Ausgabe 
15.5.1939
 
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189. Jahrgang

Montag, 15. mal 1959

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Oer Westwall.

Als der Führer auf dem Nürnberger Parteitag 1938 die Mitteilung machte, er hätte nach der Mai­krise den Auftrag gegeben, die Westgrenzen durch einen Bau von Panzerwerken hermetisch gegen jeden Einbruch abzuschließen, war das zunächst eine inter­nationale Ueberraschung. Daß an der deutschen Westgrenze einiges vor sich ging, war zwar be­kannt, allein was Arbeitsdienst, Spezialtruppen und die Wehrmacht selbst nach einem einheitlichen Plan schufen, das war eben das Geheimnis des W e st- walls. Sollte er ein Gegenstück zur M a g i n o t - linie sein, von der die Franzosen seinerzeit so viel Aufhebens machten, über die sie im In- und Ausland Berichte veröffentlichen ließen, um so bar» zutun, wie stark sich Frankreich an seiner Ostgrenze gewappnet hätte? Nun, die Maginotlinie ist heute schon ein Befestigungswerk von gestern, was niemand besser weiß als die Franzosen selbst. Was aber an der deutschen Westgrenze entstanden ist, das ist keine chinesische Mauer, das ist kein Schützen­grabensystem aus dem Großen Kriege, keine Sieg­fried- und chindenburglinie, es hat auch in der An­lage nichts mit der Maginotlinie zu tun, es ist viel­mehr, wie sein Name sagt, ein Wall, der den Zusatz verdient, unüberwindlich zu sein. Alles, was die Festungsbautechnik bisher ausprobiert und ermittelt hat, alles, was Strategie und Takttk über bewegliche und feste Verteidigungsanlagen zu lehren pflegen, alles, was im Großen Kriege, was in Spanien und anderswo an Erfahrung gesammelt 'worden ist, ist hier vereinigt. Aber das alles ist nur das tote Gestein, Stahl und Beton, während es sich hier in Wirklichkeit um eine gewaltige Orga­nisation handelt, die von einem großen Festungs­bauer, mit einem Stabe von Ingenieuren und Tech­nikern, von Wehrfachleuten aller Art, geschaffen worden ist. Der Führer wies schon in Nürnberg darauf hin, daß der Westwall bis zu 50 Kilometer tief sei, daß er also nicht ein großes Mauerwerk schlechthin ist, sondern ein Befesttgungswerk, das unter Anpassung an das Gelände sich von der Schweizer Grenze bis nach Holland hinauf zieht.

Was ist Sinn und Zweck des Westwalls? Zu­nächst einmal die deutsche Westgrenze so abzurie­geln, daß wirklich kein Mann und kein Maschmen- gewehr durchkommen kann. Der Führer hat in Nürnberg auch erklärt, daß es zwischen Deutsch­land und Frankreich machtpolitische Gegensätze und territoriale Grenzstreitfragen nicht mehr'gibt, so daß an und für sich, soweit es auf Deutschland ankommt, dem nichts entgegenstünde, daß die deutsche West­grenze offen wäre und offen bliebe. Aber die Wege der französischen Politik sind nicht immer klar und durchsichtig, zumal Frankreich es als ein Erbübel mit sich herumschleppt, nach seiner Ostgrenze zu star­ren. Von den Zeiten Richelieus bis heute ist es so etwas wie ein Grundsatz der französischen Politik, sich nach den; Rhein in Marsch zu setzen. Dem hat der Führer durch den Westwall ein für allemal vor- gebeugt, denn was dieser Wall schon in seinen An­fängen war, das haben wir alle in der September­krise erlebt, als die militärischen Sachverständigen Frankreichs und Englands sich dahin entschieden, daß der deutsche Westwall sich überhaupt nicht oder aber nur ergebnislos unter allerschwersten Opfern durchbrechen lasse. Das war im Herbst 1938, also vor neun Monaten, während heute, nachdem deut­sche Arbeit und deutsche Technik, deutsche Organi- jation und deutsches Genie neun Monate lang un­unterbrochen Tag und Nacht weiter tätig gewesen sind, der Westwall als völlig unüberwindlich bezeich­net werden muß. Es ist einfach nicht durchzukommen.

