F.
Aus der engeren Heimat
6- Fortsetzung.
(Nachdruck verboten!)
In Wenzels Garten fanden damals, vor 50 60 Jahren fast alle größeren Feiern und Festlichkeiten statt: besonders wenn eine studentische Korporation ihr Stiftungsfest in größerem Ausmaß beging, war selbstverständlich Festessen und Festkommers in diesem Garten. Wurde ein studentischer Fackelzug veranstaltet, so endete er in dem Garten, wo die Fackeln zusammengeworfen wurden.
Leistungsschießen dei- Kriegerkameradschast Albach.
. * b " A ' 14- 2lug. Während drei Sonntagen herrschte auf dem schön gelegenen Schießstand am Waldesrand reger Schießbetrieb. Trotz des zeitweise einsetzenden Regenwetters war die Beteiligung sehr u' cT beTrt Ergebnis des Schießens haben die alten Kameraden den größeren Anteil, ein gutes Zeichen, daß die Uebung auch den Erfolg zeitigt. Am letzten Sonntag kam es zur Preisverteilung, die vorangegangener Ansprache des Kamerad- Ichaftsfuhrers Lenz vom Kreiskriegerschießwart H°vf aus Gießen, der die Kameradschaft mit einer Plakette und einer Ehrenscheibe bedacht hatte, vor- genommen wurde. Mit Stolz hob er hervor, daß die ersten Preise alten Kameraden zufallen, wodurch der Beweis erbracht ist, daß die Kameraden dem Schießdienst die Bedeutung zukommen lassen, die diesem wichtigen Dienstzweig gebührt. Es erhielten: 1. Preis Kam. K. Arnold, 36 Ringe: 2. Kreisschieß- rvart Hanf, 36 R.: 3. Kam. Lg. Langsdorf, 35 R.; 4. Hch. Dippel, 35 R.: 5. W. Lg. Langsdorf, 33 R.; 6. Hch. Phil. Schmidt, 33 R.: 7. Wilh. Wagner 33 R-: 8. Joh. $). Schäfer, 33 R.: 9. Kameradschafts- fuhrer Wilh. Lenz, 33 Ringe, und noch weitere 8 Preise mit 32 bis 30 Ringen: W. Häuser, Otto Zimmer, Wilh. Will, Jak. Haas, Otto Walter, Otto Stumpf, Keinrich Kissel, Kl. Schäfer II.
Kriegerkameradschast Lollar.
§ Lollar, 15. Aug. Am Samstag fand in der Gastwirtschaft von O. Nuhn der Monatsappell der hiesigen. Kriegerkameradschaft statt, dem auch der Kreiskriegerführer Dr. M o n n a r d und der Verwaltungsführer G l e b e beiwohnten. Nach herzlichen Begrüßungsworten des Kameradschaftsführers Taubert gab er das Ergebnis des diesjährigen Wettkampfschießens bekannt. Es haben 40 Kameraden daran teilaenommen, je 20 in den beiden Klaffen. Es wurden durchweg gute Ergebnisse erzielt. Die Schnellsammlung zugunsten des Kriegerwaisenhauses erbrachte einen ansehnlichen Betrag. Auch von der hiesigen Kameradschaft des NS.-Krie- gerbundes werden vier Kameraden an der Tannen- vergfeier pm 27. August teilnehmen, und zwar die Kameraden Taubert, A v u st, Gilbert und Schwalm. Der Kameradschaftsführer wies dann noch auf das im September wieder stattfindende Schießen mit Wehrmannsbüchsen hin und forderte die Kameraden auf, sich rege daran zu beteiligen. Kreiskriegerführer Dr. Monnard richtete in einer kurzen Ansprache beherzigenswerte Worte über Kameradschaft an die Versammlung. Er stellte das Erscheinen d-a Reichskriegerführers zu der in wenigen Jahren jtattfindenden Feier des hundertjährigen Bestehens der Kameradschaft Lollar in Aussicht. Den Kameraden Lennarz und Fink überreichte er mit herzlichen Worten für ihre Verdienste und ihre treue Mitarbeit in der Führerschaft das Kyffhäuser- Ehrenzeichen. In der üblichen Weise wurde sodann der Appell geschlossen.
