Ausgabe 
15.4.1939
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

M. 88 viertes Blatt

Eine Tragfläche entsteht aus einer Fülle der Kleinarbeit.

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uie fertigen Flugzeuge wird letzte Hand angelegt.

ist kein Reichtum, an

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als wenn die Bespan­

nung drauf ist. Auch der Bauende sieht den Rohbau gerne: er sieht dann auch die Arbeit, die darinnen steckt. Unterdessen werden langsam auch die anderen Teile fertig (vorausgesetzt, daß die fliegendeHorde" draußen nicht allzuviel Bruch macht und die Zeit

tungen hinterlassen können. Man hatte kaum per­sönlichen Kontakt mit ihr gehabt, denn sie umgab sich lieber mit Tieren als mit Menschen und war in den letzten Fahren überhaupt ein bißchen wun­derlich geworden. Da war es doppelt anzuertcnnen, daß sie das Furrer-Vermögen an die Familie zu­rückgehen ließ, und im Grunde konnte man es ihr nicht verdenken, wenn sie ihr eigenes Geld nun auch ihren eigenen Blutsverwandten zukommen lassen wollte. Und diese sympathische junge Frau, die so fassungslos dasaß, schien es brauchen zu können.

Als Herr Furrer in seinen Ueberlegungen |omeit gekommen, entschloß er sich, die Sache in Ordnung zu finden und reichte seiner Miterbin die Hand: Da darf man wohl gratulieren!"

Dina war zu überrascht und auch zu erschüttert, um gleich eine Antwort zu finden, mechanisch er­widerte sie den Händedruck. Daß diese niegekannte Großtante sie bedenken würde, darauf hatte sie gehofft, als man sie zur Testametltserösfnung nach Luzern bestellte, was von Berlin aus doch immer­hin eine Reise war, aber über ein paar tausend Mark waren ihre Erwartungen nicht hinausge­gangen. Sie hatte bisher nicht einmal gewußt, daß es diese Großtante gab, viel weniger, daß sie eine so reiche Frau war.

Sie wußte nicht allzuviel von ihrer Familie. Daß ihre Großmutter Schweizerin gewesen war, darüber batte der Vater wohl gelegentlich gesprochen, da sie aber früh gestorben war lange vor Dinas Ge- burt hatte sie wenig von ihr gehört und kaum i jemals von den über die ganze Welt verstreuten ! Gundolfschcn Geschwistern. Das Leben ihrer Eltern war durch die häufigen Versetzungen des Vaters, ! der Offizier gewesen, auch viel zu unruhig, um | Familienbeziehungen sonderlich zu pflegen.

ich die Werkstatt auf der Liebigshöhe und die Ar­beit dort an.

Gewiß, so eine Maschine baut sich nicht wie ein Hasen- oder Hühnerstall aus alten Kistenbrettern, Nägeln und Eisendraht saint Tischlerleim: Segel­lugzeuge, wenn wir sie auch hie und da in der Stadt einmal aufstellten, haben dennoch eine andere Lebensaufgabe, als die, solchermaßen als Reklame- artikel verwendet zu lyerden. Sie haben in der.Luft allerhand Belastung zu ertragen. Entsprechend müs­sen sie gebaut sein. Eine Tragfläche, die in- ber Luft abmontiert, ein Spnnnkabel, das reißt, taugen beide nichts. Drum, wenn wir auch selbst bauen (aus Er­

saß sieden richtigen finden möge, gebe ich ihr als n 1 - Und meinen Segen dazu!

Genaue Pläne, auf Karton aufgezogen, \v. des Segelflugzeugbaues.

Arbeit am Schraubstock. Ein Rohr wird gebogen. 9m Bilde links der Werkstattleiter Lehrer C nige r (Münster).

Gutes Werkzeug aller Art ist die Voraussetzung für die Arbeit.

(Aufnahmen [6]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Es gibt Grundsätze in der Segelfliegerei. Ein eherner Grundsatz heißt: Wer nicht baut, soll auch nicht fliegen. Denn nur wer weiß, wie­viel Arbeit ein Segelflugzeug macht, geht auch vor­sichtig mit ihm um. Es ist so schön draußen im Ge­lände den kühnen Flieger zu spielen, sich anstaunen und bewundern lassen und die Arbeit in den Werk­stätten andern überlassen. Wo das so ist, da ist ein Sturm nicht mehr gesund. Wer nicht baut, soll auch

Rippen, zwischen Klötze eingespannt, müssen nach dem Leimen trocknen.

ziehungs- und anderen Gründen), deshalb wird doch fest und normgerecht gebaut.

