Ausgabe 
15.4.1939
 
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men nicht in die Verlegenheit, mal im Winde segeln zu müssen.

Oft aber ist der Bauprüfer recht zufrieden. Ist er es. dann wird das schön und amtlich bescheinigt und nun kann der Vogel sein Kleid bekommen. Er wird sauber mit weißer Leinwand mittels Klebelack be­spannt, eine Kunst, die auch gelernt sein will. Denn der Stoff muß stramm sitzen. Falten und Ver­ziehungen sind unerwünscht. Selbst der glätteste Stoff aber ist immer noch zu rauh und vor allem noch nicht wasserfest. Dem wird abgeholfen durch Eellonlack, ein Lack, der die wunderbare Eigenschaft Hot, wenn man ihn auf einen vorgespannten Stoff streicht, denselben noch fester und strammer zu span­nen, ihn dazu lüft- und wasserundurchlässig zu machen.

Ist das geschehen, dann geht's immer noch nicht zum Flua: dann kommt der Bauprüfer noch ein­mal. Vielleicht lacht er und sagt weiter nichts mehr, vielleicht aber macht er noch einmal ein ernstes Ge­sicht, notiert verschiedenes auf einen gelben Bogen, den der Werkstattleiter dann eingehend studieren kann, was wieder Weiterungen für dasBauperfo- nal" nach sich zieht. Zuletzt noch wird dann auf die Maschine geschrieben, wie sie heißt, wer sie gebaut

hat, was sie wiegt und trägt, welche Windgeschwin­digkeit sie verträgt, ob sie mit Gummiseil hochgezo­gen wird, oder sich gar von einem motorisierten Bru­der schleppen lassen kann. In Deutschland herrscht Ordnung. Auch hier Ist alles dann in Ordnung, dann kommt von der Gruppe endlich das lang­ersehnte Papier, der Prüfschein, der die Maschine frei gibt zum Flug.

Vor dem ersten Flug aber wird die Maschine noch, wie sich das gehört, getauft. Nicht mit Sekt. Der ist zu teuer. Aber mit Kohlensäure, mit flüssiger Luft. Bei der Namengebung gedenken wir der Männer des Flugsportes und der Bewegung. Es liegt in der Namengebung, wie anderswo, ein tiefer Sinn und eine heilige Verpflichtung.

Dann, wenn dies geschehen ist, übergibt der Werk­stattleiter den deuen Vogel dem Fluglehrer zu treuen fänden, der den ersten Flug mit ihr macht. Viele Flüge werden folgen, wie lange bis zu dem Tage^ wo der Werkstattleiter seinen Vogel wiedersieht, nicht immer zu seiner reinen Freude, aber sicherlich dient dieses Wiedersehen der Belebung seiner sprachlichen Ausdrucksfähigkeit und noch mehr der Werkstattätigkeit.

Metze vor Stach und Lohmann.

Die erfolgreichsten Dauerfahrer der Winterbahnen.

Die Radrennzeit auf den Winterbahnen ist wie­der beendet. Von fünfzig internationalen Veran­staltungen der Steher entfallen allein 16 auf Paris, 12 auf Antwerpen, 9 auf Berlin, 6 auf Stuttgart, 5 auf Dortmund und je eine auf Marseille und St. Etienne.

Weltmeister Erich Metze konnte mit acht Sie­gen wieder seine große Ueberlegenheit bestätigen. Hinter ihm behauptete sich der Berliner Georg Stach dank seiner wieder guten Form auf dem zweiten Platz vor dem Bochumer Walter Loh­mann. Erst nach diesen drei Deutschen folgt der Franzose P a ill a r d an vierter Stelle als erster Ausländer vor seinen Landsleuten A. Wambst und Minardi, denen sich der Belgier Meulemann, der in diesem Winter einige sehr gute Rennen fuhr, anreiht. Aufs angenehmste überraschte der Berliner Hoffmann, dessen Können zu den besten Hoffnungen berechtigt. Auch die beiden Franzosen Lesueur und Lemoine zeigten eine gute Fahrweise. Degegen wa­ren Severgnini (Italien) und Terreau (Frankreich) nicht ganz so erfolgreich wie im Vorjahr.