Hinter diesem Westwall steht, wenn es sein muß, ein Volk in Waffen. Dor sich hat es diese Kette gewaltiger Befestigungswerke, die auf alle Waffen und auf alle Angriffsmöglichkeiten einge­stellt find, ob sie nun auf der Erde dahergetragen werden ober aus der Luft herniederzustoßen suchen. Dieser Westwall ist im Frieden mit bestem Material erbaut worden, also kein behelfsmäßiges Werk, das nur eine bestimmte taktische Aufgabe zu lösen hat. Der Westwall ist vielmehr eine Einrichtung, die absoluten und sicheren Schutz gegen jeden Einbruch und gegen jede Ueberraschung, wie immer sie an- gesetzt wird, bietet. Es ist etwas unbedingtes in tiefer ganzen Anlage, nicht nur in der Massigkeit der Anlagen, sondern vor allem auch in der Fem- gliedrigkeit, mit der Werk auf Werk ineinander- greift. Dieser Westwall ist, wenn es fein muß, sehr lebendig, denn er kann Funken und Feuersäulen sprühen, er kann die Erde in Bewegung setzen, er , wird auch für jeden, der einen Einbruch versucht, eine furchtbare Ueberraschung sein.

Weil wir dessen so sicher sind, weil wir wissen, daß deutsche Organisation und deutsches Genie Höchstes in diesem Westwall geleistet haben, desha b sind wir als Volk so ruhig und sicher, deshalb fühlen wir uns so geborgen, als ob uns Krieg und Kriegsgeschrei hinter den Panzerwerken des West­walls nichts mehr angingen. Es können auf der anderen Seite Massenheere anrollen, Tanks und Geschütze, es können auch neue Mittel eingesetzt werden die für den Spezialfall erdacht sind- aber all das und vieles andere dazu ist von den Militärs unb Ingenieuren berücksichtigt und bedacht worden. Eine Armee, die versuchen wollte, durchzustotzen, würde nicht einmal klägliche Reste herüberbrmgen können. Die Festungsbaukunst ist in diesem Westwall . aber sich hinausgewachsen, sie hat damit eine Sperrkette geschaffen, die von der Erde an so hoch eicht, wie sie, um undurchdringlich zu fern, reichen muß. u-

Ser Führer besichtigt -en Westwall.

Aachen, 14. Mai. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber traf am 14. Mai früh in der Nähe von Aachen ein, um die dortigen bereits fertiggestellten ober vor dem Abschluß stehen­den Befestigungsarbeiten eingehend zu besichtigen. In der Begleitung des Führers befin­den sich u. a. der Reichsführer hh Himmler, die Reichsleiter Dr. Dietrich, Bormann und die Adjutanten des Führers. Bei seiner Ankunft wurde der Führer vom Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generaloberst Keitel, dem Oberbe­fehlshaber der Heeresgruppe 2, General der Infan­terie v. Witzleben, und dem Inspekteur der Festungen, Generalleutnant Jacob, begrüßt. Nach der Meldung begab sich der Führer im Kraftwagen in das Gelände.

Der erste Tag der Besichtigungsreise gatt dem Raume von Aachen, dem Gebiet, das bei dem ersten Aufbau des deutschen Westwalles^noch außer­halb des Schutzes des größten Betonriegels der Welt geblieben war und das nun auf Befehl des Führers in den letzten Monaten gleichfalls durch eine unüberwindliche Mauer aus Stahl und Beton vor jedem feindlichen Zugriff geschützt worden ist. Bald tauchen die e r ft e n Bunker auf, die ersten Höckerlinien, die jedem feindlichen Tank ein unüberwindliches Halt gebieten. Obwohl es Sonn­tag ist, wird eifrig in den Bunkerstellungen und Verteidigungslinien gearbeitet. Immer dichter, im­mer unangreifbarer und undurchdringlicher wird dieser westlichste Wall aus schwerstem Stahl und Beton. Die Arbeiter, die hier für Großdeutschlands Sicherheit schaffen, sind von der Ankunft des Füh­rers völlig überrascht. Jubelnd tönen die Heilrufe dem Führer entgegen ein von Herzen kommen­des freudiges Willkommen.

