Ausgabe 
15.10.1939
 
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Nr. 216 Erstes Blatt

189. Jahrgang

Keitag, 15. September 1939

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Metzener Anzeiger

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Göring im Führerhauptquartier

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rische Ziele zu beschießen. Elektrizitätswerk und Wasserwerk sind intakt geblieben. An den Hauswänden kleben noch Plakate, die d i e B är­ger s ch a f t aufriefen, mit dem polnischen Militär zusammenzuwirken. Gdingen werdebis zum letzten polnischen Soldaten" ver­teidigt werden. Alle Polen werden aufgefordert, gemeinsam mit der polnischen Armee dem Feinde die Stirn zu bieten", jede Schwelle müsse eine Festung fein. Dieser Aufruf stammt vom 9. Sep­tember und ist unterzeichnet von Oberst Bombet Die Gdinger Bürgerschaft hat sich jedoch nicht ins Unheil stürzen lassen, sondern nach dem Abzug der polnischen Truppen die

General Göring erneui beim Führer.

Besichtigung von Werken des oberschlesischen Industriegebietes.

Führer Hauptquartier, 14. Sept. (DNB.) Generalfeldmarschall Göring suchte heute den Führer erneut in seinem Hauptquartier auiund er­stattete ihm Bericht über seine Front­bereisen. Am Nachmittag verband der Feldmar- schall den Besuch von Kampfgruppen der Luftwaffe mit einer mehrstündigen Besieh- tigungvon Großwerkendes oberschle­sischen I n d u st r i e g e b i e t e s , um sich persön­lich von der Umstellung der oberschlesischen In­dustrie aus die Kriegswirtschaft zu überzeugen. Be-

Deutsche Truppen

in die Festung Brest-Litowsk eingedrungen, polnische Durchbruchsversuche bei Kutno gescheitert. Die Gtadt Gdingen in deutscher Hand. Lm Hafen Heisternest polnische Kriegsschiffe versenkt.

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Berlin, 14. Sept. (DNB. Funkspruch.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Am 14. September überschritt die Südgruppe des deutschen Ostheeres die Straße Lemberg- Lublin.

Die sehr starken und sich verzweifelt wehrenden, vm kutno elngeschlossenen polnischen Kräfte ver­suchten gestern nochmals nach Südosten durch- zubrechen. Auch diese Angriffe schlugen fehl. Ostwärts der Weichsel nähern sich unsere Truppen

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Bomben auf Brest.

Mit einem deutschen Bomber auf dem Flug nach Osten

Gdingen - der Würger Danzigs.

Mit Gdingen ist die einzige Stadt des Korridor« gebietes in unsere Hände gelangt, die nicht von Deutschen gegründet wurde. Mit seinen 400 Einwohnern war Gdingen vor dem Weltkriege nur ein armseliges Fischerdorf an der Küste der Ostsee. Erst 1924 hat die polnische Regierung, um dem verhaßten deutschen Danzig das Wasser ab- zugra'ben, damit begonnen, in wenigen Kilometern Entfernung an der Küste einen neuen freien Zu­gang zum Meere zu errichten: den Hafen von Gdingen. Mit französischer Finanzhilfe erbaut durch den polnischen Staat, betrieben durch den Staat, gefördert durch den Staat mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, erfolgte die Auf­richtung Gdingens in einem ungeheueren Tempo. Bald erreichte der Ort 1000 Einwohner, wuchs in kurzer Zeit auf 5000, dann auf 10 000 Einwohner, und ist heute fast eine Groß st ad t. Ihr ein­ziger Zweck war die Schädigung des Danziger Hafen- und Handelsverkehrs.

Im Laufe weniger Jahre find zahlreiche Waren­arten mehr oder weniger ganz von Danzig nach Gdingen gelenkt worden, andere Warenarten, die durch Maßnahmen der polnischen Regierung auf dem Seewege zur Einfuhr nach Polen geleitet wur­den, sind ausschließlich Gdingen zugute gekommen. Im Jahre 1933 hat Gdingen erstmalig den Verkehr des Danziger Hafens mit seiner jahrhundertealten Tradition überholt. Das Ergebnis dieses unglei­chen Wettbewerbs zwischen dem als Staatshafen ohne Rentabilitätsrücksichten betriebenen Hafen von Gdingen und dem nach prioatwirtschaftlichen Grund­sätzen arbeitenden Hafen von Danzig spiegelt sich in der Tatsache, daß im Jahre 1938 an dem Wert des polnischen Außenhandels Danzig mit nur 15,1 v. H., Gdingen aber mit 47,6 v. H. beteiligt war.