Neue Rekordversuche bei Dessau.

Die neue Rekordstrecke auf der Reichsautobahn von Dessau nach Bitterfeld wird in der kommenden Woche wieder im Zeichen von Rekordversuchen ste­hen. Der englische Major Gardner, der am

9. November 1938 auf der Autobahn Frankfurt a. M.Darmstadt mit einem 1100-ccm-Wagen Ge­schwindigkeiten von rund 300 km/st erzielte, will in Dessau erheblich höhere Geschwindigkeiten er­reichen. Seine Angriffe richten sich auf den Kilo­meter und die Meile mit fliegendem Start in einem Wagen b**5 zu 1100 ccm.

Kurze Sportnotizen.

Der erste motorlose Zielflug zwischen Augsburg und München wurde von NSFK.-Ober- truppführer K e i d e l (Augsburg) mit einem Segel­flugzeug vom TypRhön-Bussard" durchgeführt.

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MajorGardner, der bekannte englische Auto­mobil-Rennfahrer, ist auf der Dessauer Rekordstrecke eingetroffen und wird in der kommenden Woche mit seinem kleinen M.-G.-Wagen Rekordversuche über den Kilometer und die Meile unternehmen.

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Zu den Olympischen Spielen 1940 in Helsinki haben jetzt auch Bulgarien, Frankreich und Südafrika gemeldet. Damit ist die Zahl der teilneh­menden Nationen auf 40 gestiegen.

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Mehrals20k)Städtemannschaften be­teiligen sich an einem Kleinkaliber-Wettbewerb um den Herausforderungspreis des Deutschen Schützen­verbandes, den Karlsruhe verteidigt. Geschossen wird von Zehnermannschaften mit militärischem Anschlag.

Die ersten Kämpfe zur deutschen Motorrad-Meisterschast. Wieder Eilenriede-Nennen.

lieber dem deutschen Motorsport liegt jetzt, beim Eintritt in die neue Kampfzeit, jene Atmosphäre, die nicht nur die unmittelbar Beteiligten in Atem hält, sondern auch die ganze Motorsportgemeinde in eine eigentümliche Aufregung versetzt: Premierenstim­mung! Neukonstruktionen und technische Verbesse­rungen, bisher sorgsam geheimgehalten und gehütet, treten zum ersten Male heraus aus den stillen Be­zirken der Dersuchsstätten, um sich der Kritik der Oeffentlichkeit zu unterziehen.

Das Tor zur neuen Kampfzeit wird auch in diesem Jahre in der Eilenriede bei Hannover ar.f= gestoßen. Es ist jetzt keine Zeit mchr zum Expen- mentieren und Versuchen. Es gilt, die ersten Punkte zur deutschen Meisterschaft zu erkämpfen. Sieg und Niederlage haben daher entscheidende Bedeutung für die Zukunft.

Unter diesem Blickwinkel muß man auch die Neukonstruktionen betrachten, die NSU. und die Auto Union in der Cilenriede am kommenden Sonntag Herausstellen. Die Union startet gleich mit ihren beiden Neuschöpfungen in der 250er und 350er-Klasse, während die Neckarsulmer ihrekleine" Maschine-vorläufig wieder zurückgezogen haben, da die Versuchsfahrten auf dem Hockenheimring wegen des ungünstigen Wetters nicht genügend Aufschluß verschaffen konnten. So bleibt die 350er-NSU., die der DKW. ein ebenbürtiger Gegner sein wird.

192 Fahrer sind für Hannover bereit. Mit 100 Startern stellt der Nachwuchs in den Klassen der. Ausweisfahrer die Hauptstreitmacht. Ihnen gegen­über stehen 92 Lizenzfahrer aus Deutschland, Hol­land, England, Dänemark, Belgien, Finnland und der Schweiz. Das Ausland rückt zwar noch nicht mit seinen Stärksten an, aber gute Vergleichsmög­lichkeiten werden sich in der Eilenriede doch ergeben.

