unbeschränkten U-Boot-Krieg bestünde. Die Nachricht wird ausgerechnet zu einer Zeit lanciert, da es sich nicht mehr verheimlichen läßt, wie sehr den Engländern die Tätigkeit der deutschen U-Boote auf die Nerven zu fallen beginnt, lieber den Ursprung der Mel­dung, die von Havas aus London datiert ist, kann kaum ein Zweifel bestehen. Es ist wiederum Herr Churchill, der hier lügt. Er lügt, obwohl er weiß, daß der Führer den strikten Be­fehl erließ, sich im U-Boot-Krieg genaue ft ens an^ie Bestimmungender Prisen - Ord - nungzuhalten und obwohl er weiß, daß dieser Befehl des Führers im deutschen Volk vom letzten Mann minutiös ausgeführt wird. Er lügt, weil er lügen muß, wenn er das englische Volk weiterhin über die Zwecke der eigenen Position im gegenwärtigen Konflikt Hinwegtäuschen will.

Es braucht nicht betont zu werden, daß die an­gebliche Erklärung Großadmiral Raeders von A bis Z frei erfunden ist. Die Londoner Lü­genfabrikanten nahmen sich nicht einmal die Mühe, besonders originell zu sein. Sie drehen den Befehl des Führers einfach um. In der Meldung heißt es nämlich weiter, man könne dem Kapitän des U-Bootes, das angeblich dieAthenia" torpediert habe, höchstens vorwerfen, daß er den Befehl des Führers, Schiffe ohne Warnung zu versenken, z u genau befolgt hätte. Geistloser kann nicht ge-

Oie Kunststadt Krakau.

Von Ernst von Niebelschüh.

Wie fast alle Städte im westlichen Teil des ehe­maligen Königreichs Polen ist auch Krakau während .des Mittelalters vorwiegend von Deutschen besiedelt gewesen, die im Verlauf der plan­mäßigen und jogar von den polnischen Königen ge­förderten Ostkolonisation Krakau das unverkennbare Gepräge einer ostelbischen Stadtgründung gegeben haben. Bereits 1257 zog hier das magdeburgische Recht ein, nachdem im Zusammenhang mit der Neubesiedlung nach dem großen Mongoleneinfall der maßgebende Teil der Bürgerschaft deutsch ge­worden war eine Kulturverlagerung, die durch die gewaltsame Polonisierung im 15. und 16. Jahr­hundert wieder umgestoßen wurde, nicht zu reden von jüngeren Entdeutschungsaktionen, die zur Folge hatten, daß im Jahre 1921 neben 140 000 Polen und vielen Juden nur noch fünfhundert Deutsche m Krakau gezählt werden konnten.

Gleichwohl trägt die Altstadt noch heute den Cha­rakter einer echten deutschen Kolonial- st a d t: rechtwinklig sich schneidende Gassen, die in der Mitte einen etwa quadratischen Marktplatz ein­rahmen, so daß, ähnlich wie etwa in Breslau, Thorn oder Prag, e inR in g" entsteht, der sich um einen öffentlichen Monumentalbau legt. In Krakau ist es das schon im 14. Jahrhundert ent­standene, später mehrfach umgebaute und in jüngster Zeit ganz erneuerteTuchhau s", ein gewaltiger, im Erdgeschoß von Lauben überwölbter Stadtpalast, in dem die Händler und Krämer ihre Waren feil­boten darüber ein hochaufgereckter, bergfried- artiger Turm. Von dem' ehemaligen KötUgsschloß an der Weichsel, dem Wawel, der bis 1610, wo Krakau aufhörte, Haupt- und Krönungsstadt zu sein, den Jagiellonen als Residenz diente, ist infolge zahl­reicher Brände und Erneuerungen nur noch wenig aus alter Zeit erhalten, jedenfalls nicht so viel, daß er heute noch als bauliche Einheit gelten könnte. Deutsche Werkmeister werden am Bau der mittel­alterlichen Burg, die bis in das 14. Jahrhundert zurück verfolgt werden kann, gewiß maßgebenden Anteil gehabt haben.

Unter den gotischen Kirchen Krakaus ragt die Stadtpfarrkirche von St. Marien, deren Lage an der Ostseite des Ringes den Gewohnheiten der deutschen Ostkolonisation genau entspricht, als die alles beherrschende Stadtkrone hervor. Eine massige Basilika in gedrungenen Formen aus dem 14. Jahr­hundert, diente sie bis 1537, als der Gottesdienst in

deutscher Sprache verboten wurde, der großen deut­schen Gemeinde als Hauptkirche. Als ihren größten Schatz birgt sie in dem langgestreckten Chor eins der preiswürdigsten Werke der gesamtdeutschen Holz­schnitzkunst: den Marienaltar des Veit Stoß, der von den Kirchenpflegern 1477 bestellt, 1489 abgeliefert wurde. Der Meister wohnte dämals in Krakau, das ist aber auch alles, was ihn mit Polen verbindet. Wahrscheinlich ist Nürnberg, wo er einen Teil seiner Jugend verlebte, sein Geburts­ort. So wenig wir über seine Nürnberger Frühzeit wissen, so gern wir anerkennen wollen, daß für ihn die polnischen Jahre die glücklichsten und fruchtbar­sten waren, so sicher steht doch fest, daß die deut­sche Kolonie Krakaus es war, die den be­rühmten Landsmann zur Ausschmückung ihrer Ma­rienkirche berufen hat, und daß die Stiftungs­urkunde für den Altar ihn ausdrücklich alsMagister Vitus Almanus de Norimberga" aufführt. An sei­ner deutschen Herkunft kann also gar kein Zweifel sein, und wenn die Polen den Veit Stoß zu einem der Ihrigen umzufälschen liebten, so geschah es mit ähnlichen fadenscheinigen Gründen, mit denen sie sich unseren Kopernikus angeeignet haben.