60 Jahre Kriegerkameradschast Wißmar.
# Wißmar, 14. Aug. Die hiesige Kriegerkameradschaft tonnte am gestrigen Sonntag im Rahmen einer festlichen Veranstaltung das 60jährige Bestehen feiern. Neben sämtlichen Ortsvereinen nahmen auch viele Kriegerkameradschaften aus der Nachbarschaft an der Feier teil.
Am frühen Nachmittag wurde die Veranstaltung mit einem Appell eingeleitet. Kameradschaftsführer
„Sie haben also niemanden mehr gesehen?"
„Nein. Das Fenster stand offen... Glassplitter lagen auf der Erde ... das ist alles, was ich sagen kann. Der Kerl wird lange über alle Berge sein! Stimmt's, Hawkins? Sie haben mir doch das Zimmer hier aufgeschlossen?"
„Schade!" Der Inspektor macht sich einige Notizen. „Sergeant Dudgeon... sehen Sie mal nach Fußspuren draußen im Garten. Viel Zweck wird's ja nicht haben bei dem Regen... und draußen ist auch noch schön gepflegter kurzer Rasen... na, aber Sie können ja mal nachschauen. Fisher, Sie untersuchen auf Fingerabdrücke! Am Fenster muß allerlei zu finden fein."
Während Dudgeon mit der Taschenlampe den Rasen unterm Fenster ableuchtet, schüttet Fisher ein gelbes Pulver über den Fenstergriff, bläst es fort und zieht den Rest mit einem gummierten Papier ab.
Indessen durchsucht der Inspektor die Fächer des Schreibtischs.
„Bitte... schauen Sie mit her... vielleicht können L>ie Fehlendes feststellen!"
Aber Claire macht ihm das Ueberflüfsige seines Beginnens klar.
„Niemand weiß, was Vater in diesem Möbel aufbewahrte. Also ist's auch ausgeschlossen, daß irgend jemand sagen kann, was da fehlt. Das sind 'doch offenbar alles alte Briefschaften, die er selbst kaum noch angerührt hat."
„Wenig tröstlich! Wenn Sie nichts vermissen, ist kaum festzustellen, ob überhaupt etwas gestohlen ist", wiegt der Inspektor den Kopf. „Aber diese Feststellung bringt uns auch nicht weiter. Fisher, haben Sie etwas gefunden?^
„Jawohl", nickt der Beamte seufzend, „der Einbrecher hat Handschuhe getragen, Herr Inspektor!"
Leise pfeift der durch die Zähne.
„Schau, schau! Also doch ein recht heller Junge! Hm... Dudgeon! Sergeant!" Er beugt sich weit aus dem Fenster. „Wie ist's?"
Draußen bewegt sich eine Taschenlampe suchend überm Rasen.
„Nichts", meldet die Antwort. „Ist hier auch ausgeschlossen. Der Rasen ist zu kurz geschoren und geht bis ans Haus. Hier kann einer drei Meter hoch springen und hinterläßt keine Spuren."
„Konnte ich mir denken. Kommen Sie 'rein!... Pfui Teufel!"
So geschah es, als an einem regnerischen Abend des Wintersemesters 1882/83 an einem Haus in der Neuen Bäue eine Tafel enthüllt wurde zum Andenken an Professor Dietz, der als Lehrer der romanischen Sprachen hier lange gewirkt und als Förderer des romanischen Sprachstudiums an den Hochschulen sich sehr verdient gemacht hatte. Der Fackelzug zog von Oswaldsgarten vor das Haus in der Neuen Bäue, in dem Dietz gewohnt, hier hielt ein Schüler von Dietz eine entsprechende Weiherede, und bann ging es weiter in Wenzels Garten, wo man die Fackeln zusammenwarf und der Kommers erfolgte. “
Kleidung einer abgelaufenen Epoche — die tiefen, kaum benutzten Sessel — die hohen Bücherschränke an den Wänden — der Schreibtisch und der einfache Sessel davor... ach, das redet alles eine so eindringliche Sprache, ist so voll unheimlichen Lebens, als fei der Mann, der hier arbeitete, nicht tot, sondern nur auf ein Stündchen fortgegangen. Manchmal ist sie versucht, zur Tür hinzusehen, ob der Vater nicht auf der Schwelle stehe, groß und hager, die Augen ruhig und prüfend auf sie gerichtet. Sie friert und hüllt sich fester in ihren Mantel.
