Ausgabe 
15.5.1939
 
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GchwererVerkehrsunfallveiOutenhofen

KAM.

feine Schuld entstandene

Unheil weiter und drängte einige hundert Meter entfernt auch ein Personenauto so zur Seite, daß

Auf der Landstraße DutenhofenGarbenheim ereignete sich kurz vor der Straßengabelung nach Dorlar ein schwe­rer Verkehrsunfall. Ein Opel - Blitz - Wagen, der aus Richtung Wetzlar kam, fuhr so stark in der Mitte der Straße, daß ein aus entgegengesetzter Richtung von Garben­heim herkommendes Last­auto mit Anhänger, das der Firma Seibert in Wieseck gehört, bis an den äußersten Rand der Fahr­bahn gedrängt wurde, dort abrutschte und mit seiner ganzen Ladung umschlug. Zum Glück ka­men daoei Personen nicht zu Schaden, jedoch ent­stand allerlei Sachschaden. Der Lenker des Opel- Blitz-Autos fuhr unbe­kümmert um das durch

fönen nicht zu Schaden. Der rücksichtslose Autofah­rer machte sich unerkannt davon. Die polizeilichen Ermittlunaen sind im Gange. Es handelt sich um es ebenfalls in den Straßengraben geriet und um- einen rotfarbigen Wagen mit Heller Beschriftung stürzte. Glücklicherweise kamen auch diesmal Per- an den Längsseiten. (Aufnahme: Kretschmer.)

Zm Heizraum unter dem Aequator.

DasBergwerk" eines Ozeandampfers. - Als Kohlentrimmer auf Abenteuer-

Es gibt kaum einen Ort auf der Welt, wo man so niederträchtig schwitzen kann wie im Golf von Panama. Seit Tagen knallt die Tropensonne un­barmherzig auf die Schutzsegel unseres kleinen Frachtdampfers herab, und die Luft ist so feucht, daß einem das Atmen fast zur Qual wird. In rascher Fahrt zerteilt der Bug die öligglatte Wasserfläche, die nur hier und da von der spitzen Rückenflosse eines Haifisches gefurcht wird. Je näher wir dem Aequator kommen, um so drückender wird die Glut.

Mißmutig hocke ich vor der Schreibmaschine. Ich will zum soundsovielten Male nach der Flasche mit Eiswasser greifen, da sehe ich eine schwarze Gestalt zur Reeling wanken. Ein Heizer hat seine Wache be­endet und will an Deck ein wenig Luft schöpfen. Der Schweiß hat helle Streifen auf sein Gesicht gemalt, das trotz des Kohlenstaubs merkwürdig blaß und eingefallen erscheint. Verwundert sehe ich, wie der Mann ein dickes Stück Segeltuch um seine Schultern legt. Er scheint tatsächlich zu frieren bei 30 Grad Tropenhitze! Und plötzlich bekomme ich eine leise Ahnung, welche Höllenglut unten im Kesselraum herrschen muß, wo eine Anzahl pflichttreuer Männer unbeachtet die Arbeit verrichtet.

Im Heizraum unter dem Aequator! Ich vergesse plötzlich meine Müdigkeit und beschließe, selbst ein­mal in die Bunker zu steigen als Kohlentrimmer!

15 Meter unter Deck.

Gegen 4 Uhr morgens klopft ein Heizer an meine Kammertür. Mit pochenden Schläfen steige ich aus der klitschnassen Koje, denn selbst die Nächte bringen

in der feuchten Treibhausluft keine Erquickung. Schnell habe ich das dunkle Trimmerjäckchen über­gestreift, und dann verschwinden zwei dunkle Ge­stalten im Niedergang hinter dem Schornstein. Mit jedem Leiterabsatz scheint die Luft noch stickiger zu werden. Ein würgendes Gefühl sitzt mir in der Kehle, und schon beginnt der Schweiß zu tropfen.

Fünfzehn Meter unter Deck! Eine trockene Glut­welle wallt mir entgegen, als ich die rußigen Eisen­platten des schmalen Heizraumes betrete. Die Heizer sind gerade beimSck)leusen". Sie haben die Feuer­klappen geöffnet und lösen mit langen eisernen Stangen die glühende Asche vom Rost. Polternd fallen die rauchenden Schlackenreste von meine Füße. Jemand drückt mir einen Wasserschlauch in die Hand, ein kalter Strahl ergießt sich auf die rotglühenden Schlackenberge, und plötzlich verschwindet alles in einer einzigen Dampf- und Qualmwolke. Krampfhaft schnappe ich nach Luft. Lautes Zischen übertönt jedes Wort. Das Zeug klebt mir naß am Körper, die Augen beginnen zu brennen.

Als die Schlackenhügel endlich rauchend in sich zusammensinken, will ich einen Augenblick ver­schnaufen. Aber da reicht mir jemand freundlich grinsend einen Spaten und zeigt auf einen großen Behälter. Wieder heißt es, die Zähne zusammen­beißen und feste schaufeln. Denn oben an Deck war­tet ein anderer Trimmer, um die schweren Aschen­eimer, die polternd durch eine Windhutze empor­gewunden werden, ins Meer zu entleeren.