Harte Kämpfe (die Strecke wurde wieder auf 30 Runden = 144 Kilometer für alle Klassen verkürzt) darf man in allen Klassen der Lizenzfahrer erwar­ten. In der 2 5 0 e r - K l a s s e wird die neue DKW. von Europameister Kluge und Walfried Wink­ler gesteuert, nach der Absage von NSU. ohne ernsthaften Gegner sein. Unter den rund 25 Fahrern befindet sich als einziger Ausländer der Belgier Dickwell auf einer italienischen Binelli.

Die 350er°Klasse führt erstmals die neuen Modelle der Auto-Union und von NSU. zusammen.

Interessant ist dabei, daß der alte NSU.-Kämpe Heiner Fleischmann diesmal zusammen mit Petruschke und Hamelehle für die Auto- Union startet. Die Neckarsulmer setzen Bodmer und den Engländer White ein. Das Ausland ver­treten hier noch Binder (Holland), Thomas (Eng­land), Jensen (Dänemark), alle auf Velocette, und Lönnfors (Finnland) auf DKW. Insgesamt treten 40 Fahrer an.

Für die Halbliterklasse liegen 30 Mel­dungen vor. Die Bayerischen Motorenwerke, die ja mit Meier einen Fahrer von Ruf an den Auto­mobilsport abgegeben haben, schicken Altmeister Gall und K r a u ß in den Kampf mit der schnellen englischen Norton des Briten Anderson, der als forscher und gewandter Fahrer bekannt ist. Alle Meisterschaftsläufe und das Ausweisfahrer-Rennen der Halbliterklasse steigen am Sonntag, während am Tage vorher die Ausweisfahrer ganz unter sich sind. Die NSKK.-Motorgruppe Niedersachsen wird der großen Prüfung den längst gewohnten volks­tümlichen Rahmen zu schaffen wissen.

Erstes Training.

Beim ersten Training zum internationalen Eilen- riederennen bei Hannover waren die Halbliter­BMW. mit Stundenmitteln um 130 Kilometer am schnellsten. In der 250er-Klasse drehte Europa­meister Ewald Kluge auf DKW. mit 2:20,4 (122,6 km/st) eine neue Rekordrunde, während der neue DKW.-Fahrer Fleischmann (früher NSU.) mit 2:16,4 (127,5 km/st) in der Klasse bis 350 ccm am besten abschnitt. Die neuen NSU. waren erheblich langsamer.

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Beim Abschluß-Training zum Eilenriede-Rennen wurden am Freitag wieder ausgezeichnete Zeiten er­zielt. Schnellster Fahrer.in der 250-ccm-Klasse der Motorradrennfahrer war Walfried Winkler (DKW.) mit 120 km/st. Gut waren auch die Zeiten der 350er. Hier erreichte Bernhard Petruschke (DKW.) mit 125,6 km st die beste Zeit, und in der Halbliterklasse schnitt Karl Gall (BMW.) mit 130 km/st am besten ab. Georg Meier kamaußer Konkurrenz" auf der Halbliter-BMW. auf 137,6 km/st.

Zwei Kämpfe aus dem Waldsportplatz.

VfB.-Reichsbahn I Naunheim l.

erstmalig findet morgen auf dem Waldsportplatz des PfB.-Reichsbahn eine Doppelveranstaltung statt. Die Sportbegeisterten werden bestimmt auf ihre Rechnung kommen, denn nicht nur die Begegnung zwischen dem VfB.-Reichsbahn und Naunheim steht auf dem Programm, sondern zugleich das Spiel 1900 gegen Aßlar. Der zur Zeit in Gießen weilende Gau­sportlehrer S o 11 o n g wird diese Gelegenheit be­nützen und sich die besten Spieler aus diesen Ver­einen merken, vielleicht ist außer Lippert noch eine weitere Entdeckung fällig.