Endlich fährt draußen ein Auto vor... das wird die Polizei sein. Hawkins beeilt sich, die Herren einzulafsen.
Der Inspektor, begleitet von zwei Beamten, tft von ruhiger, sachlicher Höflichkeit. Er hat nach dem ersten Wort schon herausbekommen, daß Claire scheinbar die ruhigste unter den Anwesenden ist, und richtet seine Fragen vor allem an sie.
„Sie haben ein Klirren gehört?"
„Ich nicht... aber mein Onkel... und meine Schwester ebenfalls. Ich schlafe viel zu fest. Mich weckt keine Kanone auf."
„Glückliches Kind!" stöhnt Onkel William neidisch und schüttelt den Kopf. ,Lch liege seit acht Uhr schlaflos. Wie kann man auch bei diesem Wetter schlafen? Ist ja die reine Hölle draußen!"
„Nicht ganz so schlimm, Sir. Wir kommen eben aus dieser Hölle", lächelt der Inspektor. „In einer halben Stunde ist alles vorbei. Aber zur Sache: Sie haben also die verdächtigen Geräusche gehört?"
„Ganz deutlich! Ich sage Ihnen ja, ich habe sofort feststellen können, daß das nur unter meinem Zimmer sein konnte. Ich schlafe nämlich genau über meines Bruders Arbeitszimmer."
„Und darauf eilten Sie sofort nach unten?" „Sicher. Man kann doch nicht still zuhören, wie die Diebe das Haus ausräumen!"
„Nun, so viel scheinen sie ja nicht mitgenommen zu haben. Aber bitte, erzählen Sie, was Sie beobachtet haben."
„Was ich beobachtet habe? Eigentlich nicht mehr als das, was Sie jetzt sehen. Ich habe selbstverständlich Licht gemacht. Bedenken Sie... seit dreiundzwanzig Jahren bin ich nicht mehr in diesem Hause gewesen. Ich hätte mir im Dunkeln sicher das Genick gebrochen... Das Licht hat leider wohl auch die Einbrecher verscheucht!"
suchend sieht sich Claire in dem ihr so bekannten Laum um Ja hier hat fie als Kind oft gestanden °'L?ur°htgeh°bt, hi-r. an dieser Kante des Ät-n Schretbtstches mtt den niesen Fächern: und dort hat der Vater gesessen und gezürnt. wenn in mathematischen Arbeiten wieder mehr lote Tinte zu sehen war als schwarze
Du lieber Gott, wie lange ist das nun schon Herl dmd w,e erleichtert war man daoongehuscht, wenn^s Dünn endlich hieß: „Du kannst gehen!"
-Sie lächelt und schüttelt den Kopf.
jFast hat sie vergessen, welcher Anlaß sie in Vaters Heiligtum führt.
»Hier... die Scheibe ist eingedrückt... sieh dich m, Claire, der Fußboden liegt voller Glassplitter Umö dann ist das Fenster von innen her geöffnet’ kenn man bloß eine Ahnung hätte, was nun kizientlich geschehen ist!"
„Das werden wir wahrscheinlich alle miteinander nicht herausbringen", winkt Claire spöttisch ab. ■'•i’ber wissen Sie, was Vater hier aufbewahrte Iwkins?"
Der zuckt beäauernb die Achseln. Seitdem er lernen Kragen umgebunden hat, fühlt er sich wieder Situation gewachsen.
..Das ist schwer zu sagen. Aber soweit ich unter» achtet bin... viel gesprochen hat ja Sir John
-• aber wichtige Sachen können es bestimmt "cht gewesen sein. Alles, was irgenwelchen Wert liegt wohl im Werk unter Verschluß."
..Seltsam. Verstehst du die ganze Geschichte, me?"
Die schüttelt stumm den Kopf und hüllt sich cher in ihren warmen Morgenmantel. Sie mag r diesem Raum nicht sprechen, der schwer und .uÄer ist von Erinnerungen an den Toten.
$a hängt Mutters lebensgroßes Bild in der
Der Täter mitten unter uns Vornan von Kurt Riemann Copyright by Verlag Oskar Meister, weröau i. Sa.
