Ausgabe 
15.5.1939
 
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Oer Abschluß der Reichsbeamtentagung

unter der Anklage, eins Verschwärung gegen den Staat geschmiedet zu haben. Die Verhafteten, unter denen sich der liberale Parteileiter Arguidas und der Sozialistenanführer Belmont Pool befinden, wurden auf die Insel Poati im Titicacasee ver­bannt. Die Polizei gibt gleichzeitig bekannt, daß im ganzen Lande vollständige Ruhe herrsche. Alle Maßnahmen zur Unterdrückung irgendwelcher re« volutionärer Bewegungen seien getroffen worden. Kleine politische Nachrichten.

Generalfeldmarschall Göring ist Samstagabend wieder in Berlin eingetroffen.

Anläßlich des vierten Reichsführer - und Reichsführerinnenlagers der -I. und des B D M. hat die Stadt Braunschweig reichen Festschmuck angelegt. Das Lager, das in diesem Runde 2000 HJ.-Fuhrer und zum ersten Male etwa 1800 BDM.-Führerinnen versammelt, wird Montagvormittag durch den Reichsfugend­führer eröffnet. Am Sonntagabend fand auf dem Platz der ff in Braunschweig eine feierliche Begrü- ßungskundgebung statt.

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Nachdem dieDeutschen Nachrichten" und deren KopfblattDer Aufbruch", die Organe der Jungdeutschen Partei für Polen, vom Bielitzer Zensor seit dem 10. März schon dreißig- mal beschlagnahmt wurden, kam es jetzt erneut zu einem widerrechtlicken Verbot des vornehmlich in Schlesien vertriebenenAufbru ch" für 14 Tage. In allen Fällen wurden völlig kom­mentarlose Tatsachenberichte über die Terrormaß­nahmen gegenüber Deutschen in Polen beanstandet.

Das 4n Bromberg erscheinende polnische Blatt Dziennik Bydgoski" ruft die polnischen Frauen auf, sich in besonderen Kursen für den Kriegsfall vorzubereiten. Die Frauen sollen für bestimmte Arbeiten in der öffent­lichen Verwaltung, im Fernsprechwesen, im Ver­kehrswesen und in der Bekleidungsindustrie vor- gebildet werden. Außerdem sollen Autofahrkurse, Kranken- und Kochkurse eingerichtet werden.

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Der ehemalige französische Generalstabschef Gene­ral W e y g a n d ist in London eingetroffen. Er wird sich der Abordnung französischer Reserveoffi­ziere anschließen, die seit Freitag vergangener Woche englische Truppenübungsplätze und Rüstungsunter­nehmen besichtigt und am Sonntag in Birmingham weilte.

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König Carol hat für die Aufrüstung des rumänischen Heeres fünf Millionen Lei ge­spendet. Für die gleichen Zwecke hat Kronprinz Michael dem Heer eine halbe Million Lei zur Ver­fügung gestellt.

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Nach amtlichen Meldungen aus Tschungking befinden sich nach den gemeldeten japanischen Luft­angriffen sämtliche in Tschungking weilenden deut­schen Reichsangehörigen wohlauf.

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Der Pariser Kassationshof hat die Gnadengesuche der zum Tode verurteilten Mörder Weidmann und Million und des zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilten Blanc verworfen.

Zum Abschluß des Generalappells der deutschen Beamten in Frankfurt a. M. wies Reichsbe­amtenführer Hermann Neef darauf hin, daß es von Zeit zu Zeit notwendig erscheine die geleistete Arbeit zu überprüfen, um an ihren Erfolgen fest­stellen zu können, ob die getroffenen Maßnahmen richtig gewesen seien. Was das innerhalb der Be­amtenschaft Geleistete anbetreffe, so müsse festgestellt werden, daß mit der Zusammenschließung der Be­amten in einer Einheitsorganisation der Jnteressen- kampf und das durch ihn bedingte individualistische Denken des einzelnen nach seiner Behördenzuge­hörigkeit oder nach seiner Besoldungsgruppe end­gültig überwunden sei. In den letzten zwei Jahren seien auch noch 280 sog. gesellschaftliche Ver­bände und am 4. Oktober 1938 sämtliche konfessio­nellen Beamtenverbände durch den Staat a u f g e - l ö st worden. Auf freiwilliger Grundlage umschließe heute der Reichsbund der deutschen Beamten 1,5 Millionen Mitglieder. Auf zehn Gauschulen seien in den letzten zwei Jahren 3 50 Lehr­gänge mit 25 000 Teilnehmern abgehal­ten worden. Wie erfolgreich sich die politische Arbeit gestaltet habe, ergebe sich auch aus der Tatsache, daß von den am 1. Januar 1939 erfaßten Mitglie­dern des Reichsbundes der deutschen Beamten 28,2 v. H. der Partei angehören und von diesen 30 v. H. sowie im Verhältnis zur gesamten Beamtenschaft 8,3 v. H. als Politische Lei- t c r tätig sind.