Rohrmatten schützen die. einzelnen Baustellen vor

unberufenen Blicken. Hinter diesen Matten schauen schwerste Panzertürme aus dem Boden, Betonbunker bisher nicht gekannter Stärke verbergen sich in der Landschaft, sind schon jetzt fast ganz mit ihr ver­wachsen. Auf einer kleinen Höhe erhebt sich beherr­schend eingroßerDoppelbunker d. h.er­hebt" ist eigentlich nicht richtig, denn wenn dieses Ungetüm aus viel Meter dickem, stahlarmierten Be­ton fertig fein wird, bann wird, es überhaupt nicht mehr wahrnehmbar fein. Nur einige kleine Bodenfurchen in der Hügellehne könnten einem Kundigen verraten, daß hier ein schweres Fort steckt mit fließendem Wasser und elektrischem Strom, gas­sicheren Schlaf- und Aufenthaltsräumen für eine zahlreiche Besatzung, großen Munitionskammern, Geschützen, MG.-Ständen, Beobachtungsstellen, auch bei schwerem Beschuß ein sicherer Aufenthalt für die Besatzung der deutschen Äbwehrtruppen. Gewaltig ist der Eindruck allein dieses einen einzigen Bau­werkes und es gibt deren Hunderte allein auf dem kleinen Aachener Raum. Ein jeder, der diesen Großbunker durchschritt und dann langsam wieder nach oben stieg, spürte es bereits in diesem Augen­blick: Hier, durch diesen deutschen Westwall, kommt kein Angreifer durch.

Wetter geht die Fahrt. Wieder treffen wir über­all Sonntagsspaziergänger, zahlreiche Reiter. Freu­diger Jubel grüßt überall den Führer. In all den Dörfern und Weilern, die wir passieren, ist die Be­völkerung auf der Straße, um dem Führer zu hul­digen. Rasch wurden die Fahnen gehißt unb blü­hende Fliederbüsche geschnitten, um den Führer zu grüßen. Immer wieder läßt der Führer halten, im­mer wieder besichtigt er die eben fertig gewordenen Stellungen, prüft die Schußlinien der schweren Bunker, überzeugt sich von der inneren Einrichtung der einzelnen Befestigungsanlagen, beobachtet den

Wert mancher Neuerung, die hier Verwendung ge­funden hat. Er gibt Anregungen, was noch ge­schehen kann, spricht eingehend alle Fragen mit dem Kommandierenden General der deutschen Grenz­truppen durch.

Manchmal greift die Besichtigungsfahrt auf die zweite Linie den ursprünglichen Westwall zurück. Hier muß die Stellung bereits jetzt geradezu gesucht werben, so sehr ist sie seit dem Vorjahr ins Gelände hineingewachsen. Ost ist die Lage der Bunker überhaupt nur dadurch auszumachen, daß auf den einzelnen Anlagen als sichtbares Zei­chen ihres Vorhandenseins ein Mann steht. Auf Steinwurfweite nur find sie voneinander entfernt. Kilometer um Kilometer. Häufig liegen hinter der ersten Bunkerlinie noch weitere, ebenso versteckt unb ebenso eng gegliedert.

Sorgsam prüft der Führer in allen Einzelheiten den neuen zweiten Wall aus schwerstem Beton, um sich zu überzeugen, daß auch nichts versäumt wurde, nicht nur dem Lande ein Höchstmaß an Sicherheit zu geben, sondern auch den Truppen, die in diesen Festungslinien für den Schutz des Reiches wachen.

Ser Führer in der Eifel.

Hillesheim (Eifel), 15. Mai. (DJIB. Funk­spruch.) Der Führer und Oberste Befehlshaber fehle am Montag feine Besichtigungsfahrt im Gebiet des deutschen Westwalls fort.

Sie Reichs- und Gauleiter

besichtigen die Westbefestigungen.

Berlin, 14. Mai. (DNB.) Der Oberbesehls- Haber des Heeres, Generaloberst v. B r a u ch i t s ch, hat die Reichs- und Gauleiter Großdeutsch- lands zu einer Besichtigungsreise in bie We st befestig ungen eingeladen. Die Gäste des Oberbefehlshabers des Heeres werden Montag in Saarbrücken eintreffen, wo sie nachmittags durch Generaloberst v. Brauchttsch begrüßt werden.

Es gibt keine Frage, die einen Krieg rechtfertigen würde, aber Knoten, die gelöst werden müssen. Mussolini bekräftigt in Turin die unlösbare Gemeinschaft der beiden Achsenmächte.

R. G. Turin, 14. Mai.

Dem italienischen Regierungschef Mussolini wurde am Sonntagvormittag von der Bevölkerung von Turin ein begeisterter Empfang bereitet. Trotz der starken Regenschauer wartete die Menge stundenlang, um den Duce zu begrüßen. Die Stadt Turin hatte sich feit Wochen für diesen Besuch vor­bereitet und den schönsten Flaggenschmuck angelegt. Mussolini wurde am Bahnhof vom Grafen von Turin begrüßt und fuhr bann über die umgebaute Dia Roma auf den historischen San-Carlo-Platz, wo 20 000 Kinder der faschistischen Jugendorgani­sation vaterländische Lieder sangen, lieber 100 000 Personen belagerten die Piazza Vittorio Veneto am Po-Ufer, wo Mussolini von einem in der Form eines großen M errichteten Podiums sprach.