Vor 60 Jahren in Steins Garten
Erinnerungen eines alten Gießener Studenten.
1 sehr bald einlebten und in unferm schönen Gebirge wohlfühlten. Eine Reihe von Führungen, Ausflügen und dergl. wurde unternommen. In der Turnhalle fand ein wohlgelungener Abschiedsabend statt, bei dem herzliche Ansprachen zwischen dem Ortsgruppenleiter und dem Bürgermeister einerseits und den Urlaubern anderseits gewechselt wurden. Sehr befriedigt über alles Gebotene verließen die Urlauber unsere Stadt. Allwöchentlich kommt ein großes Autobus mit Urlaubern aus dem eigenen Gau hier an, der stets neue Urlauber in unsere Stadt bringt und die alten Urlauber in ihre Heimat zurückbringt. Die Einwohnerschaft hat sich ausgezeichnet auf die KdF.-Fahrten eingestellt. Die Stadt ist für etwa 500 Urlauber aufnahmefähig.
Gchottener Sonimermarkt.
l<. Schotten, 14. August. In althergebrachter Weise wurde auch in diesem Jahr der Sommer- markt begangen. Wenn der Rindviehauftrieb auch gegen die Vorkriegszeit stark zurückgegangen ist, so hat der altbekannte Markt doch seine Anziehungskraft bewahrt. Inmitten der Stadt ist schon seit mehreren Tagen der Iurplatz, Karussell, Schießbude u. dgl aufgeschlagen worden. Im Erdgeschoß des Rathauses ist ein Ratskeller geschmackvoll her- gerichtet, in dem Wein zum Ausschank gelangt. Zwischen Rathaus und „Krone" ist ein Tanzboden im Freien gelegt. Zum heutigen Montags- markt waren etwa 100 Pferde und Fohlen auf- getrieben, besonders die weiblichen Zuchtfohken waren stark gefragt, als Preise wurden 700 bis 800 Mk. verlangt und geboten. Auf dem Rind- v ie h m a r k t fanden die ca. 50—60 Stück Vieh, besonders das Vogelsberger Rotvieh, guten Absatz. Morgen Dienstag folgt der Schweinemarkt, am Mittwoch schließt sich der große Krämermarkt mit Volksfest, Tanz an.
Landkreis Gießen
T Großen-Linden, 14. Aug. Der Kirchen- Vorstand beschloß, die Kirche mit einer Warmluftheizung zu versehen. Es ist zu hoffen, daß im nächsten Winter die Kirche wieder gut geheizt wird. — Seit einigen Tagen sind hier z w ei Dreschmaschinen aufgestellt, die den Roggen der kleinen Landwirte ausdreschen. Die Frucht ist, außer dem Hafer, bereits geschnitten. Es wär sehr zu wünschen, daß das gute Wetter noch einige Wochen anhält, damit die Ernte gut eingebracht werden kann.
s. L a n g - G ö n s , 15. Aug. Eine unserer ältesten Mitbürgerinnen, Frau Marie K r ö m p Witwe, Enggasse, kann am 18. August ihren 8 6. Geburtstag feiern. Die Jubilarin hilft noch viel im Haushalt, obgleich sie körperlich etwas behindert ist. Am liebsten behütet sie die kleinen Urenkel. Im Kriege verlor Frau Kromp einen Sohn und einen Schwiegersohn. Vier Kinder, elf Enkel und fünf Urenkel können mit der hochbetagten Frau feiern. Auch wir wünschen der Jubilarin viel Glück!
<£ Holzheim, 14. Aug. Im Rahmen einer schönen Feier wurde hier der Organist Jakob Kuhl geehrt, der seit 25 Jahren den Dienst des Organisten in unserer Gemeinde versieht. Nach einer musikalischen -Darbietung von Orgel und Geige hielt Ortspfarrer L a u n h a r d t eine Ansprache, in der er die Verdienste des Jubilars würdigte, feine stete treue Pflichterfüllung kennzeichnete und ihm die Ehrenurkunden überreichte, die ihm durch Propst Knodt und durch die Hessische Landeskirche gewidmet waren. Von der Gemeinde Holzheim wird dem Jubilar zu einem späteren Zeitpunkt eine Ehrenurkunde übermittelt werden.