Schon nach dem dritten Eimer schwindelt mir der Kopf, und als ich endlich den Spaten fallen lassen

kann, habe ich längst gemerkt, daß es mit der Ro­mantik hier unten im Heizraum sehr faul bestellt ist. Kohlenschippen und Aschehieven ist wirklich keine aufregende Beschäftigung, aber weit anstrengender, als sich mancher vorstellen kann. Ungläubig blicke ich auf das rußbeklebte Thermometer, das 43 Grad an­zeigt! Aber die Heizer sind ganz zufrieden.Kommen Sie erst ins Rote Meer, da ist es weit schlimmer. Oft haben wir über 50 Grad gemessen!"

Ich stelle mlch unter eine der großen Windhuken, aber es kommt kein erfrischender Luftzug von oben. Der feuchtwarme Brodem, der aus den Dschungeln der nahen Küste übers Meer herüberquillt, bringt keine Linderung.

Mit Nauchhelmen im Bunker.

Die Heizer haben die Oberkörper entblößt und schüren die Flammen. Unermüdlich müssen die Schau­feln in Bewegung sein. Denn die drei mächtigen Kessel des 5000-Tonnen-Dampfers find unersättlich. 32 Tonnen Kohlen verschlingen sie täglchi 32 Tonnen Kohlen müssen aus den Bunkern vor die Feuerlöcher geschafft werden. Jetzt beginnt die richtige Arbeit der Trimmer. Ich werde in einen schwarzen Schlund gezogen und stolpere über Kohlenbrocken und Eisen­leitern in einen langen schwarzen Tunnel. Ein paar Glühlampen brennen trübe und verschwinden oft ganz hinter dicken Staubwolken.

Wir sind jetzt in einem Seitenbunker", erklärt mein rußgeschwärzter Führer.Er zieht sich durch das ganze Mittelschiff, von einer Ladeluke zur an­deren. Durch Schotten kann er von den anderen Bunkern abgeteilt werden. In der ungewöhnlichen Tropenhitze kann sich die Kohle nämlich selbst ent­zünden, und schon mehrmals waren die Bunker so vergast, daß wir nur mit Rauchhelmen arbeiten konnten!"

Leben ohne Romantik.

Allein der Gedanke, in dieser Backofenglut mit einem schweren Helm herumlaufen zu müssen, be­reitet Unbehagen. Ziemlich erschöpft setze ich mich auf einen Kohlenhaufen, der am Ende des fast ge­leerten Bunkers liegt. Der Trimmer hat einen eiser­nen Karren ergriffen und verschwindet polternd im Kohlendunst. Wieder halte ich den Spaten in der Hand und schaufle meinen Karren voll. Mechanisch wanke ich zwanzig Schritt zur Bunkeröffnung, ent­leere den Wagen und grabe die Schaufel von neuem in den Kohlenberg. Meine ganze Sehnsucht gilt jetzt der Flasche mit Eiswasser, die oben in meiner Kam­mer steht. Zu weiteren Ueberlegungen. bleibt mir keine Zeit, die Heizer brauchen immer neuen Brenn­stoff. Pausenlos rollen die Karren durch den schwar­zen staubigen Tunnel. Man gönnt sich keine Ruhe imBergwerk" eines Ozeandampfers.

Nach vier Stunden, die mir beinahe zur Ewigkeit wurden, nimmt mir ein Arbeitskamerad den Karren aus der Hand. Meine Wache ist zu Ende. Ich habe längst gemerkt, daß ich in dieser arbeitsamen Um­gebung keine aufregenden Dinge erleben werde. Hier unten geht es wirklich nicht so verwegen und blut­rünstig zu, wie man in manchen abenteuerlichen Schmökern lesen kann. Romanschriftsteller und Film­autoren finden in dieser Umgebung keinen sensatio­nellen Stoff. Auch im Heizraum eines Ozean­dampfers wird nur gearbeitet und ohne viel Auf­hebens die Pflicht getan. Selbst wenn das Schiff im stärksten Seegang schlingert und der Wärme­messer verdächtig in die Höhe klettert, ist die Ma­schinenwache auf dem Posten. Rudolf Jacobs.

Aus aller Wett.

Generalleutnant a. D. Karl Höfer gestorben.