Für jede Maschine, die in unseren Werkstätten aufgelegt wird, ist eine saubere 'Zeichnung vor­handen, die denInstanzenweg" bereits hinter sich hat, von , oben", d. h. von der Korpsführung, kommt, also in Ordnung ist. Nur nach diesen Zeich­nungen und den dazugehörigen Bauplänen und Einzelzeichnungen wird gebaut. Verantwortlich da­für, daß kein 'Mist gemacht wird, daß der Vogel nachher auch so aussieht, wie die Zeichnung das

kaum zu Reparaturen ausreicht), der Spannturm, der Gitterschwanz, die Steuerorgane, Sitz, Knüppel, Kabel usw.

Diese Einzelteile werden nun noch maßgerecht aneinander- und zusammengepaßt und verspannt. Früher sah man vor lauter Verspannung kaum das Flugzeug mehr, denn wo noch etwas wackelte, wurde schnell noch ein Spanndraht eingezogen. Die Zeichnungen heute zeigen jeden Teil nach Maß und Ort genau und einmalig. Alle Spannschlösser, Drähte, Kabel, Rollen haben ihren Platz, an den sie kommen. Eines Tages ist dann der Rohbau fertige

*

Dann kommt der Bauprüfer. Bauprüfer sind das Gewissen des deutschen Segelfluges, die wahren Freunde der geprüften Werkstattleiter. Denn sie nehmen ihm einen Teil seiner Sorgen ab. Es ist doch schön, wenn dieser Bauprüfer kommt und guckt sich den neuen und werdenden Vogel an. Vier Augen sehen mehr denn zwei, besonders da, wo ge­pfuscht worden ist. (Was ja im allgemeinen bei ernsthaften Werkstätten nicht vorkommt.) Aber es gibt immer mal Sachen, die erst der geschulte Prü­fer sieht, die unbeabsichtigt dem Bauenden unter­laufen sind. Dann gibt es eben eine Mängelfest-- stellung, eine Beanstandung, vielleicht noch eine, und das Examen der Maschine ist nicht bestanden. Das soll auch anderswo vorkommen. Aber es ist besser, eine solche Maschine fällt mal durchs Examen, als später ein Flieger darinnen aus den Wolken. Wer das nicht versteht, der soll eben besser Margarinekisten oder Roller bauen. Denn die kom-

Sie war keine alltägliche Persönlichkeit, wenn auch dem Außenstehenden manches an ihr absonderlich erscheinen mochte." ,

Nein, alltäglich war sie wahrhaftig nicht , be- stätigte Herr Furrer.Es war ja zuletzt schwer, an sie heranzukommen, aber Format hatte die alte Dame, das muß man ihr lassen."

Einen Augenblick schwiegen alle drei, dann «kam Stoecklin auf das Berufliche zurück.Sie nehmen die Erbschaft an, Herr Furrer?" fragte er formell. Er wandte sich zuerst an ihn, um Dma Zeit zu lassen, die Fassung wiederzugewinnen.

Jawohl. Als Vertreter der Familie Furrer er­kläre ich, daß wir annehmen", gab Furrer ebenso formell zurück.

Und Sie, Frau Wegner?"

Ja. Doch. Natürlich", sagte Dma hastig.Ich muß mich nur erst ein bißchen daran gewöhnen", fügte sie etwas schüchtern hinzu.

Herr Furrer lachte und brach damit den Ernst, der bis jetzt über dieser Szene gelegen hatte.Das geht nachher rasch genug, rascher als umgekehrt! Und in einem Jahr wissen Sie schon gar nicht mehr, daß Sie es einmal anders gekannt haben."

Daß es umgekehrt sehr schwer ist, habe ich schon erfahren müssen", sagte Dina lächelnd,und darum kann vielleicht niemand sonst begreifen, wie dank­bar ich dieser Großtante bin. Ich möchte an ihr Grab. Wo ist es?"

In Zürich. In unserem Erbbegräbnis", ant­wortete Herr Furrer.Natürlich haben Sie jeder­zeit Zutritt."