Der -unnatürlichen Zweckhaftigkeit Gdingens ent­spricht seine äußere Gestalt, denn es ist wohl die häßlichste unter den Städten Europas. Ein Deutscher hat seine Eindrücke von Gdingen einmal folgendermaßen geschildert:Unorganisch gewachsen und in nichts mit dem Charakter der umliegenden Landschaft verbunden, gibt diese Stadt das typische Bild paroenühaft großgewordener Macht, zeigt sie sich kalt und unversönlich dem Besucher. Man hat das Gefühl, in der Talmiwelt von Jnflationsspeku- lanten zu sein, wenn man dort an der schlichten Seeküste die seelenlosen Kästen mit dem Schmuck griechischer Säulen sieht." So, als ein Denkmal pol­nischer Kulturlosigkeit, mag Gdingen ja bestehen bleiben, aber seine Rolle als Würger Danzigs hat es für immer ausgespielt.

eon Norden, Osten und Südosten der Warschauer Vorstadt Praga. Auch dort wurden Durch- bruchsversuche nach Osten abgewiesen. Die auf die Festung B r e st - L i t o w s k ange­legen Truppen sind von Norden in die B e fest i- gungszone eingedrungen. Die Forts sind zum Teil gesprengt. Die Zitadelle ist noch vom Feinde beseht.

Die Stadt Gdingen ist in unserer Hand. See- slreitkräfte griffen in den Kampf um Gdingen und auf der halbinstl hela wirkungsvoll ein. Die Ein­fahrt in den Südhafen von Gdingen wurde er­zwungen.

Die Luftwaffe griff trotz schlechter Wetterlage Bahnlinien und Bahnhöfe mit Erfolg an und unter­stützte den Kampf des Heeres gegen die um Kutno eingeschlossene feindliche Armee durch Bomben- und Tiefangriffe.

Die noch im Hafen Heisternest liegenden polnischen Kriegsschiffs wurden durch Bomben versenkt.

3m Westen feindliche Artillerietätigkeit ost­wärts Saarbrücken. Der Feind, der am 12. September bei Schweix (Grenzort südlich Pirmasens) angegriffen halte, ging unter dem Ein­druck unseres Artilleriefeuers wieder über die Erenze zurück.

Luftangriffe auf deutsches Reichsgebiet fanden nicht statt.

Gdingen in deutscher Hand.

Berlin, 14. Sept. (DNB.) Deutsche Truppen i finb Donnerstag 10.15 Ahr in Gdingen einge- ricckt. Der polnische Kommandant hat die Stadt übergeben. Nördlich Gdingen wird noch ge- t(impft Donnerstagvormittag wurde Gdingen von der Danziger Seite her genommen. Nach schweren Kämpfen war der Feind von den be­herrschenden Flügeln in die Stadt geworfen und hirlte die Stadt geräumt Der Einmarsch der Kutschen Truppen begann um 6.30 Ahr früh und ßhrle im ersten Borstoß bis zur Warschall-Pil- ßdski-Straße, wo sich das Stadtkommissariat be­findet Hier wurde die Stadt durch den Stadt­präsidenten Skv.pien übergeben.

Die Stadt Gdingen ist so gut wie gar nicht ;;rstört. Damit ist erneut der Beweis erbracht worden, daß die deutschen Truppen bei dem Bruch bts Widerstandes der Polen sich streng an den Be- schl des Führers gehalten herben, nur milita -

.... 14. September. (DNB.) Seit im Raume jen­seits Warschau schon einem Raume von östlicher Unendlichkeit die p o l n i s ch e n F e st u n g e n am N a r e w gesprengt worden sind, verwandelt sich der Vormarsch unserer Panzerdivisionen in ein Vorstürmen, verwandelt der Rückzug der Polen sich in Flucht. Unser Großbomber streicht von Lomza her am Narew entlang, vorbei an den überwundenen Stahlbunkern von N o w o - g r o d. ...