Im Rückspiel wird Naunheim erwartet. Diese Mannschaft war es, die die Meisterschaftshoffnungen der Grün-Weißen zunichte machte, denn gerade dies verlorene Spiel entschied über die Meisterschaft. Nun haben die Grün-Weißen vor, sich für die Vorspiel­niederlage zu revanchieren. Der Gegner ist hier be­kannt, hat allerdings die Mannschaft stark verjüngt.

Trotzdem ist der Gegner sehr ernst zu nehmen. Die Grün-Weißen, die den zweiten Tabellenplatz unbe­dingt halten wollen, werden morgen ein gutes Spiel liefern müssen, wenn es zu einem Siege reichen soll

Die Mannschaft tritt in folgender Aufstellung an: Gottschalk, Leutheuser I., Kramer, Krämer, Lutz Godglück, Schlitz, Fischer, Gorrissen, Heß, Frey. Es ist mit einem spannenden Spiel zy rechnen, das erst in den Schlußminuten entschieden werden sollte.

1900 VfB. Aßlar.

3m Rahmen einer Doppelveranstaltung tragen die Blauweißen das Gesellschafts-Pflichtspiel aeaen den VfB Aßlar auf dem-Waldsportplatz aus Ob- wohl der Ausgang ohne Bedeutung ist, werden von beiden Seiten die besten Besetzungen aufge­boten. Denn, für die Blauweißen gilt es, die Mannschaft für die noch ausstehenden Verbands­spiele in Gang zu halten, während die Aßlarer für

die demnächst beginnenden Qualifikationskämpfe um den Verbleib in der Bezirksklasse mit den beiden Tabellenletzten, Burg und Ehringshausen, gewapp­net sein müssen. Bei dieser Voraussetzung kann man also schon mehr mit der Form eines Pflicht­spieles rechnen Heber den Ausgang braucht man wohl keine zu große Forschungen anzustellen, denn es ist wohl nicht anzunehmen, daß sich die Blau- weißen in der Aufstellung Herbst, Pankok, Lippert, Krämer, Rensing, Schäfer, Schellhaas, Lödsack, Quick, Hormel, Heuser den Sieg streitig machen lassen.

VfB.-Reichsbahn II Naunheim II.

Die Reserve der Grün-Weißen empfängt Naun­heim II und sollte durchaus in der Lage sein, auch im Rückspiel sicherer Sieger zu werden.

Teutonia Steinberg I kurhessen Marburg.

Noch in letzter Stunde ist es der Steinberger Dereinsführung gelungen, für morgen einen beacht­lichen Gegner für die 1. Mannschaft zu verpflichten. Kurhessen Marburg ist ein Verein, der auch in unserem Sportkreis den besten Ruf besitzt. Die Mannschaft ist wohl nicht mehr so stark wie vor einigen Jahren, als sie noch zur Gauklasse gehörte, aber trotzdem verfügt die Elf über solides Können. In der Bezirksklasse steht die Mannschaft an zwei­ter Stelle. Schon vor vier Jahren waren die Mar­burger Kurhessen einmal in Steinberg zu Gast und mutzten sich mit 4:2 beugen. In der Zwischenzeit nun hat die Spielstärke der Gäste nachgelassen und Steinberg besitzt eine aufwärts strebende Elf. Es dürfte zu einem hartnäckigen Kampfe kommen, über dessen Ausgang eine Vorhersage nicht leicht mög­lich ist. Bedenkt man, daß die Teutonen wieder mit Ersatz spielen müssen, so ist eine Ueberraschung nicht ausgeschlossen. Neben Karl Jung fehlen wieder Lang, Schmidt und Naumann. Außerdem fehlt auch noch der Tormann Happel. Aber die eingestellten Nachwuchsspieler werden genau so wie am letzten Sonntag ihre Pflicht tun.

Ä. f. N. Lich.