Neben diesen politischen Aufgaben bedeuteten die sozialen Leistungen der Behmtenemheits-

organisation eine Nebenaufgabe. Aber auch hier sei seit dem Bestehen des Reichsbundes der deut­schen Beamten Vorbildliches vollbracht worden. An Unter st ützungsPiitteln seien zwar nur in dringendsten Fällen 3,4 Millionen Mark ausgezahlt worden, wobei von den bewilligten Mitteln 87 v. H. dem Beamten des einfachen und mittleren Dienstes zugutegekommen seien. Daß während der Zeit seines Bestehens bis zum 30. April 1939 fast 57 Mil­lionen an Sterbe gelbem den Hinterbliebenen zugutegekommen sind, stelle gleichfalls auch eine hohe soziale Leistung dar.

Der Reichsbeamtenführer wies gerade unter Be­rücksichtigung der Erfolge, die die Beamtenschaft aufzuweisen habe, auf die Tatsache des Nach­wuchsmangels hin. Wie der Beamte nicht überheblich sein dürfe, sondern sich nur als der Diener der Volksgemeinschaft fühlen müsse, fo müsse auch von feiten der Volksgemeinschaft dem Beamten Achtung entgegengebracht werden. Mit der Achtung vor dem Beamtenberuf werde auch der Anreiz bei der Jugend gestärkt werden, sich dem Staatsdienst zu widmen und so die Frage der Ueberalterunq der Beamtenschaft glücklich ge­löst werden. Der Reichsbeamtenführer dankte zum Schluß dem Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger und den anderen Männern der Partei sowie den Behördenleitern und seinen engeren Mitarbeitern, die sich um das Zustandekommen und die Durch­führung dieses deutschen Beamtentages verdient ge­macht haben.

Oie Kraft der Volksgemeinschaft.

Gauleiter Sprenger auf dem Kreistag Alsfeld-Lauterbach.

NSG. Am Samstag und Sonntag sand im Kreis Alsfeld-Lauterbach der Kreistag der NSDAP, statt. Hunderte von Volksgenossen hatten sich neben den Formationen der Partei auf dem Marktplatz in Alsfeld versammelt, um die richtungweisenden Ausführungen des Gauleiters zu hören. Der Gauleiter ging von der Persönlichkeit des Führers aus, der als erster großer Deutscher eine Idee ins Volk hineingetragen und sie verwirklicht habe. In früheren Zeiten habe es zwar auch große Männer mit guten Gedanken gegeben, sie hätten diese aber nie restlos in die Tat umsetzen können. Der Gauleiter sprach dann über die Volksgemeinschaft, durch deren Kraft die geschichtlichen Taten des Führers erst möglich waren, und bezeichnete hie erfolgreiche Arbeit als das Ergebnis der Zusammenarbeit, also der Gemeinschaft. In diesem Gemeinschaftsleben habe der Führer der Partei die Volksfüh­rung als eine der vornehmsten Aufgaben über­tragen. Sie fei einmalig. Verschiedene Völker hätten sie bereits versucht, aber sie seien in Gruppen und Grüppchen stecken geblieben. Eine breite Volksfüh­rung habe allein das deutsche Volk. Sie sorge dafür, daß' jeder einzelne Volksgenosse politisch aufgeklärt und für die großen Aufgaben, die der Führer dem Volk stellt, ausgerichtet wird.

In seinen weiteren Ausführungen machte es der Gauleiter den Träger des Ehrenkleides des Füh­rers zur Pflicht, stets als Vorbild den Volks-

Im Rahmen der Kulturwoche wurde am Sonntag das Dorf Holzhausen im Kreise Biedenkopf von Gauleiter Sprenger feierlich zum Gaumuster- d o r f ernannt. Die Auszeichnung ist um so bemer­kenswerter, als es sich bei Holzhausen um ein kleines Dorf von etwa 1200 Einwohnern handelt, das den Besucher zwar sofort durch seinen sauberen Eindruck besticht, aber nach Lage und Architektur doch von manchem Ort unseres Gaues übertroffen wird. Eine bauliche Besonderheit weift der Ort zwar auf: Das ist der herrliche Kratzputz in den Fach­werkfeldern. Aber auch das ist selbstverständlich bei der Ernennung nicht ausschlaggebend gewesen, son­dern der starke Gemeinschaftsgeist in Holzhausen, das mit seinen vielen Bau- und Industriearbeitern kei­neswegs zu den reichen Orten unseres Gaues ge°