Mussolini begann mit der Frage:Kameraden des werktätigen und treuen Turins, erinnert ihr euch der letzten Worte meiner Rede, die ich vor sieben Jahren hier gehalten habe und die mit den Worten schloß »Marschieren, aufbauen und wenn nölig kämpfen und f i e g e n4 ? Ich frage euch, ist das italienische Volk dieser Losung treu geblieben und bereit, ihr treu zu bleiben?" Die Menge antwortete mit einem ge­waltigen Ja. Mussolini fuhr fort: ,Ln der Tat ist das italienische Volk marschiert, hat aufgebaut, ge­kämpft unb gesiegt. Gekämpft und gesiegt i n Afrika gegen einen Feind, den erfahrene euro­päische Militärsachverständige als unbesieglich garan­tierten. Habt ihr verstauben?", sagte Mussolini ironisch,garantierten. Man kennt den siche­ren Erfolg gewisser Garantien. Gekämpft und ge­siegt gegen die Sanktionenkoalition, inszeniert von jenem Völkerbund, der nunmehr ohne Bedauern in jenem großen Marmormausoleum begraben liegt, bas am Ufer bes Genfer Sees errichtet wurde. Gekämpft und gesiegt in Spanien an der Seite der heldenmütigen Truppen des Generals Franco gegen eine demokratisch-bolschewistische Koalition, die buchstäblich zerschmettert aus dem Kamps hervor- aegangen ist. Die Zusammenfassung dieser sieben Jahre'lautet: Die Eroberung des Welt­reiches, die Vereinigung des albanischen König­reiches mit dem italienischen Königreich, ein Zu­wachs unserer Macht auf allen Gebieten.

Während ich zu euch spreche, fragen sich Mil­lionen von Menschen, vielleicht Hunderte von Millionen aus der ganzen Welt im Auf und Ab des täglichen Optimismus und Pessimismus: Gehen wir dem Krieg oder dem Frieden entgegen? Eine ernste Frage für alle und besonders für jene, die im gegen­wärtigen Augenblick die Verantwortung des Entschlusses übernehmen müssen. Ich antworte seht auf diese Frage, indem ich erkläre, daß auf Grund fachlicher und kaltblüti­ger Prüfung der Lage es in Europa keine Frage von solchem Umfang oder solcher Schärfe gibt, die den Krieg rechtfertigen würde, der vom europäischen Krieg durch logische Entwicklung der Ereignisse zum Welt­krieg werden würde. Es gibt Verwicklungen in der europäischen Politik. Aber um diese

Knoten zu lösen, ist es wohl nicht notwen­dig, zum Schwert zu greifen. Immerhin m ü s- f e n diese Verwicklungen schließlich einmal g e l S st werden, weil man manchmal einer lan- genllnsicherheit eine harte Wirklichkeit vorzieht. Dies ist nicht nur die Ansicht Italiens, sondern auchdieAnsichl Deutschlands und da­her der Achse, jener Achse, die nach so vielen Jahren einer Parallelaktion der beiden Regime und Revolutionen durch den Pakt von Mailand und das Militärbündnis eine unzertrenn­bare Gemeinschaft der beiden Staaten und der beiden Völker wird. Jene, die jeden Morgen mit dem Fernrohr nach einer möglichen Brüchigkeit oder gar einem Bruch der Achse Ausschau hielten, werden jetzt beschämt und ge- demütigt sein. Niemand gebe sich lächerlichen und übertriebenen Illusionen hin. Weil mein Wille unbeugsam wie einst ist, werden wir marschieren, um Europa den Frieden der Gerechtigkeit zu geben, der dem tiefen Wunsch aller Völker entspricht.

Die Polemiker der großen Demokratien werben eingelaben, ein möglichst gerechtes Urteil über die­sen unseren Standpunkt zu fällen. Wir wünschen den Frieden nicht, weil unsere innerpolitische Lage katastrophal ist, wie behauptet wirb; denn länger als 17 Jahre erwarten unsere Feinde vergeblich den berühmten Zusammenbruch, unb sie werden noch lange warten müssen. Es geschieht auch nicht aus physischer Angst vor dem Krieg, ein Gefühl, das uns vollkommen fremd ist. Gerade aus diesem Grunde wirb in einigen Abhandlungen französischer Biertischstrategen von einem leichten Spaziergang in die Po-Ebene gesprochen. (Die Menge unterbrach hier die Rede durch ein minutenlanges Pfeifkonzert, stürmisches Johlen unb das Absingen eines Trutz­liedes.) Die Zeiten Fran,; I. und Karls III. sind vorüber. Solche Kriege sind nicht mehr denkbar. Selbst als hinter den Alpen noch nicht ein einiges Volk von 45 Millionen stand, hatten die feindlichen Eindringlinge in Italien nicht lange Glück. In der ruhmreichen piemontesischen Geschichte gibt es viele denkwürdige Beispiele, die zeigen, daß es nicht rat­sam ist, als mutwilliger Eindringling durch die ita­lienischen Gefilde zu ziehen.