Von 1477 bis 1496 lebte und schuf der Meistxr in Krakau, hoch angesehen bei dem Könige Kasimir Jagiello, dem polnischen Adel und Klerus und sei­nen Landsleuten. Als 1492 König Kasimir starb einer der besten Herrscher Polens, unter dessen segensreicher Regierung die deutsche Kulturblüte ihren höchsten Stand erreichte, war es wieder Veit Stoß, der mit der Herstellung des Grabmals beauftragt wurde; es ist das große Rotmarmorgrab in Baldachinform, das noch heute in der Kathedrale auf dem Wawel die Aufmerksamkeit des Kunst- fteundes an sich zieht.

Als Veit Stoß im Jahre 1496 mir wissen nicht aus welchem Grunde feine blühende Krakauer Werkstatt aufgab und in die Heimat zurückkehrte, begann die Tragödie feines Lebens, die ihn in Not und Schande stoßen sollte. Einer der vielen Zufälle, die über so manchem Hauptwerk deutscher Kunst gewaltet haben, hat es gefügt, daß die Krone feiner Schöpfungen, eben der Krakauer Marien­altar, außerhalb der Reichsgrenzen steht und darum nur wenigen in feiner ganzen Größe und Bedeutung bekannt ist. Schon äußerlich zählt er zu den mächtigsten Zeugen dieser für die religiöse Kunst des ausgehenden Mittelalters zu bezeichnen- ! den Gattung: einWandelaltar", der je nach Be­darf geöffnet und geschlossen werden kann und in dieser Form ein riesiges Bilderbuch aus Holz dar- stellt. Als Kernstück dient der faftenartig vertiefte Schrein mit einer überlebensgroßen, Darstellung des

Todes der Maria im Kreise der zwölf Apostel, wäh­rend die beweglichen Flügel in einer Reihe ge­schnitzter und bemalter Reliefs auf der geöffneten Festtagsseite die Freuden, auf der geschlossenen All­tagsseite die Schmerzen der Muttergottes zur An­schauung bringen. Bei einer Hohe von dreizehn, einer Breite von elf Metern dürfte der Altar des Veit Stoß von keinem anderen Holzschnitzwerk der Spätgotik an Umfang übertroffen werden. Auch nicht an leidenschastlicker Kraft des Ausdrucks. Unter allen Schöpfungen, die jenseits der Landes­grenzen vom innersten Wesen unserer einheimischen Kunst zu zeugen berufen sind, wird ihm niemand den Platz in der vordersten Reihe streitig machen wollen. Viele von unseren Soldaten, die in diesen Tagen, wenn auch nur zu kurzer Rast, in dem eroberten Krakau weilen, werden den Weg zu ihm finden. Denn in ihm schlägt das Herz der Heimat.

«Sensationsprozeß Easilla."

Aus der Serie von Kriminalfilmen, an die wir offenbar im Augenblick geraten sind, fällt dieser seines amerikanischen Milieus wegen heraus. Die gefühlsrohe, fast brutale Sensationsgier der ameri­kanischen Oeffentlichkeit, die keine Diskretion kennt, wenn sich daraus ein Geschäft machen läßt, ist von den Verfassern des Drehbuches Ernst von Salo­mon, Eduard v. B o r s o d y , der auch die Spiel­leitung hatte, und R. Büschgens ebenso treff­sicher erfaßt wie die charakteristische Form des ame= rikankschen Prozeßverfahrens, in dem anders als bei uns Staatsanwalt und Verteidiger die Zeugen und auch den Angeklagten als Zeugen ins Kreuz­verhör nehmen, während der Richter sich auf die Zulassung ober Ablehnung von Fragen beschränkt. Ein Roman von Hans Possendorf gab den Stoff zum Film, der nun alle Effekte eines ameri­kanischen Sensationsprozesses mit allen Pointen geradezu raffiniert herausarbeitete und durch ge­schickte Zwischenschaltung von Momentbildern hin­ter den Kulissen den Gang der Gerichtsverhand­lung spürbar aufockerte. Der Film hat es auch vermieden, uns vorzeitig in die Zusammenhänge einzuweihen. Wir wissen so wenig von Schuld und Unschuld wie das Publikum im Gerichtssaal, erst aus der Verhandlung erfahren wir die rührende Geschichte von dem kleinen Filmstar, den seine Eltern schamlos ausgebeutet haben und der in einem jungen Deutschen seinen Beschützer fand. Heinrich George als Rechtsanwalt Dandegrist ist der Ver­teidiger großen Stils, der auch eine verzweifelte Sache aufgreift, wenn sie interessant ist und er