Wir überstiegen das Jammerbild eines riesigen Flüchtlingslagers. Aber das Leben siegt, auf Fel­dern wo gestern das Blut geflossen, wandert heute wieder der polnische Bauer hinter dem Pflug. Seine Kinder schütten die Granatlöcher und die Schutzen- stLllungen zu. Das alles sehen wir im rasenden Diefstug zu dem das bis auf hundert Meter herab- hänaende Gewölk uns zwingt.

Wir suchen auf den Straßen von Ostro- lenka nach Uniformen, um in Erfahrung zu brin­gen ob der Ort sich noch in polnischer oder Ichon in deutscher Hand befindet. Denn obgleich unsere Spitze schon hundert Kilometer weiter nach Sud­osten marschiert, bleiben ganze Landkreise vom Vormarsch unberührt, wan überlaßt sie seiner späteren Säuberung. Wir biegen ab, flie­gen querlandein, Ziel Brest-Lito wsk. Eine

Leuchtspurgeschosse. Gern möchten wir herunter­stoßen und mit Bomben antworten, müssen aber erst unseren Auftrag erfüllen, und dieser lautet: Bomben auf Bahnhof und Straßenkreuz von B r e st.

Wir steigen.. Wir verschwinden im Grau der Höhe. Wir erscheinen im leuchtenden Blau und Sonnenglanz der 5000 Meter. Ist wirklich Krieg? Heber den Wolken von wilder Erhabenheit schweben wir, über einer Himmelslandschaft, in der die Hand Gottes ihr Formenspiel treibt. Durch Wolkenlücken beobachten wir die kriegerische Erde und folgen dem Bug. Dort unten liegt Brest-Litowsk. Wir wenden und kurven ein, treiben etwas ab und wiederholen den Anflug. Unsere Bomben rasseln in zwei Schwüngen herab. Unser Flugzeugführer mel­det nach der Landung, daß wir d a s Straßen­kreuz trafen und unsere Bomben dort mitten in die wirrste Verstopfung der Flucht schlugen.

Auf dem Heimflug nehmen wir uns die pol­nischen Kolonnen vor, die uns vorhin in die Wolken gescheucht: Aus tausend Metern jagen wir fast alle Munition hinunter, die wir an Bord haben, nur ein paar Trommeln müssen zur Sicherheit übrigbleiben. Ueberdies wird es Zeit, das Schießen einzustellen, denn über etwa 50 Kilometer dieser von Flucht und Verfolgung brodelnden Landstraße ver­mögen wir nicht mehr zu unterscheiden, ob Freund oder Feind unter uns ist und die heute früh er­reichten Punkte des Vormarsches gelten längst nicht mehr. Endlich aber streben auf den Straßen nicht mehr Pferd und Wagen, sondern die deutschen Panzerdivisionen nach Osten. Riesiger Nachschub rollt, auf Stoppelfeldern neben der Straße landen deutsche Transporte, die die vor- jagenden Panzer mit Benzin versorgen.

Cbaos in Warschau

Amsterdam, 15. Sept. (DNB.-Funkspruch.) lieber das Chaos in Warschau melden holländische Blätter u.a.: In den Straßen patrouillieren schon seit einer Woche Militär- undBürger- w e h r", bewaffnete Arbeiter und aus den Gefäng­nissen entlassene Verbrecher, die nach Willkür die Passanten anhalten und durchsuchen. Da sich unter diesen Patrouillen viele düstere Elemente be­finden, außerdem die verschiedenen Organisationen unabhängig voneinander ihre Abteilungen gebildet haben, führen diese Untersuchungen zu Raub und Diebstahl sowie zu Handgemengen unter den Patrouillen und Banden.

Die vielen Klagen, die den Behörden hierüber zugegangen sind, haben zur Einsetzung be­sonderer Kriegsgerichte geführt, vor denen diese Hyänen, die inmitten des Elends ihr widerliches Treiben entfalten, bestraft werden. Es sind schon viele Todesurteile ausgespro­chen worden. . .