Der Versicherungsschwindler noch am Werk.
LPD. Hanau, 14. Aug. Wie gemeldet, war dieser Tage in Oberhessen, in einem Dorfe bei Nidda, ein Schwindler aufgetreten, der die Hinterbliebenen eines kürzlich gestorbenen Mannes zu prellen versuchte. Wie nun feststeht, hat der Schwindler auch im Kinziggebiet und wohl auch an anderen Orten fein Unwesen getrieben. Es ist ihm bereits gelungen, verschiedene Personen um namhafte Geldbeträge zu betrügen. Wie die Polizei inzwischen festftellte, handelt es sich um den Berufsverbrecher Fritz W i t tr o ck. der am 26. März 1902 in Dresden geboren ist und gegen den bereits ver- chiedene Strafverfahren schweben. Der Gauner chreidt an Familien, die kurz zuvor einen Trauer- all hatten, mit dem Aufdruck einer Versicherungs- gesellschaft versehene Briefe, daß sie noch eine Nach-
"Gießener Anzeigers" vom 19. Juli (II. -Blatt) steht em Artikel mit der Überschrift- Äinf5-r?QrtT SQ"bel ber Zeiten." In Diesem Artikel ist auch die Rede von Abonnementskonzerten, die früher, vor dem Krieg, in diesem Garten stattfanden durch die Kapelle des Regiments 116 unter Leitung des Musikdirektors K r a u ß e.
Es fei mir gestattet, dazu einiges ergänzend zu bemerken, dessen ich mich aus meiner Studentenzeit vor. fast 60 Jahren erinnere.
Die erwähnten Konzerte hat Wenzel, der vor Stern Besitzer des Gartens war, anfangs der 80er Jahre eingeführt: vielleicht ging die erste Anregung von Musikdirektor Krauße aus. Die Konzerte fanden nicht nur im Sommerhalbjahr im Freien, sondern auch im Winter im Saal statt. Sie wurden bald allgemein behebt und sehr gut besucht. Auch die Stuventenschast war unter den Besuchern vertreten, besonders die farbentragenden Korporationen, deren es vor 60 Jahren mir sechs gab, nämlich drei Korps, zwei Burschenschaften, deren eine damals oft so schwach war, daß sie nicht öffentlich auftreten konnte und sich sogar einmal suspendieren mußte, ferner die Verbindung Wingolf und die Reformverbindung Adelphia, deren Mitglieder damals nur Bänder trugen. Zu Beginn des Semesters ging ein Mann im Auftrag von Wenzel und Krauße in der Stadt herum und fammelte Abonnenten für die Konzerte; er kam auch auf die Kneipen der Korporattonen mit feiner Einzeichnungslifte. Die Konzerte gehörten bald zum eisernen Bestand im Gießener Gesellschaftsleben.
Wenzel gab sich überhaupt große Mühe, den Gießenern immer etwas Neues und Schones zu bieten. Einmal gelang es ihm, soviel ich weiß im Sommer 1882, eine der berühmtesten Musikkapellen der 80er Jahre, die gewöhnlich nur in größeren Städten konzertierte, für Gießen zu gewinnen. Es war das Bilfe-Or chester (so genannt nach feinem Dirigenten). Es bestand aus lauter erstklassigen Musi- fern. Unter ihnen war ein junger Pistonbläser Türpe war sein Name, der auf feinem Instrument ganz Erstaunliches leistete. Beim Vortrag der „Variationen über den Karneval in Venedig" kam man aus dem Staunen und bewundern nicht heraus. Sein Piston soll von Silber gewesen fein. Dies 'Bilsekonzert war an einem Werktagnachmittag und ssehr stark besucht; auch aus benachbarten Städten mnd Orten waren Besucher erschienen, z. B. aus Marburg. So sah ich, wie Professor Liszt von Marburg, der kurz vorher noch juristischer Profes- jsor in Gießen war, nebst Frau zu dem Konzert erschien. Wenzel hatte es auch an der nötigen Reklame än der Umgegend nicht fehlen lassen; so etwas verstand er sehr gut.