Am morgigen Sonntag werden wieder einmal zwei Spiele auf dem Licher Platze ausgetragen. Die erste Elf empfängt eine kombinierte Elf von Tuspo. Butzbach. Die Gäste, die mit ihrer 1. Mannschaft in der Bezirksklasse spielen, konnten sich in der ver­gangenen Spielserie in der Mittelgruppe halten und dürften auch trotz einiger Spieler aus der zweiten Elf mit einer starken Mannschaft nach Lich kommen. Wenn auch die Licher an den Feiertagen eine gute und zweckmäßige Spielweise zeigten, so sollten sie doch keineswegs das sonntägliche Spiel leicht nehmen.

Vor diesem Spiel tritt die Jugendelf gegen Stein­

bachs Jugend oft. Die Jüngsten der Grünweißen konnten in ihren letzten Spielen keineswegs g». fallen, scheinen aber diese Krise allmählich zu über­winden, denn am vergangenen Sonntag konnte man mit den im Spiel gegen eine kombinierte Jugend von VfB.-R Gießen gezeigten Leistungen zufrie­den sein.

Allendorf (Lahn) Ehringshausen 2:2 (2:1).

Die Jugendmannschaft Allendorf (Lahn) hatte die gleiche verstärkte Mannschaft des Sportvereins Ehringshausen zu Gast. Beide Mannschaften gaben ihr Bestes her, und so kam es zu einem interessanten

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Kampf, der in seinem Endresultat mit 2:2 (2:1) seine richtige Bewertung erfahren hatte. Was die Gäste den Einheimischen an technischem Können voraus hatten, wußten die Allendörfer durch Eifer auszu- gleichen.

Handballkämpfe um den Aufstieg.

Der Gaufachwart hat für kommenden Sonntag bereits die ersten Spiele zur Ermittlung des Gau- klafsen-Neulings im Bezirk II angesetzt. Es treten an:

To. Kirch-Göns Tv. Hörnsheim

MSV. ^Barbara Gießen Tgde. Hanau.

Unter diesen Umständen ist eine Aenderung in der Austragung der Pokalspiele notwendig geworden. An Stelle der Paarung Katzensurt MSV. Bar­bara spielt Katzenfurt Luftwaffe, und in Dorn­holzhausen tritt für Hörnsheim eine Kombinatton des Tv. Dutenhofen an. Auf diese Weise konnten die Schwierigkeiten wenigstens einigermaßen behoben werden.

Die Ausstiegspiele versprechen bei der Ausgegli­chenheit der Gegner ausgezeichneten Sport. Es märe zwar müßig, schon irgendwelche Voraussagen zu treffen; dazu sind vor allen Dingen die Sieger der beiden anderen Staffeln zu unbekannt. Fest steht allerdings, daß unsere beiden Vertreter, d. h. sowohl der Tv. Hörnsheim als auch die Artilleristen aus Gießen über ein ausgezeichnetes Können verfügen und sicherlich in der Lage sind, den heimischen Kreis würdig zu oertreten. Einen schweren Gang geht ohne Zweifel Hörnsheim, weil Kirch-Göns zu Hause schwer zu schlagen ist. Immerhin ist die Mannschaft keineswegs gegen eine Niederlage gefeit, so daß ein Sieg der Gäste im Bereich der Möglichkeit liegt. Wesentlich leichter hat es die Barbara, die den Vor­teil des eigenen Platzes in die Waagschale werfen kann.

Bedeutungsvolle Schritte in der oberhessischen Schweinezucht. Tagung der Schweinezüchtervereinigung Oberheffen.

Die Schweinezüchter - Vereinigung Oberhessen, die sich auf kleinbäuerlicher Grund­lage aufbaut und die größte derartige Vereinigung innerhalb der Landesbauernschaft ist, hielt unter dem Vorsitz des Bauern Karl L o r b e r g (Hof Wick- stadt) am gestrigen Freitag imSaalbau Liebig- sttaße" zu Gießen ihre sehr gut besuchte Jahresmit­gliederoersammlung ab. Zunächst wurde dem Manne, der jahrelang die Geschicke der oberhessischen Schweinezucht geleitet hatte und dem sie ihre großen Erfolge verdankt, dem verstorbenen Oberlandwirt­schaftsrat Dr. Otto Wagner, ein stilles Gedenken gewidmet.