Dina nickte dankend. Dr. Stoecklin nahm wieder das Wort.Die Regelung wird nicht ganz einfach [ein, da Sie Ausländerin sind", sagte er sachlich, aber mein Büro wird Ihnen, soweit es möglich ist, die Verhandlung mit den Behörden abnehmen. Sie müßten mir natürlich Vollmacht geben."

Selbstverständlich."

Wie lange gedenken Sie in Luzern zu bleiben?" Ich möchte, wenn möglich, übermorgen nach 1 Deutschland zurück. Ich bin berufstätig und werde an meiner Arbeitsstätte im Augenblick sehr ge­braucht."

Nun, ich denke, bis morgen vormittag kann alles zum Unterschreiben vorbereitet sein. Wenn ich also bitten darf, morgen um die gleiche Zeit."

(Fortsetzung folgt.)

Und nun sandte die unbetannte Großtante plötz­lich einen Goldregen über sie wie die Fee im Märchen. Es war kaum zu fassen. In ihrem Gesicht zuckte es, und dann rollten zwei dicke Tränen. Hätte ich ihr doch im Leben etwas sein können"/ sagte sie überwältigt aus tiefer Dankbarkeit heraus. Heber das kühle, beherrschte Iuristengesicht des -Dr. Stoecklin ging ein Heller Schein.

Es freut mich, daß dies ihr erster Gedanke ist, Frau Wegner. Ich hatte seit fünfzehn Jahren die Ehre, der' Rechtsberater der Verstorbenen zu sein.

sie verteilen.

Ich habe mich deshalb entschlossen, das Gesamt- nermogen in eine Hand zu geben, und zwar y meine'Wahl nach reiflicher Ueberlegung aus meine Großnichte Elaudine Gegner, geschiedene Mikeny, gefallen. Ich habe mich für sie entschieden, nicht allein, weil sie verarmt ist und um ihr tägliches Dasein kämpfen muß, sondern weil ich mich 'hr durch die Aehnlichkeit unseres Schicksals besonders verbunden fühle. Wir empfingen die gleichen Wun­den und tragen die gleiten Warben; nur baß bet ihr das Leben trennte und bei mir der Tod.

$ßie sie mit den inneren Problemen ihres Da­seins fertig wird, bleibt ihre Sache-, dabei kann ihr niemand helfen. Aber vom Druck äußerer Ab­hängigkeit kann ich sie befreien, und darum ver­mache ich ihr hiermit mein persönliches Vermögen in Höhe von fünfhunderttausend ^ranEen, bas ihr nach Erledigung der notwendigen Formalitäten un-

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Zn den Bauwerkstätten -es NSFK

Von Ernst Eröniger, Siurmwerksiattleiier im Sturm 6/75, Gießen.

nicht fliegen!

Die Schönheit des Segelflugs ruht ja nicht allein in der Schönheit des Flugsportes an sich: In einem übertrifft er alle anderen Sportarten. Er baut sich sein Sportgerät selbst. Und wer von den Gießenern und anderen Leuten letzthin im Winter bei Samm­lungen und anderen Veranstaltungen hie und da so einen Flugapparat in den Straßen ober auf Plätzen gesehen, ihn von innen und außen bestaunt hat, dem sei an dieser Stelle noch einmal ver­sichert: diese Maschinen sind von den Männern des Fliegerkorps, der Flieger-Hitler-Iugend und den Fliegerfrauengruppen eigenhändig und kamerad­schaftlich selbst gebaut. Wer es nicht glaubt, der sehe

verlangt, daß alle Teile ; richtig und an ihrem rich­tigen Platze angebracht sind, ist der Werkstatt­leiter. Er ist ja meistens der Mann, von dem alle glauben, daß er der über- . flüssigste Posten und der \ kindlichste ist. Ein Glaube, \ der allerdings nur so ; lange vorhält, bis eine der fliegendenKapazi­täten" einen Ringelpietz gedreht hat und nun be­schwichtigende Gespräche mit dem Werkstattleiter führt.

Also, wir bauen und re­parieren selbst. So schwer das für den Neuling aus­sieht, cs lernt sich. Nur läßt sich dies schwer be­schreiben. Viel besser ist zusehen, noch besser mit- bauen.