Man muß sich fragen, ob dem aufrichtigen Frie­denswunsch der autoritären Staaten ein ebenso aufrichtiger Friedenswunsch der großen Demo­kratien gegenübersteht." Die Menge ruft einstim­mig:Nein!" Mussolini fuhr fort:Ihr habt schon geantwortet. Ich beschränke mich darauf zu sagen, daß es bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge bezweifelt werden kann. In der letzten Zeit ist die Weltkarte von drei Kontinenten abgeändert worben. Aber man muß bemerken, daß weder Italien, noch Deutschland und Japan nur einen Quadratmeter ober einen einzigen Bewohner der Souveränität der großen Demokratien entzogen haben. Wie erklärt sich dann diese Raserei? Ob sie uns glauben machen wollen, daß es sich um mora­lische Bedenken handelt? Vielleicht wissen wir nicht, mit welchen Methoden ihre Imperien entstanden

sind, und mit welchen Methoden sie erhalten wer­den! Es handelt sich nicht um Gebiete, sondern um andere Fragen. In Versailles war ein System errichtet worden, das System der Deutsch­land und Italien auf die Brust gerichteten Pistole. Dieses System ist unrettbar zusammengebro­chen. Daher suchte man es, durch mehr oder weni­ger gewünschte und mehr oder weniger erteilte Garantien zu ersetzen.

Daß die großen Demokratien der Sache des Friedens nicht vollkommen ergeben, sind, beweist unbestreitbar die Tatsache, daß sie bereits einen Krieg begonnen haben, den man denweißen Krieg" nennen könnte, näm­lich den Krieg auf wirtschaftlichem Gebiet. Sie täuschen sich, uns schwächen zu könüen. Nicht nur mit dem Golde gewinnt man den Krieg, sondern auch mit Willen Und Mut. Ein gewaltiger Block von 15 0 Mil­lionen von der Nordsee bis zum Indischen Ozean, in rascher Vermehrung begriffen, wird nicht untätig zusehen. Jeder Angriff wird zwecklos sein. Jeder Angriff wird mit größter Entschlossenheit zurückgewiesen. (Minutenlanger stürmischer Beifall.)

Das mußte ich euch sagen, meine Kameraden, weil es im Stil des Faschismus liegt, keine übertriebenen Hoffnungen oder trügerischen Il­lusionen zu lehren. Ein starkes Volk wie das italienische liebt die Wahrheit und die Wirklich­keit. Daher wird es euch auch klar sein, warum wir uns immer mächtiger bewaffnen: Um im Stande zu sein, u n - seren Frieden z u wahren und in jedem Moment jeden Ueberfall abzuweh­ren, mit dem uns gedroht werden könnte.

Kameraden, ich könnte verzichten, von inneren Fragen zu sprechen. Man kann diese in die Worte zusammenfassen: Volk und Regime bilden in Italien einen unzertrennbaren Block. Vom sozialen Gesichtspunkt aus werden wir den Forderungen der ersten Kampfzeit treu bleiben. Mit der Erziehung der neuen Generationen werden wir geistig und körperlich den neuen Italiener schaffen. Mit der Erschließung unserer überseeischen Besitzungen wollen wir den Lebensstand unserer Ar­beiter verbessern. Aber das erfordert eine ft r e n g e Disziplin und eine unerhörte Anspan­nung unseres Willens. Das kann jedoch die Italiener des faschistischen Zeitalters nicht ab­schrecken." Mussolini schloß mit den Worten:Kame­raden, was immer auch kommen mag, erkläre ich euch mit absoluter Sicherheit, daß alle unsere Ziele erreicht werden."

Die Rede des Duce wurde immer wieder von stürmischem Beifall und begeisterten Ovationen unterbrochen. Nach Schluß feiner Ansprache dauerten die Kundgebungen noch lange Zeit an, so daß Musso- üni gezwungen mar, sich immer wieder vor der Menge zu zeigen.