Aus dem Geschäftsbericht.

Der Geschäftsführer, Landwirtschaftsrat Dr. Wag­ner, leitete dann feinen Geschäftsbericht mit der Feststellung ein, daß sich für die oberhessische Schweinezucht ein bedeutungsvoller Schritt vollzo­gen habe, indem die in Lang-Göns bestehende Zucht des Deutschen Edelschweines aufgegeben wurde. Dr. Wagner sprach aner­kennend von den ausgezeichneten Leistungen, die die Lang-Gönser Züchter im Lause der Jahre er­zielten, für die sie auf den DLG - und den Reichs­nährstandsschauen ausgezeichnet worden waren. Nachdem aber einige Züchter ihre Zucht aufgegeben haben, wodurch der Blutaustausch erschwert wurde, und der Absatz nachgelassen hatte, seien die Lang- Gönser zu der Ueberzeugunq gekommen, daß es richtiger sei, das in Hessen-Nassau vorherrschende Veredelte Landschwein zu halten. Der letzte Stations-Eber des» Deutschen Edelschweines sei in der Zwischenzeit abgeschafft worden, so daß ab 1.1.1940 nicht mehr gekört werden könne. Damit habe die Edelschweinzucht, die ihre Erfolge unter Beweis gestellt hatte, aufgehört zu bestehen. Land­wirtschaftsrat Dr. Wagner sprach den Lang- Gönser Züchtern Dank dafür aus und wünschte ihnen auch nach der Umstellung auf das Veredelte Landschwein gute Erfolge.

Die Umstellung der Zucht hat auch ihren Nieder­schlag in der Mitgliederbewegung gefunden. Die Zahl der Züchter des Edelschweines ist von 23 im Jahre 1937 auf 6 zurückgegangen. Die ins Herd­buch eingetragenen Eber, von denen 1937 nur noch 6 bestanden, sind abgefchafft, von den eingetragenen Sauen sind nur noch 12 von 60 und von den son­stigen Ebern 79 (1937 = 132) vorhanden.

Demgegenüber ist die Mitgliederzahl der Züchter des Veredelten Landschweines von 88 auf 111 an­gestiegen. Die Stammbuch-Eber sind um 6 Stück, von 36 auf 42, die der Sauen um 58 von 251 auf 309 und die der sonstimn Eber um 76 von 279 auf 355 vermehrt worden. *

Die Kassenverhältnisse der Vereinigung sind ge­sund, u. a. wurde für die Vatertierstationen ein Be­trag von 1150 Mk. aufgewandt.

Die Arbeiten im Jahre 1938 waren erschwert durch die Maul- und Klauenseuchen, so daß Ver­steigerungen und Schauen ausfallen und auch die Schweinemastleistungsprüfungen eingeschränkt wer­den mußten. Dank dem Entgegenkommen des Pro­fessors Dr. V o g e l konnten diese Leistungsprüfungen im Herbst 1938 wieder ausgenommen werden.

Die letzte Einfuhr von Zuchtmaterial aus dem Originalzuchtgebiet Oldenburg im Jahre 1938 kann nicht als befriedigend angesehen werden. Die Zucht­leitung wird daher die Bestrebungen zur Heran­züchtung eines bodenständigen Tieres unterstützen und nur zur Blutauffrischung hervor­ragende Vatertiere aus Oldenburg einführe'n

In den Bezirken Gießen und Büdingen wurden Stallschauen durchgeführt, bei denen die besten Tiere ausgezeichnet wurden. Weitere Besichtigungen der bedeutendsten Zuchten von Lang-Göns, Lorberg-Hof- Wickstadt, Lehrhof bei Lauterbach Freiherr von Rie- deselsche Gutsverwaltung Sickendorf und Eurich- Hutzdorf werden durch den Leiter der Versuchswirt­

schaft für Schweinehaltung, Ruhlsdors, und durch Dr. E. Wagner stattfinden.