genossen voranzugehen. In großen Zügen zeigte er die außer- und innerpolitischen Erfolge des Führers auf, wies auf die unerschütterliche Freundschaft mit Italien hin, mit der die stärkste Wehr entstanden fei, die Europa je gesehen habe, und erklärte, daß dieser Ausstieg im Ausland Neid und Miß- g u n st erregt habe. Man hetzte und wollte Zwie­tracht in das deutsche Volk säen. Das deutsche Volk wolle aber keine Zersplitterung mehr, und die Partei werde auch dafür sorgen, daß niemals mehr Zwie­tracht die Einheit des deutschen Volkes zerstöre. Nach einem Ueberblick über die außenpolitische Lage be­tonte der Gauleiter, daß der Führer seinen geraden Weg gehen kann, weil bas Volk hinter i h rn steht. Jeder einzelne Volksgenosse müsse sich auch in Zukunft für das Volk voll und ganz einsetzen, damit der Führer seine Ausgaben glücklich lösen kann. Hinter den Forderungen Adolf Hitlers müsse das Volk als ein eiserner Block stehen. Der Gauleiter stellte dann heraus, daß jeder durch sein Tun unb Handeln bie Volksgemeinschaft vertiefen müsse. Auch in den kleinsten Dingen müsse er sich als Nationalsozialist zeigen. Hier appel­lierte der Gauleiter vor allem an die Disziplin der Volksgenossen, wenn einmal wegen Devisenersparnis der Kaffee knapp ist. Immer seiderFührerdas Vorbild, dem es nachzueifern gelte. Die Treue zu ihm und der Glaube an sein Werk müßten un­erschütterlich fein.

hört unb dessen vorbildliche Leistungen deshalb be­sonders erwähnenswert sind.

Der Sonntag war nicht nur für Holzhausen, son­dern auch für die Bevölkerung der umliegenden Ort­schaften ein Festtag. Der Ort war reich mit Fah­nen, Guirlanden und Kränzen geschmückt, besonders aüch die Dorflinde. Dort wurde Gauleiter Sprenger, der im geschmückten Erntewagen in das Dorf geleitet worden war, vom Kreisleiter des Kreises Biedenkopf-Dillenburg begrüßte

Gauleiter Sprenger führte darauf aus, für die Ernennung Holzhausens zum Musterdorf sei ausschlaggebend gewesen, daß ein solches Dorf auch eine wahre Gemeinschaft bilde. Der Führer habe von Anfang an nichts anderes gewollt, als das ganze deutsche Volk zu einer Gemeinschaft zusam­

menzuschmieden. Zahlreiche Gemeinden, bie äußer­lich schöner seien, hätten sich darum beworben, zum Gaumusterdorf erklärt zu werden: Holzhausen sei diese Ehrung zuteil geworden, weil in ihm seit vielen Jahren die Gemeinschaft wirksam in Er­scheinung getreten sei.

In der Urkunde über die Ernennung Holzhausens zum Gaumusterdorf heißt es:Die Erziehung des deutschen Menschen zur Gemeinschaft ist das höchste Ziel, das der Führer gestellt hat. Das Leben des einzelnen wurzelt und gedeiht nur im Gemein­schaftsleben. Auf dem Lande ist die Dorfgemeinschaft Träger des Volkslebens. Die Gemeinschaft des Dor­fes Holzhaufen im Kreise Biedenkopf ist im Gau Hessen-Nassau vorbildlich und wird daher für das Jahr 1939 als mustergültig anerkannt." Der Gau­leiter besichtigte mit den übrigen Festgästen die AusstellungA h n e n e r b e" ebenfalls eine vor­bildliche Leistung der kleinen Dorfgemeinsckaft. Der Nachmittag brachte Darbietungen hessen-nassauischer Trachtengruppen, der KdF.-Sportaruvpen unb einer Rundfunkspielschar, während der Abend dem Kon­zert eines Wehrmachtsmufikkorps gewidmet war.

Ausklans der Gankuliurwoche in Frankfurt.