Das erste, was gebaut wird, sind die Spieren ober Rippen der Trag­flächen. So eine Trag­fläche ist ein Meisterwerk. ! D!h Wölbung der Trag- ! fläche wird durch gebo­gene Hölzer hergestellt. Um biefe zu biegen, bauen wir Schablonen nach den Zeichnungen. In biesen Schablonen, werden dann die dünnen Leisten ^gebo­gen und mit Sperrholz nach der Vorlage zusam­mengeleimt. Schon den Kaltleim richtig anzurüh­ren ist eine Kunst, von der man sagen kann: Mancher lernt's selten, mancher nie.

Sind die paarundzwan- zig Rippen fertig, dann werden sie auf die Holme aufgesteckt, und nun sieht auch der Zuschauer schon, was nun werden soll. Der i Rohbau sieht dann im- = mer sehr erhebend und er- > staunlichaus. Viel netter,

einschließlich des von ihm hinterlassenen Anteils nach freiem Ermessen verfügen kann, so i|t es jur mich selbstverständlich, daß der Teil, der von den Furrers stammt, auch wieder an die Furrers zu­rückgeht."Eine genaue Ausstellung darüber steht zu Ihrer Verfügung, Herr Furrer", unter­brach Stoecklin sich selbst. -Ebenso- selbstverständ­lich soll das Vermögen der Gundolss auch wieder dieser Familie zugute kommen. Meine Nachfor­schungen haben ergeben, daß es so zahlreiche Nach­kommen meiner Geschwister in allen Gegenden der Welt gibt, daß nur ein winziger Betrag aus leben fallen würde, wollte ich das Geld gleichmäßig unter

C-Pychght by Carl Dunck-r Verlag, Bxrlln

3 Fortsetzung. «Nachdruck verboten.» Wenn er ahnt-, wie dünn der berühmte seidene Faden was, an den. mein pünklich-s Hi-rs-iN hing Sina schüttelte sich unwillkürlich. Aber die Aus. Ivgungcn schienen noch nicht vorüber zu s-m.Was mochte in dem Testament stehen? C- wäre s-> mhrend, wenn diese aus der Mie

<-tauchte Großtante ihr etwas rötig konnte sie ein paar tausend Frank n gebrau yem Sicher bekam sie etwas, wozu hatte ma 1

1 pnft Herkommen lassen. Und -venu -s auch mch ii-l war, schon die R-ü- hierher war -mc wunder .olle Unterbrechung ihres gle-ichs°rmig°n Arbeit - ,-bens in Berlin. Schon dasur allein wollte P 'lankbar sein, trotz der gestrigen Gmg-nil e. Nachher mären di- Leute ,a doch alle sehr nett -hwes-n, lie Kommissare und der Mann vom Flugplatz T£r. tm meisten! Wenn er die Sache mit den tjingi rwrsenen Blumen nicht beobachtet hatte, wäre s>

p . fuhr aus ihren Gedanken aus, denn die Tur tlffncfe fich um einen gediegen aussehenden Herrn n rntttle?e'n Jahren durchzulassen. Er wurde von k/-n sich Ptüsend, als werden soll. Ein genauer,

ourde und setzten sich dann. Auch Stoecklin nahm 3 S & (id) um ausschließlich Gundols-. "jeder Platz und entfaltete mit ?«r sete ch-n, Wrv^, vorhanden'! schaltete e-to-ck^

Kgunq ein nicht zu umfangreiches Schnststiick. « weiter: ..Es ist kein Reichtum an

s» SS. 18ÄSS mufperte sich nachdrücklich und begann «^'egn. als

sis tarnen zuerst Beftimmungen über «dn»e W ( Wunsch Mit. ..

i-äge, Legate an Dienstboten, Wohltatigkeits ) ^^lie Furrer, geborene Gundolf.

iungen, eine größere Summe an ein Tierh mund Stoerfiin hatte geendet und sah ,eme beiden ihnliche Anordnungen, die Zeigten, daß ^eit Klienten an. In Furrers Gesicht 'nalte sich zuerst s nrrer-Gundols trotz äußerlicher 3rucfge30genl)m( Enttäuschung, baß der ansehnliche Be-

! durchaus nicht lebensfremd 9croe|.^|lna>^meaae= 1 trag seiner Familie entging. Doch dann siegte bei Beiträge sollten vom Gesamtvermogen vorwegge n:ag » Geschäftsmann die ruhige Ueber-

wmmen und ausgezahlt werden. Dann erst kam dem n w bätte bie Erblassenn ihr ganzes

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