Schweineleistungsprüfungen.

Der Direktor des Tierzuchtinstitutes Oberer Hardt­hof, Professor Dr. Vogel, hielt dann einen inter­essanten Vortrag überSchweineleistungsprüfungen". Er zeigte, wie die Schweineleistung erst bann zweck­mäßig sei, wenn sie vom züchterischen Standpunkt aus durchgeführt werde, da die Zucht- und auch die Nutzleistungen auf Grund der (Erbbebingungen zustanbekommen unb von Einflüssen der Umwelt abhängig seien. Professor Vogel hob hervor, baß es unsinnig sei, an Tiere mit schlechten Erbanlagen Futterkasten zu verschwenden, anderseits führe die Vernachlässigung von Haltung und Fütterung erb-

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tüchtiger Tiere nicht zur Entwicklung der vorhan­denen Anlagen. Weiter wies er auf die Schwierig­keiten bei der Prüfung der Leistungen der Schweine hin, weil die Erfolge sich nicht, wie bei anderen Tieren, gleich feststellen ließen, sondern erst an den Nachkommen und bei der Ausschlachtung. Der Red­ner berichtete an Hand von Zahlen über die Erfolge ber für Hessen-Nassau auf dem Oberen Hardthof durchgeführten Prüfungen und stellte fest, daß die Ergebnisse befriedigend ausgefallen seien, so daß die hinsichtlich der Futteroerwertung gewonnenen Kenntnisse nun in die allgemeine Landestierzucht hinausgetragen werden könnten. In diesem Zusam­menhang besprach er auch die wichtigsten Bedin­gungen des Deutschen Schweine-Leistungsbuches.

Tvirtfchaftseigene Schweinefütlerung.

Mit einem Dorttag überWirtschaftseigene Schweinefütterung" gab der Leiter der Versuchs­wirtschaft für Schweinehaltung, -fütterung uni) -zücht, Professor Dr. Stahl, Ruhlsdorf, einen Querschnitt durch das für den Bauern wichtigste Gebiet. Der Redner forderte die Züchter auf, Stoß­trupp in den neuen Fütterungsfragen zu sein. Er machte ihnen eindringlich die Bedeutung der Wirt­schaftlichkeit der Schweinezucht verständlich und er­innerte sie daran, daß die Schweinezucht neben ber Milchwirtschaft ber Betriebszweig ist, ber bie stän­digsten Einnahmen bringt. 60 v. H. der bäuerlichen Einnahmen stammen aus dem Viehstall und der Veredelung. Darum muß, wie in Oberhessen, das mit 45 v. H. an der Schweinehaltung der Landes- bauernschaft beteiligt ist, der Schweinezucht bas Recht eingeräumt werden, das sie zu beanspruchen hat. Zur Frage des Futters übergehend hob Prof. Dr. Stahl hervor, daß je kleiner der Betrieb ist, er auf den Hackfrüchteanbau größten Wert zu legen habe. In eingehender Weise besprach er dann die Verwendung von Hackfrüchten und Kartoffeln sowie anderen Futtermitteln.

Großfeuer

vernichtet 42 Dreschmaschinen.

LPD. Worms, 14. April. Im Dreschmaschi' nenschuppen des Betriebes von Albert Klein in Pfeddersheim brach durch fahrlässige Hand­lung eines Lehrlings Feuer aus, das sich schnell verbreitete. In den Dreschmaschinen und Oelvorräten zum Betrieb der Dieselmotoren fand das Feuer reiche Nahrung, auch griff es auf den Dachstuhl eines benachbarten Hauses über. 12 Dreschmaschinen, fünf Strohpressen, fünf elektrische Dreschwagen und zwei Fuhrwerke wurden ein Opfer der Flammen- Der Schaden beläuft sich auf weit über 200 000 RM-