Im 77. Lebensjahr verschied in Wümburg ff* Oberführer Generalleutnant a. D. Karl Höfer. Während des Weltkrieges war Höfer Regiments­und Brigadekommandeur an der Ostfront und zeich­nete sich besonders bei Iwangorod aus. Für seine Tapferkeit wurde er mit dem Pour le merite mit Eichenlaub ausgezeichnet. 1918 war Höfer Divi­sionskommandeur im Westen, wo er mit seiner Di­vision den Kemmelberg stürmte. Nach dem Welt­kriege kam General Höfer als Kommandeur der 17. Infanterie-Division zum Grenzschutz gegen Po­len. 1920 trat er in den Ruhestand, wurde aber 1921 erneut zur Wahrung des Grenzschutzes nach Oberschlesien berufen. Schriftstellerisch trat er mit einem BuchOberschlesien in der Aufstandszeit von 1918 bis 1921" hervor. Der hervorragende Offizier wurde in den Stab des Reichsführers ff berufen und zum ff-Oberführer ernannt

Ueberschwemmungen in Württemberg fordern zwei Todesopfer.

Schwere Regengüsse, die durch Gewitterausbrüche verstärkt über ganz Württemberg niedergingen, riefen starkes Hochwasser hervor. Im Stutt­garter Stadtteil Feuerbach wurde ein Arbeiter, der mit Kanalarbeiten beschäftigt war, von den Wasser­massen fortgerissen. Er ist ertrunken. Bei Oeschelbronn geriet ein Mann in den Dorfbach und ertrank gleichfalls. Der Neckar ist besonders im Unterland auf weite Strecken über die Ufer getre­ten. Auch im Nagoldtal, im Enztal und im Würm­tal sind starke Ueberschwemmungen eingetreten.

Wetterbericht

Die am Sonntag beobachtete leichte Besserung, die unserem Gebiet zeitweilig Aufheiterung und im wesentlichen auch trockenes Wetter brachte, bleibt nur vorübergehend. Sowohl von Ost als auch von Nordwest her haben sich ausgedehnte Niederschlags­gebiete genähert, die noch im Laufe des Montag auf unser Gebiet übergreifen werden. Die Tempe­raturen werden sich unter dem jahreszeitlichen Durchschnitt halten.

Vorhersage für Dienstag: Nach ver­breiteten Regenfällen Bewölkung wieder zeitweilig aufreißend, doch Neigung zu einzelnen Schauern bei zeitweise auffrischenden über West nach Nord drehenden Winden, für die Jahreszeit zu kalt.

Vorhersage für Mittwoch: Wechselhaft und zu weiteren Niederschlägen geneigt, kühl.

Lufttemperaturen am 14. Mai: mittags 15,2 Grad Celsius, abends 9,7 Grad; am 15. Mai: morgens 6,9 Grad. Maximum 16,5 Grad, Minimum heute nacht 3,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. Mai: abends 13,4 Grad; am 15. Mai: morgens 10,3 Grad. Sonnenscheindauer 10,3 Stunden.

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum­schein. Verantwortlich für Politik und die Bilder: Dr. Fr.W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IV. 39: 9530. Druck und Verlag: Brühlsche Universitäts­druckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preis­liste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.

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Bekanntmachung.

Betrifft: Oeffentliche Erst-Jmpfung der Kleinkinder aus Geburtsjahr 1937 und früheren Geburts­jahren sowie aus dem Geburtsjahr 1938 (zu­nächst nur, soweit der Familienname mit den Buchstaben AG beginnt).

Für diejenigen Kleinkinder aus den Geburtsjahren 1937 und vorher, die noch nicht erstgeimpft sind, wegen Krankheit oder aus anderen Gründen von der Impfung zurückgestellt waren oder ungeimpft in Gießen zuge­zogen sind, findet letzter besonderer öffentlicher Impf­termin wie folgt statt:

Impfung: Montag, den 15. Mai 1939, 15 bis 16 Uhr, Nachschau: Montag, den 22. Mai 1939, 15 bis 16 Uhr, Jmpflokal: Turnhalle der Schillerschule, Schillerstr.

Weiterer öffentlicher Impftermin für die Klein­kinder aus dem Geburtsjahr 1938, jedoch zunächst nur für die Familiennamen mit den Anfangsbuchstaben AG ist anberaumt wie folgt:

Impfung: Mittwoch, den 17. Mai 1939, 15 bis 16 Uhr, Nachschau: Mittwoch, den 24. Mai 1939,15 bis 16 Uhr, Jmpflokal: Turnhalle der Schillerschule, Schillerstr.

Für die Kleinkinder mit Anfangsbuchstaben HZ des Familiennamens werden in Kürze weitere Impf­termine veröffentlicht.

Die Eltern und Pflegebefohlenen der obenbezeich- neten Kinder werden aufgefordert, die Kinder pünkt­lich zu obigen Impfterminen zu bringen, andernfalls Strafanzeige erfolgen muß. Es wird noch besonders darauf hingewiesen, daß die Kinder und ihre Kleider sich in sauberem Zustand befinden müssen, und daß Kinder aus Häusern, in denen z. Z. ansteckende Krankheiten bestehen, zur Impfung nicht zugelassen werden können. In Fällen letzterer Art ist ärztliche Bescheinigung dem staatl. Gesundheitsamt Gießen, Wilhelmstraße 59, vorzulegen. 3470C

Gießen, den 10. Mai 1939.

Der Oberbürgermeister.

3« V.: Nicolaus, Beigeordneter.