Als Abschluß der Gaukulturwoche fand am Sonn­tag in Frankfurt eine große kulturpolitische Kund­gebung statt. Der Abteilungsleiter im Reichs­ministerium für Volksaufklärung und Propaganda ^-Oberführer Hinkel sprach über Wege und Ziele einer verantwortlichen Kulturpolitik. Man habe der Bewegung vorgeworfen, daß sie einmal auf kulturellem Gebiet eine übertriebene Propa­ganda ausübe und auf der anderen Seite in ihrem Kampfe gegen die Juden so kompromißlos vorgehe. Dieser Kampf fei erforderlich gewesen. Das kultu­relle Leben der Nation sei durch den Einfluß der Juden immer tiefer gesunken. Nach der Machtüber­nahme habe man erst einen Blick hinter die Kulissen tun können. Wenn die Gründung der Reichskultur­kammer nur das eine erreicht hätte, das deutsche Kunstleben zu sammeln und zu säubern, sei genug erreicht worden. Nur wir hätten in der Welt eine Presse, die als entscheidender Faktor des Kultur­lebens anerkannt, gefördert unb von allem fremd­artigen Gift gesäubert sei. Die Kulturkammer gebe die Möglichkeit, darüber zu wachen, daß nur zuver­lässige und geeignete Menschen künstlerisch tätig sind. Die gesamte deutsche Kunst und das Kulturleben sind heute frei von jedem jüdischen Einfluß. Wir haben dieses Ergebnis durch eine ungeheuere Erziehungs­arbeit erreicht. Wir haben das Hausrecht auf diesem Gebiet erreicht und zum ersten Male die deutsche Kunst in die,Hände des Volkes zurückgelegt, und schließlich haben wir Millionen und Abermillionen von deutschen Menschen wieder zur Kunst hingeführt. Diese Ergebnisse, so gewaltig

sie auch fein mögen, find aber nur die Voraus­setzung dafür, daß wir weiter schaffen können, um der neuen deutschen Kunst und den Trägern dieser Kunst den Weg freizulegen für eine bessere Zukunft der deutschen Kunst."

Kunst und Wissenschaft.

Reichsmusiktage 4939 in Düsseldorf eröffnet.

In Düsseldorf wurden die Reichsmusiktage 1 9 3 9 eröffnet. Das Düsseldorfer Städtische Or­chester unter Leitung von Generalmusikdirektor Balzer brachte als UraufführungBeethovens Einleitung" zum zweiten Akt und Äarjch zuTar- peja". Staatssekretär Hanke umriß den Sinn der Reichsmusiktage. Auch auf dem Gebiet der Musik hat der Grundsatz Geltung erhalten, daß sie in der Breite und Tiefe des Volkes wurzelt. An Stelle des Streites der Kunstrichtungen ist der ewige Wettstreit um die beste Leistung getreten. Die ge­meinsame Zielsetzung der Volks- und Kunstmusik hat künstlich aufgerichtete Mauern niedergerissen. Durch die Förderung von Staat und Bewegung werden Millionen von Volksgenossen den Werken unserer großen Meister näher gebracht. Die Musik- liebe des Deutschen findet ihreft Ausdruck in der großen Zahl derer, die sich als Laien mit der Pflege der Musik beschäftigen. Ueber 20 000 Männerchörs mit fast 800 000 Mitgliedern, 3700 gemischte Chöre mit 140 000 Mitgliedern, 12 000 Laienkapellen, Werkschar- und Werkkapellen sind organisatorisch erfaßt und werden in ihrer Arbeit betreut. Das gibt den breiten Boden für musikalische Höchst­leistungen, die die Geltung der deutschen Musik in der Welt begründet und erhält.

Staatssekretär Hanke wies darauf hin, daß alle im deutschen Musikleben Schaffenden einer festen organisatorischen Gliederung für ihr gesundes Wachstum bedürfen. Genies können durch Orga­nisationen nicht geweckt werden, aber wir glauben, daß durch unsere Bestrebungen noch kein Genie verhindert wurde, sich als solches zu offenbaren. Der' Zusammenfassung aller schöpferischen Kräfte des deutschen Musiklebens werden die Erfolge auch nicht versagt bleiben. Abbild und Symbol der Tota­lität des deutschen Musiklebens in feiner Vielge­staltigkeit sind die Reichsmusiktage als neuer Typ des Musikfestes i«i nationalsozialistischen Staat. In diesem Sinne erklärte Staatssekretär Hanke die Reichsmusiktage für eröffnet.

Uraufführung am Gießener Sfabftfjeafer.

Ariadn e", dramatisches Gedicht von Ernst Wilhelm E s ch m a n n, wurde vom Stadttheater Gießen, Intendant Hermann Schultze-Gries­heim, für die Spielzeit 1939/40 zur alleinigen Uraufführung erworben.

Gauleiier Sprenger ernennt Holzhausen (Kr. Biedenkopf) zum Gaumusterdorf.

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