Ein ander Mal, es war auch im Sommerhalbjahr U881 oder 1882,, und zwar am Stiftungsfest der ^Universität, 1. Juli, konzertierte eine merkwürdige Kapelle in Wenzels Garten, die weither gekommen war. Es waren spanische Studenten, die M einem Mandolinenorchester sich zusammenge- ichlossen hatten und durch allerlei Länder zogen, um ihre Kunst zu zeigen und etwas zu verdienen. Ich Oenke mir, daß sie als Studenten nur Universitäts- itäbte besuchten und so auch nach Gießen gekommen waren, wo Wenzel sie mit Freuden annahm als ^twas Neues, noch nie Dagewesenes. Sie trugen mHe die gleiche schwarze Kleidung, und ihre schwären merkwürdig geformten Hüte waren vorn mit mer Art Löffel oder Pfeil durchstochen. Ihre Mandolinen waren von jeder möglichen Größe. Ihre Musikstücke wurden exakt ausgeführt und sehr bei- sällig ausgenommen. Es war aber doch auf die Dauer etwas eintönig, fortwährend Instrumente der- «elben Art zu Horen. Das Konzert war sehr gut besucht, zumal die Professoren wegen des Stiftungs- wges der Hochschule ohnedies in Wenzels Garten wersammelt waren.
Einige Studenten versuchten mit den spanischen Kommilitonen ein Gespräch anzuknüpfen, aber da liefen unsere Sprache und jenen die spanische fremd ®ar> konnte man nur auf dem Umweg über die französische Sprache sich mühsam etwas verständlich machen. Der damalige Rektor, Professor theol.
tade, ließ den spanischen Musikern einige Um= wersttätsbecher voll guten Weins bringen; ihren vreubigen Dank statteten sie außer mit Worten auch nnt der Tat ab, indem sie dem Rektor abends ein Ständchen brachten.
Er fährt ärgerlich lachend zurück, denn ein Windstoß hat ihm von den Hängegeranien, die den Balkon des darüberliegenden Zimmers zieren, einen Schwarm Regentropfen ins Gesicht geweht.
„Sauwetter!" knurrt er. Und zu den Hausbewohnern gewendet, setzt er hinzu: „Tja! Die Polizei kann natürlich auch nicht zaubern!. Spuren sind keine da... gesehen hat den Mann niemand... gestohlen hat er anscheinend auch nichts... wenigstens läßt sich das nicht feststellen... hal's der Teufel! Wie soll man da den Burschen fangen?"
Er wischt sich mit seinem großen Taschentuch den Regen aus dem breiten, roten Gesicht.
„Wird sehr schwer halten! Und hier durch den Garten zu entfemmen, ist eine Kleinigkeit. Ich kenne die Gegend recht genau. Von hier bis zur Greenstreet, das schafft ein älterer Herr in fünf Minuten, und dann ist er mitten im Verkehr. Aber wir werden in Zukunft das ^aus ein bißchen unter die Lupe nehmen! Wenn der Bursche hier irgend was Besonderes nötig braudjt, wird er ja wahrscheinlich wiederkommen."
„Sehr richtig!" stimmt Onkel William zu. „Ich bin der festen Ueberzeugung, daß er hier etwas gesucht hat... und er wird sich's auch holen!"
„Haben Sie keine Ahnung, was der Unbekannte im Schreibtisch Sir Johns gesucht haben könnte?"
„Wie soll ich das wissen?" fragt Onkel William erstaunt.
„Nun, ich meinte, weil Sie so überzeugt sind, daß der Einbrecher wiederkommen wird. Aber lassen Sie ihn nur kommen! Ich wette, daß wir ihn dabei schnappen werden!" lacht der Inspektor, und sein helles Lachen ist der erste frohe Laut in diesem düsteren Hause.
„Jetzt können Sie wirklich nichts Besseres tun, Ladies und Gentlemen, als wieder ins Bett zu gehen. Wenn es Sie beruhigt, bleibt einer meiner Beamten hier."
„Danke, danke!" winkt Onkel William ab. „Aengst- lich sind wir nicht. Es ist kaum anzunehmen daß gerade heute nacht..."
„Wie Sie wollen! Ich komme morgen noch mal vor, mir die Sache bei Tageslicht anzusehen. Gute
Hawkins schließt forgfältig ab und löscht das Licht.