Ein bezeichnendes Merkmal für die Uneinigkeit im Verteidigungsrat Warschaus ist, daß der mili­tärische Befehlshaber in Warschau allen Bürgern geraten hat, die Stadt baldig st zu verlassen, während im Gegensatz hierzu der Bürgermeister Warschaus den Bürgern nahe gelegt hat, die Stadt nicht zu verlassen, weil Flucht keine Hilfe bedeute, zumal keine andere Stadt in Polen gesichert sein.

halbe Stunde über eine gestaltlose Ebene von Hütte und Moor und Krüppelwald. In dieser Wildnis, groß wie eine Provinz, herrscht der Kätner, der der Erde eine ärmliche Nahrung abringt. Sogar in den Städtchen, die wir niedrig brausend über­fliegen, zeugt kein Bauwerk von vergangener oder gegenwärtiger Bedeutung, und nichts ist widerwär­tiger und häßlicher als der Baustil der eben in Trümmer fallenden polnischen Gegenwart. Ab und zu ziehen vierkantige graue oder ziegelrote Würfel mit öden Fensterhöhlen als Urkunden des polni­schen Ungeistes unter uns dahin. Zuweilen blitzt es im Regengrau der Straßen, Sprengwölkchen ver­puffen irgendwo an unserem Siebenmeilenweg.

Wir überqueren Eisenbahnen, die von Warschau her in den Osten führen, sie müßten verstopft sein von Zügen, sie liegen leer und verlassen, seit au die Knotenpunkte der Hagel unserer Bomben nieder­ging. Jetzt blinkt der vielgewundene Lauf des Bug­flusses im gelben Geröll seiner Ufer. Besseres, Wet­ter erlaubt uns zu steigen. Da unten zieht sie da­von, die polnische Flucht. Auf der Land­straße neben dem Fluß rollt Wagen hinter Wagen Pferdefahrzeug und Lastauto und Batterie und marschierende Kolonnen in wirrer Regellosigkeit. Noch wehrt sich die polnische Flak, unter un­seren Flügeln kreuzen sich die weißen Fäden der

Stadt übergeben. Die Stadt wird von Trup­pen und Danziger Polizei gesichert. Der Arbeits­dienst folgte den Truppen auf dem Fuß, um die von den Polen zerstörten Brücken wiederauf­zubauen und Straßenkampfanlagen inmitten der Stadt zu beseitigen. Die Geschäfte hatten durchweg geschlossen. Ihre Schaufenster waren mit Brettern verschalt. Wie der Stadt Präsident mitteilte, hatte die Bevölkerung seit zwei Tagen keine Lebensmittel mehr erhalten. Es wurde Vor­sorge getroffen, daß die lebensnotwendigen Be­triebe und Läden ihre Arbeit sogleich wieder auf­nehmen.

sonders lang weilte der .Feldmarschall in einer großen Munitionsfabrik, in der Bomben für Die Luftwaffe hergestellt werden. Als der Feld- marschall den Belegschaften feine Anerkennung für ihren restlosen Einsatz aussprach, dankte ihm die Arbeiterschaft mit jubelnden Kundgebungen.

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Auch Gleiwitz stattete der Generalfeldmarschall einen überraschenden Besuch ab. Eine nach Tau­senden zählende Menschenmenge belagerte den Bahn­hofsvorplatz, während Generalfeldmarschall Göring mit Wirtschaftsführern des oberschlesischen Industrie­gebietes in seinem Zuge eine länge Besprechung fiihrte. Als jedoch der Generalfeldmarschall den Kraftwagen bestieg, um seine Besichtigungsfahrt an­zutreten, durchbrachen die Menschenmassen die Ab­sperrung und umringten den Wagen unter immer­währenden Heilrufen und Tücherwinken.

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Generalfeldmarschall Göring weilte in diesen Tagen im Hauptquartier des Führers. Von lmks: General­feldmarschall Göring, Generalmajor Bodenschatz, Generaloberst Keitel, der Führer und Reichsaußenminister vonRibbentrop. (Presse-Jllustration-Hoffmann-M.)

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