Allein Schlaf findet in dieser Nacht niemand.
(Fortsetzung folgt.)
Wagner hieß besonders Kreisleiter Haus, der in seiner Eigenschaft als Kreiskriegerführer mit Derwaltungsführer Münch und Adjutant Ben- d e r erschienen war, willkommen. Der Kreiskrieger-- führer hielt eine kurze Ansprache, in der er sich mit der Gründung und der Tätigkeit der hiesigen Kriegerkameradschaft beschäftigte. Besonderen Gruß entbot er dabei den Kameraden, die über 40 Jahre der Kameradschaft angehören. Es sind dies: Werkmeister i. R. Eduard B echthold, Forster i. R. Lukas, Schreinermeister Jakob Mock, Ortsdiener i. R. Jakob Rupp, Ortsgerichtsvorsteher Heinrich Schwalm, Schneidermeister Georg Wagner, Rentner Georg Bittendorf und Schmiedemeister Karl Wagner.
Nach dem Appell setzte sich ein Festzug unter Vorantritt des Musikkorps der Fliegerhorst-Kommandantur Gießen (Leitung: Musikmeister Pfarre) in Bewegung. Am Kriegerehrenmal wurde der Marsch unterbrochen und in feierlicher Weise der Gefallenen des Weltkrieges gedacht. Nach einem Vorbeimarsch an Kreisleiter und Kreiskriegerführer Haus loste sich der Festzug in der Pestalozzistraße auf. Der weitere Verlauf des Nachmittags und des Abends war der kameradschaftlichen Unterhaltung gewidmet.
NSB.-Kindertzarien feiert Kinderfest.
H Lich, 13. Aug. Der hiesige NSV.-Kindergarten hatte heute einen großen Tag, denn die Kleinen und Kleinsten hielten seit Schaffung des Gartens im vergangenen Jahr ihr erstes Kinderfest ab. Unter Vorantritt der Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr veranstalteten die Kinder einen kleinen Umzug durch verschiedene Straßen der Stadt, der dann auf dem mit Fahnen, Girlanden und Wim- peln festlich geschmückten Festplatz auf dem histori- ichen Wall hinter der Schule endete. Ortsgruppen» roalter der NSV., Bürgermeister a. D. W a'lz, hieß hierauf die zahlreich erschienenen Eltern und Gäste aufs herzlichste willkommen. Besonderen Gruß entbot er Gauamtsleiter Haug, der es trotz anderweitiger Inanspruchnahme ermöglicht hatte, dem Fest einen Besuch abzustatten, und Ortsgruppenleiter Kuhn, der die Verbundenheit zwischen Partei und Kindergarten bekundete. In seinen weiteren Ausführungen dankte Amtswalter Walz den Leiterinnen, Frl. M e t) ecke und Frl. Hamel, sowie deren Helferinnen für die wochenlangen, teils mühevollen Vorbereitungen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß das Fest einen frohen Verlauf nehme und vor allem den Eltern einmal einen Einblick übermittele oon dem Sinn und Zweck eines solchen Kindergartens. In bunter Reihenfolge erledigten hierauf die Kinder in farbenfrohen Trachten ihr Programm, das immer wieder die Bewunderung der Besucher hervorrief. Es war eine Freude, wie die Kleinen frei und ungeniert, kein Lampenfieber kennend, ihre Tänzchen, Reigen, Lieder, Gedichtchen und sonstige Spiele erledigten. Ganz besonders stolz aber waren fie, als sie als Dank und Anerkennung je eine Brezel überreicht bekamen. Zwischen den einzelnen Darbietungen erfreute die Feuerwehrkapelle, die sich uneigennützig in den Dienst der guten Sache gestellt hatte, mit guten Musikvorträgen. Mit dem Gruß an den Führer schloß Frl. Medecke die'wohlgelungene Veranstaltung.
Schotten als KdF.-llrkauber-Stadt.
j Schotten, 14. Aug. Aus dem Gaugebiet Halle-Merseburg war ein Sonderzug mit KdF. -Urlaubern nach dem Lahntal und dem Vogelsberg gefahren. Auch in unserer Stadt war em Teil der Gäste untergebracht, die sich


